You are currently browsing the category archive for the ‘Pressemitteilung’ category.

Der Radsportler und Fluchthelfer starb am 8. August in Berlin

Berlin, 13.09.2020/cw – Wegen der Corona-Maßnahmen durften ihn nur die Angehörigen auf seinem letzten Weg begleiten. Harry Seidel wurde vor wenigen Tagen, am 10. September, auf dem Evangelischen Friedhof in Lichtenrade beigesetzt. Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, sprach die Abschiedsworte.

Der am 2.04.1938 in Berlin geborenen Seidel Harry Seidel wuchs im Stadtteil Prenzlauer Berg auf. Schon früh störte sich der Jugendliche an den politischen Indoktrinationen, die für ihn so unerträglich wurden, daß er die Schule bereits nach der zehnten Klasse verließ. Harry der eine Lehre zum Elektroinstallateur absolvierte, engagierte sich schon früh im Radsport, der für ihn zur Leidenschaft wurde. Im Verein Semper Berlin, später im SC Einheit Berlin trainierte er und gewann schließlich neben der mehrfachen Berlin-Meisterschaft 1959 die DDR-Meisterschaft im Zweier-Mannschaftsfahren mit Rainer Pluskat,  auch den dritten Platz in der 4000 Meter Einerverfolgung. Nahezu zwangsläufig wurde er Mitglied der DDR-Bahnradsport-Nationalmannschaft und wurde hier als erfolgreicher Sportler von der Staatspropaganda benutzt. Obwohl er die nötige Qualifikation vorweisen konnte, wurde Seidel 1960 die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Rom verweigert. Er hatte sich im Gegensatz zu anderen Sportlern der geforderten Einnahme von Anabolika verweigert.

Filmreife Vita

Obwohl nach wie vor in Ost-Berlin wohnend, verlegte Seidel nach diesem Eklat seine Radsport-Ambitionen nach West-Berlin und startete dort für den Verein Grünweiß. Wenige Monate vor dem Mauerbau, im April 1961, trat er aus dem Verein SC Einheit aus, kündigte seine Arbeitsstelle im Osten  der geteilten Stadt und begann eine Tätigkeit als Zeitungsfahrer im Westen Berlins.

Nach dem 13. August 1961 begann Seidel eine wahrhaft filmreife Vita. Am Tag des Mauerbaus war Seidel in Ost-Berlin und flüchtete erstmals am selben Tag nach West-Berlin, kam aber am selben Tag wieder zu seiner Familie zurück. Noch in der gleichen Nacht floh er erneut, diesmal durch die Spree. Weinige Woche später, Anfang September, holte er seine Frau und seinen kleinen Sohn durch eine Lücke im Grenzzaun in der Kiefholzstraße in den Westen. Danach wurden seine Mutter und weitere Angehörige wegen der Flucht zunächst festgenommen und auch nach ihrer Entlassung von der Staatssicherheit schikaniert.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt engagierte sich Seidel in der Fluchthilfe. Er schnitt Löcher in die trennenden Zäune, zerstörte Scheinwerfer an der Grenze. Bereits im Dezember 1961 wurde Seidel erstmals am Brandenburger Tor festgenommen. Durch eine waghalsige Sprung aus einem Fenster in acht Meter Höhe konnte er entkommen.

Erstmals versuchte Harry Seidel  im Januar 1962 eine Beteiligung an einem Tunnelbau in der Kiefholzstraße, der durch einen Wassereinbruch unbenutzbar wurde. Schließlich schloss er sich dem Kioskbesitzer Fritz Wagner an, der allerdings als bezahlter Fluchthelfer arbeitete, was Seidel stets ablehnte. Seidel handelte bis zuletzt aus ideellen Motiven. Zu einem ersten blutigen  Drama kam es 1962, als Seidel zusammen mit Heinz Jercha durch Verrat in einem Tunnel aufgespürt wurden und es zum Einsatz von Schusswaffen kam. Der Zugriff der DDR-Grenztruppen erfolgte am 27. März 1962, Seidel gelang zwar mit dem durch einen Querschläger getroffenen Jercha der Rückzug in den Westen, wo dann Heinz Jercha den erlittenen Schussverletzungen erlag.

Fluchthilfe wurde zur Lebensaufgabe

Einen im Mai 1962 begonnenen Fluchttunnel (Seidel und Wagner) in der Heidelberger Straße 28/29 gaben die Fluchthelfer nach Warnungen durch den Verfassungsschutz auf. Im Jahr 2004 fanden Bauarbeiter teile eines noch intakten Tunnels, den Seidel zusammen mit anderen in Treptow gegraben hatten. Durch diesen Tunnel waren bis zu seiner Entdeckung durch Grenzorgane allein am 11. Juni 1962 ca. 55 Personen in den Westen  geflohen. Seidel hatte noch 2006 der Anbringung einer Erinnerungstafel beigewohnt.

Augrund der vielen Fluchthelfer-Aktivitäten setzte die Staatssicherheit zunehmend erfolgreich Informelle Mitarbeiter (IM) ein, durch die der Einsatz Seidels und Anderer zunehmend gefährlicher wurde. So wurde ein Flucht-Projekt, dass Seidel, Wagner, Hasso Herschel und die Girrmann-Gruppe mit Studenten der FU umsetzen wollte, am 7. August 1962 verraten. Etwa 60 Fluchtwillige wurde noch am gleiche Tag verhaftet. Durch den selben IM „Hardy“ wurde auch das nächste Fluchtprojekt von Seidel und Wagner in der Heidelberger Straße verraten. Beim Zugriff der Staatssicherheit wurde einer der Tunnelbauer schwer verletzt.

Verhaftung und Urteil

Nachdem Seidel endlich auch seine Mutter in den Westen  holen wollte, beteiligte er sich an einem von der CDU finanzierten Tunnelbau an der Grenze zum Ortsteil Kleinmachnow. Im Rückblick vermutete Seidel einen geplante  Hinterhalt des MfS. Jedenfalls wurde am 14. November 1962 im Tunnel festgenommen.

Unter dem Vorsitz des Präsidenten des Obersten Gerichtes der DDR, Heinrich Toeplitz, begann nur sechs Woche nach Seidels Festnahme der dreitägige Schauprozess in Ost-Berlin. Mit Urteil vom 29. Dezember 1962 wurde Seidel des fortgesetzten Verstoßes gegen das „Gesetz zum Schutze des Friedens“ und des Waffengesetzes für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Das MfS hatte zuvor in einem internen „Vorschlag zur Durchführung eines Prozesses vor erweiterter Öffentlichkeit“ vom 26. November 1962 unter anderem das Ziel beschrieben, „der Weltöffentlichkeit die Gefährlichkeit derartiger Aggressionshandlungen gegen die Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik“ zu zeigen. Allerdings stammte das bei der Verurteilung zum ersten Mal seit Jahren angewandte Gesetz von 1950 aus der Hochzeit des Stalinismus. Auch die Urteilsbegründung erschien absurd: Das Gericht verglich die angeblich von der bundesdeutschen Regierung gesteuerten Taten Seidels mit den in den Nürnberger Prozessen abgehandelten Verbrechen und beschuldigte ihn, Vorbereitungen für einen Angriffskrieg unternommen zu haben. Besonders dieses Vorgehen kritisierte die Internationale Juristenkommission in ihrem 1963 angefertigten Gutachten zu dem Urteil, da die Fluchthilfe damit auf eine Stufe mit den Verbrechen des Nationalsozialismus gestellt wurde.  Auch Willy Brandt verurteilte das Verfahren scharf: „Es gibt kein Wort, das genügen würde, um der Empörung über dieses Schandurteil der modernen Inquisition eines Unrechtsstaates Ausdruck zu verleihen.“

Kampf für „Harry Seidel und 14.000 Politische Gefangene“

Seidel saß seine Untersuchungshaft im Zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Hohenschönhausen und die dem Urteil folgende Haft im Zuchthaus Brandenburg ab. Auch dort unternahm er einen sichtbaren Protest, als er einen Schornstein bestieg. Während seiner Haft fanden zahlreiche und international beachtete Proteste gegen das Urteil und für die Freilassung Seidel statt. So fuhr der indische Gandhi-Anhänger und Bürgerrechtler Tapeshwar N. Zutshi am 14. September 1963 mit einem Ruderboot auf die Ost-Berliner Seite des Britzer Verbindungskanals. Er führte ein Plakat mit, auf dem er Freiheit für Seidel und andere politische Gefangene der DDR forderte. Der West-Berliner Freund Zutshis, Carl-Wolfgang Holzapfel, führte nach der Rückkehr Zutshis nach Indien diesen Protest fort und demonstrierte mehrfach für die „Freiheit Harry Seidels und 14.000 politischen Gefangenen“, in dem er versuchte, mit diesem Protest nach Ost-Berlin zu gelangen. Nach einem dritten Protest wurde dieser am 18.10.1965 am Ausländerübergang Checkpoint Charlie verhaftet und 1966 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Urteil wurde eigens angeführt, das der Angeklagte „durch seine Aktionen der Weltpresse permanent hetzerische Schlagzeilen gegen  die DDR“ geliefert habe. Bemerkenswert dabei ist, dass Harry Seidel vier Wochen vor Holzapfel freigekauft wurde. Beide konnten erstmals Ende Oktober durch die Vermittlung des Schwedischen Gesandten und Unterhändlers für den Freikauf, Carl-Gustav Svingel, miteinander telefonieren.

Seidel, der zunächst zum Schutz „vor der Presse“ von Svingel in Schweden untergebracht worden war, kehrte später nach West-Berlin zurück und arbeitete dort bis zu seiner Verrentung beim Senator für Inneres. Er war dort für die politisch und religiös Verfolgten des Nationalsozialismus zuständig.

Auch im Radsport war er der einst weltbekannte Sportler nach seiner Haft zunächst wieder aktiv und gewann 1973 sogar zusammen mit Burckhard Bremer, Roger Poulain und Peter Lindow die deutsche Meisterschaft im Mannschaftszeitfahren.

In einem Gespräch zwischen Seidel und Toeplitz (Fernsehmagazin  Monitor der ARD am 1.12.1992)  bezeichnete Toeplitz sein Urteil gegen Seidel als „aus neuer Sicht nicht mehr zeitgemäß“, ohne sich bei Seidel zu entschuldigen. Seidel wurde für seine zweifellosen Verdienste 2012 mit dem „Verdienstkreuz am Bande“ ausgezeichnet.

Wir teilen die Trauer um den Verstorbenen mit seiner Frau Rotraud, seinem Sohn und den weiteren Angehörigen  und Freunden. Wir werden diesen aufrechten Menschen und Freund nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel, Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.560).

Berlin, 10.09.2020/cw – Regelmäßig schrieb er uns seine Emails, kam bis 2018 trotz seiner schweren Erkrankung (regelmäßige Dialyse) zum Staatsakt in der Seestraße und am Tag zuvor zu unserer Mitgliederversammlung. Nachdem wir ihn 2019 auf der Feier zum 30. Jahrestag des 9. November vor dem Reichstag ein letztes Mal getroffen hatten, erhielten wir in diesem Jahr keine Mitteilungen mehr. Nunmehr besorgt fragten wir bei der Stadt Recklinghausen nach. Heute erhielten wir die traurige Bestätigung: Christoph Hölker war bereits Ende 2019 verstorben. Das Sterbedatum vermochte uns die freundliche Mitarbeiterin nicht zu benennen, weil verboten. Deutsche Bürokratie über den Tod hinaus …

Christoph war im besten Sinn ein Patriot. Er konnte immer wieder ausführlich seine Mitgliedschaft im seinerzeitigen Kuratorium Unteilbares Deutschland referieren, berichtete mit Stolz über diverse Gedenkfeiern an die geschichtsträchtigen Daten unseres Landes in seiner Umgebung. Er empfand es als Ehre und war stolz darauf, alljährlich an den Gedenkfeiern in Berlin, besonders dem Staatsakt der Bundesregierung und des Senats von Berlin auf dem Friedhof Seestraße teilnehmen zu dürfen. Freilich gelang ihm dies nicht alle Jahre, denn der Gesundheitszustand erforderte sogar während seines Aufenthaltes in Berlin die Dialyse. Einmal mußte er sogar durch einen Notarztwagen auf dem Friedhof kurz vor Beginn der Gedenkfeier abgeholt werden.

Der am 1.10.1960 Geborene war trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen seit Jahrzehnten ein treues Mitglied unserer Vereinigung. Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 war für ihn stets lebendige Geschichte und empfundener Auftrag, gegen die Teilung Deutschlands Stellung zu beziehen. Familie hatte Christoph keine mehr, er schwieg sich auch uns gegenüber darüber aus. So gab es wohl Niemanden in seiner Umgebung, der um ihn weinte, als er diese Welt für immer verließ. Schon im letzten Jahr, nicht einmal von uns, seinen Kameraden, bemerkt. Wir werden den liebenswerten Menschen aus NRW nicht vergessen, der unsere Vereinigung für sich als Familie empfunden hatte, auch wenn wir ihm nicht Familie sein konnten. Er wäre in drei Wochen 60 Jahre alt geworden, die Glückwunschkarte lag bereits auf dem Schreibtisch des Vorstandes. Es sollte nicht sein. Wir werden Christoph Hölker ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Vorstand – Vereinigung (AK) 17. Juni 1963 e.V.,  Berlin – (1.559).

Berlin/Brüssel, 23.08.2020/tst – War da was? Demokratische Proteste in Belarus? Gewaltloser Widerstand gegen eine der letzten Diktaturen in Europa? Solidaritätsbekundungen der demokratischen Staaten in der Europäischen Union? Fehlanzeige.

Die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni 1953, die ihre Herkunft aus dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR ableitet, hatte unlängst in einer Presseerklärung vorgeschlagen, den Tag der Erinnerung an die kommunistischen und nationalsozialistischen Verbrechen am 23. August  zu nutzen, um europaweit mittags um 12:00 Uhr alle Ampeln in der Union für fünf Minuten auf ROT zu schalten und damit den Verkehr symbolisch zum Stillstand zu bringen. Damit sollte Europa ein unübersehbares Signal der Solidarität mit den Demonstranten in Belarus zeigen.

Heute, um 12:05 Uhr, zeigte sich der Vorstand enttäuscht über den „vorgeblichen, weil immer wieder betonten Willen, demokratischen und vor allem gewaltlosen Widerstand gegen diktatorische Systeme zu unterstützen.“ Die Nicht-Reaktion „auf einen einfachen, aber wirksamen Vorschlag“ zeige die „Doppelmoral zwischen Wort und Tat, zwischen öffentlichen Lippenbekenntnissen und tatsächlichem Handeln nicht nur in Deutschland auf,“ sagte der Vorstandsvorsitzende Carl-Wolfgang Holzapfel (76) heute in Berlin.

Holzapfel hatte sich seinerzeit selbst als 17jähriger dem Gewaltlosen Widerstand gegen die SED-Diktatur und die durch diese errichtete Berliner Mauer verpflichtet. Er führte zahlreiche gewaltfreie Demonstrationen durch und war nach seiner Festnahme 1965 am Checkpoint Charlie im April 1966 in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Er gehört der Vereinigung seit 1963 als Mitglied an und ist seit Ende 2002 deren Vorsitzender.

Wir bitten um Beachtung der Sperrfrist: 23.08.2020, 12:05 Uhr

V.i.S.d.P.: VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953

Berlin, 20.08.2020/cw – Die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni 1953 hat heute in einer Presseerklärung dazu aufgerufen, den „friedlichen Protest in Belarus durch ebenso friedliche symbolische Akte in Europa“ nachdrücklich zu unterstützen. Dazu könnten zum Beispiel am kommenden Sonntag, 23. August, dem „Europäischen Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus“ europaweit „um 12:00 Mittags alle Ampeln in den Staaten der EU für fünf Minuten auf ROT gestellt werden.“ In dieser Zeit „sollten alle sonstigen Unternehmungen eingestellt werden.“

Der in Berlin ansässige Verein wurde als „Komitee 17. Juni 1953“ nach dem Volksaufstand in der damaligen DDR gegründet und trägt seit dem 3. Oktober 1957 seinen jetzigen  Namen. Der Vorstand hat heute „alle relevanten Organisationen, die sich der Erinnerung an die Diktaturen in Europa widmen“ und „alle politischen Organisationen, Parteien in den Parlamenten und die Regierungen“ aufgerufen, sich diesem Appell anzuschließen.

In der heute verbreiteten Erklärung der Vereinigung heißt es:

„Wir, die Erben und Nachfahren des ersten Volksaufstandes in Europa nach Beendigung des 2. Weltkrieges rufen dazu auf, den beeindruckenden friedlichen und demokratischen Protest der BürgerInnen in Belarus in ebenso demokratischer und friedlicher Form zu unterstützen. Die Belarussen brauchen eine breite symbolische Unterstützung durch Europa, ohne den Charakter einer problematischen politischen Einmischung in die Angelegenheiten von Belarus zu erwecken.

Dazu könnten zum Beispiel am kommenden Sonntag, 23. August, dem „Europäischen Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus“ europaweit um 12:00 Mittags alle Ampeln in den Staaten der EU für fünf Minuten auf ROT gestellt werden, womit der Verkehr zum Erliegen käme. In dieser Zeit sollten auch alle sonstigen Unternehmungen eingestellt werden. Mit diesem symbolischen Akt, der ohne viel Aufwand durchgeführt werden kann, sollen die demokratischen und friedlichen Proteste in Belarus unter weltweiter Beachtung unterstützt werden.

Wir rufen alle relevanten Organisationen, die sich der Erinnerung an die Diktaturen in Europa widmen und alle politischen Organisationen, Parteien in den Parlamenten und die Regierungen in den EU-Staaten auf, sich diesem Appell anzuschließen. Der Vorstand.“

Nicht nur die Demonstranten in Belarus sondern auch Beobachter halten das Ergebnis der kürzlich durchgeführten Wahlen für falsch. Die Belarussen fühlen sich um ihre Stimme betrogen. Felix Krawatzek vom Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien sagte gegenüber der Deutsche Welle (DW), dass es mittlerweile um deutlich mehr gehe, als um reine Proteste gegen die Wahlen, nämlich „um die Autonomie des Volkes und die Forderung, das eigene politische Schicksal in die Hand nehmen zu können.“

Was als oppositionelle Kundgebung schon vor den Wahlen begann, weitete sich nach der Bekanntgabe der angeblichen Wahlergebnisse, die als massive Wahlfälschung die Menschen erbosten, weiter aus. Der seit 1994 amtierende Diktator Lukaschenko hatte seinerzeit durch die bisher einzige freie Wahl die Macht erlangt und sich kurz darauf die Kontrolle über das Fernsehen gesichert. Zwei Jahre später, 1996, löste er Parlament und Verfassungsgericht auf und verlieh sich damit selbst das Recht, Gesetze zu erlassen. Jedwede Opposition wurde seither durch entsprechenden staatlichen Terror unterdrückt.

Auf die jetzigen friedlichen Demonstrationen reagierte die Lukaschenko-Regierung mit Wasserwerfern und Tränengas. Seither sollen mindestens 6.700 Demonstranten festgenommen und mehrere Menschen ums Leben gekommen sein. Auch die nach weiteren Demonstrationen erfolgten ersten Freilassungen politischer Gefangener führten nicht zu einer Einschränkung der Proteste.

Beobachter registrieren überrascht, das bei den Protesten mittlerweile auch immer wieder Frauen hervorstechen – barfuss, in weißer Kleidung und Blumen in der Hand. Dabei kommt es immer wieder auch zu Umarmungen uniformierter Polizisten, denen die gewaltlos agierenden Frauen Blüten in die Schutzschilde stecken. Der Gewalt des Staates wird auf diese Weise ein friedliches Gegengewicht entgegengesetzt.

V.i.S.d.P.: VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953

Berlin, 12.August 2020/cw – Die VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 hat ihr seit Jahren durchgeführtes Gedenken an den Mauerkreuzen nahe dem Reichstag (Scheidemann-/Ecke Ebertstraße) für dieses Jahr abgesagt.

In einer Mitteilung des Vorstandes von heute teilte dieser mit, dass „das hohe Alter unserer Mitglieder eine Ehrung unter den aktuellen Temperatur-bedingungen unter Einbeziehung der aktuellen Maßnahmen bzgl. der Corona-Epidemie nicht zulasse.“

Der Vereins-Vorstand hat am heutigen Vortag des Jahrestages „13.August 1961“ die bezeichnete Gedenkstätte gepflegt und an den dort installierten Kreuzen Rosen angebracht. „Wir werden besonders im nächsten Jahr zum 60. Jahrestag des unseligen Mauerbaus ein besonderes Gedenken unter Verlesung der Namen aller Todesopfer an der Berliner Mauer durchführen,“ erklärte der Vorsitzende des Vereins in Berlin.

V.i.S.d.P.: VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.555).

September 2020
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

Blog Stats

  • 718.620 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 122 anderen Followern an