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Berlin, 2.02.2014/cw – Die Verhaltensweise der Museen gegenüber der sogen. Raubkunst „kommt der Fortführung der Verbrechen Hitlers gleich.“ Scharf kritisierte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald Stephen Lauder (69), am 30.Januar in einem Vortrag in der Topographie des Terrors in Berlin die Haltung Deutschlands. Dies berichteten zahlreiche Medien, u.a. BILD und B.Z. in  ihren Freitagausgaben.

Lauder machte indirekt auch die Bundesregierung für dieses Verhalten verantwortlich und warf  Deutschland vor ca. 200 Gästen „Gleichgültigkeit zu diesem Thema“ vor. Nur 350 von 6000 Museen hätten Forschungen nach „erpressten oder gestohlenen Kunstwerken“ der NS-Diktatur angestellt, um  die ursprünglichen Eigentümer oder deren Erben zu ermitteln. Der WJC-Präsident forderte „70 Jahre nach Kriegsende die Freilassung der letzten Kriegsgefangenen,“ als die Lauder die NS-Raubkunst bezeichnete. Lauder forderte zu diesem Zweck die Einsetzung einer unabhängigen Kommission mit deutschen und internationalen Experten. „Diese müssten Zugang zu allen Archiven und Depots der Museen erhalten,“ wird Lauder in dem Bericht der B.Z. zitiert. Sollten Kunstgegenstände eindeutig als Raubkunst identifiziert werden, aber keine Erben ausfindig zu machen sein, sollte diese Kunst versteigert werden. Die Erlöse sollten je zur Hälfte „an Israel und die Jüdische Gemeinde in Deutschland“ gehen.

Jutta Limbach, einstige Präsidentin des Verfassungsgerichtes und Vorsitzende der nach ihr benannten Limbach-Kommission, sieht den Komplex weniger kritisch. Sie sagte nach der Veranstaltung gegenüber dem B.Z.-Redakteur Tomas Kittan: „Es gab bisher nur zwei wirkliche Konfliktfälle bei der Rückgabe.“

Zu der Abweisung von Eigentumsansprüchen von Verfolgten der zweiten Diktatur durch die jetzige Bundesrepublik nahm Lauder keine  Stellung. In der DDR wurden zahlreiche Enteignungen politischer Gegner durchgeführt. Auch waren Eigentümern zahlreiche Kunstgegenstände widerrechtlich durch Beschlagnahme entwendet und teilweise über die durch das MfS gesteuerte KoKo (Kommerzielle Koordinierung) des Stasi-Obersten  Alexander Schalck-Golodkowski im kapitalistischen Ausland verkauft worden.

Vor wenigen Monaten waren in  einer Wohnung in München über 1.000 Kunstwerke entdeckt worden, die zumindest teilweise aus Zwangsenteignungen jüdischer Eigentümer stammen sollen. Die Auffindung teilweise für immer verloren geglaubter Werke von Weltrang hatte international Aufsehen erregt und u.a. den Jüdischen Weltkongress zu Forderungen gegenüber Deutschland veranlasst.

Vi.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin/Naples-Florida, 16.10.2012/cw – Er galt als der erfolgreichste Fluchthelfer zur Zeit des Kalten Krieges : Über 1.000 Menschen verdankten ihm den Weg in die ersehnte Freiheit. Am 10.Oktober verstarb Kay Mierendorff in seiner Wahlheimat Naples in Florida, USA. Der am 3. Juni 1946 geborene Neffe des in der Weimarer Republik bekannten SPD-Politikers Carlo (1897 – 1943), nach dem der Mierendorffplatz in Berlin-Charlottenburg benannt ist, starb im Alter von 66 Jahren an einem unheilbaren Krebsleiden.

Die Brüder Kay und Oliver Mierendorff waren seinerzeit im geteilten Berlin in der Szene der Fluchthelfer und Widerständler gegen das SED-Regime ein Begriff. Auch für die Stasi von Erich Mielke gehörten sie zum Führungspersonal der „Agenten, Saboteure und Feinde des ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden“ und wurden entsprechend gnadenlos gejagt.

Der Berliner Zeitung (B.Z.) sagte Kay Mierendorff noch im  letzten Jahr, dass er Überzeugungstäter gewesen sei. Ihm sei es nie um Abenteuer gegangen, oft sei es ein Kampf auf Leben und Tod gewesen. Tatsächlich verübte das DDR-MfS noch 1981 einen  Bombenanschlag auf ihn. Thomas Kittan (B.Z., 16.10.2012): „ Seine rechte Hand wurde dabei zerfetzt, das Gesicht war mit Wunden übersät, Bauchdecke, Leber und Darm aufgerissen.

Sein Bruder Oliver war bereits 1972 verhaftet worden und war über zehn Jahre im berüchtigten Zuchthaus Bautzen inhaftiert. „Sippenhaft“ nannte das sein Bruder Kay.

Am Sterbebett von Kay Mierendorff befand sich auch sein engster Freund, Dr. Wulf Rothenbächer, der selbst als Fluchthelfer im Zuchthaus Cottbus einsitzen musste. Rothenbächer gegenüber der B.Z.: „Kay war ein großartiger Mensch. Für die Freiheit anderer riskierte er sein Leben.

Wir, geistige und tätige Begleiter eines tapferen Überzeugungstäters gegen die Unfreiheit schließen uns dieser Aussage mit den folgenden Zeilen des Berliner Dichters Olaf Lunaris an:

Du entfliehst? Eile nicht, bleib Gedankenfreund!                                                                                                             Wenn mir, wie graues Gewölk,                                                                                                                                         Sorge die Stirn umdüstert                                                                                                                                                  Leg Deinen Abglanz auf mich!

Nicht, unsere Kraft zu zerstreuen–                                                                                                                             nicht, um in Träume des Trugs                                                                                                                                                vor unserer Zeit zu entfliehen,                                                                                                                                               wandeln wir hier durch die Nacht.

Komm, laß im  Wandel uns weilen!–                                                                                                                              Wie eine Wasserrose,                                                                                                                                                           schwankend und doch unbenetzt,                                                                                                                                 ruhet Dein Bild auf dem Teich.

(Aus „Klopstock-Variationen“, Heimat 1998, Bechtle-Verlag)

Kay Mierendorff hinterlässt seine zweite Frau Huan Li, zwei Söhne, seinen Bruder Oliver und viele Freunde. Die Urne des Verstorbenen soll am 10. November in Naples/Florida beigesetzt werden.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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