You are currently browsing the category archive for the ‘Aufarbeitung’ category.

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 18.01.2020/cw – An ihm scheiden sich die Geister. Die Einen verehren ihn fast, nutzen ihre Berlin-Aufenthalte, um den legendär gewordenen Hüter der Mauerkreuze zwischen Brandenburger Tor und Reichstag ihre Aufwartung zu machen. Andere machen bewusst einen Bogen um ihn, schmähen den ehemaligen politischen Gefangenen der DDR als „unverbesserlichen Nazi“ oder, etwas milder ausgedrückt, als „Rechtsextremisten“. Die Rede ist von Gustav Rust, der seit Ende der neunziger Jahre nahezu tagtäglich an den Gedenkkreuzen für die Opfer der Mauer „Wache hält,“ wie er es ausdrückt, „um die Toten der kommunistischen Diktatur der Vergessenheit zu entreißen.“ Heute wird Gustav Rust 80 Jahre alt.

Fast zehn Jahre lang saß der einstige bekennende Maoist in den Haftanstalten der zur Geschichte gewordenen DDR. Hier wurde er „endgültig von den Segnungen des Kommunismus in all seinen Schattierungen geheilt“ (Rust). Seither entwickelte er sich, im „freien Westen“ angekommen, zu einem scharfen Kritiker linker Utopien, was ihm nahezu zwangsläufig die Verortung in die rechte politische Ecke einbrachte. Dabei versteht sich der permanente „Kritiker am Zeitgeist“ eher als bewusster Provokateur, „weil man die Menschen anders nicht zum Nachdenken bewegen kann“ (Rust).

Medienvertreter kommen selten vorbei

So will er denn die – auch bei ihm wohlgesonnenen Menschen umstrittenen – Aushänge über Geschehnisse im und nach dem 2. Weltkrieg, die er tagtäglich zwischen den Mauerkreuzen anbringt, als „Korrektiv zu den einseitigen Schuldzuweisungen an Deutschland“ verstehen, die einzig dem Zweck dienen, die „kommunistischen Verbrechen hinter dem provozierten Schuldbewusstsein der Deutschen zu verdrängen.“ Dass sich Viele an dieser Darstellung stören und dies eher als Missbrauch der „Toten an der Mauer“ verstehen, lässt den Pfleger des Gedenkortes keineswegs unberührt. Eruptiv schleudert er Kritikern lauthals entgegen, sie sollten sich hier (an den Mauerkreuzen) nicht weiter aufhalten, sondern gleich zum Holocaust-Denkmal weiterlaufen. Dort könnten sie „ihrer Einseitigkeit“ frönen.

Nur selten kommen noch Medien-Vertreter vorbei, um mit diesem „Zeitzeugen anderer Art“ zu sprechen. Auch bei diesen haben sich die „Rust-Ausbrüche“ herumgesprochen. Und es ist wesentlich leichter, mit pflegeleichten Geschichtszeugen Artikel zu basteln, als sich mit der Denke eines einst Gemarterten auseinanderzusetzen. Ausnahmen, wie vor Jahren das Magazin stern widersprechen dem nicht. Das seinerzeitige Gespräch mit Rust gelang allerdings nur unter der Vermittlung eines Freundes, der Rust behutsam auf das Gespräch mit den „roten Socken“ (Rust) vorbereitete und der die interessierten Stern-Journalisten zuvor in die Psyche eines Diktatur-Geschädigten eingeweiht hatte.

Ich stehe hier, ich kann nicht anders

Diesen Begleiterscheinungen entsprechend werden die sonst üblichen, auch offiziellen Gratulanten, ausbleiben, wird „unser Gustav“ (wie er in der Szene respektvoll genannt wird) seinen 80. Geburtstag irgendwo und ziemlich allein mit sich selbst feiern. Das dies auch weh tut, wird er, wenn es denn nachgefragt werden würde, niemals zugeben. Denn: „Ich stehe hier, ich kann nicht anders!“

Allerdings sollten sich die sogen. „Opferverbände“ aus aktuellem Anlass einmal fragen, wie diese denn mit „Geschädigten der Diktatur“ umgehen? Dort werden zumeist die pflegeleichten Opfer umarmt und medial gefördert. Probleme mit den Folgen langjähriger Haft und Folter werden allzu gerne „theoretisch“ in das Licht der Öffentlichkeit gestellt, selbst damit zu tun haben oder sich gar auch dieser zweifellos schwierigen Opfer anzunehmen steht dabei nicht zur Debatte. Dadurch werden Menschen in die Isolation getrieben, die gerade wegen der Folgeschäden einer besonderen Zuwendung bedürfen. Das braucht Kraft und Aufwand, die die Verbände nicht aufbringen wollen. Dabei ist dies eine lohnenswerte Arbeit. Denn noch so „Hartgesottene“ lassen sich überraschend von Menschen, die diesen Opfern ehrlich zugewandt sind, auch „harte Kritik“ gefallen. Wissen diese doch, dass die – oft notwendige Kritik – nicht die ehrliche und angenommene Zuwendung der Kritiker mindert.

Überreichung der Goldenen Ehrennadel an Gustav Rust (mit Helm) am 9.11.2019 – Foto: LyrAg

Die „Goldene Ehrennadel“ der Vereinigung 17. Juni

Den Bestand der Mauerkreuze zwischen Reichstag und Brandenburger Tor dreißig Jahre nach dem Fall der Mord-Mauer verdanken wir alle nicht zuletzt der Beharrlichkeit dieses Mauerkreuzlers. Und wir verdanken Gustav Rust die stete Mahnung, sich tagtäglich auch mit den „unbequemen“ Opfern der zweiten deutschen Diktatur auseinanderzusetzen, den Versuch zu unternehmen, deren einstige Qualen und die daraus resultierenden – uns oft irritierenden – Folgeschäden zur Kenntnis zu nehmen. Distanz schließt Respekt nicht aus. Letztlich hat darum die Vereinigung 17. Juni 1953, der Gustav Rust angehört, diesen Respekt in Form der Verleihung der „Goldenen Ehrennadel“ am 9. November 2019 ausgedrückt.

Siehe auch unseren Beitrag vom 21.03.2013:         https://17juni1953.wordpress.com/2013/03/21/gustav-rust-wenn-die-verzweiflung-zur-kopenickiade-wird/

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 0176-48061953 (1.412)V

 

 

Von Christian Booß

Berlin, 7.01.2020/chBo – Das Ende der Staatssicherheit, die Ereignisse Anfang Dezember 1989 und die am 15. Januar 1990 sind vielen bekannt: Sie sind vielfach beschrieben und gehören inzwischen zum historischen Alltagsbewusstsein. Diese scheinbare Gewissheit lässt selten die Frage aufkommen, ob das was wir meinen zu wissen, sich auch wirklich so zugetragen hat. Oder ob es andere Sichtweisen und Fakten gibt, die manches  in neuem Licht erscheinen lassen.

So ist der oft gehörte Satz „Anfang Dezember wurden die Bezirksverwaltungen des MfS/AfNS besetzt“ ungenau bis falsch. Gerade die Berliner Bezirksverwaltung wurde nie „besetzt“, schon gar nicht Anfang Dezember ’89. Und ob manche der Bürgerbegehungen von Kreis- und Bezirksverwaltungen wirklich treffend mit dem Wort Besetzung beschrieben ist, ist ebenso fraglich. Für die komplexen Geschehnisse, die am 15. Januar zum Ende der MfS-Zentrale führten, gibt es bis heute keine schlüssige Bezeichnung. „Erstürmung“,“ Sturm“, etc. greifen deutlich zu kurz.

Manche Ereignisse werden oft als revolutionäre Tat vor Ort beschrieben, das Handeln der Staatsseite als die der Bremser und Verhinderer. Aber wie die Motivation und Weisungslage auf Staatsseite wirklich war, ist bis heute nicht untersucht. Die Behauptung des ehemaligen Dresdener Oberbürgermeisters, Wolfgang Berghofer, wonach Ministerpräsident Hans Modrow die Stasi opferte, um sich, die SED und die DDR möglichst zu retten, sorgte für Aufregung. Schrillte Thesen von der Manipulation der Bürgerkomitee führten sogar zu einem Prozess, aber nicht zu einer wirklichen Klärung.

Der 30. Jahrestag der sogenannten „Erstürmung“ der MfS-Zentrale ist ein guter Anlass, auf die Ereignisse zurückzuschauen, kontroverse Sichtweisen zu benennen und offene Fragen zu formulieren.

Mit dem Internetauftritt www.Stasibesetzung.de haben mehrere Aufarbeitungsinstitutionen und Einzelpersonen erstmals begonnen, den Wissensstand überregional für ganz Ostdeutschland zusammenzutragen. Die Website wird mit Inhalten zum 15. Januar aktualisiert, die im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt werden.

Der Aufarbeitungsverein Bürgerkomitee 15.Januar e.V.“ lädt aus diesem Anlass am Sonntag, 12. Januar 2020 um 11:00 Uhr in das Haus 1, Raum 614 auf dem ehemalige Stasigelände in der Ruschestr. 103, 10365 Berlin (U-Bhf. Magdalenenstraße) zu einer Matinee (Vortrag mit Diskussion) ein. Als weitere Gäste sind ehemalige Beteiligte an den „Besetzungen“ in Berlin und anderswo anwesend.

Kritik an Roland Jahn: Intelligentes Handeln – nicht Sprücheklopfen ist gefragt

Im Vorfeld der Veranstaltung hat sich der Vorstand des Vereins in einer Presseerklärung vom 5. Januar kritisch zu jüngsten Äußerungen von Roland Jahn in einem dpa-Interview geäußert. Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlage (BStU) hatte sich zur Rekonstruktion der Stasi-Akten geäußert und eine Verantwortung seiner Behörde von sich gewiesen.

„Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen (BStU) bemäntelt das eigene Scheitern bei der Restaurierung zerrissener Stasi-Akten,“ formuliert der Vorstand. „Bislang wurden kaum Opferakten rekonstruiert.“ Der Aufarbeitungsverein fordert den Bundestag auf, sich in einer Anhörung dieses Themas anzunehmen.

„Das Projekt, die Akten elektronisch zusammenzusetzen, ist faktisch seit Jahren beendet. Denn seit mehr als vier Jahren wird keine einzige Akte mehr mit dem vor Jahren neuentwickelten Softwaresystem zusammengesetzt. Die Behörde schiebt die Verantwortung einseitig auf die IT-Technologie (virtuelle Rekonstruktion), um von den eigenen Fehlern abzulenken.

Demgegenüber werden Computersoftware und Scanner seit Jahren erfolgreich für internationale Institutionen zur Wiederherstellung von zerstörten Dokumenten eingesetzt. Die Stasi-Unterlagenbehörde stellte teilweise absurde technische Anforderungen an das Softwaresystem, die gegenwärtig faktisch nicht erfüllbar sind und das Projekt ineffektiv werden ließen,“ kritisiert der Vorstand.

Die Stasi-Unterlagenbehörde blockiere „seit mehreren Jahren die Finanzen, die der Bundestag für den Fortgang der Entwicklung des Projektes bereit gestellt hat.“ Auch die bisherige Vorgehensweise der BStU wird ins Visier genommen:

Die Auswahl der Akten, die zusammengesetzt wurden, sei problematisch. Es wären primär Akten von Verwaltungseinheiten (HA XX und XV) bearbeitet worden. „Anders als der BStU behauptet, wurden bisher nicht schwerpunktmäßig Akten von Personen, die die Stasi ausgespäht hat, rekonstruiert, obwohl manche seit Jahrzehnten auf ihre Akte warten.“ Bis heute gebe es keine qualifizierte Bewertung der archivarischen Ergebnisse der Aktenrekonstruktion.

Praxis der BStU die ineffektivste und teuerste Methode

Die vom BStU propagierte angeblich erfolgreiche Rekonstruktion per Hand  (manuelle Rekonstruktion) sei die ineffektivste und teuerste Methode, stellt der Verein i seiner harschen Philippika fest! Diese sei nur bei besonders historisch wichtigen Akten oder für Modellvorhaben zu rechtfertigen. Die manuelle Arbeit als Ersatz für die elektronische Methode zu propagieren, sei unverantwortlich.

Schließlich appelliert der Vorstand an die Verantwortliche im Kulturausschuss des Deutschen Bundestages. Dieser sollte den 30. Jahrestag der Besetzungen der Staatssicherheit in der Friedlichen Revolution zum Anlass nehmen, sich auf breiterer Basis als bisher in einer Anhörung mit den Missständen des Projektes zu beschäftigen und Lösungsstrategien suchen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 0176-48061953 (1.411).

Die Schriftstellerin Monika Maron erinnert sich in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7.11.2019 an den Mauerfall: Jeder, der sprechen wollte, konnte nun sprechen, wer für oder gegen etwas kämpfen wollte, konnte das öffentlich und ungefährdet tun. Und heute? Da wird Menschen wegen unerwünschter Meinungen die Existenz wieder erschwert oder sogar zerstört.

Von Monika Maron*

Es gab nicht viel, was ich vermisst habe, nachdem die DDR im Orkus der Geschichte versunken war. Und was ich hätte vermissen können, den Bautzener Senf zum Beispiel, gibt es ja heute noch. Nur eins schien mir für immer verloren zu sein, weil es einem an diesen Ort und diese Zeit gebundenen, unentrinnbaren und demütigenden Gefühl der Ohnmacht entsprungen war: unser galliges Gelächter.

Dieses Gelächter war eine Form des Widerstands, es einte uns und zog eine Wand zum Rest der kleinen, für uns bestimmten Welt. Dann öffnete sich die Welt und damit verstummte auch dieses Gelächter. Jeder, der sprechen wollte, konnte nun sprechen, wer schreiben wollte, konnte schreiben, und wer für oder gegen etwas kämpfen wollte, konnte das öffentlich und ungefährdet tun. Die Erinnerung an unser galliges Gelächter habe ich bewahrt wie die Erinnerung an alles, das schön war in dieser Zeit: die Jugend, Liebe, Freundschaft.

Aber seit einigen Jahren höre ich es wieder, ein böses, hilfloses Lachen, von mir und von anderen, von Ostdeutschen und von Westdeutschen auch.

Ich habe nicht für möglich gehalten, dass mir das noch einmal passiert. Als ich 1988 aus Ostberlin nach Hamburg gezogen bin und bei Zarrentin zum ersten Mal über die Grenze fuhr und das Schild mit dem Bundesadler sah, breitete sich in mir das Wort Freiheit zu einem Glücksgefühl aus. Und so war es auch. Ich war frei; frei zu schreiben, zu sprechen, zu leben. Und als ich binnen kürzester Zeit mit den Hamburger Grünen und Feministinnen zusammenprallte, war das eine lehrreiche Erfahrung, mehr nicht. Ich ahnte nur, dass das keine wunderbare Freundschaft werden könnte. Aber sie waren nicht das Land, nicht die Zeitungen, nicht der Rundfunk, auch wenn sie da gewiss saßen, aber sie beherrschten sie nicht.

Als ich 2010 begann, mich für den Islam zu interessieren, ging es mir weniger um den Islam als um den Umgang mit seinen Kritikern, in dem ich ein Muster wiederzuerkennen glaubte. Islamkritiker wie Necla Kelek wurden plötzlich als «heilige Krieger» und «Hassprediger» beschimpft, als stünde es ihnen nicht zu, sich mit ihrer eigenen Herkunft und Kultur auseinanderzusetzen. Sie wurden ihrer eigenen Konflikte beraubt, die nun von der westdeutschen Linken als deren eigene Angelegenheit übernommen wurden, so wie auch die Ostdeutschen von ihren Konflikten enteignet wurden, indem jedes Problem, das sie miteinander hatten, in das Konfliktpotenzial westdeutscher Parteien integriert wurde und fortan als Ost-West-Konflikt galt, als wären die Ostdeutschen vierzig Jahre lang eine homogene Masse gewesen.

In den Jahren 2014, als die Pegida zum ersten Mal auf die Dresdener Strassen ging, und 2015, als eine Million Flüchtlinge und Einwanderer unkontrolliert die deutschen Grenzen passierten, verwandelten sich diese Konfliktfelder in Kampfzonen, in denen die Begriffe links und rechts endgültig bedeutungslos wurden. Wer die bis dahin selbstverständlichen Forderungen der Linken wie die Aufklärung, den säkularen Staat und die Frauenrechte verteidigte, fand sich plötzlich auf dem rechten Kampffeld wieder; und meine linken, grünen Feministinnen aus Hamburg verteidigten vermutlich leidenschaftlich das islamische Kopftuch und forderten Verständnis auch für die hartgesottensten muslimischen Frauenverächter, was für mich bedeutet: Sie waren zu Reaktionärinnen mutiert, also rechts.

Der Osten avancierte in den Jahren danach von der Mitleids- und Witzfigur der Medien zu ihrer Hassfigur. Die dummen Ostdeutschen, die eben keine Fremden kannten, obwohl sie seit einem Vierteljahrhundert selbst durch die Welt reisten, auch in Dresden ARD und ZDF sehen konnten und die seit 1990 Hunderttausende Spätaussiedler aus Russland und Kasachstan aufgenommen hatten. Sie hatten erlebt, wie ihre gut ausgebildeten Kinder in den Westen abwanderten, weil sie im Osten keine Arbeit fanden, und ließen sich nun erzählen, dass schlecht ausgebildete, fremde junge Männer als Arbeitskräfte gebraucht würden.

Seit 1990 sind fünf Millionen Ostdeutsche in den Westen gezogen. Die Jugend, die dem Osten fehlt, lebt im Westen. Auch danach hätte man fragen können, ehe man ganz Sachsen zum Nazisumpf erklärt und, wie eine Journalistin kürzlich stolz verkündete, keinen sächsischen Apfelsaft mehr kauft. Man hätte fragen können, was die Menschen plötzlich auf die Strasse treibt, bevor man sie als «besorgte Bürger» lächerlich macht, als «Abgehängte» diffamiert und über den Umweg rechtsradikal und rechtsextrem als Nazis über eine Grenze schiebt, die sie vielleicht nie hatten übertreten wollen.

Aber Rechte fragt man nicht, mit Rechten redet man nicht, Bücher von Rechten liest man nicht, Rechten darf man ihre Stände auf Buchmessen verwüsten, Rechten hört man nicht zu und antwortet ihnen nicht – und wer oder was rechts ist, entscheidet jeder, der sich für links hält. Schon die Frage, ob der Klimawandel wirklich nur menschengemacht ist oder wie viel Einwanderung eine Gesellschaft verträgt, ohne schwerwiegenden Schaden zu nehmen, oder ob dieses Genderkauderwelsch wirklich den Frauen nutzt, kann ausreichen, um rechter Gesinnungsart verdächtigt zu werden.

Wie es scheint, hat die grün-linke Seite, verstärkt durch eine gewandelte CDU, den Kampf um die Deutungshoheit gewonnen um den Preis, dass die AfD zu einer konstanten politischen Kraft geworden ist. Was für ein Sieg!

Kürzlich erzählte ich einem Freund, ich fühlte mich beim Schreiben zuweilen wie früher, als ich mein erstes Buch «Flugasche» geschrieben habe, wieder gedrängt ins Politische, weil es mich jeden Tag umtreibt, und bedrängt von dem Gedanken, was ich mir wohl einbrocke, wenn ich einen Protagonisten meines Buches diesen oder jenen Satz sagen lasse. Der Freund war empört: Wie ich die Bundesrepublik mit der DDR vergleichen könne und ob ich noch ganz bei Verstand sei. Es liegt mir fern, die Bundesrepublik mit der DDR zu vergleichen. Weder fürchte ich, mein Buch könnte wie in der DDR verboten werden, noch halte ich für möglich, dass ich juristisch belangt werden könnte.

Und trotzdem habe ich dieses Gefühl.

Natürlich, Deutschland ist ein Rechtsstaat; darum werden Bücher nicht verboten und Schriftsteller nicht verhaftet. Aber es gibt auch in einem Rechtsstaat Möglichkeiten, Menschen wegen unerwünschter Meinungen die Existenz zu erschweren oder sogar zu zerstören. Wenn Zweifel schon verdächtig sind, wenn Fragen als Provokationen wahrgenommen werden, wenn Bedenken als reaktionär gelten, wenn im Streit nur eine Partei immer recht hat, können einen alte Gefühle eben überkommen. Und dann kann man darüber verzweifeln, vor Wut toben oder darüber lachen, unser schönes galliges Gelächter.

* Von der Schriftstellerin Monika Maron ist zuletzt der Roman «Munin oder Chaos im Kopf» im S.-Fischer-Verlag, Frankfurt am Main, 2018, erschienen.

Der vollständige, ungekürzte Text unter: https://www.nzz.ch/feuilleton/monika-maron-es-liegt-mir-fern-die-bundesrepublik-mit-der-ddr-zu-vergleich-ld.1519713

Berlin, 09.11.2019/cw –  Zum 30. Jahrestag der Maueröffnung ehrte die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. und die Bundestagsfraktion der AfD, vertreten u.a. durch die stv. Fraktionsvorsitzende von Storch, heute mit Ansprachen (Ulrich Oehme, MdB, sowie Carl-Wolfgang Holzapfel) und einer Kranzniederlegung  die Toten der Mauer an den Gedenkkreuzen zwischen  Reichstag und Brandenburger Tor. Nach dem Gedenken wurde der ehemalige politische Häftling Gustav Rust von dem Verein und der AfD durch die Überreichung von Urkunden geehrt. Rust pflegt seit zwanzig Jahren den Gedenkort am Reichstag und ist seither fast tagtäglich vor Ort, um die Würde des Ortes zu gewährleisten und  als Zeitzeuge für Fragen von Besuchern aus aller Welt zur Verfügung zu stehen.

Übergabe der Urkunden an Gustav Rust – Foto LyrAg

Urkunde Gustav Rust 09.11.2019

Der Ehrenvorsitzende der Vereinigung und jahrzehntelange Maueraktivist Carl-Wolfgag Holzapfel hielt in Vertretung der erkrankten Heike Eichenmüller, seit Juni d.J. Vorsitzende des Vereins,  folgende Ansprache :

Heute, vor 30 Jahren, wurde die Mauer für Millionen von Menschen durchlässig. Der Versprecher eines ansonsten geübten und geschulten SED-Funktionärs machte dies nach 28 Jahren möglich.

Den Traum von Freiheit mit dem Leben bezahlt

Wir haben uns aber heute nicht versammelt, um in Jubel auszubrechen und hier im Gedenken an jenen unvergessenen Novembertag einige Flaschen – Sekt, Wein oder Bier – zu verkosten.

Alles hat seine Zeit und seinen Platz.

Wir haben uns an diesem Ort heute verabredet, weil wir in all dem Jubel jener Menschen gedenken wollen, die ihren einst vorhandenen Traum von der Freiheit mit dem endlichen Einsatz ihres Lebens bezahlen mussten.

  • – Ob Ida Sieckmann, die am +22.8.1962 in der Straße der Tränen, in der Bernauer Straße, sechzigjährig vergeblich aus dem Fenster ihrer Wohnung, im sowjetischen Sektor gelegen, den Sprung in die Freiheit in den Französischen Sektor wagte und dabei in den Tod sprang;
  • – ob Günter Litfin, der den trennenden Humboldthafen am heutigen Hauptbahnhof durchschwimmen wollte und dabei als erster Flüchtling nach dem Mauerbau am +08.1961 Opfer tödlicher Kugeln von DDR-Grenzsoldaten wurde oder
  • Chris Gueffroy, der neun Monate vor der Maueröffnung bei dem Versuch, in der Nacht vom auf den 6. Februar 1989 zusammen mit seinem Freund Christian Gaudian durch den Britzer Verbindungskanal zu flüchten, von tödlichen Kugeln getroffen wurde. Welch tödliches Missverständnis. Hatte er doch zuvor von einem Freund, der an der Grenze Dienst tat erfahren, dass der Schießbefehl aufgehoben worden sei.

Alle diese Menschen hatten eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit empfunden, wollten einem zutiefst unmenschlichen System entfliehen.

Gerade in den letzten Wochen ist aus unbegreiflichen Gründen der Kampf um die Deutungshoheit von Begriffen erneut ausgebrochen: War die DDR ein Unrechtsstaat?

Gibt es „gute“ und „schlechte“ Diktaturen?

Erstaunlich scheint mir, dass hier keiner infrage stellt, dass das Dritte Reich ein Unrechtsstaat war. Dominiert also – dreißig Jahre nach dem Ende der Zweiten Deutschen Diktatur – eine linke Geschichtsdominanz unsere Gegenwart? Werden wir mit der Infragestellung des Unrechtsstaates den Mordopfern dieses Staates gerecht? Gibt es überhaupt eine „gute Diktatur“, die dann kein Unrechtsstaat wäre und eine „schlechte“ Diktatur, die automatisch „auch“ ein Unrechtsstaat wäre? Schlussgefolgert hieße dies im Ergebnis: Die kommunistische Diktatur ist eine „gute“, die NS-Diktatur eine „schlechte“ Diktatur?

Diese Kreuze hier im Hintergrund geben eine zweifelsfreie Antwort:

Jedes Kreuz ist eines zu viel. Und wir wissen, dass diese 15 Kreuze hier nur stellvertretend für unsäglich viel mehr Todesopfer dieser Roten Diktatur stehen. Dazu gehören die vielfachen Todesurteile in der SED-Diktatur ebenso, wie die in der Haft und unter Folter Verstorbenen. Auch jene, die wir unter dem Begriff „Erschossen in Moskau“ kennen.

Kranzniederlegung durch die AfD-Bundestagsfraktion, li. Ulrich Oehme, MdB
– Foto LyrAg

Der 9. November hat also nicht nur einen Freudenglanz. Hinter diesem Datum stehen ebenso unsere Trauer um unendliches, unfassbares Leid, welches am 9. November 1938 mit der sogen. “Reichskristallnacht“ über unsere jüdischen Bürger hereinbrach. Es wäre Zynismus, die Toten der Mauer als „Rache der Geschichte“ für die Toten von Auschwitz, Dachau, Birkenau und wie diese Orte des Schreckens alle hießen, zu sehen.

9. November: Kein Tag vermittelt so die historische Linienführung

Aber wir dürfen durchaus konstatieren, dass viele Menschen erst durch das erfahrene Leid besonders nach dem Bau der Mauer die schrecklichen Dimensionen der einstigen Verfolgungen und Menschenjagden erfasst und begriffen haben.

Kein anderer Tag, wie dieser 9. November, wäre, nein, ist dazu geeignet, diese historische Linienführung heutigen und künftigen Generationen zu vermitteln. Gerade weil sich dieser 9. November nicht dazu eignet, von der Politik missbraucht, in den üblichen Parteien-Hader einbezogen zu werden. Der 9. November birgt die große und wohl in dieser historischen Analogie einmalige Chance, a l l e   politischen und gesellschaftlichen Gruppen wenigstens hier zu einen: Welches Land dieser Welt hat einen Tag im Kalender, der sich mit diesem „deutschen Geschichts-Datum“ vergleichen ließe?

An einem 9. November, 1848, wurde in Wien der Abgeordnete der Frankfurter National-Versammlung; Robert Blum, infolge der Niederschlagung des Aufstands nach einem Standgerichtsurteil hingerichtet.

  • – An einem 9. November, 1918, wurde infolge des 1. Weltkrieges die Deutsche Republik
  • – An einem 9. November, 1923, wurde erstmals und einzig der am 8.November begonnene Hitler-Putsch durch die Weimarer Republik erfolgreich abgewehrt.
  • – Am 9. November, 1938, dies wurde schon erwähnt, erhielt das folgende Mord-Drama an den Juden seinen sichtbaren, weil unübersehbaren tyrannischen Start.
  • – Der mutige, leider gescheiterte Mord-Anschlag auf den Diktator Hitler durch Georg Elser am 8. November 1939 darf mit Recht auch diesem Tag zugeordnet werden, da Hitler hier seinen misslungenen, am 8.November begonnenen Putsch von 1923 feiern wollte.
  • – Und schließlich der Freudentag der Maueröffnung, der 9. November 1989.

Vorschlag von 1989: „Tag der Nation“

Wir, die Vereinigung 17. Juni 1953, bekennen uns auch 30 Jahre später zu unserem damalig vorgetragenen Vorschlag, den 9. November als „Tag der Nation“ einzuführen. Dafür waren wir sogar bereit, auf den 17. Juni als arbeitsfreien Gedenktag zu verzichten. Wir sahen in dem 9. November 1989 die Fortführung und Zielsetzung des Aufstandes von 1953.

Stattdessen wurde, wie wir alle erfahren mussten, der 3. Oktober als „Gedenktag nach Aktenlage“ eingeführt. Dieser 3. Oktober war und ist ein künstlicher, ein lebloser Gedenktag. Darüber können keine künstlichen Rummelatmosphären vor dem Brandenburger Tor und anderswo hinwegtäuschen.

Die Toten unserer leidvollen Geschichte, die Toten der Mauer mahnen uns an ein „gemeinsames Innehalten“ über alle Parteigrenzen hinweg.

Ida Sieckmann, Günter Litfin, Chris Gueffroy sind weder für die CDU, die SPD, die FDP oder sonst eine Partei gestorben. Sie starben für die Freiheit, für den Traum auf eine bessere Welt. Und nicht zuletzt darum haben sie es verdient, über jeglichen Streit der Parteien hinweg g e m e i n s a m geehrt und beweint zu werden.

Immer, auf alle Zeit und besonders an jedem 9. November.“

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.407).

Von Tatjana Sterneberg

Berlin/Hoheneck, 07.11.2019/ts – Heute, vor 46 Jahren, klingelt es an meiner Haustür. „Aufmachen, Polizei!“ Ahnungslos öffnete ich die Tür. Ich hatte ja nichts verbrochen. Drei Männer in Zivil drängten mich in die Wohnung. Und während zwei der Männer begannen, ungefragt die Wohnung zu inspizieren, eröffnete mir der Dritte im Bunde: „Staatssicherheit. Kommen Sie mit zur Klärung eines Sachverhaltes!“

„Natürlich,“ schoss es mir durch den Kopf, „mein Ausreiseantrag und die Pläne einer möglichen Flucht.“ Plötzlich überfiel mich eine unkontrollierte Aufregung, eine nicht gekannte Angst vor etwas bislang Unbekanntem. Und während ich in einem Fahrzeug platziert wurde, gingen meine Gedanken zurück an den Ursprung dieses plötzliche Eingriffs in meine bisherige Unversehrtheit.

Nach meiner Ausbildung zur Restaurantfachfrau war ich gebeten worden, in das neu eröffnete Hotel „Stadt Berlin“ am Alexanderplatz (heute „ParkInn“) meine Berufslaufbahn fortzusetzen. Im ersten Stock befand (und befindet) sich die Zille-Stube, ein gemütliches Restauration in diesem riesigen „Turmhotel“.

Ein quietschroter Käfer und eine Rose

Schon bald tauchte dort Antonio auf. Er war Italiener und hatte es sich zur (nebenberuflichen) Aufgabe gemacht, Freunde und Gäste hin und wieder nach Ost-Berlin zu führen, um ihnen u.a. auch die dortige Restauration vorzuführen. Er sprach, wie ich später erfuhr, fünf Sprachen, was ihm diese Aufgabe wie auch seine Stellung im Hotel Kempinski als Chef de Rang in West-Berlin erheblich erleichterte.

Er muss wohl bei seinen Besuchen „einen Blick“ auf mich geworfen haben. Jedenfalls erschien er eines Tages (1972) mit seinem quietschroten Käfer vor dem Hotel, galant eine Rose in der Hand und fragte mich schlicht und ergreifend, ob er mich zu einem Glas Wein einladen dürfe?

Heute kämpft Tatjana Sterneberg an der Seite Ihres Mannes C.W.Holzapfel für die Rechte Verfolgter der DDR-Diktatur – Foto: LyrAg

Es entwickelte sich schnell eine gegenseitige Zuneigung, die schließlich in Liebe erblühte. Eine Liebe zwischen Ost und West war ja nicht einfach. Denn dazwischen stand die Mauer. Wollte Antonio länger bleiben, so musste er fristgerecht bis 24:00 Uhr den Checkpoint Charlie in Richtung Westen passieren. Dort fuhr er eine entsprechende Kehre, um nach 00:00 Uhr mit dem angemessenen Abstand wieder in die Hauptstadt der DDR mittels eines erneuten Tagesvisums wieder einzureisen.

Nach dem Heiratsantrag: Antonio wollte nicht im Osten leben

Was kommen musste, kam auch bei uns. Antonio machte mir schließlich einen Heiratsantrag. Ich war glücklich, als wäre ich schon seine Frau. Über die Umsetzungsmöglichkeiten machten wir uns erst danach Gedanken. Antonio wollte auf keinen Fall in Ost-Berlin leben. Sich freiwillig einsperren zu lassen war für den Weitgereisten und –Gebildeten (USA, Frankreich, Schweiz, Deutschland und natürlich Italien) keine Alternative. Aber was tun?

In diesen Tagen der Suche nach einer Problem-Lösung kam mir meine Tätigkeit im Hotel zu Hilfe. Ich betreute eine Hochzeitsfeier und fragte den Bräutigam diskret, wo das Paar denn in Zukunft leben wolle? Denn seine Geehelichte war zwar eine Ostberlinerin, er kam aber aus Dänemark. Natürlich würden sie dort leben, erklärte mir der glückliche Däne. Ich war perplex: „Wie geht denn das?“ „Ganz einfach,“ sagte der Däne, „meine Frau hat einen Ausreiseantrag gestellt.“

Überglücklich erzählte ich am Abend Antonio von dieser Feier. Gesagt getan. Ich schrieb einen Ausreiseantrag, formlos, auf einem normalen Briefbogen. Und als die Antwort auf sich warten ließ, hakte ich nach, fragte nach dem Stand. Das führte zu einer Vorladung ins Rote Rathaus, in dem heute der Berliner Senat seinen Sitz hat. Naiv und gutgläubig wie ich war, nahm ich meinen Antonio mit zu diesem Gespräch. War er doch der lebende Beweis für meine guten und harmlosen, sprich unpolitischen Absichten.

Eine Ausreise kommt nicht infrage

Schnell wurde uns im schönsten Partei-Sprech klar gemacht, eine Ausreise komme gar nicht infrage. Alle Argumente halfen nichts, mein artikuliertes Vorpreschen war vielleicht sogar undienlich. So hielt ich dem Gegenüber im Rathaus vor, man könne doch nicht „Eintrittsgeld“ für den Besuch in Ost-Berlin kassieren, und wenn sich dann Mensche ineinander verlieben, dürfen diese nicht zueinander kommen. „Was ist das denn?“

Die Folge dieser unerquicklichen Begegnung: Der Besuch von uns wurde an die Staatssicherheit gemeldet, die daraufhin einen „Operativen Vorgang (OV)“ unter dem Namen „Zille“ anlegte und 12 Informelle Mitarbeiter (IM) unter dem Kennwort „Hänsel und Gretel“ auf uns ansetzte. Das allerdings erfuhr ich erst rund 20 Jahre später aus der Einsicht in meine Stasi-Akten.

Nichtsahnend über diese eingeleitete „Staatsschutztätigkeit“ begann Antonio, fürsorgerisch nach anderen Lösungen zu suchen. Natürlich gehörte dazu auch die Kontaktaufnahme zu Fluchthelfern. Mehrere Möglichkeiten wurden erörtert, mehrere wieder verworfen. Schließlich zeichnete sich ein Versuch über den Checkpoint Charlie unter Hilfestellung einer diplomatischen Vertretung ab.

Menschlichkeit: Antonio wurde bei der Einreise gewarnt

Der Termin war noch nicht vereinbart, als die Abgesandten der Staatssicherheit vor meiner Wohnung standen, um mich in das Polizeipräsidium in der Keibelstraße zu verschleppen. Erst am Morgen des nächsten Tages, kurz vor dem Ende der ersten nächtlichen und stundenlangen Vernehmungsrunde eröffnete mir einer der Vernehmer: „Übrigens, Ihren Antonio haben wir auch!“ Mir fuhr ein Schreck in die Glieder. Was hatte der arme Kerl mit den Teilungs-Strapazen deutscher Befindlichkeiten zu tun?

Was ich an diesem grauen 8. November noch nicht wusste und erst später, nach der Maueröffnung erfuhr: Ein Mensch unter den Unmenschen hatte Antonio bei seiner Einreise in die DDR gewarnt: „Reisen Sie heute lieber nicht ein.“ Antonio hatte diesen Hinweis in übliches Abwehr-Blabla der Kontrollorgane eingeordnet und war dann verhaftet worden.

Gut war, dass mein Stasi-„Informant“ zwar von der Verhaftung, aber wohl nichts davon wusste, dass es an der Grenze auch Menschen gab, die versuchten, sich dem Unrechtssystem auf ihre eigene Art zu entziehen. Damals wusste auch ich nichts davon. Damals, am 7. November 1973, mussten Antonio und ich den langen Weg in die DDR-Haft antreten: Er nach Rummelsburg und ich in das größte Frauenzuchthaus Hoheneck.

Nach unserer Haft haben wir geheiratet, bekamen unsren Sohn Sandro. Aber Antonio überlebte die erlittenen Strapazen nicht. Er starb 2006 an den Folgen. Und ich? Ich trage die Erinnerungen an einen wunderbaren Menschen in mir und die Schmerzen der Erinnerung an einen Abend des 7. November, als drei Leute in meine Wohnung kamen, um ein weiteres Mal Schicksale zu zerstören.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.406).

Januar 2020
M D M D F S S
« Nov    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Blog Stats

  • 667.845 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 117 Followern an