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Berlin, 28.09.2017/cw – Unter dem Geleit des Sohnes und einstiger Kameraden wurde heute Werner Herbig, Streikführer vom 17. Juni 1953 aus Görlitz, in einem Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Friedhof Seestraße im Berliner Bezirk Wedding mit seiner Frau Lieselotte beigesetzt. Die Urnen waren zuvor der bisherigen Grabstelle auf dem Luisenfriedhof am Fürstenbrunner Weg entnommen worden. Lieselotte Herbig war bereits 2006, Werner Herbig im Dezember 2008 verstorben.

Fünf Jahre Zuchthaus für Streikführung

In seiner Gedenkrede erinnerte der Vereinsvorsitzende an die Verdienste Werner Herbigs um den Volksaufstand. Seine Mitwirkung in der im Vergleich zu anderen Städten in der SbZ zunächst sehr erfolgreichen Streikleitung brachte dem damals 35jährigen eine Strafe von fünf Jahren Zuchthaus ein, die Herbig im berüchtigten Zuchthaus Waldheim verbüßen mußte. Zwar wurde Herbig, gesundheitlich schwer gezeichnet, bereits 1956 entlassen. Aber eine drohende erneute Verhaftung veranlassten den 17er mit seiner Familie zur Flucht nach Westberlin. Dort schloss er sich sofort der Vereinigung 17. Juni an, die am 3. Oktober vor 60 Jahren, am 3. Oktober 1957, als rechtsfähiger Verein in das Vereinsregister eingetragen worden war. Schon damals mussten Flüchtlinge längere Zeiten in den dafür geschaffenen Einrichtungen verbringen. So verbrachte Herbig mit seiner Familie ein Jahr im Notaufnahmelager Marienfelde, ehe er in Charlottenburg eine Wohnung zugewiesen bekam.

Der Redner wies in seinem Gedenken auf die besondere Rolle hin, die Görlitz in der Aufstandshistorie gespielt habe: „In Görlitz wurden auf Weisung der Streikleitung systematisch Gebäude der SED, der Staatssicherheit, der Massenorganisationen, die Strafvollzugsanstalt und das HO-Kaufhaus besetzt. Der Bürgermeister wurde seines Amtes enthoben, nachdem sich zuvor eine neue Stadtverwaltung, ein so genanntes „Stadtkomitee“, konstituiert hatte. Die streikenden Arbeiter hatten sich mit einer neuen Verwaltung ein ihre Interessen vertretendes Machtorgan geschaffen. Die politisch Inhaftierten wurden aus der örtlichen Haftanstalt befreit,“ führte Holzapfel aus. Aber: „Auch das gehöre zur Geschichte des Görlitzer Aufstandes: Die herausragende Forderung nach Revidierung der Oder-Neiße-Grenze, die allerdings durch den hohen Anteil von Vertriebenen in dieser nunmehrigen Grenzstadt nachvollziehbar war.“ Immerhin gehörte die Forderung auf „Rückgabe der polnisch besetzten Gebiete“ auch zum damaligen politischen Kanon im Westen Deutschlands.

Engagement in das Gedächtnis der Nation einprägen

Am offenen Urnengrab dankte der Vereinsvorsitzende Herbig für sein Engagement, dass sich „in das Gedächtnis der Nation einprägen sollte.“ Herbig und seine mutigen Kameraden hätten es zweifellos verdient, für ihren Einsatz für „Einigkeit und Recht und Freiheit“ niemals vergessen zu werden. Die Ehrengrabanlage war 1953 von Ernst Reuter und Konrad Adenauer unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durch die Beisetzung von Opfern des Volksaufstandes eingeweiht worden. Die Bundesregierung und der Senat von Berlin gedenken seither alljährlich an diesem Ort in einem öffentlich zugänglichen Staatsakt der Toten vom 17. Juni 1953.

Hinweis: Aus technischen Gründen ist ist die Veröffentlichung von Fotos derzeit nicht möglich. Wir arbeiten an dem Problem. Die Redaktion

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.290).

VEREINIGUNG (AK) 17.JUNI 1953 e.V.

Pressemitteilung

Streikführer von Görlitz erhält Ehrengrab

Berlin,26.09.2917/cw – Am 17. Juni 1953 wurde der gebürtige Görlitzer Werner Herbig in das Streikkomitee von Görlitz gewählt. Jetzt erhält Herbig, der am 11.12.2008 in Berlin verstarb, ein Ehrengrab der Stadt Berlin. Dies teilte die Vereinigung 17. Juni 1953 heute mit. Die Vereinigung, der Herbig ursprünglich bereits angehörte, wurde vor 60 Jahren, am 3.Oktober 1957, als Nachfolger des unmittelbar nach dem Aufstand gegründeten „Komitee 17.Juni“ in das Vereinsregister eingetragen.

Danach werde Herbig mit seiner Ehefrau vom Luisenfriedhof am Fürstenbrunner Weg auf den Friedhof Seestraße im Bezirk Wedding umgebettet. Am Ehrenfeld der Toten vom 17. Juni wird das Ehepaar seine endgültig letzte Ruhe finden

Die Gedenkfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am 28.09.2017, 11:00 Uhr im Aussegnungsraum des Friedhofs statt.

Werner Herbig, der wegen seiner Teilnahme am seinerzeitigen Volksaufstand zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, hatte zeitlebens an den jährlichen Gedenkfeiern der Bundesregierung und des Senats von Berlin an der Seestraße teilgenommen. Sein Wunsch, selbst dort an der Seite seiner Kameraden bestattet zu werden, scheiterte zunächst am vorherigen Tod seiner Frau Lieselotte (2006). Seit 2014 gibt es die Möglichkeit, dass auch Ehepartner von Teilnehmern am 17. Juni 1953 dort bestattet werden können.

Die Vereinigung hatte die Bestattungsmöglichkeit für Aufstandsteilnehmer auf dem Friedhof nach langen Verhandlungen mit dem Berliner Senat unter der aktiven Unterstützung durch Klaus Wowereit erreicht.

Carl-Wolfgang Holzapfel                                                                                                                     Vorsitzender

Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.

Kaiserdamm 9 – 14057 Berlin

Mobil: 0176-48061953                                                                                                                                                                                                                 Tel.: 030-30207785

Berlin, 17.Juni 2017/cw – Die Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin äußerte in einer Erklärung ihre „tiefe Trauer“ zum Tod von Helmut Kohl. „Es sei sicherlich ein Zufall, das Kohl am Vorabend des Jahrstages gestorben sei, an dem wir uns des größten geschichtlichen Ereignisses nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. Gleichwohl ist die Erinnerung an den Volksaufstand von 1953 und der Tod von Helmut Kohl von symbolischer Bedeutung, die der geschichtlichen Würdigung eines großen Staatsmannes entspricht,“ erklärte der Vorstand. Der Verein hatte während seiner diesjährigen Mitgliederversammlung in Berlin vom Tod des ehemaligen Bundeskanzlers Kenntnis erhalten.

Mit Helmut Kohl sei am 16. Juni 2017 der Politiker von der Bühne des Lebens abgetreten, dem wir die Realisierung der Forderungen und Träume der einstigen Aufständischen vom 17. Juni 1953 verdanken. Helmut Kohl verwirklichte die ersehnte Wiedervereinigung unseres Vaterlandes „in Frieden und Freiheit“ zu einer Zeit, als sich „allzu viele bereits von diesem Traum verabschiedet hatten.“ Dies bleibe in historischer Erinnerung von diesem Politiker, der „ein Glücksfall für Deutschland und Europa gewesen“ sei. „Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit,“ heißt es abschließend in der Kondolenz des Veteranenvereins vom 17. Juni 1953.

V.i.S.d.P.: VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 e.V., Berlin, Tel.: 0176-4806 1953 (1.256).

 

TitelNr.054 –Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 06. 2016

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Erich Loest zum 17. Juni 1953: „Geheimdienstler aus Westberlin schickten Kriminelle und Rowdys über die Grenze“

Berlin, 16./17.Juni 2016/cw – „Das war an diesem Vormittag nur zu ahnen: Da und dort in Westberlin hatten stimm- und zahlungskräftige Geheimdienstler um sich geschart, wer immer auf sie hören wollte. Arbeitslose und Kriminelle. Sie hatten jedem, der ihnen folgen wollte, nach der Rückkehr fünfzig Mark auf die Hand versprochen, und dann waren die Trupps über die Grenze gegangen zum freiheitlich motivierten Brennen und Plündern…“ (SZ, Nr.132, 11./12.06.1983).

Diese Beschreibung des 17. Juni 1953 stammte aus der Feder des am 12. September 2013 in Leipzig verstorbenen berühmten Schriftstellers Erich Loest. Zum 30.Jahrestag des Volksaufstandes verbreitete sich Loest in der renommierten Süddeutschen Zeitung im Stil des einstigen SED-Anhängers. Da lagen die vielen Jahre der Haft in Bautzen (Entlassung 1964) bereits hinter ihm, seit 1981 lebte das einstige Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, aus dem er 1979 austrat, in der einst gehassten Bundesrepublik, konnte sich also über tatsächliche Gegebenheiten um die Ereignisse im Juni 1953 umfassend informieren. Loest weiter:

Demonstrierende am Brandenburger Tor

Der spätere Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni, Manfred Plöckinger, als Demonstrant unter dem Brandenburger Tor (zweite Säule v. li. Mitte) – Foto. Archiv

Seitdem haben beide Seiten im geteilten Land ihr Bild vom 17. Juni festgeschrieben. Das da Panzerkanonen in die Menge gefeuert haben, wird nicht auszurotten sein, auch Biermanns Zeile, Panzer machten aus Menschen Menschenfleisch, klingt mir zu schrill… Es gab Tote an diesem Tag, und jeder war zuviel, aber Blutrunst sollte keiner in sein Bild malen. Dieter Borkowski hat beschrieben, wie ein Panzer in Berlin Unter den Linden einen Demonstranten zerquetschte, und Borkowski sah, wie sich das Turmluk hob, ein Kopf schob sich heraus, und Borkowski erkannte: Der da, der Mörder, war der spätere Marschall Gretschko…“

Der Westberliner Wolfgang Helle stand vor dem Kreuz

Einer der nicht nur von Loest beschriebenen Rowdys aus Westberlin war Wolfgang Helle. Der damals Neunzehnjährige hatte im Rundfunk von den Unruhen im Ostteil der Stadt gehört und war schon am 16. Juni über die Sektorengrenze nach Ostberlin geradelt, um sich zu informieren. „Beteiligt habe ich mich an keinen Aktionen, dafür hatte ich viel zu viel Angst. Aber als engagiertes Mitglied der „Jungen Europäischen Föderalisten“ (JEF) interessierte mich, was da in der geteilten Stadt vor sich ging,“ sagt der in die Jahre gekommene Zeitzeuge, der heute in Staaken lebt.

Wolfgang Helle 1953/1954 - Foto: Privat

Wolfgang Helle 1953/1954 – Foto: Privat

Unvergessen bleibt dem heute 82jährigen der 17. Juni, als er erschrocken und ratlos vor einem provisorisch errichteten Kreuz stand. Hier war zuvor ein Arbeiter von den Ketten eines russischen Panzers überrollt und getötet worden. Dieses Bild, Helle steht mit seinem Fahrrad vor dem Kreuz, von Guido Knopp in seinem Buch „DER AUFSTAND – 17. JUNI 1953“ auf Seite 164 veröffentlicht, wird Helle zeitlebens nicht vergessen. Es war für ihn „die blutige Seite des Aufstandes“. Von den „Westberliner Rowdys in Jeans und Lederjacken“ hat er später zwar gehört, kann aber darüber nur den Kopf schütteln: „Ich habe weder 50 Mark oder ein sonstiges Geld bekommen, noch habe ich blutrünstige Halbstarke bemerkt, die dazu noch im Westauftrag Unruhen geschürt oder sich daran beteiligt haben.“ Für den überzeugten Europäer ein „klares Produkt der Ost-Propaganda, die das Trauma des 17. Juni nie verwunden hat,“ sagt Helle heute.

Mit Wolfgang Helle hat einer der durch die Agenda des 17. Juni 1953 geisternden Westberliner Jugendlichen 63 Jahre nach dem Aufstand ein Gesicht bekommen. Ein Diskurs mit Erich Loest wäre höchst interessant gewesen. Dieser hat allerdings auf die Vorhaltungen der Vereinigung 17. Juni, die seinen eigentlich skandalösen Artikel aus der SZ in ihrer Festschrift zum 50.Jahrestag auszugsweise veröffentlicht hatte („Spurensuche – Helden der Menschlichkeit“, 2003) nicht reagiert. Er war vor der Veröffentlichung um eine Stellungnahme „aus heutiger Sicht“ gebeten worden. Loest hat die aufgeworfenen Fragen nie beantwortet…

Wolfgang Helle hat sein Fahrrad von 1953 noch. Er will es einem Museum für Zeitgeschichte zur Verfügung stellen. Natürlich mit dem Foto des Halbstarken aus Westberlin, der rat- und fassungslos vor dem spontan errichteten Denkkreuz eines Opfers des Aufstandes steht.

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Die -werktätigen- Volksmassen machen die Geschichte!

Berlin, 15.06.2016/cw – Reinhold Schramm, einstiger Mitarbeiter des MfS, gehört zu den Nachdenklichen seiner Zunft. Schön früher war er einstigen Opfern seiner einstigen Auftraggeber durch abweichende Thesen aufgefallen, die er zunächst aber lieber unter vier Augen präsentierte. Jetzt hat er sich öffentlich mit dem Thema 17. Juni 1953 auseinandergesetzt 😦http://www.scharf-links.de/52.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=56401&cHash=4d1789ed9d).

In einem Beitrag für die Kommunisten-Seite im Internet „scharf links“ nimmt der einstige MfS-Offizier zu einem Artikel Stellung, der im kommunistisch orientierten „RotFuchs“ erschienen ist: Warum in der Alt-BRD der 17. Juni gefeiert wurde und warum Bodo Ramelow daran anknüpft«, vgl. RF-Extra, Juni 2016“:

Wir Kommunisten lügen uns doch nichts in die eigene ideologische und weltanschauliche Tasche!“ schreibt Schramm und bezeichnet es als Fakt, dass seinerzeit „auch das werktätige Fußvolk mitgelaufen“ sei, „selbst wenn die Anführer 1953 alte und deren neue und junge Faschisten waren.“

Als Beweis, „das es der Minderheit von Kommunisten und Antifaschisten nach 1949, bis zum Ende der Existenz der DDR, nicht gelungen war, die alte Arbeiterklasse und die werktätige Jugend (-in ihrer großen Mehrheit-) zu gewinnen“ führt Schramm akribisch die Ergebnisse der Volkskammerwahl vom 18. März 1990 an. Der Autor schreibt bemerkenswert offen vom „- vorgeblichen- antifaschistischen und antiimperialistischen Kampf“ und das es „schon weit aus mehr, als einen historischen Verweis auf den 17. Juni 1953, und auf revisionistische „Chruschtschowianer“, so wie Enver Hoxha zu Lebzeiten“ bedarf, als der Thematisierung von Kurt Gossweiler „Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR“.

Es folgt die, wenn auch späte Einsicht: „Es gilt doch immer noch die historische Wahrheit: Nicht die einzelnen Persönlichkeiten, sondern die -werktätigen- Volksmassen machen die Geschichte!“ Dem ist unsererseits nichts hinzuzufügen.

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Manfred Schumann: Als Held gefeiert, als Provokateur entlassen

Leipzig/Berlin, 15. Juni 2016/cw – Am 26.06.1953 wurde er – wohl wegen seines jugendlichen Alters – aus der U-Haft entlassen

Verstoß ggeen Grundsätze der antifaschistisch demokratischen Ordnung - Foto: Archiv

Verstoß ggeen Grundsätze der antifaschistisch demokratischen Ordnung – Foto: Archiv

und von der Belegschaft des VEB Bodenbearbeitungsgeräte in Leipzig zunächst als Held gefeiert: Manfred Schumann, geb. 9.06.1938, verstorben in Berlin † 27.03.2011. Eine Woche nach seinem 15. Geburtstag wurde der Lehrling Zeuge und Akteur des Aufstandes in Leipzig. Manfred Schumann beteiligte sich spontan an den Demonstrationen. Noch am 17. Juni war er verhaftet worden.

Am 22. August folgte der Euphorie die Ernüchterung: Manfred Schumann wurde fristlos entlassen. In der Begründung hieß es kurz und lapidar: „In der am 21.8.53 durchgeführten Belegschaftsversammlung beschloß diese einstimmig ihre fristlose Entlassung, da Sie durch Ihr Verhalten gegen die Grundsätze der antifaschistischen demokratischen Ordnung verstoßen haben, wie sie in der Verordnung über das Kündigungsrecht vom 7.6.1951 Paragraph 9a festgelegt ist.“ Unterzeichnet war das historische Dokument von der Betriebsgewerkschaftsleitung und der Kaderabteilung (1.125).

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Rita Süssmuth: Opfer erwarten Anerkennung und Würdigung

Berlin, 17.Juni 1992/cw – Rita Süssmuth, seinerzeitige Präsidentin des Bundestages, erinnerte am 17. Juni 1992 im Deutschen Bundestag an einen „Tag der Trauer über die vielen Menschen, die ihre Forderungen nach gerechten Arbeits- und Lebensbedingungen, ihr Verlangen nach Freiheit und Demokratie mit dem Leben oder mit langjähriger Haft bezahlt haben. … Den 17. Juni aus unserer Erinnerung schwinden zu lassen, hieße, die Opfer der kommunistische Zwangsherrschaft aus unserem Gedächtnis zu tilgen, die lange Reihe derer nämlich, die wegen ihrer Gesinnung und wegen ihres mutigen Eintretens für Recht und Freiheit verfolgt wurden. Sie erwarten von uns zu Recht, daß dieser Einsatz anerkannt und gewürdigt wird.“

Nachdem der Rechtsausschuss übereingekommen war, eine Ehrenerklärung für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft auszusprechen, verlas Süssmuth im Namen aller Fraktionen diese Erklärung (Die Abgeordneten erhoben sich von ihren Plätzen):

„Der Deutsche Bundestag würdigt das schwere Schicksal der Opfer und ihrer Angehörigen, denen durch die kommunistische Gewaltherrschaft Unrecht zugefügt wurde.“ Diese Menschen „wurden ihrer Freiheit beraubt und unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. … Sie wurden gefoltert, gequält und getötet. Sie wurden in ihrem beruflichen Fortkommen behindert, schikaniert und diskriminiert. Sie wurden verschleppt. Sie wurden unter Missachtung elementarer Grundsätze der Menschlichkeit aus ihrer Heimat, von Haus und Hof und aus ihren Wohnungen vertrieben. Sie wurden an Eigentum und Vermögen geschädigt.

Der Deutsche Bundestag verneigt sich vor allen Opfern kommunistischer Unrechtsmaßnahmen. Er bezeugt all jenen tiefen Respekt und Dank, die durch ihr persönliches Opfer dazu beigetragen haben, nach über 40 Jahren das geteilte Deutschland in Freiheit wieder zu einen.“

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Wir gedenken unserer 2015/2016 Verstorbenen:

Uwe Holzapfel, *8.03.1942  24.08.2015

Karl-Heinz Gebhardt * 08.1929  1.04.2016

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder (1.125).
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

 

 

 

 

                       

 

 

 

 

 

Berlin, 19.10.2015/cw – Die VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 hat zur Mäßigung und Umkehr im politischen Dialog aufgerufen: „Gewalt und unerträgliche Symbole der Unmenschlichkeit, wie die demonstrative Mitführung von Galgen auf Demonstrationen, gleich welcher Richtung, schüren unerträglichen und nicht mehr tolerierbaren Hass,“ sagte Vorstandssprecher Holzapfel in Berlin. Wer dann noch Namen von Politikern an diesen Galgen aufhänge, versündige sich gegen die eigene Geschichte. Die damit provozierte Aufforderung zum Mord an Andersdenkenden „ist ein Rückfall in die barbarischen Zeiten der NS-Ideologie und Stalinischer Mordorgien.“ Es sei erschütternd, wenn 25 Jahre nach dem Fall der Mauer in Berlin und des Eisernen Vorhangs in Europa derartige Parolen „in unserem Land wieder Zustimmung finden.“ Auch eine Hinnahme dieser Entgleisungen kommt dem einstigen Wegsehen gleich, als braune Mordgesellen gegen jüdische Mitbürger vorgegangen sind. Der Verein: „Das darf sich nicht einmal in Ansätzen und Andeutungen wiederholen!“ Für eine solche Vorgehensweise sind weder die Mensche am 17. Juni auf die Straße gegangen, noch sind für solche Gedanken freiheitsliebende Menschen an der einstigen Mauer durch Europa gestorben.

Der seit dem Aufstand von 1953 existierende Verein will mit seiner Kritik keineswegs „jene ausnehmen, die auf der anderen Seite jedwedes anderes Denken, dass nicht vorgegebener Konformität entspricht, verteufeln und in radikale Ecken reden.“ Unsere Demokratie lebt von dem Grundrecht, andere Meinungen äußern und auch durch Demonstrationen vortragen zu dürfen, ohne deswegen der Diffamierung ausgesetzt zu werden. Unsere Demokratie lebt von der Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Dieser „heilige Grundsatz unserer Republik“ dürfe gerade nicht in einer Zeit ausgehöhlt werden, in der Hunderttausende Menschen unser Land als Zufluchtsort vor Verfolgung und Gewalt entdecken. Dies wäre 70 Jahre nach dem Ende einer ungeheuren Menschenvernichtungsindustrie „nahezu ein Wunder, dem wir gerecht werden müssen,“ erklärte der Verein.

Ob der Zustrom so vieler Menschen in einem relativ kurzen Zeitraum in ein relativ überschaubares Gebiet im Zentrum Europas angebracht ist oder verkraftet werden kann, muss offen debattiert und demokratisch unter Einbeziehung vorhandener Skepsis und ernster Besorgnis entschieden werden. Weder das Verschweigen dieser Ängste noch das Schüren von Hass oder Mordpropaganda sind eines demokratische Staates würdig: „Noch ist es Zeit, umzukehren. Der Mordversuch an der neuen Oberbürgermeisterin von Köln muß Anlass für alle politischen Kräfte von links bis rechts sein, die bereits in Gang gesetzte Spirale unheilvoller Intoleranz in diesem Land zu unterbrechen,“ so die Vereinigung in ihrem heute veröffentlichten Appell. „Wir wollen auch morgen noch sagen dürfen: Wir sind stolz auf dieses Land!“ (1.045)

V.i.S.d.P.: VEREINIGUNG (AK) 17.JUNI 1953 e.V., Berlin – Tel.: 030-30207778

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