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Berlin, 24.11.2021/cw – Der in Köln lebende Publizist und Verfasser div. Standard- werke über den Widerstand in der einstigen DDR, Karl Wilhelm Fricke (92), hat jetzt der Berufung in den Beirat der nach dem Volksaufstand begründeten Vereinigung 17. Juni 1953 zugestimmt. Zuvor war Fricke die bereits zu seinem 90. Geburtstag verliehene Goldene Ehrennadel übersandt worden, da die Corona-Pandemie die vorgesehene Übergabe an seinem Wohnort verhindert hatte. Das teilte der in Berlin ansässige Verein heute mit.

Karl Wilhelm Fricke mit Brille und Pullover
Neuer Beirat: Karl Wilhelm Fricke – Foto: M. Schönherr

Neben Fricke gehören dem Beirat der historischen Vereinigung aktuell bereits der ehem. Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, der Historiker Prof. Helmut Müller-Enbergs und der ehem. Bundesbankdirektor Prof. Horst Rudolf Übelacker an. Die Beirats-Mitglieder Heinrich Lummer, u.a. ehem. Bürgermeister von Berlin, Prof. Dr. Berthold Rubin, ehem. Ordinarius für Byzantinistik und Osteuropakunde Uni Köln, Prof. Emil Schlee, ehem. Flüchtlingsbeauftragter der Regierung von Schleswig-Holstein, Rainer Hildebrandt, Publizist und Begründer des Mauermuseums am Checkpoint Charlie und Dr. Wolfgang Ullmann, ehem. Bürgerrechtler und MdEP, sind bereits verstorben.

Im Fokus: Widerstand und politische Verfolgung

Fricke war nach seiner Entlassung aus politischer DDR-Haft bis zu seinem Ruhestand Mitarbeiter des Deutschlandfunks. Zuvor war er nach einer Denunziation 1949 aus der DDR geflüchtet und hatte in Wilhelmshaven, ab 1952 in Berlin Jura und Volkswirtschaft studiert. Neben seinem Studium arbeitete er bereits freiberuflich als Journalist. Der Schwerpunkt dieser Arbeit lag schon früh auf DDR-Themen und der Problematik politischer Verfolgung Andersdenkender. Der erste Artikel des engagierten Journalisten befasste sich mit den Waldheimer Prozessen. Für diese Arbeit suchte er schon früh Kontakte zur Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU/Rainer Hildebrandt), dem Berliner Büro des Ministeriums für gesamtdeutsche Fragen und zum Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen.

Schon früh war die DDR-Staatsicherheit auf diese Arbeit aufmerksam geworden. Schließlich wurde der „Staatsfeind“ in einer konspirativen Wohnung im April 1955 bewusstlos gemacht und im Kofferraum eines Pkw von West- nach Ost-Berlin verschleppt. 467 Tage wurde Fricke im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert,  ehe er am 11. Juni 1956 vom 1. Strafsenat des Obersten Gerichts der DDR in Ost-Berlin »wegen Verbrechen gegen Artikel 6 der Verfassung der DDR« und »Kriegs- und Boykotthetze« zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Zunächst mußte die verhängte Strafe in Brandenburg-Görden absitzen, ehe er im August des Jahres nach Bautzen II verlegt wurde.

Nach strenger, von der Stasi angeordneter Isolation wurde Fricke Ende März 1959 nach West-Berlin entlassen. Seither arbeitete er wieder als Journalist und publizierte zahlreiche Bücher zur politischen Justiz und Staatssicherheit der DDR. Wie kaum ein  anderer Journalist berichtete Fricke jahrzehntelang über Opposition und Widerstand in der DDR, von 1970 bis 1994 als leitender Redakteur der Ost-West-Redaktion beim Deutschlandfunk. So war es nicht verwunderlich, das die Staatssicherheit Fricke bis zum Fall der Mauer beobachtete.

Gespendeter Preis nach Fricke benannt

1991 rehabilitierte das Landgericht Berlin den einst Verurteilten. Seit der Widervereinigung engagierte sich Fricke überdies in zahleichen Gremien, u.a. als sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission des Bundestages zur Geschichte und den Folgen der SED-Diktatur. Schließlich wurde der engagierte Publizist 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

2016 stiftete der ehemalige Fluchthelfer Dr. Burkhart Veigel einen mit 20.000 € dotierten Preis, der seither von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur für „herausragendes Engagement für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage“ verliehen wird. Die erste Verleihung erfolgte 2017 an Karl Wilhelm Fricke, nach dem der jährlich verliehene Preis benannt wurde.

V.i.S.d.P.: Vorstand Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.682).

Berlin, 10.11.2021/cw – Die VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 e.V. würdigt aus Anlass des 80. Geburtstages ihres Beirates Eberhard Diepgen am 13.11. die Verdienste des einstigen Regierenden Bürgermeisters von Berlin.

In einer Erklärung des Vorstandes heißt es: „Diepgen habe nie aufgehört, „den Menschen hinter der Mauer eine Stimme“ zu geben und „die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit“ zu fordern. „Wir beglückwünschen einen glaubwürdigen Politiker zu seinem achtbaren Jubiläum und wünsche ihm von Herzen noch viele gesunde Jahre im Kreis seiner Familie. Möge er uns noch ebenso lange mit seine Erfahrungen und seinem Engagement zur Seite stehen.“

Siehe dazu auch: https://redaktionhoheneckerbote.wordpress.com/2021/11/10/eberhard-diepgen/

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.680).

Berlin, 13.07.2021/cw – Am 17. August 1962, vor nahezu 59 Jahren, verblutete der 18jährige Peter Fechter an der Mauer in der Zimmerstraße nahe dem alliierten Grenzübergang Checkpoint Charlie. Während seinem Freund Helmut Kulbeik die Flucht gelang, wurde Fechter, ebenfalls bereits am letzten Grenzhindernis angelangt, von einer tödlichen Kugel der DDR-Grenzer getroffen. Runde 50 Minuten waren seine immer leiser werdenden  Hilfeschreie zu hören, ehe er starb. Weder die Grenzposten vor Ort noch die für diesen Bereich verantwortlichen US-Amerikaner sahen sich veranlasst, dem Sterbenden Hilfe zu leisten. Zeitzeugen gaben die Äußerungen eines von verzweifelten West-Berlinern um Hilfe ersuchten diensthabenden US-Offiziers am Checkpoint Charlie wieder: „Das ist nicht unser, das ist euer Problem.“

Peter Fechters Tod wurde zum Synonym für die gnadenlose und blutige Jagd auf Flüchtlinge mitten in der geteilten Hauptstadt Deutschlands. Dafür verantwortlich waren nicht zuletzt die filmischen Sequenzen des Westberliner Kameramannes Herbert Ernst (*1939, 2019), der mit seiner 16-Millimeter-Arriflex-Kamera den hinter der Mauer verblutenden Fechter und dessen Abtransport gefilmt hatte. Seine Bilder bewegten zusammen mit den Fotos des Presse-Fotografen Wolfgang Bera (BILD) jahrzehntelang die Menschen in aller Welt.

Während in den Jahren danach in  mehreren Bundesländern Straßen und Wege nach diesem weltweiten Symbol der seinerzeitigen Mauer-Toten benannt wurden, weigert sich die Stadt

Berlin, Ort des grauenhaften Geschehens bislang 59 Jahre lang nach dem Tod Fechters und sechzig Jahre nach dem Bau der Mauer, dem berühmtesten Toten der Teilung Berlins und Deutschlands eine Ehrung in Form einer Straßenbenennung zukommen zu lassen.

In  Hessen, Saarland, NRW, Bayern und Niedersachsen wird Fechter geehrt

Anders zum Beispiel die Stadt Monheim am Rhein in NRW, die am 29.06.1992, also 30 Jahre nach dem Mauermord, nach einer Beschlussvorlage der Stadtverwaltung dem toten Flüchtling einen Peter-Fechter-Weg widmete. Auch in Sinntal, Hessen, gibt es einen Peter-Fechter-Weg.

In Trittau / Schleswig-Holstein, in Sulzbach-Rosenberg, Bayern,in Warstein, ebenfalls NRW und in Püttlingen, Saarland, gibt es seit vielen Jahren jeweils eine Peter-Fechter Straße. In der Landeshauptstadt Niedersachsens, Hannover, gibt es ein Peter-Fechter-Ufer.

Dagegen sind bislang alle Bemühungen, am Ort des Geschehens in Berlin einen Straßenzug nach Peter Fechter zu benennen, am bürokratisierten Widerstand der politisch Verantwortlichen gescheitert. Nach dem Berliner Straßengesetz erklärt sich der Senat formal für nicht zuständig, während vom zuständigen  Bezirk Mitte als wesentliches Hindernis die ausstehende, aber erforderliche „Zustimmung“ der Anwohner ins Feld geführt wird, um so einer offensichtlich als unangenehm empfundenen Entscheidung der BVV des Bezirks auszuweichen.

Bisherige Bemühungen von UOKG, VOS und anderen waren gescheitert

Die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni hat sich jetzt erneut anlässlich des bevorstehenden 60. Jahrestages vom 13. August 1961 in entsprechenden Schreiben an die Fraktionen im Abgeordnetenhaus und die BVV der Bezirke Mitte und Friedrichs-hain/Kreuzberg gewandt und an die Verantwortlichen appelliert, die überfällige Ehrung endlich vorzunehmen. Der Verein hatte bereits zum 55. Todestag von Peter Fechter am Checkpoint Charlie mit einer Unterschriftensammlung für eine teilweise Umbenennung der Zimmerstraße zwischen  Checkpoint Charlie und Axel-Springer-Verlag geworben. Auch zuvor hatte es immer wieder Bemühungen und Erinnerungen seitens engagierter Bürger und Vereinigungen gegeben, Peter Fechter eine Straße bzw. – naheliegend – die Straße des seinerzeitigen Geschehens zu widmen. Selbst die durchaus einflußreiche Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) und die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) hatten  sich vor vielen Jahren vergeblich um eine Ehrung bemüht. Stattdessen wurde 2018 (!) sogar ein Antrag der SPD-BVV-Fraktion in Pankow abgelehnt, immerhin das Grab Fechters auf demFriedhof der Wiederauferstehungsgemeinde in Berlin-Weißensee als „Ehrengrab der Stadt Berlin“ zu kennzeichnen. Das einst als „Stadt der Freiheit“ gerühmte Berlin hat offensichtlich Schwierigkeiten, den Ermordeten angemessen zu würdigen.

Der Vorstand der Vereinigung 17. Juni hat für dieses „politische Gehakel um eine Selbstverständlichkeit“ keinerlei Verständnis: „Wir können nicht begreifen und es nach außen nicht begreifbar machen, das sich führende Politiker fast aller Parteien, darunter der amtierende Regierende Bürgermeister Michael Müller, seine Vorgänger Klaus Wowereit und Eberhard Diepgen, wie heute Verantwortliche in Gestalt der CDU-Fraktionsvorsitzenden Burkhart Dregger, des AfD-Fraktionsvorsitzenden Georg Pazderski, des Berliner CDU-Landesvorsitzenden Kai Wegner und weitere namhafte Landespolitiker aus FDP und GRÜNE persönlich für eine (endliche) Straßenbenennung aussprechen und sich dann in dieser wichtigen Angelegenheit nichts bewegt,“ erklärte der Vorstand in einer Stellungnahme zum gegenwärtigen  Stand der Bemühungen. „Hier geht es weder um Millionen Euro von Steuergeldern noch um strittige Probleme der Zukunftsgestaltung. Hier geht es um die Glaubwürdigkeit von Politikern schlechthin, die sicherlich auch jetzt wieder zum 60. Jahrestag des Mauerbaus berührende Worte der Erinnerung sprechen werden und real nicht in der Lage sind, diesen Worten Taten folgen  zu lassen und ein würdiges Gedenken an Peter Fechter – und damit aller Opfer der Mauer – umzusetzen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.659).

Poznan/Berlin, 28.06.2021/ Heute, am Jahrestag des Posener Aufstandes von Juni 1956, erinnern wir an die Opfer des kommunistischen Regimes. Wir sind verpflichtet, dieser Ereignisse zu gedenken, indem wir die Täter klar benennen, die Verbrechen an Menschen begangen haben, die für ein anständiges Leben für ihre Familien, aber auch für die Freiheit ihres vom sowjetischen Terror versklavten Landes kämpften.

Gabriel Berger*

Der Posener Juni 1956 war die erste Massenaktion der Arbeiter in der Geschichte der Volksrepublik Polen. Es ist zu betonen, dass gemäß der Entscheidung der damaligen Behörden LWP, KBW-Soldaten, UB- und MO-Kräfte gegen die Streikenden eingesetzt wurden. Infolge der blutig unterdrückten Demonstration wurden viele Demonstranten getötet oder verwundet. Die volle Verantwortung für den Tod dieser Menschen liegt bei denen, die direkt dazu beigetragen haben, aber auch bei denen, die an der Spitze der Macht standen und dem Einsatz von Waffen zugestimmt oder ihn akzeptiert haben. Der Machtapparat der Polnischen Volksrepublik wurde für das Posener Massaker, das der Beweis für die vom Regime der Polnischen Volksrepublik an der polnischen Nation begangenen Verbrechen ist, nie richtig bestraft.

Im Juni ’56 (sowie davor und danach bis zum Sturz des kommunistischen Regimes) wurde der polnische Staat der UdSSR untergeordnet, das Land wurde seiner Souveränität und der Möglichkeit der Selbstbestimmung beraubt, und die kommunistische Diktatur versklavte jeden Bereich des polnischen Lebens und Wirkens. Die wirtschaftliche Situation war sehr schwierig, vor allem für die einfachen Leute, die oft unter Bedingungen lebten, die der Menschenwürde abträglich waren. Der weit verbreitete sowjetische Terror zerschlug alle Versuche, sich gegen die Obrigkeit zu äußern, die Polen wurden verfolgt, unterdrückt, ermordet, und die allgegenwärtige kommunistische Propaganda zwang sie, sich dem System des totalitären Regimes anzupassen. Trotz dieser dramatischen Umstände wagten es die Posener Arbeiter, den Behörden zu trotzen und gingen mit der Parole „Brot und Freiheit“ auf die Straße, was als Zeugnis der Wut und des Kampfes der Menschen für ein menschenwürdiges Leben in die Geschichte eingegangen ist.

Der Protest der Posener Arbeiter war eine Reaktion und Manifestation der allgemeinen Unzufriedenheit mit der Situation im Land und in der Region.

Am 28. Juni 1956 traten die Arbeiter der J. Stalin-Werke in Poznań (d.h. der Cegielski-Werke) in einen Generalstreik, der direkt durch den lang anhaltenden Konflikt im Werk diktiert wurde. Die Crew forderte z.B.: Rückgabe von falsch berechneten Steuern auf Boni, Senkung außergewöhnlich hoher Produktionsstandards, Verbesserung der Sicherheits- und Hygienebedingungen am Arbeitsplatz. Unter den Forderungen der Arbeiter befanden sich auch Forderungen nach Lohnerhöhungen und Preissenkungen.

Um 6:30 Uhr gaben die Werkssirenen das Signal zum Beginn des Protests. Die Arbeiter verließen das Werksgelände und marschierten zum Sitz des städtischen Nationalrats und des Provinzkomitees der PZPR – einer kommunistischen Partei, die den russischen Kommunisten untersteht. Während ihres Marsches schlossen sich den Demonstranten auch Arbeiter aus anderen Posener Betrieben an. Auf ihrem Weg sangen die Demonstranten die Nationalhymne, die „Rota“ und religiöse Lieder, darunter „Boże, coś Polskę“ („Gott schütze Polen“) mit dem Satz „Lass uns unsere Heimat frei zurückgeben, oh Herr“. Es erschienen weiße und rote Transparente und Spruchbänder mit Slogans wie: „Wir fordern eine Lohnerhöhung“, „Wir wollen Brot“, „Nieder mit den Kommunisten“, „Wir haben Hunger“, „Wir wollen Freiheit“, „Wir wollen das katholische Polen, nicht das bolschewistische Polen“.

Der Arbeiterstreik verwandelte sich in eine Demonstration von Zehntausenden von Demonstranten. Die Delegierten der Demonstranten trafen sich mit Franciszek Frąckowiak, dem Vorsitzenden des Präsidiums des Städtischen Nationalrats, und anschließend mit Wincenty Kraśka, dem Propagandasekretär des Woiwodschaftskomitees der PZPR, dem sie ihre Forderungen präsentierten.

Einigen der Demonstranten gelang es, zum Gebäude von MRN (Stadtverwaltung) und KW PZPR (Bezirksleitung der kommunistischen Partei) zu gelangen. Rote Fahnen wurden heruntergerissen, Protestparolen wurden gezeigt und Porträts und Büsten sowjetischer und kommunistischer polnischer Apparatschiks wurden zerstört. Unter den Demonstranten verbreitete sich die falsche Information, dass die Behörden eine Delegation von Arbeitern verhaftet hätten, die in ihrem Namen in Warschau verhandelt hatten. Diese Nachricht löste eine große Aufregung aus, einige Demonstranten stürmten zum Gefängnis in der Młyńska-Straße. Mehr als 250 Gefangene wurden aus den Gefängnissen entlassen, und die Demonstranten erbeuteten auch Waffen.

Andere Demonstranten drangen in das Gebäude des Bezirksgerichts und der Staatsanwaltschaft ein, das an das Gefängnis angrenzt. Die herausgeworfene Dokumentation wurde auf der Straße verbrannt.

Demonstration der Rücksichtslosigkeit des Kommunistischen Regimes – Blutige Befriedigung

Am 28. Juni 1956 fielen die ersten Schüsse aus den Fenstern des Gebäudes des Bezirksamtes für öffentliche Sicherheit (Urząd Bezpieczeństwa Publicznego) und der Schusswechsel mit den Demonstranten begann. Man muss bedenken, dass 11 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die meisten Männer, die älter als 30 Jahre waren, über eine gewisse Kampferfahrung verfügten. Nach Zeugenaussagen wurden auch Frauen und Kinder aus dem UBP-Gebäude beschossen.

Während der Zusammenstöße benutzten die Arbeiter Flaschen mit Benzin und Waffen, die sie aus dem Gefängnis und von den Stationen der Miliz (Milicja Obywatelska) erworben hatten. Die Kämpfe wurden immer heftiger (und erstreckten sich in der Folge über die ganze Stadt). Die Kommunisten des Politbüros des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR) beschlossen, die Armee zur Befriedung von Poznań zu schicken. Das Kommando der Operation wurde dem stellvertretenden Minister für Nationale Verteidigung, General Stanisław Popławski, einem als Pole getarnten Russen, anvertraut. Eine Delegation von Józef Cyrankiewicz, Wiktor Klosiewicz und Jerzy Morawski – kommunistische Schurken und Degenerierte – wurde ebenfalls nach Posen geschickt.

Am 28. Juni 1956 gegen 14:00 Uhr gab Gen. Poplawski den Befehl, die Armee nach Poznan zu führen. Etwa zwei Stunden später rückte die 19. gepanzerte Division des schlesischen Militärbezirks in das Stadtzentrum ein. Am Abend kamen die Einheiten der sudetendeutschen 10. Panzerdivision und der 4. und 5. Die Stadt wurde von mehr als 10.000 Soldaten, 359 Panzern, 31 Panzerkanonen und fast 900 Autos und Motorrädern belagert. An der blutigen Befriedung der Stadt beteiligten sich neben der Armee auch Offiziere der UB und MO sowie Soldaten des KBW.

Die Behörden führten auch eine Telekommunikationsblockade der Stadt und eine Ausgangssperre (von 21 Uhr bis 4 Uhr morgens) ein.

Am 29. Juni 1956 hielt der Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz eine denkwürdige Rundfunkansprache an die Demonstranten, in der er direkt drohte, wie das kommunistische Regime mit den Streikenden umgehen würde: „Jeder Provokateur oder Verrückte, der es wagt, seine Hand gegen die Volksmacht zu erheben, sollte sicher sein, dass die Volksmacht sie abhacken wird“.

Am Morgen des 30. Juni 1956 endeten die letzten Kämpfe.

Die brutale Niederschlagung der Demonstration hatte einen dramatischen Ausgang. Auf den Straßen von Poznań starben etwa 79 Menschen und fast 600 wurden verletzt. Am 28. Juni begannen zahlreiche Verhaftungen. Alle, die nach Angaben der Behörden verdächtigt wurden, am Kampf teilzunehmen, wurden inhaftiert und während der Verhöre physisch und psychisch misshandelt. Auf diese Weise rächten sich die Behörden der Volksrepublik Polen für den Aufstand der Arbeiter und sandten ein klares Signal an die Gesellschaft, dass alle Versuche, sich den Behörden zu widersetzen, mit allen Mitteln des Zwangs und der Waffengewalt niedergeschlagen würden.

Das Drama von Poznań im Juni 1956 hatte Folgen für die PRL-Behörden (Behörden Volkspolens): Der Zorn des Volkes und der erste Arbeiteraufstand gegen das Regime beschleunigten die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in der Volksrepublik Polen erheblich. Der 56. Juni wurde zum Eckpfeiler der antikommunistischen Aufstände, die in den folgenden Jahrzehnten der PRL stattfanden. Man kann sogar sagen, dass es ein antikommunistischer Aufstand war, und die Arbeiter widerlegten die verlogene These, dass die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei die Arbeiterklasse repräsentiere. Als also der allgemeine antikommunistische Aufstand unter der Führung der „Standhaften Soldaten“ aufhörte, nahmen die polnischen Arbeiter den Kampf für ein freies Vaterland auf, der mit dem Sieg der Solidarno? Daran muss man sich erinnern, vor allem, weil die Wahrheit über die Bemühungen der polnischen Arbeiter, für die Freiheit Polens zu kämpfen, derzeit durch verschiedene neomarxistische Phantasien verzerrt wird. Juni 1956, Dezember 1970, Dezember 1981 und die Zeit der Nacht des Kriegsrechts – es war ihr Einsatz, als die ermordeten Soldaten der Standhaften nicht mehr standen.

Erinnern wir uns an die Helden von damals; ihre heldenhafte Haltung und ihr im Kampf gegen die Kommunisten vergossenes Blut sollten für uns ein Zeugnis von Mut und Patriotismus sein. Dieser Aufstand, obwohl blutig niedergeschlagen, hatte ein breites Echo in Polen und in der Welt. Dieser Akt ging in die Geschichte ein und dokumentierte die Stärke der polnischen Arbeiter. Ehren Sie ihr Andenken!

* Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version); Korrekturen Gabriel Berger, Ehemaliger Cottbus-Häftling, bis 1957 wohnhaft in Polen.

V.i.S.d.P.: Redaktion  Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.657).

Beitrag unter: https://redaktionhoheneckerbote.wordpress.com/2021/06/28/der-aufstand-in-posen-zwischen-17-juni-1953-und-dem-drama-in-ungarn-im-herbst-1/

Berlin, 21.06.2021/cw – „Zu mehr als Pathos reicht es offensichtlich noch immer nicht. Selbst die an den Mord mahnende Stele in der Zimmerstraße ist einer privaten Initiative zu danken. 50 Jahre nach dem qualvollen Tod des jungen Arbeiters, der aus dem „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ vor den Kommunisten fliehen wollte, um in Freiheit leben zu können, kann sich die Stadt noch immer nicht dazu durchringen, Peter Fechter und dessen Schicksal durch ein Ehrengrab oder eine Straßenbenennung unvergessen zu machen. Jetzt ist gerade ein erneuter Vorstoß der Bezirksversammlung Pankow beim Senat gescheitert, die Grabstätte Fechters auf dem Friedhof der Wiederauferstehungsgemeinde in Berlin-Weißensee zur Ehrengrabstätte des Landes Berlin zu ernennen. In Berlin gibt es eine Rosa-Luxemburg-Straße und einen Rosa-Luxemburg-Platz, eine Karl-Liebknecht-Straße und einen Ernst-Thälmann-Park. Aber für Peter Fechter, der vor Kommunisten fliehen wollte, gibt es noch immer keine Straße. Eine Schande.

Diese Worte schrieb Jochim Stoltenberg am 29. Oktober 2012 in der BERLINER MORGENPOST, also vor fast 10 Jahren. Seither hat sich trotz verschiedener Initiativen in dieser Sache nichts bewegt. Mit dem Blick auf den 60. Jahrestag des Mauerbaus wollen wir an dieser Stelle mit einigen Beiträgen den Scheinwerfer auf diese unrühmliche Geschichte einer Stadt werfen, die ansonsten bei jeder sich bietender Gelegenheit stolz auf ihre Rolle im Kampf für die Freiheit verweist.

Dafür: Diepgen, Wowereit, Müller und andere Prominente

Immerhin haben sich drei Regierende Bürgermeister für eine Peter-Fechter-Straße ausgesprochen: Eberhard Diepgen (CDU), Klaus Wowereit (SPD) und kürzlich, am 17. Juni diesen Jahres, der amtierende Regierende  Michael Müller (SPD). Ob sie sich während ihrer Amtszeit auch nachhaltig mit ihrer Position als Regierungschef für diese Ehrung eingesetzt haben, ist im Detail nicht bekannt.

Auch andere Prominente aus Politik und Kultur haben sich zum Thema Peter-Fechter-Straße positiv geäußert. „Eine Straße nach Peter Fechter zu benennen, finde ich überfällig – am besten jene, in der er erschossen wurde!“, forderte Freya Klier im August 2012. Klier war  zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt worden, nachdem sie 1968 selbst einen erfolglosen Fluchtversuch aus der DDR gewagt hatte. Die engagierte Regisseurin und Autorin zur Peter-Fechter-Straße: „So etwas ist nachhaltiger als ein jährlich einmaliges Gedenken.“ Der Vorsitzende der Stiftung Zukunft, Volker Hassemer (CDU) unterstützte die Aktion seinerzeit ebenfalls. „Eine Straße nach Peter Fechter zu benennen, ist einer der notwendigen Schritte, um das in Erinnerung zu halten, was in einer dramatischen Phase unserem heutigen Berlin vorausging.

Berlin tut sich schwer, die Opfer der DDR-Diktatur zu ehren

Nachdenklich äußerte sich damals Klaus Schroeder (SPD), FU-Professor und Chef des Forschungsverbundes SED-Staat. Obwohl er den Gedanken einer Peter-Fechter-Straße unterstütze, sei er skeptisch, ob Berlin sich zu einem solchen Schritt durchringen könne. „Die Stadt tut sich ja bekanntlich schwer, diejenigen zu ehren, die Opfer der DDR-Diktatur waren oder aktiv gegen diese kämpften“, sagte Schroeder.

Nach Überzeugung des weltbekannten Historikers und Publizisten Michael Wolffsohn sei es „es höchste Zeit“, eine Straße nach dem Maueropfer zu benennen (2013). Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, wollte das seinerzeitige Engagement der MOPO unterstützen und  die zentrale Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Mauerbaus vor 51 Jahren dafür nutzen, „um auf den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zuzugehenund ihn um seine Unterstützung für eine Fechter-Straße zu bitten.“ Der damalige Senatssprecher Richard Meng signalisierte daraufhin  die Bereitschaft des Senats, die Initiative zu unterstützen. Geschehen ist seither nichts.

Als besonderes „Zeichen der Erinnerung“ sprach sich vor knapp zehn Jahren auch der damalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) dafür aus, in Berlin eine Straße nach Peter Fechter zu benennen: „Es ist überfällig, dass in Berlin eine Straße an das erschütternde Schicksal von Peter Fechter erinnert. Der Tod des jungen Bauarbeiters aus Ost-Berlin ein Jahr nach dem Mauerbau steht geradezu exemplarisch für die Unmenschlichkeit der SED-Diktatur.“

Bezirk Mitte dem Gestern mehr zugewandt?

Am Heftigsten wehrt sich bislang der Bezirk Mitte gegen eine Umbenennung der Zimmer- in Peter-Fechter-Straße. Der Bezirk hatte sich auch jahrelang gegen die historisch gerechtfertigte Namensgebung des Areals vor dem Bundesfinanzministerium nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 gewehrt. Immerhin konnte der Platz mit dem Bodendenkmal, auf dem am 16. Juni 1953 der Generalstreik ausgerufen worden war, acht Jahre nach dem Vorschlag der Vereinigung 17. Juni 2013 als „Platz des Volksaufstands von 1953“ benannt werden.

Es stellt sich die Frage, ob dieser Bezirk mit seiner Anzahl historischer Orte mehr dem Gestern der gescheiterten DDR zugewandt ist, als der Notwendigkeit, dem Gedenken an die Opfer der Mauer und des Widerstandes gegen die zweite deutsche Diktatur ein sichtbares Zeichen zu setzen.

* Vorstehender Text wurde der Seite „Redaktion Hohenecker Bote“ vom 20.06.2021 entnommen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.654).)

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