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Berlin, 22.04.2017/cw – Im Rahmen der Reihe „Menschen unter Diktaturen“ laden die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße und die Fördergemeinschaft „Lindenstraße 54“, in 14467 Potsdam zu einem Vortrag (Dr. Susanne Kill, Deutsche Bahn) mit anschließender Diskussion (Moderation: Rainer Potratz, LakD) am 27. April 2017, 18:00 Uhr in die Gedenkstätte „Lindenstraße 54“ in Potsdam ein.

Susanne Kill, zuständig in der Deutsche Bahn AG für Konzerngeschichte und Historische Sammlung, wird über die Studie

„Häftlingszwangsarbeit bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR 1949-1989“,

deren Mitautorin sie ist, referieren.

In Ergebnis der Studie wird festgestellt, dass „der Strafvollzug an politischen Gefangenen in der DDR ist eines der bedrückendsten Kapitel in der Geschichte der SED-Diktatur. Nicht nur dass das Gefängnissystem der DDR als besonders rückständig galt, auch die Arbeit von Gefangenen war innerhalb der sozialistischen Planwirtschaft eine feste Größe innerhalb der DDR-Ökonomie. Viele der politischen Gefangenen erlebten die Haftzwangsarbeit als besonders demütigend. Auch die Staatsbahn der DDR, die Deutsche Reichsbahn, war in den Strafvollzug eingebunden.“

Auch in Brandenburg mussten politische Häftlinge in den Werken der Reichsbahn körperlichanstrengende Arbeiten verrichten. So richtete z.B. das Potsdamer Ausbesserungswerk der DR in der Haftanstalt Brandenburg-Görden eine Niederlassung ein, damit die Häftlinge gut bewacht für die Bahn arbeiten konnten.

Strategie mit Erfolgsaussicht

Auf Initiative der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) beauftragte die DB unabhängige Historiker, den Einsatz politischer Häftlinge als Arbeitskräfte in einem ihrer Vorgängerunternehmen zu untersuchen. Die UOKG hatte das Thema Häftlingszwangsarbeit nach einigem Zögern aufgegriffen. Zuvor hatte bereits die Vereinigung 17. Juni infolge eines entsprechenden NDR-Berichtes vom Möbelkonzern IKEA Konsequenzen für dessen Beteiligung am Einsatz von DDR-Häftlingen gefordert. IKEA hatte daraufhin auf nun auch von der UOKG vorgetragenen Forderungen hin 100.000 Euro für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt. Nach einer vielbeachteten Veranstaltung mit dem vormaligen DB-Chef Wolfgang Grube in der einstigen Stasi-Zentrale in Berlin stellte auch die DB entsprechende Mittel zur Verfügung, um die Verantwortung der einstigen Reichsbahn in der DDR für die Ausnutzung von DDR-Häftlingen zu dokumentieren.

Bei den Betroffenen selbst sind bislang allerdings keinerlei Entschädigungsleistungen für deren abgezwungenen Haftzwangsarbeiten eingetroffen. Hier setzen die betroffenen Konzerne, wie IKEA und DB, wohl auf die „biologische Lösung“. 28 Jahre nach dem Mauerfall offenbar eine Strategie mit Erfolgsaussicht.

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.242).

Berlin, 14.10.2014/cw – Die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat heftige Kritik an einem Beitrag des ZDF-Morgenmagazins zum 40. Geburtstag des schwedischen Möbelhauses IKEA geübt. In einer Mail (moma@zdf.de) des gesamten Vorstandes unmittelbar nach der Ausstrahlung des Beitrages heute morgen nach 8:15 Uhr heißt es:

„Das war wohl nichts. Sie wollten „kritische“ Anmerkungen zum 40. Geburtstag des schwedischen Möbelhauses machen. Heraus kam eine kaum verdeckte Werbung.

Wo blieben die Verstrickung von IKEA in  die Haftzwangsarbeit der DDR? Wo die aktuelle Tätigkeit in der Diktatur Weißrusslands, um durch die Ausbeutung der dortigen Arbeitnehmer die Gewinnspanne zu erhöhen?

IKEA hatte nach der Kritik an seiner Beteiligung an der Haftzwangsarbeit Besserung gelobt und geht frisch-fröhlich in die nächste Diktatur? Kein  Thema zum 40. Jahrestag?

War da nicht schon mal ein 40. Jahrestag?

Eigentlich genug Stoff für einen Geburtstagsgruß, finden Sie nicht?
Nachdenkliche Grüße aus Berlin nach Berlin.“ (874)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785
Antwort der Redaktion vom 16.10.2014:
Von: moma@zdf.de
An: vereinigung.17.juni.1953@gmail.com
Datum: 16. Oktober 2014 14:03
Betreff: AW: IKEA 40. Geburtstag

Sehr geehrter Herr Holzapfel,
vielen Dank für Ihr Interesse am ZDF-Morgenmagazin und ihre Anmerkungen.
Die Redaktion hatte sich entschieden, das Thema eher emotional anzugehen und – nicht repräsentativ – zu überprüfen, ob es tatsächlich in jedem Haushalt ein IKEA-Produkt gibt. Die Einordnung des Erfolgs des Möbelherstellers durch einen Professor für Design der Hochschule der Künste in Berlin unterstreicht die journalistische Auseinandersetzung mit dem Thema.
Dass ein Befragter seine Probleme beim Zusammenbau der Möbel zum Ausdruck gebracht hat, rundet das Bild der Meinungsäußerungen im Beitrag ab.
Bleiben Sie weiterhin ein kritischer Zuschauer unserer Sendung.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr ZDF-Morgenmagazin

Berlin/Hamburg, 25.08.2014/cw – Im Herbst 2011 berichtete der NDR über die Verstrickung des schwedischen Möbelhauskonzerns in die Ausbeutung politischer Gefangener in der DDR.
Die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni hatte wenig später den Konzern um Auskunft gebeten und den Skandal publiziert. Nach einer Sendung im Schweden-TV im Frühjahr 2012 wachte auch der Dachverband UOKG auf und stieg in die Kritik am „freundlichen Familien-Kaufhaus“ ein. Zunächst mit lukrativem Ergebnis: IKEA finanzierte unter dem entstandenen Druck eine Studie der UOKG, deren Ergebnisse in diesem Sommer vom UOKG-Beauftragten für die Haftzwangsarbeit, Dr. Christian Sachse, vorgestellt wurden.
Seitdem war es etwas still um das Thema geworden, die PR-Aktion des Möbelhauses schien sich für die Billig-Anbieter aus dem Norden auszuzahlen.

Produktion in letzter Diktatur Europas

Jetzt allerdings droht ein neuer Skandal. Die ARD startete heute zur besten Sendezeit die neue Staffel „Markenscheck“ und zu Beginn einen kritischen Beitrag über das schwedische Unternehmen: Der IKEA-Check.
Die Sendung ließ sich zunächst harmlos an oder, wie SPIEGEL-online im Vorfeld mäkelte: „Die Reporter tragen leider vor allem Krimskrams über das schwedische Möbelhaus zusammen.“ Aber der Skandal kam zum Schluß. Als hab es nie eine Debatte um die Billig-Produktion in Diktaturen, die kalte Ausnutzung von Menschen unter diesen Umständen gegeben, produziert IKEA nunmehr in Weißrussland, „der letzten Diktatur in Europa,“ wie die Reporter kritisch anmerken. SPIEGEL-online: „Jetzt wird’s ernst.“

Vor drei Jahren versuchte sich das Möbelhaus gegenüber der Vereinigung 17. Juni und später gegenüber der Öffentlichkeit noch herauszureden: Man habe von der Vergangenheit überhaupt nichts gewusst und man wolle diesen Vorwürfen offen nachgehen.
Mit viel Pomp wurde mit UOKG-Chef Wagner und BStU-Chef Roland Jahn eine aufwändige Pressekonferenz inszeniert, indem sich der Möbelkonzern mittels seines Deutschland-Chefs zerknirscht gab und „strikte Aufklärung“ versprach. Drei Jahre später der neue und für die Möbel-Schweden unter Umständen schwerer wiegende Skandal: Weil es sich nicht – schlimm genug – um zurückliegende Geschichte, sondern um brennende Aktualität handelt.

Rückfälliger Kapital-Süchtiger?

Ehemalige Häftlinge aus der DDR sind empört, und die Vereinigung 17. Juni will ihren Mitgliedern in einem Brandbrief empfehlen, einen großen Bogen um die blau-gelben Filialen zu machen. „Boykott ist die einzige Antwort, die diese hemmungslosen Profit-Geier verstehen,“ sagt die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg, die einst für andere Westfirmen im DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck schuften mußte.

Und der Dachverband UOKG? Der hat nach Meinung von Beobachtern jetzt auch ein wenn auch eher moralisches Problem: Einerseits freut man sich, einen Beauftragten in Brot und Arbeit gebracht zu haben und bis nach Schweden den Ruf des Aufkärers erlangt zu haben, Dank IKEA. Und nun stellt sich der Finanzier der auch für die UOKG glücklichen PR-Kampagne aktuell als rückfälliger Kapital-Süchtiger dar. Was nun?

Der Dachverband kann ohne Gefahr für das eigene Image die neuen Daten aus Schweden respektive Weißrussland nicht einfach ignorieren. Aber den zugesagten Geldfluss stoppen, die Hand beißen, die so schnell zur Fütterung bereit war? Die UOKG wird Farbe bekennen müssen. Ihr Vorsitzender hat an anderer Stelle ja schon Klartext gesprochen. Ob er nun die Möbel-Produzenten aus dem schönen Schweden auch als „Knechte Satans“ einstuft, bleibt abzuwarten.(844)

Siehe auch:
http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/markencheck/markencheck/sendungen-neu/ikea-check-102.html

http://www.spiegel.de/kultur/tv/ikea-ard-markencheck-ueber-das-moebelhaus-a-987898.html
und
http://www.fr-online.de/tv-kritik/-der-ikea-check–duenne-bretter,1473344,28213414.html

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. und Redaktion Hoheneck, Berlin,
Tel.: 030/30207785

Heinrich Hagen – ein  deutsches Schicksal

Basse, 2.03.2013/cw (602) – Drei Wochen hatten sie ihn gesucht, mit Hubschraubern und Wärmebildkameras aus der Luft, mit Hunden im Moorgebiet, was die Findungsmöglichkeiten erheblich einschränkte. Heinrich Hagen, stolzer Eigentümer des „Moorhof“ genannten Anwesens mitten im moorigen  Wald bei Bad Sülze in Mecklenburg-Vorpommern, war seit Wochen spurlos verschwunden. Die Hunde, mit ihren berühmten Spürnasen ausgestattet, scheiterten nicht nur am Moor sondern wohl auch an den irritierenden Gerüchen, die eine  Rinderherde nahe dem Moorhof mit ihren  Fladen verbreitete. Nach über drei Wochen Suche fand sich Mitte Januar der Leichnam des Sechsundsechzigjährigen, nur ca. 150 Meter vom  Anwesen entfernt. Er war womöglich gestürzt, hilflos liegengeblieben und schließlich erfroren.

Der fehlendeTodestag weist auf das mögliche Drama hin - Foto:LyrAg

Der fehlende Todestag weist auf das mögliche Drama hin – Foto:LyrAg

 Heinrich Hagen, ehemaliger politischer Häftling der DDR, geboren am 26.09.1946, hinterließ Bestürzung und Trauer. Am 2. März 2013 wurde seine Urne nach einer bewegenden Feier in der alten evangelischen Kirche von  Basse, einem Weiler nahe der Ortschaft Tessin, auf dem Friedhof seines Geburtsortes in Anwesenheit seiner ersten Frau, seiner Geschwister, Kinder, Enkelkinder und zahlreichen Freunden beigesetzt.

Heinrich Hagen kam in Basse, nahe Rostock, als zweites von fünf Kindern zur Welt und wuchs mit seinen vier Geschwistern auf dem elterlichen Hof auf, bevor dieser in den 50er Jahren im Rahmen der Zwangskollektivierung enteignet und einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) zugeordnet wurde. Bereits mit drei Jahren mußte Heinrich wegen einer Erkrankung  bis zur Einschulung in  einem Tuberkuloseheim in Graal/Müritz zubringen.

Keine Zukunft in  der DDR

Abschied von einem Freund und KameradenFoto: LyrAg

Abschied von einem Freund und Kameraden
Foto: LyrAg

Nach der Ausheilung schlug Heinrich Hagen nach erfolgreichem Abitur die Militärlaufbahn ein und besuchte von 1965 bis 1968 in Plauen die Offiziersschule, wo er gleichzeitig eine Ausbildung zum Fachlehrer für Polytechnik und Werken absolvierte. Anschließend diente er bei der NVA in Berlin, von der er 1971 auf eigenen Wunsch entlassen wurde.

Im Anschluss wirkte der aufstrebende und karrierebewusste junge Mann drei Jahre bei der Deutschen  Außenhandelsbank und absolvierte nebenbei ein Fernstudium für Finanzökonomie. Von 1974 bis zu seiner 1976 folgenden Inhaftierung war er Hauptreferent im Amt für Rechtsschutz. In dieser Zeit nahm der bis dahin folgsame und vorzeigbare DDR-Bürger Verbindung zu einer Schleusergruppe  (Fluchthelfer) auf, weil er die DDR verlassen wollte. Berufliche Einblicke in die realen Verhältnisse der DDR ließen ihn resignieren. Er sah in der DDR keine Zukunft mehr.

Letzte Ruhe im Grab der Eltern - Foto: LyrAg

Letzte Ruhe im Grab der Eltern – Foto: LyrAg

Die Stasi versuchte den  Häftling  durch psychischen Druck und die Verabreichung von Psychopharmaka in der elfmonatigen Untersuchungshaft (Berlin-Pankow, Kissingenstraße) zum Eingeständnis seiner Schuld (Vorwurf: Geheimnisverrat an eine feindliche Macht) zu bewegen. Wegen der daraus erwachsenen Probleme wurde er schließlich zur Begutachtung in die Psychiatrie in Leipzig-Moisdorf eingewiesen. Hagen  konnte sich aufgrund der zwangsweise verabreichten Psychopharmaka später nur nebulös daran erinnern, mehrfach in  eine Zwangsjacke gesteckt worden zu sein. Vier Monate Isolationshaft hinterließen zusätzliche Spuren.

Der in der gemeinsamen Zelle inhaftierte Fluchthelfer verhinderte einen Selbstmordversuch; die zeitweilige Unterbringung mit einem Doppelmörder, der  auch versuchte, ihn sexuell zu belästigen, lösten bei Hagen traumatische Zustände aus.

Zwangsarbeit für IKEA

Unweit von der letzten Ruhestätte: Das Elternhaus in  Basse - Foto: LyrAg

Unweit von der letzten Ruhestätte: Das Elternhaus in Basse – Foto: LyrAg

Nach seiner Verurteilung zu sechs Jahren Zuchthaus im März 1977 wurde Hagen für vierzehn Tage nach Rummelsburg (Berlin) verlegt, wo ihm Ratten auf der Toilette entgegensprangen. Schließlich gelangte er nach Brandenburg, wo er in  Zwangsarbeit Möbel für einen  schwedischen Möbelhauskonzern leisten mußte (Holzverarbeitungswerke Burg). IKEA mußte sich erst im  letzten  Jahr schwerer Vorwürfe wegen der Ausnutzung politischer DDR-Gefangener erwehren.  Die Zugangszelle in Brandenburg mußte Hagen mit elf anderen Häftlingen teilen, davon allein neun  wegen  Mordes Verurteilten.

Der zuvor nie schweren körperlichen Arbeiten ausgesetzte politische Häftling erkrankte schließlich durch die Staubeinwirkung bei der Holzverarbeitung an einer Atemwegserkrankung, die einen operativen Eingriff in Leipzig notwendig machte. Nach seiner vorzeitigen Entlassung in die DDR 1979 stand er vor dem Zusammenbruch seiner Familie. Seine Frau hatte sich in Sorge um die gemeinsamen drei Kinder einem anderen Mann zugewandt. Zwar verließ seine Frau den neuen Freund, die Ehe war aber nicht mehr zu retten und wurde schließlich geschieden.

Nur drei Jahre später ehelichte Hagen  seine zweite Frau, die Ehe blieb kinderlos. Die durch die Haft verursachten schweren gesundheitlichen Störungen belasteten den einstigen Gefangenen zusehends. Die mangelnde Möglichkeit, in den Westen  zu gelangen, tat ein Übriges. Als Geheimnisträger war ihm dieser Weg versperrt. Der studierte Hagen mußte als Hausmeister in Berliner Schulen arbeiten.

Der Moorhof - Nur kurze Zeit ein Traum -                  Foto: Lyrag

Der Moorhof: Hier werkelte Heinrich Hagen nur wenige Jahre an seinem Traum – Foto: Lyrag

Erst nach dem Fall der Mauer gelang ihm wieder ein beruflicher Fortschritt. Er fand eine Anstellung als Referent im Bundesamt zur Regelung für offene Vermögensfragen. Die Haftfolgeschäden führten aber schließlich zu seiner vorzeitigen Verrentung. Nach langjährigen  rechtlichen Auseinandersetzungen wurde ihm eine umfassende finanzielle Entschädigung zugesprochen, die es dem einstigen  politischen Häftling erlaubten, das Anwesen im Moor zu kaufen.

Seine Frau mochte ihm nicht in die Einsamkeit folgen. Nach dreißig Jahren ließ sie sich scheiden. Heinrich Hagen litt unter diesem neuerlichen Schicksalsschlag, der den freundlichen und stets hilfsbereiten Menschen wohl aus der Bahn  warf.

Das Schicksal Heinrich Hagens steht symptomatisch für die erlittenen schweren Schäden der einst durch das SED-MfS-Regime politisch Verfolgten. Ein deutsches Schicksal. Die ihn kannten, werden den einsam in der Moor-Landschaft Verstorbenen  nicht vergessen.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 3.12.2012/cw – IKEA, Quelle, Neckermann – Einzelbeispiele für ausufernden Kapitalismus, denen die Herkunft ihrer Gewinne egal waren, Hauptsache, die Kasse stimmte?
Die aktuell diskutierte Ausbeutung von einstigen Häftlingen, vor allem politisch Verfolgter in der DDR-Diktatur zum Zweck der Gewinn-Maximierung, jüngst durch die IKEA-Studie zu diesem Thema befeuert, schien nur ein kleiner Teil kapitalistischer Exzesse unter Ausnutzung der traurigen Auswirkungen des Kalten Krieges zu sein.
Jetzt berichtet die ARD über die Beteiligung des damaligen Schweizer Pharmakonzerns Sandoz und anderer Firmen an Patienten-Versuchen in der DDR. Nach einem Bericht des DDR-Gesundheitsmininisteriums wurden für diese Tests pro Person bis zu 3.800 DM vom Westen kassiert. Nach den Unterlagen verdiente die DDR bis 1988 6,78 Millionen DM an diesen Versuchen.

Die Filmemacher Stefan Hoge (46) und Carsten Opitz (44) aus Leipzig haben für ihre Dokumentation u.a. in alten Akten recherchiert. Danach beteiligten sich mehr als 150 DDR-Krankenhäuser an den Tests. Neben  West-Pharmazie-Unternehmen hatten auch DDR-Krankenhaus-Ärzte  keine Bedenken, bei diesen Versuchen, die 1981 begannen, mitzumachen. Es gab in diesem Zeitraum 165 klinische Studien! Auch der Chemie-Gigant HOECHST war offenbar an diesen lukrativen und für Patienten oft tödlichen Studien beteiligt.

War der Einsatz von Psycho-Pharmaka in Hoheneck bezahlte Studie?

Tatjana Sterneberg, die den Missbrauch von Psychopharmaka im einstigen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck aufdeckte und selbst dessen Opfer wurde, ist entsetzt. Sie stellt die berechtigte Frage, ob der Einsatz dieser Medikamente in Hoheneck möglicherweise ebenfalls die Folge lukrativer Verträge zwischen West-Firmen und der diktatorisch regierten DDR war? Sterneberg: „Man sollte den einstigen medizinischen Leiter von Hoheneck auffordern, die tatsächlichen Hintergründe für diesen von ihm angeordneten Medikamenten-Missbrauch schonungslos aufzudecken.“ Peter J. betreibt seit dem Ende der DDR unangefochten eine Arzt-Praxis in Ahrensfelde bei Berlin.

Stefan Hoge und Carsten Opitz gehen in  ihrem Beitrag auf diese denkbare, weitere Brisanz nicht ein und beschränken sich auf die Schilderung von Fakten. Sie schildern auch (tödliche) Schicksale von Menschen, die im Sinne der Profitmaximierung offenbar gemeinschaftlich vom sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat und westlichen Pharma-Riesen ausgenutzt und gnadenlos geopfert wurden.

TV-Tipp: Unbedingt ansehen, diskutieren und mögliche Konsequenzen fordern.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953
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