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Von Heike Eichenmüller*

Berlin, 20.Juli 2019 – Vor 30 Jahren, am 13. August 1989, legte sich der Mauerdemonstrant Carl-Wolfgang Holzapfel (45) über die „Weiße Linie“ am berühmten Checkpoint Charlie in Berlin. Drei Stunden dauerte diese als „Lebendige Brücke“ bezeichnete Demonstration, weil sich US-Amerikaner und Sowjets erst über die Zuständigkeit einigen mussten. Holzapfel lag zur Hälfte („Mit Kopf und Herz“) im Sowjetischen Sektor und („Mit Beine und Füßen“) im US-Amerikanischen Sektor.

„Was strengt ihr euch so an? Den 30. Jahrestag erlebt ihr sowieso nicht mehr!“ rief Holzapfel den aufmarschierten Vopos zu.               Foto: Archiv cwh

30 Jahre später möchte Carl-Wolfgang Holzapfel zum „Abschied aus seiner aktiven Laufbahn“ ein weiteres Zeichen setzen: Der Mauerdemonstrant wird am 12.August ab 11.00 Uhr am ehem. Checkpoint Charlie die Aktion „Lebendige Brücke“ wiederholen.

Zu seiner damaligen Demo am 28. Jahrestag des Mauerbaus vor 30 Jahren hatte Holzapfel die „Lebendige Brücke“ zwischen Ost und West so erklärt: Er werde sich so auf den Grenzstrich legen, dass sein Oberkörper in den Ostteil, der Unterkörper in den Westteil der Stadt hineinreiche. Der „weiße Grenzstrich“ werde durch entsprechende Kennzeichnung über seinen Körper laufen und auch diesen scheinbar teilen. Scheinbar, weil Jedermann, der dieser Demonstration zuschaue, sich davon überzeugen könne, daß sein Körper trotz der augenscheinlichen Trennung a1s Ganzes erhalten bleibe. Solcherart werde demonstriert, das Berlin, das Deutschland in Wirklichkeit ein Ganzes geblieben sei, auch wenn durch diese Grenzlinie der Anschein besteht, a1s sei „dieses Ganze geteilt“.

Hungerstreik im März 1963 nahe dem Checkpoint Charlie am Mahnmal für Peter Fechter – Foto: Archiv cwh

Brust und Kopf im Ostteil sollten belegen, dass die Deutschen in Ost-Berlin und der DDR mit Kopf und Herz in ihrer unmittelbaren Heimat verwurzelt sind, „aber sich durch staatsterroristische Willkür veranlasst sehen, aus ihrer unmittelbaren Heimat zu flüchten“. Die Beine und Füße im Westen sollten das verbürgte Menschenrecht symbolisieren, selbst über sein Ziel entscheiden und dahin gehen zu können, wohin man wolle.

Nachdem sich die Alliierten über die Zuständigkeiten geeinigt hatten, wurde der Demonstrant auf Anweisung der Amerikaner von der West-Berliner Polizei von dem Grenzstrich „entfernt“ und in einem Polizeifahrzeug zur nächsten Inspektion gefahren. Ein noch am selben Tag beantragter Haftbefehl „zur Vermeidung weiterer Demonstrationen am Checkpoint Charlie“ wurde von der diensthabenden Richterin abgelehnt.

Am 18.10.1965 wurde Holzapfel am Checkpoint Charlie verhaftet und am 7.April 1966 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. – Foto: Archiv cwh

„Lasst uns wieder Brücken bauen“

Holzapfel erklärt zu der geplanten Aktion zum 30. Jahrestag:

Mich beunruhigt die sich verstärkende Auseinandersetzung und vielfach provokante Gegensätzlichkeit zwischen Ost und West. Wir sollten uns gerade im 30. Jahr des Mauerfalls daran erinnern, dass wir über Jahrzehnte hinweg die historische Brückenfunktion zwischen beiden Teilen unseres Landes bewahrt  und verteidigt haben. Diese Brückenfunktion verhalf uns schließlich über ein unvergessenes Meer von Tränen, schweren Schicksalsschlägen, die vielfach Leib und Leben forderten, die vielfach als unüberwindlich geltende Mauer aus Beton und Stacheldraht zu überwinden. Der schließliche Fall der Mauer war ein Ergebnis dieses Zusammenhaltes, des gemeinsamen Kampfes von Menschen in Ost und West. Lasst uns diese Brückenfunktion wieder beleben. Lasst uns gemeinsam gegen die unsägliche Belebung überwunden geglaubter Gegensätze aus einem geteilten Land antreten. Wir sollten das WIR an die Stelle oft hasserfüllter „Die-da-drüben-Sätze“ oder „Ossis und Wessis“ stellen. Lasst uns wieder Brücken bauen. Lebendige Brücken, damit wir nicht an den toten Floskeln einer untergegangenen Zeit ersticken und neue Mauern errichten oder gar verteidigen. Wir – unser Land – haben Besseres verdient!“

(Siehe dazu auch: https://mauerdemonstrant.wordpress.com/?p=448&preview=true).

Am 14.11.1964 wurde Holzapfel bei seiner 1. Demonstration für die Freilassung politischer Häftlinge noch von einem Grenzoffizier der DDR abgewiesen (Heinrich-Heine-Straße).                 Foto: Archiv cwh

Der Mann vom Checkpoint Charlie

Der heute 75jährige ehemalige       Mauerdemonstrant Holzapfel wurde 1944 geboren und wuchs im geteilten Berlin auf. Schön sehr früh interessierte er sich für die jüngste Geschichte, besonders für den Widerstand gegen das NS-Regime durch Stauffenberg & Co. Für ihn stand das „Nie wieder“ damit schon sehr früh fest. Seine Eindrücke vom Volksaufstand in Ungarn (1956) politisierten den damals 12jährigen. Mit 14 Jahren schrieb er ein 60 Artikel umfassendes Deutschland-Papier, in dem er die Lösung der deutschen Frage unter internationaler Beteiligung beschrieb.
Nach dem Mauerbau demonstrierte Holzapfel „wie kein Anderer“ (so seinerzeit der Begründer des Mauermuseums, Rainer Hildebrandt) permanent bis zum Fall der Mauer gegen dieses „Bauwerk der Unmenschlichkeit“. 1963 trat er der Vereinigung 17. Juni 1953 bei, deren Vorsitzender er von 2002 bis 2019 war. Der heutige Ehrenvorsitzende der Vereinigung wurde nach mehreren Hungerstreiks an der Mauer, so 1963 am Kreuz für Peter Fechter nahe dem Checkpoint, am 18. Oktober 1965 anlässlich einer (dritten) Demonstration „für den Fluchthelfer Harry Seidel und die Freilassung von 14.000 politischen Gefangenen in der SbZ“ (Sowjetisch besetzte Zone) am Checkpoint Charlie verhaftet und 1966 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Auch Bundeskanzler Ludwig Ehrhardt unterschrieb seinerzeit am 1. Mai 1966 in Berlin eine Petition zur Freilassung des Mauer-Demonstranten.

Bei der Demonstration für die Freilassung von Nico Hübner am Grenzübergang „Heinrich-Heine-Straße“ im Sommer 1978 konnte Holzapfel sogar den Grenzbereich betreten. Er wurde nach zwei Stunden abgewiesen.                 Foto: Archiv cwh

Nach seinem Freikauf durch die Bundesregierung setzte der Mauerdemonstrant unbeirrt seine Proteste gegen die Mauer fort, so 1978 für den Ost-Berliner Wehrdienstverweigerer Nico Hübner am Grenzübergang Heinrich-Heine-Strasse oder am 13. August 1986 am Checkpoint Charlie („Blumen für Vopos“). Er folgte damit einem Schwur, den er 1961 vor der zugemauerten Versöhnungskirche als 17jähriger abgelegt hatte: Nicht zu ruhen und zu rasten, bis dieses Bauwerk der Unmenschlichkeit fallen wird oder er selbst nicht mehr lebe.

Nachdem er aufmerksam die besonders 1989 vermerkten Unruhen in der DDR verfolgt hatte, wollte er zum 28. Jahrestag des Mauerbaus „ein Zeichen der Verbundenheit und Ermutigung“ für die Menschen in der DDR geben und entschloss sich zu der viel beachteten Demonstration „Lebendige Brücke“ am 13. August 1989 (siehe „Der Mann vom Checkpoint Charlie“, https://www.youtube.com/watch?v=Dtzixl1KRNU).

* Die Autorin (51) ist seit dem 17.Juni 2019 Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.436).

Deutsche Welle – 5.02.2018:

Deutschland                                                                                                                                     Ebenso lange außer Betrieb wie im Dienst: die Berliner Mauer

Vor exakt 28 Jahren, zwei Monaten und 27 Tagen fiel die Mauer – das ist genau der Zeitraum, den sie auch stand. Immer wieder wurde versucht, sie zu überwinden. Ein Fluchthelfer erinnert sich.

von Rachel Stewart aus Berlin

Weiterlesen unter: http://www.dw.com/de/berliner-mauer-ein-ungew%C3%B6hnliches-jubil%C3%A4um/a-42446709                                                                                                            und weitere Beiträge DW unter:

http://www.dw.com/de/der-zirkeltag-der-berliner-mauer/av-42460733

Audio und Video zum Thema                                                                                                           Gespräch mit Maueraktivist und Tunnelbauer Carl-Wolfgang Holzapfel

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ALJASEERA                                                                                                                                                                                                                            5.02.2018

Leben mit und ohne Berliner Mauer

https://www.youtube.com/watch?v=kNyYypzns3E&feature=youtu.be   ore/oder:

https://mail.google.com/mail/u/0/#inbox/161609c429d49d62?projector=1

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artejournal                                                                                                                                                                                                                                           5.02.2018

Berlin: Relikte der Mauer

https://www.arte.tv/de/videos/080993-000-A/berlin-relikte-der-mauer/

Zusammenstellung: Redaktion Hoheneck, Berlin

Die Kreuze am Reichstag am 13.August 2017 …
Foto: LyrAg

Berlin, 13.08.2017/cw – Die Vereinigung 17. Juni 1953 brachte am Vorabend des Jahrestages an den Mauerkreuzen neben dem Reichstag Rosen zum Gedenken an die Opfer von Mauer und Stacheldraht an. „Mit der regelmäßigen Pflege dieser historisch gewordenen Gedenkstätte nahe dem Deutschen Bundestag kommen wir unser Pflicht nach, den Lastenträgern der Spaltung Deutschlands ein ewiges Erinnern zu bewahren,“ sagte der Vorstandssprecher Carl-Wolfgang Holzapfel anläßlich der zeitgleich erfolgten  Kranzniederlegung. „Den Toten der Mauer blieb das hehre Ziel der Wiedervereinigung vorenthalten. Aber die tausenden politischen Gefangenen, auch sie Lastenträger der Teilung, durften den Tag des Zusammenbruchs der Zweiten Deutschen Diktatur erleben. Sie tragen das verpflichtende Erbe der Menschen, die ihre Hoffnung und ihr Leben im Todestreifen der Diktatur lassen mußten.“

„Eure Leiden- unsere Verpflichtung.“ Im Bild: Die ehem. Hoheneckerin T. Sterneberg – Foto: LyrAg

Holzapfel mahnte die Politik, diese Tatsachen nicht zu vergessen und ihre üblichen Sonntagsreden aus Anlass solcher Gedenktage in die Praxis umzusetzen. Es sei unerträglich, wenn die Opfer eines unmenschlichen Systems 28 Jahre nach dem Fall der Mauer durch die aktuelle Politik nunmehr auch zu „Lastenträgern der Einheit“ degradiert würden, weil man diesen elementare Pflichten unseres Staates verweigere.

Gedenken…
Foto: LyrAg

Die Rückbürgerung einstiger Staatsbürger der (alten) Bundesrepublik zu DDR-Bürgern in falscher Auslegung des Rentenüberleitungsgesetzes (RÜG) aus rein fiskalischen Gründen oder die verschämt als „Soziale Zuwendung“ bezeichnete Entschädigung für durchlittene und rechtswidrige Leiden seien Beispiel eines beschämenden Umgangs mit Menschen, deren Widerständigkeit letzlich die heutige Einheit Deutschlands ermöglicht haben. Dagegen habe der Gesetzgeber den maximal fünf Monate täigen Ministern der letzten DDR-Regierung eine „Ehrenpension“ in doppelter Höhe der „Sozialen Zuwendung“ zugeschustert. „Dabei hätte ein Blick über die einstige Grenze, zum Beispiel nach Polen, gereicht,“ sagte der seit 2002 amtierende Vereinsvorsitzende. „Polen habe zum Beispiel die Teilnehmer am Aufstand in Posen vom Sommer 1956 rückwirkend zu „Kombattanten“ erklärt und ihnen  damit eine Versorgung vermittelt, die der von Soldaten im Zweiten Weltkrieg entspricht. Gleichzeitig wurde eine eigene Auszeichnung, die „Kombattanten-Medaille“ geschaffen.“ Es sei nicht angemessen, nur auf aktuelle angebliche demokratische Defizite unseres Nachbarlandes hinzuweisen, ohne „dessen würdigen Umgang mit den Lastenträgern der Unfreiheit“ vorbehaltlos anzuerkennen: „Wir haben  in Deutschland einen  Nachholbedarf in Sachen grundsätzlicher Regelung im künftigen Umgang mit den tatsächlichen Kämpfern für Einigkeit und Recht und Freieit.“

Lesen Sie bitte auch: Ohne Gewalt gegen Gewalt – TICHYS EINBLICK 13.08.2017  https://www.tichyseinblick.de/meinungen/ohne-gewalt-gegen-gewalt/  und

Veröffentlicht am 13.08.2017:

Die „Lebendige Brücke“ am Checkpoint Charlie vom 13. August 1989 durch den Mauerdemonstranten Carl-Wolfgang Holzapfel, lt. Klaus Kleber „Der Mann vom Checkpoint Charlie“ (ZDF 2009). Der nachfolgende Film ist ein Ausschnitt aus der über dreistündigen Sequenz der Stasi, die Holzapfels letzte Mauer-Demonstration akribisch aufzeichnete.

Nach dem Mauerbau demonstrierte Holzapfel „wie kein Anderer“ (Rainer Hildebrandt) permanent bis zum Fall der Mauer gegen dieses „Bauwerk der Unmenschlichkeit“. 1965 wurde er bei einer Demonstration für die Freilassung der politischen Gefangenen in der SbZ (Sowjetisch besetzte Zone) am Checkpoint Charlie verhaftet und 1966 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. © 2017 C.W.Holzapfel

In Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=ct32SQFxPWc

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1271).

Ein Durchbruch? Merkel im Gespräch mit Rentenbetrugsopfern. Nach links: Monika Grütters, Hubertus Knabe – Foto: LyrAg

Berlin-Hohenschönhausen, 11.08.2017/cw – Auf Vermittlung von Hubertus Knabe sprach Angela Merkel zu Beginn ihres Besuches in der Gedenkstätte Hohenschönhausen am heutigen Freitag mit Demonstranten gegen den Rentenbetrug. Der Direktor der Gedenkstätte hatte sich zuvor über Inhalt und Ziele der Protestanten informiert und zugesichert, die Bundeskanzlerin bei ihrer Ankunft auf die „berechtigten Anliegen“ aufmerksam zu machen.

Im Schatten des Merkel-Besuches: Die Medien zeigten Interesse an dem Protest. Im Bild (v.l.n.r.) Permanente Protestler gg. den Rentenbetrug Wolfgang Graetz, Christa Ladendorf, C.W.Holzapfel. – Foto: LyrAg

Gespräch trotz strengen Protokolls

Ehemalige DDR-Flüchtlinge hatten nach bisher vergeblichen Versuchen, den Rentenbetrug gegenüber der Regierung zu artikulieren, die Gelegenheit des Merkel-Besuches im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der Stasi genutzt, um die Aufmerksamkeit der Bundeskanzlerin auf sich zu lenken. Merkel ließ sich bei ihrem im Protokoll nicht vorgesehenen kurzen Gespräch den Grund für die Proteste erläutern. Die ehemaligen Flüchtlinge hatten nach ihrer Flucht in die Freiheit die Zusage erhalten, dass ihre Anwartschaften aus der Tätigkeit in der DDR nach westdeutschem Rentenrecht berechnet werden würden (Fremdrentengesetz/FRG). Nach der Wiedervereinigung wurden diese Rentenanwartschaften neu bestimmt (Rentenüberleitungsgesetz/RÜG). Das seinerzeitige Sozialministerium interpretierte das RÜG gegenüber der Rentenversicherung dann zum Nachteil der ehemaligen DDR-Bürger. Ohne Debatte im Bundestag, quasi am Gesetzgeber vorbei, wurden daraufhin ehemalige Republikflüchtlinge und Übersiedler rentenrechtlich wieder zu DDR-Bürgern erklärt. Dies hatte schlimme Auswirkungen, weil die Renten der so düpierten einstigen „Brüder und Schwestern“ aus der Zweiten Deutschen Diktatur um 100 bis 800 Euro reduziert wurden. Das Vorzeigen einstiger Rentenauskünfte aus der Zeit vor 1989 nutzte ihnen nichts. Das Rentenrecht sei novelliert worden, hieß es lapidar. Seither sprechen die Betroffenen und deren eigene Vertretung „Interessengemeinschaft ehemaliger DDR-Flüchtlinge e.V. – IEDF“ vom Rentenbetrug.

SPD stimmte gegen den eigenen Antrag

Auch Kultursenator Klaus Lederer begrüßte die Demonstration: „Gut, dass Sie hier sind!“
Foto: LyrAg

Die SPD hatte in der vorletzten Legislaturperiode über ihren verstorbenen sozialpolitischen Sprecher Ottmar Schreiner vehement gegen diesen Betrug an Menschen, die uns vertraut haben, protestiert. Dennoch wurde die vom Bündnis90/GRÜNE und DIE LINKE unterstützte sozialdemokratische Gesetzesinitiative von der CDU/CSU/FDP-Koalition abgelehnt. Im letzten Jahr hatten die Oppositionsparteien den SPD-Antrag von 2011 wortgleich erneut im Bundestag eingebracht. Diesmal scheiterte der erneute Versuch, einen schweren sozialpolitischen Fehler zu korrigieren, nicht zuletzt an der SPD, die sich – nunmehr Koalitionspartner der CDU/CSU – den Argumenten der Union anschloss und gegen ihren eigenen ursprünglichen Antrag stimmte.

Die Bundeskanzlerin registrierte aufmerksam die vorgetragenen Argumente und versprach, sich „noch einmal“ mit dieser Angelegenheit zu befassen und insbesondere die Ausführungen von Ottmar Schreiner nachzulesen. Carl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni, die diese Protestaktion initiiert hatte, bedankte sich ausdrücklich für die Aufmerksamkeit der Regierungschefin und bat Staatsministerin Monika Grütters, diesen ausdrücklichen Dank der

Die Unentwegten: Immerhin waren rund 20 Personen dem Aufruf zum Protest gefolgt.   Foto. LyrAg

Betroffenen an die Bundeskanzlerin weiterzuleiten. Grütters versicherte, dass es Angela Merkel ernst meine und die Betroffenen darauf vertrauen dürften, dass „sich die Bundeskanzlerin wie zugesagt um das Thema bekümmern“ werde. Auch Grütters, seit einigen Monaten Landesvorsitzende der Berliner CDU, sagte ihrerseits „jegliche Unterstützung“ zu. Der aktuelle SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte eine Einladung der Gedenkstätte „aus terminlichen Gründen“ abgelehnt.

Rentenbetrug im neuen Koalitionsvertrag korrigieren

Eure Leiden – unser Auftrag. Nach der Demo wurde am Gedenkstein der Diktatur-Opfer gedacht.  Foto: LyrAg

Der Veranstalter zeigte sich gegenüber Medien in einem ersten Resume „vorsichtig optimistisch.“ Die Bundeskanzlerin habe bereits mehrfach erfolgreich von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch gemacht, zum Beispiel in der Atom-Politik oder der Flüchtlingsfrage („Wir schaffen das!“). Die Betroffenen hofften nun im Ergebnis des heutigen „ersten direkten Gespräches auf die Korrektur eines schweren politischen Fehlers,“ so der Vereinsvorsitzende. Holzapfel wies auf die folgende, von Betroffenen angemeldete Demonstration am 13. September zu diesem Thema in Berlin hin: „Es wäre bemerkenswert, wenn bis zu diesem Zeitpunkt zumindest ein Signal aus dem Bundeskanzleramt käme, diesen „Verrat an den einstige Schwestern und Brüdern“ zumindest in einem neuen Koalitionsvertrag als regelungsbedürftig zu thematisieren.“

Der 17.Juni-Chef bedankte sich am Ende der Demonstration herzlich bei Hubertus Knabe für dessen „wertvolle Unterstützung“ des gemeinsamen Anliegens. Anschließend legten die einstigen DDR-Flüchtlinge und ehemaligen Insassen der Stasi-U-Haft Rosen am Gedenkstein in der Gedenkstätte nieder: „Eure Leiden – unser Auftrag“ stand auf den an den Rosen befestigten Bändern.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1270).

Von  Sylvia Wähling*

Am kommenden Sonntag, dem 13. August, dem 56. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer, weiht das Menschenrechtszentrum Cottbus (MRZ) um 13:00 Uhr das Mahnmal für die Todesopfer an den Grenzen des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer ein. Das MRZ startete zum 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer, am 13. August 2011, die Gedenkaktion „1 Ziegel für 1 Maueropfer“. Tausende Bürger der DDR versuchten nach dem Mauerbau zu Land, zu Luft und zu Wasser in die Freiheit zu gelangen. Vielen gelang die Flucht, andere scheiterten und mussten mehrere Jahre ihres Lebens in den Gefängnissen der DDR verbringen. Hunderte Fluchtwillige mussten jedoch ihr Leben an der Berliner Mauer, der innerdeutschen Grenze, in der Ostsee oder an den Grenzen osteuropäischer Länder lassen. Dieser Menschen möchte das MRZ in dem Ort gedenken, der früher das Republikfluchtgefängnis der DDR schlechthin war und heute von ihm als Gedenkstätte betrieben wird. Dieter Dombrowski, Vorsitzender des Vereins und selbst zu vier Jahren Gefängnisstrafe wegen Republikflucht am 13. August 1974 verurteilt, erklärt: „Die Todesopfer an der innerdeutschen Grenze und den Grenzen des Eisernen Vorhangs dürfen nicht vergessen werden und sollen uns eine Mahnung sein.“

Ziegel mit eingebranntem Namen der Opfer

Interessierte Bürger konnten seit dem 13. August 2011 einen Ziegel mit dem eingebrannten Namen eines Todesopfers für 20 € „kaufen“ d.h. spenden. Mit allen Ziegeln hat der Künstler Gino Kuhn im Gelände der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ein neues Kunstwerk geschaffen, das die Umrisse der DDR symbolisiert. Gino Kuhn hat eine persönliche Beziehung zum Mahnmal, denn er musste als westdeutscher Fluchthelfer wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels“ 20.000 Stunden (knapp 2,5 Jahre) die Gefängnisse der DDR kennen lernen. Bereits am 10. Dezember 2011, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, konnte der erste Abschnitt des Mahnmals mit den Opfern an der Berliner Mauer eröffnet werden. In diesem Jahr beendete der Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin seine Forschungsarbeit mit der Erforschung der Namen der Todesopfer an der innerdeutschen Grenze, sodass nun das Mahnmal in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus mit den neuesten Erkenntnissen der Forscher beendet werden kann. Es wird jedoch nicht aller Todesopfer gedacht, sondern lediglich der Menschen, die infolge einer Fluchtabsicht zu Tode gekommen sind.

Über 272 Einzelspender für das Mahnmal

Insgesamt haben aus der ganzen Republik und dem Ausland 272 Einzelspender, für ca. 200 Todesopfer mit 24.000 € die Gedenkaktion unterstützt. Unter ihnen befinden sich mehrere ehemalige Häftlinge des Zuchthauses Cottbus, Spender, die mehrere Ziegelsteine „kauften“, wie der Sächsische Landtag sowie Personen, die mit einer Geldspende ihre Solidarität mit der Gedenkaktion zum Ausdruck bringen wollten. Wir sind froh und dankbar, dass dieses Mahnmal ein echtes Bürgermahnmal ist, in dem kein einziger Cent an öffentlicher Förderung eingeflossen ist und komplett aus Spenden finanziert wurde. konstatiert

Im Anschluss an der Einweihung des Mahnmals wird die Plakatausstellung „Grenzen verstehen. Die Berliner Mauer 1961-1989“ im Menschenrechtszentrum Cottbus eröffnet. Die Ausstellung ist ein Projekt der Stiftung Berliner Mauer in Zusammenarbeit mit der Agentur Infographics Group und kann im Foyer der Gedenkstätte vom 13. August bis zum 17. September 2017 besichtigt werden. Mit einer Mischung aus Infografiken, Überblickstexten, Zitaten, biografischen Darstellungen und historischem Bildmaterial lädt die Plakatausstellung zur Auseinandersetzung mit den einstigen Grenzanlagen, dem Verlauf der Grenze um West-Berlin, der Stationierung der Grenztruppen, aber auch mit den Todesorten der Menschen ein, die an der Berliner Mauer auf tragische Weise ums Leben kamen.

* Die Autorin ist geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. und Leiterin der   Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus.

V.i.S.d.P.: Menschenrechtszentrum Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus, Tel: 0049-355-290133-12

 

 

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