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Eine „Peter-Fechter-Stiftung“ würdiges Signal zum 50. Jahrestag

Gleich im Jahresanfang starb ein guter Freund, verließ unsere Vereinigung 17. Juni ein zuverlässiger und treuer Kamerad: Peter Bengs. Noch drei Wochen  zuvor konnten wir miteinander telefonieren. Es war sein  letzter Geburtstag, sein letzter Jahreswechsel…

Überhaupt hatte es das jetzt zu ende gehende Jahr in sich. Ich spreche nicht von den verletzenden Äußerungen oder genüsslich transportierten Vorwürfen. Die Probleme vieler Kameraden, den richtigen Umgang miteinander zu finden und sich den wirklichen  Problemen der einst politisch Verfolgten in der zweiten Diktatur zuzuwenden, gibt es ja nicht erst seit 2010. Sie haben  ihre Ursachen in den verpassten Chancen nach dem Fall der Mauer. Viele geradlinige Kameraden haben in den zwanzig Jahren seither resigniert, sich in die eigenen Sorgen  zurückgezogen. Und damit die Türen weit geöffnet für Menschen, denen anderes wichtiger scheint, als die Befassung mit den Anliegen verfolgter Generationen.

So gibt es in Strausberg bei Berlin den unermüdlichen  Kameraden Heinz Grünhagen. Trotz erheblicher gesundheitlicher Handicaps müht er sich aus seinem Wohnzimmer heraus um die endliche Benennung einer „Straße des 17. Juni“, gegen die letzte Straße in einer deutschen  Gemeinde, die noch immer nach einem Mauermörder benannt ist. Einer der letzten noch lebenden Streikführer des für Deutschland und Europa prägenden Volksaufstandes von 1953 zeigt aber auch durch sein Schicksal deutlich die Probleme über den Umgang unserer Gesellschaft mit den alljährlich besungenen Helden der einstigen Erhebung auf.

Grünhagens Frau, ohnehin  durch die Pflege ihres Mannes an den physischen und psychischen Grenzen  der Belastbarkeit angekommen, musste selbst in diesem Jahr ins Krankenhaus. Die Suche nach einer vorübergehenden Unterbringung  ihres Mannes erwies sich als kompliziert (und finanziell kaum tragbar). Nun haben wir mit Unterstützung von Freunden in Berlin, Potsdam und Strausberg die Initiative ergriffen und die Frage aufgeworfen, ob es nicht möglich ist, für die wenigen letzten Aktiven des Volksaufstandes eine Regelung zu finden, die für solche Fälle unbürokratische Lösungen vorsieht.

Auch in einem anderen Fall konnten wir ansatzweise helfen. Ein weiterer Teilnehmer am 17. Juni hat bereits mehrere Schlaganfälle hinter sich. Wir konnten ihm – nach 59 Jahren – die Haftentschädigung und die „Sozialrente“ für Haftopfer der zweiten Diktatur vermitteln. Das Problem der gesundheitlichen und sozialen Versorgung stellt sich aber auch hier…

Wir werden im Neuen Jahr an jene Politiker herantreten, die voraussichtlich am 17. Juni wieder große Worte für die „einstigen Helden“ finden werden und sie auf die tägliche Verantwortung für diese Vorkämpfer der Deutschen Einheit ansprechen.

Die vielfach begegnete Not brachte mich auf eine Idee, die hoffentlich auch über diesen weihnachtlichen Brief transportiert werden kann: Wenn 40.000 Empfänger der Haftopferrente im 50. Jahrestag der Errichtung des Mauer-Monstrums jeden Tag 1 € zur Seite legen würden, um am Jahresende 365 € an eine zu errichtende Stiftung überweisen zu können, dann hätten wir einen solidarischen  Grundstock von 14.600.000 € beisammen, um  kranke und hilfsbedürftige einstige Opfer der zweiten Diktatur angemessen unterbringen und versorgen  zu können.

Wenn wir als ehemalige Opfer diesen Solidarpakt stemmen sollten, hätten wir der Gesellschaft ein deutliches Signal gerade in diesem für die deutsche Geschichte wichtigen Erinnerungsjahr gegeben. Wir würden gleichzeitig den zumutbaren Druck auf Staat und Gesellschaft erhöhen, sich dieses ernsthaften Problems anzunehmen, durch ungerechtfertigte politische Verfolgung in Not geratenen  Menschen angemessen zu helfen.

Weihnachten 2010 am Lietzensee, Berlin

Freilich lässt sich ein solches Projekt nur verwirklichen, wenn es genug Menschen gibt, die bereit sind, ein ganzes Jahr lang täglich einen  Euro zur Seite zu legen.  Aber auch dann, wenn die diversen Verfolgten-, Opfer-Organisationen und  –Initiativen bereit sind, sich an einen  Tisch zu setzen und gemeinsam eine Stiftung aus der Taufe zu heben. Diese „Peter-Fechter-Stiftung“, um nur einen Namen vorzuschlagen, wäre aus meiner Sicht die würdigste Antwort auf die im nächsten Jahr  zu erwartenden großen Worte der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer der Teilung unseres Landes, zu denen die Toten an der innerdeutschen  Grenze ebenso gehören wie die aus politischen  Gründen Inhaftierten und Zwangsdeportierten, die beruflich Geächteten, die Zwangsenteigneten, die aus politischen Gründen psychiatrisch Malträtierten.

Und vielleicht findet sich ja im 50. Jahr der Erinnerung an den 13. August 1961 eine Zeitung oder gar ein  Sender, der einmal für die Opfer der Teilung eine Benefiz-Veranstaltung organisiert?

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen/Euch, auch und insbesondere im  Namen meiner Partnerin ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes, auch im  vorgenannten Sinn erfolgreiches Jahr 2011.

Carl-Wolfgang Holzapfel

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