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Berlin, 1.03.2016/cw – Im rbb ist heute die  Dokumentation „Kinderschicksale in der Nachkriegszeit – Geboren hinter Gittern“ (Heute, 23:15 Uhr) zu sehen. Im einstigen  NS-KZ Sachsenhausen, nach dem Krieg von den Sowjets bis 1950 weiter als Internierungslager genutzt, waren 1948  Mütter mit Kindern aus NKWD-Lagern und Gefängnissen zusammengefasst. „Wie viele Frauen aus Jamlitz, Buchenwald, Mühlberg, Torgau, Ketschendorf oder Fünfeichen in Sachsenhausen ankamen und mit ihren Säuglingen in den Häftlingsbaracken um ihr Überleben kämpften, ist bis heute nicht bekannt. Auch nicht, wie viele diesen Kampf verloren haben, “ heißt es in der Vorankündigung zur Doku.

Mindestens dreißig Kinder wurden am 11. Februar 1950 zusammen mit ihren Müttern und über eintausend Frauen in das dadurch völlig überbelegte Frauenzuchthaus Hoheneck im Erzgebirge eingepfercht. Nur einige Monate durften Neugeborene bei ihren Müttern bleiben. Dann wurden sie auf Kinderheime in der DDR verteilt, ohne dass die Mütter in irgendeiner Form über den Verbleib ihrer Kinder informiert oder in die Entscheidungen über die Unterbringung einbezogen wurden. Diese Kinder wurden nicht einmal standesamtlich registriert; Unterlagen, z.B. in Form von Notizen in den Gefängnisunterlagen existieren eher zufällig.

Wie Mütter und Kinder die Geburt ohne Hebamme und Arzt überstanden haben, ist heute schwer nachzuvollziehen. Wie groß die Zahl der geborenen Kinder tatsächlich ist, ist bis heute unklar. Zu gründlich sind die Spuren von Wachpersonal, Volkspolizei und Staatssicherheit verwischt worden. Seit 1997 kommen die Betroffenen regelmäßig zusammen, haben gemeinsam ihre bis dahin unsichtbare frühe Kindheit recherchiert und verglichen. Große Verdienste um die Aufarbeitung,  frühe Recherche und Sicherstellung wichtiger Unterlagen erwarb sich dabei die Hallenserin Waltraud Thiele, selbst einst in der Haft geboren, deren Ergebnisse allerdings auf bis heute ungeklärte Weise abhanden gekommen waren.

Das Leben dieser Frauen und ihrer Kinder ist bis heute  von dem Leben hinter Gittern gezeichnet. Sie wurden zum Spielball der Politik, gnadenlos, ohne jede menschliche Rücksichtnahme.  Bereits früh erkannte das zu dieser Zeit gegründete MfS die Möglichkeit, betroffene Frauen unter Ausnutzung dieser Notsituation für deren schmutzige Arbeit (Spitzeltätigkeit oder Spionage im Westen) zu rekrutieren.

Film von Hans-Dieter Rutsch; Erstausstrahlung am 01.03.2016/rbb 23:15 in der Reihe Doku & Reportage

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.081)

 

 

 

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

             Nr.018                          Förderverein – Info                15. Juni 2013

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Stadt Stollberg kauft Hoheneck für 160.000 Euro

Stollberg/Erzgebirge, 15.06.2013/cw – Die große Kreisstadt Stollberg hat Anfang Juni mit äußerst knapper Mehrheit den Kauf des einstigen  DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck für 160.000 Euro beschlossen. In trockenen Tüchern ist die Absicht des Stadtrates damit noch nicht. Denn der engagierte Oberbürgermeister Marcel Schmidt (FW) macht den Vollzug von einigen Vorgaben abhängig. So ist die Beteiligung des Freistaates Sachsen wie auch die des Bundes noch im Stadium von Absichtserklärungen. Der Bund hatte bereits vor geraumer Zeit eine fünfzigprozentige Beteiligung unter der Maßgabe der gleichwertigen  Finanzierung durch den Freistaat in  Aussicht gestellt. Die Stadt könne aber so ein Projekt nur schultern, wenn  der Staat sich entsprechend beteilige, so Marcel Schmidt, der darum auch eine Ausstiegsklausel mit dem bisherigen Besitzer vereinbart hat.

Für Bernd Freiberger, dem Noch-Burgherren, ginge mit dem Vollzug des Kaufes durch die Kommune ein wohl abenteuerliches Kapitel zu Ende. Der einst aus dem Saarland kommende Immobilienhändler hatte die ungeliebte Immobilie vom Freistaat vor fast zehn  Jahren für den Spottpreis von 5.000 Euro erhalten. Freiberger wollte u.a. einen sogen. „Erlebnisknast“ kreieren, wo sich Bürger – wohl nach amerikanischem Vorbild – zum Beispiel für ein Wochenende in Zellen hätten einmieten und durch entsprechende „Wärter“ drangsalieren hätten lassen können. Das Vorhaben scheiterte an der aufgekommenen Empörung der ehemaligen, aus politische Gründen gefangenen Frauen von  Hoheneck. Zwischendurch hatte Freiberger versucht, die Anlage für 16 Millionen Euro zu veräußern.

Nach dem Besuch des Bundespräsidenten Christin Wulff im Mai 2011 kam jedoch Bewegung in das bis dahin eher gestörte Verhältnis der Beteiligten. Bernd Freiberger beteiligte sich aktiv an der Entwicklung eines möglichen Konzeptes für die künftige Nutzung, ein erster Förderkreis wurde gegründet, um „vor Ort“ die Zukunft aktiv mitgestalten zu können. Nach diversen Irritationen gründete sich ein  Jahr später ein zweiter Förderverein. Erste Abrissarbeiten verlodderter Gebäude um die Anlage vermittelten zumindest den Eindruck von Bewegung. Nun  also der Verkauf für ein Prozent der ursprünglich avisierten Summe an die Stadt, die insgesamt mit Investitionen bis zu 6 Millionen Euro rechnet.

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Versinkt Frauenkreis in juristischer Auseinandersetzung?

Stollberg/Berlin, 15.06.2013/cw – An den Zukunftsplanungen für das einstige DDR-Frauenzuchthaus ist der Verein „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ so gut wie nicht beteiligt. Ein Jahr nach dem Besuch des Bundespräsidenten war der Verein intern in Turbulenzen geraten, nachdem Vorwürfe der Manipulation von Vorstandswahlen erhoben  worden waren. Nachdem nach entsprechenden Beschwerden von Mitgliedern durch das zuständige Registergericht in Darmstadt zunächst vergeblich Neuwahlen angeordnet worden waren, geriet die im Mai 2012 neu gewählte Vorsitzende neben den angeführten Vorwürfen auch persönlich unter Druck. Diese soll in diversen Publikationen und Filmen, letztere werden auch als DVD vertrieben, zahlreiche Unwahrheiten über ihre Haft verbreitet haben. Eine satzungsgemäße Minderheit forderte daraufhin die auch in Gliederungen der SPD und im Vorstand der UOKG tätige Vorsitzende zum Rücktritt und zu Korrekturen ihrer verbreiteten „falschen Vita“ auf. Im  Ergebnis trat der gesamte Vorstand in einer anberaumten außerordentlichen Mitgliederversammlung zurück. Der neu gewählte Vorstand beantragte nach seiner Wahl die Auflösung des Vereins. Er amtierte also nur eine gute Stunde, da der Verein mit 17 Stimmen aufgelöst wurde, davon sieben Stimmen des neugewählten Vorstandes. Inzwischen haben empörte Mitglieder, ehemalige Frauen von Hoheneck, einen  Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt und sowohl die letzte Wahl wie den Auflösungsbeschluss angefochten.

Dem Registergericht lagen bis Redaktionsschluss keine Beschlüsse über die Neuwahlen und/oder den Auflösungsbeschluss seitens der Versammlungsleitung oder des kurzfristigen Vorstandes vor.                                                                                                                                                                                                      <<<>>>

War Gedenkstätte Hohenschönhausen über dubiose Aktenlage informiert? 

Berlin, 15.04.2013/cw – Auf der letzten Mitgliederversammlung des Frauenkreises löste die Leiterin des Zeitzeugenarchivs in der Berliner Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Mechthild G., Irritationen aus. In der Debatte um die Vorwürfe gegen  die einen Tag später zurückgetretene Vorsitzende Anita G. erklärte die einstige Direktorin der Gedenkstätte, sie kenne die Aktenlage in diesem Fall seit „zehn Jahren“. Die Vorwürfe fußten auf falschen  Interpretationen. Auf Nachfrage wollte sich die Mitarbeiterin  der Gedenkstätte jedoch nicht detailliert äußern. Anita G. konnte zu Fragen ebenfalls nicht Stellung nehmen, da sie sich für die Versammlung entschuldigt hatte.

Offen Fragen: VK-Prospekt in fraglicher DDR-Gerichtsakte von 1953 - Redaktion HB

Offene Fragen:
VK-Prospekt in fraglicher DDR-Gerichtsakte von 1953 – Redaktion HB

Die Redaktion hat aufgrund der Aussagen von Mechthild G. Einsicht in die in Hohenschönhausen offenbar vorhandenen Unterlagen zu Anita G. beantragt. Die Gedenkstätte hat diese Einsicht unter der Maßgabe eines Einverständnisses von  Anita G. zugesagt. Dieses selbstverständliche Einverständnis lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor.

Wir hatten Anita G. den objektiven Abgleich mit den uns vorliegenden Unterlagen zugesagt, um mögliche Differenzen „klären zu können“. Dies erscheint dringend notwendig, da in den uns vorliegenden Akten auch ein vierseitiger Verkaufsprospekt in DIN 4 mit „flächendeckenden Abdrucken von NS-Abzeichen und Hakenkreuzen“ (Wimpel, Ständer, Abzeichen und Fähnchen) aufgefunden wurde. Wir wollten von Anita G. wissen, ob „und ggf. in welcher Form  auch Ihnen dieser Prospekt vorgehalten und/oder in Ihre Vernehmungen einbezogen wurde.“ Auch zu dieser Anfrage lag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.

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Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein und/oder > Hohenecker Bote) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt. Fotos/Dokumente dieser Ausgabe nur im Internet.

© 2013 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

Nr.009                            Förderverein – Info                   15. August 2012

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Ehemalige Hoheneckerinnen wollen Zukunft mitgestalten

Berlin/Hoheneck, 15.August 2012/cw– Das in der letzten Ausgabe des Hohenecker Boten veröffentlichte Interview mit Karl-Heinz Labahn hat ein vielfältiges Echo und Aktivitäten ausgelöst. Die amtierende Vorsitzende des Frauenkreises der ehemalige Hoheneckerinnen, Anita Goßler, lehnte allerdings eine Stellungnahme seitens des Vereins ab.

Dagegen haben sich mehr als zwanzig Prozent der Mitglieder für die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ausgesprochen. Nach der Satzung des Vereins (§ 9) ist ein „Zehntel der stimmberechtigten Mitglieder“ für die Einberufung ausreichend. In einem am 8. August der Vorsitzenden übermittelten Antrag wird die „satzungsgemäße Wahl eines neuen Vorstandes“ unter Punkt 7 eines beigefügten  Tagesordnungsvorschlages gefordert. Die Petenten, für die drei ehemalige Hoheneckerinnen das Schreiben unterzeichnet haben, weisen u.a. darauf hin, dass mit der ebenfalls vorgeschlagenen Ergänzung der Satzung gleichzeitig die entstandenen Auseinandersetzungen um die Verabschiedung der Satzung vor der Eintragung in das Vereinsregister erledigt werden könnten.

Begründet wurde der Antrag überdies mit der deutlichen Gefahr, den Verein in langwierige rechtliche Auseinandersetzungen  zu verstricken. Stattdessen solle dem Verein durch den eingereichten  Antrag eine klare Zukunftsperspektive aufgezeigt werden. Man verstehe sich als „Brückenbauer zwischen den divergierenden Meinungen“ im Verein und wolle Wunden  heilen statt „immer wieder neue Wunden“ aufzureißen. Gegenüber dem HB äußerten sich beteiligte Hoheneckerinnen besorgt über die vorhandenen Auseinandersetzungen zu einer Zeit, in der „wichtige Weichenstellungen für die Zukunft des Gedenkortes Hoheneck“ gestellt werden. Es drohe die akute Gefahr, dass „wir Frauen, die das Leiden getragen haben und zu erdulden hatten, bei den Entscheidungen außen vor“ bleiben. Entscheidungen „über unsere Köpfe hinweg“ seien aber keineswegs akzeptabel.

Trotz gesetzter Frist lag den Antragstellern nach Rückfrage durch den HB keine Reaktion oder Antwort des Vorstandes auf den satzungskonformen Antrag seiner Mitglieder vor.

Letzte Meldung:

Berlin, 15.08.2012/cw – Ehemalige Hoheneckerinnen trafen sich am Mittwoch in Berlin, um  das weitere Vorgehen wegen der „augenscheinlichen  Ignoranz der Satzung“ durch die Vorsitzende zu beraten. Bis zum Redaktionsschluss lagen allerdings noch keine konkreten Ergebnisse vor. Wir werden in der nächsten Ausgabe berichten.

Eskalation? Anwalt mit Vertretung gegen Siegfried Reiprich beauftragt

Dresden/Berlin, 13.08.2012/cw – Der Vorstand des Fördervereins BuG Hoheneck e.V. hat einen Anwalt mit der Wahrnehmung seiner Interessen gegenüber dem Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, beauftragt. Der Verein wirft Reiprich vor, „unwahre und verleumderische Behauptungen“ über den Verein und namentlich über Mitglieder des Vorstandes verbreitet zu haben. Dies sei nachweisbar u.a. in entsprechenden Schreiben oder Mails insbesondere an die UOKG (Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft) und an die vormalige Vorsitzende des Frauenkreises, Inge Naumann, geschehen. Da Reiprich bisher einer Aufforderung zur künftigen  Unterlassung oder einem Widerruf ignoriert habe, bleibe dem Vorstand kein anderer Weg, wie die Vorsitzende Tatjana Sterneberg bedauerte.

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„Wir sind diesen Weg unserer Selbstachtung als ehemalige politische Verfolgte des DDR-Systems schuldig,“ so Sterneberg gegenüber dem HB. Andererseits sei „eine Auseinandersetzung unter Menschen und Institutionen, die sich eigentlich den gleichen  Zielen verpflichtet wissen“, äußerst traurig. Auch unter diesem Gesichtspunkt „können wir eigentlich die unerklärliche Unbeweglichkeit Siegfried Reiprichs in dieser Sache“ nicht nachvollziehen.

Der Verein, dem auch die Botschafterin für Demokratie und Toleranz 2011, die ehemalige Hoheneckerin Waltraud Thiele angehört, sieht einer Klärung dennoch hoffnungsvoll entgegen, da sich „erwiesene Verleumdungen und einseitige Stellungnahmen“ als nicht haltbar erweisen würden. Im Übrigen läge es an Siegfried Reiprich, diesen Weg „durch ein klärendes Gespräch erheblich abzukürzen oder gar zu beenden,“ sagte Tatjana Sterneberg.

Ausstellung „Der Dunkle Ort“ stark nachgefragt

Berlin, im August 2012/cw – Die von der Heinrich-Böll-Stiftung erstellte Ausstellung „Der Dunkle Ort“ erfreut sich reger Nachfrage. Nach der Vorstellung am Sitz der Stiftung im Frühjahr geht die in  fünf Kisten untergebrachte und damit leicht transportable Ausstellung auf Reisen. So war sie bereits in der BStU-Außenstelle Frankfurt-Oder zu sehen. Auch die Bezirksversammlung des Berliner Bezirkes Pankow hat sich parteiübergreifend für eine Repräsentation vor Ort entschieden, Termin und Ort  stehen allerdings noch nicht fest. Der Förderverein hat auch angeregt, die Ausstellung im Vestibül des Sächsischen  Landtages zu zeigen; wegen derzeitiger Umbauarbeiten könne dies frühestens im nächsten Jahr geschehen, teilte die Landtagsverwaltung mit. Die empfehlenswerte Ausstellung nach dem gleichnamigen Buch, in dem 25 Schicksale ehemaliger Hoheneckerinnen vorgestellt werden, kann bei der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin (Schumannstraße 8, 10117 Berlin, Tel.:030 285340) gegen Übernahme der Transportkosten angefordert werden.

Geschichte lässt sich letztlich nicht manipulieren

Leipzig, im August 2012/cw – Entgegen verbreiteten Darstellungen über einst vorhandene Wasserzellen auch in den DDR-Straf- oder Untersuchungshaftanstalten in Leipzig sollen sich  bisher nach Angaben von Insidern weder Anhaltspunkte für noch gegen deren Existenz gefunden haben. Umgekehrt hatten einstige Protagonisten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit oder treue SED-Genossen derartige Foltereinrichtungen zum Beispiel im DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck als „Verleumdungen des Klassenfeindes“ hingestellt, obwohl deren Existenz als nachgewiesen gelten. In  Hoheneck, so die roten Geschichts-Revisionisten, sei eine solche Zelle für ein Filmprojekt „über die Nazi-Verbrechen“ hergestellt, aber zu DDR-Zeiten nie genutzt worden (Artikel aktualisiert am 17.08.2012).

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Berlin, 13.10.2011/rgg – Sie gehört zu den bekannten Gesichtern der Verfolgten-Szene der SED-DDR-Diktatur: Tatjana Sterneberg. Jetzt wollte sie dem – nach eigenen Angaben -größten Opferverband beitreten und wurde abgelehnt.

Heute teilte die Vereinigung der Opfer des Stalinismus der Antragstellerin die Ablehnung mit. In  einem Schreiben des Bundesvorstandes heißt es  lapidar, der Aufnahmeantrag vom 28.07.2011 „wurde geprüft und wird hiermit unter Verweis auf § 4 Abs.2 der VOS-Satzung abgelehnt.“ Was sich wie eine Begründung liest, ist keine. Denn in der angeführten  Satzungsstelle heißt es lediglich: „Über die Aufnahme entscheidet der geschäftsführende Bundesvorstand.“

Sterneberg wurde durch ihre hartnäckigen Aufklärungs- und Forschungsarbeiten zur zweiten deutschen  Diktatur bekannt. In zahlreichen  Fernseh- und Printveröffentlichungen wurde darüber berichtet. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren dabei die Aufdeckung des ehemaligen  Anstaltsarztes Dr. Peter Janata als langjähriger Stasi-IM, der Häftlinge mit Psychopharmaka traktierte und die Begegnung mit einem IM vor den Kameras von FOCUS-TV, der als ehemaliger Kollege maßgeblich ihre Verhaftung ausgelöst hatte. Sterneberg hatte sich 1972 in einen in West-Berlin lebenden Italiener verliebt. Als sie diesen schließlich heiraten wollte und dazu einen Ausreiseantrag gestellt hatte, geriet sie in das Visier der Stasi, wurde am 7. November 1973 zusammen mit ihrem aus Neapel stammenden Antonio verhaftet und ein Jahr darauf zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Allein zwei Jahre saß Sterneberg im  berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck.

Nach ihrem Freikauf heirateten die Beiden; der Ehe entsprang ein Sohn. Doch 2006 starb Antonio an den mittelbaren Folgen der über zweijährigen Haft im DDR-Gefängnis Rummelsburg, heute ein beliebtes Eigentums-Wohn-Zentrum in Berlin. Sterneberg selbst wurde infolge der Haft berufsunfähig, sah sich aber immer in der Verpflichtung, Leidensgenossen bei der Bewältigung ihrer Trauma zur Seite zu stehen. So gründete sie in der Berliner Sektion des Sozialverbandes Deutschland ein Beratungsbüro. Nachdem sie 2008 von der Tätigkeit eines ehemaligen  Stasi-Offiziers im Sozialverband erfuhr, forderte sie vergeblich dessen Umsetzung und stellte ihre Arbeit im SoVD ein.

Ehem. Hoheneckerinnen mit dem Bundespräsidenten in Hoheneck (Vorn Mitte mit Schal: Tatjana Sterneberg)

Seither wirkt und organisiert sie in verschiedenen Funktionen der Verfolgtenverbände. So war sie stellvertretende Vorsitzende im „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ und bereitete im Mai diesen Jahres u.a. den Besuch des Bundespräsidenten im ehemaligen  DDR-Frauenzuchthaus in Sachsen vor. Obwohl nicht Mitglied, half die gelernte Finanzbuchhalterin auch bei der Organisation der Buchführung im VOS-Landesverband Berlin-Brandenburg. Zuletzt wirkte Sterneberg beratend an der Vorbereitung des Spielfilmes „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling, Tobias Oertel und  Ulrich Nöthen in den Hauptrollen mit, der am 9.11.2011 zur Prime-Time (20:15 Uhr) in der ARD ausgestrahlt wird. Vorträge vor Institutionen und Schülern in Berlin,  Brandenburg, Bayern und Sachsen  füllen ihren Tagesablauf aus. Gegenwärtig ist Tatjana Sterneberg Vorstandsmitglied der Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin.

Kalte Abfuhr vom VOS-Vorstand: Johannes Rink, Hugo Diederich, Ronald Lässig

Die Ablehnung ihres Aufnahmeantrages, den sie „als Angebot zur aktiven Mitarbeit“ verstanden wissen wollte, kann sie nicht einordnen: Die VOS hatte sich nach eigenen Angaben zwischen 2009 und 2011 von 10.000 Mitgliedern über 6.000 und 3.000 auf nunmehr knappe 2.000 Mitglieder reduziert. „Vielleicht hat sich der Trend ja umgekehrt und die Aufnahmeanträge haben so zugenommen, dass sich der Vorstand die Rosinen rauspicken kann,“ merkt die unerschrockene Kämpferin für die Rechte der SED-Justiz-Opfer sarkastisch an. Vielleicht habe sich aber auch nur Ronald Lässig durchgesetzt. Schließlich hatte der VOS-Vize vor einem Jahr in einer Mail an führende SPD-Genossen die Entfernung von Tatjana Sterneberg und eines VOS-Mitgliedes von einer SPD-Veranstaltung im  Rathaus Schöneberg („aus dieser braunen Ecke“)  freudig begrüßt und ausdrücklich als richtig bezeichnet („zurecht des Saales verwiesen“). Pikant: Diese Mail wurde nicht nur von Lässig als VOS-Vize unterzeichnet sondern auch aus der Bundesgeschäftstelle versandt.

Für den Verein geworben hatte Sterneberg die Vorsitzende der Bezirksgruppe Halle der VOS und diesjährige „Botschafterin für Demokratie und Toleranz“, Waltraud Thiele, auch eine ehemalige Hoheneckerin. Aber das machte auf den Vorstand wohl keinen Eindruck, zumal auch Waltraud Thiele in den vergangenen Monaten deutliche Kritik am VOS-Vize Lässig vorgetragen hatte.

V.i.S.d.P.:  © 2011 Ralf Gründer (Gastbeitrag) – http://www.berliner-mauer.de/Aktuell/vos-lehnt-aufnahme-ehemaliger-hoheneckerin-ab.html – Rückfragen: Tatjana Sterneberg, Tel.: 030-30207778 oder t.Sterneberg@gmx.de

 


Botschafterin für Demokratie und Toleranz 2011: Waltraud Thiele

Berlin, 23.05.2011/cw – Wie schwer Anspruch und Wirklichkeit umzusetzen sind, zeigte sich anschaulich auf einer Veranstaltung in der Berliner Kongresshalle, heute: Haus der Kulturen der Welt. Noch während Yared Dibaba vom NDR die alles in allem gelungene Veranstaltung aus Anlass des Verfassungstages und der Verleihung des Preises „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ in lockerer und ansprechender Moderation einleitete, sprangen einige Jugendliche von ihren Sitzen auf und skandierten ihre Parolen gegen Rechts.

Wie reagieren in einer Veranstaltung, die die Toleranz zum Hauptthema machte? Yared Dibaba und die zahlreichen  Gäste im fast voll besetzten Auditorium hörten einige Zeit geduldig zu, um dann aber doch um Einhalt zu bitten. Das störte die Toleranz-Provokateure aber keineswegs. Sie unterbrachen nicht einmal ihren Vortrag, um die Argumente des Moderators aufzunehmen, sondern sprachen  einfach weiter. Zeitweilig war es schwer, zwei Vorträgen  gleichzeitig zuzuhören. Schließlich kam die Toleranz an ihre Grenzen und Dibaba forderte, begleitet vom Beifall des Publikums, zunehmend energischer die „demokratischen“ Störer auf, doch bitte ihren Vortrag zugunsten des Programms einzustellen. So war denn diese mutwillige Einspielung der Provokation der im Saal vorhandenen Toleranzbereitschaft letztlich ein gelungener Auftakt zum fröhlichen  und munteren Spektakel, das der Preisverleihung an interessante Persönlichkeiten vorausging: Wie weit geht die Toleranz mit der Toleranz? Wo hat diese Toleranz ihre Grenzen? Eine sicherlich unfreiwillige, weil nicht geplante Lehrstunde.

Es fiel auf, dass in den Ansprachen und den Moderationen auschließlich vom Kampf gegen Rechts, gegen die rechte Gewalt die Rede war. Wäre nicht eine der fünf Preisträger aus dem Schicksals-Szenario der DDR-Verfolgten  gekommen, hätte man das Leben in Deutschland als eine einzige Auseinandersetzung mit Neo-Nazis und der dadurch ausgelösten Bedrohung aller Werte wahrgenommen. Kein Wort über die Verbandsstrukturen einstiger DDR- und Stasi-Größen, die über als gemeinnützig anerkannte Vereine ihren Unrat über die glorreiche zweite Diktatur verbreiten dürfen. Noch letzte Woche priesen einstige NVA-Generale die Rettung des Friedens durch den Bau des „Antifaschistischen Schutzwalles“ vom 13. August 1961. Selbstverständlich fiel auch kein kritisches Wort über die proklamierte „Suche nach den Wegen zum Kommunismus“ durch die Vorsitzende der SED-Nachfolge-Partei. Die nachmittagliche Meldung eines Anschlages von „Links-Autonomen“ auf einen  wichtigen Kabelstrang des S-Bahn- und Fernreiseverkehrs passte denn auch in dieses beklemmende Szenario der einseitigen Definition von Toleranz und der einhergehenden Beschwörung des Kampfes gegen Rechts.

Innen-Staatssekretär Wolfgang Bergner übergab den Preis der sichtlich bewegten Botschafterin

Waltraud Thiele, Botschafterin für Demokratie und Toleranz, war es denn auch zu verdanken, dass die ansonsten gute und ohne Zweifel notwendige Veranstaltung „gegen Extremismus und  Gewalt“ nicht vollends in den linken Kanal abstürzte.  Die eindringliche Kurzbeschreibung der Gewalttätigkeit und Verbrechensbereitschaft der DDR-Diktatur an dem in der politischen Haft ihrer Mutter zur Welt gekommenen Kind, an deren Folgen die Mutter im  Alter von nur 50 Jahren starb und unter deren Folgen Waltraud Thiele noch heute leidet, bewirkte eine fast atemlose Stille. Erst als die Toleranz-Botschafterin über ihre Arbeit mit ebenfalls von der Diktatur Betroffenen berichtete, die ihr viel Einfühlsamkeit und Verständnis abverlangten, ihr aber auch ermöglichten, eigenes Leid hintenanzustellen, löste sich die Spannung in teils frenetischen, befreienden Beifall. Viel Beifall wurde natürlich auch den anderen Preisträgern, Birgit und Horst Lohmeyer (für ihren einsamen Kampf in einem NPD-Hort),  Kazim Erdogan (für seine phantastischen und beispielgebenden Integrations-Initiativen in Berlin), der Gruppe um die StreetUniverCity (für die Umwandlung der Straße in Bildungsstätten in Berlin) und Pfarrer Franz Meurer (für seine Mobilisierung der Gruppen „von Unten“  in Köln).

Anschließend wurde mit Freunden gefeiert (von links): J. Jeksch, S. Krumbiegel (Prinzen), W. Thiele, T.Sterneberg, C.W.Holzapfel, D.Schuhmann

Die Preisverleihung an die Bezirksvorsitzende Halle der Vereinigung der Opfer des Stalinismus(VOS) aber verhinderte ein mögliches Bild von falsch verstandener, weil sonst recht einseitig präsentierter Toleranz. Und vielleicht gibt die Preisverleihung an die ehemalige Insassin des berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck ja auch den Anstoß, anlässlich einer solchen Preisverleihung nicht nur über die Grenzen der Toleranz nach Rechts, sondern über grundsätzliche Inhalte des Toleranz-Begriffes zu diskutieren.

Aktueller Hinweis:

Linke Straftaten steigen rapide 

(TAGESSPIEGEL  vom 25.05.2011)

Die Zahl der linken Straftaten geht steil nach oben. Nach Informationen des Tagesspiegels haben Autonome und andere Linke in den ersten drei Monaten des Jahres bundesweit mindestens 1.626 Delikte verübt. Das sind 567 mehr als im ersten Quartal 2010. Die Summe dürfte aufgrund von Nachmeldungen der Polizei noch wachsen. Die in der Bilanz enthaltenen Gewalttaten stiegen um 130 auf 305. Nahezu verdoppelt hat sich die Zahl der verletzten Opfer linker Gewalt (181 nach 97).

http://www.tagesspiegel.de/politik/linke-straftaten-steigen-rapide/4214750.html

© 2011 Vi.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-302077


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