You are currently browsing the tag archive for the ‘Ulrich Nöthen’ tag.

Filmarbeiten: Anja Kling mit Komparsen im Hof von Hoheneck - Foto: LyrAg

Berlin, 2.11.2011/cw – Zur Prime-Time um  20:15 Uhr strahlt die ARD am vielfältigen  Schicksalstag der Deutschen, 9. November, den Spielfilm über ein Hohenecker Schicksal mit Anja Kling, Tobias Oertel und Ulrich Nöthen, aus.

Einen  Tag vorher, am 8. November, findet eine Exclusiv-Premiere in Stollberg statt, der Stadt im Erzgebirge, die am Fuße des ehemaligen DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck liegt. Um  15:00 Uhr wird der Film in der Aula des Carl-von-Bach-Gymnasiums aufgeführt. Danach wird ein Zeitzeugengespräch über den Film und das Frauenzuchthaus moderiert.

Am Set in Adlershof: Anja Kling, Tatjana Sterneberg und Drehbuchautorin Kristin Derfler im Gespräch - Foto: LyrAg

An dieser Stelle eine erste Filmkritik:

Ein beeindruckender, in die Tiefen menschlicher Psyche greifender Film. Tobias Oertel spielt überzeugend den fassungslosen Wessi, dem zunächst jede Einsicht in die Lebensdramatik seiner Frau und ehemaligen in die Stasi-Fänge geratenen DDR-Bürgerin abgeht. Diese Begrenztheit, aus der Nichtbefassung mit unangenehmen Wahrheiten geboren, wie sie die DDR-Diktatur als Folge-Diktatur der NS-Zeit vermittelt hat, kommt bei Oertel fast schon beklemmend rüber. Das kommt einem Blick in den Spiegel nicht weniger saturierter (alter) Bundesbürger gleich.

Mit Anja Kling hatte Oertel eine Ehefrau, die die aufgebrochenen Qualen einer ehemals Verfolgten und schwer Geschädigten nach einer schicksalhaften Begegnung mit ihrer Vergangenheit tief berührend ausdrückt. Manchmal braucht es keiner Schreie, sind die verzweifelten stillen Hilferufe „lauter“, eindringlicher und umso schmerzlicher.

Komparsen, unter ihnen 2 ehem.Frauen von Hoheneck: Monika Schneider, 2.v.li., und Tatjana Sterneberg, 4.v.li. - Foto:LyrAg

Das vermittelt Anja Kling gegenüber ihren Gegenspielern, dem ob der Wahrheit geschockten Tobias Oertel wie dem um seine Reputation mit erlernten Stasi-Qualitäten operierenden Professor (Glänzend: Ulrich Nöthen) so überzeugend, dass sich nicht nur Unwissende einfühlen können, sondern auch ehemalige Diktatur-Opfer in ihren noch längst nicht bewältigten Traumata wiedererkennen können.

Danke dem Film-Team, den Schauspielern, nicht zuletzt Tobias Oertel, Danke der Drehbuchautorin Kristin Derfler, ohne die dieses Thema – zum Beispiel der gezielte Einsatz von Psychopharmaka gegen politische Gegner durch die Stasi – nicht so eindrucksvoll transferiert worden wäre.

Siehe auch:

 http://www.monstersandcritics.de/artikel/201142/article_195079.php/Tobias-Oertel-Vom-m%C3%A4nnlichen-Verdr%C3%A4ngen

und

http://www.monstersandcritics.de/artikel/201140/article_194831.php/Es-ist-nicht-vorbei-Spielfilm-des-Tages-Mi-09-11-ARD-20-15-Uhr

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953                             Fotos  © 2011: LyrAg

Liebe Anneliese,

 in diesen Tagen und Wochen denke ich besonders an Dich. Warum?

 Als ich Dir vor jetzt 49 Jahren als erster Leiter der damaligen Ausstellung an der Mauer in der Bernauer Straße begegnete, war ich gerade einmal 18 Jahre alt. Zwar hatte ich einen  ersten Hungerstreik (am Mahnmal für Günter Litfin) hinter mir und u.a. auch schon einmal im November 1961 eine Demo gegen die Mauer stark beeinflusst. Aber all diese ersten Anfänge eines aktiven Engagements konnten Deine schlimmen Erfahrungen nicht annähernd toppen, wie es heute neudeutsch heißt.

Du warst gerade einmal um die dreißig Jahre alt und hattest schon 10 Jahre in dem DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck hinter Dir. Mich hat Dein Schicksal damals wie heute tief berührt.

Zum ersten Mal erfuhr ich nicht aus der Literatur sondern von einem leibhaftigen Menschen über die schweren Verbrechen des „ersten  Arbeiter und Bauernstaates auf deutschem Boden“ gegen Menschen, gegen die Menschlichkeit. Von Dir erfuhr ich erstmals von dem Wirken der „Kampfgruppe gegen  Unmenschlichkeit“ (KgU), von dem doch sehr differenziert zu sehenden Engagement ihres Gründers, unseres damals verehrten „Doktors“ Rainer Hildebrandt, dem Begründer der ersten Mauerausstellung in der Wolliner- Ecke Bernauer Straße. Er hatte Dich nach fünfjähriger Haft in Hoheneck überredet, erneut Flugblätter in Ost-Berlin zu verteilen, dies sei jetzt völlig gefahrlos für Dich. Du wurdest erneut verhaftet und musstest die nächsten  fünf Jahre wieder in  Hoheneck zubringen.

Anneliese 1963 in der Ausstellung "Es geschah an der Mauer" in der Bernauer Straße

Mich haben Deine Berichte seither ständig bewegt. Und selbst, als ich drei Jahre später in einer Einzelzelle von Hohenschönhausen  einsaß oder vor dem Stadtgericht stand und zu acht Jahren  Zuchthaus verurteilt wurde, war die Erinnerung an Deine Leidenszeit und die Deiner tausenden Kameraden und Kameradinnen stets präsent.

Erst kürzlich fragte mich ein leitender Funktionär der Gedenkstätten-Kultur nach den besonderen Gründen für mein spezielles Engagement in Hoheneck. Und ich berichtete einmal mehr von der seinerzeitigen Begegnung mit Dir. Seither durfte ich viele Frauen von Hoheneck kennenlernen, nahm die bewegenden Schicksale auf. In dieser Zeit habe ich auch erst begriffen, warum Du schon damals nicht an den Dir bekannten Treffen der ehemalige Hoheneckerinnen teilnehmen wolltest. Der Umgang und die wiederholter Begegnungen mit Menschen, die Schlimmes erfahren mussten, ist sehr kompliziert und weckt vielfach eigene und oft aus Selbstschutz verdrängte Erinnerungen. Es ist aber nicht so, dass alle ehemaligen  politischen Gefangenen ihr Leben in  der Verbreitung ihrer Ängste und dadurch ausgelösten „Widerborstigkeiten“ zubringen. Viele Schicksalsgefährten haben es geschafft, das eigene Leid in eine große Sensibilität gegenüber anderen Menschen einzubringen. Es ist für mich jedes Mal bewegend, mit diesen Menschen  in der Bewältigung der Vergangenheit zusammenarbeiten zu dürfen.

Zukünftig Begegnungs- und Gedenkstätte: Blick in den Innenhof des ehem. Frauenzuchthauses Hoheneck

Das Schicksal wollte es, dass ich vor vier Jahren wieder einer eindrucksvollen Frau begegnete, die ebenfalls in Hoheneck einsaß. Sie wurde meine Lebensgefährtin. Zusammen haben wir uns des Themas engagiert angenommen und können nun erste, noch bescheidene Erfolge registrieren. Der Besuch des Bundespräsidenten aus Anlass des 20. Jahrestages des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen im Mai diesen Jahres war dabei zweifellos ein bewegender Höhepunkt. Seither arbeiten wir mit noch mehr Antrieb an der Umsetzung eines Begegnungs- und Gedenkstättenkonzeptes für die ehemalige Haft- und Repressionsanstalt. Wir alle, der Frauenkreis wie die in dieser Sache Engagierten, sind auf einem guten Weg, auch wenn wir noch am Anfang stehen und dieser Pfad noch steinig ist. Am 9. November wird zur besten Sendezeit, um  20:15 Uhr, in der ARD der Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling und Ulrich Nöthen in den Hauptrollen gesendet. Es geht um eine Frau, die wie Du in Hoheneck einsaß und den Spuren dieser Vergangenheit folgt.

Begegnung in der Ausstellung: der damals 18jährige Leiter und heutige Briefschreiber

Wir hoffen gemeinsam, dass auch dieser Film dazu beitragen wird, Dein und Euer Schicksal in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Und wenn ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin ein wenig an dieser erstmals greifbaren Umsetzung der Erinnerung in Hoheneck mitwirken kann und mitwirken darf, dann verdanke ich das nicht zuletzt der eindrucksvollen,  nie vergessenen Begegnung mit einer Frau von Hoheneck in einer kleinen, zu einer Ausstellung umfunktionierten Wohnung an der Bernauer Straße, der Begegnung mit Dir vor 49 Jahren.

Das wollte ich Dir heute einfach einmal schreiben und Dir DANKE sagen für den damals wichtigen  Anstoß, mich für die Freilassung der tausenden politischen Gefangenen zu engagieren.

 Wolfgang

 V.i.S.d.P.: C.W. Holzapfel, Berlin, Tel.:030-30207785 oder 0176-48061953

September 2021
M D M D F S S
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Blog Stats

  • 755.742 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 129 anderen Followern an