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Berlin, 07.08.2019/cw – Im Zusammenhang mit der Aktion zum 30.Jahrestag der „Lebendigen Brücke“ : „WIR“ statt „IHR“ am Checkpoint Charlie (12.08.2019, 11:00 Uhr) erreichten mich zahlreiche Anfragen über meinen Weg zum gewaltlosen Widerstand gegen die Mauer. Bis zum 12. August werde ich an dieser Stelle Stationen auf diesem Weg und aus dem Kampf gegen die Berliner Mauer schildern. (10 -Teil 9 siehe 06.08.2019).

Bei der späteren Demonstration für die Freilassung des Wehrdienstverweigerers Nico Hübner am Grenzübergang „Heinrich-Heine-Straße“ im Sommer 1978 konnte Holzapfel sogar ungehindert den Grenzbereich betreten. Er wurde erst nach zwei Stunden abgewiesen. Foto: Archiv cwh

Vierzehntausend politische Gefangene wurden seinerzeit von den zuständigen Gremien der (alten) Bundesrepublik 1965 in der DDR registriert. Eine gewaltige Größenordnung, die man bei allem Mitleid und Mitgefühl in diesem Umfang nicht wirklich vermitteln konnte. Diese Zahl war zu groß, zu anonym, um wirkliche Reaktionen auslösen zu können. Daher war es unbedingt wichtig, ein Einzelschicksal beispielhaft herauszugreifen oder voranzustellen, um das eigentlich Unfassbare begreifbar zu machen.

Den Irrsinn der politischen Verfolgung begreifbar machen

Mit Harry Seidel war so ein Beispiel gegeben. Das Schicksal eines einst gefeierter DDR-Straßenmeisters im Radsport, der sich nach dem Mauerbau ideell der Fluchthilfe verschrieben hatte, dessen Frau aufgrund seiner Verhaftung und Verurteilung zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe (!) nun ohne Ehemann leben, dessen kleiner Sohn nun ohne Vater aufwachsen mußte, war vermittelbar, weil begreifbar. Hier konnte das Schicksal tausender politischer Gefangener personalisiert werden. Mit dem weltberühmt gewordenen „Tagebuch der Anne Frank“ konnte zum Beispiel der Irrsinn des nationalsozialistischen Terrors begreifbar und zugänglich gemacht werden. Ohne dieses und andere Einzelbeispiele wäre die unbegreifliche Zahl von sechs Millionen ermordeter Menschen bei bestem Willen nicht zu fassen gewesen. Darum ist die Heraushebung eines – möglichst markanten – Schicksals auch in einer derartigen Auseinandersetzung so unendlich wichtig.

Für den 17. Juni 1965, damals noch arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag, hatte ich am selben Grenzübergang in der Heinrich-Heine-Straße für die Mittagsstunden die Fortsetzung der Demonstration für Harry Seidel und 14.000 seiner Leidensgenossen geplant. Der 17. Juni als nationaler Feiertag, an dem des Aufstandes von 1953 für die FREIHEIT gedacht wurde, erschien mir besonders für eine solche Demonstration geeignet. Diesmal wollte ich laut Ankündigung eine Stunde lang versuchen, mit meinem Schild nach Ost-Berlin zu gelangen, um dort meine Forderungen vorzutragen.

1965 scheiterte ein geplanter Hungerstreik vor dem Amerika-Haus
an der Weigerung der BVG, die Plakate auf den U-Bahnhöfen auszuhängen – Archiv: C.W. Holzapfel

Wieder wurde ich von einem „offizialem Aufgebot“, diesmal angeführt von einem Oberst der DDR-Grenztruppen, erwartet. Diesmal gelangte ich wenigstens bis zum Mauerdurchlass für Grenzgänger, nachdem ich am 14.11.1964 bereits kurz nach dem Überschreiten der Sektorengrenze abgewiesen worden war. Der Oberst forderte mich auf, die „Provokation“ unverzüglich zu beenden, da ich ansonsten mit meiner Festnahme rechnen müsste.

Der Grenzübergang wurde geschlossen

„Was denken Sie, warum ich mit meiner Forderung hier stehe? Wenn Sie nicht so brachial mit Ihren Drohungen gegen Andersdenkende vorgehen würden, gäbe es keine politischen Gefangenen bei Ihnen. Ergo brauchte ich nicht für deren Freilassungen zu demonstrieren,“ erklärte ich. „Tun Sie also, was Sie offenbar nicht lassen können.“

Nach einigem weiteren Geplänkel kam der Oberst auf eine ihm wahrscheinlich genial dünkende Idee: „Heute besuchen viele Menschen die Hauptstadt der DDR, um Freude und Verwandte zu besuchen. Sie wollen dies doch sicher unterstützen,“ wandte sich der Oberst an mich.

„Natürlich freue ich mich über jede dieser Gelegenheiten, die ohnehin eigentlich selbstverständlich sein sollten, ohne Passierscheine und ohne Mauer.“

„Dann nehmen Sie folgendes zur Kenntnis: Wenn Sie nicht augenblicklich Ihre Provokation beenden, werden wir den Grenzübergang komplett sperren. Dann kann heute keiner mehr zu diesen Besuche einreisen.“

Den Stacheldraht beseitigen, wie hier am Gleimtunnel 1963 – das WIR in den Vordergrund stellen. – Foto: LyrAg

„Wenn ich hier stehe, um für die Freilassung der politischen Gefangenen zu demonstrieren und dabei riskiere, wie Sie selbst permanent androhen, ebenfalls festgenommen zu werden, dann kann ich erwarten, dass ein vorgesehener Besuch an einem anderen Tag erfolgt. Denn ich stehe mit meiner Forderung auch für diese Menschen hier.“

Tatsächlich wurde der Grenzübergang für den Besucherverkehr geschlossen. Meine Befürchtung, in der Folge von abgewiesenen Besuchern beschimpft zu werden, liefen allerdings ins Leere. Es kam zu keinerlei Vorwürfen oder lauten Äußerungen negativer Art. Ich konnte beobachten, wie abgewiesene Besucher ohne „laut zu werden“ wieder nach West-Berlin umkehrten.

Pünktlich um 13:00 Uhr wandte ich mich an die kleine Gruppe von Offizieren, die unmittelbar am Mauerdurchlass bei mir stehen geblieben waren: „Ich bedauere, das Sie mich  mit meiner Demonstration nicht nach Ost-Berlin gelassen haben und breche daher, wie angekündigt, für heute meine Demonstration ab. Sie dürfen davon ausgehen, dass ich diese Demonstrationen für die Freilassung politischer Gefangener fortführen werde und mich nächstes Mal über einen längeren Zeitraum hinaus um eine Demonstration in Ost-Berlin für dieses Anliegen bemühen werde.“

Ohne weitere Behinderungen konnte ich umkehren und das Grenzgebiet in Richtung West-Berlin verlassen. Mein Schild mit der Forderung: „Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene in der SbZ“ hatte ich dabei. Die DDR-Grenzer hatten erstaunlicherweise keinen Versuch unternommen, mir dieses Schild abzunehmen.

-Wird fortgesetzt-

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.453)

Berlin, 06.08.2019/cw – Im Zusammenhang mit der Aktion zum 30.Jahrestag der „Lebendigen Brücke“ : „WIR“ statt „IHR“ am Checkpoint Charlie (12.08.2019, 11:00 Uhr) erreichten mich zahlreiche Anfragen über meinen Weg zum gewaltlosen Widerstand gegen die Mauer. Bis zum 12. August werde ich an dieser Stelle Stationen auf diesem Weg und aus dem Kampf gegen die Berliner Mauer schildern. (9 -Teil 8 siehe 05.08.2019).

Auch dies war einer der Lehrsätze, die der Gandhi-Streiter T.N. Zutshi mir vermittelte: Gandhi habe sinngemäß gesagt, er habe „kein Vertrauen in Appelle, wenn nicht hinter diesen die Kraft stände, etwas persönlich dafür zu opfern, sich selbst dafür einzubringen.“ Und Zutshi, der sehr eindringlich und überzeugend argumentieren konnte, erläuterte auf Nachfrage: Es sei durchaus lobenswert, sich an der Mauer mit einem Schild aufzustellen und damit den DDR-Grenzern seine Forderungen zu vermitteln. Diese würden sich wahrscheinlich ärgern, aber ansonsten würde dies keine Auswirkungen haben. Ginge man aber mit einem solchen Schild „in den Osten, also über die Grenzlinie in das DDR-Gebiet“ würde man dem Gegner die „Ernsthaftigkeit seines Anliegens“ deutlich machen, weil man sogar „keine Angst vor einer mögliche Verhaftung“ hätte, sondern diese vielmehr inkauf nähme.

Der selbstlose Inder aus Benares in Indien hatte seinen Mahatma Gandhi gut studiert. So vermittelte er mir auch die Notwendigkeit, eine solche Aktion immer rechtzeitig öffentlich anzukündigen. Gandhi hatte das so gelehrt: „Gib dem Adressaten deines Anliegens immer die Möglichkeit, sein Gesicht zu wahren, indem Du diesem die Zeit gibst, auf dein Anliegen einzugehen.“

Legt Eure Furcht ab und sprecht die Wahrheit

Und wie war das mit der möglichen Angst, mit dem Herzklopfen vor und während einer solchen Aktion? Zutshi erinnerte an sein Credo von 1960 auf dem Alexanderplatz. Dort war er mit einem Schild aufgetreten: „Menschen hinter dem Eisernen Vorhang – Der erste Weg zur Freiheit: Legt Eure Furcht ab und sprecht die Wahrheit.“ Aber wie meinte Zutshi das in der Praxis? Auch das konnte er überzeugend erklären: „Wenn ein oder zwei Menschen in der DDR auf das nächste Revier gingen, um dort ihre Ablehnung des DDR-Systems zu bekunden, würden diese wahrscheinlich inhaftiert werden. Dann kämen die nächsten DDR-Bürger, um das Gleiche zu bekunden. Schnell würden sich die Hafteinrichtungen so füllen, dass die Diktatur gezwungen wäre, die ersten Häftlinge wieder zu entlassen. Diese würden dann ohne Angst die Ablehnung des kommunistischen Systems öffentlich artikulieren können, ohne erneut verhaftet zu werden.“

Zutshi hielt von 1962 – 1964 vor der Versöhnungskirche jeden Sonntag eine Mahnwache für die Menschen hinter der Mauer ab. Er wurde vor Ort unterstützt. Foto: Ein Bewohner reicht ihm einen Stuhl aus dem Fenster. Im Hintergrud die Versöhnungskirche.
– LyrAg

Fünfundzwanzig Jahre später, 1989, habe ich bedauert, dass T.N. Zutshi den Triumph seiner These nicht mehr erleben konnte. War es nicht so, als hätten die Abertausenden DDR-Bürger diese Zutshi-Worte verinnerlicht, als sie bar jeder Angst mit der Skandierung der Wahrheit auf die Straßen gingen?

Lebenslänglich Zuchthaus für Harry Seidel

1964 also, nach meinem Krankenhausaufenthalt, war die Umsteuerung auf eine andere Form des gewaltlosen Widerstandes für mich angezeigt. Zutshi hatte ja bereits mehrfach für den Fluchthelfer und ehemaligen DDR-Radrennsportler Harry Seidel demonstriert, der am 14. November 1962 am Ende eines 70 Meter langen Tunnels, den er im Auftrag der West-Berliner CDU in Kleinmachnow mitgebaut hatte, in einen Hinterhalt des MfS gelangt war. Wenige Wochen später wurde Seidel zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt.
Analog zu seiner Aktion im Oktober 1962 vor der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße konnte Zutshi nach eigenem Bekunden selbst nicht mit dem Schild „Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene in der SBZ“ in die DDR gehen. Die angedrohte Ausweisung als unerwünschter Ausländer hielt ihn davon ab. Er wollte seinen Freunden den gewaltlosen Widerstand vermitteln, ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Zutshi mit dem Sohn Harry Seidels. Frau und Sohn lebten bereits in West-Berlin. Foto: LyrAg

Also begann ich mit der Planung meiner ersten Demonstration für die politischen Gefangenen für den zweiten Jahrestag der Verhaftung von Harry Seidel am 14.November 1964. Das erforderte vor allem eine gewissenhafte mentale Vorbereitung, denn ich wollte jeglichen Anflug von Angst vor der bevorstehenden Konfrontation mit der DDR-Diktatur überwinden. Getreu den vermittelten Lehrsätzen kündigte ich die geplante Aktion eine Woche vorher öffentlich an.

Nach einer demonstrativen Kranzniederlegung am Mahnkreuz für Peter Fechter, bei der ich bereits von einem West-Berliner Polizeioffizier daran gehindert wurde, eine Erklärung zu meiner beabsichtigten Demonstration zu verlesen, weil dies „nicht erlaubt“ sei, zog ich in Begleitung zahlreicher Freunde und Unterstützer mit meinem Schild zum Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße am Moritzplatz.
Wer hatte hier Angst? Und vor Wem?

In die Heinrich-Heine-Straße eingebogen bemerkte ich sofort auffallende Veränderungen am Grenzübergang. Die dortigen Mauerwächter waren nicht nur verstärkt worden, auch standen in vorderster Linie nur Grenzoffiziere ab Dienstgrad Oberleutnant aufwärts. Hatte ich zugegeben auf diesem Weg doch einiges Herzklopfen, so fielen bei Ansicht dieses Szenariums sämtliche Angstgefühle ab: Wer hatte hier denn Angst? Und vor wem? Ein einfacher Arbeiter, als der ich damals bei der BVG tätig war, demonstrierte und die DDR zeigte „mehr Angst als Vaterlandsliebe“? In diesen schicksalhaften Minuten veränderte sich mein Bewusstsein entscheidend: Seither hatte ich niemals mehr Angst vor den Organen der DDR. So konnte ich bis zum Ende dieser zweiten deutschen Diktatur meine Demonstrationen völlig angstfrei durchführen, was eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Grundlage meiner künftigen Aktionen war.#

Bei der ersten Demo für die Freiheit politischer Gefangener 1964 wurde Holzapfel von einem Oberleutnant der DDR-Grenzposten abgewiesen. Foto: LyrAg

Am 14. November 1964 wurde ich, kaum, dass ich den Grenzstrich überschritten hatte, von einem Oberleutnant in Richtung West-Berlin zurückgestoßen, worauf ich diese Demonstration sofort abbrach. Dieser erste gewaltlose Einsatz in einer unmittelbaren Konfrontation mit den DDR-Organen zielte in der Konsequenz in zwei Richtungen: Natürlich nach Ost-Berlin aber auch auf meine Freunde in West-Berlin. Diese hatten nämlich geunkt, ich würde nach dem ersten Schritt über die weiße (sprich „rote“) Linie sofort verhaftet werden, man würde mich für die nächsten Jahre nicht mehr sehen. Es war also für mich und künftige Aktionen sehr wichtig, dieses erste Mal nicht durch unbedachte Reaktionen zu überreizen, sondern meinen Freunden im Westen zu signalisieren: Man kann auch gegen die DDR gewaltlosen Widerstand leisten, ohne gleich verhaftet zu werden.

Allerdings erklärte ich dem abweisenden DDR-Oberleutnant, daß ich wiederkommen würde, um für die Freiheit von Harry Seidel erneut zu demonstrieren. Dabei würde ich mich nicht mehr so schnell zurückweisen lassen.

-Wird fortgesetzt-

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.451)

Von Klaus Hoffmann*

Berlin, 18.10.2015/kh – Er wollte sich von Beginn an nie mit dem Mauerbau abfinden, führte zahlreiche Hungerstreiks durch. Nachdem seine Gesundheit gefährdet war, verlegte sich der Zwanzigjährige auf Demonstrationen „für die Freiheit von (damals) 14.000 politischen Gefangenen in der SbZ.“

Am Jahrestag der Verurteilung des Fluchthelfers Harry Seidel, am 14. November 1964, demonstrierte der damalige Reklamearbeiter bei der BVG, Carl-Wolfgang Holzapfel, am Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße. Mutig ging er mit einem Plakat über den berühmten weißen Strich, der die Trennung des Westen der Stadt vom Ostteil markierte.

1964 von DDR-Grenzposten abgewiesen: "Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene - - Archiv Holzapfel

1964 von DDR-Grenzposten abgewiesen: „Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene –
– Archiv Holzapfel

Nachdem er am 17. Juni 1965 diese Demo trotz der Drohung, verhaftet zu werden, wiederholt hatte, sammelte der mittlerweile volljährig gewordene Menschenrechtler von Hamburg bis München in zwölf Großstädten Unterschriften für die Freilassung der politischen Gefangenen. Unterstützt wurde er dabei vom damaligen Senator in Hamburg, Helmut Schmidt, der Holzapfel bei der Genehmigung, vor dem Hamburger Rathaus Unterschriften sammeln zu dürfen, unterstützte. Ernst Lemmer, ehemaliger Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen und nach dem Mauerbau Beauftragter des Bundeskanzlers in Berlin, leistete die erste Unterschrift; Ex-Bundesjustizminister Ewald Bucher unterschrieb ebenso, wie zahlreiche Oberbürgermeister der besuchten Städte oder auch ein leibhaftiger ehemaliger Oberst der Ungarischen Armee oder die geflüchtete Altistin der Budapester Staatsoper.

Nach seiner Rückkehr stellte Holzapfel über 5.000 Unterschriften aus 27 Staaten der Erde fest, unter diesen Ungarn, Polen, DDR, Großbritannien, Frankreich und USA. Für den Gandhi-Jünger stand daher fest: Eine solche Domo war nur am sogen. Ausländerübergang Checkpoint Charlie möglich: „Menschen in aller Welt fordern: Freiheit für …“. Da die Alliierten ihm aber diesen Übergang für Demonstrationen eigens verboten hatten, durfte Holzapfel seine Demo nicht ankündigen, wie das sonst der Fall war. Er berief sich dabei ebenfalls auf sein Vorbild Mahatma Gandhi, der dafür plädiert hatte, dem Gegner immer die Möglichkeit zu geben, auf eine Forderung einzugehen, sein Gesicht zu wahren.

So plante der junge Arbeiter seine dritte Aktion geheim, informierte nur eine Handvoll zuverlässiger Freunde und als einzigen Journalisten den Chefreporter der BILD-Zeitung, Werner Kahl. Als Holzapfel über den zu Ostberlin gehörenden Bürgersteig in der Zimmerstraße in den alliierten Kontrollpunkt einlief, befand er sich bereits hinter der weißen Grenzlinie. Die Westpolizei, damals Erfüllungsgehilfe der Alliierten, konnte nicht mehr eingreifen.

18.10.1965: Vor 50 Jahren Verhaftung am Checkpoint Charlie - Holzapfel wirdf abgeführt Foto: Archiv

18.10.1965: Vor 50 Jahren Verhaftung am Checkpoint Charlie – Holzapfel wird abgeführt
Foto: Archiv

Der Demonstrant wurde verhaftet und nach einem dreitägigen Prozess am 7. April 1966 für seinen Einsatz gegen die Mauer und die politischen Gefangene zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Bundeskanzler Ludwig Ehrhardt trug sich persönlich am 1. Mai des Jahres vor der Siegessäule in die von Holzapfel begonnene Unterschriftensammlung ein, die von seinen Freunden nach seiner Verhaftung um die Forderung nach seiner Freilassung erweitert worden war.

Heute wissen wir, dass wir zu wenig Menschen hatten, die sich wie Carl-Wolfgang Holzapfel ohne Rücksicht auf ihr eigenes Schicksal für die Menschen in der ehemalige DDR eingesetzt haben. Auch nach fünfzig Jahren: DANKE! (1.044)

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  • Der Autor wurde erstmals 1965 wegen versuchter Republikflucht verhaftet und 1966 eingesperrt. Seit Beginn der 70er Jahre war der Nun-Student in West-Berlin Fluchthelfer (mit dem Astronauten R. Furrer).

V.i.S.d.P.: Klaus Hoffmann, Berlin, Tel.: Redaktion Hoheneck – 030-30207785

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