You are currently browsing the tag archive for the ‘Ukrainische Botschaft’ tag.

Kiew/Berlin, 24.09.2019/cw – Nach seiner Freilassung plant er einen Besuch in West-Europa: Oleg Senzow, der am 7. September aufgrund eines vereinbarten Austauschs politischer Gefangener zwischen Russland und der Ukraine nach fünf Jahren Haft aus der Gefangenschaft entlassen wurde.

Der ukrainische Regisseur will den Europäern von den Gefangenen in Russland berichten. In einem Interview mit dem Medium „Krim. Wirklichkeiten“ sagte Senzow, er wolle „sein Bestes geben und seine Medien einsetzen, um die Rückkehr aller in Russland noch gefangenen Ukrainer in ihre Heimat, nach Hause“, zu erreichen.

„Global werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um die Entlassung unserer Jungs in die Freiheit zu erreichen.“ Dies sei im engeren Sinne seine künftige Arbeit, sagte Senzow. Er werde am 25. September in Berlin ankommen, wo er bereits Treffen vereinbart habe. Für den 1. Oktober sei ein Besuch in Strassburg geplant. Senzow sagte, er werde danach auch London und andere europäische Hauptstädte besuchen.

Der ukrainische Regisseur erklärte bei dieser Gelegenheit, dass er bereit ist, „dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, die Hand zu schütteln, damit alle in Russland inhaftierten Ukrainer nach Hause zurückkehren können.“

Unermüdlich: Ronald Wendling (li.) demonstriert seit fünf Jahren jede Woche für die Freilassung der politischen Gefangenen vor der Russischen Botschaft in Berlin – Foto: LyrAg/RH

Die Vereinigung 17. Juni begrüßte in einer ersten Stellungnahme ihrer Vorsitzenden Heike Eichenmüller zum Besuch Senzows, der Verein wolle sich für einen Besuch des freigelassenen Ukrainers zur Mahnwache vor der Russischen Botschaft in Berlin einsetzen. Dort demonstriert der Menschenrechtler und ehemalige politische DDR-Häftling Roland Wendling mit aktiver Unterstützung der Vereinigung 17. Juni seit fünf Jahren jeden Donnerstag für die Freilassung der politischen Gefangenen in Russland. Zuletzt hatte Wendling im Rahmen der Mahnwache spektakulär auch Zeichnungen ausgestellt, die ein anderer politischer Häftling, Roman Sushchenko, in seiner Zelle geschaffen hatte. Auch er wurde am 07.09. vorzeitig freigelassen. Wendling und die Vereinsführung ist am kommenden Donnerstag zu einer Begegnung mit Oleg Senzow in die Ukrainische Botschaft eingeladen worden.

Senzow wurde in Simferopol auf der Halbinsel Krim geboren. Nach einem Studium der Ökonomie in Kiew studierte er Filmregie und Drehbuch in Moskau. Sein erster Kurzfilm A Perfect Day for Bananafish erschien 2008. Im darauffolgenden Jahr wurde Senzows zweiter Kurzfilm Das Horn von einem Stier veröffentlicht. Mit seinem ersten Spielfilm Gamer über einen Videospiel-Wettbewerb debütierte er 2012 auf dem Internationalen Filmfestival in Rotterdam (IFFR) im Jahr 2012. Der Film stieß auf viel Beachtung und Lob und sicherte Senzow die Finanzierung für seine nächste Filmproduktion Rhino.

Für sein Engagement in der Euromedian-Protestbewegung unterbrach er im November 2013 die Arbeit an diesem Spielfilm. Als Aktivist der sogenannten Auto-Maidan-Bewegung und Gegner der russischen Annexion der Krim lieferte Senzow Lebensmittel und Vorräte an Soldaten der von russischen Einheiten blockierten ukrainischen Krim-Basen.

Verhaftung auf der Krim und Prozess in Moskau

Am 11. Mai 2014 war Senzow auf der Krim zusammen mit dem Aktivisten Oleksandr Koltschenko, dem Fotografen Gennadij Afanasjew und dem Historiker Oleksij Tschirnij wegen des „Verdachts der Planung terroristischer Handlungen“ verhaftet und nach Moskau überstellt worden. Im folgenden Prozess im August 2015 wurde den Angeklagten vorgeworfen, Terroranschläge auf öffentliche Denkmäler vorbereitet zu haben, was die Angeklagten und ihre Anwälte stets bestritten. Nach der Untersuchungshaft im Lefortowo-Gefängnis in Moskau wurde Senzow zu 20 Jahren, der mitangeklagte Koltschenko zu zehn Jahren Straflager wegen Terrorismus verurteilt. Am 6. Februar 2016 wurde bekannt, dass Senzow nach Irkutsk verlegt würde, um seine Strafe anzutreten. Die Strafkolonie IK-8 (Weißer Bär) liegt bei Labytnangi am Polarkreis. Koltschenko war nach Tscheljabinsk überstellt worden.

Das Untersuchungsmaterial des russischen Geheimdienstes FSB war für Außenstehende nicht zugänglich, und die Anwälte mussten eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschreiben. Es gab keine weiteren Beweise für die Beteiligung Senzows an einer terroristischen Vereinigung: keine Abhöraufnahmen, kein Material aufgrund operativer Suchaktivitäten. In dem Gerichtsprozess wurde zudem bekannt, dass bei Senzows Festnahme und Durchsuchung weder Sprengstoff noch Waffen gefunden worden waren.

Senzow hatte alle Anklagepunkte bestritten und nannte den Fall politisch und fabriziert. In den Medien war die Verhandlung als „abstruser Schauprozess“ beschrieben worden: Beweise seinen nicht erforderlich, da das Urteil einzig der abschreckenden Demonstration des kurzen Weges in ein Straflager diene (NZZ).

Senzow war zum Zeitpunkt der Haft alleinerziehender Vater zweier Kinder. Nicht einmal zum Wohle seines autistischen Sohnes habe er Putin um Gnade ersucht. „Senzow sei sehr prinzipientreu,“ hatte seine Cousine Natalia Kaplan dazu erklärt.

Siehe auch: https://racurs.ua/ua/n127234-sencov-yide-do-ievropy-aby-rozpovisty-pro-utrymuvanyh-u-rosiyi-politv-yazniv-video.html?fbclid=IwAR3YcZpXRWSu5Jn1pDHo5bnKGY5famsLVqKEBRs8ye1JcE93c-w8WByatZc

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.477).

Brüssel/Paris/Berlin, 20.03.2016/cw – Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident François Hollande haben am Donnerstag anlässlich eines Treffens mit dem Ukrainischen Staatspräsidenten Petro Poroschenko die unverzügliche Freilassung der Ukrainerin Nadya Sawtschenko gefordert.

Nach einer Mitteilung des Sprechers der Bundesregierung, Steffen Seibert, waren sich die drei Staatsführer mit ihrer Forderung nach einer sofortigen Rückkehr der Pilotin in ihre ukrainische Heimat einig. Auch die Einhaltung der Minsker Vereinbarungen sei unerlässlich, bevor die gegen Russland verhängten Sanktionen gelockert oder gar aufgehoben werden könnten.

Pressekonferenz in Berlin

Auf der Pressekonferenz (von li.): Sofia Onufriv (Dolmetscherin), Wira Sawtschenko (Schwester) und Natalia Pysanska (Frie Journalistin) - Foto: LyrAg

Auf der Pressekonferenz (von li.): Sofia Onufriv
(Dolmetscherin), Wira Sawtschenko (Schwester) und Natalia Pysanska (Freie Journalistin) – LyrAg

Auf einer Pressekonferenz in der Ukrainischen Botschaft in Berlin berichtete die Schwester Wira in Anwesenheit des Botschafters Andrij Melnyk und einigen Vertretern der Medien am vergangenen Freitag über die aktuelle Situation der inzwischen weltweit bekannten politischen Gefangenen der Russischen Föderation. Nadya Sawtschenko schwebe nach ihrem wochenlangen Hungerstreik in Lebensgefahr und ist sich dieser Gefahr selbst nicht so bewusst, wie das sein sollte. Sie, Wira, und ihre Mutter sind froh, dass Nadya wenigstens ihren Durststreik aufgegeben habe und nun wieder Flüssigkeit zu sich nehme.

Für die Freilassung von Nadya setzten sich nicht nur Ukrainer und ihre Politiker ein. In aller Welt würden sich Menschen und namhafte Politiker für die zu Unrecht Inhaftierte engagieren. „Allerdings haben wir nicht mehr viel Zeit,“ betonte die zierlich wirkende, aber sehr selbstbewusst auftretende Schwester der in Russland angeklagten ukrainischen Pilotin. Die Weltgemeinschaft müsse sich jetzt engagieren.

Wira spricht nicht gerne über die Gesundheit ihrer Schwester, zu tief sitzen die Sorgen darüber. Vor einem Jahr, als Nadya 83 Tage in den Hungerstreik getreten sei, habe sie das Schlimmste befürchtet. Die Familie habe in dieser Zeit „in großer Angst“ gelebt. Jetzt sei man sich bewusst: „Die letzte Schlacht steht bevor. Erst kommt das Urteil, dann die große Stille,“ sagte Wira Sawtschenko. Jetzt brauchten wir die größte Kraftanstrengung und Unterstützung, um Nadya mögliche Jahrzehnte in russischer Haft zu ersparen.

Auf die Frage der DEUTSCHEN WELLE, ob das deutsche Angebot auf ärztliche Untersuchung durchsetzbar wäre und wie der augenblickliche Gesundheitszustand der Gefangenen einzuschätzen sei, antwortete Wira:

Ihre Schwester betrachte die Situation sehr nüchtern. Ihre Handlungen sind sehr durchdacht und wohl überlegt. „Ich bewundere Nadya. Sie steht allein gegen dieses Imperium.“ Es ständen auch Ärzte bereit, jederzeit zu ihr zu fahren. Gegenwärtig würde das jedoch nicht gestattet werden. Nadya versichert uns ja auch, ihr gehe es gut, aber: „Sie kann ihren Zustand nicht richtig einschätzen, wenn sie behauptet, dass sie keine Hilfe brauche.“

Gefangenenaustausch möglich?

Einen Austausch lehnt Russland ab. Aber auch Nadya: „Man kann nicht Unschuldige gegen Schuldige tauschen.“ Auf eine weitere Frage betonte Wira, die Ukraine habe alles unternommen, um Nadya zu befreien, aber die Möglichkeiten sind beschränkt.

Auch zu den Gerüchten in westlichen Medien, wonach Nadya durch den russischen Geheimdienst getäuscht wurde, um ihren lebensbedrohlichen Durststreik zu beenden, nahm Wira auf Nachfrage der Redaktion Hoheneck Stellung: Der angebliche Brief des Ukrainischen Staatspräsidenten an Nadya sei ein Fake gewesen. Die Absicht sei aufgegangen, alle sprechen über den Abbruch. Diese Aktion der russischen Sicherheitsbehörden sei ein Tiefpunkt gewesen: „Tiefer kann man nicht sinken, als der FSB.“ Das Ziel der Aktion war wohl, alle gegeneinander aufzubringen und damit die Solidarität zu zerstören.

Mit welchem Urteil, voraussichtlich am Dienstag nächster Woche, rechnet Wira? „Wir sollten ein maximales Urteil erwarten. Putin kann nicht mit Würde verlieren.“

Wila Sawtschenko im Gespräch mit ehem. polit. Gefangenen der DDR - Foto: LyrAg

Wila Sawtschenko im Gespräch mit ehem. polit. Gefangenen der DDR – Foto: LyrAg

Auch Wira wurde bereits bedroht

Ob sie, Wira, inzwischen auch bedroht worden sei? Wira Sawtschenko lacht: „Darüber könnte ich sehr lange erzählen, diese Erlebnisse wären Hollywood-reif. Manchmal habe ich natürlich Angst. Dann helfen mir die ukrainischen Konsulate. Aber sie haben es bisher nicht geschafft, mich mundtot zu machen.“ Auf der anderen Seite steht die Hybris Russlands. Der russische Sender „TV24“ berichte jeden Abend über den Zerfall im Westen. Nadya ist „die Fahne“, zweifellos. Aber es gibt mindestens 28 weitere politische Gefangene in diesem Zusammenhang, die dürften nicht vergessen werden.

Nach dem Urteil sind in Russland alle Rechtswege erschöpft. Ob eine Berufung vor dem Europäischen Menschengerichtshof möglich sei, müsse man prüfen. Immerhin würden auch in Moskau viele Menschen mutig für die Freilassung Nadyas und der anderen Gefangenen demonstrieren. Das gebe Nadya und auch der Familie viel Kraft.

Nach Urteil weltweite Solidaritätsaktion

In vielen Orten und Metropolen der Welt werden ab kommenden Montag, dem 21. März, zweitägige Solidaritätsaktionen durchgeführt. Auch in Berlin wird der Dauerdemonstrant für die Freilassung Nadyas Sawtschenkos, Ronald Wendling (56), vor der Russischen Botschaft (Unter den Linden nahe dem Brandenburger Tor) mit Sondermahnwachen am Montag und Dienstag (jeweils 13:00 – 19:00 Uhr) die internationalen Demonstrationen für die Freilassung der ukrainischen Pilotin unterstützen. Wendling steht seit 2014 allwöchentlich vor der Botschaft und hat bereits angekündigt, seine Aktion nach dem Urteil täglich durchführen: Für jedes Jahr Freiheitsstrafe will er einen Tag lang vor der Russischen Botschaft demonstrieren. Es sei denn, Sawtschenko werde wider aller Erwartung „in einem humanitären Akt vorzeitig entlassen.“

Auch für den aktiven Berliner und ehemaligen DDR-Häftling gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Siehe auch: http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/wer-ist-der-mann-der-71-mal-gegen-putin-demonstrierte

Letzte Meldung, 21.03.2016, 17:00 Uhr:

Wie die ARD-Tagesscheu meldet, will sich auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Moskau in dieser Woche für die Freilassung Nadya Sawtschenkos einsetzen. Auch US-Präsident Obama hat die Freilassung gefordert.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.087)

Mai 2021
M D M D F S S
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Blog Stats

  • 745.805 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 128 anderen Followern an