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Berlin, 04.01.2021/cw – Aus technischen Gründen haben wir die redaktionelle Arbeit auf die Seite https://redaktionhoheneckerbote.wordpress.com verlegt. Die dort veröffentlichte Beiträge stehen zwar ausschließlich in der Verantwortung der Redaktion Hoheneck, decken sich aber vielfach mit den Auffassungen der Vereinigung 17. Juni 1953 bzw. geben vielfach Einblicke in die vielfältige Arbeit der Vereinigung.

Wir kümmern uns u.a. um die einzige originäre Gedenkstätte an den Volksaufstand in Berlin-Zehlendorf. – Foto: LyrAg-Press

Wir bedanken uns hier ausdrücklich für das Interesse an dieser Arbeit. Natürlich würden wir uns freuen, wenn aus diesem Interesse der Wunsch entstehen würde, als Mitglied unseren Verein zu unterstützen. Wir sind um so mehr auf diese Unterstützung angewiesen, weil allein aus nachvollziehbaren Gründen unsere Zeitzeugen nach und nach diese Welt verlassen. Die Zukunft unserer Aufgaben ist nur gesichert ist, wenn sich weitere, insbesondere „jüngere“ Menschen diesen Aufgaben verpflichtet wissen.

Das „V“ in der Vereinsfahne stand/ steht für „Victory“ – Sieg (der 1989 endlich errungen wurde) – Foto: LyrAg-Press

Zeigen sie Engagement und Mut. Fordern Sie einfach einen Aufnahmeantrag an: VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V., Pestalozzistsr.26, 10647 Berlin. Vielen Dank!
Darüberhinaus sind wir als „gemeinnützig“ anerkannt und dürfen Ihnen für Ihre finazielle Unterstützung (Spenden) eine entsprechende Quittung für Ihre Steuererklärung ausstellen (bis zu 100,00 € reicht die Vorlage eines Überweisungsbeleges als Nachweis). Unsere Bankverbindung: IBAN: DE27 7009 1600 0000 6329 02 – Ammerseebank – BIC: GENODEF1DSS.

Vorstand VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V., Berlin

Berlin, 02.01.2021/cw – Zumindest die weißen Mauerkreuze am Reichstag sind einen Tag nach Neujahr wieder frei zugänglich. Zwar sind die „offiziellen“ Absperrungen rund um das Brandenburger Tor bis einschließlich Samstag, 02.01. vorgesehen. Aber um 14:00 Uhr konnten vorbeigehende Touristen eine Reihe von Arbeitern sehen, die die Gitter in der Ebertstraße abbauten. Zwar stand ein Kontrollposten an der fragliche Kreuzung noch symbolisch „Wache“, ließ aber bereits Besucher der Mauerkreuze freundlich passieren.

Die Absperrungen wurden heute, 14:10 Uhr, wieder beseitigt – Foto: LyrAg-Press

Die Vereinigung 17. Juni hatte bereits angekündigt, im neuen Jahr Gespräche mit den „zuständigen Stellen“ aufzunehmen, um künftig durch „geeignete Maßnahmen einen möglichst freien Zugang“ zu den um das Brandenburger Tor vorhandenen Gedenk- und Mahnstätten zu sichern.
Der Gedenkort Weiße Kreuze wurde zum 10. Jahrestag des Mauerbaus durch den Berliner Bürgerverein an der Ostseite des Reichstags 1971 an einem Zaun vor der dortigen Mauer errichtet. Von 1961 bis 1990 verlief die Mauer direkt am Ufer, die Wasserfläche befand sich an dieser Stelle auf Ost-Berliner Gebiet. Die Kreuze wurden von dem Verein an einem Zaun vor der Mauer an der Ostseite des Reichstags auf West-Berliner Gebiet montiert. Ursprünglich hatte der Bürger-Verein an jedem Ort entlang der Mauer ein weißes Kreuz aufstellen wollen, an dem ein Mensch bei einem Fluchtversuch ums Leben gekommen war. Die Pflege der über das Stadtgebiet verteilten Kreuze überstieg jedoch die finanziellen und arbeitstechnischen Kapazitäten des Vereins, sodass dieser beschloss, sich auf den Standort am Reichstag und einen in der Bernauer Straße („Straße der Tränen“) im Bezirk Wedding zu konzentrieren.
Nach den erforderlichen Umbauarbeiten am und um den Reichstag wegen desbeschlossenen Umzuges des Deutschen Bundestages nach Berlin (1990) wurden die mittlerweile 15 Kreuze 1995 auf Kosten des Bundes gegenüber der Südseite des Reichstags an einem Zaun des Tiergartens montiert. Trotzdem weihte der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, 2003 anlässlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes von 1953 direkt an der Spree unterhalb des Reichstages eine weitere Gedenkstätte mit sieben Kreuzen ein. Auf diesen sind aus schwer nachvollziehbaren Gründen diesseits und jenseits der dortigen Wassergrenze Namen angebracht, die bereits wenige Meter entfernt auf Kreuzen an der bestehenden Gedenkstätte zu lesen sind. Wolfgang Thierse sagte bei der Einweihung u.a.: Die Mauer-Kreuze erinnern seit 1971 „an alle, die bei solchen Fluchtversuchen ums Leben gekommen sind.“ Diese seien „inzwischen selbst schon ein Stück Berliner und deutscher Geschichte geworden.“
In den 90er Jahren übernahm der ehemalige politische DDR-Gefangene Gustav Rust die „Betreuung“ der Gedenkstätte. Nach dem Tod des Bügervereins-Vorstandes übernahm die Vereinigung 17. Juni 1953 die Patenschaft und beteiligt sich seither aktiv zusammen mit Rust an der Pflege des Gedenkortes.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.600).

Berlin, Sylvester 2020/cw – Eine überraschende Öffnung im Besucher-abwehrenden Gittermeer rund um das Brandenburger Tor ließ den Vorstand der Vereinigung 17. Juni hoffen: Die Abordnung befragte den Wachmann am Durchlass nach einem Zutritt zu den Mauerkreuzen. Nachdem ihm das Vorhaben geschildert worden war, erlaubte er den Durchgang. Und so konnte der Verein zum Jahreswechsel an den weißen Kreuzen, die am Reichstag an die Toten der Mauer erinnern, einige Dauerbrennkerzen entzünden.

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So endet ein alles in allem eher trauriges Jahr wenigstens hier eher versöhnlich, auch wenn die heute gegebene Möglichkeit wohl eher der menschlichen Reaktion eines Wachmannes vor Ort als einer starren Bürokratie zu verdanken war. Ansonsten waren die Absperrungen – wie vorher angekündigt – seit dem 30.12. noch totaler geworden. Auch die bis dahin offen gehaltenen Zugänge zu den anderen Denk- und Mahnmalen rund um das Brandenburger Tor sind bis zum 2. Januar des neuen (besseren?) Jahres verrammelt worden.

Die Vereinigung 17. Juni durfte zu Sylvester trotz Absperrungen Kerzen entzünden – Foto: LyrAg-Press

Da die Vereinigung 17. Juni grundsätzlich von Optimisten angeführt wird, hofft der Vorstand für die Zukunft auf die Vereinbarung einer grundsätzlichen Regelung für die Gedenk- und Mahnstätten im Zentrum Berlins. Nach Meinung des Vereins sollte es möglich sein, auch im Falle notwendig erachteter Absperrungen im Regierungsviertel den Zugang zu den Gedenkorten soweit wie möglich für jedermann offen zu halten: „Man sei gerne bereit, konstruktive Vorschläge für eine künftige Regelung des jeweiligen Zugangs vor Ort einzubringen, um den offensichtlich unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin – Tel.: 030-85607953 (1.599).

 

 

 

 

Berlin, 13.04.2020/cw – Sein Leben las sich wie eine historische Tragödie. Im Vorfeld, das heißt ein Jahr vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, 1932 geboren, wurde das früh erkrankte Kleinkind von seiner Mutter 1934 in ein Heim weggegeben. Über die Hintergründe kann im Nachhinein nur spekuliert werden. Die Mutter, Tochter einer Halbjüdin, war eben aus diesem Grund vom Vater ihres Kindes verlassen worden. Hatte sie ihr Kind aus Angst in fremde Hände gegeben? Gerhard Weinstein starb heute im Alter von 88 Jahren. Er wurde am Morgen vom Pflegedienst tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Gerd Weinstein 1932 – 2020  Foto: LyrAg/Holzapfel

Im Januar 2018 entdeckten die Berliner Wasserwerke beim Bau eines Rückhaltebeckens die Tunnelreste eines von Weinstein 1963 an der Bernauer Straße gebauten Fluchttunnels. Medien in aller Welt berichteten über den lange Zeit nach dem Mauerfall sensationell wirkenden Tunnelfund. Der Ort des ursprünglichen Tunneleinstiegs war durch einen Gebietsaustausch zwischen der DDR und West-Berlin 1988 gänzlich in das Hoheitsgebiet der DDR gelangt und damit in Vergessenheit geraten. Wie aber wurde Weinstein zum Fluchthelfer und dadurch zum „Staatsfeind der DDR“? Erst 1985, vier Jahre vor dem Fall der Mauer, wurde die Fahndung nach ihm „wegen Erfolglosigkeit“ eingestellt.

Verlegung nach Brandenburg-Görden

Gerhard Weinstein erkrankte schon in jungen Jahren an allen erdenkliche Krankheiten: TBC, Masern, Keuchhusten und dgl. Er wurde in der Folge von einem Krankenhaus zum andern gereicht, zwischendurch in mehreren Kinderheimen untergebracht. 1938, so die recherchierte Aktenlage, wurde er in die berüchtigte Anstalt Brandenburg-Görden verlegt, wo man u.a. „medizinische“ Versuche an Lebenden unternahm und auch die Euthanasie an „unwertem Leben“ praktizierte. Dass der Knabe „jüdischer Abstammung“, wie es in den Aktenvermerken der Anstalt hieß, diese Grauenzeit überlebte, grenzt an ein Wunder. Sein Großvater Bruno Weinstein wurde in dieser Zeit (1943) im KZ Auschwitz ermordet.

Im September 1945 wurde Gerd, wie ihn seine Freunde abgekürzt nannten, aus der Brandenburger Anstalt in den Haushalt seines leiblichen Vaters entlassen. Hatte der „Vater“ ihn wohlmöglich nur aufgenommen, weil für Familien, die ein Opfer des Faschismus in der Familie hatten, zusätzliche Lebensmittelkarten ausgegeben wurden? Der inzwischen 13jährige hatte bis dahin so gut wie keine Schulbildung genossen. Im Hause des Vaters wurde er – nach späteren Vermerken in den Akten der Staatssicherheit – zu regelrechten Sklavendiensten herangezogen. Er durfte nicht mit der Familie gemeinsam Mahlzeiten einnehmen, für ihn war dafür stets ein einsamer Platz in der Küche vorgesehen. Kam er den aufgetragenen Hausarbeiten, wie Putzen und Abwasch nicht nach, setzte es Prügel durch den „Vater“. Eigene Genossen zeigten den „Vater“ schließlich beim Jugendamt an, das Gerd dann erneut in Heimen, u.a. in dem Jüdischen Kinderheim in Niederschönhausen, unterbrachte.

Nachkriegs-Haft in Rummelsburg

Erst im Alter von 18 Jahren, damals in der gerade gegründeten DDR im Gegensatz zur Bundesrepublik die Volljährigkeitsgrenze, wurde der junge Mann in die Lebenswirklichkeit ent- und damit sich selbst überlassen. Als Analphabet, ohne Schul- und Ausbildung, in den damaligen Wirren der Nachkriegszeit eine schwere Last. Gerd versuchte, durch dieses Leben zu kommen, wobei er sich hin und wieder auch mit kleineren Diebstählen buchstäblich über Wasser hielt. Das führte schließlich zu einer Bewährungs- und nach Wiederholung zu einer längeren Haftstrafe, die er in der Strafanstalt Rummelsburg verbüßte.

Der Zukunft zugewandt: Gerd mit seiner Frau 1960

Das junge Ehepaar Angelika und Gerhard Weinstein 1960 – Archiv LyrAg/Holzapfel

Nach seiner Entlassung wechselte Weinstein nach West-Berlin, besuchte aber immer wieder alte Bekannte im Osten der geteilten Stadt. Dort lernte er schließlich 1960 seine erste und, wie er bekannte, „einzige große Liebe“ kennen. Als ein Kind erwartet wurde, heiratete das junge Paar. Nach der Geburt von Tochter Liane im Frühsommer 1961 beschlossen die Eltern, in West-Berlin eine Wohnung zu suchen, um endgültig der DDR den Rücken zu kehren. Im August war es endlich soweit. Gerd hatte eine Wohnung in der Soldiner Straße im Wedding ausfindig gemacht. Am Wochenende des 12./13 August 1961 gingen er und seine Angelika daran, die Wohnung durch notwendige Renovierungsarbeiten bewohnbar zu machen. Die gerade zwei Monate alte Tochter Liane war zu dieser Zeit bei den in Ost-Berlin wohnenden Großeltern untergebracht.

Die Mauer trennte die Eltern von ihrem Baby Liane

Am 13. August 1961 begann die gewaltsame Abtrennung zwischen Ost- und West-Berlin. Noch zwei Monate zuvor hatte Walter Ulbricht in einem Freudschen Versprecher versichert: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Nun wurden tausende Familie über Nacht von einander getrennt. Trotz verzweifelter Bemühungen gelang es den jungen Eltern Gerd und Angelika Weinstein nicht, ihr Baby in den Westen zu holen.

War es da ein Wunder, das der Junge Vater zur Tat schritt und quasi Tag und Nacht darauf sann, Wege zu finden, um seine Tochter zu den Eltern zu holen? Diese sollte nicht ebenso elternlos aufwachsen wie der Vater. Nach mehreren Anläufen gelang es dem organisatorisch Begabten, 1963 einen Ausgangsort für die Grabung eines Tunnels und eine entsprechende Crew zusammenzustellen, die den beschwerlichen Weg durch den Berliner Lehmboden in sechs bis acht Meter Tiefe bewältigen sollte. Achtzehn Menschen sollten durch diesen Fluchttunnel geleitet werden, darunter natürlich Tochter Liane und deren Großeltern, aber auch andere Fluchtwillige: Heinz B. zum Beispiel. Er war durch den Mauerbau von seinen Eltern getrennt worden, die zwar im Osten ein Haus besaßen, aber in West-Berlin ein Möbelgeschäft betrieben. Oder die Ehefrau, deren Ehemann eine Zoo-Handlung nahe dem Schlesischen Tor betrieb. Der Vater von Heinz B. konnte die notwendigen Holzstützen für den Tunnelbau liefern, der Zoohändler steuerte Geldmittel bei. Immerhin beliefen sich die Kosten des Flucht-Unternehmens 1963(!) auf über 30.000 DM.

Großeltern verhaftet: Die zweijährige Liane (1963) wurde in ein Heim verbracht. – Foto: Archiv LyrAg/Holzapfel

Nachdem das Fluchtunternehmen im Juli 1963 durch Verrat gescheitert war (es fehlten nur wenige Meter in den Keller des Zielhauses), waren 21 Menschen verhaftet und kurze Zeit später zu hohen Zuchthausstrafen (bis zu 7 Jahren) verurteilt worden. Tochter Liane wurde auf Anweisung des MfS in ein Kinderheim eingeliefert, die Großeltern mussten ihre Strafen in Hoheneck (Großmutter) und Rummelsburg (Großvater) verbüßen. Gerd Weinstein versuchte seither und zum Teil erfolgreich, Menschen auf anderen Wegen, z.B. über die Transitautobahn, in die Freiheit zu holen, gehasst und verfolgt durch das Ministerium für Staatssicherheit in der DDR.

Elf Jahre Kampf um Liane

Den Kampf um ihre Tochter führten die Eltern, inzwischen geschieden, über insgesamt elf (!) Jahre über alle erdenklichen Ebenen weiter. Erst am 9. November 1972 konnte der damalige Bundesminister Egon Franke der Mutter in einem Telegramm die „nunmehr erreichte Ausreise von Liane“ übermitteln. Aus den Akten der Staatssicherheit ging hervor, daß man die Tochter gewissermaßen als Faustpfand benutzen wollte, um über diese an den gesuchten Vater heranzukommen. Zu diesem Zweck sollte die Mutter in ihrer geäußerten Absicht bestärkt werden, u.U. wieder nach Ost-Berlin zu gehen, um ihrer Tochter nahe sein zu können. Dadurch erhoffte man sich dann auch einen möglichen Zugriff auf den zur Fahndung ausgeschriebenen Staatsfeind Gerd Weinstein.

In den letzten Jahren seines Lebens hatte Gerd Weinstein offenbar mit vielen Verbitterungen zu kämpfen. Rückblickend war sein Leben nicht so verlaufen, wie er sich das einst wohl nach den Enttäuschungen seiner Kinder- und Jugendjahre erträumt hatte. Auch der bereits jahrelang andauernde und noch immer nicht entschiedene Kampf seiner Tochter Liane um die Rehabilitierung wegen der unrechtmäßigen Vorenthaltung der Eltern trug dazu bei. Gemessen an seiner fehlenden Schul- und Ausbildung hatte er es dennoch zu beachtlichen Leistungen gebracht. Er führte selbständig eine Zoo-Handlung undhernach erfolgreich zwei Antiquitätengeschäfte, bevor er sich als Rentner zur Ruhe setzen konnte.

Seine Mutter hatte nie mehr nach ihm gefragt, das durch Freunde ausfindig gemachte Grab wollte er nicht mehr sehen. Ebenso nicht mehr seinen Vater. Bis zu seinem Tod bestand er konsequent auf seiner einmal gefundenen Haltung.

Der am 15.Januar 1932 in Berlin-Dahlem geborene Gerhard Weinstein verstarb am 13.April 2020 in Berlin-Wedding.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.532).

Berlin, 08.März 2020/cw – Dank meiner/unserer Mutter, das sie uns unter schwierigsten Bedingungen zur Welt gebracht hat. Ich danke unserer Großmutter, ohne deren Beistand und Hilfe wir wohl nicht überlebt hätten. Ich danke der Kindergärtnerin, die mich in jungen Jahren in den Arm genommen und getröstet hat. Ich danke der Lebensgefährtin meines Vaters, sie trug den schönen Namen Liebe, für die stete und ruhige Begleitung in schwierigen Jahren der Pubertät.

An dieser Stelle DANK allen Frauen, die ihren Weg gegen alle Widerstände gegangen sind. Wie Petra Koch (Foto), eine ehemalige Hoheneckerin – Foto: LyrAg

Ich danke meiner Schwester, die im Alter von sechs Jahren darauf bestand, bei mir im Kinderheim zu bleiben und die vier tolle Söhne groß gezogen hat. Ich danke den Frauen, die unvergesslich mein Leben begleitet haben, voran der Mutter unserer Kinder. Und ich danke der Frau, die den Mut hat, mit mir die letzten Jahre unseres Lebens zu gestalten und mich auch in meinen schwierigen Seiten zu ertragen.

Aber ich empfinde es als eine Beleidigung dieser und anderer Frauen, dass ausgerechnet die Stadt, die so fürchterlich unter der trennenden Mauer und dem blutigen Stacheldraht gelitten hat, das diese Stadt als erstes Bundesland einen sozialistischen, von der SED normierten Feiertag zum arbeitsfreien Staatsfeiertag erhoben hat. In der DDR hatte der Frauentag den Charakter einer sozialistischen Veranstaltung. Geschichte des Frauentages her oder hin, die genannten und ungenannten Frauen benötigen kein sozialistisches Kleiderethos als Anerkennung ihrer Leistungen, schon gar nicht einen (erneuten) Staatsfeiertag. Sie benötigen und verdienen Anerkennung, die diesen Namen verdienen. Hier nur ein Stichwort: Mütterrente. Von der Politik als Jahrhundertwerk gefeiert, führt sie in der Praxis zu neuen Ungerechtigkeiten – gegen die vorgeblich geförderten Mütter. Ich schäme mich für diesen geheuchelten „Polit-Feiertag“, ich schäme mich für Berlin.

V.i.S.d.P: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.516).

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