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Berlin, 24.01.2018/cw – Eine Ausstellung in der Gedenkstätte Topographie des Terrors widmet sich dem Personenkult im Dritten Reich. Eine Statue des Diktators ist eigens aus der Versenkung geholt worden.

Carl-Wolfgang Holzapfel

Es ist kurz vor Mittag, als Adolf Hitler an Kranseilen in den Hof der Ausstellung in der Niederkirchnerstraße 8 schwebt. Die 4,80 Meter große Statue, eine Leihgabe aus francophilen Kreisen in Spanien (der spanische Diktator Francisco Franco, 1892 – 1975, war ein Verbündeter des „Führers“), hat schon eine kleine Tour durch die Stadt hinter sich: Morgens um neun hat man sie für eine halbe Stunde auf dem ehemaligen Adolf-Hitler-Platz, dem heutigen Theodor-Heuss-Platz) in Charlottenburg aufgestellt. Ein Fotograf, der den Augenblick festhielt, erzählt, die kurze Wiederkehr auf dem ehemaligen Adolf-Hitler-Platz habe keinen Passanten groß interessiert. Zu kalt? „Auch. Aber eher zu früh.“

Nach der Kapitulation hatte man den Berliner Adolf-Hitler-Platz einfach kommentarlos wieder in Reichskanzlerplatz umbenannt, Hitlers Namen getilgt – eine Praxis, die seiner würdig war. So wie Hitler unliebsam gewordene Parteigenossen, wie den SA-Führer Ernst Röhm (1887 – 1934), immer wieder verschwinden und aus historischen Bildern herausretuschieren ließ, als habe es sie nie gegeben: So erging es auch den Zeugnissen des Personenkultes, der lange Jahre um den nationalsozialistischen Diktator betrieben wurde, nach dem Sieg über die NS-Diktatur im Mai 1945. Die Straßenschilder wurden entsprechend ausgetauscht, im zertrümmerten Deutschland alle Reste der NS-Kultur zerstört. „Alle Hinterlassenschaften der Führer-Verehrung sind bis zur Unkenntlichkeit zu zerkleinern“, lautete die Anweisung aus den Kommandozentralen der Alliierten: „Die Mitnahme von Bruchstücken ist verboten. Über die Angelegenheit wird nicht geredet.“

Hitler liegt wie ein hilfloser Käfer auf dem Rücken

Der identische Abguss aus Spanien, von Historikern dort auf dem Hof eines Franco-Verehrers entdeckt, ist das effektvollste Exponat der Ausstellung, die von Freitag an in der Topographie des Terrors gegenüber dem Abgeordnetenhaus von Berlin gezeigt wird. An diesem Ort befanden sich während des „Dritten Reichs” die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamts. Deren Direktor Prof. Dr. Andreas Nachama hat sich dazu entschieden, die Hitler-Statue nicht in der Tradition nationalsozialistischer Monumental­ästhetik aufzustellen, sondern sie wie einen hilflosen Käfer auf dem Rücken liegen zu lassen. Und so finden sich nun mehrere Tonnen Hitler für einige Wochen vor dem Eingang zum wiederhergestellten Altbau, bevor die Leihgabe nach Spanien zurückkehren wird.

Unter der Überschrift „Der Braune Gott“ kann man hier die Auswüchse des Personenkultes studieren, der um den Österreicher und Massenmörder betrieben wurde und mit dem die Bewohner des Deutschen Reiches auf die Herrschaft der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSdAP) eingeschworen werden sollten. Der erste Teil der Ausstellung ist dabei bis hin zur Beleuchtung in einem in den Augen beißenden Braun (Sch…..) gehalten, das die brutale Seite des Hitlerismus zwar atmosphärisch untermauert, aber auch die Lesbarkeit der Schrifttafeln erschwert. Hier wird der Aufstieg des am 20. April 1889 in der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn geborenen Adolf Hitler beleuchtet, der, kaum im Hof der Macht angelangt, seine Biografie schon mit Halbwahrheiten und Legenden zu überzuckern pflegte. Wer sich in seinem Schatten geborgen wähnte, dem drohte häufig ein böses Erwachen, wie die Ausstellung gleich an mehreren Beispielen deutlich macht: Unter Hitler, darin lag das offene Betriebsgeheimnis seines Regimes, konnte sich niemand zu irgendeinem Zeitpunkt sicher fühlen.

Die Propaganda in seinem Namen trug quasireligiöse Züge, die kultische Verehrung des „Führers“ hielt trotz seiner beispiellosen Verbrechen weitgehend bis zu seinem Selbstmord am 30. April 1945 an. Seine Person war in Schrift und Bild allgegenwärtig. Wer sich öffentlich dagegenstellte – also sein Porträt etwa zutreffenderweise mit „Mörder“ beschriftete – musste mit Verhaftung und Verhören und mit Schlimmerem rechnen. Begleitet wurde die Kombination von Verherrlichung und Repression von hochfliegenden Plänen für die Neugestaltung der Mitte Berlins, die aufgrund der Folgen des Krieges freilich nicht realisiert werden konnten: Sie sahen etwa die Errichtung einer überdimensionierten Großen Halle („Ruhmeshalle“/“Halle des Volkes“) in der künftigen Welthauptstadt Germania durch Albert Speer (1905 – 1981), Hitlers Baumeister, vor.

Und nicht nur das Wesen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft arbeitet diese sehenswerte und klug kuratierte Ausstellung heraus, sondern auch den traurigen Opportunismus bekannter deutscher Persönlichkeiten, die dem Hitlerkult ebenso bereitwillig die größten Bühnen öffneten, wie sie dessen Entsorgung nach der Kapitulation betrieben.

Der Braune Gott – Hitler und die Deutschen. Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 25. Januar bis 30. Juni, tgl. 9–18 Uhr. Eintritt frei.

Anmerkung: Die Redaktion bezweifelt, dass eine derartige Repräsentation einer Hitler-Statue in der heutigen Zeit möglich wäre, schon gar nicht in der Topographie des Terrors. Die Topographie des Terrors ist ein seit 1987 bestehendes Projekt in Berlin zur Dokumentation und Aufarbeitung des Terrors in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland insbesondere während der Herrschaftszeit von 1933 bis 1945.
Die Statue würde, falls Prof. Dr. Nachama so eine „Ausstellung des Führers“ überhaupt zugelassen hätte, wohl nach wenigen Tagen aufgrund der massenhaften Proteste aus dem In-und Ausland wieder in der Versenkung verschwinden. Warum der Mord-Zwilling Hitlers, also Josef Stalin, auf diese Weise offensichtlich ohne den kleinsten Versuch des Widerstandes (ausgenommen dieser Beitrag) öffentlich präsentiert werden kann, entzieht sich unserem Verständnis. Der originale Bericht über die tatsächliche Stalin-Präsentation in der Stasi-Gedenkstätte HSH kann hier nachgelesen werden: https://www.morgenpost.de/berlin/article213206773/Stalin-ist-zurueck.html – Er diente als Vorlage für vorstehende Satire.

© 2018 Autor und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.347).

 

 

 

 

 

 

Berlin, 2.02.2014/cw – Die Verhaltensweise der Museen gegenüber der sogen. Raubkunst „kommt der Fortführung der Verbrechen Hitlers gleich.“ Scharf kritisierte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald Stephen Lauder (69), am 30.Januar in einem Vortrag in der Topographie des Terrors in Berlin die Haltung Deutschlands. Dies berichteten zahlreiche Medien, u.a. BILD und B.Z. in  ihren Freitagausgaben.

Lauder machte indirekt auch die Bundesregierung für dieses Verhalten verantwortlich und warf  Deutschland vor ca. 200 Gästen „Gleichgültigkeit zu diesem Thema“ vor. Nur 350 von 6000 Museen hätten Forschungen nach „erpressten oder gestohlenen Kunstwerken“ der NS-Diktatur angestellt, um  die ursprünglichen Eigentümer oder deren Erben zu ermitteln. Der WJC-Präsident forderte „70 Jahre nach Kriegsende die Freilassung der letzten Kriegsgefangenen,“ als die Lauder die NS-Raubkunst bezeichnete. Lauder forderte zu diesem Zweck die Einsetzung einer unabhängigen Kommission mit deutschen und internationalen Experten. „Diese müssten Zugang zu allen Archiven und Depots der Museen erhalten,“ wird Lauder in dem Bericht der B.Z. zitiert. Sollten Kunstgegenstände eindeutig als Raubkunst identifiziert werden, aber keine Erben ausfindig zu machen sein, sollte diese Kunst versteigert werden. Die Erlöse sollten je zur Hälfte „an Israel und die Jüdische Gemeinde in Deutschland“ gehen.

Jutta Limbach, einstige Präsidentin des Verfassungsgerichtes und Vorsitzende der nach ihr benannten Limbach-Kommission, sieht den Komplex weniger kritisch. Sie sagte nach der Veranstaltung gegenüber dem B.Z.-Redakteur Tomas Kittan: „Es gab bisher nur zwei wirkliche Konfliktfälle bei der Rückgabe.“

Zu der Abweisung von Eigentumsansprüchen von Verfolgten der zweiten Diktatur durch die jetzige Bundesrepublik nahm Lauder keine  Stellung. In der DDR wurden zahlreiche Enteignungen politischer Gegner durchgeführt. Auch waren Eigentümern zahlreiche Kunstgegenstände widerrechtlich durch Beschlagnahme entwendet und teilweise über die durch das MfS gesteuerte KoKo (Kommerzielle Koordinierung) des Stasi-Obersten  Alexander Schalck-Golodkowski im kapitalistischen Ausland verkauft worden.

Vor wenigen Monaten waren in  einer Wohnung in München über 1.000 Kunstwerke entdeckt worden, die zumindest teilweise aus Zwangsenteignungen jüdischer Eigentümer stammen sollen. Die Auffindung teilweise für immer verloren geglaubter Werke von Weltrang hatte international Aufsehen erregt und u.a. den Jüdischen Weltkongress zu Forderungen gegenüber Deutschland veranlasst.

Vi.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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