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Lutherische Wort-Sinfonie

 

Vater  u n s e r ,

der  D u  b i s t

im Himmel.

G e h e i l i g t  werde

D e i n  N a m e .

D e i n  R e i c h  komme,

D e i n  W i l l e  geschehe

w i e  im Himmel

s o  auf Erden.

 

Unser tägliches Brot

Gib uns  h e u t e .

Und  v e r g i b   u n s

unsere Schuld

w i e   w i r   v e r g e b e n

unseren Schuldigern.

 

Und führe uns

n i c h t  in Versuchung,

sondern  e r l ö s e  u n s

von dem Bösen.

Denn  D e i n

ist das R e i c h

und die  K r a f t

und die  H e r r l i c h k e i t

in  E w i g k e i t .

 

Amen

31.10.2017 / Nach 500 Jahren

Von Zacharias  Nocolai*

Berlin, 8.06.2017/ zn – Als unmittelbare Anwohner der Gegend um den Breitscheidplatz bewegt uns der Terroranschlag vom 19. Dezember bis heute sehr. Ich habe mit meiner Mutter 50 Minuten vor dem Attentat am Anschlagsort Glühwein getrunken und hatte nach der Tat zwei Stunden Ungewissheit über das Schicksal meines Vaters, dessen Heimweg über den Platz führte und der telefonisch nicht erreichbar war. Gott sei Dank mit einem guten Ausgang.

Um so wichtiger finde ich es, dass die Gedenkstelle gepflegt wird, die Opfer ein Gesicht oder zumindest einen Namen erhalten  haben und das Behördenversagen angesprochen und nicht verschwiegen wird. In den letzten Monaten wurden jedoch mehrfach kritische Meinungsäußerungen oder Schilder, welche auf den islamistischen Hintergrund der Tat verwiesen, beschädigt oder entfernt. Zuletzt wurden am Pfingstwochenende Schilder, auf denen von einer islamistischen Tat gesprochen und das Staatsversagen angeprangert wurde, zunächst umgedreht und mit Grabkerzen beschwert. Nachdem ich mir erlaubte, die Schilder wieder sichtbar hinzustellen, verschwanden sie keine Stunde später endgültig. Leider weiß ich nicht wer die Gedenkstelle regelmäßig „zensiert“.

Gedächtniskirche stört Hinweis auf „Islamistischen Hintergrund“

Was ich jedoch weiß ist, dass sich die Gedächtniskirche sehr daran stört, wenn der islamistische Hintergrund der Tat erwähnt wird. Bereits Monate vor dem Anschlag führte ich (nach mehreren unbeantworteten Mails) ein Gespräch zum Thema Islamismus mit Pfarrer Martin Germer.  Seinerzeit schlug ich vor, einen Gottesdienst gegen Krieg und Terrorismus abzuhalten und sich stärker gegen die Stände der Salafisten von „LIES!-Die wahre Religion “ zu engagieren. Pfarrer Germer sah in den Ständen keine Gefahr und lehnte ab. Monate später wurde die Gruppe vom Innenministerium verboten.

Lebhaft in Erinnerung habe ich in diesem Zusammenhang die Äußerung des Pfarrers, dass die Gedächtniskirche eine Touristenkirche sei, welche sich nicht um Themen wie Obdachlosigkeit, Armut und Islamismus zu kümmern habe.

Bereits wenige Wochen nach dem Anschlag gab es einen Benefizgottesdienst in der Kirche. Nicht etwa für die Terroropfer, sondern für eine „Hilfsorganisation“ in Syrien, welche teilweise – aufgrund möglicher Zusammenarbeit mit Dschihadisten – umstritten ist. Vor einigen Wochen folgte dann der auch in den Medien kritisierte Auftritt des Pfarrers mit Islamisten der Muslimbruderschaft und Hamas, der auch von jüdischen Organisationen kritisiert wurde.

Polizeiliche Überprüfung der Forderung „Demokratie verteidigen“

Aus diesem Anlass erlaubte ich mir am Breitscheidplatz Zettel mit der Aufschrift „Demokratie verteidigen – Islamisten stoppen!!! Ja zu einer multireligiösen Stadt, Nein zur Verhöhnung der Anschlagsopfer durch Islamisten“ anzubringen. Nachdem mir zunächst Mitglieder der Kirche, in der ich selbst Mitglied bin, mit einer Anzeige drohten, prüfte die Polizei 20 Minuten lang, ob meine Zettel gegen die Auflagen für den Gedenkort verstoßen.  Offensichtlich hielt man mich für ein Mitglied der rechten Identitären Bewegung, welche in der Nacht zuvor ein Transparent im Kirchturm befestigt hatte.

Anscheinend ist Kritik am Auftritt radikaler Islamisten nur Rechtsextremen vorbehalten. Der Umgang der Kirche und der Verantwortlichen mit dem Anschlag macht mich und meine Familie jedenfalls noch immer fassungslos.  Daher begrüße ich jedes Engagement, welches auf die Missstände aufmerksam macht. Andererseits fühlt man sich als Anwohner oft allein mit seinen Gedanken.

Ich möchte diese Redaktion ermutigen, weiterhin auf die Einzelschicksale der Opfer aufmerksam zu machen und Fakten zu benennen. Vielleicht können meine Schilderungen einige Beispiele für den fragwürdigen Umgang mit dem Attentat geben. Als Student der Geschichte halte ich eine Erinnerungskultur, die Fakten benennt und den Opfern ein Gesicht gibt, für unerlässlich.

*Der Autor wurde aus Sicherheitsgründen redaktionell anonymisiert, da er im unmittelbaren Umfeld der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wohnt.

V.i.S.d.P.: Der Autor und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.254).

 

Eine Nachbetrachtung zum Evangelischen Kirchentag

von Margreet Krikowski*

BVB-Fans haben an einem einzigen Tag am Gedenkort hinter der Gedächtniskirche für die zwölf Opfer des islamistischen Anschlags vom 19. Dezember 2016 mehr Anteilnahme gezeigt als der gesamte Kirchentag an seinen vier Tagen in Berlin. Auf einem der vielen am Gedenkort abgelegten Fanschals steht der Titel der BVB Hymne „You’ll never walk alone“. Auch der Bund der muslimischen Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands legte einen Kranz ab. Nur nach einem Kranz, Schal oder sonst irgendeinem Zeichen der öffentlichen Anteilnahme vom Kirchentag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Du siehst mich“ stand, sucht man vergeblich.

Teilten die Trauer: BVB-Fans – Foto: Krikowski

Ich habe am Kirchentag nicht teilgenommen, habe somit auch keine Bibelauslegung zum Thema gehört, kann mir aber vorstellen, dass sie sehr tröstlich war. „Du siehst mich“. Der Beter sucht Gott und findet die Gewissheit, von Ihm gesehen zu werden. „Du siehst mich“ eröffnet je nach Betonung ganz unterschiedliche Seelenräume. In der Wüste weiß sich Hagar von Gott gesehen. Auf die heutige Zeit bezogen glaube ich, dass Gott – quasi über Bande – auch Raif Badawi, Oleg Senstov, Liu Xiaobo und Deniz Yücel sieht, die hier stellvertretend genannt sind für die unzähligen eingesperrten Widerstandskämpfer gegen Unfreiheit und Unrecht in vielen Teilen der Welt.

„Du siehst mich“. Groß prangt diese Schrift auf dem in Oranje gehüllten Glockenturm der Berliner Gedächtniskirche. Und so bekommt dieses Motto eine ganz eigentümliche Wendung. Plötzlich wirkt es kokett und selbstverliebt. Du – Berliner, Tourist, Kirchentagsbesucher, Fußballfan – siehst mich, die Kirche; du kannst nicht umhin, mich sehen zu müssen. Tatsächlich fällt der Turm zwischen all den anderen Hochhäusern auf. Von überall sieht man den Turm. Von überall? Nein. Im toten Winkel, an der Nordseite der Gedächtniskirche, sieht man den Turm nicht. Und die Kirche sieht wohl auch diese Gedenkstätte nicht. Oder wie sonst ist zu erklären, dass während der vier Kirchentage kein Vertreter des Deutschen Evangelischen Kirchentages, kein Vertreter der Evangelischen Kirche auf eine Gedenkminute vorbeigekommen ist. Vielleicht scheint Ihnen das Gedenken an die Opfer des ISLAMISTISCHEN Anschlags auch nicht opportun.

Selbstauferlegte Denkverbote?

Die Anschläge dschihadistischer oder salafistischer Muslime verbreiten zunehmend Angst und Schrecken in Deutschland, in Europa, weltweit. Obwohl Minister nach jedem Anschlag verkünden, dass wir uns nicht einschüchtern lassen, haben Journalisten, Polizei und Bevölkerung schon längst auf die Anschläge reagiert. Journalisten, indem sie Kritik am Islam tunlichst vermeiden. Die Polizei, indem sie mit extra Vorkehrungen und erhöhtem Polizeiaufgebot Großveranstaltungen, wie den Kirchentag, zu schützen versucht – dank massivem Polizeiaufgebot, Poller und strengen Taschenkontrollen ist auch der diesjährige Kirchentag ohne Anschläge geblieben. Die Bevölkerung, zumal die Frauen, indem sie ihre Kleidung anpassen und vermehrt den öffentlichen Raum meiden. Die selbstauferlegten Denkverbote, die Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit müssten jedem auffallen.

Hat der Anschlag am Breitscheidplatz, hat der Anschlag in Manchester, haben die vielen Anschläge auf die Kopten etwas mit dem Islam zu tun? Ja. All diese und unzählige andere Anschläge haben sehr wohl mit dem Islam zu tun. Aber offensichtlich möchte die Evangelische Kirche selbst im Lutherjahr doch nicht so genau hinsehen und die vielen terroristischen Strömungen im Islam, seien sie sunnitischer oder schiitischer Prägung, beim Namen nennen. Sie sieht eine Bedrohung für Demokratie und Freiheit vorwiegend von Rechtspopulisten ausgehen. Obwohl sie in christlicher Religionskritik geübt sind, sehen die Kirchenrepräsentanten weg, wenn es um die Gewaltfrage im Islam geht, der sowohl eine Religion als auch ein politisches, totalitäres Herrschaftssystem ist. Luther hatte Mut, die Missstände seiner Zeit anzuprangern. Die Evangelische Kirche dagegen schwimmt mit dem Mainstream und schimpft andere populistisch, die grundlegende (Religions-)Kritik am Islam üben. Manch einer kanzelt Kritik am Islam gar als psychische Erkrankung (Islamo-Phobie) ab.

Selbst der Bund muslimischer Pfadfinder sah die Opfer, der Kirchentag übte sich in Ignoranz –   Foto: Krikowski

Eine verkannte Gefahr kann nicht gebannt werden

Wenn die Gefahr islamistischer Gewalt aber nicht erkannt wird, kann sie auch nicht gebannt werden. Eine zentrale Gedenkminute für die vielen Opfer islamistischer Terroranschläge beim Kirchentag wäre auch deshalb angebracht gewesen, auch als Zeichen der Verbundenheit mit den verfolgten christlichen Glaubensbrüdern und -schwestern in der gesamten arabischen Welt.

Israel gedachte des neulich schweren Terroranschlags auf die koptischen Christen in Ägypten. Ein jüdischer Staat der täglich (!) islamistischem Terror ausgesetzt ist, findet die Kraft, sich mit koptischen Christen solidarisch zu erklären. Meine Kirchentagsleitung hat es nicht einmal für nötig befunden, einen Kranz oder ein anderes Zeichen der Anteilnahme für die 12 Opfer des islamistischen Terroranschlags an der Gedächtniskirche abzulegen.

Wenn die Repräsentanten am Gedenkort an der Gedächtniskirche gewesen wären, hätten sie die Namen der 12 Ermordeten auf  Kerzen lesen können.

Jörg Zink schreibt: „Der Name eines Geliebten, wenn ein Liebender ihn ausspricht, ist ja mehr als nur eben dieser Name, er ist wie eine Hand, in der der geliebte Mensch ruht, wie ein Schutz, in dem Liebe und Leid bewahrt sind. Ein Name wird ausgesprochen und der Verlaufene findet heim“. Eben – du siehst mich.

Erinnerung braucht Namen und Gesichter. Nur so können wir die Opfer dem Vergessen entreißen und ins nationale Gedächtnis rufen.

Und so benenne ich die Namen der Opfer des islamistischen Terroranschlags vom 19. Dezember 2016:

Łukasz Urban (37, Polen)

Fabrizia di Lorenzo  (31, Italien)

Angelika Klösters (65, Deutschland)

Sebastian Berlin (32, Deutschland)

Anna Bagratuni (44, Deutschland)

Gregoriy Bagratuni (44, Ukraine)

Naďa Čizmarová  (34, Tschechien)

Dalia Elyakim  (60, Israel)

Dorit Krebs (53, Deutschland)

Peter Volker (72, Deutschland)

Klaus Jacob (65, Deutschland)

Der Name des 12. Opfers (40, Deutschland) ist der Gedächtniskirche bekannt.

___________________________________________________________________________________________________

* Die Autorin hat den vorstehenden Text als Offenen Brief an folgende Repräsentanten des Evangelischen Kirchentages gerichtet: Frau Professor Dr. Christina Aus der Au (*1966, Luzern), Präsidentin des Kirchentages; Herrn Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm (*1960 Memmingen), Landesbischof der Evangelischen Kirche Bayern und Ratsvorsitzender der EKD; Herrn Dr. Markus Dröge (*1954, Washington D.C.), Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Herrn Martin Germer (*1956 Würzburg), Pfarrer an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Bis zum 4.Juni 2017 lagen der Autorin weder Antworten noch Stellungnahmen vor.

V.i.S.d.P.: Die Autorin und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.252).

Ein Einwurf von Jörg Moll*

Berlin, 23.05.2017/jm – Der Innensenator sonnt sich im Medienrummel des aufrechten und gnadenlosen Aufräumers. Endlich greift einer durch. Endlich wird – über fünf Monate danach – untersucht, welche amtlichen Schlampereien und Versäumnisse dem Terroristen Anis Amri das weihnachtliche Attentat ermöglicht haben. Andreas Geisel (SPD) präsentiert sich als Saubermann an der Spree, als Saubermann der Nation. Durch eine Strafanzeige will er die Versäumnisse endlich aufklären lassen…

Strafanzeige? War da nicht was? 

Die meistgestellte Frage vor der Gedächtniskirche… – Foto: LyrAg

Ja, richtig. Am 27.12., also acht Tage nach dem furchtbaren Anschlag vor der Gedächtniskirche, stellte die Berliner Vereinigung 17. Juni bei der Staatsanwaltschaft in Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt. Der Vorwurf: Unterlassung. Der Vereinsvorstand argumentierte: „Auch wenn Details seiner (Amris) Planung nicht bekannt waren, so hat man das Wissen um dessen Gefährlichkeit lange gekannt. Mithin haben sich diverse, derzeit unbekannte Personen der Unterlassung schuldig gemacht und haben insofern den Tod von Menschen inkauf genommen. Auch wenn die insbesondere für die Sicherheit verantwortlichen Personen im Nachgang eben diese Verantwortung bestreiten und dafür juristische und andere, die Verantwortung abweisende Gründe anführen, liegt hier zumindest der Verdacht auf einen Straftatbestand vor.“ Und: „Maßgeblich ist allein das Unterlassen des rechtlich gebotenen, aktiven Tuns (Wessels/Beulke/Satzger). Echte Unterlassungsdelikte begründen eine Rechtspflicht zum Tätigwerden in sich selbst.“ Der Vorstand forderte die Staatsanwaltschaft auf, „in diesem Sinne vorurteilsfrei „in alle Richtungen“ zu ermitteln. Falls den Ermittlungen das „Weisungsrecht“ möglicher politisch Verantwortlicher ggüb. der Staatsanwaltschaft entgegenstehen sollte, wäre Ihrerseits zu prüfen, inwieweit eine übergeordnete Dienststelle (z.B. Generalstaatsanwalt oder Bundesanwaltschaft) aufgefordert wird, die notwendige Ermittlungen an sich zu ziehen.“

Bereits am 17. Januar teilte die Staatsanwaltschaft dem Verein mit, dass sie keine Anhaltspunkte gesehen habe, entsprechende Ermittlungen aufzunehmen. In einer Beschwerde an den zuständige Generalstaatsanwalt vom 3.02.2017 argumentierte der Verein gegen die Ablehnung von Ermittlungen u.a.: „Der Tod von 12 Menschen und die Verletzung weiterer 50 Menschen durch einen solchen terroristischen Anschlag kann aber nicht einfach aus wie immer gearteten Bequemlichkeiten heraus zu den Akten gelegt werden. Hier ist die Staatsanwaltschaft  v e r p f l i c h t e t ,  jeglichem Verdacht auf eine mögliche strafbare Handlung nachzugehen.“

Unterschiedliche Verantwortlichkeiten

Zuständige Behörden und Institutionen hätten geäußert, sie würden „gewissenhaft jeder Möglichkeit unterschiedlicher Verantwortlichkeiten nachgehen, um entsprechende – auch strafrechtliche – Konsequenzen ziehen zu können.“ Unter diesem Gesichtspunkt sei die Entscheidung der Staatsanwaltschaft zumindest voreilig gefällt worden. Der Verein befürchtete durch die staatsanwaltliche Entscheidung eine Legitimation anderer Institutionen des Staates, „die weitere Untersuchung möglicher Verantwortlichkeiten unter Hinweis auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Berlin einzustellen.“ Es könne und dürfe nicht Sinn und Zweck einer Strafverfolgungsbehörde sein, möglichen Verantwortlichen oder gar Tätern im strafrechtlichen Sinn im Voraus einen Persilschein auszustellen, ohne nicht zuvor entsprechende Ermittlungen anzustellen.

Wundern sie sich, das auch der Generalstaatsanwalt keinen Grund sah, die beantragte Aufhebung des Einstellungsbescheides zu vollziehen? Dann haben sie sicherlich übersehen, das die Staatsanwaltschaft weisungsgebunden ist. Selbst wenn ein Staatsanwalt wollte könnte er sich nicht „Weisungen“ übergeordneter Stellen widersetzen. Es ist aber müßig, jetzt darüber zu debattieren. Denn jetzt hat der Innensenator höchst persönlich Strafanzeige erstattet. Und nach dem dadurch ausgelösten Medienrummel haben es die für die Strafverfolgung zuständigen Instanzen zumindest schwerer, erneut Ermittlungen abzulehnen. Es bleibt also zumindest durch die jetzige mediale Hype zu hoffen, dass Verantwortlichkeiten endlich ernsthaft geklärt, mögliche Versäumnisse notwendige Konsequenzen „ohne Ansehen der Person“ nach sich ziehen und die jetzige Anzeige letztlich nicht als purer Spree-Klamauk in die Analen der Hauptstadt eingeht. Auch der beginnende Wahlkampf darf nicht den Blick auf die Familien verstellen, die so sinnlos ihre Liebsten vor dem Fest der Liebe verloren haben oder schwerverletzte Angehörige noch heute in Krankenhäusern besuchen müssen.

An dieser Stelle ein Dank an die Bürgerrechtler von heute, die sich lange vor einem Senator veranlasst sahen, zumindest den Versuch einer Aufklärung zu unternehmen und die Verantwortlichen einschließlich der Staatsanwaltschaft an ihre Pflichten zu erinnern.

* Der Autor ist Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Kommunismus – Deutschland e.V., (VOK) in Wolfenbüttel und war zuvor um die Jahrtausendwende Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), deren Ehrenmitglied er seither ist.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.249).

 

 

 

 

Von Stefan Krikowski

Berlin, 11.01.2017/stK – Am Sonntag, den 8. Januar, ereignete sich ein ähnlicher Terroranschlag in Jerusalem  wie in Berlin. Ein LKW raste in eine Menschenmenge mit vielen israelischen Soldaten: 4 junge Menschen wurden getötet. Wir kennen mittlerweile ihre Namen, ihr Alter und ihre Gesichter – und nehmen Anteil. Wir trauern mit den Angehörigen um den Verlust eines geliebten Menschen.

Traueranzeige der Deutschen Bank um "eine Kollegin" ...

Traueranzeige der Deutschen Bank um „eine Kollegin“ …

Am Montag, den 19. Dezember 2016 wurden bei dem ersten größeren islamistischen Terroranschlag in Deutschland 12 Menschen auf dem Breitscheidplatz getötet. Es ist in hohem Maße verwunderlich, dass von den 12 Todesopfern sämtliche sieben deutsche Opfer mit Gesicht und Namen unbekannt bleiben. Selbst nach über drei Wochen wissen wir nichts über sie: Kein Name, kein Gesicht, keine Familienbezüge, kein biografischer Hintergrund und kein Ort der Herkunft. Nichts. Einfach nichts! Es ist, als ob die Toten einfach spur- und geräuschlos verschwunden sind. Selbst bei einer Traueranzeige, die im TAGESSPIEGEL am 8.1.2017 abgedruckt war, trauerte die Deutsche Bank um „eine Kollegin“, die bei dem Terroranschlag vom 19.12. getötet wurde. Aber auch hier  (bei einer Traueranzeige!) kein Name, kein Alter  – nichts Persönliches. Eine eigentümliche Distanz ist so entstanden zu diesen Terroropfern. Berühren uns die Toten nur marginal?.

Schauert es uns nicht über so viel Unfähigkeit, zu trauern? Ist sie wirklich nur einer protestantischen Ausdrucksarmut (wie dies Timan Krause in DIE WELT schreibt: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article161007177/Die-Toten-vom-Breitscheidplatz-bleiben-uns-seltsam-fern.html) geschuldet? Oder ist das Schweigen, das Verschweigen, einer Scham geschuldet, sich nicht eingestehen zu können, dass der/die Attentäter (Anis Amri hatte 14 verschiedene Identitäten!) in Deutschland die offenen Grenzen, durch die unkontrolliert so viele Menschen ins Land kamen, mehrfach wiederholt für sich genutzt haben? Dass es eine Verbindung geben könnte zwischen den islamistischen Anschlägen (siehe auch das Selbstmordattentat in Ansbach und das Axtattentat bei Würzburg) und der Flüchtlingspolitik?

Oder soll uns einfach nur die Möglichkeit genommen werden, uns zu erinnern? Die Trauer mit den Familien zu teilen? Nach dem (politischen) Motto: Anonymität verflüchtigt sich am Schnellsten, Erinnerung ist schmerzhaft, wir sollten weiter ruhig schlafen? Verantwortung gegenüber den trauernden Familien und der Gesellschaft sieht anders aus.

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.203).

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