Berlin, 11.11.2018/cw – „Wie schon im Fall Hubertus Knabe agiert die aktuelle Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auch bei der Kritik an der Grenztoten-Studie vorschnell und zumindest unglücklich. Die Kritik an der Arbeit des Forschungsverbundes ist wenig überzeugend und getrieben von der Konkurrenz um Forschungsmittel. Um die Sache geht es offensichtlich weniger.“ So der leitende Redakteur Geschichte, Sven Felix Kellerhoff, in DIE WELT (7.11.2018) in seiner Kritik an den jüngsten Auseinandersetzungen um die reale Anzahl der Mauertoten. Der Forschungsverbund SED-Staat hatte 2017 eine Studie vorgelegt, in der 327 Tote an der innerdeutschen Grenze dokumentiert worden waren.

Nach einem Bericht des Senders RBB waren 50 der 327 Toten zum großen Teil Täter, also keine Grenzopfer. Die Staatsministerin hat nach der jüngsten Kritik den Bericht von der Internetseite nehmen lassen, um eine nochmalig Prüfung vornehmen zu lassen. 2017 hatte die Stellungnahme von Monika Grütters zu der jetzt kritisierten Studie noch anders geklungen: „Die Erinnerung an die Schrecken des Grenzregimes an der ehemaligen innerdeutschen Grenze aufrechtzuerhalten ist ein zentrales Anliegen bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur.“ (DIE WELT, 07.06.2017).

Scharfe Kritik von der UOKG

Zu den schärfsten Kritikern der Studie gehört mittlerweile der Historiker Christian Sachse vom Dachverband der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), der in den vergangenen Jahren durch eigene Studien, zum Beispiel zur Zwangsarbeit von politischen Häftlingen für den schwedischen Möbelkonzern IKEA und für die Reichsbahn bekannt wurde. Sachse war allerdings um 2006 im Unfrieden aus dem Forschungsverbund ausgeschieden.

So erhob Sachse seitens der UOKG in der rbb-Sendung sogar Manipulationsvorwürfe gegen den Forschungsverbund: „Wenn Täter zu Opfern gemacht werden, dann ist das eine Verhöhnung der Opfer.“ Der Verbands-Historiker bezog sich in seiner Kritik auf den in Moskau hingerichteten ehemaligen DDR-Polizisten Walter Monien, der 1951 die Flucht in den Westen plante und von einem MfS-Informanten verraten wurde: „Den Fall des SS-Mannes Monien kann ich nur als gewollte Manipulation verstehen,“ so Sachse.

Dagegen stellt der Forschungsverbund in einer Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen, die von Prof. Dr. Klaus Schroeder und Dr. Jochen Staadt unterzeichnet ist, fest, dass der rbb-Bericht „gezielte Auslassungen wichtiger Zusammenhänge und Falschbehauptungen“ enthalte.

So habe die Moderatorin Gabi Probst wichtige Tatsachen zu Walter Monien verschwiegen, obwohl ihr diese bekannt gewesen seien. Der Forschungsverbund hatte sich  bei der Einbeziehung Moniens als „Teilungsopfer“ auf den  biografischen Eintrag und die seinerzeitige Urteilsbegründung in der Dokumentation „Erschossen in Moskau – Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950–1953“ (3. Auflage 2008) bezogen. Dieser Dokumentation ist zu entnehmen, dass Walter Monien von der Russischen Militärstaatsanwaltschaft am 15. Februar 1999 rehabilitiert wurde. Der Forschungsverbund: „Die russischen Militärstaatsanwälte gingen 1999 mit den von stalinistischen Geheimpolizisten erzwungenen Aussagen Moniens wesentlich quellenkritischer um als der rbb in seinem Bericht. Völlig unkritisch verbreitet die öffentlich-rechtliche Anstalt die nach stalinistischen Verhörmethoden zustande gekommenen Aussagen Moniens eins zu eins in ihrer Sendung.“

Das Totenbuch wurde von Memorial Moskau, dem Forschungsinstitut Facts&Files und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben.

Forschungsverbund: Seitens der UOKG gab es 2012 keine Kritik

Schröder und Staadt weisen in ihrer Stellungnahme auch darauf hin, dass Staadt auf dem Verbändetreffen der UOKG vom 17. November 2012 das Forschungsprojekt zu den Todesopfern des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze vorgestellt habe. Dabei war „insbesondere die sensible Fallgruppe der „Suizide im Grenzdienst““ ausführlich erläutert worden. Der auf der Veranstaltung anwesende und nun als Kritiker im rbb präsentierte Dr. Christian Sachse „meldete sich in der Diskussion über die Todesfallgruppe nicht zu Wort und erhob auch im Nachgang des Verbändetreffens ebenso wie andere Mitglieder der UOKG dagegen keine Einwände.“

Nach Felix Kellerhoff dürfte der Hintergrund des jetzigen Streites und der Kritik der UOKG eher sein, „dass vor wenigen Monaten der Forschungsverbund SED-Staat vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Geld für eine Anschlussstudie zu den deutschen Opfern der Grenze zur Ostsee hin und der nichtdeutschen Außengrenzen des Warschauer Paktes bekommen hat“.

Nach Meinung von Insidern spricht einiges für diese Wertung des angesehenen WELT-Journalisten. In der UOKG werde mit „viel Aufwand um weitere Finanzierungsmittel“ gerungen. Dabei komme es wohl „nicht immer auf die gebotene Sorgfalt und Seriosität“ an. So habe der Vorsitzende im letzten Jahr eine Stiftung „Haftzwangsarbeit“ ins Leben gerufen, deren Eintragung beinahe an der notwendigen aber zunächst ausgebliebenen Startfinanzierung gescheitert wäre. Zwar sei im Frühjahr die Eintragung nach einem Geldmitteleingang (dem Registergericht war eine Zahlung von IKEA über 50.000 Euro avisiert worden) erfolgt, die Stiftung komme allerdings nicht in Schwung, weil „angestrebte Finanzierungen durch die öffentliche Hand“ ausgeblieben seien. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben dem Vorsitzenden Dieter Dombrowski (CDU) Hildigund Neubert (CDU) und Dr. Christian Sachse.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.354).

Berlin, 21.06.2021/cw – „Zu mehr als Pathos reicht es offensichtlich noch immer nicht. Selbst die an den Mord mahnende Stele in der Zimmerstraße ist einer privaten Initiative zu danken. 50 Jahre nach dem qualvollen Tod des jungen Arbeiters, der aus dem „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ vor den Kommunisten fliehen wollte, um in Freiheit leben zu können, kann sich die Stadt noch immer nicht dazu durchringen, Peter Fechter und dessen Schicksal durch ein Ehrengrab oder eine Straßenbenennung unvergessen zu machen. Jetzt ist gerade ein erneuter Vorstoß der Bezirksversammlung Pankow beim Senat gescheitert, die Grabstätte Fechters auf dem Friedhof der Wiederauferstehungsgemeinde in Berlin-Weißensee zur Ehrengrabstätte des Landes Berlin zu ernennen. In Berlin gibt es eine Rosa-Luxemburg-Straße und einen Rosa-Luxemburg-Platz, eine Karl-Liebknecht-Straße und einen Ernst-Thälmann-Park. Aber für Peter Fechter, der vor Kommunisten fliehen wollte, gibt es noch immer keine Straße. Eine Schande.

Diese Worte schrieb Jochim Stoltenberg am 29. Oktober 2012 in der BERLINER MORGENPOST, also vor fast 10 Jahren. Seither hat sich trotz verschiedener Initiativen in dieser Sache nichts bewegt. Mit dem Blick auf den 60. Jahrestag des Mauerbaus wollen wir an dieser Stelle mit einigen Beiträgen den Scheinwerfer auf diese unrühmliche Geschichte einer Stadt werfen, die ansonsten bei jeder sich bietender Gelegenheit stolz auf ihre Rolle im Kampf für die Freiheit verweist.

Dafür: Diepgen, Wowereit, Müller und andere Prominente

Immerhin haben sich drei Regierende Bürgermeister für eine Peter-Fechter-Straße ausgesprochen: Eberhard Diepgen (CDU), Klaus Wowereit (SPD) und kürzlich, am 17. Juni diesen Jahres, der amtierende Regierende  Michael Müller (SPD). Ob sie sich während ihrer Amtszeit auch nachhaltig mit ihrer Position als Regierungschef für diese Ehrung eingesetzt haben, ist im Detail nicht bekannt.

Auch andere Prominente aus Politik und Kultur haben sich zum Thema Peter-Fechter-Straße positiv geäußert. „Eine Straße nach Peter Fechter zu benennen, finde ich überfällig – am besten jene, in der er erschossen wurde!“, forderte Freya Klier im August 2012. Klier war  zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt worden, nachdem sie 1968 selbst einen erfolglosen Fluchtversuch aus der DDR gewagt hatte. Die engagierte Regisseurin und Autorin zur Peter-Fechter-Straße: „So etwas ist nachhaltiger als ein jährlich einmaliges Gedenken.“ Der Vorsitzende der Stiftung Zukunft, Volker Hassemer (CDU) unterstützte die Aktion seinerzeit ebenfalls. „Eine Straße nach Peter Fechter zu benennen, ist einer der notwendigen Schritte, um das in Erinnerung zu halten, was in einer dramatischen Phase unserem heutigen Berlin vorausging.

Berlin tut sich schwer, die Opfer der DDR-Diktatur zu ehren

Nachdenklich äußerte sich damals Klaus Schroeder (SPD), FU-Professor und Chef des Forschungsverbundes SED-Staat. Obwohl er den Gedanken einer Peter-Fechter-Straße unterstütze, sei er skeptisch, ob Berlin sich zu einem solchen Schritt durchringen könne. „Die Stadt tut sich ja bekanntlich schwer, diejenigen zu ehren, die Opfer der DDR-Diktatur waren oder aktiv gegen diese kämpften“, sagte Schroeder.

Nach Überzeugung des weltbekannten Historikers und Publizisten Michael Wolffsohn sei es „es höchste Zeit“, eine Straße nach dem Maueropfer zu benennen (2013). Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, wollte das seinerzeitige Engagement der MOPO unterstützen und  die zentrale Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Mauerbaus vor 51 Jahren dafür nutzen, „um auf den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zuzugehenund ihn um seine Unterstützung für eine Fechter-Straße zu bitten.“ Der damalige Senatssprecher Richard Meng signalisierte daraufhin  die Bereitschaft des Senats, die Initiative zu unterstützen. Geschehen ist seither nichts.

Als besonderes „Zeichen der Erinnerung“ sprach sich vor knapp zehn Jahren auch der damalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) dafür aus, in Berlin eine Straße nach Peter Fechter zu benennen: „Es ist überfällig, dass in Berlin eine Straße an das erschütternde Schicksal von Peter Fechter erinnert. Der Tod des jungen Bauarbeiters aus Ost-Berlin ein Jahr nach dem Mauerbau steht geradezu exemplarisch für die Unmenschlichkeit der SED-Diktatur.“

Bezirk Mitte dem Gestern mehr zugewandt?

Am Heftigsten wehrt sich bislang der Bezirk Mitte gegen eine Umbenennung der Zimmer- in Peter-Fechter-Straße. Der Bezirk hatte sich auch jahrelang gegen die historisch gerechtfertigte Namensgebung des Areals vor dem Bundesfinanzministerium nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 gewehrt. Immerhin konnte der Platz mit dem Bodendenkmal, auf dem am 16. Juni 1953 der Generalstreik ausgerufen worden war, acht Jahre nach dem Vorschlag der Vereinigung 17. Juni 2013 als „Platz des Volksaufstands von 1953“ benannt werden.

Es stellt sich die Frage, ob dieser Bezirk mit seiner Anzahl historischer Orte mehr dem Gestern der gescheiterten DDR zugewandt ist, als der Notwendigkeit, dem Gedenken an die Opfer der Mauer und des Widerstandes gegen die zweite deutsche Diktatur ein sichtbares Zeichen zu setzen.

* Vorstehender Text wurde der Seite „Redaktion Hohenecker Bote“ vom 20.06.2021 entnommen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.654).)

Berlin, 18.06.2021/cw – Der Vorstand der Vereinigung 17. Juni nutzte die aus Anlass des Jahrestages erfolgten Ehrungen der Gefallenen des Volksaufstandes, um den dort anwesenden Politikern das Anliegen einer von der Vereinigung erneut angeregten „Peter-Fechter-Straße“ bis zum 13. August 2021 (60. Jahre Mauerbau) vorzutragen. Der Verein hatte in dieser naheliegenden Angelegenheit bereits die Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus und in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg angeschrieben.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bei seiner Ansprache am 17. Juni 2021 auf dem Friedhof Seestraße – Foto: Thomas Platow, Landesarchiv Berlin

Der Vorstand zeigte sich über die positiven Reaktionen, an der Spitze der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), erfreut: Müller erklärte dem Vorsitzenden, er unterstütze diesen „guten Vorschlag“ und wolle die Senatskanzleibeauftragen, den zuständigen Bezirk entsprechend anzuschreiben und darüber zu informieren. Der Regierende hatte zuvor in seiner Ansprache auf dem Friedhof Seestraße ausführlich „die jahrzehntelangen Verdienste der Vereinigung 17. Juni um die Erinnerungsarbeit“ mit klaren und unmißverständlichen Worten gewürdigt (https://www.youtube.com/watch?v=l9q-3ZhXa8c).

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis90/GRÜNE) erklärte, sie würde diesen Vorschlag unterstützen und dies auf Bitten des Vorstandes auch der Fraktion im Abgeordnetenhaus vermitteln.

Alfred Dregger, Vorsitzender der CDU-Fraktion, hatte zuvor bereits in dieser Sache brieflichen Kontakt zur Vereinigung aufgenommen und sicherte seinerseits eine entsprechende Unterstützung des Vorschlages zu.

Der bei der Kranzniederlegung vor dem Bundesfinanzministerium ebenfalls anwesende AfD-Fraktionschef Georg Pazderski übermittelte dem Vorstand seine Presseerklärung, die er aus Anlass des Gedenktages an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 veröffentlicht habe. In der PE habe er den Vorschlag der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. aufgegriffen und erklärt:

„Ein Teil der Zimmerstraße am Checkpoints Charlie soll in Peter-Fechter-Straße umbenannt werden. Es ist mehr als überfällig, einen jungen Deutschen zu ehren, der in die Freiheit fliehen wollte und dafür mit seinem Leben bezahlen musste.  Der erst 18 Jahre alte Fechter war am 17. August 1962 an der Mauer in Höhe Zimmerstrasse von DDR-Grenzsoldaten schwer verletzt und dann ohne medizinische Hilfe auf dem Todesstreifen liegen gelassen worden. Fechters grausamer Tod machte den Schießbefehl in der DDR weltweit zum Thema und offenbart bis heute die Menschenverachtung des Sozialismus.“

Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion, erklärte ebenfalls, den Vorschlag des Vereins zu unterstützen und versprach entsprechende Initiative.

Auch der bei dieser Gelegenheit angesprochene Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, sagte dem Vereinsvorsitzenden Holzapfel seine konstruktive Unterstützung zu und bat um entsprechende Übermittlung der an die Politiker gerichteten Initiative für eine „Peter-Fechter-Straße“.

Nach dieser „breiten, zunächst mentalen Zustimmung zu unserem Vorschlag“ sehe der Verein einer realen Umsetzung im Vergleich zu seiner Initiative vor zehn Jahren „hoffnungsvoll entgegen,“ erklärte der Vorstand in einer ersten Wertung der spontan geäußerten Zustimmung durch Politiker fast aller Fraktionen im Abgeordnetenhaus.

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. / Redaktion Hoheneck – Mobil: 0176-48061953 (1.654).

„Gegen das Vergessen – Den Opfern ein Gesicht geben“

Berlin, 15.06.2021/cw – Die Vereinigung 17. Juni möchte die weißen Gedenkkreuze in der Ebert-Straße gegenüber dem Reichstag bis zum 60. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2021 erneuern. Bisher wiesen die dortigen Erinnerungen an Mauer-Tote nur den Namen der Opfer und deren Todesdatum aus. Unter dem Signum „Gegen das Vergessen – Den Opfern ein Gesicht geben“ will der historische Verein nunmehr die bisherigen Kreuze erneuern. Auf diesen sollen neben dem Portrait der Toten Kurzbiografien über Leben  und Sterben der dort Geehrten ausgewiesen werden. Außerdem soll den Sterbedaten das Geburtsdatum beigefügt werden.

Knappe 10 Jahre nach dem 13. August 1961 errichtete der Bürgerverein und der Bund der Mitteldeutschen für diverse Opfer, die im Umkreis der Spree bei Fluchtversuchen ums Leben kamen, jeweils ein weißes Holzkreuz. Im Rücken der (damaligen) Reichstagsruine gegenüber der dortigen Mauer wurden die Kreuze aufgestellt. Nachdem der Bundestag seinen Sitz durch Beschluss von Bonn nach Berlin verlegt hatte, standen die Gedenkkreuze dem Bau eines Parkplatzes im Wege. Nachdem der Mauer-Aktivist Carl-Wolfgang Holzapfel 1992 bei einem Berlin-Besuch von dem Vorhaben der beabsichtigten Kreuz-Beseitigung erfuhr, protestierte er in einem Radio-Interview gegen diesen „unerhörten Frevel.“ Daraufhin erhielt er ein Schreiben des Bundestagsdirektors, der im Auftrag der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gegen diese Darstellung heftig protestierte: Niemand habe die Absicht, die Mauerkreuze wegen eines Parkplatzes zu beseitigen.

Ursprüngliche Kreuze waren aus „Planungsgründen“ beseitigt worden

Entgegen dieser Absichtserklärung wurden die Kreuze dennoch einige Zeit später „aus Planungsgründen“ zunächst beseitigt. Der Bürgerverein und der Bund der Mitteldeutschen protestierten als ursprüngliche Initiatoren gegen diese „Entfernung aus der öffentlichen Wahrnehmung“ und errichtete 15 weiße Kreuze am jetzigen Standort, der nachweislich von unzähligen Touristen besucht wird. Seither stehen diese Kreuze seit einem Vierteljahrhundert zwischen Brandenburger Tor und dem Reichstagsgebäude.

2003 wurden dann Kreuze im verkleinerten Umfang direkt am Spreebogen zwischen den neu erbauten Gebäuden des Bundestages platziert. Ein Ort, an den sich nur selten Touristen verlaufen. Seither wurde der Druck auf die Betreuer der Ursprungskreuze erhöht. 2004 kündigte schließlich das Bezirksamt Mitte „die Beseitigung“ der Gedenkstätte mit Hinweis auf den Spreebogen an. Selbst die BZ titelte im Oktober des Jahres: „Bloß nicht erinnern: Amt will Mauertoten-Kreuze vor dem Reichstag abreißen“ (Tomas Kittan).

Als erster Bundespräsident besuchte Horst Köhler (CDU) die Gedenkstätte

Einen Monat zuvor hatte Horst Köhler (CDU) als erster Bundespräsident in Begleitung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) die Gedenkstätte besucht. DIE WELT berichtete am 1.09.2004: „Juliane Kleinschmidt vom Bund der Mitteldeutschen ist begeistert.“

Die Vereinigung 17. Juni, einst hervorgegangen  aus dem nach dem Aufstand begründeten „Komitee 17. Juni“ hatte sich insbesondere nach dem Tod der Vorsitzenden des Bundes der Mitteldeutschen, Juliane Kleinschmidt († 2010) der Pflege der Gedenkstätte angenommen, nachdem deren Mitglieder Rudolf Schröder (†) und Gustav Rust diese nahezu tägliche Betreuung bereits seit den 90er Jahren aufgenommen hatten.

Der Verein hat nach entsprechendem Eingang von Spenden bereits acht der insgesamt sechzehn Kreuze erneuern lassen, diese können ab sofort vor Ort besichtigt und mit bisherigen (alten) Kreuzen verglichen werden. Bis zum August sollen die restlichen acht Kreuze ebenfalls erneuert werden. „Wir wollen die Erneuerung zum 60. Jahrestag abschließen und diese Erinnerungen an die Toten der Mauer am 13. August diesen Jahres um  11:00 Uhr im Rahmen einer Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben,“ erklärte Vorsitzender Holzapfel. Man hoffe sehr, bis dahin die erforderlichen restlichen Spenden für dieses Vorhaben verbuchen zu können. Unter dem Stichwort „Den Opfern ein Gesicht geben“ oder schlicht „Mauerkreuze“ können Spenden ab sofort an die Vereinigung 17. Juni, IBAN DE27 7009 1600 0000 6329 02 –Ammerseebank- überwiesen werden.

Appell an die Fraktionen des Deutsche Bundestages

Der Verein hat sich inzwischen erneut an die Fraktionen des Bundestages mit der Bitte „um aktive Unterstützung“ des Vorhabens gewandt: „Dabei haben wir den Gedanken, dass die  Fraktionen im Deutschen Bundestag, quasi Partei-übergreifend, sich an der Finanzierung dieses Vorhabens beteiligen. Dies wäre ein deutliches und klares Signal seitens des gesamten Parlamentes, das Gedenken an die Toten der Mauer als immerwährende Pflicht anzusehen,“ hieß es in dem ursprünglichen Schreiben des Vorstandes. In seiner „Erinnerung an unsere Bitte“ ergänzte der Vorstand, dass er es bedauern würde, „wenn nur eine oder zwei Fraktionen oder Mitglieder aus diesen sich positiv zu diesem Vorhaben im Schatten des 60. Jahrestages äußern würden.“

Am Vorabend des 17. Juni wird der Vorstand am ebenfalls bereits erneuerten Kreuz, das vor Ort an den Volksaufstand von 1953 erinnert, um 11:00 Uhr einen Krenz niederlegen. „Ohne den 17. Juni und die dadurch verstärkt einsetzende Fluchtbewegung aus der SbZ hätte es vermutlich keinen Mauerbau gegeben. Beide Daten sind miteinander historisch verknüpft,“ erklärte der Verein am Abend.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.653).

Leipzig/Berlin, 14.06.2021/cw – Sachsens Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Nancy Aris, erklärte zum bevorstehenden 17. Juni, der Volksaufstand von 1953 sei ein „tag der Selbstermächtigung gewesen. Die Menschen hätten es damals gewagt, „trotz größter Gefahren öffentlich ihren Freiheitswillen zu bekunden.“

Aris betonte die Wichtigkeit, „junge Menschen heute daran zu erinnern, dass autoritäre Systeme sich auf Dauer nicht halten können und jeder Einzelne etwas bewegen kann.“ Dies halte sie für die wichtigsten Lehren des 17. Juni.

Flugblatt mit der Aufschrift 'Arbeiter erklärt Euch mit den Berlinern solidarisch in dem Ihr streikt!!!'

Auf der Rückseite des Flugblattes notierte die Stasi: „Diese Fotokopie wurde am Mittwochabend in der Beethovenstr. den Passanten in die Hände gedrückt.“ – Quelle: BStU, MfS, BV Leipzig, Leitung, Nr. 231, Bl. 59

Die 51-Jährige Nancy Aris war im März einstimmig vom sächsischen Landtag als Nachfolgerin von Lutz Rathenow gewählt worden, der das Amt seit 2011 innehatte. Sie war seit 2003 bereits stellvertretende Landesbeauftragte.

In der damaligen „DDR“-genannten sowjetisch besetzten Zone hatten Hunderttausende zunächst gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen protestiert und im Verlauf für Freiheit, freie und geheime Wahlen und gegen das SED-Regime, den Rücktritt der Regierung, demonstriert. Der Aufstand wurde schließlich durch den Einsatz von Panzern der Roten Armee und die Verhängung des Ausnahmezustandes erstickt. Insgesamt kamen während und nach dem Aufstand mindestens 55 Menschen ums Leben. Nahezu 15.000 Menschen wurden verhaftet und viele der Teilnehmer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Gedenken der VOS und des Vereins Bürgerkomitee Leipzig

Am kommenden Donnerstag wird in Leipzig mit zwei Veranstaltungen an den Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953 erinnert. Nancy Aris selbst debattiert am Nachmittag unter dem Motto „Vom Preis der Freiheit“ mit Schülern der Anton-Philipp-Reclam-Schule, wie ihr Büro am Montag in Dresden mitteilte. Sachsens Landeskultusminister Christian Piwarz (CDU) und der Landesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Frank Nemetz, werden an der Veranstaltung teilnehmen. Am Nachmittag organisieren die VOS und der Verein Bürgerkomitee Leipzig eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung. Minister Piwarz und  der Leiter des Gedenkstätte „Museum in der Runden Ecke“, Tobias Hollitzer, sowie der Zeitzeuge Karl F. Fischer werden auf der Gedenkveranstaltung erwartet bzw. sprechen. Beide Veranstaltungen werden nach der Pressemitteilung der Landesbeauftragten aufgezeichnet und im Anschluss auf YouTube veröffentlicht.

V.i.S.d.P.: VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 und Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.652).

Berlin, 03.06.2021/cw – „Im Namen der gesamten CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus möchte ich mich für Ihr persönliches und das Engagement Ihres Vereins für ein würdevolles Gedenken an den Volksaufstand am 17. Juni 1953 bedanken.“ Dies schrieb der Fraktionsvorsitzende der Partei im Berliner Abgeordnetenhaus, Burkhard Dregger, jetzt an den Vorsitzenden des historischen Vereins, Carl-Wolfgang Holzapfel.

Seit Jahrzehnten Patenschaft für das einzige originäre Denkmal an den Volksaufstad in Deutschland. Bisher kämpfte die Vereinigung vergeblich um die Restaurierung und den Zugang zur Gedenkstätte in Berlin-Zehlendorf. Hier stand (bis 1955) ein sowjetischer Panzer, dem Aufstandsteilnehmer noch im Juni 1953 ein Holzkreuz gegenüberstellten. – Foto: LyrAg-Press

Dregger, Sohn  des weiland berühmten hessischen CDU-Politikers Alfred Dregger († 2002), äußerte sich am Vorabend des 68. Jahrestages des Volksaufstandes in der DDR: „Mit Ihrem Einsatz leisten Sie einen Beitrag zur historische Aufarbeitung der Geschehnisse in Ost-Berlin und erinnern daran, wie ausgeprägt schon in den Anfangsjahren das Bestreben der Ostdeutschen  war, in Frieden und Freiheit leben  zu können.“

Der Fraktionsvorsitzende bedauerte, das dieses Bestreben nach Freiheit „leider zu vielen Menschen am 17. Juni 1953 und in den Tagen danach das Leben gekostet“ habe, „da der Aufstand brutal niedergeschlagen wurde. Dies immer wieder in unser Bewußtsein zu rufen führt dazu, das wir auch die Opfer von damals nicht einfach vergessen.“

Abschließend appelliert der Berliner CDU-Politiker an die Vereinigung, die sich ursprünglich unmittelbar nach dem Aufstand als „Komitee 17. Juni“ begründet hatte und seit 1957 unter ihrem jetzigen Namen geführt wird: „Lassen Sie uns gemeinsam weiter daran arbeiten, an die Ereignisse des 17. Juni 1953 zu erinnern und dabei immer wieder auch den Wert von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der heutigen Zeit herauszustellen.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.646).

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