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Von Dr. Werner Gumpel

Hannover/Berlin, 09.07.2018/wg – Prof. Dr. Siegfried Jenkner, der dank seiner Publikationen und öffentlichen Auftritte bei wissenschaftlichen Konferenzen weit über den Kreis der Workutaner hinaus bekannt geworden ist, und der durch seine verbindliche und warmherzige Art viele Freunde gewonnen hat, ist am 20. Juni 2018 nach lang anhaltender schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren in seinem Wohnort Hannover verstorben. Um ihn trauern nicht nur seine Angehörigen, sondern auch viele Kameraden, die mit ihm die bitteren Jahre in Workuta geteilt haben. Viele von ihnen hielten bis kurz vor seinem Tod einen engen Kontakt zu ihm.

Siegfried Jenkner hatte an der Universität Leipzig Zeitungswissenschaften studiert, als er aus dem Studentenleben gerissen wurde. Nach einigen Tagen im Gefängnis in Leipzigs Wächterstraße wurde er an die Russen übergeben, die ihn in das berüchtigte Kellergefängnis in der Bautzner Straße in Dresden brachten, wo er nach ca. vier Monaten zu zweimal 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. Wie auch viele andere Workuta-Häftlinge, wurde er nach dem Paragraphen 58 des sowjetischen Strafgesetzbuches der „antisowjetischen Agitation und Propaganda“ sowie der „Spionage“ bezichtigt. Es folgte zunächst die Verbringung in das Zuchthaus Berlin-Lichtenberg. Von dort ging es über Brest, Gomel, Moskau und Wologda weiter nach Workuta, wo er den größten Teil seiner Haft im Kohlebergbau verbrachte. Erst anderthalb Jahre nach Stalins Tod wurde er in die Freiheit entlassen.

Nach seiner Rückkehr studierte Siegfried Jenkner in Wilhelmshaven. Nach der Promotion wurde er auf einen Lehrstuhl an die Universität Hannover berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung tätig war. In den antikommunistischen Widerstand ging er wohl vorwiegend wegen der unhaltbaren Zustände an der Universität Leipzig, und der fortdauernden ideologischen Indoktrination und die allgemeine Unfreiheit im kommunistischen Staat. Nach der Entlassung ging er unverzüglich in die Bundesrepublik, wo er nach dem Studium seine berufliche Karriere aufbaute. Er hielt den Kontakt zu vielen seiner ehemaligen Mitgefangenen aufrecht und nahm auch an den Veranstaltungen der Lagergemeinschaft Workuta teil. Mit Siegfried Jenkner verlieren wir einen aufrechten Kämpfer für Demokratie und Freiheit.

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Quelle: http://www.workuta.de/aktuelles/index.html

Lemgow/Schwerin, 30.08.2016/cw – „Er war ein unermüdlicher Aufklärer und Zeitzeuge für die Aufarbeitung der kommunistischen Gewaltherrschaft,“ würdigte Anne Drescher, die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, in einem Nachruf den am 28. August in Lemgow verstorbenen einstigen Workutaner Hans-Jürgen Jennerjahn. Jennerjahn wurde 87 Jahre alt.

Noch im Juni diesen Jahres hatte er in Schwerin mit bewegenden Worten auf der Jahrestagung der Lagergemeinschaft Workuta/GULag an die Unterdrückung durch die sowjetische Besatzungsmacht und die SED-Diktatur erinnert und mit seinen einstigen Haftkameraden gegen das Lenin-Denkmal im Schweriner Neubaugebiet Mueßer Holz protestiert. Das dortige Lenin-Denkmal ist mutmaßlich das einzig verbliebene Lenin-Denkmal außerhalb Russlands, was allein ein Skandal an sich darstellt.

Jennerjahn wurde am 8. Oktober 1928 in Schwerin geboren. Nach der Verhaftung seines Parteifreundes Arno Esch trat der seinerzeitige Jugendreferent der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) im Oktober 1949, kurz nach Gründung der DDR, aus der Partei aus und engagierte sich zusammen mit Freunden im Widerstand gegen das kommunistische System. Ein dreiviertel Jahr später, im Juli 1950, wurde der 22jährige von der DDR-Staatssicherheit verhaftet und den sowjetischen Genossen im NKWD übergeben. Nur drei Monate später, am 19. Oktober 1950, wurde Jennerjahn zusammen mit elf weiteren Angeklagten durch ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) in Schwerin wegen „antisowjetischer Propaganda und illegaler Gruppenbildung“ zu zweimal 25 Jahren Strafarbeitslager verurteilt. Die zu 25 Jahren zusammengezogene Strafe verbüßte er im Zwangsarbeitslager Workuta nördlich des Polarkreises unter den bekannten harten und menschenunwürdigen Bedingungen in einem Kohlebergwerk. Erst 1953 erfuhren seine Angehörigen durch Heimkehrer von Jennerjahns Schicksal.

Im Zuge der berühmt gewordenen Bemühungen Konrad Adenauers um die Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen wurde auch Jennerjahn am 15. Oktober 1955 entlassen, floh aber sofort über Westberlin nach Hamburg, wo er zunächst in seinem Beruf als Kaufmann und später bis zu seiner Pensionierung als Steuerinspektor beim Finanzamt arbeitete. Von der Militärstaatsanwaltschaft in Moskau wurde er erst nach der Wiedervereinigung am 26. Juni 1996 rehabilitiert.

Bereits 1956 gründete der durch die Haft in Workuta ungebrochene einstige Widerstandskämpfer einen Ortsverband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen. Bis zu seinem Tod engagierte sich Hans-Jürgen Jennerjahn zusätzlich in der Lagergemeinschaft Workuta/GULag, die nun mit seiner Familie, seinen Freunden und Weggefährten um einen Patrioten trauert.

Die Beisetzung findet am 3. September 2016 um 12:30 Uhr in der Hohen Kirche in Lemgow statt ( Dorfstr.47, 29485 Lemgow/Simander).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.148)

Ein Nachruf von Stefan Krikowski

Am Karfreitag verstarb der in Berlin geborene ehemalige Workutaner Eberhard Polthier im Alter von 86 Jahren in Nienburg.

Am 26. Mai 1947, einen Tag vor seinem 18. Geburtstag, wurde er von der NKWD aus West-Berlin entführt und verhaftet. Nun begann seine Leidens-Odyssee. Durch ein Moskauer Fernurteil wurde er zu zehn Jahren Arbeitsbesserungslager verurteilt. Er musste über acht Jahre in unzähligen verschiedenen sowjetischen Arbeitslagern im Polargebiet um Workuta und in der Petschora-Region schuften. Nach seiner Entlassung im Oktober 1955 ging er nach Westdeutschland und studierte in Göttingen Rechtswissenschaften, wo er auch später als Bibliothekar an der Universität arbeitete.

Erst spät – es muss gegen Ende der 1990er-Jahre gewesen sein – besuchte er regelmäßig die Treffen der Lagergemeinschaft ehemaliger Workutaner. Bei unseren zahlreichen Begegnungen lauschten wir staunend den Berichten über seine Erlebnisse und Erfahrungen in den Lagern, die er mit unterschwelligem Humor vortrug. Der ruhige und zurückhaltende Zeitzeuge erzählte immer wieder die Geschichte seiner goldenen Taschenuhr – wohl ein Sinnbild über das Wunder der wiedergewonnenen Lebenszeit in Freiheit:

Ein Zettel und eine Uhr aus gelbem Metall

“Nach der Entführung aus West-Berlin am 26. Mai 1947 und die darauf erfolgte Übergabe an und Verhaftung durch die sowjetischen Sicherheitsbehörden in Kyritz wurden alle mitgeführten Gegenstände beschlagnahmt. Dabei handelte es sich um eine Geldbörse, ein Taschenmesser, einen Gürtel, einen Personalausweis, Fotos, ein Schulzeugnis und eine goldene Taschenuhr mit Schlüssel, die ich meinem Vater nach dem Einmarsch der russischen Truppen entwendet hatte.

Ein Wachmann gab mir einen alten Militärmantel, und nach drei Tagen in einem dunklen Kellerloch hieß es: Transport in eine NKWD-Dienststelle in der Luckenberger Straße in der Stadt Brandenburg. Die nächsten fünf Monate waren ausgefüllt mit nächtlichen Verhören. Die Vorwürfe waren: Werwolf, Spionage, Sabotage u.a. Dass meine Weigerung, für den sowjetischen Geheimdienst zu arbeiten, strafrechtlich relevant sein könnte, war mir nicht bewusst gewesen. Die Hoffnung, als kleiner unbedeutender Schuljunge wieder entlassen zu werden, war jedoch trügerisch und zerschlug sich, als mir die Haare kahl geschoren wurden. Nach sieben Monaten in dem feuchten Keller mit einer vier Meter langen Holzpritsche, zeitweise mit Mitgefangenen, und einer Milchkanne, wie sie bei Landwirten üblich ist, als Toilette, wurde mir am 15. Dezember 1947 gesagt, dass ich in Moskau zu einer Strafe von zehn Jahren verurteilt worden sei. Ein Papier mit dem Urteilsspruch ist nie ausgehändigt worden.

Anfang Februar 1948 wurden wir, etwa 30 Deutsche, in einen Güterwagen, einem großen Zug mit ehemals russischen Kriegsgefangenen, zugeladen. Der Zug wurde oben mit Maschinengewehren und an den Haltestellen von unten bewacht. Die Sicherung fand statt, nicht nur um Fluchtversuche zu vereiteln, sondern auch aus Angst vor polnischen Überfällen.

In der Grenzstadt Brest-Litowsk bei einer Großkontrolle mit Identitätsprüfung, Fingerabdruck und Frage nach dem Eigentumsrecht an der Taschenuhr wurde mir eine Quittung gegeben, die besagte, dass ich nach Verbüßung der Strafe die Uhr ‘aus gelbem Metall’ zurückbekommen würde. Da aber keiner von uns außer leeren Taschen die Möglichkeit zur Aufbewahrung für einen langen Zeitraum von zehn Jahren besaß, war auch die Existenz dieses einfachen Zettels nur von kurzer Dauer. Sei es, dass jemand für erbettelten Tabak Papier für eine Zigarette erbat oder aus anderen Gründen.

Acht Jahre später, nach Aufenthalten in kaum zählbaren Lagern im äußersten Norden Russlands, kein Brief, kein Radio, keine Zeitung, jenseits des Polarkreises um Workuta und Petschora, kam ich mit dem polnischen Juden Leo Levitan in das Durchgangslager Solikamsk und später nach Potma. Da wir wieder einmal freigelassen werden sollten, forderte Levitan seinen, ihm bei der Inhaftierung abgenommenen, umfangreichen Schmuck und erhielt ihn. Daraufhin erinnerte ich mich an meine Uhr und forderte ebenfalls die Rückgabe. Doch es gab Schwierigkeiten. Verlangt wurde der nicht mehr vorhandene Zettel. Nach einigem Hin und Her bekam ich die Uhr ‘aus gelbem Metall’. Äußerlich waren keine Schäden erkennbar und der für das Uhrwerk erforderliche Schlüssel war mit einem Bindfaden am Öhr der Uhr befestigt. Voller Ungeduld entknotete ich die Schnur und versuchte das Wunderwerk aus seinem jahrelangen Schlaf zu erwecken. Alle Aufregung war entbehrlich. Die Uhr begann zu ticken und so tickt sie auch heute noch, wenn sie aufgezogen ist.”

Quelle: http://www.workuta.de/aktuelles/index.html

V.i.S.d.P.: Autor und Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.094)

 

Berlin, 25.08.2014/cw – Der Verein

GEDENK- UND BEGEGNUNGSSTÄTTE
EHEMALIGES KGB-GEFÄNGNIS POTSDAM e.V.

lädt zu einer Lesung und einem Zeitzeugengespräch mit

Horst Schüler
am
Mittwoch, 27. August 2014 ab 17.00 Uhr
in der Gedenkstätte 14469 POTSDAM,
Leistikowstraße 1, ehem. K G B-Gefängnis

ein.

Der in Potsdam 1924 geborene Journalist und Ehrenvorsitzende der UOKG wird aus seinem Buch „WORKUTA – Erinnerungen ohne Angst“ lesen und ein Gespräch mit Dr. Richard Buchner, dem Vorsitzenden des Gedenkstättenvereins, führen. Anschließend Diskussion.

An dem Abend soll Horst Schüler auch nachträglich zu seinem Mitte des Monats erlebten 90. Geburtstag geehrt werden.

Horst Schüler wurde 1951 in Potsdam verhaftet und befand sich von 1952 – 1955 im GULAG Workuta. Näheres hier unter

https://17juni1953.wordpress.com/2014/08/14/horst-schuler-ein-zeuge-des-20-jahrhunderts-wird-90-jahre/

Der Veranstaltung geht um 17:00 Uhr eine Führung durch das einstige KGB-Gefängnis voraus (Horst Schüler / Dr. Buchner); ab 18:00 Uhr beginnt die Lesung bzw. das Zeitzeugengespräch.(843)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

 

Titel HB 2014Nr.032               Einigkeit und Recht und Freiheit       15. 08. 2014

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Berlin/Hamburg, 15.08.2014/cw – Vor neun Jahrzehnten wurde er in Babelsberg bei Berlin geboren, am morgigen Samstag feiert er in Hamburg seinen 90. Geburtstag: Horst Schüler.

Als der spätere Journalist beim Hamburger Abendblatt im vorigen Jahrhundert das Licht der Welt erblickte, lag das Ende des Ersten Weltkrieges gerade erst sechs Jahre zurück, war am 9. November 1918 die Republik ausgerufen und das Ende der Monarchie beschlossen worden.

Der Jubilar - Foto: Archiv

Der Jubilar – Foto: Archiv

Zehn Monate vor seiner Geburt war – wieder an einem 9. November – der Putsch Hitlers gegen die Republik vor der Feldherrnhalle in München am Widerstand der Demokraten gescheitert. Sein Vater, ein engagierter Sozialdemokrat, konnte da noch nicht ahnen, daß sein Lebensweg später durch Hitler direkt in das KZ Sachsenhausen und in den Tod führen würde.

 Horst Schüler, 22 Jahre alt, ging  nach der Heimkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft 1946 zurück nach Potsdam, wo er ab 1949 Widerstand gegen das kommunistische Regime in der SBZ und späteren DDR leistete. 1951 wurde er verhaftet und in das Gefängnis in der Potsdamer Lindenstraße eingeliefert, in dem sein Vater bis zur Verbringung nach Sachsenhausen seine Untersuchungshaft unter der GESTAPO erleiden mußte.

Der KGB setzte den GESTAPO-Terror fort

Nach 1945 hatte der sowjetische Geheimdienst KGB den Terror der NS-GESTAPO an diesem Ort fortgesetzt. Der nunmehr 27jährige durchlebte am selben Ort wie zuvor sein Vater unmenschliche Behandlungen und Verhöre, wurde schließlich wegen seiner journalistischen Verbindungen nach Westberlin von einem sowjetischen Militärtribunal in Potsdam zu fünfundzwanzig Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Es folgte die Deportation nach Workuta, wo Schüler im Kohleschacht 29 schuften mußte.

Er nahm an dem großen Lagerstreik im Juli 1953 teil, der für die Häftlinge dieses Schachtlagers Anfang August in einem Blutbad endete. Horst Schüler erinnerte sich 60 Jahre später im Magazin DER SPIEGEL: „Wie sich alle auf den Boden warfen. Wie einige unter die Körper von Toten krochen, um sich vor dem Kugelhagel zu retten. Wie andere panisch zu den Baracken rannten, obwohl deren Holzwände kaum Schutz boten. Wenig später waren 64 Männer tot, darunter zwei Deutsche, und etwa 150 weitere verletzt.“

Erst 1955 endete sein Martyrium. Gezeichnet lehnte er eine Rückkehr in die sowjetisch besetzte Zone, die von der UdSSR installierte DDR, ab und ließ sich in die Bundesrepublik Deutschland entlassen. Seither arbeitete er zunächst als Journalist in Kassel und von 1964   bis zu seiner Pensionierung 1989  als Redakteur beim Hamburger Abendblatt in der Freien und Hansestadt Hamburg, wo er bis heute wohnt.

Es war wieder ein 9. November, als vor fünfundzwanzig Jahren, 1989, die Mauer fiel. Auch für Horst Schüler ein persönliches Schicksalsdatum, denn er beschloss spontan, nicht mehr zu schweigen, über seine Erlebnisse mit dem Kommunismus und den Tod seines Vaters durch den Nationalsozialismus zu sprechen, sich für ein „Nie wieder!“ zu engagieren.

Der Gefangene in Workuta - Archiv: Schüler

Der Gefangene in Workuta – Archiv: Schüler

1992 fuhr er als erster westdeutscher Journalist nach Workuta, für ihn eine erschütternde Begegnung mit der Vergangenheit. Schüler: „Ist das wirklich vierzig Jahre her? Da hat sich ja kaum etwas verändert. Ich erkenne alles sofort wieder, beinahe so. als wäre ich vor ein paar Wochen noch hier gewesen. Der Förderturm, der riesige Poroda-Berg, das Kombinatsgebäude, die Fabrik, in der die Kohle von den Steinen getrennt wurde. … der Schacht (hat) einen richtigen Namen bekommen. Er nennt sich längst nicht mehr Schacht 29, jetzt heißt er „Jur Schor“, ein Bächlein in der Nähe ist der Namensgeber. Wahrscheinlich war diese Zahl 29 mit zuviel bitterer Vergangenheit belastet. Doch die lässt sich ja nicht einfach mit einer Namensänderung auslöschen.

Hier draußen in der Tundra, einen Steinwurf nur vom Schacht entfernt, ist diese Vergangenheit für jeden sichtbar,“ beschreibt Schüler eindringlich in seinem  eindrucksvollen Buch „Workuta – Erinnerung ohne Angst“ die erste Begegnung mit der Vergangenheit (1993  F.A.Herbig Verlagsbuchhandlung, München,  248 S.; Format: 14×22 ISBN: 3776618213).

„Ein paar schlichte Holzkreuze ragen da wie mahnende Zeigefinger aus dem Schnee. Sie tragen Nummern statt Namen, eines allerdings ist beschriftet, deutsch sogar: »Ruhe sanft in dieser kühlen Erde«, lese ich.“ Er erfährt, dass „ein paar Sommer zuvor ehemalige litauische Häftlinge nach Workuta gekommen waren. Sie bargen die im Schlamm und Morast versunkenen Kreuze, stellten sie wieder auf.“ Schüler ist seit 1996 Sprecher (Vorsitzender) der Lagergemeinschaft Workuta/GULag Sowjetunion.

An den Ort der Leiden zurückgekehrt - Erinnerungen ohne Angst - Cover: HERBIG

An den Ort der Leiden zurückgekehrt – Erinnerungen ohne Angst
– Cover: HERBIG-

Hass: Tückische Falle für jedes anständige Leben

Das eigene Leben, das erfahrene Leid ließen den Gezeichneten zu der Überzeugung gelangen, dass Hass die Ursache für dieses vielfache Leid war. Seither bemüht er sich, diese „tückische Falle für jedes anständige Leben“ zu vermeiden, Leidensgenossen anzuhalten, durch die Schilderung ihrer jeweiligen Geschichte an die nachgewachsene Generation diese von den üblen Auswüchsen des Hasses, der in den totalitären Doktrinen – ob braun oder rot – verwurzelt ist, zu überzeugen.

Der so fast zum nachdenklichen Philosophen gewordene Ruheständler traf mit seiner gewonnenen Erkenntnis nicht überall auf Zustimmung, stieß und stößt bis heute bei Betroffenen auf große Verbitterung und Ablehnung der Abkehr von Hass-Gedanken auf die einstigen Peiniger. So mußte sich der Moderator in seiner langjährigen Funktion als Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG – 2002 – 2007) immer wieder teils gehässig wirkenden Angriffen stellen. Seine stete und ihn kennzeichnende Bereitschaft, viele Meinungen zu tolerieren und zwischen unüberbrückbar erscheinenden Überzeugungen zu vermitteln, wurde nicht immer gewürdigt. Hingegen brachte dieser Kurs dem Dachverband den Durchbruch in der lange vorenthaltenen öffentlichen Anerkennung, von der die UOKG trotz augenblicklicher Stürme noch immer zehrt.

Theodor-Wolff-Preis und Bundesverdienstkreuz

Diese Anerkennung  eines unbeugsamen Moralisten, engagierten Kämpfers für die Belange der Diktatur-Verfolgten und Zeitzeugen des vorigen Jahrhunderts, der sich trotz festgefügter Überzeugungen nie dem Diskurs verweigerte, erhielt er bereits 1997  mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, überreicht durch Bundespräsident Roman Herzog; 2003 wurde Horst Schüler das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Zuvor hatte er bereits 1974 den renommierten Theodor-Wolff-Preis für ausgezeichnete journalistische Arbeit erhalten.

Nicht nur die UOKG, alle Verfolgten und Opfer beider Diktaturen in Deutschland, von Unrecht und Gewalt in der Welt verdanken Host Schüler ein unvergleichliches Engagement für die gemeinsamen und immer noch aktuellen Anliegen.

Von hier aus tief empfundener Dank für die Lebensleistung und erwiesene Kameradschaft. Herzliche Glückwünsche zum 90igsten nach Hamburg, verbunden mit den Wünschen für viel Gesundheit und noch vielen Jahre an unserer Seite und – natürlich – an der Seite seiner ebenfalls hochbetagten Frau Ingrid, die in den zurückliegenden Jahrzehnten sicherlich viel ertragen, vor allem aber auch mitgetragen hat.

Carl-Wolfgang Holzapfel

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Gedenkstätte Hoheneck: Erste Sanierungs-Maßnahme abgeschlossen

Stollberg-Hoheneck, 15.08.2014/cw – 650.000 Euro, vier Monate Bauverzug, jetzt abgeschlossen: Die erste große Baumaßnahme, die Dachsanierung am Südflügel des einstigen DDR-Frauenzuchthauses wurde in diesen Tage abgeschlossen. Wie Verwaltungsleiter Reiner Kunz von der Stadtverwaltung erklärte, sei damit das „baulich dringlichste Problem abgearbeitet.“ Erhebliche Schäden im Dachbereich hätten die Gebäudesubstanz bedroht, dadurch bestand dringender Handlungsbedarf. Die notwendigen finanziellen Mittel wurden durch den Bund und den Freistaat Sachsen aufgebracht worden.
Nach einem Bericht der Stollberger Zeitung werden für das gesamte Projekt insgesamt 5,4 Millionen Euro ausgegeben, achtzig Prozent werden durch Fördermittel finanziert. Allein für den Aus- und Umbau des Nordflügels zu Ausstellungsräumen sind 3,7 Millionen Euro eingeplant, eine Million sollen davon von der Stadt aufgebracht werden. Die Gedenkstätte für das Frauenzuchthaus soll im Hauptteil im Ostflügel untergebracht werden.
Der Baubeginn für diese Sanierungsteile ist laut Mitteilung der Stadt noch in diesem Jahr geplant. Dazu bedürfe es noch der notwendigen Ausschreibungen und Beschlüsse der Ratsversammlung. Ei vorläufiger Abschluss dieser Maßnahmen ist für 2016 anvisiert. Dagegen soll noch im September eine vorläufige Geschäftsstelle der Gedenkstätte eingerichtet und eröffnet werden. Ein dort vorläufig auf 450-Euro-Basis eingesetzter Mitarbeiter soll die regelmäßig geplanten Führungen organisieren und die bürokratischen Erfordernisse erledigen.

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 Frauenkreis: Vorstand bestätigt Auflösung und fordert Beiträge ein

Berlin/Hoheneck, 15.08.2014/cw – Der Vorstand des Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen hat in einem Rundschreiben an die Mitglieder den am 4. Mai 2013 „mit Mehrheitsbeschluss“ gefassten Entscheid zur Auflösung des Vereins bestätigt. Gleichzeitig fordert „Finanzvorstand“ Angelika Grünewald namens des Vorstandes die Mitglieder auf, ihre Mitgliedsbeiträge zu entrichten, da der „Verein bisher fortbesteht und damit auch die Verpflichtung, weiter Mitgliedsbeitrag zu bezahlen.“
Wie mehrfach an dieser Stelle berichtet, hatten 17 der rund 100 Mitglieder auf einer umstrittenen Versammlung im letzten Jahr auf Betreiben des Vorstandes die Auflösung des Vereins beschlossen. Dagegen hatten 14 Mitglieder, „eine Minderheit“ wie es in dem jetzigen Schreiben heißt, Klage vor dem zuständigen Amtsgericht eingereicht. Das Amtsgericht Michelstadt hat für die Verhandlung unlängst den 10. November 2014, 13:30 Uhr, bestimmt.
In einer ersten Stellungnahme erklärte Regina Labahn als Sprecherin für die Klägerinnen ihr „völliges Unverständnis“ für die Forderungen. Es grenze schon an „Unverfrorenheit und nicht gekannte Kaltschnäuzigkeit“, wenn ein Vorstand, dessen Legitimität ebenfalls bestritten werde und der die Auflösung des Vereins gegen die Mehrheit aller Mitglieder mit Nachdruck betreibe, jetzt hergehe und die so düpierten Mitglieder zur Zahlung ihrer Beiträge auffordere. Entgegen der Ankündigungen habe der Vorstand „zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren“ in diesem Jahr keine Mitgliederversammlung durchgeführt und die jährliche Totenehrung vor Ort vermieden. Es sei „eine Chuzpe, jetzt unter dem Vorwand der Fortbestehung des Vereins von den Mitgliedern Mittel einzufordern, zumal über die Verwendung der vorhandenen Mittel zumindest in dem zitierten Brief keine Rechenschaft abgelegt wurde.“
Labahn empfiehlt, den für dieses Jahr anfallenden Beitrag auf „ein Sperrkonto einzuzahlen, bis das Amtsgericht eine Entscheidung über den Fortbestand des Vereins getroffen haben wird.“

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Lässig scheitert erneut mit versuchter Instrumentalisierung der Justiz

Berlin, 15.08.2014/cw – Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die von Ronald Lässig veranlassten Ermittlungen gegen die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg, den einstige Bautzen-Häftling Carl-Wolfgang Holzapfel und die beauftragte Rechtsanwältin Gudrun Hölzer nach § 170 Abs.2 der StPO eingestellt (Az.: 256 Js 1047/14).

Flotte Werbung mit flotten Vorgehensweisen verwechselt? Foto: LyrAg

Flotte Werbung mit flotten Vorgehensweisen verwechselt?
Foto: LyrAg

In zahlreichen Blogs (mdrlife, Berlin-Blog etc.) hatte Lässig u.a. verbreitet, Holzapfel und Sterneberg würden vom Staatsanwalt, also von Amts wegen verfolgt werden und dabei verschwiegen, dass diese Ermittlungen aufgrund seiner eigenen Anzeige quasi automatisch erfolgen. Zur Unterstreichung hatte er unter Unkenntlichmachung seiner Anschrift das seinerzeitige Bestätigungsschreiben der Staatsanwaltschaft über den Eingang seiner Anzeige in

Lässiger Umgang mit Verleumdungen im Netz?

Lässiger Umgang mit Verleumdungen im Netz?

Faksimile veröffentlicht. Auch die Angabe von vorliegenden Presseberichten, wie z.B. „Hamburger Wochenblatt“ sollte eine Seriosität dokumentieren. Der jeweils angegebene LINK führte aber nicht zum Erfolg. Das Wochenblatt z.B. hatte nach Intervention der Betroffnen den Lässig-Artikel vom Netz genommen.

Es bleibt abzuwarten, ob der umtriebige Vereinsgründer Lässig nunmehr seine verleumderischen Artikel aus dem Netz nimmt und damit seiner selbst postulierten „journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommt. Da Lässig unter seiner alten bisherigen Anschrift trotz Vereinsvorsitz nicht mehr erreichbar ist und bisher auch keine Ummeldung vorliegt, kann dieser von den Betroffenen auch nicht aufgefordert werden, den Einstellungsbeschluss entsprechend zu berücksichtigen.

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Gesucht: Flüchtlinge von 1989 in Deutschkreuz/Österreich

Deutschkreuz/berlin, 15.08.2014/cw – Die österreichische Marktgemeinde Deutschkreutz plant Anfang September ein Treffen zu Ehren von ehemaligen DDR-Flüchtlingen, die 1989 nach Deutschkreutz kamen. Die Marktgemeinde bittet um die Übermittlung von Adressen dieses Personenkreises unter möglicher Beifügung vorhandener Fotos über dieses Ereignis. Die Gemeinde möchte gerne diese Flüchtlinge im September zu einer Erinnerungsveranstaltung einladen. Meldungen bitte an Gemeinde Deutschkreutz, Frau Renate Neubauer, Hauptstraße 79, A-7301 Deutschkreuz, e-mail: post@deutschkreutz.bgld.gv.at.

Bereits für dieses Wochenende hat die rührige Gemeinde ein bemerkenswertes Programm aufgestellt, für Gemeinden in Deutschland, die ähnliche Ereignisse zu verzeichnen hatten, wärmstens zur Nachahmung empfohlen:

Freitag 15. August 2014
18.00 Empfang der Gäste – Hauptplatz / Kirche
19.00 Begrüßung der Gäste im Vinatrium, anschließend gemütliches Beisammensein

Samstag 16. August 2014
Ganztägig zur freien Verfügung Betreuung möglich!
20.00 Veranstaltung mit Musik im Vinatrium

Sonntag 17. August 2014
Ab 10.00 Verabschiedung der Gäste am Hauptplatz

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Protest und Demokratie – Die Macht der Jugend

Rauenstein/Thüringen, 15.08.2014/cw – Die Katholische Studierende Jugend –KSJ- hate aus Anlass des bevorstehenden 25jährige Jahrestages der Maueröffnung auf ihrem Bundescamp im Ferienzentrum Rauenstein/Thüringen am 12. August unter vorgenanntem Titel zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die Zeitzeugen Tatjana Sterneberg, Regina Labahn und Carl-Wolfgang Holzapfel als politisch Verfolgte der DDR sollten mit dem Fraktionsvorsitzenden der Partei DIE LINKE im Bundestag, Gregor Gysi, Konrad Moser, Bundesleitung Katholischer Männer und Frauen und Svenja Kormann, Politische Bundesleitung der KSJ unter Moderation von Philipp Smets, Referent für politische Bildung der KSJ, der Frage nachgehen, „inwiefern Protest eine Triebfeder für gesellschaftliche Veränderungen darstellt und welche Rolle gerade die junge Generation hierbei spielt.

Von den lt. Veranstalter ca. 390 Campern waren rund 250 Teilnehmer und Besucher aus dem Umkreis der Einladung gefolgt. Zum Redaktionsschluss lag noch kein abschließender Bericht vor; wir werden in den nächsten Tagen berichten.(839)

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Ausgenommen davon sind wirtschaftlich ausgerichtete Institutionen oder Unternehmen. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786. Anzeigen auf Anfrage.
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