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Von Tatjana Sterneberg*

Berlin, 12.04.2021/tst – Der Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ hat dem einstigen Mauer-Demonstranten und Tunnelbauer Carl-Wolfgang Holzapfel (77) die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Die Ehrung erfolgte mehr oder weniger zufällig zum 77. Geburtstag des Vor-sitzenden der Vereinigung 17. Juni 1953. In der Ehrenurkunde wird die Verleihung mit den „besonderen Verdiensten und außergewöhnlichem Engagement für unseren Verein“ begründet.

Ehrenurkunde des Vereins „Berliner Unterwelten e.V.“

In einer ersten Reaktion zeigte sich Holzapfel „tief bewegt.“ Diese Ehrung sei für ihn zweifellos „wertvoller, als jedes staatliche Kreuz.“ Komme sie doch von einer Gemeinschaft, die sich ebenso um die Aufarbeitung der Berliner Geschichte und hier speziell der spannenden Unterwelten in der Wieder-Hauptstadt verdient gemacht hat. Und dies alles vornehmlich auf ehrenamtlicher Basis.

Holzapfel hatte bereits im Alter von 14 Jahren ein „Deutschland-Papier“ entworfen, in dem er Wege zur Wiedervereinigung des geteilten Landes unter internationaler Beteiligung aufgezeigt hatte. Nach dem Bau der Mauer am 13. August vor sechzig Jahren widmete er sich dem Kampf gegen diese „neuerliche KZ-Mauer“ in Deutschland“. Der junge Mann schwor vor der zugemauerten Versöhnungskirche in der Bernauer Straße „so lange zu kämpfen, bis diese Mauer gefallen sein“ oder er „nicht mehr leben würde.“

Zahlreiche Hungerstreiks gegen das Ulbricht-Honecker-Bauwerk, Demonstrationen für die Freilassung politischer Gefangener, die spontane Errichtung von Kreuzen für ermordete Flüchtlinge und die aktive Beteiligung an einem Fluchttunnel, dem sogen. Weinstein-Tunnel (1963) prägten für Jahrzehnte das Leben des späteren Bankkaufmanns. 1966 wurde er sogar nach seiner Festnahme am Checkpoint Charlie (Oktober 1965) für sein Engagement in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Auch nach dem Freikauf durch die Bundesregierung (Oktober 1966) führte er unermüdlich seinen gewaltlosen Kampf gegen die Mauer fort. Letztlich demonstrierte er am 28. Jahrestag, dem 13.August 1989, „für die Einheit Berlins und Deutschlands“ am Checkpoint Charlie. Über drei Stunden lag er dort auf dem berühmten weißen Strich, der dort die Trennung markierte, ehe er nach langwierigen Verhandlungen zwischen der amerikanischen und sowjetischen Besatzungsmacht von Beamten der West-Berliner Polizei weggetragen wurde.

Als wenige Monate später die Mauer fiel, bezeichnete sich Holzapfel als „den glücklichsten Menschen.“ Auch nach dem Mauerfall widmete er sich dem Thema. So wirkte er im Rahmen der Währungsunion in Eisenach für die COMMERZBANK. Dort unterbrach er im August 1990 seine Tätigkeit, um in Berlin vor dem noch existierenden „Justizministerium der DDR“ einen unbegrenzten Hungerstreik gegen den Justizminister Prof. Wünsche zu beginnen. Wünsche trat sechs Tage später von seinem Amt zurück. Holzapfel hatte kritisiert, dass der Justizminister einer „frei gewählten Regierung“ dieses Amt bereits unter Ulbricht und Honecker inne gehabt habe.

Seinen letzten Hungerstreik führte der nunmehrige Vorsitzende der „Vereinigung 17. Juni 1953“ im Sommer 2005 vor dem heutigen Bundesministerium für Finanzen durch, vor dem im Juni 1953 tausende Arbeiter für „freie Wahlen“ demonstriert hatten. Nach neun Tagen brach der sichtlich Entkräftete seinen Hungerstreik „gegen die Entfernung der Fototafeln an der Fassade des einstigen „Haus der Ministerien“ ab, die dort an den Volksaufstand vom 17. Juni erinnerten. Seine Forderung, den Platz vor dem Ministerium nach dem Volksaufstand zu benennen, wurde erst 2013 nach langen internen Kämpfen umgesetzt.

* Tatjana Sterneberg ist ehemalige Hoheneckerin und Mitglied im Vorstand der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. in Berlin. Der Beitrag erschien zuerst unter „Redaktion Hohenecker Bote“.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.631).

TAG DER OFFENEN TÜR am 1. MÄRZ:
Appell an alle Geschäftsinhaber, Läden, Restaurants und sonstigen Dienstleister:

ÖFFNET Eure TÜREN – FÜR EURE KUNDEN.
ZEIGT EUCH SOLIDARISCH MIT DEN FRISURPFLEGERN UNSERES LANDES –
Diese öffnen ihre Salons ab 1. MÄRZ 2021 –
Gleiches RECHT für ALLE –
Grundrechte sind nicht teilbar.
Vor dem Gesetz sind alle gleich (und nicht manche gleicher).

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin

Berlin, 04.01.2021/cw – Aus technischen Gründen haben wir die redaktionelle Arbeit auf die Seite https://redaktionhoheneckerbote.wordpress.com verlegt. Die dort veröffentlichte Beiträge stehen zwar ausschließlich in der Verantwortung der Redaktion Hoheneck, decken sich aber vielfach mit den Auffassungen der Vereinigung 17. Juni 1953 bzw. geben vielfach Einblicke in die vielfältige Arbeit der Vereinigung.

Wir kümmern uns u.a. um die einzige originäre Gedenkstätte an den Volksaufstand in Berlin-Zehlendorf. – Foto: LyrAg-Press

Wir bedanken uns hier ausdrücklich für das Interesse an dieser Arbeit. Natürlich würden wir uns freuen, wenn aus diesem Interesse der Wunsch entstehen würde, als Mitglied unseren Verein zu unterstützen. Wir sind um so mehr auf diese Unterstützung angewiesen, weil allein aus nachvollziehbaren Gründen unsere Zeitzeugen nach und nach diese Welt verlassen. Die Zukunft unserer Aufgaben ist nur gesichert ist, wenn sich weitere, insbesondere „jüngere“ Menschen diesen Aufgaben verpflichtet wissen.

Das „V“ in der Vereinsfahne stand/ steht für „Victory“ – Sieg (der 1989 endlich errungen wurde) – Foto: LyrAg-Press

Zeigen sie Engagement und Mut. Fordern Sie einfach einen Aufnahmeantrag an: VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V., Pestalozzistsr.26, 10647 Berlin. Vielen Dank!
Darüberhinaus sind wir als „gemeinnützig“ anerkannt und dürfen Ihnen für Ihre finazielle Unterstützung (Spenden) eine entsprechende Quittung für Ihre Steuererklärung ausstellen (bis zu 100,00 € reicht die Vorlage eines Überweisungsbeleges als Nachweis). Unsere Bankverbindung: IBAN: DE27 7009 1600 0000 6329 02 – Ammerseebank – BIC: GENODEF1DSS.

Vorstand VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V., Berlin

Berlin, 02.01.2021/cw – Zumindest die weißen Mauerkreuze am Reichstag sind einen Tag nach Neujahr wieder frei zugänglich. Zwar sind die „offiziellen“ Absperrungen rund um das Brandenburger Tor bis einschließlich Samstag, 02.01. vorgesehen. Aber um 14:00 Uhr konnten vorbeigehende Touristen eine Reihe von Arbeitern sehen, die die Gitter in der Ebertstraße abbauten. Zwar stand ein Kontrollposten an der fragliche Kreuzung noch symbolisch „Wache“, ließ aber bereits Besucher der Mauerkreuze freundlich passieren.

Die Absperrungen wurden heute, 14:10 Uhr, wieder beseitigt – Foto: LyrAg-Press

Die Vereinigung 17. Juni hatte bereits angekündigt, im neuen Jahr Gespräche mit den „zuständigen Stellen“ aufzunehmen, um künftig durch „geeignete Maßnahmen einen möglichst freien Zugang“ zu den um das Brandenburger Tor vorhandenen Gedenk- und Mahnstätten zu sichern.
Der Gedenkort Weiße Kreuze wurde zum 10. Jahrestag des Mauerbaus durch den Berliner Bürgerverein an der Ostseite des Reichstags 1971 an einem Zaun vor der dortigen Mauer errichtet. Von 1961 bis 1990 verlief die Mauer direkt am Ufer, die Wasserfläche befand sich an dieser Stelle auf Ost-Berliner Gebiet. Die Kreuze wurden von dem Verein an einem Zaun vor der Mauer an der Ostseite des Reichstags auf West-Berliner Gebiet montiert. Ursprünglich hatte der Bürger-Verein an jedem Ort entlang der Mauer ein weißes Kreuz aufstellen wollen, an dem ein Mensch bei einem Fluchtversuch ums Leben gekommen war. Die Pflege der über das Stadtgebiet verteilten Kreuze überstieg jedoch die finanziellen und arbeitstechnischen Kapazitäten des Vereins, sodass dieser beschloss, sich auf den Standort am Reichstag und einen in der Bernauer Straße („Straße der Tränen“) im Bezirk Wedding zu konzentrieren.
Nach den erforderlichen Umbauarbeiten am und um den Reichstag wegen desbeschlossenen Umzuges des Deutschen Bundestages nach Berlin (1990) wurden die mittlerweile 15 Kreuze 1995 auf Kosten des Bundes gegenüber der Südseite des Reichstags an einem Zaun des Tiergartens montiert. Trotzdem weihte der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, 2003 anlässlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes von 1953 direkt an der Spree unterhalb des Reichstages eine weitere Gedenkstätte mit sieben Kreuzen ein. Auf diesen sind aus schwer nachvollziehbaren Gründen diesseits und jenseits der dortigen Wassergrenze Namen angebracht, die bereits wenige Meter entfernt auf Kreuzen an der bestehenden Gedenkstätte zu lesen sind. Wolfgang Thierse sagte bei der Einweihung u.a.: Die Mauer-Kreuze erinnern seit 1971 „an alle, die bei solchen Fluchtversuchen ums Leben gekommen sind.“ Diese seien „inzwischen selbst schon ein Stück Berliner und deutscher Geschichte geworden.“
In den 90er Jahren übernahm der ehemalige politische DDR-Gefangene Gustav Rust die „Betreuung“ der Gedenkstätte. Nach dem Tod des Bügervereins-Vorstandes übernahm die Vereinigung 17. Juni 1953 die Patenschaft und beteiligt sich seither aktiv zusammen mit Rust an der Pflege des Gedenkortes.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.600).

Berlin, 19.05.2020/cw – Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat heute den (Berliner) Verfassungsbericht vorgestellt. Brisant: die Berliner Sicherheitsbehörden stufen die Klima- und Anti-Kohle-Aktivisten von „Ende Gelände“ auf Seite 162 des Berichts erstmals als „linksextremistisch“ ein. DER TAGESSPIEGEL: Der Bericht könnte in diesem Jahr selbst zum Politikum geraten.

Offensichtlich bahnt sich hier ein weiterer Konflikt innerhalb der Koalition an. Nach dem Vorab-Bericht des TAGESSPIEGEL (Checkpoint) hat Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) wegen des Berichtes „für die Senatssitzung Gesprächsbedarf angemeldet, genauso die Kulturverwaltung von Klaus Lederer (Linke)“.

Nachdem die Anti-Kohle-Bewegung seit 2015 deutschlandweit Braunkohletagebaue besetzte, hatte der Bundesverfassungsschutz die Bewegung im vergangenen Jahr als „linksextremistisch beeinflusste Kampagne“ bezeichnet. Laut dem Verfassungsschutz bilde insbesondere die Gruppe „Interventionistische Linke“ ein Scharnier zwischen zivilen Protestbündnissen und gewaltbereiten Kräften. Aus diesem Umstand habe das Bündnis eine „hohe strategische Bedeutung“ für die linksextremistische Szene.

GRÜNE schockiert über Einstufung einer linken Gruppierung

Georg Kössler, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, ist „schockiert“ über die Entscheidung der Berliner Behörde: „Dass sowas in einem rot-rot-grünen Land passiert, ist mir ein Rätsel.“ Über die erfolgte oder beabsichtigte Einstufungen sogen. Rechter Gruppierungen in die Extremistische Ecke hingegen sind keine derartigen Schockreaktionen bekannt.

Der schockierte Grünen-Abgeordnete nahm allerdings, seit er Abgeordneter ist, früher selbst an Aktionen der „Ende Gelände“ teil oder begleitet die Proteste als parlamentarischer Beobachter. Auch Bundestagsabgeordnete wie die in diesem Milieu bekannte Ulla Jelpke (Linke), Sven-Christian Kindler oder der Europaabgeordnete Erik Marquard (beide Grüne) unterstützen die nun als linksextrem bewerteten Aktivisten.

Kössler räumt zwar ein, dass es unter den Aktivisten „auch einige Linksextremisten“ gäbe. „Aber die Interventionistische Linke ist auch in vielen Anti-Nazi-Bündnissen aktiv und steht dort zusammen mit CDUlern.“ Nach seiner Meinung sei für die Struktur von „Ende Gelände“ Grüne Jugend und die Linksjugend solid viel wichtiger. Der Abgeordnete: „Die Entscheidung der Sicherheitsbehörden kriminalisiert die Jugendorganisationen von Grünen und Linken.

Vermutlich hat sich Innensenator Andreas Geisel von seinen linken und grünen Amtskollegen ähnliches anhören müssen.

Diese Einwände werden aber für dieses Jahr keine Änderungen an dem Bericht mehr verursachen, denn der Senat hat den Bericht von seinem Innensenator lediglich „zK“ (zur Kenntnisnahme) erhalten.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.541).

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