You are currently browsing the tag archive for the ‘Ulrike Poppe’ tag.

Berlin-Köpenick, 08.06.2013/cw – Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) brachte es in seiner launigen  Ansprache auf den Punkt. Sein Bezirk sei immer schon ein  Beispiel für Renitenz und Widerstand gewesen.

Martin Gutzeit (li.) und Oliver Igel enthüllten den Gedenkstein, den zuvor die Vereinigung 17. Juni mit einem Eichenzweig geschmückt hatte. Foto: LyrAg

Martin Gutzeit (li.) und Oliver Igel enthüllten den Gedenkstein, den zuvor die Vereinigung 17. Juni mit einem Eichenzweig geschmückt hatte.
Foto: LyrAg

Das berühmteste Beispiel sei der legendäre Hauptmann  von Köpenick. So sei es für ihn gar nicht verwunderlich, dass der Volksaufstand seinen Ursprung nicht in  der Stalinallee, sondern hier „am 13. Juni 1953 in  Köpenick auf einer Dampferfahrt auf dem Müggelsee hatte, als sich Bauarbeiter von der Baustelle Krankenhaus Friedrichshain mit Kollegen aus Köpenick trafen und über Streikmaßnahmen berieten.“ Ein wenig stolz vermerkte Oliver Igel, dass sich von 20.000 Arbeitern in  Köpenick immerhin 17.000 am Streik vom 17. Juni 1953 beteiligten.

Der legendäre Dampfer startete damals vom Anlegesteg „Rübezahl“. Und nicht weit von der Anlegestelle weihte der Bezirk aus Anlass des 60. Jahrstages des Volksaufstandes einen Gedenkstein ein. Unweit entfernt hatten die Landesbeauftragten ihre dreitägige Tagung zum Thema „17. Juni 1953“ im Hotel am Müggelsee durchgeführt. So konnte der Bezirksbürgermeister rund 150 Gäste zu diesem Ereignis begrüßen, unter diesen neben Zeitzeugen wie Klaus Gronau aus Berlin auch die Landesbeauftragten Lutz Rathenow aus Sachsen, Hildigund Neubert aus Thüringen,

Erinnerung vor Ort an ein  historisches Ereignis. Foto: LyrAg

Erinnerung vor Ort an ein historisches Ereignis.
Foto: LyrAg

Ulrike Poppe aus Brandenburg und Martin Gutzeit aus Berlin. Für die Verfolgtenverbände waren u.a. die Vorsitzenden der VOS, der Vereinigung 17. Juni, dem Forum zur Aufklärung und Erneuerung, des Bautzen-Komitees und des UOKG-Vorstandes, zahlreiche Mitglieder und BürgerrechtlerInnen wie Vera Lengsfeld und Heidi Bohley, die Schwester der legendären Bärbel Bohley, erschienen, um die damaligen  Vordenker des Aufstandes zu ehren. Vom Abgeordnetenhaus in Berlin war Joachim Krüger (CDU) anwesend, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen ist.

Neben dem Berliner Landesbeauftragten sprach auch der Vorsitzende des Heimatvereins Köpenick, Stefan Förster, der die Anregung zu diesem Gedenkstein gegeben und  die Veranstaltung organisiert hatte. Förster dankte zunächst wie zuvor Oliver Igel den Unterstützern des Vorhabens, hier besonders dem THW, für den sachgerechten Transport des „nicht leichten“ Findlings und seinem Stellvertreter für die Idee. Der engagierte Vereinsvorsitzende, der mehrfach von regem Beifall unterbrochen  wurde, erinnerte an die Vorleistungen des Bezirkes Treptow-Köpenick, der die Aufarbeitung und Erinnerung an die SED-Diktatur konsequent und gegen  zahlreiche Widerstände durchführe.

Unter den Teilnehmern auch Hildigund Neubert (3.v.l.) und Vera Lengsfeld (5.v.l.). Im Vodergrund (re.) Reinhard Dobrinski. Foto: LyrAg

Unter den Teilnehmern auch Hildigund Neubert (5.v.l.) und Vera Lengsfeld (8.v.l.). Im Vodergrund (re.) Reinhard Dobrinski.
Foto: LyrAg

Straßenbenennungen nach Opfern des Systems, wie dem letzten Maueropfer Chris Gueffroy oder dem Aktivisten  des 17. Juni, Siegfried Berger,  seien für den Bezirk eine Selbstverständlichkeit und bleibende Verpflichtung. Auch sei dies die richtige Antwort auf den Skandal, dass noch immer zahlreiche Straßen und Plätze nach den Protagonisten  des Unrechtes benannt seien. Hier gelte es, „zumindest einen Gleichstand“ anzustreben und herzustellen, rief Förster aus.

Die Teilnehmer der Landesbeauftragtenkonferenz begaben sich im Anschluss an die würdige Feier, die von dem Trompeter Steve Horn eindrucksvoll mit dem Lied der Deutschen begleitet wurde, auf einen wenige Meter entfernt am Anlegesteg „Rübezahl“ wartenden Dampfer, um die historische Fahrt vor sechzig Jahren nachzuempfinden.

Ralf Drescher, neben oliver Igel stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins, stellte uns freundlicherweise sein Video über die Veranstaltung zur Verfügung:

http://www.youtube.com/watch?v=dP06aBjd7XY

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Strausberg, 27.07.2012/cw – Das Foto ging um  die Welt: Der – späte – Bundeskanzler Adenauer erst Tage nach dem Mauerbau in Berlin, und Willy Brandt, der Regierende Bürgermeister, blickt bei der Begrüßung zur Seite. „Eine Stadt blickt an ihm vorbei.“ Mag es so oder eher ein Zufallsfoto gewesen sein, die darin zum  Ausdruck gekommene Enttäuschung einer Stadt blieb zeitlebens an Adenauer hängen.

Detlef Grabert und Ulrike Poppe vor der Urne – Foto: LyrAg

Die wenigen Trauergäste, die heute in Strausberg einen der letzten Streikführer des 17. Juni von 1953 auf seinem  letzen Weg begleiteten, fühlten sich ungewollt an diese Parabel erinnert. Kein einziger offizieller Vertreter der Stadt war zum Heimgang des Strausberger Streikführers Heinz Grünhagen (79) erschienen, nicht einmal zu einem  Blumengruß hatte es gereicht. Kaum  zu glauben, wie kaltschnäuzig hier eine Kommune ein Jahr vor dem 60. Jahrestag des Volksaufstandes mit dem Tod des letzten  Streikführers aus der eigenen Stadt umgeht. Eine Stadt zieht den Vorhang zu. Pietät sieht anders aus. Ehrung und Anerkennung einer Lebensleistung ohnehin.

So vermerkt die Bundesrepublik Deutschland am 27. Juli anno 2012 die Beisetzung eines der letzten, vielleicht auch des letzten Streikführers von 1953 in einem anonymen Grab. In wenigen Jahren optisch auch auf dem Friedhof vergessen, wenn die Stelen mit den unzähligen Namen durch neue ersetzt sein werden.

Die Stadt entzieht sich der Frage nach einem möglichen Ehrengrab, so wie sie sich dem hartnäckigen Wunsch von Grünhagen entzogen hat, noch zu seinen Lebzeiten einen  Kilometer der Hennickendorfer Chaussee in „Straße des 17. Juni 1953“ umzubenennen. Das es auch anders geht, zeigt die nahe gelegene Hauptstadt. Zu Zeiten einer ebenfalls linken Koalition beschloss der Berliner Senat die Beisetzung von Teilnehmern am Volksaufstand in einer Ehrengrabanlage seitlich der Gedenkstätte vom 17. Juni auf dem Friedhof Seestraße.

Anders Strausberg. Mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit verteidigt die Stadtverordnetenversammlung die kilometerlange Ernst-Thälmann-Straße durch die Stadt ebenso vehement wie die einzige Straße in einer deutschen Kommune, die an einen ehemaligen Mauerschützen erinnert.

Klage, meine Seele, weine – Foto: LyrAg

So blieb es der Landesbeauftragten für die Bewältigung der Diktatur-Folgen, Ulrike Poppe, vorbehalten, durch ihre Anwesenheit und ihren letzten Blumengruß ein  Zeichen gegen diese Wand des Verdrängens zu setzen. Begleitet wurde sie von Detlef Grabert, einst Landtagsabgeordneter, später Stadtverordneter von Bündnis 90/Die Grünen und Wegbegleiter des Verstorbenen in  den letzten Jahren und zwei ehemaligen  Stadträten der CDU. Am Urnengrab betonte der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953 noch einmal das „unglaubliche Engagement von Heinz Grünhagen, der beispielhaft wie kaum  ein anderer der seinerzeitigen  Teilnehmer am Volksaufstand um die Erinnerung an diesen großen Tag in der Deutschen Geschichte gekämpft“ habe. Ohne die lebenslange und mutige Begleitung durch seine Ehefrau besonders in den schweren letzten Jahren wäre dieses Engagement allerdings nicht möglich gewesen. Holzapfel, der in Begleitung des Vorstandsmitgliedes Tatjana Sterneberg an der Trauerfeier teilnahm, versicherte, Heinz Grünhagen „niemals zu vergessen und sein Anliegen der Erinnerung auch in  Strausberg zu bewahren.“

Vereinigung 17. Juni: Das Fahrzeug mit Grünhagens letzter              Forderung beklebt    Foto: Lyrag

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Strausberg/Berlin, 24.07.2012/cw – Die Vereinigung 17. Juni 1953 teilte heute in  Berlin den Tod des Strausberger Streikführers vom 17. Juni, Heinz Grünhagen, mit. Grünhagen verstarb nach langer schwerer Krankheit am 11.07.2012 im Alter von 79 Jahren in den Armen seiner Frau.

Mit Heinz Grünhagen betrauert die Vereinigung 17. Juni den Heimgang eines der letzten noch lebenden Streikführer des Volksaufstandes von 1953: „Die Einschläge kommen immer dichter,“ stellte der Vorsitzende Holzapfel in Berlin fest. „Wir werden zum 60. Jahrestag in 2013 kaum noch einen der herausragenden Streikführer, zu denen auch Heinz Grünhagen gehörte, erleben.“

Heinz Grünhagen,  der zwanzigjährige Bauarbeiter, hört  am Abend im Berliner Sender RIAS den Aufruf zum Streik: „Morgen am Strausberger Platz.“ Der Brigadier, der für zahlreiche Kollegen die Stunden erfasst und die Abrechnungen  erstellt, weiß um den Druck, der durch die vom Staat verordnete Normenerhöhung entstanden ist. Obwohl jung verheiratet, seine Frau ist schwanger, trifft er sich am Morgen  des 17. Juni auf der Baustelle. Schnell ist man sich einig und beteiligt sich am Streik. Eine Streikführung wird gewählt, Heinz Grünhagen gehört dazu.

Blumen für einen 17er: Heinz Grünhagen mit C.W.Holzapfel von der Vereinigung 17. Juni

Man bemächtigt sich mehrerer LKW der Bau-Union und fährt enthusiastisch von einem  Betrieb zum anderen in Strausberg, um  zum Streik aufzurufen. Im Zementwerk Rüdersdorf fordern die Streikenden die Freilassung der politischen Gefangenen. Angesichts der vor Ort schwer bewaffneten  Polizei ziehen sich die Arbeiter nach Strausberg zurück.

Nach dem Mittagessen beschließen die Streikenden: Wir fahren nach Berlin. Doch Kasernierte Volkspolizei und sowjetische Militärs sichern die Stadtgrenze. In der heutigen Hennickendorfer Chaussee stadtauswärts sichten Grünhagen und seine Freunde Panzerspähwagen der Roten  Armee. Als die Arbeiter vorrücken, werden Warnschüsse abgefeuert. Die Strausberger Streikenden ziehen sich zurück.

Fünf Jahre Zuchthaus für Streik-Beteiligung

Noch in der Nacht wird Grünhagen von der Stasi aus dem Bett geholt. Am 25. Juni 1953 findet bereits der Prozess gegen die „Aufrührer“ statt. Grünhagen ist der jüngste Angeklagte, wird zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Gericht wirft ihm vor, Wortführer der Streikenden gewesen zu sein und begründet damit seine besondere Schuld an dem „Aufruhr“.

Bis 1956 verbüßt Heinz Grünhagen seine Haft im  Zuchthaus Luckau. Als er entlassen wird, bleibt er seiner Frau zuliebe in der DDR. Von den Arbeiten im Steinbruch ist er gesundheitlich schwer gezeichnet, später wird eine Staublunge diagnostiziert. Trotzdem arbeitet er notgedrungen  im Straßenbau, jeglicher Aufstieg wird dem einstigen  Streikführer  verwehrt.

Nach dem Fall der Mauer lebt Grünhagen wieder auf. Mit einer seine vielen Freunde erstaunenden Energie setzt er sich nunmehr für das Gedenken an die Vorgänge im Juni 1953 ein. In der nach wie vor rot regierten  Stadt hat er keinen  leichten  Stand, findet aber immer wieder Verbündete, so in dem Landtagsabgeordneten  und späteren Mitglied des Stadtrates der Partei Bündnis90/DIE GRÜNEN, Detlef Grabert. Nach langem Ringen erkämpft Grünhagen die Errichtung eines Gedenksteines, allerdings außerhalb der Stadt, vor dem Kasernentor an der Hennickendorfer Chaussee. Wieder nach Jahren erreicht Grünhagen mit seiner Beharrlichkeit die Anbringung einer Gedenktafel mit den Namen der seinerzeit Streikenden auf dem Gedenkstein.

Sein  innigster Wunsch, noch zu Lebzeiten einen Kilometer der Hennickendorfer Chaussee in „Straße des 17. Juni“ umzubenennen, scheiterte bisher am hartnäckigen Widerstand der roten Mehrheit aus SPD und LINKE im Strausberger Rathaus. Im letzten Jahr erfolgte auf sein maßgebliches Drängen eine symbolische Umbenennung durch das zeitweise Überkleben von drei Straßenschildern am Bahnhof Strausberg in Anwesenheit der Brandenburgischen  Landesbeauftragten  für die Unterlagen der Staatssicherheit, Ulrike Poppe, die damit ihre Sympathie und Unterstützung des Anliegens unterstreichen wollte. Die Stadt antwortete mit einer Geldstrafe von über 300 €, eine Strafanzeige wurde jedoch eingestellt. Heinz Grünhagen, der sich an der Begleichung der Geldstrafe maßgeblich beteiligte, gab sich auch nach dieser „Niederlage“ kämpferisch. So lange er lebe, werde er für diese angemessenen Erinnerung an den Volksaufstand von 1953 kämpfen.

Am 11. Juli hörte dieses Kämpferherz auf zu schlagen. In einem Nachruf würdigt die Vereinigung 17. Juni ihr Mitglied: Heinz Grünhagen habe „beispielgebend und unvergessen buchstäblich bis zum Tod für die Erinnerung an einen großen Tag in der deutschen Geschichte gekämpft. Der 17. Juni prägte sein  Leben. Seiner Familie und besonders seiner Frau gehört unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme. Seine Frau habe die volle Last der schweren Erkrankung in den letzten Jahren mit großer Liebe und an die Grenzen der Kraft gehendem Einsatz getragen.“

„Straße des 17. Juni“ in Strausberg?

 „Die Stadt Strausberg hätte nun die Gelegenheit, sich vor dem großen Sohn  der Stadt zu verneigen und zum  bevorstehenden 60. Jahrestag des Aufstandes die Hennickendorfer Chaussee stadtauswärts umzubenennen. Es wäre ein später Dank an Heinz Grünhagen und die Frauen und Männer vom 17. Juni 1953, die auch in  Strausberg Kampfesmut für einen  besseren Staat zeigten“, sagte heute der Vorstandssprecher in Berlin.

Die Beisetzung findet am Freitag, 27.07.2012, um  10:00 Uhr auf dem Waldfriedhof Strausberg statt.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, Weihnachten 2011/cw/ts – Natürlich: Fukushima hat auch uns persönlich in seiner Dramatik beschäftigt. Die Erinnerung an den Tsunami in  Thailand wurde wieder lebendig. Auch wir suchten im Internet nach der Kollegin meiner ehemaligen Frau und ihrem Mann, einige Monate später standen wir auf einem Friedhof in München, um  die zierlichen Urnen mit den sterblichen  Überresten beizusetzen. Das vergisst man nie…

Aber die politische Hysterie, die das Erdbeben in Japan vornehmlich bei uns in Deutschland auslöste, hat uns wieder vor Augen geführt, wie fragil unsere Befindlichkeiten noch immer sind, dass wir auch heute noch in der Lage sind, die Völkergemeinschaften um  uns herum mit unseren „Bauch-Entscheidungen“ zu irritieren…

Höhepunkt Hoheneck

Zweifellos war über diese Ereignisse hinaus, die anderswo ausführlicher und kompetenter rekapituliert werden, der Besuch des Bundespräsidenten im einstigen  Frauenzuchthaus der DDR für uns  d e r  Höhepunkt in diesem Jahr. Im  Auftrag des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen durften wir diesen Besuch anfragen, vorbereiten und begleiten. Für die einst gepeinigten Frauen von Hoheneck ein  tief berührendes Ereignis, die späte Referenz an ein bisher unterbelichtetes Kapitel deutscher Geschichte.

Überhaupt wurde dieses Jahr zu einem Jahr der ehemaligen  Hoheneckerinnen. Die Drehbuchautorin Kristin Derfler hatte jahrelang und in vielen Gesprächen und Recherchen die Grundlagen für den Film „Es ist nicht vorbei“ erschrieben, der Film wurde im  letzten und diesem Jahr mit Anja Kling, Tobias Oertel und Ulrich Noethen in den Hauptrollen vom SWR und RBB im Verein  mit dem Filmstudio Hamburg realisiert und zur besten Zeit am 9. November in der ARD ausgestrahlt. Der Hoheneck-Film wurde im  Ranking Tagessieger, und selbst die angeschlossene Doku, ebenfalls von Kristin Derfler und ihrem Mann Dietmar Klein umgesetzt, hatte einen fast gleichen  Zuschauerrekord aufzuweisen.

Der Frauenkreis nutzte die Gunst der Stunde und konnte sich endlich, nach vielen Jahren vergeblicher Bemühungen, in das Vereinsregister eintragen  lassen, eine wichtige Voraussetzung für notwendige staatliche Förderungen. Dazu beigetragen hatte nicht unwesentlich die Gründung eines Förderervereines „Begegnungs-  und Gedenkstätte Hoheneck“ in Stollberg, die den notwendigen Schwung vermittelte. Inzwischen hat der Förderverein ein  vielbeachtetes Konzept vorgestellt. Erste Reaktionen von höchster Stelle sind ermutigend. Im nächsten  Jahr wollen wir das Projekt „Förderverein“ nach dem Überstehen der unvermeidlichen  Geburtswehen voll in die Hände von Stollberger Bürgern legen, die sich schon jetzt mehrheitlich an der Gründung beteiligt haben.

Platz und Straße des 17. Juni

In Berlin haben wir uns nach wie vor dem Thema „17. Juni 1953“gewidmet, leider aber noch immer keine durchschlagenden Ergebnisse unserer Bemühungen verzeichnen können. Der „Platz des 17. Juni“ vor dem Bundesfinanzministerium in  Berlin-Mitte gehört nach wie vor zu unseren vordringlichsten  Anliegen. In Strausberg bei Berlin haben wir mit mentaler Unterstützung der Brandenburger Landesbeauftragten Ulrike Poppe symbolisch, weil kurzfristig, eine Straße nach dem Volksaufstand benennen können. Die Stadt reagierte mit einer Schadenersatzforderung von über 300,00 Euro. Das sah zwar mehr nach Beleidigung denn nach Aufbruch im  Sinne der Bewertung historischer Ereignisse aus. Aber wir sind guten Mutes, dem letzten noch lebenden Aufstandsführer in  Strausberg, unserem Kameraden Heinz Grünhagen, noch zu Lebzeiten die Teilnahme an einer feierlichen  Straßenumbenennung ermöglichen zu können. Der 60. Jahrestag des Volksaufstandes steht ja vor der Tür…

In  diesen weihnachtlichen Tagen wird medial wieder einmal, wie der Volksmund sagt „eine Sau über den Dorfplatz gejagt“. Es gibt in dieser Republik nach wie vor bestimmte Spezies, die offensichtlich nur unzureichend mit politisch gefühlten Niederlagen umgehen können. Die Wahl von Christian Wulff vor immerhin schon eineinhalb Jahren hat wohl zu traumatischen Reflexen geführt: Es darf nicht sein, was nicht sein kann. Und so sind einige Unentwegte fündig geworden, haben „etwas gefunden“, was sich hervorragend für eine entsprechende Kampagne umsetzen ließ. Wir meinen, der Respekt vor dem Amt gebietet es und hätte es geboten, erst dann – und nur dann – an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn eindeutige, sprich juristisch unzweifelhafte Belege für ein Fehlverhalten vorlegbar gewesen wären. Das ist bislang nicht der Fall. Und so wirkt die losgebrochene Kampagne eher kleinkariert, sprich an den (politischen ) Haaren herbeigezogen.

Gaucks Engagement für ehemalige Stasi-Bedienstete

Erstaunlich, dass sich kein Medium für die skandalöse Einrede des vormaligen  Präsident schaftsbewerbers und – immerhin – einstigen Bürgerrechtlers und ersten Bundesbeauftragten zur Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen gegen das novellierte Stasi-Unterlagengesetz interessiert. Immerhin hatte Joachim Gauck vom Bundespräsidenten verlangt, das vom Bundestag und Bundesrat verabschiedete Gesetz nicht zu unterzeichen, weil es die Umsetzung ehemaliger (und von Gauck einst selbst eingestellter) Stasi-Mitarbeiter von der Unterlagenbehörde in andere Bundesbehörden ermöglicht. Der Skandal ergibt sich für uns ganz klar aus dieser Konstellation: Der Bürgerrechtler Gauck sieht sich veranlasst,  zugunsten ehemaliger Stasi-Mitarbeiter zu intervenieren, statt sich gegen die weitere Provokation einstiger Opfer durch die Existenz dieser Mitarbeiter in der Behörde zu wenden, die diesen Opfern bei der Aufklärung begangenen Unrechtes unterstützen soll. Es kommt also gar nicht auf Inhalte an, sondern auf das gerade aktuelle, medial verwertbare Extra, oder?

Das alles hat nun  gar nichts mit einer etwaigen Stasi-Phobie zu tun, obwohl diese gerade  für Stasi-Opfer nachvollziehbar wäre. Wir haben immer in den einschlägigen Gremien für eine Abkehr von „Reflexen“ geworben, uns für die Belegbarkeit von berechtigten Vorwürfen ausgesprochen. Wie schnell man in nicht mehr zu bewältigende Untiefen mit pauschalierten Reflexen geraten kann, können wir gerade an einem großen Verband nachvollziehen. Die Verantwortlichen  wurden und werden  nicht müde, die Vergangenheit zu geißeln und Rechtsstaatlichkeit einzufordern, um selbst ziemlich ungeniert diese eingeforderten Maßstäbe vereinsintern mit Füßen zu treten. Noch schauen Geldgeber und Aufsichtsgremien, wohl auch beeindruckt von der verbalen Rhetorik, der offensichtlichen  Veruntreuung anvertrauter Finanzen und eigenwilliger Vertragsgestaltungen  zugunsten von Vorstandsmitgliedern zu…

Weihnachten: Urlaub von Realitäten

Was lernen wir aus all dem? Geschichte lässt sich nicht einfach durch Rhetorik oder mediale Paukenschläge entsorgen, sie muß kontinuierlich aufgearbeitet werden. Das dabei Gefühle nicht außen vor bleiben können und sollen, ist verständlich, gehört dazu. Letztlich zählen aber können nur „Fakten, Fakten, Fakten“, wie das im Werbespot eines Nachrichtenmagazins eindrücklich und werbewirksam getitelt wurde.

In diesem Sinn  dürfen wir uns Weihnachten unseren Gefühlen hingeben, dürfen völlig außen vor lassen, ob die Geschichte von Bethlehem tatsächlich so, wie uns überliefert,  stattgefunden hat oder nicht. Wir dürfen und wir sollten – wenigstens wenige Tage im  Jahr – Urlaub nehmen dürfen von Tatsachen und Realitäten. Ihnen und Euch allen wünschen  wir von Herzen gesegnete Weihnachtsfeiertage und ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2012.

Tatjana Sterneberg                                         Carl-Wolfgang Holzapfel

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

 

Friedhof Seestraße: Bewegende Ansprache des Innenministers zum 17. Juni

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (links) und Joachim Fritsch (zweiter von rechts), der in diesem Jahr die Vereinigung 17. Juni vertrat - Foto: Ralf Gründer

Berlin, 17. Juni 2011/cw –  In einer engagierten und bewegenden Ansprache sagte der Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter-Friedrich zum 58. Jahrestag des Volksaufstandes auf dem Friedhof Seestraße: „Die Tränen des Aufstandes wurden zu Tränen der Nation.“

Bundesinnenminister Friedrich nahm sich viel Zeit für Gespräche - Foto: Ralf Gründer

http://www.berliner-mauer-archiv.de/Aktuell/gedenkveranstaltung-zum-17-juni-1953.html

Platz des 17. Juni

 Zuvor hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit traditionsgemäß vor dem Bundesfinanzministerium in Berlin-Mitte am dortigen Denkmal zusammen mit der Vereinigung 17. Juni und der UOKG Kränze niedergelegt. Während der Zeremonie demonstrierten ehemalige Teilnehmer am Volksaufstand mit einem Transparent, auf dem die Umbenennung des dortigen Areals in „Platz des 17. Juni 1953“ gefordert wurde.

Seit Jahren fordernder Protest gegen die Verweigerung - Foto. LyrAg

Seit dem neuntägigen Hungerstreik des Vereinsvorsitzenden Carl-Wolfgang Holzapfel im Jahre 2005, mit dem die Vereinigung gegen die Abnahme der seinerzeitigen  Fototafeln protestierte, wird von den Veteranen die Umbenennung gefordert. Vor dem Gebäude in der Leipziger-/Ecke Wilhelmstraße hatten Zehntausende am Vorabend des 17. Juni 1953 gegen die DDR-Regierung demonstriert, freie Wahlen  gefordert und für den nächsten  Tag den Generalstreik ausgerufen: „Morgen um 7:00 Uhr am Strausberger Platz!“

Die Fototafeln waren auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft 13. August an der Fassade angebracht worden und hatten jahrelang an die Geschehnisse des Aufstandes erinnert. Klaus Wowereit hatte im Abgeordnetenhaus die Forderung nach einer Benennung unterstützt, die Verantwortung dafür aber dem Bezirk Mitte zugeordnet. Der zuständige Bezirk hingegen schob die Entscheidung dem Finanzministerium zu und dieses erklärte sich bislang für nicht zuständig.

Auch an den Mauerkreuzen am Reichstag gedachte die Vereinigung der Toten der Teilung - Foto: LyrAg

Dennoch hofft der Verein unverändert auf eine endliche Realisierung, schließlich hatte selbst die damalige Oppositionsführerin und heutige Bundeskanzlerin dem seinerzeitigen Hungerstreiker die volle Unterstützung der CDU für das Anliegen zugesagt. Überbringer des Schreibens von Angela Merkel: Der damalige Generalsekretär Frank Henkel, heute Spitzenkandidat der Union für die bevorstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus.

Gedenken am einzigen originären Denkmal

Bereits am Vorabend hatte die Vereinigung am einzigen originären Mahnmal Deutschlands, das unmittelbar nach dem 17. Juni von Teilnehmern am Volksaufstand in Berlin-Zehlendorf in der Potsdamer Chaussee errichtet worden war, der Toten des Aufstandes gedacht. In  seiner Ansprache kritisierte Holzapfel den Innenausschuss des Sächsischen  Parlamentes, der jüngst eine Langzeitstudie „zur Überwachung der politischen  Einstellung der Bürger“ gefordert hatte: „Dafür sind die Menschen  am 17. Juni 1953 nicht auf die Straße gegangen, dafür seien viele Menschen nicht gestorben.“

Seit Jahrzehnten am 16. Juni um 18:00 Uhr vor Ort am Holzkreuz - Foto: LyrAg

Es sehe so aus, so der Vereinsvorsitzende, dass „die Kampfzeit noch nicht vorbei ist, dass die Demokratie nach wie vor eines engagierten Kampfes um  deren Inhalte bedarf.“

Erinnerung an die Opfer des Stalinismus und Nationalsozialismus

 Am Morgen des 17. Juni wurden die Gedenkveranstaltungen in Berlin durch eine Feier der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) auf dem Steinplatz in Berlin-Charlottenburg eröffnet. Der Bezirk war durch eine hochrangige Abordnung, die Vereinigung 17. Juni durch ihren Vorstand, ehemalige Teilnehmer und Mitglieder vertreten. Auf Initiative der Vereinigung im Jahr 2008 legten die Teilnehmer im Anschluss an das Gedenken am Stein für die „Opfer des Stalinismus“ auch Blumengebinde am Denkmal für die „Opfer des Nationalsozialismus“ nieder.

Nach der VOS würdigte auch die Vereinigung 17. Juni die Opfer des Stalinismus - Foto: LyrAg

„Straße des 17. Juni 1953“  in Strausberg gefordert

Symbolische Umbenenenung: Aus der "Hennickendorfer Chaussee" wurde kurzfristig die "Straße des 17. Juni 1953" - Foto: Ralf Gründer

 Am Nachmittag wurde in  Strausberg bei Berlin in Anwesenheit ehemaliger Aufstandsteilnehmer eine „symbolische Straßenumbenennung“ (Ulrike Poppe) vorgenommen. Die Vereinigung 17. Juni hatte eine „Aktion  Grünhagen“ angekündigt und Straßenschilder der Hennickendorfer Chaussee mit dem Namen „Straße des 17. Juni 1953“ überklebt. Der letzte noch lebende Streikführer aus Strausberg, Heinz Grünhagen, setzt sich seit Jahren vergeblich für eine Umbenennung des Straßenabschnittes zwischen  dem Bahnhof und dem Gedenkstein „17. Juni“ in Strausberg ein.

Der ehem. Strausberger Stadtverordnete Grabert (rechts im Bild) unterstützt aktiv die Bemühungen um eine angemessene Ehrung - Foto: Ralf Gründer

Ulrike Poppe, die Brandenburger Landesbeauftragte für die Folgen der zweiten Diktatur, erklärte unter dem Beifall der anwesenden Akteure, das diese Aktion eine wichtige, wenn  auch symbolische Handlung sei, um  das Anliegen von Heinz Grünhagen, „das wir alle teilen“, nachdrücklich zu unterstützen.

Wolfram Dreher (Vereinigung 17. Juni), Ulrike Poppe, Reinhard Schult (Büro Poppe) und Vorsitzender C.W.Holzapfel (von rechts) in Strausberg unter dem "neuen" Straßenschild - Foto: Ralf Gründer

Auch die Bürgermeisterin Elke Stadeler ging am Abend bei der offiziellen Kranzniederlegung am Gedenkstein vor der Barnim-Kaserne auf den Kampf „eines Einzelnen gegen das Vergessen“ ein, „dem Zeitzeugen und Opfer des 17. Juni, Heinz Grünhagen“, ohne allerdings auf dessen Namenswunsch oder die zuvor durchgeführte symbolische Umbenennung direkt einzugehen. Dagegen sprach Pfarrer Rüdiger Bernhard offen den Wunsch aus, „eine Straße nach dem 17. Juni“ zu benennen.

http://www.berliner-mauer-archiv.de/Aktuell/aktion-aus-der-hennickendorfer-chaussee-wird-die-strasse-des-17-juni-1953-die-umbenennung-wird-durchgefuehrt-von-der-vereinigung-17-juni-ev.html

V.i.S.d.P.: Vorstand der Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

 

August 2021
M D M D F S S
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Blog Stats

  • 754.203 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 128 anderen Followern an