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Titel HB 2014Titel                                                                                                                                                                   Nr.069 – Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 09. 201

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Die Stellvertreter:  Demonstration gegen rückwirkende DDR-Staatsbürgerschaft

Berlin, 14.09.2017/cw – Mit Übertragungswagen und lautstarken Tröten, Rasseln und Sprechchören gegen die rentenrechtliche Rückstufung einstiger DDR-Flüchtlinge und Übersiedler zu DDR-Bürgern nach der Wiedervereinigung und für eine vor dem Mauerfall zugesagte Rente nach (west)deutschem Recht demonstrierten am 13.09.17 die vor Mauerfall übergesiedelten SED-Verfolgten erneut in Berlin. Die Teilnehmerzahl mit ca. sechzig Frauen und Männern wirkte auf den ersten Blick nicht sehr hoch, aber es waren sozusagen die Stellvertreter, die für die in die Jahre gekommenen ehem. DDR-Flüchtlinge ihren Unmut gegen die bürokratische Rückbeorderung in den Staus von DDR-Bürgern und die dadurch ausgelösten Kürzung der Altersrente zum Ausdruck brachten. Viele der Betroffenen mussten ihre Teilnahme absagen, Alter und teils schwere Erkrankungen standen einer Teilnahme entgegen. Trotzdem waren Teilnehmer aus allen Bereichen Deutschlands, von Bayern bis Schleswig-Holstein, eigens angereist.

Die Demonstration eröffnete Wolfgang Graetz, der darauf hinwies, dass er für den jahrelangen Organisator Wolfgang Mayer spreche, der aufgrund einer schweren Krebserkrankung auf dem Wege nach Berlin umkehren und das Krankenhaus aufsuchen mußte. Wolfgang Mayer, der viel Herzblut in die Organisation gesteckt und somit entscheidend zum Gelingen der jeweiligen Demonstrationen beigetragen hatte, nahm nach den Worten von Graetz dennoch „im Geist“ an dem Marsch durch das Regierungsviertel teil.

Eva Aust, ehemalige Hoheneckerin und vor ihrem Freikauf Lehrerin in der DDR und ihr Lebensgefährte hatten die Transparente abgeholt und am Treffpunkt verteilt. Tatjana Sterneberg, ebenfalls ehem. Hoheneckerin und Carl-Wolfgang Holzapfel, als „Westler“ ehem. Bautzen-Häftling, beide von der Vereinigung 17. Juni, brachten ebenfalls viele Schilder und auch T-Shirts mit entsprechenden Texten mit. Andere hatten eigene kreative Schilder dabei. Den Lautsprecherwagen orderte auch diesmal wieder die VOS.

Die Ansprachen an den Standorten Arbeits- und Sozialministerium, Bundesministerium für Finanzen und vor dem Bundeskanzleramt hielten Wolfgang Graetz, Volker Hilgert, Carl-Wolfgang Holzapfel und Torsten Preuß. Dessen Sohn filmte die Demonstration mit der Handycamera, Fritz Schaarschmidt und andere produzierten viele Fotos. So auch ein Journalist, der für eine Agentur die Szenen fotografisch festhielt.

Viele Passanten am Straßenrand lasen die vielfältigen Aussagen auf den Schildern, die sie ebenfalls zahlreich fotografierten und hörten den laufenden Erklärungen über Lautsprecher und den lautstarken Protesten („Wir sind nicht leise, wir sind laut, weil man uns die Rente klaut!“) sichtlich aufmerksam zu. Die Demo wurde durch abermals von jungen, freundlichen und souverän agierende Polizeibeamten flankiert.

Leider, wenn auch erwartet, blieb erneut eine Gesprächsbereitschaft seitens der Ministerien (Soziales und Finanzen) aus. Vor ihren Toren allerdings standen nicht nur ältere und teilweise kranke ehemalige DDR-Flüchtlinge und politische Gefangene, die ihre Sorgen gerne direkt vorgetragen hätten, sondern auch Wähler. Wähler, die am 24. September 2017 über die Zusammensetzung des Deutsche Bundestages und die aus dem Wahlergebnis hervorgehende neue Regierung mit entscheiden! Und die sich sicherlich an die vor dem Mauerfall gegebenen und nach der Wiedervereinigung gebrochenen Versprechen in den Wahlkabinen erinnern werden.

Hinweis: Wir danken insbesondere Christa Ladendorf für die Informationen (siehe „Flucht und Ausreise“ von Wolfgang Mayer).

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17.Juni 1953: Wir fordern freie Wahlen

Berlin, 15.09.2017/cw – Die Vereinigung 17. Juni in Berlin erinnerte vor den Wahlen zum Deutschen Bundestag an das Credo der Aufständischen vom 17. Juni 1953. Diese hatten neben der Wiedervereinigung Deutschlands besonders die Forderung nach freien und geheimen Wahlen erhoben. „Wir sollten uns daran erinnern, dass es zwischen 1933 und 1989 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone, gen. DDR, keine freien noch geheime Wahlen gab,“ heißt es in der Erklärung. Auch heute werde Milliarden Männern und Frauen das freie und geheime Wahlrecht vorenthalten. Dies verpflichte uns besonders, von unserem Wahlrecht „aus demokratischer Überzeugung“ Gebrauch zu machen. Jeder müsse ernsthaft prüfen, welche Partei aus seiner Sicht die beste Aussicht biete, die vor uns liegenden und die bestehenden Probleme zu bearbeiten und zu lösen. „Das Wahlrecht wie das breite Angebot an Wahlmöglichkeiten biete jedem Wähler eine Alternative. Davon sollten wir im Sinne der Männer und Frauen, die 1953 für die Demokratie in Deutschland auf die Straße gegangen sind, Gebrauch machen,“ sagte der Vorstandssprecher am Vorabend der Wahl.

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 Was die Parteien konsequent verschweigen

 Berlin, 24.09.2017/cw – Wie seit Jahrzehnten vor Wahlen üblich werden auch die Bürger in unserem Land seit Wochen und Monaten mit Plakaten, Parteiprogrammen, Wahlsondersendungen und speziellen Berichten in den Medien überflutet. Das erscheint einigen lästig, ist aber in Wahrheit Ausdruck einer gelebten Demokratie. Erstmals, und das muss besonders vermerkt werden, gab es interessante Formate. Neben dem eher etwas langweiligen „Duell“ zwischen der potentiellen (Weiter-)Kanzlerin und dem Anspruch-Kanzler räumte allein das ZDF an zwei Abenden zu bester Sendezeit den Bürgern die Möglichkeit ein, zumindest den Spitzenkandidaten der größten Volksparteien Fragen zu stellen. Auffallend waren dabei weniger die gestellten als die nichtgestellten Fragen.

Nach den Apanagen für Politiker wurde nicht gefragt

So wurden nicht die Apanagen der gewählten Volksvertreter und deren zahlreichen zusätzlichen Vergünstigungen angesprochen. Denkbar wäre zumindest die Nachfrage gewesen, aus welchen Motiven Politiker das Vorhandensein von Armut „durch eine zu niedrige Altersversorgung“ beklagen (und Verbesserungen versprechen) und – ohne rot zu werden – Rentenansprüche schon nach acht Jahren Mandatszeit generieren, von denen viele Menschen auch nach vierzig Jahren geleisteter Arbeit nur träumen können.

Ein weiteres Beispiel ist das parteiübergreifende Lamento über „zu hohe Mieten“ oder „unbezahlbaren Wohnraum“. Dem Wähler werden als Ausweg eine „notwendige Verbesserung der Mietpreisbremse“ in Aussicht gestellt oder wahlwirksam die im Übrigen in vorhergehenden Wahlen gebräuchliche und sattsam bekannte Forderung nach der „Förderung von zusätzlichen Wohnungen“ getrötet. Diskussionen um mögliche Alternativen? Fehlanzeige. Zum Beispiel könnte man darüber debattieren, ob die Höhe von Mieten nicht auf 30% des Einkommens gedeckelt werden könnten. In Art.14, Abs.2 unseres Grundgesetzes steht unmissverständlich: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Beschränkung der Mieten auf Relation zum Einkommen

Gerade im viel diskutierten Mietrecht wäre ein zumindest ansatzweise Diskussion um Alternativen dringend notwendig. Eine Beschränkung der Mietforderungen auf eine Einkommensgrenze hätte vielerlei Vorteile. Eine fortschreitende Ghetto-Bildung zwischen „arm und reich“ würde wirksam unterbrochen werden, weil es für Vermieter keinen Anreiz mehr gäbe, möglichst zahlungskräftige Mieter zu rekrutieren oder nichtzahlungsfähige Mieter auszusondern. Ein Mieter mit einem mtl. Einkommen i.H.v. (zum Beispiel) 10.000 Euro würde bei dem hier angeführten Modell statt der (durch einen deutschlandweit eingeführten verbindlichem Mietspiegel) festgesetzten Miete in Höhe von 1.200 Euro tatsächlich 3.000 Euro zahlen (müssen). Ein Mieter mit einem mtl. Einkommen von 800 Euro würde für eine vergleichbare Wohnung dagegen nur 240 Euro aufbringen müssen. Für den Vermieter stellt sich die Situation bei diesem Modell so dar: Laut Mietspiegel hätte der (Haus-)Eigentümer bei dem angeführten Beispiel einen Anspruch aus der Vermietung auf insgesamt 2.400 Euro. Er erzielt aus der ersten Wohnung einen Überschuss i.H.v. 1.800 Euro, aus der zweiten Wohnung ein (rechnerisches) Minus i.H.v. 960 Euro. Nach diesem Beispiel müsste er an eine regionale Ausgleichskasse sogar 840 Euro abführen. Diese Ausgleichskasse zahlt andererseits an Vermieter, die überhängig an Geringverdiener vermieten, einen Ausgleich, damit auch dieser Eigentümer auf die staatlich festgelegte Mieteinnahme käme.

Beitragspflicht zur Rentenversicherung für alle Bürger

Diese Beispiele für eine notwendige und sicher lebhafte Diskussion ließen sich auf einige andere Felder ausdehnen. Ein letztes Beispiel: Die staatliche Rentenversicherung. Auch hier muss eine Einbeziehung  a l l e r  Bürger (einschließlich der Unternehmer und Manager, aber auch der Abgeordneten, Minister und Beamten) endlich ernsthaft debattiert werden. Natürlich müssten die (späteren) Renten in der Höhe auf ein Höchstmaß begrenzt werden, damit der „Gemeinwohl-Effekt“ nach dem Grundgesetz auch zum Tragen käme. So könnte die Rente auf das Doppelte der durchschnittlichen Rente gedeckelt werden.

Der Beitrag für Großverdiener müsste entsprechend gestaffelt werden. Übersteigt sein Einkommen die gesetzliche Beitragspflicht erheblich, so wird diese Beitragspflicht ab einer Verdoppelung um 100 % für die nachrangige Berechnung um jeweils 25% verringert und erreicht schließlich für das übrige (Rest-) Einkommen die beitragsfreie Grenze. Eine Berechnungsmethodik, die sich im Übrigen auch auf den Berechnungsmodus im zuvor geschilderten (neuen) Mietrecht anwenden ließe.

„Es gibt viel zu tun“ hieß einmal ein bekannter Wahlkampfspruch, und „Packen wir´s an!“ In der Tat wäre es notwendig, in diesem Land wieder kontrovers um Lösungen zu debattieren, statt sich weiterhin Algemeinplätze um die Ohren zu hauen. Dieses Deutschland braucht tatsächlich Alternativen in der Politik, Alternativen, die diesen Namen auch verdienen.

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 Termine:

 Verbändetreffen in Potsdam

 Zum nächsten Verbändetreffen lädt die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistische Diktatur nach Potsdam in ihren Dienstsitz (Hegelallee 3) ein. Termin: 22.09.2017, 15:00 bis 18:00 Uhr. Es wird voraussichtlich das letzte Treffen unter der Ägide von Ulrike Poppe sein, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig ihren Rücktritt erklärt hat.

Unter Anderem soll über die Auswahlkriterien für Gutachter in Anerkennungsverfahren für verfolgungsbedingte Gesundheitsschäden informiert und diskutiert werden.

Buchlesung: Diktatur und Demokratie im Unterricht

„Diktatur und Demokratie im Unterricht: Der Fall DDR“, unter diesem Titel wird am 26. September 2017 um 18:00 Uhr zu einer Buchlesung aus dem jüngst im Metropol-Verlag erschienenen Sammelband in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eingeladen (Kronenstr.5).

Ausgangspunkt ist der Befund, dass Schülerinnen und Schüler ein stark begrenztes Faktenwissen über die deutsche Zeitgeschichte nach 1945 besitzen. Befragungen zeigen aber zugleich, dass viele junge Leute gern mehr erfahren würden. Für den Schulunterricht stellt sich die Frage, wie Lehrkräfte diese Neugier nutzen können, um Jugendliche für den Unterschied von Demokratie und Diktatur in der deutschen Nachkriegsgeschichte zu sensibilisieren. Bei der Buchvorstellung bringen Lehrerinnen und Lehrer aus Deutschland und der Schweiz ihre geschichtsdidaktischen und fachpolitischen Ansätze und Erfahrungen ein, die zeigen, welche Rahmenbedingungen historisches Lernen an Schulen fördern und wie die historische Urteilskompetenz junger Menschen gestärkt werden kann.

Streikführer von Görlitz wird umgebettet

Werner Herbig, am 11.12.2008 in Berlin verstorben und am 17. Juni 1953 Streikführer in Görlitz wird am 28.09.2017, 11:00 Uhr auf dem Ehrenfeld der Toten vom Volksaufstand (Friedhof Seestr.93, Berlin-Wedding) mit seiner 2006 verstorbene Ehefrau beigesetzt. Die Umbettung vom Luisenfriedhof III am Fürstenbrunner Weg erfolgt auf Wunsch des Sohnes nach einer Anregung durch bzw. mit Unterstützung der Vereinigung 17. Juni aus Anlass des 60. Jahrestages der Eintragung in das Vereinsregister am 3. Oktober 1957.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder (1.284).
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953. Anzeigen auf Anfrage.

Berlin, 28.11.2015/cw – Fast zentral über dem sogen. Autobahn-Kleeblatt in Berlin-Zehlendorf und unweit des einst weltberühmten Grenzübergangs „Dreilinden“ steht das einzige originäre Denkmal an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in Mitteldeutschland. Nach dem Scheitern des Aufstandes, der ersten Erhebung gegen eine kommunistische Diktatur nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa, trugen aktive Teilnehmer unter großer Anteilnahme der Westberliner Bevölkerung Ende Juni 1953 ein großes Holzkreuz durch die Berliner Bezirke bis nach Zehlendorf. Dort stand seit den Tagen der Kapitulation von 1945 ein sowjetischer Panzer auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Chaussee, aufgestellt auf einem martialischen Steinsockel. Ein ewiges und weiteres Denkmal an den Sieg der Roten Armee über Hitler-Deutschland.

Aufstandsteilnehmer und junge Berliner trugen im Juni 1953 ein Holzkreuz durch die Bezirke nach Zehlendorf ...

Aufstandsteilnehmer und junge Berliner trugen im Juni 1953 ein Holzkreuz durch die Bezirke nach Zehlendorf …

Eben diese Rote Armee stand 1953 bereit, um den Arbeiteraufstand im „Ersten Arbeiter- und Bauern-Staat auf deutschem Boden“ unter den Ketten sowjetischer T-34-Tanks niederzuwalzen. Was lag da näher, als jenes besagte Holzkreuz in Ermangelung anderer Möglichkeiten gegenüber der Panzerkanone dieses im amerikanischen Sektor gelegenen Denkmals aufzurichten? Das sowjetische Ehrenmal nahe dem Brandenburger Tor und gleichzeitig letzte Ruhestätte für tausende Soldaten der Roten Armee, die im Kampf um Berlin gefallen waren, kam aus diesen Gründen für diese demonstrative Erinnerung an die Opfer und Toten des Volksaufstandes nicht in Frage. So wurde dieses schlichte Holzkreuz zum ersten und damit einzigen originären Mahnmal an die Geschehnisse des 16. und 17. Juni 1953 in ganz Deutschland, was dieser Gedenkstätte einen besonderen historischen Rang gibt. Der sowjetische Panzer wurde übrigens 1955 entfernt. Er stand bis zur Wiedervereinigung  für Berlin-Besucher weithin sichtbar auf einer Anhöhe am Grenzkontrollpunkt Dreilinden

Seither ehrte das „Komitee 17. Juni“, das am 3. Oktober 1957 unter seinem seitherigen Namen „Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.“ in das Berliner Vereinsregister eingetragen wurde, an diesem Ort, viele Jahre unter Teilnahme nahmhafter Politiker aus Berlin und der Bundesrepublik, am Vorabend des einstigen TAGES DER DEUTSCHEN EINHEIT, am jeweiligen 16. Juni um 18:00 Uhr, die Toten der Volkserhebung.

Am 17. Juni 1954 wurde an dieser Stelle unter Teilnahme des ersten und letzten frei gewählten Ministerpräsidenten Russlands, des 1917 durch die Bolschewiki gestürzten Alexander Fjodorowitsch Kerenski (*1881 Uljanowsk, + 1970 New York) der sogen. „Russenstein“ gegenüber dem Holzkreuz errichtet. Kerenski war dazu eigens aus den USA angereist. Nach dem dort eingemeißelten Text sollte mit diesem Denkstein an jene sowjetischen Soldaten erinnert werden, die wegen ihrer Weigerung, auf deutsche Arbeiter zu schießen, standrechtlich erschossen worden waren.

Moskau verweigert nach wie vor Einblick in Archive

Nach der Wende (Warum nicht  früher?) erschienen kritische Medienberichte, die diese standrechtlichen Erschießungen bezweifelten. Die Vereinigung 17. Juni unternahm seither einige Schritte, um der historischen Wahrheit näher zu kommen. Der jahrzehntelange Vorsitzende und einstige Bauarbeiter an der Stalinallee, Manfred Plöckinger (+ 2002) reiste eigens nach Biederitz bei Magdeburg. Dort war ein Massengrab im Wald bei Biederitz entdeckt worden, das mit seinerzeitigen Berichten über standrechtliche Erschiessungen übereinstimmte. Die mit der Untersuchung der aufgefundenen Leichenreste beauftragte Universität Magdeburg stellte  nach ersten Erhebungen fest, dass es sich um Tote aus dem „asiatischen Raum“ handele, die offensichtlich „zur Sommerzeit“ den Tod fanden, darauf ließen aufgefundene Blütenpollen schließen. Auf Nachfragen von Plöckinger relativierte dann die zuständige Fakultät diesen ersten Bericht und teilte mit, es sei nicht mehr auszuschließen, dass es sich auch um zu Tode gekommene Kriegsgefangene aus der Zeit des Dritten Reiches handeln könne. Seltsam, daß es nach heutigen Kenntnissen nicht möglich gewesen sein soll, den Zeitraum des Todes näher einzugrenzen. Immerhin geht es hier um eine Zeitdifferenz von mindestens sieben bis acht Jahren.

Errichtung des und stellten das Holzkreuz der Panzerkanone entgegen. Fotos: Archiv 17.Juni

… und stellten das Holzkreuz der Panzerkanone entgegen.  Fotos: Archiv 17.Juni 

Die Vereinigung wandte sich nunmehr über das Auswärtige Amt an die Militärstaatsanwaltschaft in Moskau, im Ergebnis vergeblich. Interessant war dennoch der Inhalt der Antwort. Die russische Staatsanwaltschaft behauptete nicht, dass es diese Erschießungen nicht gegeben habe, es sich (z.B.) um eine der Legenden aus der Zeit des Kalten Krieges handeln könnte. Lapidar hieß es, die Staatsanwaltschaft „verfüge über keine derartigen Unterlagen.“

Für Plöckinger-Nachfolger Carl-Wolfgang Holzapfel, der sich schon in den neunziger Jahren über einen ukrainischen Historiker um Aufklärung bemüht hatte, also eine nach wie vor „offene Frage“. Solange die Russen ihre Archive geschlossen halten, bleibt für den jetzigen Vorsitzenden der „17er“ die Frage nach der Authenzität der einstigen Berichte ungeklärt, ist also „weder die standrechtliche Erschießung noch das Gegenteil“ historisch belegt. Und noch einen Grund gibt der einstige Mauerkämpfer, der seit 1963 Mitglied der Vereinigung ist, für die Beibehaltung des Russensteins am Gedenkort an: „In der Hochzeit des Kalten Krieges war dieses Gedenken für uns ein wichtiger Markstein, uns nicht in einem grenzenlosen Hass gegen Russland zu verlieren. Wir nahmen offen zur Kenntnis, dass es nicht einen monolithischen Block des Bösen gab, sondern auch dort Menschen existierten, die sich offen weigerten, an Verbrechen teilzunehmen.“ Dieses Argument leuchtete dann auch jenen ein, die sich für eine Beseitigung des Gedenksteins einsetzten. Seither sind zwar keine Gebinde staatlicher Institutionen mehr am Russenstein niedergelegt worden; die Vereinigung 17. Juni legt dort nach wie vor – und dies seit nunmehr 61 Jahren – einen Blumengruß nieder. „Wir ehren damit die vielen unbekannten Helden der Menschlichkeit, die einem furchtbaren System die Gefolgschaft verweigerten,“ so der Vorstand.

Spurensuche

Spurensuche – in der Schrift der Vereinigung zum 50. Jahrestag des 17. Juni wurde die Geschichte des Russensteins ausführlich beleuchtet.

Mit dem Abstand zu den Geschehnissen von 1953 und der Wiedervereinigung vor einem Vierteljahrhundert geriet auch die originäre Gedenkstätte in Berlin-Zehlendorf zunehmend ins Wahrnehmungs-Abseits. So wurde die regelmäßige Pflege der Gedenkstätte „aus finanziellen Gründen“ auf eine einmalige Jahrespflege heruntergefahren, vermoderte das Holzkreuz, fiel die installierte Lichtanlage unbemerkt aus, die das Holzkeuz im Dunkelen anleuchtete, und die Kränze des Gedenkens aus dem Jahre 2013 wurden erst im Juni 2014 beseitigt.

Steglitz-Zehlendorf: Patenschaft durch örtliche Schulen?

Jetzt hat die BVV Steglitz-Zehlendorf auf ihrer letzten Sitzung beschlossen, die „regelmäßige Pflege des originären Denkmals sicherzustellen“ und das „marode Holzkeuz“ zu erneuern. Ferner sollen an den wichtigen Kreuzungen in Zehlendorf und in Wannsee Hinweisschilder zum Denkmal angebracht werden, ebenfalls eine seit zwei Jahrzehnten vorgetragene Anregung des Vereins. Die Annahme des Antrages der CDU-Fraktion, dem auch die Fraktion der SPD beigetreten war, erfolgte einstimmig, d.h. ohne Gegenstimme oder Enthaltung.

Nun hofft die Vereinigung auf eine rasche Realisierung und die letztliche Umsetzung weiterer Vorschläge, die von ihrem Vorsitzenden auf der dem BVV-Beschluss vorausgegengenen Ausschusssitzung vorgetragen worden waren. Als besonders dringlich war die Verlegung der Standspuren am Denkmal dargelegt worden, da ein „gefahrloser und wünschenswerter Besuch der Gedenkstätte“ nur so möglich sei. Auch eine Patenschaft durch örtliche Schulen wäre wünschenswert. Holzapfel war selbst in Zehlendorf zur Schule gegangen und erinnerte die Ausschussmitglieder daran, dass das Denkmal in den fünfziger Jahren ein „fester Bestandteil im Unterrichtsprogramm“ gewesen sei: „Die demographische Entwicklung erfordert ein zeitnahes Handeln in dieser Richtung, denn die Zeitzeugen sterben uns zunehmend weg,“ so Holzapfel in seinem Vortrag (1.061).

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Potsdam/Brandenburg-Havel, 14.06.2014/cw – Zum diesjährigen Gedenken an den Volksaufstand vor 61 Jahren zeigt die Stadt Brandenburg an der Havel die Dauerausstellung „In der Stadt und auf dem Land! Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 in Brandenburg“. Die Wanderausstellung der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Potsdam, wird am 16. Juni im Industriemuseum, in der August-Sonntag-Str.5 um 16:00 Uhr in Anwesenheit des Brandenburger Innenministers Ralf Holzschuher eröffnet. Zeitzeugen werden im Anschluß in einer Podiumsdiskussion das damalige Geschehen aktuell diskutieren.

Dr. Wolfgang Erlebach, Kulturbeigeordneter der Stadt und ebenfalls anwesend, bezeichnet vor der Eröffnung Brandenburg an der Havel als ein Schwerpunkt des Protestes: „Zur Wut über die schlechte Versorgung und die harten Arbeitsbedingungen traten politische Forderungen, vor allem nach freien Wahlen.“ Die damaligen Ereignisse in Brandenburg „vom 12. Juni am damaligen Kreisgericht in der Steinstraße bis hin zum 17. Juni rund um das damalige Stadthaus, die SED-Kreisleitung sowie den Neustädtischen Markt“ seien mittlerweile gut erforscht. Aus diesen Forschungen sind Dokumentationen und Ausstellungen, wie die jetzt im Industriemuseum gezeigte, entstanden, die geeignet sind „die Erinnerung zu bewahren und zugleich dazu anregen, sich der historischen Bedeutung der damaligen Ereignisse anzunähern.“

Landläufig ist Brandenburg eher als Ort des Terrors und der Unterdrückung gegen politisch Andersdenkende bekannt. Nachdem die erste Diktatur die Vollzugseinrichtung zu einem Zentrum der Vernichtung von Gegnern mit 1.722 Hinrichtungen ab 1940 machte, nutzten die Kommunisten die grausige Vergangenheit, um ihrerseits politische Gegner einzusperren und zu foltern. Viele überlebten auch diesen Terror nicht. Bei WIKIPEDIA liest sich dieser Teil der Vergangenheit allerdings recht harmlos. Während der NS-Terror ausführlich mit Zahlen unterlegt wird, widmet das Internet-Lexikon der Vergangenheit in der zweiten Diktatur einen ganzen Satz: „Die DDR nutzte die Strafanstalt bis 1989 auch für politische Häftlinge.“

In der Tat wird es 25 Jahre nach dem Ende der zweiten Diktatur Zeit,   „sich der historischen Bedeutung der damaligen Ereignisse anzunähern.“ Wobei Dr. Erlebachs Annäherung wohl ein zu vorsichtiges und vor allem unzureichendes Vorgehen favorisiert. Besser wäre aus aktuellem Anlass wohl der Appell, sich endlich auch der Vergangenheit in der zweiten Diktatur zu stellen.

Über die Dauer der Ausstellung zum 17. Juni 1953 liegen bedauerlicherweise ggw. keine Informationen vor. Nach der Eröffnung ist die historische Schau jedenfalls ab 17. Juni täglich (außer Montags) von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

 

Berlin, 11.06.2014/cw – Seit Jahrzehnten führt die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. am einzigen originären Denkmal in Berlin-Zehlendorf (über dem Autobahn-Kleeblatt) am Vorabend des 17. Juni ihre Gedenkfeier durch. Erstmals in dieser 60jährigen Geschichte hat der Verein diese Gedenkfeier vorverlegt. Grund: Am 16. Juni wird ab 18:00 Uhr, dem üblichen Termin für die Gedenkfeier, das erste Spiel der deutschen National-Mannschaft übertragen. So findet das Gedenken am „Holzkreuz“ und dem dort befindlichen „Russenstein“, der am 17. Juni 1954 in Anwesenheit des eigens aus New York angereisten ehemaligen und letzten russischen Ministerpräsidenten vor der Revolution, Alexander Fjodorowitsch Kerenski (1881-1970), nahe dem Holzkreuz und dem bis 1955 dort aufgestellten sowjetischen Panzer aufgestellt und eingeweiht wurde, diesmal am

15.Juni 2014, 18:00 Uhr

statt.

Errichtung des "Holzkreuzes" 1953 in Zehlendorf Fotos: Archiv 17.Juni

Errichtung des „Holzkreuzes“ 1953 in Zehlendorf
Fotos: Archiv 17.Juni

Die weiteren Termine zum diesjährige Gedenktag an den Volksaufstand vom Juni 1953:

16. Juni 2014, 11:00 Uhr

Kranzniederlegung
Gedenkkreuze für die Toten der Teilung am Reichstag

"Wir woll(t)en freie Menschen  sein" - Kreuze am Reichdtag - Foto: LyrAg

„Wir woll(t)en freie Menschen sein“ – Kreuze am Reichstag
– Foto: LyrAg

13:00 Uhr

Kranzniederlegung
am Gedenkstein „17. Juni“ in Strausberg
Hennickendorfer Chaussee, vor der Barnim-Kaserne

Aktion für eine Straße des 17. Juni 1953 in Strausberg; Mitte: Ulrike Poppe Foto: Ralf Gründer

Aktion für eine Straße des 17. Juni 1953 in Strausberg; Mitte: Ulrike Poppe
Foto: Ralf Gründer

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17. Juni 2014

9.00 Uhr

Gedenkfeier der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), weiterer Verfolgtenverbände und des Bezirksamtes Charlottenburg

am Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus
Steinplatz (Hardenbergstraße) in Berlin-Charlottenburg.

Den Toten der braunen Tyrannei. Seit 6 Jahren auf unsere Initiative in das Gedenken einbezogen -               Foto: LyrAg

Den Toten der braunen Tyrannei.  Auf unsere Initiative in das Gedenken einbezogen – Foto: LyrAg

Auf Anregung der Vereinigung 17. Juni werden seit sieben Jahren auch die Opfer des Nationalsozialismus durch anschließende Kranzniederlegungen geehrt.

10.00 Uhr

Kranzniederlegung
Platz des Volksaufstandes von 1953

(Bundesministerium für Finanzen)
Bundesregierung, Der Regierende Bürgermeister, Bezirksamt Mitte von Berlin,
Vereinigung 17. Juni 1953 u.a.

Am Ziel: Zum 60. Jahrestag wurde unsere Forderung erfüllt, der Platz benannt. Foto: LyrAg

Am Ziel: Zum 60. Jahrestag wurde unsere Forderung erfüllt, der Platz benannt.
Foto: LyrAg

11:00 Uhr

Friedhof Seestraße in Berlin-Wedding
Staatsakt der Bundesregierung und des Senates von Berlin

Ansprachen:
Vizekanzler Siegmar Gabriel;
Der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit

Kranzniederlegung:

Der Vizekanzler,
Der Regierende Bürgermeister von Berlin
Der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin
Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.

 

12:00 Uhr

Ehrung der verstorbenen Vereinsmitglieder
Friedhof Seestraße in Berlin-Wedding

Walter Schöbe 2011 im Gespräch mit Hans-Peter Friedrich 2011 auf dem Friedhof Seestraße - Foto: RGG

Walter Schöbe (+) 2011 im Gespräch mit Hans-Peter Friedrich 2011 auf dem Friedhof Seestraße –
Foto: RGG

Zu allen Veranstaltungen sind Gäste willkommen!

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Auch in diesem Jahr hat die Vereinigung 17. Juni 1953 für das Gedenken an den ersten Volksaufstand im Nachkriegseuropa wieder Kosten zu tragen, die aufgrund sinkender Beitragseinnahmen nicht mehr voll gedeckt werden können. Der seit 1953 bestehende Verein (Komitee 17. Juni, seit 3.10.1957 Vereinigung 17. Juni 1953) arbeitet ehrenamtlich und ohne öffentliche Zuschüsse.

Daher bittet der verantwortliche Vorstand herzlich um Zuwendungen und Spenden auf das Konto:

Vereinigung 17. Juni
Kto. 632902 Neu: IBAN: DE27 7009 1600 0000 6329 02
BLZ 700 916 00 Neu: BIC: GENODEF 1DSS
VR Landsberg-Ammersee

Der historische Verein hatte in den letzten Jahren besonders viele Todesfälle unter den Mitgliedern zu beklagen. Neben der Trauer um diese abberufenen Kameraden hat der Verein dadurch auch ein deutliches Minus im  Beitragaufkommen zu verzeichnen.

So gedenkt der Verein in  diesem Jahr besonders des am 17. Mai 2014 verstorbenen Dr. Walter Schöbe (siehe Nachruf).

Letzte Nachricht: Ruth Mentzel, die Frau unseres Kameraden Günter Mentzel, der 2007 auf dem Ehrenfeld beigesetzt wurde, liegt im Sterben. Mit ihrem Ableben muß stündlich gerechnet werden (13:30 Uhr).

 Ohne Worte - Foto LyrAg


Ohne Worte – Foto LyrAg

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Potsdam, 25.02.2014/cw – Am Mittwoch vergangener Woche fanden sich im Evangelischen Gymnasium in Potsdam, Hermannswerder 18, immerhin rund einhundert Interessenten ein, um den Film von Freya Klier über den 17. Juni 1953 zu sehen. Das war insofern erstaunlich, als der 60. Jahrestag des Volksaufstandes bereits ein gutes halbes Jahr vorüber war, der Film „Wir wollen freie Menschen  sein“ mit Erfolg bereits im RTL gezeigt wurde und das Thema gemeinhin (leider) die Bevölkerung nicht mehr von den Stühlen reißt. Außerdem hatte Klier, einst mutige Bürgerrechtlerin in der siechenden DDR, ihren bemerkenswerte  Film bereits auf diversen Veranstaltungen vorgeführt.

Mit diesem Film gelang Klier allerdings ein sehr menschliches, persönliches und lebendiges Zeugnis für einen großen Aufstand in einem noch immer nicht gerade als rebellisch zu bezeichnenden Land, auch wenn sich die Erhebung im  kleineren, abgetrennten Deutschland abspielte. Die Faszination des Films macht der Abstand zu den üblichen Klischees aus. Nicht die Panzer oder das Brandenburger Tor standen im  Mittelpunkt, sondern das Schicksal zweier Jungen, die mehr oder weniger zufällig in das Geschehen am 17. Juni 1953 hineingerieten. Der 15-jährige Paul Ochsenbauer bezahlte diesen Zufall mit seinem Leben…

Freya Klier beschränkte sich wesentlich auf die Ereignisse „in der Provinzhauptstadt Leipzig“, weil der Aufstand „immer nur mit Ost-Berlin in Verbindung gebracht“ wird, wie die Regisseurin nach der Filmvorführung erläuterte. Dabei hatte der Aufstand „die gesamte DDR erfasst.“ Mit ihrem Film wolle sie auch eine Hommage für die Hundertausenden schaffen, die mit ihrem Mut „Beispielloses für die Demokratie und unsere Freiheit geschaffen“ hätten. Den Film empfinde sie auch als ein Stück Wiedergutmachung, denn lange Zeit, „zu lange“, habe sie der verbreiteten Mär vom faschistischen Putsch geglaubt, den Ereignissen nur aus dieser Sicht – wenn  überhaupt – Bedeutung eingeräumt. Heute wisse sie um  ihren Irrtum und wolle aus vollem Herzen und voller Überzeugung dazu betragen, das diesem Datum wieder die ihm  zustehende Bedeutung zukomme.

Das anwesende Publikum in der fast vollständig gefüllten Aula erwies sich als überaus sachkundig. In der anschließenden Diskussion meldeten sich auch überraschend Zeitzeugen, die die Ereignisse aus Potsdamer Sicht („Hier war es sehr ruhig!“), aus Berliner Ost- wie West-Blick verfolgt hatten. Da kam es dann auch nicht auf die kleinen Ungenauigkeiten an, als Klier das Kreuz auf dem Kreuzberg (West-Berlin) als „authentisches Kreuz“ aus dem damaligen Geschehen bezeichnete. Tatsächlich hatten  Aufständische wenige Tage nach dem Aufstand ein Holzkreuz durch die Bezirke nach Zehlendorf getragen und es symbolträchtig gegenüber dem auf dem Mittelstreifen stehenden sowjetischen Panzer  aufgerichtet. (Der Panzer stand nach seiner 1955 erfolgten Entfernung bis zum  Mauerfall weit sichtbar am Grenzübergang in Dreilinden.) Das Denkmal am Kleeblatt in Zehlendorf ist daher das einzige authentische, weil ursprüngliche Mahnmal an den 17. Juni in Deutschland.

Carl-Wolfgang Holzapfel von der Vereinigung 17. Juni dankte Klier „für die eindrucksvolle und berührende Personalisierung des sonst häufig sehr abstrakt dargestellten Aufstandes. Nur wenn wir Geschichte in Bezug zu den dahinter stehenden Schicksalen stellen, können wir nachfolgende Generationen dafür interessieren.“ Der Vereinssprecher merkte aber auch Kritik an. Es sei überfällig, neben dem Geschehen in der DDR auch endlich die Rolle der Westseite Deutschlands zu beleuchten. Hier werde „häufig Glanz verbreitet, der wenig der seinerzeitigen Wirklichkeit entsprechen“ würde. Es wäre wünschenswert, wenn sich Klier „mit der von ihr gewohnten Frische und Unvoreingenommenheit ebenfalls diesem Teil des Geschehens widmen würde.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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