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Anklage vor Ort... Foto: LyrAg

Anklage vor Ort… Gegen das Vergessen
Foto: LyrAg

Berlin, 5.02.2013/cw – Oliver Igel, Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, erinnerte heute an der Gedenkstele für den vor 25 Jahren an dieser Stelle ermordeten Christ Gueffroy an dessen tragischen Tod „sieben Monate vor dem Fall der Mauer.“

Oliver Igel legte an der Stele ein Blumengebinde nieder - Foto: LyrAg

Oliver Igel legte an der Stele ein Blumengebinde
nieder – Foto: LyrAg

Die Mutter und Gueffroys Bruder hatten sich neben Freunden, Vertretern des Bezirksparlamentes und ca. 20 interessierten  Berliner Bürgern am Ort des seinerzeitigen Fluchtdramas eingefunden, um „in Stille des letzten durch Schusswaffengewalt ums Leben gekommenen Opfers der Berliner Mauer zu gedenken.“

Igel schloss in seine kurze Ansprache alle Maueropfer ein: „Mir ist es egal, ob es 136 oder über 1000 Opfer waren, jeder Einzelne war ein Opfer zu viel,“ betonte der Bürgermeister. Sein Bezirk fühle sich besonders verpflichtet, dieser Opfer zu gedenken, denn sein Bezirk habe die längste Mauer ertragen müssen, „allein 20 Menschen sind an diesem Mauerteil gestorben.“

Hinter der Stele am anderen Ufer: "Keine Grenzen mehr" - Foto. LyrAg

Hinter der Stele am anderen Ufer: „….kennt keine Grenzen“  –
Foto. LyrAg

Neben einem Vertreter der Gedenkstätte Hohenschönhausen und dem Vorstand des Heimatvereins Köpenick, letzterer ist in der Erinnerungspflege an die Opfer der Teilung beispielgebend, war nur die Vereinigung 17. Juni 1953 für die Opfer-Vereine der DDR-Diktatur zu der Gedenkveranstaltung erschienen.

Zuvor fand um 12:00 Uhr in der Versöhnungskapelle in der Bernauer Straße eine geistliche Erinnerung an den Toten statt, an der neben vielen Berlinern die Stiftung Berliner Mauer durch ihren  Direktor und die UOKG mit zwei Beiräten vertreten waren.

Siehe auch: http://www.rbb-online.de/abendschau/

Die Erinnerungstafel an der Chris-Gueffroy-Allee mußte wegen Vandalismus bereits 3 x erneuert werden. Blick auf den Zugang zur Gedenkstele am Zweigkanal. - Foto: LyrAg

Die Erinnerungstafel an der Chris-Gueffroy-Allee mußte wegen Vandalismus bereits 3 x erneuert werden. Blick auf den Zugang zur Gedenkstele am Zweigkanal. – Foto: LyrAg

Die Vereinigung 17. Juni gab in einer Erklärung ihrer tiefen Befriedigung Ausdruck, dass sich der Bezirksbürgermeister Oliver Igel und sein Bezirk „beispielgebend für andere betroffene Bezirke der Mahnung und Erinnerung an die dunkle Zeit unser Stadt und unseres Landes verpflichtet weiß.“ Der Verein  habe jüngst mit Bestürzung registriert, das zum Beispiel der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zum 50. Todestag des Maueropfers Paul Schulz „bis heute keine Blume oder ein anderes Gedenken an den im Schatten der Thomas-Kirche zu Weihnachten 1963 erschossenen seinerzeit Achtzehnjährigen“ für angebracht gehalten hat. Dies sei „ein sehr trauriges Signal für das 25jährige Gedenken an den Fall der Berliner Mauer,“ erklärte der Vereinsvorstand.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 4.02.2014/cw – An das letzte gewaltsam ums Leben gebrachte Opfer der Berliner Mauer wird am morgigen  Mittwoch, 5. Februar 2014, um 12:00 Uhr in der Versöhnungskapelle in der Bernauer Straße erinnert. Dies teilte die Stiftung Berliner Mauer in einer Presseinformation mit. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick wird um 14:00 Uhr an der Gedenkstele für Gueffroy  in Johannistal, Chris-Gueffrroy-Allee mit Bezirksnürgermeister Oliver Igelein stilles Gedenken durchführen.

Chris Gueffroy, geboren am 21. Juni 1968,  hatte sich gemeinsam mit einem Freund zur Flucht entschlossen, als er Anfang 1989 erfuhr, dass er zur Wehrpflicht eingezogen werden sollte. Zuvor war ihm  das Abitur verweht worden, weil er sich weigerte, nach der Schule Offizier der Nationalen Volksarmee zu werden.

Der 20-Jährige wurde tödlich getroffen, sein Freund verletzt festgenommen, nachdem die Freunde versucht hatten, an den Sperranlagen vor dem Britzer Zweigkanal in Treptow die Mauer zu überwinden. Die Stiftung Berliner Mauer: „Chris Gueffroy war der letzte Flüchtling, der an der Berliner Mauer erschossen wurde und das zweitletzte Todesopfer, das bei einem Fluchtversuch ums Leben kam. Nach seinem Tod wurde der Schießbefehl aufgehoben.

Die Grenzposten wurden nach dem Mauerfall verurteilt. Der Haupttäter zu dreieinhalb Jahren  Gefängnis, drei Mitangeklagte bekamen Bewährungsstrafen. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil mit der Begründung allerdings aufgehoben, die Grenzposten hätten in der Hierarchie ganz unten gestanden. In der erneuten Verhandlung wurden die an dem Mord beteiligten vier DDR-Grenzer milde bestraft. Zwei der Mordschützen erhielten Bewährungsstrafen, zwei weitere wurden freigesprochen.

In der Kapelle der Versöhnung finden nach einer umgesetzten Idee des am 6. Dezember letzten Jahres verstorbenen Pfarrers Manfred Fischer von Dienstag bis Freitag, jeweils 12.00 bis 12.15 Uhr, regelmäßig Andachten für die Mauertoten statt.  In den Andachten werden die jeweiligen Biographien der Opfer verlesen. In den Wintermonaten finden die Lesungen witterungsbedingt nur zeitweise, nach Ankündigung, statt. Die nächste Andacht ist für den 04. März 2014 vorgesehen.

Siehe auch: Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-1989. Ein biographisches Handbuch – Hans Hermann  Hertle und Maria Nooke, Herausgeber: Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz.

Sendehinweis: Dienstag, 22:45 Uhr im RBB: „Das kurze Leben des Chris Gueffroy. http://www.rbb-online.de/doku/das/das-kurze-leben-des-chris-gueffroy.html

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Gedenken nach 52 Jahren - Aufarbeitung braucht noch immer  sehr viel Zeit in  Deutschland -           Foto: LyrAg

Gedenken nach 52 Jahren – Aufarbeitung braucht noch immer
sehr viel Zeit in Deutschland – Foto: LyrAg

Berlin, 14.01.2014/cw – Er wäre heute 70 Jahre alt geworden: Peter Fechter, der wohl berühmteste Tote der einstigen Berliner Mauer. Zu seinem Geburtstag stiftete die Berliner Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU AG. eine Berliner Gedenktafel, die heute am einstigen Wohnhaus Fechters in der Behaimstraße 11 in Berlin-Weißensee eingeweiht wurde.

Der achtzehnjährige Peter Fechter war am Nachmittag des 17. August 1962 an der Zimmerstraße nahe dem Checkpoint Charlie unmittelbar vor der trennenden Mauer von tödlichen Kugeln getroffen worden und war fast eine Stunde lang elend verblutet. Seine Hilfeschreie wurden immer leiser, von Westberliner Polizisten zugeworfene Verbandspäckchen verfehlten ihren  Zweck. Erst nach einer quälend langen Stunde wurde der Verblutende von DDR-Grenzposten geborgen. Das Bild des Tschako-tragenden DDR-Polizisten mit dem sterbenden Fechter in den Armen ging ebenso um die Welt wie die erschütternden Bilder, die der Kameramann Herbert Ernst seinerzeit vom  Sterben Fechters und seinem Abtransport machte.

Die Vereinigung 17. Juni erinnerte mit Fotos an das grausame Geschehen vor 52 Jahren - Foto. LyrAg

Die Vereinigung 17. Juni erinnerte mit Fotos an das grausame Geschehen vor 52 Jahren – Foto. LyrAg

Es kam zu tagelangen heftigen  Protesten. Der Bus, der sowjetische Soldaten zum Ehrenmal im Westberliner Bezirk Tiergarten transportieren sollte, wurde gar mit Steinen  beworfen. Erst durch das persönliche Eingreifen Willy Brandts, der über den Lautsprecher eines Polizeiwagens zu den Demonstranten sprach, konnte die Lage beruhigt werden. Als eine Woche später an der Bornholmer Brücke im  Bezirk Wedding der gleichaltrige Transportpolizist Hans-Dieter Wesa von den Kugeln seiner Kameraden tödlich getroffen auf Westberliner Gebiet zusammenbrach, war der Widerstand gebrochen. Nur noch wenige Demonstranten protestierten gegen den neuerlichen Mauer-Mord.

„Bilder, die wir nie mehr vergessen werden“

Unter den rund zwanzig Berliner Bürgern, die sich zur Enthüllung der Tafel im rückwärtigen  Hof des Anwesens eingefunden hatten, war auch die Schwester Fechters, Gisela Geue und Peter Kühn, der sich seit Jahren um die Grabstätte des Mauertoten bemüht. Mitglieder der Vereinigung 17. Juni hatten Fotos von dem Geschehen vor 52 Jahren auf Holzkreuzen mitgeführt, um an die „Bilder zu erinnern, die uns seither bewegen  und die wir nie mehr vergessen werden,“ wie Tatjana Sterneberg erklärte.

Gisela Geue, die Schwester Fechters (vorn mit Blumen) mit Bgm. Matthias Köhne (von rechts), Lars Holborn, Pressesprecherin Kirsten Huthmann und Maria Nooke - Foto: LyrAg

Gisela Geue, die Schwester Fechters (vorn mit Blumen) mit Bgm. Matthias Köhne (von rechts), Prokurist Lars Holborn, Pressesprecherin Kirsten Huthmann und Maria Nooke – Foto: LyrAg

Warum ausgerechnet die Pressesprecherin der Wohnungsgesellschaft, Kirsten Huthmann, die historischen Fotos als „unwürdig“ interpretierte, bleibt ihr Geheimnis. Jedenfalls forderte sie die Bildträger zu Beginn der Veranstaltung auf, sich von der Gedenktafel zu entfernen, um  „einen würdigen Beginn der Veranstaltung“ zu gewährleisten.

Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD)  bedankte sich herzlich bei der Gesellschaft für das Bürger-Engagement, das in der Stiftung der Tafel seinen beeindruckenden Ausdruck findet. Kritisch merkte Köhne die vergeblichen Bemühungen seines Bezirksamtes um ein Ehrengrab für den Ermordeten und auch die vergeblichen Anstrengungen um  eine Umbenennung der Zimmerstaße in  Kreuzberg in Peter-Fechter-Straße an. Lars Holborn, Prokurist der GESOBAU AG., erinnerte an den ihn bewegenden Tod Fechters, der ihn „nie losgelassen“ hätte. Daher sei es für ihn und seine Gesellschaft selbstverständlich gewesen, sich für eine angemessene Ehrung an dem Haus zu engagieren, das der junge Peter Fechter vor 52 Jahren an einem warmen Sommertag verlassen habe, um  nie wieder zurückzukehren. Zuvor hatte Maria Nooke, Mitautorin eines Buches über die Mauer-Toten (Hans-Hermann Hertle, Maria Nooke: Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961–1989. Ein biographisches Handbuch. Ch. Links, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-517-1.)

Auch Unterschriften für eine Peter-Fechter-Straße wurden vor Ort von der Vereinigung 17. Juni eingeholt -          Foto: LyrAg

Auch weitere Unterschriften für eine Peter-Fechter-Straße wurden vor Ort von der Vereinigung 17. Juni eingeholt – Foto: LyrAg

und stv. Direktorin der Stiftung Berliner Mauer, an das kurze Leben Fechters und seinen dramatischen Tod erinnert. Von den Parteien wurden keine  Blumen niedergelegt. Aufmerksam registriert wurde allerdings ein Blumengruß des LINKE-Politikers und MdB Stefan Liebich. Er hatte auf den kleinen Schleifen allerdings diskret auf die Benennung seiner Partei verzichtet.

Warum die UOKG als Vertreterin des Verbandes für das Fechter-Gedenken ausgerechnet die wegen  ihrer widersprüchlichen und erfundenen DDR-Erlebnisse in heftige Kritik geratene Anita G. benannt hatte, war wohl einzig dem Zusammenhalt innerhalb der „Aufarbeitungsindustrie“ zu verdanken. Die Vereinigung 17. Juni legte im Anschluß an das Gedenken am Grab von Peter Fechter auf dem Friedhof der Auf­er­stehungsgemein­de in Weißensee Rosen nieder.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

Nr.025                    Förderverein – Info         15. Januar 2014

Die Redaktion meint:

Im letzten Jahr haben wir wenig erfreuliche Meldungen gehabt. Da gab es Kritik an der Einstufung von Juden als „Knechte Satans“; die Selbstauflösung des Frauenkreises ehemaliger Hoheneckerinnen bedrückte uns. Der größte und älteste Opferverband VOS trudelte von einer Krise in die andere… und, und, und…  Nach längerer Diskussion haben wir uns entschlossen, wenigstens die erste Ausgabe im neuen Jahr, immerhin das dritte Jahr für den HB, mit erfreulichen Meldungen und Ausblicken zu beginnen. Wir alle, Autoren und Leser, sollten Optimisten  sein und darauf setzen, daß sich dieser Vorsatz möglichst häufig in unseren Beiträgen über das Jahr durchsetzen lässt. In diesem Sinne allen Interessenten, Kritikern und Mitstreitern ein gutes Jahr 2014!

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Hoheneck auf dem Weg zur Gedenkstätte

 Stollberg/Erzgebirge, 15.01.2014/ts – Das neue Jahr begann für die ehemalige Frauen von Hoheneck mit einem Paukenschlag. Der sächsische Innenminister unterzeichnete in der erste Januar-Woche mit dem Stollberger OB ein  Abkommen, nachdem der Freistaat weitere Mittel von fast 700.000 Euro für den Ausbau des einstigen DDR-Frauenzuchthauses zur künftigen Nutzung als Gedenkstätte zur Verfügung stellt. Damit wurden bereits fast 3.000.000 Euro für Renovierungs- und Ausbauten zur Verfügung gestellt.

Da konnte auch nicht ein etwas missglücktes Interview des Direktors der Stiftung Sächsische Gedenkstätten im mdr-figaro die Stimmung bei den Beteiligten trüben. Siegfried Reiprich hatte ausgerechnet Gabriele Stötzer und Edda Schönherz als leuchtende Beispiele für das Engagement um Hoheneck herausgestellt (http://www.mdr.de/mdr-figaro/ausstellungen/audio746498.html). Dabei hatte Stötzer über wundersame Obst- und Liebesgaben im einstigen Knast publiziert und Edda Schönherz sich gerade erst im vergangenen Jahr um die Auflösung des Vereins der ehemaligen Hoheneckerinnen bemüht.

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Initiative: Verein Frauenkreis ehem. Hoheneckerinnen bleibt bestehen

 

Hoheneck/Darmstadt/cw – Optimistisch blickt die Initiative „Frauenkreis“ in das neue Jahr. Sprecherin Regina Labahn: „Wir glauben an den Erfolg unserer Feststellungsklage vor dem Amtsgericht Darmstadt, weil die überzeugenderen Argumente auf unserer Seite sind.“ Eine qualifizierte Minderheit des Vereins hatte sich gegen  den Auflösungsbeschluss, den der letzte zuvor gewählte Vorstand unter Federführung von Edda Schönherz und Konstanze Helber unter dubiosen Umständen durchgesetzt hatte, gewehrt und den Rechtsweg beschritten. Labahn: „Wir glauben, dass der Verein unter den jetzigen Umständen eine neue Blüte erleben wird und wir als Verein aktiv in Stollberg an der Umsetzung einer Gedenkstätte mitwirken werden.“

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Report Mainz: Hoheneckerin Inge Naumann zur Zwangsarbeit

Mainz/cw – Das ARD-Magazin REPORT Mainz berichtet am kommenden Dienstag, 14.01., um 21:45 Uhr u.a. zum Thema Zwangsarbeit in der DDR. Dazu äußert sich die vormalige Vorsitzende des Vereines „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“, Inge Naumann. Naumann berichtet über die Arbeit als Gefangene im ehemaligen  Frauenzuchthaus. In Hoheneck wurden Waren im Wert von Millionen  DDR-Mark produziert. Die dort durch Zwangsarbeit produzierten Strümpfe und Bettwäsche waren über Kataloge und auf den Ramschtischen der Kaufhäuser Neckermann  und Quelle verkauft worden.

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Koalitions-Vertrag sieht Verbesserungen bei Opfer-Entschädigung vor

Berlin/cw – Für die Opfer politischer Verfolgung durch die zweite Diktatur in Deutschland sieht der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD Verbesserungen in den Entschädigungs-Leistungen vor. Kenner der Szene erinnern an das Zustandekommen der Rentenzahlungen für erlittene Haft aus politische Gründen im Jahre 2007, die ebenfalls durch eine große Koalition erfolgt waren. Zuvor hatten sich beide Lager im Wettstreit um die Stimmen der Opfer gegenseitig jeweils Blockadehal-tungen vorgeworfen, ja nach Standort in der Regierung oder Opposition. Durch die Große Koalition sei diese Haltung nicht mehr glaubwürdig gewesen und hatte so die Koalitionspartner zum Handeln veranlasst. Aufgrund dieser Konstellation erhoffen sich die Opferverbände erneut einen Durchbruch in den jahrelange Bemühungen um Verbesserungen.

Auch in Sachen  DDR-Renten stände jetzt die SPD im Wort, erinnerte jetzt die Vereinigung 17. Juni in Berlin. Die Bundestagsfraktion hatte gegenüber einer Abordnung von Opfervereinen 2012 im  Deutschen Bundestag eine Reform im Falle einer Regierungsübernahme verbindlich zugesagt (wir berichteten).

https://17juni1953.wordpress.com/2013/04/08/danke-ottmar-schreiner/ https://17juni1953.wordpress.com/2012/01/29/frg-heise-debatte-zu-nachtlicher-stunde-im-bundestag/

https://17juni1953.wordpress.com/2012/01/26/bundestag-fortsetzung-gesamtdeutscher-kapriolen/

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UOKG zeigt sich menschlich: Wird junge Mutter ausgezahlt?

 

Berlin/ts – Nach unserem Bericht über die Vertragskalamitäten einer jungen Mutter mit der UOKG (Nr.024/15.12.2013) hofft die junge Mutter auf Bewegung. Die Redaktion hat sich schriftlich an den Finanzchef des Dachverbandes gewandt und diesen um  eine einvernehmliche Lösung in dem Konflikt gebeten. Jetzt hoffen wir gemeinsam mit der vorübergehenden Aushilfskraft auf ein gutes Ende. Die junge Mutter hatte für den stark frequentierten Bereich „Beratung für ehemalige Heimkinder“ einen kurzfristigen Aushilfsvertrag erhalten, war aber nach Eintritt in die Mutterschaft nicht mehr bezahlt worden.

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VOS rettet sich in das neue Jahr – Insolvenz bisher abgewehrt

Berlin/cw – Für den 27. November letzten Jahres drohte die Zwangsvollstreckung: Die Rentenversicherung hatte von der VOS per Bescheid über 100.000 Euros aus vorenthaltenen Sozialabgaben nachgefordert. Der amtierende VOS-Chef Hugo Diederich legte Einspruch ein. Nun entscheidet das Sozialgericht. Zumindest solange wird der älteste und größte DDR-Opferverband seine Existenz fortführen können. In mehreren neuenLändern hatten sich bereits vorsorglich eigene Vereine unter dem bisherigen Namen gegründet.

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Zentralrat: Evangelische Kirche soll auf Distanz gehen

Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in  Deutschland, hat jetzt die Evangelische Kirche aufgefordert, sich „stärker von bestimmten evangelikalen Kreisen zu distanzieren“, die Judenmission betreiben. Kramer: „Wer Juden die Heilsfähigkeit abspricht, spricht dem Judentum letztendlich ebenfalls die Daseinsberechtigung ab.“ Das sei beleidigend. Der jetzige Präses der EKD, Nikolaus Schneider, hatte bereits 2009 die Judenmission als „theologischen Irrweg“ bezeichnet, was Kramer ausdrücklich lobte. Der Generalsekretär des Zentralrats forderte in seiner Erklärung auch eine stärkere Distanz der Evangelischen Kirche zu Martin Luther, der unumstritten ein Antisemit gewesen sei. Beobachter erwarten nun, dass auch das Bundespräsidialamt aus dem Appell Konsequenzen  zieht und Vertretern dieser Evangelikalen Thesen künftig Einladungen verweigert.

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BGH entscheidet über Bildrechte am Todesfilm über Peter Fechter

Karlsruhe/cw – Der BGH entscheidet voraussichtlich am 22.01.2014 über die anhängige Revision zweier Journalisten  aus Berlin. Diese hatte  sich gegen  einen Entscheid des Kammergerichtes Berlin an Karlsruhe gewandt, das eine Klage auf die Geltendmachung von Rechten an dem weltberühmt gewordenen Filmstreifen über den Tod von Peter Fechter abgewiesen hatte. Der achtzehnjährige Fechter war am 17. August 1962 jämmerlich unmittelbar hinter der Mauer nach einem durch gezielte Schüsse vereitelten Fluchtversuch verblutet. Der seinerzeitige Filmautor Herbert Ernst hatte die Rechte durch Notar-Vertrag vor wenigen Jahren an die zwei Journalisten abgetreten und sieht der Entscheidung „sehr optimistisch“ entgegen.

Ebenfalls optimistisch erwartet die Vereinigung 17. Juni zum 25. Jahrestag des Mauerfalls eine positive Entscheidung der zuständigen Gremien über die angeregte Umbenennung eines Teils der Zimmerstraße in Kreuzberg in „Peter-Fechter-Straße“. Die unmittelbare Nachbarschaft zu der seinerzeit umkämpften „Rudi-Dutschke-Straße“ würde einen wesentlichen Teil der Berliner Nachkriegsgeschichte dokumentieren, erklärte dazu der Vereinsvorstand. Am 14. Januar wird  die Berliner Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU AG in der Behaimstr. 11 in Berlin-Weissensee, dem ehemaligen Wohnhaus Peter Fechters, eine Gedenkplakette  aus Anlass seines 70. Geburtstages  (14:00 Uhr) enthüllen.

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Zum 70. Jahrestag des Hitler-Attentates: Schafott der Sophie Scholl entdeckt 

Heuer begeht Deutschland neben einigen anderen Gedenktagen auch den 70sten Jahrestag des Attentates auf Adolf Hitler vom 20.Juli 1944. Jetzt wurde in einem Münchner Museum die Guillotine entdeckt, mit der u.a. die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Mitglieder des Widerstandskreises „Weiße Rose“ in München, zwei Jahre vor Kriegsende hingerichtet wurden. Entdeckt hat das Mordinstrument nach einem Bericht der Süddeutsche Zeitung der Kunsthistoriker Sybe Wartena, der als Referent für Volkskunde im Bayerische Nationalmuseum tätig ist. Wartena ist sich aufgrund untersuchter Indizien „zu 95 Prozent sicher“, daß das Fallbeil aus Stadelheim, unter dem zwischen  1933 und 1945 1.000 Delinquenten gestorben seien, jenes gewesen sei, unter dem neben den Scholls auch Christoph Probst, Alexander Schmorell, Kurt Huber und Willi Graf sterben mussten.

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Paul Schultz: Appell an Kreuzberg und Stiftung Berliner Mauer

Berlin/cw – Die Vereinigung 17. Juni hat sich jetzt in gleichlautenden Schreiben an die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Kreuzberg, Monika Herrmann (GRÜNE) und die Stiftung Berliner Mauer, Prof. Dr. Axel Klausmeier, gewandt. Beide Institutionen werden gebeten, eine angemessene Erinnerung an den vor 50 Jahren am ersten Weihnachtsfeiertag bei einem  Fluchtversuch ermordeten  achtzehnjährigen  Paul Schultz an der Kreuzberger St.-Thomas-Kirche sicherzustellen. Die Vereinigung hatte auf Anregung ihres Vorsitzenden zum Todestag erneut, wie vor 50 Jahren, ein Holzkreuz aufgestellt. In dem Schreiben heißt es: „Das jetzt erstellte Holzkreuz betrachten  wir schon von der witterungsabhängigen Zerfallzeit her als eine provisorische Erinnerung, die zu einem dauerhaften Gedenken anregen sollte.“

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Termine im Jubiläumsjahr der Erinnerungen 

München/cw – Der Historische Verein von Oberbayern und das Stadtarchiv München laden zu folgenden Veranstaltungen ein:
Montag, 13. Januar 2014, 18:30 Uhr – Vortrag von Dr. Veronika Diem, München: Die Freiheitsaktion Bayern. EinAufstand in der Endphase des NS-Regimes – Ort: Vortragssaal des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Schönfeldstraße 5, 80539 München, Eintritt frei; keine Voranmeldung notwendig.
Donnerstag, 30. Januar 2014, 19 Uhr – Buchvorstellung: Ilse Macek und Friedbert Mühldorfer (Hrsg.), Alfred Koppel, „Dies ist mein letzter Brief…“. Eine Münchner Familie vor der Deportation im November 1941, München (Volk Verlag) 2014 – Ort: Rotunde des Stadtarchivs München, Winzererstr. 68, 80797 München – Achtung:  Anmeldung erbeten unter: stadtarchiv@muenchen.de

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Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage  eingeräumt.                                                                                                                                                                                                                                   V.i.S.d.P.: Redaktion “Hohenecker Bote”, Tel.: 030-30207778 © 2014

Berlin, 24.11.2012/cw – Vier Wochen vor Weihnachten wollen sich nicht so recht weihnachtliche Gefühle einstellen. Dabei handelt es sich geistig und (inzwischen leider) materiell um eine der wichtigsten Jahreszeiten(-Feste) überhaupt. Die Christen sehen der Feier  der Ankunft Jesu, des Begründers christlichen Glaubens entgegen.

Doch seit der Kreuzigung Christi wird dieser „zum Menschen gewordene Gott“ schändlich missbraucht. Nun ja, werden betroffene Christen sagen, das ist ja doch lange her: Die Kreuzzüge sind Geschichte, auch die Inquisition  des Mittelalters: Unrühmlicher, aber überwundener Teil der Kirchen-Historie. Ach, wirklich?

Es ist keine einhundert Jahre her, als Juden systematisch verfolgt und dem mörderischen Versuch ausgesetzt wurden, sie auszurotten. Viele, zu viele Christen schauten  dabei zur Seite und empfanden wohl diese Verfolgung als „Gerechtigkeit Gottes gegenüber den Mördern Jesu Christi.“ Dabei interessierte es wohl wenig, dass dieser Mord zweitausend Jahre zurück lag und  selbst bei größter Fantasie nicht den Nachkommen „der Mörder“ anzulasten gewesen wäre. Seltsam, dass gerade von diesen modernen „Kreuzrittern“ die Inanspruchnahme des Deutschen Volkes für die vor über 70 Jahren geschehenen Morde während der NS-Zeit meist empört mit dem Hinweis auf die „Nichtbeteiligung und damit erwiesene Unschuld“ der Nachgeborenen abgewiesen wird.

Abhängigkeitsverhältnis  mit ernsten  Konflikten

Das „Buch der Bücher“, das „älteste Buch der Welt“, der „Glaubenskral“ und wie die Bibel vielfach individuell noch genannt oder innigst verstanden wird, ist nicht nur Grundlage einer Weltreligion (Neues Testament), sondern in seinem ersten Teil (Altes Testament) sogar Basis für drei Weltreligionen (Mosaischer Glaube, Christentum, Islam). Aus den bitteren Erfahrungen der Menschheitsgeschichte heraus haben sich zumindest die beiden großen Kirchen christlichen Glaubens darauf verständigt, die alten und in einer gänzlich anderen Zeit und unter unvergleichlichen Bedingungen entstandenen Texte dieser Bibel neuzeitlichen Erkenntnissen anzupassen, mit den Interpretationen behutsam und verantwortlich umzugehen. Das kann durchaus als Konsens interpretiert werden, wenn  es auch eines langen  Weges dorthin bedurft hat.

Auf der anderen Seite gab und gibt es heftigen  Widerstand gegen diese „Abweichungen von  den Glaubensinhalten der Bibel.“ Es entstanden eigenwillige Sekten, die kaum noch vergleichbar mit heutigen Institutionen der christlichen Kirchen sind, weil diese sektiererisch den Wortlaut der Bibel für „heilig“, also für eine unverrückbare, nicht interpretierbare Wahrheit empfanden. Es gab und es gibt aber auch diverse christliche Gruppierungen innerhalb der „verfassten  Kirche“ (katholisch wie evangelisch), die aus vielerlei Gründen den Bruch mit der „Amtskirche“ (schöne deutsche Bezeichnung) scheuten und sich daher unter dem großen Dach der Kirche, wenn auch unter eigenen Parametern versammelten. Die Kirchen-Institutionen ihrerseits nahmen und nehmen diese pietistischen und anderen Strömungen wohl in  der Furcht hin, noch mehr als ohnehin Schäfchen aus dem Schoß der Kirche zu verlieren. So ergibt sich ein gegenseitiges, durchaus schwieriges Abhängigkeitsverhältnis, aus dem hin  und wieder auch ernste Konflikte entstehen. Die Katholische Kirche zum Beispiel hat ihre liebe Not mit der PIUS-Bruderschaft oder auch dem umstrittenen Internet-Portal kreuz-net, gegen das derzeit nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung die Staatsanwaltschaft ermittelt;  die Evangelische Kirche zum Beispiel versucht, ihre Not mit den erklärten Pietisten in  ihren Reihen zu bewältigen.

Nicht nur Vorsteher einer Gemeinde

Man muss um diese (natürlich verkürzt wiedergegebenen) Grundlagen wissen, um die jüngste Auseinandersetzung um die Texte eines pietistischen  Predigers aus der Pfalz einordnen zu können. Wenn es sich in der Person des Predigers  n u r  um den Vorsteher einer Gemeinde handeln würde, hätten seine immerhin auch im  Internet verbreiteten biblizistischen  Äußerungen kaum Widerhall gefunden, weil es letztlich Aufgabe der betroffenen Gemeinde und/oder der übergeordneten Landeskirche ist, derartige Anknüpfungen an schlimmen historischen Missbrauch der Bibel zum Zwecke der Diskriminierung Andersdenkender zu bewerten. Das der Evangelische Gemeinschaftsverband Pfalz e.V. mit seinem Prediger „ausführliche Gespräche“ geführt hat, war nötig und löblich (ohne natürlich die Inhalte kennen, also bewerten zu können). Dass der pietistische Arbeitgeber seinem pietistischen Prediger dennoch „sein Vertrauen“ ausgesprochen hat, wen wundert’s? Das sagt jedenfalls nichts über die Qualität eines derartigen  Votums aus. Die Landeskirche Pfalz hingegen verzichtet auf derartige Vertrauensbekundungen und ermahnt den von ihr ordinierten Prädikanten, „sich künftig gegenüber anderen Religionen oder Lebensweisen so zu äußern, dass jeglicher Eindruck einer Diskriminierung Anderer vermieden wird.

Das ist deutlich, klar, unmissverständlich, ohne den Adressaten öffentlich zu diskreditieren oder ihm gar die seelsorgerliche Betreuungspflicht zu entziehen. Das der Prediger besser eine eigene selbstverfasste  Erklärung dieses Inhaltes abgegeben hätte, steht auf einem anderen Blatt.

Der Vorsitzende versteckt sich hinter dem Rechtsstaat

Anders als die Landeskirche verschließt man sich im  Dachverband der Diktatur-Opfer – bis auf wenige Ausnahmen – derartigen Klarstellungen oder Ermahnungen. Stattdessen konstruiert der besagte Prediger gewissermaßen in Personalunion Verschwörungstheorien, malt den entsetzten Mitgliedern Rache-Szenarien gegen ihren  Vorsitzenden an die Wand, der „insgesamt die UOKG beschädige“, beruft sich gar mit seinen umstrittenen  Äußerungen auf das Grundgesetz und erhält so das erwünschte Vertrauen ausgesprochen. Eine offene Aussprache über die für die Opfer der Diktatur verheerenden Äußerungen, „Juden (ua.) sind Knechte Satans“ (60 Jahre nach dem Ende der Hitlerei),  Allah sei „eine Erfindung“ und Mohammed sein  „falscher Prophet“ und dgl. (das im  Jahre  2012 unserer Zeitrechnung) fand und findet innerhalb der UOKG (mit den angeführten spärlichen Ausnahmen) nicht statt. Der Vorsitzende und sein Vorstand schlüpfen hinter den Rechtsstaat, der diese Äußerungen nicht als „Volksverhetzung“ sieht und – skandalös – diesen Anfangs-Extremismus mit seinem kaum verhohlenen Antisemitismus unter „Religionsfreiheit“ einstuft (so zumindest die Staatsanwaltschaft Frankenthal).

Auf den ersten Blick hat dabei der ehrenamtliche UOKG-Vorsitzende und hauptamtliche Prediger die Meinungsfreiheit als hohes Gut unseres Staates auf seiner Seite. So bestimmt Art. 5, 1 des Grundgesetzes: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten … Eine Zensur findet nicht statt.

Und in Art.4, 1 wird zuvor deklamiert: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

Wie es scheint, eine gute Grundlage für die Opfer einer Diktatur, sich unter diesen Texten versammelt zu sehen und „schäbige, grundgesetzwidrige Angriffe auf ihren Vorsitzenden“ abzuwehren. Dennoch muss hier die Frage der missbräuchlichen Anführung des Grundgesetzes, zumindest eine Debatte darüber erlaubt sein.

Denn im  Art.1, 1  eben dieses Grundgesetzes steht auch: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Und, anders gefragt, bezieht sich Art.4 GG nur auf die Christlichen Kirchen, auf christliche Bekenntnisse?

Missachtung Andersgläubiger Missbrauch der Meinungsfreiheit

Kein Geringerer, als der frühere Präsident des Verfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier, hat sich in einem Interview mit der Zeitung DIE WELT vom 13.10.2012 ausführlich zu den Verfassungsthemen „Meinungs- und Religionsfreiheit“ geäußert. Papier führte u.a. aus:

Die Meinungsfreiheit hat einen sehr hohen Stellenwert – nicht zuletzt wegen der jahrzehntelangen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Es ist immer betont worden, dass die Kommunikationsfreiheiten in einer freiheitlichen demokratischen Ordnung schlechthin konstitutiv sind.“ Von  dieser Meinungsfreiheit seien auch Meinungen erfasst, die sich im  Bereich der Satire bewegten (Mohammed-Karikaturen). Auch Religionskritik sei „selbstverständlich“ erlaubt. Papier schränkt dann  allerdings ein: „Die Meinungsfreiheit findet allerdings ihre Schranken in den allgemeinen Gesetzen. Dazu zählt Paragraf 166 des Strafgesetzbuches, der das Beschimpfen von Religionen unter Strafe stellt, wenn dadurch der öffentliche Frieden bedroht wird.“ Dieses Gesetz sei wiederum „im Lichte der Meinungsfreiheit wie auch der Religionsfreiheit zu interpretieren.

Der Ex-Präsident: „Es kann allerdings nicht sein, dass die staatlichen Gesetze allein nach den internen Regeln einer Religionsgemeinschaft interpretiert werden. Wenn zum Beispiel in einer Religionsgemeinschaft ein Bebilderungsverbot besteht, bedeutet das noch nicht, dass auch das staatliche Recht das bedingungslos umzusetzen hat.“

In jedem Fall gelte, so Papier weiter, dass Freiheit und Verantwortung untrennbar miteinander verbunden seien: „Wer Andersdenkende und Andersgläubige mit seinen Äußerungen und Handlungen missachtet, der missbraucht die Meinungsfreiheit.“ Die Bewertung eines strafbaren Verhaltens hänge allerdings von Form und Inhalt einer Äußerung und ihrem Verletzungsgrad ab.

Hans-Jürgen Papier äußerte sich auch zu den Forderungen, den § 166 (Beschimpfung religiöser Bekenntnisse) zu verschärfen. Der Staat müsse (zwar) für eine „friedliche Koexistenz der Religionen“ sorgen, solle aber zu seiner schärfsten Waffe (dem Strafrecht) erst greifen, wenn  der öffentliche Friede gestört sei. Und: „Dabei ist aber immer der Grundsatz im Auge zu behalten, dass der Staat diejenigen vor Störungen durch Gewalttäter schützt, die von ihren Grundrechten legalen Gebrauch machen, nicht umgekehrt die Störer und Gewalttäter.

(das vollständige Interview unter: http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article109809586/Missbrauch-der-Meinungsfreiheit.html )

Der Dachverband sollte sich seiner besonderen Verantwortung bewusst sein

Die Äußerungen  des UOKG-Vorsitzenden mögen sich einer strafrechtlichen  Bewertung entziehen. Sie bleiben dennoch unter dem Blickwinkel um sich greifender Diskriminierungen Andersdenkender durch extremistische Gruppierungen besorgniserregend. Nicht alles, was von den Strafverfolgungsbehörden als nicht relevant im  Sinne des Gesetzes eingestuft wird, ist moralisch und politisch vertretbar. Ein Dachverband, wie die „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)“ sollte sich seiner besonderen Verantwortung auch in der aktuellen Gegenwart bewusst sein. In der Vergangenheit, unter einem anderen Vorsitzenden, hatte der Dachverband noch keine Scheu, sich von einem Mitglied zu trennen, das mit  seinen Äußerungen im Widerspruch zur Satzung stand (diese Äußerungen lagen  bei Aufkommen der Debatte über deren Inhalte und notwendigen Konsequenzen  drei Jahre zurück, der Nachweis wurde über illegale Aufzeichnungen geführt). Auch damals war die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die zuständige Staatsanwaltschaft abgelehnt worden. Dennoch handelte die UOKG (wenn  auch nicht ganz freiwillig, sondern auf „sanften Druck“ der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur). Aber immerhin wurde aus diesem Anlass heftig über Inhalte (Extremismus) diskutiert. Die Freude an (und die Notwendigkeit) einer Diskussion scheint unter der Regie des überzeugten Predigers abhanden  gekommen zu sein. Das ausgesprochene Vertrauen und die Verweigerung einer inhaltlichen Diskussion um „Juden, Christen Moslems und andere“ sowie die Positionierung der UOKG zu diesen Gruppen, die vom predigenden Vorsitzenden durch seine zumindest missverständlichen Äußerungen zwingend gewesen wäre, ist kein  Ruhmesblatt für die Opfer eines Unrechtsstaates, der seine Gegner nicht zuletzt wegen deren „Andersseins“ und „von der Linie abweichenden“ Überzeugungen in seine Zuchthäuser eingesperrt hat.

Ob uns Rainer Wagner als UOKG-Vorsitzender, Beiratsmitglied in diversen Stiftungen (Hohenschönhausen, Berliner Mauer) oder auch Vorstandsmitglied in einer CDU-Organisation erhalten bleibt, war und ist nicht das Thema. Thema ist die Unvereinbarkeit seiner Äußerungen mit öffentlichen  Funktionen. Thema ist die Weigerung Wagners, die nach seinen Äußerungen offensichtlich nicht vorhandene Kompatibilität zwischen  den  Aufgaben als Prediger einerseits und Funktionsträger öffentlicher Ämter andererseits zur Kenntnis zu nehmen oder seinen ratlosen Freunden zu erklären.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

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