You are currently browsing the category archive for the ‘Gastkommentar’ category.

Ein Einwurf von Jörg Moll*

Berlin, 23.05.2017/jm – Der Innensenator sonnt sich im Medienrummel des aufrechten und gnadenlosen Aufräumers. Endlich greift einer durch. Endlich wird – über fünf Monate danach – untersucht, welche amtlichen Schlampereien und Versäumnisse dem Terroristen Anis Amri das weihnachtliche Attentat ermöglicht haben. Andreas Geisel (SPD) präsentiert sich als Saubermann an der Spree, als Saubermann der Nation. Durch eine Strafanzeige will er die Versäumnisse endlich aufklären lassen…

Strafanzeige? War da nicht was? 

Die meistgestellte Frage vor der Gedächtniskirche… – Foto: LyrAg

Ja, richtig. Am 27.12., also acht Tage nach dem furchtbaren Anschlag vor der Gedächtniskirche, stellte die Berliner Vereinigung 17. Juni bei der Staatsanwaltschaft in Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt. Der Vorwurf: Unterlassung. Der Vereinsvorstand argumentierte: „Auch wenn Details seiner (Amris) Planung nicht bekannt waren, so hat man das Wissen um dessen Gefährlichkeit lange gekannt. Mithin haben sich diverse, derzeit unbekannte Personen der Unterlassung schuldig gemacht und haben insofern den Tod von Menschen inkauf genommen. Auch wenn die insbesondere für die Sicherheit verantwortlichen Personen im Nachgang eben diese Verantwortung bestreiten und dafür juristische und andere, die Verantwortung abweisende Gründe anführen, liegt hier zumindest der Verdacht auf einen Straftatbestand vor.“ Und: „Maßgeblich ist allein das Unterlassen des rechtlich gebotenen, aktiven Tuns (Wessels/Beulke/Satzger). Echte Unterlassungsdelikte begründen eine Rechtspflicht zum Tätigwerden in sich selbst.“ Der Vorstand forderte die Staatsanwaltschaft auf, „in diesem Sinne vorurteilsfrei „in alle Richtungen“ zu ermitteln. Falls den Ermittlungen das „Weisungsrecht“ möglicher politisch Verantwortlicher ggüb. der Staatsanwaltschaft entgegenstehen sollte, wäre Ihrerseits zu prüfen, inwieweit eine übergeordnete Dienststelle (z.B. Generalstaatsanwalt oder Bundesanwaltschaft) aufgefordert wird, die notwendige Ermittlungen an sich zu ziehen.“

Bereits am 17. Januar teilte die Staatsanwaltschaft dem Verein mit, dass sie keine Anhaltspunkte gesehen habe, entsprechende Ermittlungen aufzunehmen. In einer Beschwerde an den zuständige Generalstaatsanwalt vom 3.02.2017 argumentierte der Verein gegen die Ablehnung von Ermittlungen u.a.: „Der Tod von 12 Menschen und die Verletzung weiterer 50 Menschen durch einen solchen terroristischen Anschlag kann aber nicht einfach aus wie immer gearteten Bequemlichkeiten heraus zu den Akten gelegt werden. Hier ist die Staatsanwaltschaft  v e r p f l i c h t e t ,  jeglichem Verdacht auf eine mögliche strafbare Handlung nachzugehen.“

Unterschiedliche Verantwortlichkeiten

Zuständige Behörden und Institutionen hätten geäußert, sie würden „gewissenhaft jeder Möglichkeit unterschiedlicher Verantwortlichkeiten nachgehen, um entsprechende – auch strafrechtliche – Konsequenzen ziehen zu können.“ Unter diesem Gesichtspunkt sei die Entscheidung der Staatsanwaltschaft zumindest voreilig gefällt worden. Der Verein befürchtete durch die staatsanwaltliche Entscheidung eine Legitimation anderer Institutionen des Staates, „die weitere Untersuchung möglicher Verantwortlichkeiten unter Hinweis auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Berlin einzustellen.“ Es könne und dürfe nicht Sinn und Zweck einer Strafverfolgungsbehörde sein, möglichen Verantwortlichen oder gar Tätern im strafrechtlichen Sinn im Voraus einen Persilschein auszustellen, ohne nicht zuvor entsprechende Ermittlungen anzustellen.

Wundern sie sich, das auch der Generalstaatsanwalt keinen Grund sah, die beantragte Aufhebung des Einstellungsbescheides zu vollziehen? Dann haben sie sicherlich übersehen, das die Staatsanwaltschaft weisungsgebunden ist. Selbst wenn ein Staatsanwalt wollte könnte er sich nicht „Weisungen“ übergeordneter Stellen widersetzen. Es ist aber müßig, jetzt darüber zu debattieren. Denn jetzt hat der Innensenator höchst persönlich Strafanzeige erstattet. Und nach dem dadurch ausgelösten Medienrummel haben es die für die Strafverfolgung zuständigen Instanzen zumindest schwerer, erneut Ermittlungen abzulehnen. Es bleibt also zumindest durch die jetzige mediale Hype zu hoffen, dass Verantwortlichkeiten endlich ernsthaft geklärt, mögliche Versäumnisse notwendige Konsequenzen „ohne Ansehen der Person“ nach sich ziehen und die jetzige Anzeige letztlich nicht als purer Spree-Klamauk in die Analen der Hauptstadt eingeht. Auch der beginnende Wahlkampf darf nicht den Blick auf die Familien verstellen, die so sinnlos ihre Liebsten vor dem Fest der Liebe verloren haben oder schwerverletzte Angehörige noch heute in Krankenhäusern besuchen müssen.

An dieser Stelle ein Dank an die Bürgerrechtler von heute, die sich lange vor einem Senator veranlasst sahen, zumindest den Versuch einer Aufklärung zu unternehmen und die Verantwortlichen einschließlich der Staatsanwaltschaft an ihre Pflichten zu erinnern.

* Der Autor ist Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Kommunismus – Deutschland e.V., (VOK) in Wolfenbüttel und war zuvor um die Jahrtausendwende Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), deren Ehrenmitglied er seither ist.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.249).

 

 

 

 

Von Stefan Krikowski

Berlin, 11.01.2017/stK – Am Sonntag, den 8. Januar, ereignete sich ein ähnlicher Terroranschlag in Jerusalem  wie in Berlin. Ein LKW raste in eine Menschenmenge mit vielen israelischen Soldaten: 4 junge Menschen wurden getötet. Wir kennen mittlerweile ihre Namen, ihr Alter und ihre Gesichter – und nehmen Anteil. Wir trauern mit den Angehörigen um den Verlust eines geliebten Menschen.

Traueranzeige der Deutschen Bank um "eine Kollegin" ...

Traueranzeige der Deutschen Bank um „eine Kollegin“ …

Am Montag, den 19. Dezember 2016 wurden bei dem ersten größeren islamistischen Terroranschlag in Deutschland 12 Menschen auf dem Breitscheidplatz getötet. Es ist in hohem Maße verwunderlich, dass von den 12 Todesopfern sämtliche sieben deutsche Opfer mit Gesicht und Namen unbekannt bleiben. Selbst nach über drei Wochen wissen wir nichts über sie: Kein Name, kein Gesicht, keine Familienbezüge, kein biografischer Hintergrund und kein Ort der Herkunft. Nichts. Einfach nichts! Es ist, als ob die Toten einfach spur- und geräuschlos verschwunden sind. Selbst bei einer Traueranzeige, die im TAGESSPIEGEL am 8.1.2017 abgedruckt war, trauerte die Deutsche Bank um „eine Kollegin“, die bei dem Terroranschlag vom 19.12. getötet wurde. Aber auch hier  (bei einer Traueranzeige!) kein Name, kein Alter  – nichts Persönliches. Eine eigentümliche Distanz ist so entstanden zu diesen Terroropfern. Berühren uns die Toten nur marginal?.

Schauert es uns nicht über so viel Unfähigkeit, zu trauern? Ist sie wirklich nur einer protestantischen Ausdrucksarmut (wie dies Timan Krause in DIE WELT schreibt: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article161007177/Die-Toten-vom-Breitscheidplatz-bleiben-uns-seltsam-fern.html) geschuldet? Oder ist das Schweigen, das Verschweigen, einer Scham geschuldet, sich nicht eingestehen zu können, dass der/die Attentäter (Anis Amri hatte 14 verschiedene Identitäten!) in Deutschland die offenen Grenzen, durch die unkontrolliert so viele Menschen ins Land kamen, mehrfach wiederholt für sich genutzt haben? Dass es eine Verbindung geben könnte zwischen den islamistischen Anschlägen (siehe auch das Selbstmordattentat in Ansbach und das Axtattentat bei Würzburg) und der Flüchtlingspolitik?

Oder soll uns einfach nur die Möglichkeit genommen werden, uns zu erinnern? Die Trauer mit den Familien zu teilen? Nach dem (politischen) Motto: Anonymität verflüchtigt sich am Schnellsten, Erinnerung ist schmerzhaft, wir sollten weiter ruhig schlafen? Verantwortung gegenüber den trauernden Familien und der Gesellschaft sieht anders aus.

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.203).

Von Gunter Weißgerber*

Endlich, endlich nach aufgezwungenen Schamjahren der sogenannten SED/MfS-Aufarbeitung ist es vollbracht. Endgültig vollbracht mit der Niederlage von Hillary Clinton. Endlich, endlich stimmen die Koordinaten wieder. Trump ist wie Reagan und der Feind ist dort, wo Reagan/Trump präsidieren: Auf unserem Wohlfühlkontinent Antiamerica.

Diese blöde CIA-initiierte Konterrevolution in der früheren DDR, die unserem Sozialismus so eklig und brutal den friedens- und fortschrittsbejahenden Mantel wegriss und auch unsere schöne westdeutsche Friedens- und Sowjetkooperationsbewegung für ein Vierteljahrhundert ans hässliche Tageslicht zerrte, ist jetzt vergraben. Vergraben unter SudelRotGrün und unserer rosigen Zukunft. Wir sind wieder voll da. Auch weil wir nicht aufgegeben haben. Wir geben niemals auf!

Amerika ist der kapitalistische Hauptfeind, Amerika stürzt die Welt ins Unglück und wir retten sie mit Anti-TTIP-, Anti-CETA, AntiTrump-Demos – natürlich auch mit Putin: Denn dieser Kapitalist ist ein guter Kapitalist. Er verzichtet zwar auf die ideologische Tarnung „Marxismus-Leninismus“, dafür beherrscht er das tschekistische Einmaleins der Zersetzung, der Informationsumkehr, und seine Feinde sind Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung in freien Wahlen in der Perfektion. Vor allem aber ist sein Feind unser Feind: Die USA.

Öffentliche Galgen sind Teil unseres Biotops

Was sind schon die Taten von Putin, Erdogan, Assad im Vergleich zu den Wahlkampfworten eines Trump? Nichts. Gar nichts. Überhaupt nichts! Über die Taten wächst Gras, da düngen wir fleißig mit. Trump aber kommt ab 20. Januar 2017: „Ami go home“ – und wenn dieses demokratische Europa darüber zusammenkracht. Endlich passt die Straße wieder richtig zu uns, so wie früher in den glorreichen 68ern und 80ern. Wir müssen nur unsere Reagan- und Uncle-Sam-Galgen wieder aufpolieren und jetzt Trump dran hängen. Denn wir dürfen das. Öffentliche Galgen sind Teil unseres Biotops. Jedenfalls solange die Richtigen dran baumeln. Was interessiert uns die Ukraine, was Aleppo (schon Väterchen Stalin wartete seinerseits genüsslich die Niederschlagung des Warschauer Aufstandes ab – welches Interesse sollte er an einem selbstbefreiten Polen gehabt haben?), was Georgien, was der homo sovieticus? Trump hat uns unser Feindbild wieder gegeben. Dagegen verblasst Putin zu menschlicher Wärme. Wer kann sich schon um alles kümmern? Wir nicht! Wir kümmern uns um Trump.

Ich habe einen anderen nicht krawalligen Tipp für die die immerwährend friedensbewegten Amerikahasser und Putinfreunde: Haltet es mit dem Historiker  Timothy Snyder. Der versucht gerade, das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten zu akzeptieren – was wären Wahlen, wenn die Ergebnisse nicht akzeptiert würden? Aber ich weiß schon: Ihr braucht den Krawall und sogar  die Vermummung um euer selbst willen. Den Mut, in einer Diktatur unvermummt und anständig für die Freiheit auf die Straße zu gehen, den würdet ihr niemals aufbringen. Weil ihr in dem Fall nämlich euer eigenes Leben und nicht das Unschuldiger riskieren würdet. Deshalb habt Ihr uns auch den Sozialismus gegönnt, ohne diesen selbst zu genießen. Ihr seid ja nicht rübergemacht in die Zone, in das Paradies. Habt uns lieber allein sozialistisch leben lassen. Und jetzt reißt ihr wieder den Mund auf, wie bis 1989.

* Gunter Weißgerber ist ehemaliger Bundestagsabgeordneter der SPD (1990 – 2009) und gehörte in der DDR zu den Leipziger Gründungsmitgliedern der Partei.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – redaktion.hoheneck@gmail.com (1.188)

Von Roger Letsch

Wer oder was brachte eigentlich die Berliner Mauer zu Fall? Kommt ganz drauf an, wen man fragt. David Hasselhoff würde sicher sagen, dass er sie mit Hilfe eines albernen Songs eingerissen hat und die blöden Ossis dank ihm endlich begriffen, dass es sich tatsächlich lohne, „for freedom“ zu „looken“. Udo Lindenberg war aber sicher auch ganz wichtig und vorn dabei, wollte er doch unbedingt im „Sonderzug nach Pankow“ zu Honecker fahren – während die meisten seiner Fans viel lieber in die andere Richtung unterwegs gewesen wären. Schwamm drüber, die Mauer ist ja nun weg. Aber Udo ist noch da und gibt der Rheinischen Post ein Interview.

Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, schließlich leben Künstler von wie auch immer hergestellter Öffentlichkeit. Udo singt, Udo malt, Udo lebt und diesmal spricht er eben. Über sich, das Leben und den ganzen Scheiß, klar Mann! Und über die fürchterlich unpolitischen Kollegen aus der Schlagerzunft, speziell über Helene Fischer, die es sträflich versäumt, den ihr zu Füßen liegenden Massen in angemessener Art politische Erziehung angedeihen zu lassen, anstatt das Publikum einfach nur zu unterhalten.

„In den vergangenen drei Jahren waren 800.000 Menschen bei unseren Konzerten, die können wir sensibilisieren, das ist auch innenpolitische Arbeit. Und Sinnkrisen, das hat ja jeder manchmal, Fußpilz und Sinnkrisen.“…

Udo Lindenberg als Ressortleiter Inneres, Psychologie und Dermatologie. Zuständig für Befindlichkeit, große Gefühle und politische Bildung und das Panik-Orchester als Einpeitscher der Political Correctness. Dafür kann man dann auch noch Eintritt verlangen. Udos Busenfreund Siggi Gabriel würde vor Neid erblassen!

„Mehr fände ich besser, wenn mehr Leute was machen, sich positionieren würden, auch aus der Schlagerecke. Wenn von Helene Fischer auch mal ein Statement käme gegen Rechtspopulismus. Aber es gibt viele, die äußern sich prinzipiell gar nicht, die sagen, wir sind reine Entertainer, wir machen nur Unterhaltung nach dem Motto: Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino, vergiss die Welt da draußen. Fände ich besser, wenn mehr Leute einsteigen würden.“

Bei Preisverleihungen immer schön Politikerhände schütteln

Ich finde politische Belehrungen von Künstlern, deren Expertise um keinen Deut größer ist als die jeder Handleserin mit zwei Wochen Jahrmarkt-Erfahrung, verdächtig und anmaßend. Verdächtig besonders dann, wenn dieselben Künstler bei jeder Gelegenheit Politikerhände bei Preisverleihungen schütteln und bei Wahlkampfveranstaltungen zustimmend nicken. Wenn Udo bei seinen Konzerten Statements gegen Rechtspopulismus absondert, handelt es sich dabei logischerweise um lupenreinen Populismus. Aber eben der Gute, der von links! Das hält Udo nicht nur für angebracht und richtig, sondern für Schlagersängers Bürgerpflicht!

Denn was den Udo an der Helene wirklich stört, ist natürlich nicht, dass sie sich politisch nicht äußert. Es wäre ihm nämlich überhaupt nicht recht, wenn sie sich zwar engagieren würde, aber auf der (seiner Meinung nach) „falschen Seite“ stünde. Aber vielleicht trägt der Udo ja nicht nur Hut, sondern hat ihn auch im übertragenen Sinne auf und ist von Elvis höchstselbst berufen, alle Berufskollegen politisch in die richtige Richtung zu schubsen. Vielleicht gehen dem Meister aber auch nur die Ideen für neue Konzerte aus und wenn man die Fans auch zu einer politischen Demo zusammenrufen kann, umso einfacher.

Wie peinlich diese Weltretter-Attitüde werden kann, zeigt der Welt beispielhaft seit Jahren der U2-Frontmann Bono, dessen Vermögen nicht zuletzt aufgrund günstiger Niederländischer Steuergesetzgebung und einer 2,3%-igen Beteiligung an Facebook im Milliardenbereich liegt, während er die Steuerzahler der westlichen Welt auffordert, Afrika pauschal die Schulden zu erlassen. Zu seinem Glück hat er selbst Afrika kein Geld geliehen. Ergo: Populär, medial präsent, unglaubwürdig – aber seine Musik mag ich. Trotz, nicht wegen seiner fiskalischen Heuchelei.

Ob und wie sich ein Schauspieler oder Musiker politisch äußert, muss ihm natürlich vollkommen selbst überlassen bleiben. Leider ist es aber häufig so, dass Künstler ihre öffentliche Wirkung von ihrer Kunst wie selbstverständlich auf andere Bereiche übertragbar glauben und es einfach nicht wahr haben wollen, dass ihr Engagement im Politischen oft nur aus Oberflächlichkeiten ohne Substanz besteht und sie sich von Politikern nur allzu oft manipulieren und instrumentalisieren lassen. Das Medieninteresse ist ihnen aufgrund ihres Namens sicher, selbst wenn sie jenseits ihrer Kunst nichts zu sagen haben, das von besonderem Belang wäre. Es ist aber ein Fehler zu glauben, aus dem Interesse an der Person Udo Lindenberg würde sich Wirkungskapital schlagen lassen.

Der Antifaschismus gedeiht dort besonders gut, wo es keine Faschisten gibt

Als Udo Lindenberg zum Beispiel 2011 in Jena seine Fans zum Konzert „gegen rechts“ in bester Batman-Manier zusammenrief – „Es musste leider sein“, Gotham City hatte zum „Zeichen setzen“ gerufen – konnte er sicher sein, dass sich im jubelnden Publikum aber auch nicht ein einziger Nazi versteckt hatte, gegen den Udos Armee die Reihen fest geschlossen hatte. Der Antifaschismus gedeiht dort besonders gut, wo es keine Faschisten gibt. Auf Udo-Lindenberg-Konzerten zum Beispiel.

Bob Dylan’s Songs sind politisch, Konstantin Weckers Lieder auch, bei Udo Lindenberg ist es zumindest Attitüde. Aber Dylan betätigte sich nie als Propagandist und liess sich nie vor einen politischen Karren spannen – unter anderem deshalb kommt Wecker nie für einen Literaturnobelpreis in Frage und Lindenberg nicht als glaubhafter Minister für Volksaufklärung.

Wer Pommes liebt, ist der natürliche Feind der Kartoffelfäule, ob ihm das klar ist oder nicht. Ein Demokrat muss nicht lautstark „gegen Nazis“ rufen, weil er kein Demokrat wäre, wenn er für Nazis eintritt – das sollte langsam auch dem letzten Mundharmonikaspieler klar sein. Mir genügt auch schon, Lindenberg immer wieder an der Seite von Siggi Gabriel zu sehen um zu erkennen, dass im Udo eine unangenehme Affinität zur Macht steckt.

Also Udo, male, singe, tu‘ was gegen Sinnkrisen und Fußpilz und rufe Dein Publikum weiter gegen Rechtspopulismus auf – aber verschone uns zumindest mit politischen Belehrungen an Deine Kollegen. Ich würde es nämlich sehr begrüßen, mir nicht auch noch die politischen Empfehlungen von Helene Fischer anhören zu müssen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt hier  und http://www.achgut.com/artikel/gestatten_lindenberg_abteilung_inneres_und_indoktrination

V.i.S.d.P.: Roger Letsch und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel. 030-30207785 (1.171)

 

Von Tommy Haltlos

Berlin, 1.11.2016 – Das Zentralorgan der Vereinigung der Opfer des Stalinistischen Terrors, erklärt in seiner letzten Ausgabe (Nr.767/68) das Ende jedweder Bewölkung und drohender Justiz-Schauer für den zunehmend stalinistisch ausgerichteten Verband, der nunmehr das ewige Sonnenlicht „entgegen aller Unkenrufe“ verkünden kann.

Der Finanz-Jongleur

Immerhin dankt der treu-stalinistische Chefredakteur („Auf ein Wort…“) “im Namen aller, die sich mit mir über die gute Nachricht (der Schuldenfreiheit) freuen“ unserem Ersten Sekretär der Vereinigung der Opfer des Stalinistischen Terrors, Mitglied des Fernsehrates des Zweifelnden Deutschen Fernsehens, Diplom-Kaufmann, Finanzmakler, ehemaligen Filialleiter einer MfS-Sparkasse, ehemaligen Vorsitzenden, Schatzmeister und amtierenden Geschäftsführer, dem Kameraden Udo Diebrich, „der viel Zeit und Lauferei zur Lösung des bedrückenden Problems investiert hat“.

Die Schuldentilgung „ging nun zuletzt doch – gewiss ein bisschen unerwartet – recht schnell,“ schreibt der Hofpoet des Zentralkomitees, der in gewohnter Manier in jeder Ausgabe der Hofpostille seine Lobeshymnen auf den Ersten Sekretär in die unter seinen diversen Pseudonymen veröffentlichten Artikel streut.

Überweisung ruckizucki ohne lästige Kontrolle

Kritik? Nachfragen nach den Urhebern des existenzbedrohenden Finanzskandals, als den die „Querulanten“ den Vorgang bezeichnen: Fehlanzeige. Der Erste Sekretär opfert sich schließlich seit über zehn Jahren für sein persönliches Wohlergehen auf, schindet sich im Rahmen eines Vertrages zwischen dem ZK und seinem Ersten Sekretär für die Organisation ab. Sogar die erste Vergütung aus dem Eigenvertrag überwies er sich „aus Zeitersparnisgründen“ vor der Unterzeichnung besagten Vertrages. In Personalunion mit dem Schatzmeister ging das ruckizucki ohne lästige, weil arbeitsaufwändige Kontrollen. Und schließlich rettete er jahrelang für die Empfänger von Gehältern die einkommensmindernden Abgaben an die Krake Sozialversicherung. Dass er für diese anstrengenden Bemühungen auch sein Entgelt zu 100 Prozent sicherte, wer wollte ihm die Anerkennung für diese Anstrengungen („Tag und Nacht“, wie Udo Diebrich nicht oft genug unter Tränen verkündete) versagen?

Als die ganze Sache durch „üble Quertreiber und Querulanten“ aufflog, drohte dem Verband sogar die Insolvenz. Aber der Erste Sekretär wußte – wieder einmal – selbstlos Rat. Schnell wurde auf Vorschlag des ZK die Satzung „korrigiert“, wurde die Gründung von selbständigen Landesverbänden ermöglicht, um die vorhandenen Gelder zu dezentralisieren und so vor dem Gerichtsvollzieher im Falle einer möglichen Insolvenz zu retten. Der Erste Sekretär ist genial. Unter unsäglichen Mühen gelang es ihm, die Kameraden von der Notwendigkeit zu überzeugen, die von ihm und dem ZK verursachten Forderungen gerechterweise auf eine breite Basis zu stellen: Alle Mitglieder sollten für die aufopferungsvolle Arbeit des Ersten Sekretärs einstehen und ihr Scherflein zur Schuldentilgung beitragen. Durch Vorauszahlung von Mitgliedsbeiträgen, durch entsprechende Vermächtnisse oder Abtretungen von Teilen der sogen. Opferrente. Auf diese Ideen muss man erst einmal kommen… DANKE, Udo Diebrich.

Hindernisse vor dem Frühjahrsplenum 2017 beseitigen

Eine Hürde gilt es allerdings noch zu überwinden: Im nächsten Jahr muß die Fortsetzung der Gemeinnützigkeit beantragt werden. Da wäre vorher zu klären, in welcher Form z.B. die edlen Spender Quittungen zur Vorlage beim Finanzamt erhalten haben (um eine mögliche Steuerschuld zu mindern). Aber das ZK unter bewährter Führung des Ersten Sekretärs Udo Diebrich wird auch dafür in bewährter Manier eine Lösung finden. Und dann steht der erneuten Wahl des Ersten Sekretärs und seines ZK auf dem Frühjahrsplenum der VOST in 2017 kein Hindernis mehr entgegen. Kameraden halten zusammen und sich die Treue, wenn’s sein muß, bis in den Untergang.

Und schließlich hat diese Praxis auch ihr Gutes, zumindest für den Hofpoeten. Er kann seine Loblieder ohne Zeitdruck schon vorher schreiben und sich weiterhin der heftigen Kritik an jenen widmen, die die Opfer „permanent vernachlässigen und verunglimpfen oder gar – skandalös – ausbeuten“ oder den Verband in Verruf bringen. Da behaupte noch einer, der Hofpoet sei kritikunfähig. Sogar die hehre FREIHEIT wird nach wie vor im Titel der ZK-Postille bemüht. Das war im einstigen SED-Staat nicht anders. NEUES DEUTSCHLAND nannte das SED-ZK sein Zentralorgan. Den Namen führt das Blatt immer noch…

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.163)

Mai 2017
M D M D F S S
« Apr    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Blog Stats

  • 489,826 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 72 Followern an