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Berlin, 17.02.2017/cw – Nein, es war kein (kleiner) CDU-Parteitag, dann hätte zumindest Aussicht auf die (kurzfristige) Anwesenheit der Bundeskanzlerin bestanden. Aber es waren zahlreiche Granden der CDU/CSU erschienen: Der Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU);  der Ministerialdirigent Ansgar Hollah (CDU), zuständig für den Bereich „Geschichte und Erinnerung“ im Bundeskanzleramt; der Berliner MdB und vormalige Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegener, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag von Brandenburg, Ingo Senftleben, und natürlich der UOKG-Vorsitzende und Vizepräsident des Brandenburger Landtages, Dieter Dombrowski (CDU).

Vom Koalitionspartner SPD war offiziell einzig  die Staatssekretärin und Beauftragte für die Neuen Länder, Iris Gleicke, für die Verlesung eines Grußwortes erschienen.

Routinierte Begrüßung: Dieter Dombrowski - Foto: LyrAg

Routinierte Begrüßung: Dieter Dombrowski – Foto: LyrAg

Die Geballtheit der CDU-Prominenz, abgesehen von vermutlich zahlreichen einfachen Mitgliedern der Union, fiel auch durch die Tatsache auf, das es schließlich die CDU/CSU war, die bis auf den heutigen Tag den Rentenbetrug als gesetzeskonform verteidigt und jegliche Korrektur ablehnt. Die SPD, sichtbar neben Gleicke auch durch den Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, hatte wenigstens noch 2011 (als Opposition) vehement eine Korrektur verlangt, sich allerdings 2016 vom eigenen Gesetzentwurf distanziert und sich als nunmehrige Regierungspartei auf die Seite der Union geschlagen. Martin Gutzeit, der seit 1992 in diesem Funktion amtiert, trug überdies sein Grußwort nicht als SPD-Vertreter sondern als Landesbeauftragter vor.

Singhammers Unverbindlichkeit

Nach der routinierten Begrüßung durch die Hausherrin Anna Kaminsky von der Stiftung Aufarbeitung sprach Dieter Dombrowski, diesmal als Vorsitzender der UOKG. Seine Resignation, die im letzten Stacheldraht (Editorial, S.2: „UOKG – Ein zahnloser Tiger?) zum Ausdruck kam, konnte der gestresst wirkende CDU-Politiker kaum verbergen. Immerhin konnte er der Jubiläumsversammlung den leibhaftigen Bundestagsvizepräsidenten Johannes Singhammer (CSU) mit der „Festrede“ ankündigen.

Unverbindlichkeiten: Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer -Foto: LyrAg

Unverbindlichkeiten:
Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer
-Foto: LyrAg

Wer allerdings von dem bekannten bayerischen Politiker aufmunternde Bekenntnisse erwartete, wurde enttäuscht. Außer bekannten Gemeinplätzen beließ es Singhammer bei gewohnten Unverbindlichkeiten. Seine Rede wirkte denn auch ermüdend, einige Teilnehmer kämpften offensichtlich mit dem aufkommenden Schlaf. Das ist verwunderlich, denn Singhammer hatte sein Ausscheiden aus dem Bundestag am Ende der Legislaturperiode bereits bekannt gemacht. Gewöhnlich werden Politiker in dieser Phase ungewohnt mutig und wagen häufig sogar Kritik an der eigenen Regierung.

Für die UOKG referierte der als „Historiker“ vorgestellte einstige Theologe Christian Sachse, der durch den von IKEA der UOKG finanzierten Forschungsauftrag zur Häftlingszwangsarbeit ein neues fundiertes Aufgabenfeld gefunden hat. Selbstredend fiel das Lob für IKEA farbenfroh aus, blieb die Kritik an der noch immer ausstehenden Haftzwangsarbeit verhalten. Immerhin sprach Sachse von „einer Bereitschaft“ IKEAs, sich an einer Entschädigung beteiligen zu wollen. Konkret wurde er dabei nicht.

„Ich bin eine Zumutung für Sie.“

Vor kurzer Zeit noch undenkbar, zum genannten UOKG-Jubiläum Wirklichkeit. Erstmals sprach auf einer Veranstaltung

Seine Rede wurde mit überraschend großem Beifall quittiert: Bgm und Kultursenator Klaus Lederer (hier im Gespräch) - Foto: LyrAg

Seine Rede wurde mit überraschend großem Beifall quittiert: Bgm und Kultursenator Klaus Lederer (hier im Gespräch) – Foto: LyrAg

des Dachverbandes ein Mitglied der SED, bekannterweise inzwischen mit viertem Namen DIE LINKE ausgestattet: Klaus Lederer, seit dem Regierungswechsel in Berlin Bürgermeister von Berlin und Kultursenator. Sensationell seine kurze, aber ehrliche Ansprache, die einzigartig zum vorzeigbaren Highlight der Veranstaltung wurde und unerwartet die müden sonstigen Ansprachen fast vergessen ließen.

Lederer räumte gleich zu Beginn ein, daß er als Vertreter der ehemaligen SED eine Zumutung für „Sie als SED-Opfer“ sei. Lederer legte zu Beginn sein vorbereitetes Manuskript zur Seite, sprach Tacheles, erzählte von seiner politischen und persönlichen Wandlung. „Das war ein Prozess, der mich heute die DDR ganz anders sehen lässt.“ Er sei 17 Jahre alt gewesen, als die DDR am Ende war, groß geworden im vermittelten Glauben an den guten Staat. Aber: „Was war das eigentlich für ein Unterdrückungssystem, in dem ich da gelebt habe?“ Lederer bekannte auch, daß er mit dieser kritischen Haltung zu der Vergangenheit auch Prügel in seiner Partei habe einstecken müssen: „Das muß man aushalten.“ Und: „Einen Schlussstrich unter die DDR-Vergangenheit darf es nicht geben. Es ist auch immer eine dauerhafte Auseinandersetzung mit meiner eigenen Partei, die Defizite hat,

Fragen nach der Glaubwürdigkeit: BStU-Chef Roland Jahn - Foto: lyrAg

Fragen nach der Glaubwürdigkeit: BStU-Chef Roland Jahn – Foto LyrAg

wahrzunehmen und Empathie zu empfinden für diejenigen, die gesessen, die gelitten haben.“ Das habe auch die Debatte um den Fall Andrej Holm wieder gezeigt: „Diese Debatte muss mit Respekt und Achtung geführt werden, sie muss mit Sensibilität geführt werden, und sie darf nicht vergessen, wie es auf die Opfer wirkt, wenn wir heute über solche Fragen diskutieren.“

Der Kraft seines Amtes jetzige Stiftungsratsvorsitzende der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen und der Stiftung Berliner Mauer betonte, daß er über diese 25 Jahre des Austausches, des Respekts, der Kommunikation auf Augenhöhe Freunde gewonnen habe, „die seinerzeit unter dem SED-Regime gelitten haben.“

Unerwartet starker Beifall für den Abgesandten des Regierenden Bürgermeisters am Ende seiner lebhaften und glaubwürdig vorgetragenen Ansprache: „Ich bedanke mich dafür, dass Sie mich hier aushalten, und gratuliere noch einmal herzlich zu 25 Jahren Arbeit. Vielen Dank.“

Jahn hält Lederer die Causa Holm vor: Mangelnde Glaubwürdigkeit

Nachdem ein ehemaliger politischer Gefangener aus Protest gegen den Auftritt des Linken-Politikers den Saal verlassen hatte, kritisierte einzig Roland Jahn DIE LINKE konkret. In seinem Beitrag warf er Klaus Lederer mangelnde Glaubwürdigkeit vor – hatte doch die Linke den Stadtsoziologen Andrej Holm zum Staatssekretär gemacht, der wahrheitswidrig behauptet hatte, nie hauptamtlicher Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen zu sein. Weit entfernt war diese Kritik nicht: Nach der Veranstaltung wurde bekannt, dass die LINKE-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus den Kurzzeit-Staatssekretär  just zu ihrem „Berater“ ernannt hat.

Zeitzeugen-Veteranen unter sich: Margot Jann und Horst Schüler - Foto: LyrAg

Zeitzeugen-Veteranen unter sich: Margot Jann und Horst Schüler – Foto: LyrAg

Martin Gutzeit (SPD) mühte sich anschließend um sein Grußwort, Ansgar Hollah (CDU) vom Bundeskanzleramt wiederholte im Wesentlichen in gewohnter Manier bereits Gesagtes, ehe Dieter Dombrowski die Anwesenden zu einem anschließenden Empfang mit kleinen Häppchen einlud.

Rentenbetrug? Kontroverse für Jubiläumsveranstaltung „nicht geeignet“

Erinnerung an den Aufbruch 1992: Die Vereinigung 17. Juni (Holzapfel, li.) überreichte eine Kopie des "Protest von Halle" (Dombrowski, re.) - Foto: UOKG/LyrAg

Erinnerung an den Aufbruch 1992: Die Vereinigung 17. Juni (Holzapfel, li.) überreichte eine Kopie des „Protest von Halle“ (Dombrowski, re.) – Foto: UOKG/LyrAg

Der UOKG-Vorsitzende wurde im Anschluss mit der Kritik konfrontiert, dass außer Roland Jahn („Wir brauchen Rentengerechtigkeit für Republik-Flüchtlinge!“) kein Redner auf die brennenden aktuellen Probleme der Diktatur-Opfer eingegangen wäre. So hätte man beispielweise die anwesende CDU-Prominenz deutlich auf den noch immer existenten Rentenbetrug und deren schändliches Verhalten dazu ansprechen können. Dombrowski meinte dazu, dies sei eine Jubiläumsveranstaltung, „da könne man nicht derartige Kontroversen vortragen.“

Nachzutragen ist, dass neben zahlreichen Verbands- und Vereinsvertretern die vorherigen UOKG-Vorsitzenden Horst Schüler (93) aus Hamburg, Rainer Wagner aus Neustadt sowie der einstige stellvertretende Vorsitzende Lothar Scholz aus Berlin anwesend waren. So wurde auch neben der Ehrenvorsitzenden des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen Margot Jann (90) auch der (fast) komplette derzeitige Vorstand unter Führung von Regina Labahn und Catharina Mäge in Begleitung der legendären Zeitzeugin Annerose Matz-Donath (94) gesichtet. Die VOS vertrat deren amtierender Vorsitzender Rainer Buchwald, die Vereinigung 17. Juni 1953 Vorsitzender Carl-Wolfgang Holzapfel und Tatjana Sterneberg. Die Vereinigung 17.Juni hatte dem UOKG-Vorsitzenden zum Jubiläum aus dem Archiv eine eigens gerahmte Kopie des „Protest von Halle“ von 1992 zur Erinnerung an die Anfangsjahre des Dachverbandes überreicht.

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.223).

 

TitelNr.062- Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 02. 2017

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Standortbestimmung:   25 Jahre UOKG

Berlin, 15.02.2017/cw – Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) feiert am heutigen Tag in den Räumen der Stiftung Aufarbeitung in der Kronenstraße 5, Berlin, ihr 25jähriges Bestehen (Beginn 18:00 Uhr). Der Vizepräsident des Bundestages, Johannes Singhammer (CSU) wird die Laudatio halten. Aber: Gibt es wirklich einen Grund zum Feiern?

Vor 25 Jahren fanden sich im Frühjahr in Berlin-Zehlendorf zahlreiche Initiativgruppen und Opfervereine zu einer Gründungskonferenz zusammen. Am Ende unterzeichneten elf nunmehrige Mitglieder den Gründungsaufruf. Andere, u.a. HELP e.V., standen der Gründung kritisch gegenüber. Die Kritiker monierten die offensichtliche Veranlassung durch das Bundesministerium des Innern (BMI). Sie befürchteten eine Gängelung und letztendlich einen Maulkorb für die Opfer der SED-Diktatur. Im Ergebnis kam es dann zu einer weiteren Gründung eines Mitgliedsverbandes, dem Zentralrat der Opferverbände. Erst zehn Jahre später kam es nach langwierigen Verhandlungen zu einem Zusammenschluss, wurden im Gefolge die Mitglieder des Zentralrates aufgefordert, der UOKG beizutreten.

Geburtshilfe: Protest von halle 1992 - Archiv: CWH

Geburtshilfe: Protest von Halle 1992 – Archiv: CWH

Am Anfang stand der „Protest von Halle“

Auch aus diesem Grunde tat sich die UOKG schwer, Tritt zu fassen. So wurde der „Protest von Halle“ vom 19. März 1992 noch vornehmlich von dem vergleichsweise kleinen Verein HELP e.V. logistisch organisiert und vorbereitet. 18 (!) Vereine, Verbände und Initiativgruppen beteiligten sich an diesem Protest gegen den seinerzeitigen Entwurf eines „Unrechtsbereinigungsgesetzes“, das an diesem Tag von dem zuständigen Bundestagsausschuss in Halle beraten werden sollte.

Aber auch nach der Vereinigung mit dem „Zentralrat“ tat sich die UOKG schwer, ihrem postulierten Anspruch nachzukommen, die Interessen der Diktatur-Opfer nachhaltig und offensiv zu vertreten. Über gelegentliche Pamphlete kam die Dachorganisation nicht hinaus, eine Kampagnefähigkeit wurde trotz immer wieder vorgetragener Reformvorschläge Einzelner nicht entwickelt. Stattdessen verwickelte man sich zunehmend in interne Grabenkämpfe, die schließlich zu Austritten der ältesten, immerhin historischer Vereine 2007 und 2008 führten: Bautzen-Komitee, VOS und Vereinigung 17. Juni 1953. (Die VOS, inzwischen durch diverse Auseinandersetzungen nur noch ein Abbild früherer Tage, ist vor zwei Jahren unter Führung des Kurzzeit-Doppel-Vorsitzenden Rainer Wagner wieder dem Dachverband beigetreten).

1992 noch ungebrochene  solidarische Zusammenarbeit: Unterschriften unter dem Protest von Halle - Archiv: CWH

1992 noch ungebrochene solidarische Zusammenarbeit: Unterschriften unter dem Protest von Halle – Archiv: CWH

Auch nach den Austritten der namhaften Vereine erfolgte keine verbindliche Standortbestimmung. Zwar war die allgemeine Floskel von der Unvereinbarkeit mit extremistischen Bewegungen etc. in die Satzung aufgenommen worden, in der Praxis aber nach Gutdünken angewandt. So distanzierte man sich von entsprechenden, tatsächlich unhaltbaren Äußerungen des damaligen VOS-Bundesvorsitzenden, arbeitete aber weiterhin mit Mitgliedern zusammen, die z.B. einer ehemaligen KZ-Aufseherin zu einer Anerkennung (Rehabilitierung) als „politischer Häftling“ verholfen hatten (Der Vorgang ist bis auf den heutigen Tag in Schaukästen des ehem. KZ Ravensbrück dokumentiert). Auch das Verhalten des Verbandes ggüb. seinem Vorsitzenden warf Fragen auf. Der Nachfolger des durch einen „Putsch von Salzgitter“ abgelösten allseits anerkannten Vorsitzenden Horst Schüler (93) konnte öffentlich – vom Verband unkritisiert – von Juden, die auch „Knechte Satans“ seien, fabulieren. Auch andere Religionen wurden verteufelt (Allah ist eine Erfindung, Mohammed ist ein Mörder und Betrüger etc.) ohne dass der Hass-Prediger in der UOKG zur Rede gestellt wurde. Erst die heftige Kritik von Außen zwang den religiösen Fanatiker im Frühjahr 2015 zum Rücktritt „aus gesundheitlichen Gründen“.

Der „Bundesvorsitzende“ und die „Millionen Mitglieder“

Überhaupt war der Vorgänger des jetzigen Vorsitzenden Dieter Dombrowski davon geprägt, die UOKG in eine überdimensioniertes Bedeutung zu stellen. So wurde in seiner Ägide aus dem „Vorsitzenden“ ein „Bundesvorsitzender“, sprach er schon mal von dem „größten Opferverband“ mit „Millionen Mitgliedern“. Dabei stilisierte er ziemlich dreist eine relativ kleine Organsation aus dem Bereich des Bundes der Vertriebenen in der UOKG zu einer Mitgliedschaft des BdV selbst. Statt eigene Initiativen zu entwickeln oder gar umzusetzen, eignete er sich zum Beispiel die Initiative eines Vereins außerhalb der UOKG an (IKEA), um finanzielle Förderungen für den Dachverband zu generieren. Im Fall IKEA waren das immerhin über 100.000 Euro, die aber nicht ehemaligen Opfern der Haftzwangsarbeit zugute kamen. Vielmehr wurde dadurch der UOKG ermöglicht, zusätzliches Personal für Forschungsarbeiten zu finanzieren. Auch die Bundesbahn sollte sich vordergründig nicht „ihrer Verantwortung“ an der Mitwirkung von Haftzwangsarbeit etwa durch Entschädigungszahlungen an Betroffene stellen, sondern ebenfalls „Forschungsarbeiten der UOKG“ finanzieren.

Klartext zum 25jährigen Jubiläum: CDU-Politiker: Dieter Dombrowski (CDU) - Foto: LyrAg

Klartext zum 25jährigen Jubiläum: CDU-Politiker: Dieter Dombrowski (CDU) –  Foto:  LyrAg

UOKG – Ein zahnloser Tiger?

Kontroversen löste nun ein Editorial von Dieter Dombrowski im Verbandsorgan Stacheldraht (1/2017) aus: „Ist die UOKG ein zahnloser Tiger?“ In ungewohnter Offenheit stellt hier der aktuelle Vorsitzende die bisherige Legende der UOKG und ihre bisherigen postulierten Ansprüche infrage. Die Opfer erwarteten 26 Jahre nach der Deutschen Einheit, „daß uns angetanes Unrecht nicht nur anerkannt, sondern wieder gutgemacht wird“. Dombrowski: „Wer soll das eigentlich tun?“ Und weiter: „Erwarten wir von den Politikern oder von den Parteien, die bis zum Fall der Mauer die Augen verschlossen haben und die DDR anerkennen wollten, daß sie jetzt an unserer Seite sind?“ Der UOKG-Chef: „Dies zu glauben, wäre naiv.“

Der (Auch-)Vizepräsident des Landtages von Brandenburg und Chef des Menschenrechtszentrums in Cottbus geht dann im Klartext seinen Verband selbst an. Denen, die „eine Veränderung im Ingenieursgesetz fordern, sei oftmals das Schicksal der Zwangsadoptierten nur nachrangig wichtig, wenn überhaupt. Und denen, die Vermögen verloren haben, ist das Thema Entschädigung von Zwangsarbeit vielleicht weniger wichtig, wenn überhaupt.“ Dombrowski stellt ohne die bisher gewohnte Schönfärberei fest, „daß jeder seine persönliche Betroffenheit unbewusst in den Vordergrund stellt und von der UOKG verlangt, genau dieses Thema voranzubringen“.

Kein Dachverband der deutschen Autoindustrie

Der CDU-Politiker und ehemalige Cottbus-Häftling schreibt seinen Verbands-Mitgliedern am Vorabend der 25-Jahr-Feier ins Stammbuch: „Das wird so nicht gehen, dazu sind wir in der Tat zu schwach. Wenn einzelne Betroffene dann auf ihren Fall bezogen sagen: Die UOKG ist ein zahnloser Tiger!, dann haben sie für ihren Fall recht“.

SPD: In der Opposition auf Seiten der SED-Opfer. PE vom 16.06.1992 - Archiv: Verein.17.Juni 1953

SPD: In der Opposition auf Seiten der SED-Opfer. PE vom 16.06.1992 – Archiv: Verein.17.Juni 1953

Allerdings relativiert der Autor dieser Philippika die Bestandsaufnahme, indem er folgend die Zusammenarbeit des Verbandes mit der Deutschen Bahn und IKEA lobend erwähnt, ohne die bisher ausbleibenden Wiedergutmachungszahlungen auch nur anzusprechen. Allerdings: „Ich möchte dafür werben, daß von der kleinen UOKG nicht erwartet wird, Wunder zu vollbringen“, so Dombrowski. Der Dachverband sei „kein Bundesverband der deutschen Autoindustrie, sondern eine kleine Gruppe o h n e wirkliche Macht“. Die Opfer hätten „vor allem aus moralischen Gründen Ansprüche zu stellen“, aber diese seien „kein ausreichendes Druckinstrument“.

Nachdenklich stimmt, wenn 26 Jahre nach dem Ende des zweiten Diktatur-Traumas ein resignierend wirkender UOKG-Vorsitzender an seine Kameraden appellieren muß, sich auch über die Erfolge „für jene Diktatur-Opfer zu freuen, denen etwas geholfen werden konnte“.

Kritik von der SED-Opfer-Hilfe

Natürlich ist der so beschriebene „zahnlose Tiger“ auch auf heftige Kritik gestoßen. So wendet sich Bruni Grabow, die rührige Vorsitzende der „SED-Opfer-Hilfe“ gegen die Auslassungen Dombrowskis (www.sed-opfer-hilfe.de). Für Grabow vermittelt „Ihre Botschaft auf den ersten Blick eine Niederlage der UOKG“. Ob ein Verband die Leistung, die er erbringen sollte, nicht leisten kann, liege wohl nicht an der Geschichte zum Fall der Mauer, sondern daran, dass beim Führen des Verbandes zum größten Teil die Aufarbeitung der DDR und die Versöhnung mit den Tätern im Vordergrund stand, formuliert Grabow ihre Kritik.

SPD-PE vom 16.06.1992, Seite 2

SPD-PE vom 16.06.1992, Seite 2

Die UOKG lasse ihren Kritikern keinen Raum und sei sehr unnahbar geworden. Das seien Eigenschaften, „die der Satzung der UOKG widersprechen“. Grabow hält Dombrowski vor, selbst auf der letzten UOKG-Versammlung den Kampf eines SED-Opfers vor Gericht gegen die Aberkennung bzw. Verrechung der Opferrente mit einem gewährten Berufsschadensausgleich als Problem bezeichnet zu haben, dass „Einzelpersonen betreffe und auch deren Sache ist“. Das sei so nicht richtig, weil so ein Fall exemplarisch viele SED-Opfer betreffe, die eine sogenannte Opferrente erhalten. Die Sprecherin der SED-Opfer-Hilfe empfinde es als peinlich gegenüber allen Betroffenen, dass sich die UOKG um den Bereich „Entschädigung“ nicht konsequent kümmern will. Sie erinnert Dombrowski daran, daß er selbst Vorsitzender der Enquete-Kommission in Brandenburg war und es „nur an der Umsetzung und entsprechenden Rechtsauffassung“ fehle.

Abschließend führt Grabow die aktuellen Initiativen im Bundesrat an: Die Aufgabe zur Hilfe für die Tausenden von Heimkindern stände demnächst im Fokus. Diese würden sich voraussichtlich auch in großer Anzahl an die UOKG wenden. „Wollen Sie zukünftig denen das gleiche wie in ihrem Vorwort der letzten Verbandszeitung sagen?“

Auch der langjährige stellvertretende Vorsitzende der UOKG, Lothar Scholz, sagte zu den Äußerungen Dombrowskis: „Ohne Zweifel: Der  UOKGsind die Themen abhanden gekommen.“ Anders als beim letzten Vorsitzenden Horst Schüler um die Jahrtausendwende, als es gelang, die Opferpension für die Opfer der DDR-Diktatur durchzuboxen (2007), gäbe es nach Meinung ihres Vorsitzenden wohl keine Aufgaben mehr für den Dachverband. Dem widerspricht Scholz vehement: „Das Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewalt, die nach wie vor unzureichende Versorgung der Diktatur-Opfer und deren angemessene Würdigung in der Öffentlichkeit bieten genug Betätigungsfelder für einen Dachverband, der diesen Namen beansprucht.“

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Doppelmoral? Der Umgang mit der Causa Andrej Holm

Andrej Holm trat als Staatssekretär zurück, bevor er entlassen wurde. Die Präsidentin der Humboldt-Universität wandelte jetzt eine ausgesprochene Kündigung des in die Kritik geratenen Wissenschaftlers in eine Abmahnung. Holm hatte seine einstige Verpflichtung und (kurzzeitige) Tätigkeit für das DDR-MfS vor seiner Berufung in den Berliner Senat nicht nur verschwiegen, sondern zuvor gegenüber der Universität geleugnet. Jetzt gab die Universität den Protesten linker Studenten nach, die mehrere Universitätsräume für ihren Protest besetzt hatten. Holm stürzt danach nicht ins Bodenlose, er darf weiterhin junge Menschen unterrichten.

Zahlreiche Organisationen aus der Szene der Diktatur-Opfer beteiligten sich an den Protesten gegen die Berufung des Stasi-belasteten Sozial-Wissenschaftlers zum Staatssekretär in die Rot-ROT-Grüne Berliner Regierung. Im Vordergrund der öffentlichen Kritik stand letztlich nicht die kurze Tätigkeit für das MfS, sondern die Tatsache, dass Holm seine Verpflichtung zunächst verschwiegen und dann bagatellisiert hatte.

Nun geraten die Kritiker seitens der Diktatur- und MfS-Opfer selbst in die Kritik. In einem großen Verband bestimmt seit einem Jahrzehnt ein Funktionär die Geschicke, gegen den wegen der Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen ermittelt und Strafgelder verhängt wurden. Darüber hinaus hatte er in einer Verhandlung vor dem Sozialgericht gelogen und als gelernter Bank-, Diplomkaufmann (FH) und Finanzmakler jegliche Kenntnis über eine Abgabepflicht als „Laie und ehrenamtlich tätiger Verbandsfunktionär“ bestritten. Zusätzlich steht das Vorstandsmitglied im Dunst einer MfS-Verstrickung. Nach eigener Aussage war er zu DDR-Zeiten als „Filialleiter einer Sparkasse“ tätig. Weil er den Eintritt in die SED wegen einer beabsichtigten Beförderung zum „Gebietsleiter der Sparkasse“ abgelehnt habe, wäre er entlassen worden. Im Ergebnis wurde er dann nach der Wiedervereinigung „wegen seiner Tätigkeit bis zu seinem Fluchtversuch“ als „gewerblicher Buchalter“ (laut beruflicher Rehabilitierung) eingestuft.

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Sitz der Stasi-Sparkasse neben der Ruschestraße – Foto: LyrAg

Verbandsfunktionär war Filialleiter der Stasi-Sparkasse

Nur im kleinen Kreis räumte der Funktionär vor rund zwei Jahren auf Vorhalt ein, die Filiale der Stasi-Sparkasse in der Gotlindestraße (nahe der Stasi-Zentrale) geleitet zu haben. Allerdings habe er „nur gewusst, daß die angestellten Frauen ausschließlich mit hauptamtlichen Stasi-Mitarbeitern verheiratet gewesen“ seien. Ansonsten habe er selbst „nichts mit der Stasi zu tun“ gehabt. Die Stasi-Sparkasse war vom MfS eingerichtet worden, um Mitarbeitern des Ministeriums eine Bank zu bieten, auf die ihre Gehälter überwiesen wurden. So sollte Dritten Einblicke in die Vergütungen oder die tatsächlichen Tätigkeiten der (besonderen) Sparkassenkunden versperrt werden.

Recherchen der Redaktion ergaben: Eine Tätigkeit als Filialleiter in der eigenen Stasi-Sparkasse war ohne vorherige „Überprüfung“ durch das MfS nicht möglich. Der Filialleiter war bereits durch die erhaltenen Kenntnisse Geheimnisträger.

Auf die mögliche MfS-Verwicklung des Verbandsfunktionärs angesprochen, gaben „Kameraden“ die beeindruckende Auskunft, man dürfe nicht „in die Vergangenheit schauen, man müsse die Zukunft gestalten.“ Es bringe Niemandem etwas, wenn man die „alten Kamellen“ aus der Kiste holen würde. Ist das so? Warum dann die Proteste gegen Holm (und andere)? Der einst renommierte Verband der verfolgten Kommunismus-Opfer hat wohl nicht nur seinen Mitgliedern, sondern auch der Öffentlichkeit einiges zu erklären.

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Statt Mahnmal des Kommunismus Museum in Äthiopien?

Seit 2007 müht sich der Dachverband UOKG mittels eines eigens geschaffenen Arbeitskreises um ein würdiges „Mahnmal an die Opfer des Kommunismus“. Und obwohl die Stiftung Aufarbeitung nach den erfolglosen Bemühungen des Opferverbandes vor wenigen Jahren die Initiative an sich zog und immerhin eine Ausschreibung finanzierte, sind zehn Jahre ohne Ergebnis vergangen (siehe unter „Zahnloser Tiger“). Jetzt soll nach Informationen im Stacheldraht (1/2017, S.12) in Addis Abeba/Äthiopien mit Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung ein Museum des „Roten Terrors“ entstehen. Das Projekt soll ab Mai 2017 gestartet werden.

Warum Bundesmittel zur Aufarbeitung der SED-Diktatur jetzt (auch) in Afrika eingesetzt werden sollen, während zahlreiche Anträge von Aufarbeitungsinitiativen an die Stiftung in Deutschland abgelehnt werden, erscheint Beobachtern aufklärungsbedürftig.

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Von Carl-Wolfgang Holzapfel*

Jena/Berlin, 14. Oktober 2016 – „Wer ist Reinhard Goering?“ fragte Ludwig Sternaux (*17.07.1885 + 9.09.1938, Schriftsteller, Journalist, Dramaturg, Theaterdirektor, 1918 Theaterkritiker für die Tägliche Rundschau) zur Uraufführung der „Seeschlacht“ im Jahre 1918. Und Sternaux fuhr fort: „Noch vor kurzem wußte niemand von ihm; jetzt wissen viele, wissen alle um ihn.“

Am 14. Oktober 2016 jährt sich Goerings 80. Todestag. Vor 80 Jahren wurde sein Leichnam in den beginnenden kalten Novembertagen in dem Wald bei Jena gefunden. Goering (studierter und zeitweilig praktizierender Arzt) hatte sich eine tödliche Spritze verabreicht und zusätzlich, wohl um sicher zu gehen, mit einer Pistole erschossen. Nach der Obduktion wurde der Todestag offiziell auf den 14. Oktober 1936 festgelegt.

Reinhard Goering

Reinhard Goering

Goering hinterließ seine junge Frau und zwei Söhne. Auch wenn heute in Jena eine Tafel an den Träger der damals höchsten literarischen Auszeichnungen (Schiller- >1922< und Kleist-Preis >1930<)   erinnert („Hier wohnte 1936 Reinhard Goering“), so steht heute, fast einhundert Jahre nach seinem Freitod, erneut die Frage im Raum: Wer ist/war Reinhard Goering? Einst als führender Expressionist gefeiert und umjubelt, von Max Reinhard uraufgeführt und dem S.Fischer-Verlag verlegt, ist es still geworden um den „ewigen Sucher nach der Wahrheit“. Die letzte bekannte Aufführung eines seiner Dramen, Die Südpolexpedition des Kapitän Scott fand 1956 im Theater am Kurfürstendamm in Berlin statt; Langen-Müller brachte 1961 seine gesammelten Werke heraus; dtv verlegte 1966 in seiner Sonderreihe drei Dramen als Taschenbuch. Seither ist es, bis auf wenige Futures im Radio, still geworden um den Rastlosen. Zu still?

Reinhard Goering wurde am 23. Juni 1887 auf Schloss Biberstein (Hessen) als Sohn eines Regierungsbaurates geboren, der dort eine Dienstwohnung hatte. Bereits sein Vater schied durch Freitod aus dem Leben, seine Mutter verfiel der geistigen Umnachtung. Der Zehnjährige kam in ein Internat bei Traben-Trarbach. Nach dem Abitur (1905) ermöglichten Verwandte dem jungen Mann den Besuch der Universität, wo er zunächst Jura studierte, sich dann aber dem Medizinstudium zuwandte (Jena, Berlin und München). Während eines Studienabschnitts in Paris lernte er dort 2011 die Kunststudentin und jüdische Russin Helene Gurowitsch kennen, die Goering 1912 heiratete. Der Ehe entsprangen zwei Töchter, Susi (Zippendorf bei Schwerin) und Ingrid. Susi lebte, vom Nationalsozialismus ebenfalls zur Flucht gezwungen, bis zu ihrem Tod in Chile, Ingrid in Kanada.

Mit Lenin Schach in Davos

In einer Lyrisches Jahrbuch genannten Anthologie erschienen 1912 erste Gedichte (Verlag Schirmer und Mahlau, Frankfurt/Main). Der Herausgeber ist nicht mehr bekannt. Die Gedichte, obwohl über die zeitgleich veröffentlichten herausragend, drangen jedoch (noch) nicht in das literarische Bewusstsein der Öffentlichkeit, ebenso wenig sein ein Jahr später erschienenes Erstlingswerk, der Roman Jung Schuk. Auch Sternaux hält 1918 die Seeschlacht für Goerings erste Arbeit.

Als Goering 1914 in Bonn Medizin studierte, wird er nach einem Notexamina im Saargebiet als Militärarzt eingesetzt, wo er nach Wochen angestrengter Arbeit selbst an Tuberkulose erkrankte. Er kommt nach Davos, wo er die vier Kriegsjahre über bis 1918 kurt. Nach Erzählungen seines jungen Freundes und (späteren) Schwagers Siegfried Holzapfel soll er in Davos mit Lenin Schach gespielt haben.

In Deutschland wird Goering als Kriegsdienstverweigerer diffamiert. Wohl nicht zuletzt deswegen unterbricht er 1916 seinen Aufenthalt in Davos. Bald tritt jedoch ein Rückfall ein und er muß die Genesungskur fortsetzen. Hier entsteht die Seeschlacht im Gefolge der Schlacht im Skagerrak am 31. Mai 1916. Zunächst in Dresden unter Graf Nikolaus Seebach ein Skandal (1918) wird die Aufführung unter Max Reinhard in Berlin im selben Jahr zum Erfolg.

Doch der so Erfolgreiche ist zu krank, den folgenden Aufführungen beizuwohnen. Erstmals beginnt er eine seiner folgenden buddhistischen Wanderungen. Er taucht wochenlang unter, ernährt sich durch Bettelei am Straßenrand, wird bewußt namenlos. Die gewollt angestrebte Sinnsuche, die den rastlosen bis nach Finnland führt, treibt ihn bis zu seinem Freitod um.

1930 erschienen: Der erste Deutsche Luftfahrt-Kalender - Archiv: cwh

1930 erschienen: Der erste Deutsche Luftfahrt-Kalender – Archiv: cwh

Der erste Deutsche Luftfahrt-Kalender

Zwischendurch praktiziert er als Arzt, auch im Berliner Norden, steht aber auch dort eher einsam in der Praxis. Er widmet sich, weil er es für notwendig hält, oft einen ganzen Tag lang einem Patienten, während die Wartenden genervt aus der Praxis laufen. Zwar verfasst er auch Fachartikel über Krebs, widmet sich aber eher der Reform-Medizin, schreibt über Haltungsstudien, Vegetarismus und Impf-Probleme. 1928, als er seine ersten Fluggedichte verfasst, empfiehlt er Höhenflüge für an Bronchitis leidende Kinder.

In diese Zeit fällt seine Begegnung mit dem Buchhändler und Verleger Carl-Maria Holzapfel und seiner Frau Hildegard, geborene Carnap. Goering verliebt sich in die Frau seines Freundes, eine einst glühende Kommunistin im Rheinland und spätere ebenso glühende Nationalsozialistin. Obwohl diese Liaison durchaus konfliktreich ist, verbindet die Männerfreundschaft die Leidenschaft für die Luftfahrt. Auch Holzapfel schreibt Fluggedichte und verfasst Artikel über die ersten Flüge der Lufthansa. 1930 kulminiert dieses gemeinsame Interesse in der Herausgabe des ersten Deutschen Luftfahrt-Kalenders, heute eine historische Rarität mit zahlreichen Dokumenten aus den ersten Tagen der Luftfahrt.

Später wendet sich der inzwischen als Expressionist berühmt gewordene Goering der erst sechzehnjährigen Tochter Marilene seines Freundes zu. 1932 wird Sohn Reinhard geboren, der bereits in den neunziger Jahren in Augsburg verstarb, und 1934 in Berlin der weitere Sohn Knut-Stefan, der heute in Norddeutschland lebt. Im Frühjahr 1935 heiratet er Marilene.

Zur gleichen Zeit Mitglied in der NSdAP und KPD

Auch wenn Goering kaum Freundschaften mit Dichtergefährten hatte oder pflegte, so war er offenbar ein leidenschaftlicher, wenn auch schwieriger Liebhaber. Er ist unbürgerlich, ohne Bohemien zu sein, tendiert zu den Linken, ohne sich diesen ein- oder unterzuordnen. Auf der Suche nach der richtigen Wegweisung wird er Anfang der dreißiger Jahre gleichzeitig Mitglied der NSdAP und der KPD. Die NSdAP schließt ihn bald wieder aus, die KPD verließ er nach Angaben von Siegfried Holzapfel „nach einer Prüfperiode“ selbst. In Braunschweig soll er auf einen KPD-Abgeordneten so suggestiv eingeredet haben, dass dieser gemeinsam mit Goering sein Eigentum aus dem Fenster warf (nach Siegfried Holzapfel).

Er ist unstet, bleibt kaum mehr als einen Monat an einem Ort. Doch die Beziehungen zu seinen Frauen scheint er zu pflegen. Zwar hat der von seiner ersten Frau getrennt lebende inzwischen die Lehrerin Grete Höger in Berlin-Steglitz zu seiner Muse erkoren, aber die tiefe Freundschaft zu der 11 Jahre älteren Dagmar Öhrboom aus Helsinki, die er 1923 in Finnland kennengelernt hatte, pflegt er weiter. Ostern 1928 verbringt Goering mit der 1926 geschiedenen Frau und den nunmehr zwei Töchtern bei der Familie Holzapfel in Berlin-Zehlendorf.

1966 verlegtes dtv-Taschenbuch (li.) und S.Fischer-Verlag Berlin 1919

1966 verlegtes dtv-Taschenbuch (li.) und S.Fischer-Verlag Berlin 1919

Grete Höger bringt ihm die Tagebücher des Kapitän Scott, die Goering so faszinieren, dass er diese zu einem Drama verdichtet. Die ersten Sentenzen verfasst er im Bett, das er kaum verlässt. Dann treibt es ihn zurück nach Davos, dem Ursprungsort seiner Seeschlacht. Hier vollendet er das Drama „Die Südpolexpedition des Kapitän Scott“ und dient es dem Ullstein-Verlag an. Am 16. Februar 1930 findet im Staatstheater zu Berlin unter Leopold Jessner die Uraufführung statt und wird sofort von anderen Bühnen, so in Darmstadt und Würzburg übernommen. Dieser letzte große Erfolg bedeutet Goering nicht viel. Schon bei der Uraufführung seiner Seeschlacht erschien er zur Uraufführung im karierten Hemd und Straßenanzug, hatte sich zuvor nicht um die Proben noch um die Aufführungen gekümmert.

Reinhard Goering strebte offenbar nicht nach Ruhm, ihm war die Suche nach sich selbst, nach den Gründen und Ursachen des Lebens stets wichtiger. 1936, im Frühherbst, verschwindet Goering erneut für einige Wochen. Die Familie und Freunde sind nicht beunruhigt, sind sie doch die zwischenzeitlichen buddhistischen Wanderungen gewohnt. Dass es seine letzte Wanderung wird, ahnen sie nicht.

Nachtrag: Marilene Goering

Nachzutragen bleibt, dass Marilene Holzapfel mit den zwei Söhnen bittere Jahre durchlebte, ehe sie Anfang der vierziger Jahre einen Mann aus Bayern kennen- und lieben lernte. Noch ehe die Beiden heiraten konnten, wurde der Vater der beiden inzwischen geborenen Töchter Liselotte und Christa „auf der Flucht“ von der GESTAPO erschossen. Marilene befand sich ein Jahr in GESTAPO-Haft, die vier Kinder waren in dieser Zeit zwangsweise in Heimen untergebracht. Den Vater und mithin Schwiegervater Reinhard Goerings, Carl-Maria Holzapfel, der inzwischen zum „Reichsamtsleiter für Musik“ aufgestiegen war, bekümmerte das Schicksal seiner Tochter offenbar wenig. Schon seinem Sohn Siegfried und Schwager Goerings, dem 1939 durch ein bestelltes Gutachten der Reichsärztekammer das weitere Studium (Germanistik und Zeitungswissenschaften / Prof. Dovifat) untersagt worden war, hatte CMH bedeutet, dieser könne sich „bei seinen Sperenzchen“ (gegen das System) nicht auf seinen Vater berufen.

Marilene hat nie wieder geheiratet. Nach ihrer Tätigkeit im Helmstedter Tagblatt zog sie in den sechziger Jahren nach München, wo sie bis zu ihrer Verrentung als Chefsekretärin im Droemer-Verlag arbeitete. Die Witwe Reinhard Goerings war bis zu ihrem Tod vor einigen Jahren immer wieder Ansprechpartnerin bei den selten gewordenen Nachfragen zu diesem außerordentlichen Leben eines großen Dramatikers, der vor achtzig Jahren bei Jena starb.

* Der Autor ist Neffe von Marilene Goering. Siehe auch: https://17juni1953.wordpress.com/tag/reinhard-goering/

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Konrad (Hermann Joseph) Adenauer

* 5.01.1876 Köln – † 19.04.1967 Rhöndorf

Wir haben ihn nicht vergessen.

Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.

 

Berlin, 13.01.2015/cw – Der Dachverband „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft“ (UOKG) hat in einer Presseerklärung vom 8.01. den Terror-Anschlag in Paris verurteilt:

UOKG zum feigen Mordanschlag in Paris am 7.1.2015

Die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft verurteilen den feigen Mordanschlag islamischer Extremisten auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris auf das schärfste.

Der UOKG-Bundesvorsitzende Rainer Wagner* stellte dazu fest:

Tuch (Schwamm) drüber: "Das hat der bestimmt nicht so gemeint, das ist Religionsfreiheit."                               Frei nach Paul Weber "Das Leichentuch", 1942 - Collage: LyrAg 2013 - Nicht nur die Stiftung Aufarbeitung schweigt zu den skandalösen Thesen des Predigers ...

Tuch (Schwamm) drüber: „Das hat der bestimmt nicht so gemeint, das ist Religionsfreiheit.“
Frei nach Paul Weber „Das Leichentuch“, 1942 – Collage: LyrAg 2013
– Nicht nur die Stiftung Aufarbeitung schweigt zu den skandalösen Thesen des Predigers …

„Der islamistische Terror in Europa hat damit eine bislang nicht gekannte Dimension erreicht. Es ist eine Tat, die sich direkt gegen die Meinungsfreiheit, und damit gegen die Freiheit an sich wendet. Damit kehrt der totalitäre Ungeist nach Europa zurück, der das 20. Jahrhundert beherrschte.
Das werden wir nicht zulassen. Die Zivilgesellschaft muss sich mit allen Mittel gegen diese Form des Totalitarismus wenden. Bei all der Grausamkeit ist diese Bluttat nur die Spitze des Eisbergs weltweiter, islamistischer Barbarei. Die Taten des sogenannte Islamischen Staats, von Boko Haram oder Al-Kaida, sind Zeugnisse hiervon. Die Opfer des Terrors sind dabei meist nicht nur Angehörige anderer Religionen. Der Großteil der Opfer sind friedliche Muslime. Hierbei zeigt sich, wie pervers und unglaubwürdig die angebliche Vorhut des Islams ist.
Unsere Gedanken und unsere Solidarität sind bei den vielen unschuldigen Opfern dieses neuen Totalitarismus und deren Angehörigen.“

Quelle: http://www.uokg.de/cms/attachments/UOKG-PE_zum_Anschlag_in_Paris_am_7.1.2015.pdf

*Anmerkung (Redaktion HB): Der hier zitierte UOKG-Vorsitzende schreibt – von der Politik bisher ignoriert – in seiner Eigenschaft als Prediger der Stadtmission Neustadt u.a.:
Die Bibel zeigt, wer nicht zu Christus gehört, Namenschrist, Jude , Heide oder Atheist, ist ein Knecht Satans und niemals heilig.“ Wort zum Sonntag, Nov.2006

Über andere Religionen und den Islam schreibt Wagner, der die 2006 auf der Frankfurter Buchmesse eingeführte Bibelübersetzung „Bibel in gerechter Sprache“ als „gotteslästerlich“ und vom „Satan aufgebrachte Irrlehre“ bezeichnet:

Aber auch sonst ist unser Land von Aberglauben und Heidentum verseucht: Dazu kommt das öffentlich erkennbare Erstarken des Heidentums auch in unserer Region. In Lamprecht finden wir mittlerweile ein hinduistisches Heiligtum, in dem die indischen Dämonen – Götzen – verehrt werden. In Rhodt und anderen Orten kommen die Buddhisten zusammen. Eine Religion, deren Hauptmerkmal Geisterkult ist.

In Neustadt entsteht direkt am Ortseingang eine Moschee für den Götzen Allah und seinen falschen  Propheten Mohammed“ (Stadtmissionsbrief Nov.2011).

Zuvor hatte der Multifunktionär (UOKG, VOS, Stiftung Hohenschönhausen, Stiftung Berliner  Mauer u.a.) bereits verkündet: „Wer die Aussagen des Korans über Allah mit dem Gott der Bibel vergleicht erkennt, dass Allah nicht mit unserem Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, identisch ist. Allah ist ein (arabisch) heidnischer Götze. Götzen aber sind nicht real, sondern Phantasieprodukte. Es gibt den Allah des Islam nicht wirklich. Allerdings stehen hinter diesem als Phantasiegebilde die Mächte der Finsternis“ (Missionsbrief, 11.2006). – 925

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck – Berlin (Ausser der UOKG-PE)

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