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Wo sind all die Trauernden,                                                                                                                                                                                                                                         Wo sind sie geblieben?                                                                                                                                                                                                                                                  Wo sind all die Tränen hin,                                                                                                                                                                                                                                         Was ist geschehen?                                                                                                                                                                                                                                                         Wo sind all die Worte hin                                                                                                                                                                                                                                          Nach dem schwarzen Weihnachtsfest?

Die Antwort, mein Freund, weiß wohl nur der Wind,
Die Antwort weiß wohl nur der Wind.

Wie viele Menschen sind heut‘ noch im Leid,
Und würden so gerne frei davon sein?
Wie viele Kinder geh’n seither zur Ruh‘
Und schlafen vor Trauer nicht ein?
Wie viele Tränen fließen heut noch bei Nacht,
Warum konnte es anders nicht sein?

Die Antwort, mein Freund, weiß wohl nur der Wind,
Die Antwort weiß wohl nur der Wind

Wie große Hilfe sprach man hier zu,
Für Familien und Betroffene in Not?
Wie große Worte machte Mancher hier vor Ort?
Und sah nicht den terroristischen Tod?
Wie großes Unheil muß hier noch gescheh’n,
Damit man sich auf Verantwortlichkeit besinnt?

Die Antwort, mein Freund, weiß wohl nur der Wind,
Die Antwort weiß wohl nur der Wind.

Berlin, am 19.Januar 2017 (am Abend von 19:30 – 20:30 Uhr)

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.210).

Eva Herman* zum Tod von Udo Ulfkotte

Udo Ulfkotte ist tot. Einer der mutigsten Journalisten ist von uns gegangen. Er hat sein Leben lang für Wahrheit und Gerechtigkeit gekämpft. Wer an die Karmalehre glaubt, wer auch weiß, wie viel Udo auf Erden auszustehen und auszuhalten hatte, der ahnt, dass sein Weg jetzt leichter werden wird, dort drüben, in der anderen Welt.

Es waren einige Jahre im KOPP-Verlag, die ich mit Udo zusammenarbeitete. Ein großes Vorbild, ein ernsthafter und bis auf die Knochen ehrlicher Mensch. Einer, der nur eines wollte: Aufklären. Einer auch, von dem ich viel lernen durfte.

Seine Artikel waren geschliffen

Udos Aufsätze, Interviews, Artikel und Bücher waren minutiös, bis auf die letzte Redewendung geschliffen, sie waren vor allem akribisch recherchiert. Kann man sich vorstellen, dass jemand sein halbes Leben lang derart politisch Unkorrektes von sich gab in Schrift und Ton, doch niemand aus dem ganzen Mainstream-Gefüge ihm an die Karre fahren konnte, weder inhaltlich noch juristisch?

Ach, wie gerne hätten sie ihn über die Klinge springen lassen, sie haben nur darauf gewartet, ihm einen Fehler nachweisen zu können. Ein einziges Mal, vor vielen Jahren, hatte man einen kleinen Aufhänger gefunden – welch ein Affentheater dann folgte… Unvorstellbar.

Udo Ulfkotte hatte sich den Hass seiner Gegner erarbeitet, indem er ihnen immer wieder mutig den Spiegel vorhielt. Mit nahezu dem ganzen Mainstream lag er über Kreuz, er war der erste gewesen, der mit den »Qualitätsjournalisten« hart ins Gericht ging, sie zahlreicher Unwahrheiten überführte, sie mahnte und zu Aufrichtigkeit und journalistischer Sorgfalt aufforderte. Manches Mal dachte ich, er übertreibe ein wenig, bis ich immer wieder erkennen musste, wie richtig Udo mit seinen Analysen lag. Er war eben immer schon mindestens ein, zwei, drei Schritte weiter. Manchmal auch zehn.

Eine Zeitlang zum Islam konvertiert

Udo hatte vor Jahrzehnten angefangen, zu warnen: vor der Islamisierung Deutschlands und Europas. Denn Udo kannte den Islam gut. Nicht nur, dass er als FAZ-Journalist viele Jahre in arabischen Ländern gearbeitet hatte, nein, für eine Zeitlang war Udo Ulfkotte selbst zum Islam konvertiert. Er kannte die Religion gut. So gut, dass ihm klar war, wie schwierig diese mit dem Christentum kooperieren kann. Immer wieder verwies er auf die verschiedenen Koran-Suren, woraus deutlich wird, dass ein Nebeneinander, oder gar ein Miteinander schon deswegen nicht möglich ist, weil der Islam eine Zusammenarbeit mit anderen Religionen nicht vorsieht.

Stets wiederholte Udo Ulfkotte, dass nicht den islamischen Zuwanderern sein Vorwurf gelte, sondern unserem politischen System, welches schon vor Jahrzehnten die Grenzen weit geöffnet und damit die Gefahren von Parallelgesellschaften vorsätzlich in Kauf genommen hatte. Ich selber erlebte, wie Udo in Not geratenen Migranten half. Einmal rief er mich an und bat mich, mich mit um eine in Deutschland lebende Frau aus der muslimischen Welt zu kümmern, die innerhalb ihrer Familie schwer unter Druck geraten war. Solche Menschen wandten sich nicht selten an Udo, da sie wussten, wie gut er sich in ihren Gesetzen auskannte.

Es trieb ihn, zu warnen und zu mahnen

Udo hatte keine Kinder, und doch dachte er immer nur daran, dass unserer aller Kinder eines Tages vor dem Nichts stehen werden, angesichts eines ausgehöhlten und zerstörten Sozial-und Wertesystems. Es trieb ihn förmlich, zu warnen, zu mahnen, uns alle zu schütteln, damit wir endlich die Augen aufbekommen und erkennen mögen, was hier um uns herum und mit uns geschieht. Sein klarer Blick war immer schon um Längen voraus fokussiert, während andere »Aufklärer« nicht selten mühsam hinterher keuchten.

Udo war absolut faktensicher, seine Informationen waren auf seiner inneren Festplatte gespeichert, er konnte sie wohl auch im Schlaf abrufen. Wenn ich mir unsicher war bei mancher Recherche, so musste ich nur Udo fragen, er wusste die Antwort, oder wenigstens eine Quelle oder Ansprechperson, die Antwort geben konnte.

Wer sich Berichterstattung der Mainstreamer über Udos Ableben durchliest, die Nachrufe über den »umstrittenen«, »rechtspopulistischen« Journalisten Udo Ulfkotte sieht, den muss Übelkeit befallen. Nicht einmal jetzt sind sie in der Lage, mit ihrer elenden und armseligen Stänkerei aufzuhören. Sie, die wir u.a. als die wahren Zerstörer unseres christlich-abendländischen Wertesystems bezeichnen dürfen, besitzen auch jetzt keine Größe: wie auch? Wo nichts ist, da kann man auch nichts erwarten.

»Wenn ich Kinder hätte, würde ich diese Arbeit nicht machen können«, hatte Udo einmal in einem fast zweistündigen Interview gesagt, welches ich mit ihm für den KOPP-Verlag geführt hatte. Der Druck, den man auf sie ausüben würde, wäre unerträglich, in ihrem Alltagsleben, in der Schule. Das würde er niemals aushalten können.

Einer der besten Journalisten Deutschlands

Udo und seine Frau hatten dafür viele Tiere, meist Tierschutzfälle, solche Lebewesen also, die andere Leute ausgestoßen oder sogar vorsätzlich verletzt hatten. Mit welcher Hingabe und Liebe die beiden diese oft pflegten, wie sie Entenflügel schienten, Wunden von Vierbeiner versorgten, regelmäßig hohe Tierarztrechnungen bezahlten, kann sich sicher kaum jemand vorstellen. Seine knapp bemessene Freizeit schenkte Udo seinen Tieren, dem Wohl jener Lebewesen, die von vielen gedankenlosen Leuten schwer geschädigt und gequält worden waren. Sein Verstand war zwar stets hart in der Sache, doch Udos Herz war weich wie Butter.

Wir verlieren einen der besten Journalisten Deutschlands, und einen empfindsamen und grundguten Menschen. Wir sollten niemals vergessen: Udo Ulfkotte hat viel für uns alle getan. Alle seine Bücher werden historische Dokumente der Zukunft sein, sie werden Zeugnis abgeben für den Wahnsinn, den wir hier gerade erleben, und von dem doch immer noch nur wenige wissen wollen.

Und wenn ich mich nicht irre, wird Udo Ulfkotte eines Tages ein Volksheld sein und die Kinder in der Schule werden seinen Namen kennen. Doch bis dahin müssen wir wohl noch viele unwegsame Pfade gehen, und es wird noch richtig dicke für uns alle kommen, während wir immer öfter daran denken müssen, wie recht Udo doch hatte.

Lieber Udo, ich wünsche Dir von Herzen hilfreiche Hände drüben, in der anderen Welt, die Dich liebevoll die Wege nach oben, ins helle Licht, geleiten mögen. Danke für alles!!!

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Nachtrag: Soeben sehe ich, dass es tatsächlich Mainstream-Journalistinnen (von Spiegel und ARD) gibt, die sich über den Tod Udo Ulfkottes lustig machen. Es gibt kaum etwas Widerlicheres!

Meine Gedanken sind bei der Witwe des verstorbenen Kollegen.

Redaktionelle Anmerkung:
Udo Konstantin Ulfkotte (* 20. Januar 1960 in Lippstadt; † 13. Januar 2017) war ein deutscher Journalist und Publizist. Von 1986 bis 2003 war er politischer Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Seit Ende der 1990er Jahre schrieb er mehrere Bestseller. Zuletzt publizierte er ausnahmslos beim Kopp Verlag.
* Die Autorin Eva Herman (bürgerlicher Name: Eva Bischoff; * 9. November 1958 in Emden als Eva Feldker) ist eine deutsche Autorin und ehemalige Fernsehmoderatorin. Sie war von 1989 bis 2006 Nachrichtensprecherin der Tagesschau und moderierte bis September 2007 verschiedene Fernsehsendungen für den Norddeutschen Rundfunk (NDR). Einige ihrer Aussagen in Büchern und Medien zum Selbstverständnis von Frauen, über Geschlechterrollen und Familienpolitik führten ab 2006 zu öffentlichen Kontroversen und 2007 zur Beendigung der Zusammenarbeit durch die ARD-Anstalt NDR. Die Reaktion veröffentlicht vorstehenden Artikel im Sinne der Informations- und Meinungsvielfalt. Der Beitrag stellt ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin dar. (Zwischenüberschriften und Hervorhebungen durch die Redaktion).

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Berlin, 27.12.2016/cw – Renate Weiß, enge Freundin der vor fast zehn Jahren verstorbenen und unvergessenen einstigen Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Sachsenhausen 1945-1950, Gisela Gneist, ist tot. Die Teilnehmerin am Volksaufstand vom 17. Juni 1953 starb bereits am 8. Oktober diesen Jahres. Durch eine „bedauerliche Kommunikationspanne“, so die Familie, erfuhr die Vereinigung 17. Juni erst über Weihnachten von dem Tod der hochgeschätzten Kameradin.

 Renate Weiß Teiln. am Volksaufstand 23.04.1928 - 08.10.2016 Foto: LyrAg

Renate Weiß, Teilnehmerin
am Volksaufstand von 1953
Foto: LyrAg

Renate war fünf Jahre alt, als Hitler die Macht im Deutschen Reich übernahm (als „Machtergreifung“ in die Geschichte eingegangen). Fünf Jahre später tobte der SA-Mob durch die Straßen. Die damals Zehnjährige erinnert sich an die „Reichskristallnacht“: „Gegenüber dem Rathaus Pankow gab es ein Geschäft, Benno Falk, da wurden die Scheiben eingeschmissen.“ Zu der Zeit besuchte sie die Schule in der Pankstraße. Zum Beginn des Krieges wurde Renate Weiß nach Schlesien verschickt, besuchte in Liegnitz bei Breslau die Schule, mußte auf einem Bauernhof arbeiten. Dort lernte sie erstmals französische Kriegsgefangene kennen. In dieser Zeit entwickelte das junge Mädchen ihren kritischen Geist, der sie ein Leben lang begleitete. Die Unruhen des Krieges wirkten sich auch auf ihr Leben aus. 1941 zurück in Berlin mußte sie bereits 1942-1943 wieder „verreisen“, diesmal ins Riesengebirge, wo sie die Schule abschloss. „Wir bekamen an diesem Tag Hitlers „Mein Kampf“, erinnerte sich Weiß später, wußte aber nicht mehr, was sie mit dem Staats-Geschenk gemacht hat: „Gelesen habe ich darin nicht.“

Zurück im inzwischen zerbombten Berlin folgten 1945 anstrengende „Hamsterfahrten“ ins Berliner Umland. „Die Jungen empfanden dies vielfach auch als tägliches Abenteuer, während ich dies eher als Ausdruck des totalen Zusammenbruchs eines Staates empfand.“ Von 1946 – 1947 arbeitete die junge Frau im Haushalt eines Steuerberaters und begann 1947 eine     gärtnerische Ausbildung in Niederschönhausen und Heinersdorf: „Pflanzen führen keine Kriege und erfreuen den Liebhaber von Blumen in ihrer überwältigenden Vielfalt mit überwältigender Blüte und Schönheit,“ geriet die nunmehr alte Dame noch nachträglich ins Schwärmen über ihre Berufswahl, die sie nie bereut hat.

Auf dem Friedhof Seestraße 2013 : Bundespräsident Joachim Gauck, Edith Fiedler und Renate Weiß - Foto: LyrAg

Auf dem Friedhof Seestraße 2013 : Bundespräsident Joachim Gauck, Edith Fiedler und Renate Weiß – Foto: LyrAg

Dann kam der 17. Juni 1953. Die Normen für die abzuleistende Arbeit waren erhöht worden, der Unmut darüber wurde zur Empörung über den Staat. Auch die schnelle Stornierung dieser Maßnahme nutze nichts mehr. Der Widerruf erreichte die Arbeiter nicht mehr oder konnte die vielfach begonnenen Streiks nicht mehr verhindern. „Meine Chefin ermunterte mich, dem Demonstrationszug nach Berlin-Mitte zu folgen, was ich dann, freilich auch mit klopfendem Herzen, tat,“ erinnerte sich Weiß an die „wohl wichtigsten Tage“ ihres Lebens.

Der Demonstrationszug ging zum Stammsitz ihrer Gärtnerei in der Greifswalder Straße. In Mitte war ein MG drohend auf die dortige SED-Parteizentrale gerichtet. Akten flogen aus dem Fenster. Am Königstor (Moll-/Torstraße) brannte vor dem dortigen Revier ein Polizeiauto. Zwei russische Mannschaftswagen waren aufgefahren, die Soldaten standen zu dieser Zeit „Gewehr bei Fuß“. Weiß: „Wir wurden zu diesem Zeitpunkt nicht beachtet. Später flogen dann Pflastersteine auf die Russen. Als diese ihre Bajonette aufpflanzten, wichen wir zurück.“ Als am Nachmittag Panzer auffuhren, lief Renate Weiß mit ihren Kollegen wieder zurück nach Pankow. „Dort haben wir bis in den späten Abend an einem Kiosk am Bahnhof Wollankstraße, der dicht an der Grenze zu Westberlin lag, Bierchen getrunken und heiße Debatten um das Geschehen geführt,“ erinnerte sich Weiß.

Ein Rosenstrauß als später Gruß: Die letzte Ruhestätte von Renate Weiß - Foto: Lyrag 29.12.16

Ein Rosenstrauß als später Gruß: Die letzte Ruhestätte von Renate Weiß – Foto: Lyrag 29.12.16

Der niedergeschlagene Aufstand hatte der Gärtnerin die Augen geöffnet. Nach ihrer Ausbildung hatte sie zunächst versucht, sich 1952 in ihrem Beruf selbstständig zu machen, was in der damaligen SbZ nicht möglich war. 1955 gab sie ihr bisheriges Domizil auf, verließ Pankow und die „DDR“ und zog zunächst nach Bremen, bis sie 1958 nach Hamburg zog, wo sie dann ihre Tätigkeit als Blumenbinderin aufgab und in die Büroarbeit einstieg. Sie brachte es bis zur Chefsekretärin. In der Hansestadt an der Elbe lernte sie auch Gisela Gneist kennen, mit der sie bis zu deren Tod 2007 eine herzliche und enge Freundschaft verband.

Nach dem Fall der Mauer kehrte Renate Weiß in ihr geliebtes und nie aus dem Herzen verlorenes Pankow zurück. Nach ihrem Ruhestand besuchte sie Schulen, um vielen jungen Menschen über die Ereignisse um den damaligen Volksaufstand zu berichten. Zum 60. Jahrestag sagte sie spontan zu, als Zeitzeugin in einem Restaurant in Charlottenburg aufzutreten. Schon körperlich gezeichnet, beeindruckte sie mit Geist und Anekdoten über den 17. Juni und ihr Leben die leider sehr wenigen Besucher.

In diesem Jahr, 2016, mußte sie schließlich ihre Teilnahme am Staatsakt auf dem Friedhof Seestraße, der ihr seit Jahren sehr wichtig war, aus gesundheitlichen Gründen absagen. Im Juli verließ sie ihr liebgewordenes Domizil in einem Senioren-Stift, in dem sie eine abgeschlossene Wohnung bewohnte, und zog in ein Pflegheim nach Pankow um. Am 8. Oktober folgte Renate Weiß ihrer Freundin Gisela nach und gelangte zur letzten Ruhe auf dem Friedhof Buchholzer Straße. Wir werden die kleine, körperlich bereits gebeugte aber im Geiste ungebeugte Frau nicht vergessen.

Über Renate Weiß gibt es einige Sequenzen aus dem „Gedächtnis der Nation“, zum Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=bOTJqarpovc oder https://www.youtube.com/watch?v=3XRewuGgc8Y.

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.197).

Von Horst Schüler*

Am 19. Oktober 2016 ist Bernhard Schulz in Vaihingen, nahe Stuttgart verstorben. Der 1926 im schlesischen Lauban geborene Schulz gehörte zu den wenigen noch lebenden Deutschen des Lagers 10, 29. Schacht, der Gulag-Strafregion Workuta.

Am 4.9.1947 war er mit seiner späteren Frau Edith „Ditha“ in Potsdam verhaftet und beide nach über 2 Jahren Haft in Dresden zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt worden. Beide kamen nach Workuta. Als am 1. August 1953 im Lager 10 der Aufstand der Häftlinge blutig niedergeschlagen wurde – 64 Tote – zählte Bernhard Schulz zu den vielen hundert schwer Verwundeten.

Im Oktober 1955 wurde er in die BRD entlassen. Für seine lange Haftzeit wurde Bernhard Schulz im Jahr 1996 von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitiert. Wir trauern wieder um einen guten Kameraden.

* Der Autor (92) ist Vorsitzender der Lagergemeinschaft Workuta und Ehrenvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)

V.i.S.d.P.: Lagergemeinschaft Workuta – http://www.workuta.de/aktuelles/index.html

Moskau:                                                                                       Namen der Stalin-Opfer wurden öffentlich verlesen

Von Jekaterina Sineltschtschikowa

Moskau, 1.11.2016 – Am 29. Oktober trafen sich viele Moskauer am Solowezki-Stein, dem Hauptdenkmal für die Stalin-Opfer, und verlasen die Namen der Ermordeten. Viele ehrten so ihre verstorbenen Verwandten, andere wollten ein politisches Zeichen setzen. Alle aber vereint die Hoffnung, dass so die gesellschaftliche Rehabilitierung Stalins gestoppt werden kann.

Vorname, Nachname, Alter, Beruf und Datum der Erschießung: Im Zentrum Moskaus lasen Menschen zwölf Stunden lang die Namen der Opfer der Stalin-Diktatur vor. Die Veranstaltung „Return of the Names“ findet nun seit zehn Jahren jährlich am 29. Oktober statt. Freiwillige lesen dabei die Namen all jener vor, die in der Zeit der Stalinschen Säuberungen zwischen dem Ende der 1920er-Jahre und dem Beginn der 1950er-Jahre heimlich erschossen wurden. So möchten russische Bürger das Andenken an Tausende von sowjetischen Ingenieuren, Ärzten, Lehrern und Arbeitern bewahren, die aus ihren Wohnungen verschleppt wurden und für immer verschwanden.

„Der totalitäre Staat hat nicht nur Menschen umgebracht. Er versuchte, ihre Namen aus der Geschichte zu streichen und jegliche Erinnerung an sie zu löschen. Die Rückkehr der Namen, die Rückkehr des Andenkens an die Belogenen und die Ermordeten – das ist unsere Meinung zur Diktatur und unser Schritt zur Freiheit“, so die Organisatoren der Bewegung von der internationalen Menschenrechtsorganisation „Memorial“ in einem Statement.

Mehr als 40 000 Namen stehen auf der Liste, bisher konnten jedoch nur etwa die Hälfte verlesen werden. Jedes Jahr im Vorfeld des offiziellen Gedenktages versammeln sich Menschen am Solowezki-Stein, dem Hauptdenkmal für die Stalin-Opfer. Es befindet sich auf dem Lubjanka-Platz, vor dem Hauptsymbol der Repressionen, dem Gebäude für Staatsicherheit, in dem sich heute das FSB-Hauptquartier befindet. Sie stehen zwei bis vier Stunden an, um am Mikrofon Namen vorlesen zu können.

„Die weltweit sinnvollste Schlange“

In diesem Jahr konnten mehr Teilnehmer verzeichnet werden als im vergangenen Jahr. Die Menschen stehen eine lange Zeit in Stille und lesen dann die von den Organisatoren verteilten Namen. Danach gehen sie, um im nächsten Jahr wiederzukehren.

Ende Oktober liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die Teilnehmer stört das nicht: Sie ziehen sich einfach wärmer an. Die Warteschlange bezeichnen sie als die „weltweit sinnvollste“.

„In der Schlange sagte eine schwangere Frau, dass sie entweder erstarren oder gleich hier gebären würde. Am gruseligsten klingen Namen und Daten der Erschießung, wenn sie von Kindern vorgelesen werden“, schreibt Marina Dedales, eine der Teilnehmerinnen.

Ein anderer Teilnehmer, Michail Danilow, erinnert sich, wie er als Kind mit seinen Eltern ein Ferienzentrum bei Schtscherbinka, einem Außenbezirk Moskaus, besuchte. „Wir sind in einem kleinen See schwimmen gegangen. Damals wussten wir nicht, dass sich in nur wenigen Hundert Metern auf dem Butowo-Poligon zugeschüttete Gräben mit Tausenden von erschossenen Menschen befanden.“

Gulags bekommen wieder Aufmerksamkeit

Der Gulag als System der Lagerhaftanstalt habe keinen Weg in die neue postsowjetische Identität gefunden, schreibt der Journalist Oleg Kaschin. „Russland der 1990er- und 2000er-Jahre experimentierte mit „Einwilligung und Versöhnung“. Es entstand eine neue nationale Identität, die auf dem Großen Vaterländischen Krieg von 1941 bis 1945 basiert. Mit dem Gulag wollte man einschüchtern, jedoch nur im kommunistischen Kontext – die „Roten“ durften nicht wieder an die Macht kommen. Es galt als uninteressant, darüber nachzudenken und es gar zu beweinen.“

Das Thema Gulag ist heute aber wieder aktuell. Die Zahl der politischen Gefangenen in Russland habe sich 2016 laut Angaben von „Memorial“ verdoppelt. Auch wenn die absolute Zahl mit „nur“ 100 Menschen mit Stalins Herrschaft nicht vergleichbar sei.

Laut Teilnehmerin Jekaterina Mamontowa ziehe es immer mehr Menschen zum Solowezki-Stein, da der politische Druck erhöht werde, der Tyrann Stalin Denkmäler erhalte und seine Verbrechen mit der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt würden. „Man muss nicht weit gehen. Ich habe erst im letzten Jahr verstanden, wie wichtig es ist, heute hinzugehen. Das ist nicht nur eine Aktion des Ausdrucks der Trauer, sondern ein Bürgerprotest gegen die Rehabilitierung Stalins“, sagt die junge Frau.

„Diejenigen, die hier herkommen, glauben, dass es ohne öffentliche Reue für die Verbrechen des sowjetischen Regimes für Russland keine Zukunft geben kann. Für manche ist eine Zeile in der „Memorial“-Liste das einzige, was von ihren Urgroßvätern übrig ist“, sagt Igor Kononko, der an einer ähnlichen Aktion in London teilnimmt. „Im Jahr 2014 kam ich das erste Mal zu „Return of the Names“. Auf dem Weg habe ich die Listen gelesen und fand meinen Urgroßvater Nikolai. Ich weiß nicht, wie ich die Zeilen in einen Menschen umwandeln soll.“

V.i.S.d.P.: RUSSIA BEYOUND THE HEADLINES –

http://de.rbth.com/gesellschaft/2016/11/01/moskau-namen-der-stalin-opfer-werden-offentlichverlesen_644189

 

Lemgow/Schwerin, 30.08.2016/cw – „Er war ein unermüdlicher Aufklärer und Zeitzeuge für die Aufarbeitung der kommunistischen Gewaltherrschaft,“ würdigte Anne Drescher, die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, in einem Nachruf den am 28. August in Lemgow verstorbenen einstigen Workutaner Hans-Jürgen Jennerjahn. Jennerjahn wurde 87 Jahre alt.

Noch im Juni diesen Jahres hatte er in Schwerin mit bewegenden Worten auf der Jahrestagung der Lagergemeinschaft Workuta/GULag an die Unterdrückung durch die sowjetische Besatzungsmacht und die SED-Diktatur erinnert und mit seinen einstigen Haftkameraden gegen das Lenin-Denkmal im Schweriner Neubaugebiet Mueßer Holz protestiert. Das dortige Lenin-Denkmal ist mutmaßlich das einzig verbliebene Lenin-Denkmal außerhalb Russlands, was allein ein Skandal an sich darstellt.

Jennerjahn wurde am 8. Oktober 1928 in Schwerin geboren. Nach der Verhaftung seines Parteifreundes Arno Esch trat der seinerzeitige Jugendreferent der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) im Oktober 1949, kurz nach Gründung der DDR, aus der Partei aus und engagierte sich zusammen mit Freunden im Widerstand gegen das kommunistische System. Ein dreiviertel Jahr später, im Juli 1950, wurde der 22jährige von der DDR-Staatssicherheit verhaftet und den sowjetischen Genossen im NKWD übergeben. Nur drei Monate später, am 19. Oktober 1950, wurde Jennerjahn zusammen mit elf weiteren Angeklagten durch ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) in Schwerin wegen „antisowjetischer Propaganda und illegaler Gruppenbildung“ zu zweimal 25 Jahren Strafarbeitslager verurteilt. Die zu 25 Jahren zusammengezogene Strafe verbüßte er im Zwangsarbeitslager Workuta nördlich des Polarkreises unter den bekannten harten und menschenunwürdigen Bedingungen in einem Kohlebergwerk. Erst 1953 erfuhren seine Angehörigen durch Heimkehrer von Jennerjahns Schicksal.

Im Zuge der berühmt gewordenen Bemühungen Konrad Adenauers um die Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen wurde auch Jennerjahn am 15. Oktober 1955 entlassen, floh aber sofort über Westberlin nach Hamburg, wo er zunächst in seinem Beruf als Kaufmann und später bis zu seiner Pensionierung als Steuerinspektor beim Finanzamt arbeitete. Von der Militärstaatsanwaltschaft in Moskau wurde er erst nach der Wiedervereinigung am 26. Juni 1996 rehabilitiert.

Bereits 1956 gründete der durch die Haft in Workuta ungebrochene einstige Widerstandskämpfer einen Ortsverband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen. Bis zu seinem Tod engagierte sich Hans-Jürgen Jennerjahn zusätzlich in der Lagergemeinschaft Workuta/GULag, die nun mit seiner Familie, seinen Freunden und Weggefährten um einen Patrioten trauert.

Die Beisetzung findet am 3. September 2016 um 12:30 Uhr in der Hohen Kirche in Lemgow statt ( Dorfstr.47, 29485 Lemgow/Simander).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.148)

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