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Berlin, 17.Juni 2017/cw – Die Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin äußerte in einer Erklärung ihre „tiefe Trauer“ zum Tod von Helmut Kohl. „Es sei sicherlich ein Zufall, das Kohl am Vorabend des Jahrstages gestorben sei, an dem wir uns des größten geschichtlichen Ereignisses nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. Gleichwohl ist die Erinnerung an den Volksaufstand von 1953 und der Tod von Helmut Kohl von symbolischer Bedeutung, die der geschichtlichen Würdigung eines großen Staatsmannes entspricht,“ erklärte der Vorstand. Der Verein hatte während seiner diesjährigen Mitgliederversammlung in Berlin vom Tod des ehemaligen Bundeskanzlers Kenntnis erhalten.

Mit Helmut Kohl sei am 16. Juni 2017 der Politiker von der Bühne des Lebens abgetreten, dem wir die Realisierung der Forderungen und Träume der einstigen Aufständischen vom 17. Juni 1953 verdanken. Helmut Kohl verwirklichte die ersehnte Wiedervereinigung unseres Vaterlandes „in Frieden und Freiheit“ zu einer Zeit, als sich „allzu viele bereits von diesem Traum verabschiedet hatten.“ Dies bleibe in historischer Erinnerung von diesem Politiker, der „ein Glücksfall für Deutschland und Europa gewesen“ sei. „Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit,“ heißt es abschließend in der Kondolenz des Veteranenvereins vom 17. Juni 1953.

V.i.S.d.P.: VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 e.V., Berlin, Tel.: 0176-4806 1953 (1.256).

 

Von Tommy Haltlos

Berlin, 1.11.2016 – Das Zentralorgan der Vereinigung der Opfer des Stalinistischen Terrors, erklärt in seiner letzten Ausgabe (Nr.767/68) das Ende jedweder Bewölkung und drohender Justiz-Schauer für den zunehmend stalinistisch ausgerichteten Verband, der nunmehr das ewige Sonnenlicht „entgegen aller Unkenrufe“ verkünden kann.

Der Finanz-Jongleur

Immerhin dankt der treu-stalinistische Chefredakteur („Auf ein Wort…“) “im Namen aller, die sich mit mir über die gute Nachricht (der Schuldenfreiheit) freuen“ unserem Ersten Sekretär der Vereinigung der Opfer des Stalinistischen Terrors, Mitglied des Fernsehrates des Zweifelnden Deutschen Fernsehens, Diplom-Kaufmann, Finanzmakler, ehemaligen Filialleiter einer MfS-Sparkasse, ehemaligen Vorsitzenden, Schatzmeister und amtierenden Geschäftsführer, dem Kameraden Udo Diebrich, „der viel Zeit und Lauferei zur Lösung des bedrückenden Problems investiert hat“.

Die Schuldentilgung „ging nun zuletzt doch – gewiss ein bisschen unerwartet – recht schnell,“ schreibt der Hofpoet des Zentralkomitees, der in gewohnter Manier in jeder Ausgabe der Hofpostille seine Lobeshymnen auf den Ersten Sekretär in die unter seinen diversen Pseudonymen veröffentlichten Artikel streut.

Überweisung ruckizucki ohne lästige Kontrolle

Kritik? Nachfragen nach den Urhebern des existenzbedrohenden Finanzskandals, als den die „Querulanten“ den Vorgang bezeichnen: Fehlanzeige. Der Erste Sekretär opfert sich schließlich seit über zehn Jahren für sein persönliches Wohlergehen auf, schindet sich im Rahmen eines Vertrages zwischen dem ZK und seinem Ersten Sekretär für die Organisation ab. Sogar die erste Vergütung aus dem Eigenvertrag überwies er sich „aus Zeitersparnisgründen“ vor der Unterzeichnung besagten Vertrages. In Personalunion mit dem Schatzmeister ging das ruckizucki ohne lästige, weil arbeitsaufwändige Kontrollen. Und schließlich rettete er jahrelang für die Empfänger von Gehältern die einkommensmindernden Abgaben an die Krake Sozialversicherung. Dass er für diese anstrengenden Bemühungen auch sein Entgelt zu 100 Prozent sicherte, wer wollte ihm die Anerkennung für diese Anstrengungen („Tag und Nacht“, wie Udo Diebrich nicht oft genug unter Tränen verkündete) versagen?

Als die ganze Sache durch „üble Quertreiber und Querulanten“ aufflog, drohte dem Verband sogar die Insolvenz. Aber der Erste Sekretär wußte – wieder einmal – selbstlos Rat. Schnell wurde auf Vorschlag des ZK die Satzung „korrigiert“, wurde die Gründung von selbständigen Landesverbänden ermöglicht, um die vorhandenen Gelder zu dezentralisieren und so vor dem Gerichtsvollzieher im Falle einer möglichen Insolvenz zu retten. Der Erste Sekretär ist genial. Unter unsäglichen Mühen gelang es ihm, die Kameraden von der Notwendigkeit zu überzeugen, die von ihm und dem ZK verursachten Forderungen gerechterweise auf eine breite Basis zu stellen: Alle Mitglieder sollten für die aufopferungsvolle Arbeit des Ersten Sekretärs einstehen und ihr Scherflein zur Schuldentilgung beitragen. Durch Vorauszahlung von Mitgliedsbeiträgen, durch entsprechende Vermächtnisse oder Abtretungen von Teilen der sogen. Opferrente. Auf diese Ideen muss man erst einmal kommen… DANKE, Udo Diebrich.

Hindernisse vor dem Frühjahrsplenum 2017 beseitigen

Eine Hürde gilt es allerdings noch zu überwinden: Im nächsten Jahr muß die Fortsetzung der Gemeinnützigkeit beantragt werden. Da wäre vorher zu klären, in welcher Form z.B. die edlen Spender Quittungen zur Vorlage beim Finanzamt erhalten haben (um eine mögliche Steuerschuld zu mindern). Aber das ZK unter bewährter Führung des Ersten Sekretärs Udo Diebrich wird auch dafür in bewährter Manier eine Lösung finden. Und dann steht der erneuten Wahl des Ersten Sekretärs und seines ZK auf dem Frühjahrsplenum der VOST in 2017 kein Hindernis mehr entgegen. Kameraden halten zusammen und sich die Treue, wenn’s sein muß, bis in den Untergang.

Und schließlich hat diese Praxis auch ihr Gutes, zumindest für den Hofpoeten. Er kann seine Loblieder ohne Zeitdruck schon vorher schreiben und sich weiterhin der heftigen Kritik an jenen widmen, die die Opfer „permanent vernachlässigen und verunglimpfen oder gar – skandalös – ausbeuten“ oder den Verband in Verruf bringen. Da behaupte noch einer, der Hofpoet sei kritikunfähig. Sogar die hehre FREIHEIT wird nach wie vor im Titel der ZK-Postille bemüht. Das war im einstigen SED-Staat nicht anders. NEUES DEUTSCHLAND nannte das SED-ZK sein Zentralorgan. Den Namen führt das Blatt immer noch…

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.163)

Berlin/Leipzig, 24.10.2015/cw – Einst wurden die Teilnehmer an dem von Hans Werner Richter zwischen 1947 und 1967 initiierten deutschsprachigen Schriftstellertreffen als „Gruppe 47“ bezeichnet. Jetzt kann sich möglicherweise eine neue Gruppierung, wenn sie sich denn als solche versteht, mit dem vakant gewordenen Namen schmücken.

Nach einem Bericht der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG von heute haben jedenfalls 47 einstige DDR-Bürgerrechtler, unter diesen allein 12 Leipziger, in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin deren Kurs in der Asylpolitik nachdrücklich unterstützt: „Wir unterstützen Ihre Politik der offenen Grenzen.“ 70 Jahre nach dem Holocaust öffne Deutschland seine Grenzen und rette Menschen aus Not und Tod. „Das ist das Land, in dem wir leben wollen, von dem wir geträumt haben“, schreiben die Bürgerrechtler, unter diesen so bekannte Namen wie Werner Schulz (Berlin/Bündnis 90/GRÜNE), Ulrike Poppe (Potsdam, amtierende Landesbeauftragte zur Aufarbeitung von DDR-Unrecht), Heiko Lietz (Güstrow, zeitweiliger theologischer Weggefährte von Joachim Gauck), Lothar Rochau (Halle), Erhart Neubert (Limlingerode), Katrin Hattenhauer (ehemals Leipzig) und Christoph Wonneberger (Leipzig).

Katrin Hattenhauer, Malerin und für den Brief „verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes“, die sich Ende der achtziger Jahre der Bürgerrechtsbewegung in Leipzig angeschlossen hatte, sagte in einem Gespräch mit der DEUTSCHEN WELLE: „Die Bürgerbewegung hat vor mehr als 25 Jahren eindrücklich gezeigt, wie man mit Mut und Ausdauer ein ganzes Land verändern kann. Mit dieser Erfahrung wollen wir unsere Stimme erheben für den Schutz asylsuchender Flüchtlinge und gegen Vorurteile und Gewalt. Wir sollten diese Herausforderung nun mit gleichem Mut, mit Hilfsbereitschaft, Kreativität und Ausdauer annehmen.“

Der Brief an Angela Merkel im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
wir unterstützen Ihre Politik der offenen Grenzen. Wir unterstützen Ihre Flüchtlingspolitik und Ihren Einsatz um der Menschen willen. Mit größtem Respekt sehen wir Ihre feste Haltung zur Aufnahme asylsuchender Flüchtlinge bei uns in Deutschland.

Ein Volk, wie das unsere, das in die Geschichte der Welt eingeschrieben ist als Land von Vertreibung und Ermordung eines Teils seiner Bevölkerung und von Teilen der Bevölkerung seiner Nachbarländer öffnet 70 Jahre nach dem Holocaust seine Grenzen und rettet Menschen aus Not und Tod. Bürgerinnen und Bürger helfen Flüchtlingen. Das ist das Land, in dem wir leben wollen, von dem wir geträumt haben.

Erst 25 Jahre liegt es zurück, dass wir selbst hinter Zäunen, Stacheldraht und Mauern eingesperrt waren. Wir gehörten damals zur Oppositions- und Bürgerrechtsbewegung in der DDR und Osteuropa. Wir haben damals viel diskutiert über die Frage „Ausreisen oder Bleiben“. Die Flucht zu versuchen, das war damals eine verzweifelte Option für viele hinter dem Eisernen Vorhang eingesperrter Menschen. Die großen Demonstrationen in Leipzig haben im September 1989 begonnen mit der Forderung nach einem offenen Land mit freien Menschen. Wir können und wollen heute Menschen, die ihre Freiheit suchen, die ihr Leben und das ihrer Familien retten wollen, nicht an unseren Grenzen ertrinken lassen. Wir wollen keine Zäune errichten, die wir für uns selbst vor mehr als 25 Jahren niedergerissen haben.

Wir merken jetzt, dass wir Menschen auf der Welt nicht mehr ganz so einfach wie bisher nach Nationen, in Deutsche/EU-Bürgerinnen und in Fremde unterteilen können. Denn die Welt ist in den letzten 25 Jahren zusammengewachsen, die Menschen sind sich über nationale Grenzen hinweg näher gekommen.

Es ist unlauter, die Globalisierung von Waren, Kapital und Dienstleistungen zum Vorteil der Exportstarken zu nutzen und gleichzeitig Menschen zu reglementieren. Die Welt ist keine Einbahnstraße mit unterschiedlichen Rechten für unterschiedliche Menschen.

Es ist kein Verdienst in Deutschland geboren worden zu sein. Es ist ein zufälliges Privileg, das wir nicht unter uns aufteilen, sondern mit anderen teilen sollten. Wir werden in Zukunft mehr, viel mehr aufwenden müssen, um die Fluchtursachen von Menschen – Krieg, Unterdrückung, Hunger, Zerstörung der Lebensvoraussetzungen durch Dürre oder Flut – gemeinsam zu bekämpfen und unseren eigenen Anteil daran auf den Prüfstand stellen.

Allen Menschen, die sich sorgen, weil mit den Flüchtlingen andere Lebensstile und Religionen in unser Land kommen, wollen wir sagen, dass es wichtig ist, miteinander zu sprechen statt Angst zu schüren. Es kommt auch auf uns an, ob Vielfalt ein Zugewinn wird, der unser starkes Land schöner machen wird und der uns tagtäglich helfen wird, besser zu verstehen, dass Nächstenliebe in unserer globalisierten Welt nicht mehr an nationale Grenzen gebunden ist.

Wir damalige Bürgerrechtler haben unterschiedliche politische Meinungen. Wir appellieren aber gemeinsam an unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen, an Politik, an die Wirtschaft und an die Medien, dass die noch offenen Fragen der Organisation und Integration der bei uns Schutz suchenden Flüchtlinge nicht, wie das jetzt leider geschieht, zu einem Grund für Abgrenzung werden.

Wir verkennen nicht, dass manche Kommunen bei der Unterbringung der Flüchtlinge an Grenzen stoßen. Wir verkennen nicht, dass auch in Deutschland Menschen mehr Zuwendung und Hilfe brauchen und sie Ängste äußern. Wir wenden uns allerdings entschieden gegen jede Form von verbaler oder physischer Gewalt und gegen Hasstiraden.

Wir setzen auf die unzähligen Zeichen von Hilfsbereitschaft und Solidarität. Wir appellieren an Politik, Wirtschaft, Medien, die Zivilgesellschaft – an alle Menschen guten Willens – die derzeitigen Herausforderungen als gesamtgesellschaftliches Anliegen anzunehmen.

Europa soll keine Insel werden. Das ist unsere gemeinsame Herausforderung und Verantwortung: „Für ein offenes Land mit freien Menschen.“

V.i.S.d.P.: Katrin Hattenhauer (Berlin, ehemals Leipzig)
und 46 Erstunterzeichner:
Prof. Dr. Susan Arndt, Bayreuth, Agnes Berkemeier, Leipzig, Stephan Bickardt, Leipzig, Dr. Martin Böttcher, Zwickau, Till Böttcher, Berlin, Frank Eigenfeld, Halle, Tim Eisenlohr, Amrum, Renate Ellmenreich, Joachimsthal, Anke Hansmann, Braunschweig, Michael Heinisch, Berlin, Martin Hartkopp, Berlin, Axel Holicki, Leipzig, Almut Isen, Berlin, Gisela Kallenbach, Leipzig, Ines-Maria Köllner, Leipzig, Oliver Kloss, Leipzig, Dr. Ilko Kowalczuk, Berlin, Rainer Kühn, Berlin, Uwe Lehmann, Berlin, Katharina Lenski, Jena, Christoph Leucht, Berlin, Heiko Lietz, Güstrow, Antje Meurers, Dresden, Barbara Morgenroth, Themar, Arnd Morgenroth, Themar, Rainer Müller, Leipzig, Wolfgang Musigmann, Erfurt, Hildigund Neubert, Limlingerode, Dr. Erhart Neubert, Limlingerode, Bernd Oehler, Meißen, Gisela Pohler, Leipzig, Georg Pohler, Leipzig, Ulrike Poppe, Potsdam, Grit Poppe, Potsdam, Lothar Rochau, Halle, Peter Rösch, Berlin, Wolfgang Rüddenklau, Berlin, Corinna Schmid, Erfurt, Werner Schulz, Berlin, Dr. Rita Sélitrenny, Leipzig, Barbara Sengewald, Erfurt, Matthias Sengewald, Erfurt, Matthias Voigt, Berlin, Kathrin Walter-Mahler, Berlin, Reinhard Weißhuhn, Berlin, Christoph Wonneberger, Leipzig.“ (1.049)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 11. August 2015/cw – In wenigen Tagen erinnern wir uns wieder der Errichtung der Mauer durch Berlin und Deutschland. Wir trauern um die Toten an Mauer und Stacheldraht und legen an diversen Orten Blumen nieder. Und wir werden wieder lauthals anklagen. Ist das richtig?

Wir sollten unsere Erinnerungskultur überdenken. Besonders wir, die wir unmittelbar von der zweiten Diktatur betroffen waren, durch Stasi-Verfolgung, rechtsstaatswidrige Verurteilungen und oft viele Jahre Haft in den Kerkern Ulbrichts und Honeckers. Ein Blick über den mittlerweile europäischen Nachbarzaun sollte uns dabei helfen. Die Franzosen z.B. gedenken an ihrem Nationalfeiertag des Sturms auf die Bastille. Im Vordergrund stehen dabei längst schon die positiven historischen Aspekte, die Freude über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Natürlich erinnert sich unser Nachbar auch an die Toten der Revolution, aber die Freude über den Sieg dieser Revolution steht dabei im Vordergrund.

Auch in Russland, wo man nach wie vor den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg feiert, überlagert die Freude über diesen Sieg längst den Schmerz über die unzähligen Toten. Die Dankbarkeit für deren Einsatz überlagert den Schmerz und die Trauer.

Wir sollten uns endlich auch der Freude hingeben, der Freude über den Sieg der Freiheit über die Diktatur. Die vielen Toten haben den Weg dorthin ermöglicht, haben ihr kostbares Leben für uns alle verloren. Wir sollten uns von der Trübsal verabschieden, sollten die Gedenktage nutzen, um die erlangte Freiheit zu feiern, zu bejubeln. Dabei dürfen wir dankbar sein gegenüber jenen, die diese Freiheit nicht mit uns feiern können. Ja, wir dürfen Blumen an deren Gedenkstätten niederlegen. Aber wir sollten dabei wieder lachen, uns freuen dürfen. Es wäre der schönste Dank an Peter Fechter, Dieter Wohlfahrt, Paul Schulz, um nur einige zu nennen.

Um mit dem Historiker Michael Wolffsohn zu sprechen, der uns dies vor wenigen Jahren in Hohenschönhausen wieder in Erinnerung rief: Wir sind die Kämpfer für die Freiheit, für die Einheit. Sollen wir darüber weinen? Lasst uns fröhlich sein, in die Arme fallen, Tränen der Freude vergießen. Auch diese Tränen netzen die Gräber unserer Toten. Aber diese Tränen beziehen unsere Toten in die Freude ein. Die Mauer wurde an jenem dunklen Sonntag 1961 errichtet, aber: Sie fiel 28 Jahre später unter dem Jubel der Menschen in aller Welt. Kameraden, Verfolgte und Opfer von einst: seht und hört die Signale, freut Euch! (1.022)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin , Tel.: 030-30207785

Berlin, 4.11.2013/cw – Meist schauen wir als einstige Opfer der DDR-Stasi-Diktatur sauertöpfisch drein, schimpfen auf vermeintliche oder tatsächlich Schuldige und machen mit jeder Geste deutlich: Schaut her,  wir  sind die Verlierer. Wer will mit uns Miesepetern etwas zu tun  haben?

Welches Menschenbild übermitteln wir da eigentlich mit diesem permanenten Pessimismus, unserem Frust auf alles? Klar, bei uns  handelt es sich um Menschen, die im Gegensatz zur Masse (unseres Volkes) schwere Zeiten durchgemacht haben. Unseren (einstigen?) Mut, frei zu sprechen, unseren (einstigen?) Antrieb, Mauer und Eingesperrt-sein hinter uns zu lassen, unsere (einstige?) Weigerung, mit dem (Partei-) Strom einfach mitzuschwimmen oder Freunde, Kameraden, Kollegen zu bespitzeln und zu verraten, mussten  wir mit oft vielen Jahren Freiheitsentzug, mit Aufenthalten in Folter-, Dunkel- und Wasserzellen teuer bezahlen.

Im Westen, per Ausreise oder Freikauf angekommen, mussten wir uns allerdings nicht der erträumten, sondern der wirklichen Freiheit stellen. Statt offener Arme bekamen wir oft Skepsis, häufig Ablehnung zu spüren. Durch den oft vergeblichen Kampf um die Anerkennung von erlittenen Traumata und gesundheitlichen Schäden wurden wir verbittert, zogen  uns in selbstgewählte Vereins-Schneckenhäuser zurück, um unsere Wunden zu lecken. Und dann verhedderten sich von uns gewählte Funktionäre auch noch in umstrittene Handlungen oder fingen aus sicher gemeinter Distanz an, erneut über Juden und andere Glaubensrichtungen herzuziehen, statt sich unserer Wundpflege anzunehmen. Diese Erinnerungen an überwunden geglaubte Vergangenheiten traumatisierten uns häufig erneut.

Ja, geht’s noch?  WIR  haben ein unmenschliches System bekämpft.  WIR  haben unseren Mund aufgemacht,  WIR  haben die Fluchttunnel durchquert, unter Lebensgefahr die Freiheit gesucht. Und schließlich waren  WIR  es, die die Menschen ermuntert haben, auf die Straße zu gehen, den Mund aufzumachen, das System zu stürzen, die Mauer zu erklimmen, zum Einsturz zu bringen. Und darauf sollten  WIR  stolz sein.  Darum lasst uns endlich   selbstbewusst durchs Leben gehen. Nicht gesenkten, sondern erhobenen Hauptes. Darum lasst uns  über die Miesepeter der Demokratie lachen, die noch immer (oder schon wieder?) nicht wissen, was Freiheit bedeutet.

Natürlich gibt es viel zu kritisieren, jeden Tag, jeden Monat jedes Jahr. Aber auch dafür haben WIR  gekämpft, dass diese Kritik möglich wurde. Klar, wir können die Gewohnheit an die Freiheit, mit der daraus erwachsenen Oberflächlichkeit, dem sich ausbreitenden Verdruss über die Freiheit, mit dem uns unsere Mitmenschen immer öfter begegnen, nur schwer ertragen. Vielleicht liegt das aber auch an unserer oft  demonstrativ gezeigten Sauertöpfigkeit, die eher Depressionen überträgt als von Werten überzeugt?

Lasst uns vermitteln, dass sich Freiheit lohnt. Durch eine neue und ansteckende Fröhlichkeit. Unser erreichtes Ziel, unsere erkämpfte Freiheit, sollte uns nicht müde, sondern fröhlich machen. Denn  was  WIR erreicht haben, ist nicht zu toppen, kann uns keiner mehr nehmen.

Kameraden, Mitstreiter, Weggefährten: Lacht mal wieder :-)))

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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