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VEREINIGUNG 17.JUNI 1953 e.V. Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion u.a.

Pressemitteilung

Die AMADEU ANTONIO STIFTUNG in Berlin hat für den 14. Februar ab 10:00 Uhr in ihren Räumen Novalisstr. 12, 10115 Berlin-Mitte eine sogen. „politisch-historische Fachtagung“ angesetzt, auf der „Der rechte Rand der DDR-Aufarbeitung“ diskutiert werden soll.
In der Einladung weist die von einer ehem. Stasi-IM geführte Stiftung auf den Zusammenhang zwischen der Entlassung von Hubertus Knabe, der „auch eine Scharnierfunktion zu den rechten Rändern der DDR-Aufarbeitung“ hatte und der jetzigen „Fachtagung“ hin. Knabe sei nicht davor zurückgescheut, „Nationalsozialismus und SED-Sozialismus als zwei sozialistische Seiten einer totalitären Medaille zu betrachten und beide Regimes zu analogisieren – eine am rechten Rand typische Grenzüberschreitung.“

Nachfolgend werden in der Einladung um die Aufarbeitung verdiente Persönlichkeiten und ehemalige politisch Verfolgte des Kommunismus, wie der Schriftsteller Siegmar Faust oder der verstorbene ehem. Vorsitzende der UOKG, Gerhard Finn, als Beispiele für neonazistische Tendenzen in der Aufarbeitungsszene angeführt. Mit dieser pauschalen Diffamierung werden die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in unerhörter, weil wahrheitswiderlicher Weise in die Reihen von Alt- und Neo-Nazis eingeordnet.

Gegen diese Verleumdung hunderttausender politisch Verfolgter unter dem SED-Regime der DDR richtet sich der Protest einstiger Stasi- und SED-DDR-Opfer. Die Arbeitsgemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion hat daher stellvertretend für die Teilnehmer für

Donnerstag, den 14. Februar 2019, von 09:30 – 11:30 Uhr
vor dem Tagungsgebäude und Sitz der Stiftung in der Novalisstr. 12, 10115 Berlin-Mitte
eine Protestdemonstration bei der Polizei angemeldet.

Um Rückmeldung weiterer Teilnehmer und Organisationen wird zeitnah unter der Tel.Nr.: 030 / 78 71 48 18, Stefan Krikowski (Organisation), oder Tel.Nr.:030-85607953 oder Mobil: 0176-48061953, Carl-Wolfgang Holzapfel (Pressearbeit) gebeten. Auskünfte (Presse) dto.

Berlin, 11.Februar 2019

Stefan Krikowski – Arbeitsgemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion – Carl-Wolfgang Holzapfel – VEREINIGUNG 17.JUNI 1953 e.V. – smkrikowski@web.de – vereinigung17juni1953@gmail.com

Solidaritätserklärung der Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion mit dem Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Dr. Hubertus Knabe

Hamburg/Berlin, 17.10.2018 -Der Ehrenvorsitzende der UOKG und der Lagergemeinschaft Workuta, Horst Schüler (94), hat zusammen mit seinem Nachfolger, dem jetzigen Sprecher der Lagergemeinschaft, Stefan Krikowski, nachfolgende Solidaritätserklärung veröffentlicht (Quelle: http://www.workuta.de/aktuelles/index.html ):

„Gegen die Führung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen sind von Mitarbeiterinnen schwere Vorwürfe erhoben worden. Sie richten sich vor allem gegen den Stellvertretenden Direktor. Uns ehemaligen Gulag-Häftlingen sind die Details der Vorwürfe unbekannt.

In Folge der erhobenen Vorwürfe sind der Direktor der Gedenkstätte und sein Stellvertreter ihrer Posten enthoben worden. Wir ehemaligen politischen Häftlinge der Stasi-Gefängnisse im untergegangenen SED-Staat, wir Überlebende des stalinistischen GULag-Terrors in der Sowjetunion protestieren hiermit gegen die Amtsenthebung von Direktor Dr. Hubertus Knabe, gegen den die eingangs erhobenen Vorwürfe der Mitarbeiterinnen nicht gelten. Dies haben bereits die vier Angehörigen des Stiftungsbeirates der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen festgestellt und gegen die Amtsenthebung protestiert. Ihrem Protest schließen wir uns vollinhaltlich an. Die überstürzten Maßnahmen gegen Dr. Knabe, seine arbeitsrechtlich fragwürdige Kündigung sollten umgehend aufgehoben werden, weil gegen ihn offensichtlich keine gerichtsfesten Vorwürfe vorliegen. Wir fordern deshalb, Dr. Knabe sofort wieder als Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen einzusetzen.

In diesem Zusammenhang sehen wir ehemaligen politischen Häftlinge in dem von Stiftungsrat der Gedenkstätte angestrebten „Kulturwandel“ in Wahrheit eine Schönfärberei der finsteren Realitäten des Justizwesens der früheren DDR, wie sie von linksextremen Kräften seit langem angestrebt wird. Seit Jahrzehnten haben wir gegen das Unrecht-Regime gekämpft, oft unter Verlust unserer Freiheit, viele sogar unter Verlust ihres Lebens. Wir fordern, dass Zeitzeugen der kommunistischen Verfolgung weiterhin im Zentrum der Aufarbeitung in der Gedenkstätte Hohenschönhausen stehen müssen.

Horst Schüler, Ehrenvorsitzender der Lagergemeinschaft Workuta,
Stefan Krikowski, Sprecher der Lagergemeinschaft Workuta“

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785

 

 

Berlin, 22.09.2018/cw – Stefan Krikowski (57), Vorsitzender der „Lagergemeinschaft Workuta“, hat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Grund: Das von ihm auf dem Breitscheidplatz nach dem Terror-Anschlag aufgestellte Foto von Dalia Elyakim (60) ist gestohlen worden. Die aus Israel stammende Frau hatte zusammen mit ihrem Mann Rami Elyakim (60) am unglückseligen 19. Dezember 2016 den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin besucht. Dalia Elyakim starb, während ihr Mann schwer verletzt überlebte.

Rami Elyakim wurde nach dem Anschlag im lebensgefährliche Zustand und ohne Bewusstsein ins Wenckebach-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof eingeliefert. Dort wurde er in ein künstliches Koma versetzt. Mehrere Operationen an Becken und beiden Oberschenkeln folgten. Erst Anfang Januar 2017 konnte er in Begleitung der behandelnden Ärzte nach Israel ausgeflogen werden.

Die unbeantwortete Frage nach dem Terroranschlag in Berlin – Foto: LyrAg

Krikowski und seine Frau Margreet (52) gehörten zu den ersten Bürgern, die den Ort des Verbrechens aufsuchten und sich mit Plakaten und der Zufügung von Namen der nach und nach bekannt gewordenen Opfer für ein würdiges Gedenken einsetzten. Dort stellte das engagierte Ehepaar auch ein Foto von Dalia Elyakim auf. Nach einem Besuch bei Rami Elyakim in Israel im Oktober 2017 startete Margreet und Stefan Krikowski eine Spendenaktion, um dem durch das Attentat berufsunfähig gewordenen Rami zu unterstützen.

„Ein eindeutig antisemitischer Akt“

Stefan Krikowski weist in seiner Strafanzeige darauf hin, dass „die Fotos von anderen Opfern (Angelika Klösters, Nada Cismar, Peter Volker und Klaus Jacob) nicht entfernt oder beschädigt wurden.“ Aus seiner Sicht sei dies „eindeutig ein antisemitischer Akt“ , da nur dass von ihm und seiner Frau „stellvertretend für Rami Elyakim aus Herzliya / Israel“ aufgestellte und eingerahmte Foto des israelischen (jüdischen) Terroropfers Frau Dalia Elyakim gestohlen wurde.

Dieser Diebstahl sei „insofern entsetzlich, da dieser bewusst das Andenken an das ermordete Opfer aus Israel verunglimpft und damit die Totenruhe, das Trauern und Gedenken“ am Ort des Terroranschlages für Angehörige und Freunde des Opfers zutiefst gestört werden.

Krikowski kündigte an, er werde zusammen mit seiner Frau in den nächsten Tagen am Gedenkort vor ihrem eingemeißelten Namen ein neues Foto von Dalia Elyakim an der Gedächtniskirche aufstellen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.428).

 

 

 

Berlin, 18.12.2017 – „Fortgesetztes Staatsversagen: Unfassbare Gefühllosigkeiten nach dem Attentat am Berliner Breitscheidplatz vor einem Jahr.“ Mit harscher Kritik geht Regina Mönch in einem Beitrag der F.A.Z. auf den inszenierten Rummel zum Jahrestag des Terror-Anschlages auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche ein.

Die Plakate von Margreet und Stefan Krikowski, selbst verfasst und angefertigt, sind weltbekannt. Auf jedem offiziellen oder privaten Foto von der informellen Toteninsel am Berliner Breitscheidplatz sind sie zu sehen. Die Krikowskis hatten das erste Anfang Januar aufgestellt, weil sie bestürzt waren, dass ausgerechnet hier, wo am 19. Dezember 2016 ein islamistischer Fanatiker zwölf Menschen in den Tod gerissen und fast siebzig meist schwer verletzt hatte, immer nur von „zwölf Toten“ die Rede war und vor allem die deutschen Opfer unbekannt, namenlos blieben. So als sollten gerade sie möglichst schnell vergessen werden und mit ihnen das unfassbare Versagen des deutschen Staates im Fall des Attentäters Amri.

Über Amri, sein klandestines Tun, seine Vielfachidentitäten wissen wir nun alles. Die Geschichten seiner Opfer jedoch, ihre Namen, ihre Familien und deren Leben danach blieben bis vor kurzem verschwiegen. Besagtes Plakat ist in zwölf Felder unterteilt, jedes unterlegt mit einer Nationalflagge, darauf ab und an ein Porträtfoto, darunter ein Name, Lebensalter und Heimatland. Und immer da, wo die deutsche Fahne zu erkennen war, nur passbildgroße leere Umrisse. Auch den hartnäckigen Krikowskis ist es erst jetzt gelungen, sie endgültig auszufüllen.

Diese Leerstellen waren eine Anklage gegen das Vergessensollen, sie zielten mitten ins Herz. Ungezählte fragende Botschaften, diese Anonymität betreffend, hatten Besucher aus aller Welt immer wieder hinterlassen. Empörung über das verordnete Schweigen flammte in Berlin kurz auf, als sich offizielle Behauptungen, die Angehörigen wollten das genau so, also anonym – oder: der Datenschutz verbiete das –, als Lügen herausgestellt hatten. Kurz nach der Jahreswende schon hatte die „New York Times“ Hinterbliebene aufgesucht, die ihr dankbar Auskunft gaben. Sie veröffentlichte sodann groß aufgemacht kurze Porträts der Toten.“

Regina Mönch schildert die unfassbaren Verhaltensweisen der Institutionen wie die des Regierenden Bürgermeisters, der „fast zwei Monate“ gebraucht habe, „um endlich Kondolenzschreiben und Briefe an die Verletzten“ zu schicken. Die Ausrede: „Es sei schwierig gewesen, … die Adressaten zu ermitteln.“

Zensur: Es sollte kein „islamistischer“ Anschlag sein

Weniger gravierend, aber trotzdem irritierend ist der eigenartige Eifer Unbekannter, die Krikowski-Plakate am Breitscheidplatz zu redigieren,“ schreibt Mönch weiter. „Es ging beim Zensieren um den Hinweis auf dem deutschen Plakat, hier werde um die „Toten des islamistischen Terroranschlages“ getrauert. Das Wort „islamistisch“ ist immer wieder dick schwarz durchgestrichen worden; andere Plakate, die diese doch jedem bekannte und von fast niemandem bezweifelte Zuschreibung enthielten, wurden alsbald abgeschraubt. Die Botschaft war klar: Der Islam habe mit alledem nichts zu tun.“

Wenn morgen am Breitscheidplatz im Herzen Berlins eine Gedenkstätte eingeweiht wird, kann jeder sehen, zu welchen Spitzenleistungen Sicherheitsprofis in der Lage sind, wenn es nur erwünscht ist.“ Und: Angehörige sollten nach einem Bericht des „SPIEGEL“ den (Kunst-)Riss im Boden der Treppen vor der Gedächtniskirche mit einer goldfarbenen Metallegierung schließen; jede Familie werde ein paar Gramm Gold versenken: „Eine Wunde, die sich schließt.“ „Perfekt“, schreibt Regina Mönch, „aber ziemlich viel verlangt. Die Wunde, mit der nicht nur die Opfer kämpfen und hadern, sondern viele, die seit einem Jahr zu dieser republikanischen Toteninsel pilgerten, sie ist nicht auf Anordnung zu schließen. Denn nicht nur die Menschen, die hier feige ermordet wurden, sind unvergessen, sondern auch das, was davor und danach nicht geschah.“

Der vollständige Artikel von Regina Mönch unter: http://plus.faz.net/feuilleton/2017-12-18/eine-wunde-die-sich-nun-auf-anordnung-schliessen-soll/93209.html

Interview zum Tag der Menschenrechte mit Margreet und Stefan Krikowski

Berlin, 10.12.2017 (Tag der Menschenrechte)/cw – Am 19. Dezember 2017 jährt sich der islamistische Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. An diesem Montag vor einem Jahr wurden auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche insgesamt zwölf Menschen ermordet und über 70 zum Teil lebensgefährlich verletzt. Unter den Opfern war auch das Ehepaar Dalia (60) und Rami Elyakim (60) aus Israel. Dalia Elyakims Tod konnte den Angehörigen in Israel erst mit einer Verzögerung von einigen Tagen bestätigt werden. Rami Elyakim wurde lebensgefährlich verletzt und ohne Bewusstsein ins Wenckebach-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof eingeliefert.

Im Krankenhaus wurde Rami Elyakim sogleich in ein künstliches Koma versetzt, und es folgten mehrere Operationen an Becken und beiden Oberschenkeln. Erst Anfang Januar 2017 konnte er in Begleitung der behandelnden Ärzte nach Israel ausgeflogen werden. Da war seine Ehefrau Dalia bereits beerdigt worden. Vier Monate verbrachte Rami Elyakim in einem Rehabilitationszentrum. Zwar wohnt er inzwischen wieder zu Hause, muss aber nach wie vor mehrmals wöchentlich zur ambulanten Behandlung in das Reha-Zentrum. Auch mehr als ein Jahr nach der Bluttat ist er immer noch schwer gezeichnet und benötigt vielfältige Hilfe bei der Bewältigung seines Lebensalltags. Als nächstes steht eine Operation am linken Knie an, das er bis heute nur äußerst gering und nur unter großen Schmerzen beugen kann. Seine Wohnung im 2. Stock im Zentrum Herzliyas ist nicht mit einem Fahrstuhl ausgestattet.

Das Berliner Ehepaar Margreet (52) und Stefan Krikowski (57) besuchte Rami Elyakim im Oktober 2017 anlässlich einer Israel-Reise in seiner Wohnung in Herzliya. Jetzt hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. einen Spendenaufruf für Rami Elyakim gestartet. Wir sprachen aus diesem Anlass mit dem Ehepaar.

Redaktion Hoheneck: Ihr wart ja bereits nach dem 19. Dezember im letzten Jahr unter den Aktivisten, die neben Blumen und Kerzen auch Plakate aufgestellt habt, darunter damals ganz aktuell die bis dahin verschwiegenen Namen der Opfer. Was war damals Euer Beweggrund?

Stefan: Das Entsetzen der Bevölkerung über diesen hinterhältigen und tückischen Mordanschlag hat die ganze Stadt und weit darüber hinaus geschockt. Inmitten der Weihnachtsmarktbuden, die drei Tage nach dem Anschlag wieder öffneten, pilgerten die Massen zum Gedenken an den Tatort. In den Tagen und Wochen nach dem ersten großen islamistischen Terroranschlag in Deutschland auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 glich der Breitscheidplatz einem einzigen großen Kerzenmeer. Doch schon bald stellten wir mit Befremden fest, wie fast verschämt in Berlin und in Deutschland mit dem Gedenken an den islamistischen Terroranschlag umgegangen wurde. Neben Kerzen und Blumen und naiven Mitleidsbekundungen war kaum etwas Persönliches dort zu finden. Nur Fotos von Łukasz Urban, Fabrizia di Lorenzo und Dalia Elyakim wurden unmittelbar nach dem Anschlag  am Tatort hingelegt. Wo waren die Andenken an die anderen Opfer? Zwölf Menschen wurden bei diesem islamistischen Terroranschlag ermordet: eine Israelin, eine Tschechin, eine Italienerin, ein polnischer LKW-Fahrer, ein deutsch-ukrainisches Ehepaar und 6 Deutsche. Wer waren diese Opfer? Warum wurden die Namen nicht genannt und warum die Gesichter nicht gezeigt? Warum dieses anonyme Trauern? Und wie kann eine Stadt, eine Gesellschaft trauern, wenn nicht die Namen und Gesichter der Toten bekannt sind? Wollten die Angehörigen keine Öffentlichkeit? Wollte die Bevölkerung nicht wissen, wer dort ermordet wurde? Wollte die Presse nicht in Erfahrung bringen, wer von dem islamistischen Attentäter ermordet wurde? Warum war auch bei den Deutschen Terroropfern so viel Unsichtbarkeit?

Gespenstisches Schweigen

Nun scheint Deutschland generell ungern seiner Toten namentlich zu gedenken. Wer kennt die Namen der elf Deutschen, die beim Terroranschlag am 12. Januar 2016 in Istanbul ermordet wurden? Wer kennt die Namen der 14 Deutschen, die beim Terroranschlag auf die Synagoge auf Dscherba am 11. April 2002 ermordet wurden?

Nun hatte  die Terrororganisation Islamischer Staat am 19. Dezember 2016 in Berlin zugeschlagen, und es herrschte ein fast gespenstisches Schweigen. Als ob bei Nennung der Namen der 12 Toten und der über 70 Verletzten, der gesamtgesellschaftliche Burgfrieden explodieren würde.

Was vermutet Ihr denn hinter diesem Schweigen?

Stefan: Wir vermuten, dass das große Schweigen mit dem „Elefanten im Raum“, mit der Merkelschen Flüchtlingspolitik, zusammenhängt. Der Opfer des Anschlags gedenken heißt nämlich auch sich zu fragen, wie der Anschlag überhaupt möglich war, wie der tunesische Attentäter trotz verbüßter Haft in Italien illegal nach Deutschland einreisen, in Deutschland Asyl beantragen und sich gleich dutzendfach gefälschte Identitäten zulegen konnte?

Das Gedenken an die Terroropfer vom islamistischen Anschlag findet vor dem Hintergrund der Merkelschen Flüchtlings- und Sicherheitspolitik statt, die die Atmosphäre in Deutschland nachhaltig vergiftet hat. Ist das nebulöse und distanzierte Gedenken an der Gedächtniskirche gewollt, damit ja keine Fragen bzgl. der Flüchtlings- und Sicherheitspolitik gestellt werden?

Warum und wie sollte denn nach Eurer Ansicht der islamistische Hintergrund verschwiegen werden?

Margreet: Der Anschlagsort wurde jedenfalls stets – wir würden sagen – „klinisch sauber“, gehalten, jegliche Hinweise auf den islamistischen Hintergrund wurden stets und konsequent vom Tatort entfernt. Liegen bleiben durften nur Kerzen und Blumen. Darüber hinaus wies kaum etwas auf den ideologischen Hintergrund der Hassattacke hin.

Als Bürger Berlins setzten wir uns seit dem Anschlag dafür ein, dass vor Ort das Verbrechen und die Opfer beim Namen genannt werden. Unsere Botschaft an die Hinterbliebenen der Opfer des islamistischen Terroranschlags vom Breitscheidplatz sollte lauten: Wir vergessen Euch nicht. Wir nennen Euch beim Namen.

Jetzt habt Ihr eine Spendenaktion gestartet. Warum „nur“ für Rami Elyakim in Israel? Brauchen die anderen Opfer keine Unterstützung?

Seit Jahrzehnten Heimsuchung durch islamistischen Terror

Stefan: Als langjährige Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) waren wir besonders geschockt zu erfahren, dass unter den Opfern ein israelisches Ehepaar war. Israel wird seit Jahrzehnten vom islamistischen Terror heimgesucht. Wie viele Terroranschläge, wie viele Kriege hat dieses Ehepaar aus Herzliya überstanden, um dann in Deutschland, im vermeintlich sicheren Berlin, von einem islamistischen Terroristen in mörderischer Absicht überfahren zu werden. Vielleicht ist es typisch, dass von allen betroffenen Familien nur ein Angehöriger, der Bruder von Rami Elyakim, am 22. Dezember 2016 im Wenckebach Krankenhaus an die Öffentlichkeit trat. Hierdurch erfuhren wir vom näheren Schicksal des Ehepaars Elyakim und haben Rami Elyakim daraufhin am Vormittag des Heiligabends im Krankenhaus besucht. Wir konnten ihn selbstverständlich nicht persönlich sprechen, er lag ja noch im Koma, aber einem Angehörigen konnten wir unser Mitgefühl überbringen. 

Den Zeitungsberichten war zu entnehmen, dass die Überlebenden und deren Angehörigen neben allem physischen, emotionalen und psychischen Schmerz auch finanziell zu kämpfen hatten. Wir meinen, dass der deutsche Staat allen Opfern und deren Angehörigen eine adäquate finanzielle Entschädigung gewährleisten muss und zwar als wie immer benannte Rentenleistung zum Beispiel wegen Berufsunfähigkeit durch den Terroranschlag. Wir wissen, dass die bisherigen Entschädigungszahlungen durch den deutschen Staat äußerst begrenzt und gering und in keinster Weise zufriedenstellend sind. Rami Elyakim ist seit dem 19. Dezember 2016 berufsunfähig und kann seine selbständige Arbeit nicht mehr ausüben. Deshalb haben wir eine einmalige Spendensammlung für Rami Elyakim über die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) initiiert und hoffen, dass bis zum Yom HaAzma’ut (dem 70. Geburtstag des Staates Israel im April 2018) ein fünfstelliger Betrag aufgebracht werden kann.

Euer Engagement ist ja nicht selbstverständlich. Ihr habt sogar eine Reise in Israel genutzt, um dort Rami Elyakim zu besuchen. Wie hat er reagiert, wie geht er mit seinem Schmerz um?

Stefan: Da wir jedes Jahr in Israel sind, wollten wir einfach wissen, wie es Rami Elyakim  über 10 Monaten nach dem Anschlag ergeht. Dieser Gedanke ließ uns nicht mehr los. Es war nicht so ganz leicht den Besuch zu organisieren, schließlich hatten wir weder Telefonnummer noch Adresse. Aber über die Israelische Botschaft in Berlin konnten wir einen Termin mit Rami Elyakim vereinbaren. Wir besuchten ihn Ende Oktober in Herzliya. Ein warmherziger couragierter Mann begrüßte uns in seiner Wohnung. Es war ein langer bewegender Nachmittag, an dessen Ende Rami Elyakim die schwierige Lage, in die er auch finanziell geraten war, erwähnte. Keiner frage in Deutschland ernsthaft nach, wie er denn auch finanziell weiterleben könne. Rami meinte, er habe bisher mit seiner Frau ein gutes Leben geführt, aber jetzt?

Sind denn schon Spenden eingegangen? Wie und in welcher Form wollt Ihr diese nach Israel transferieren? Wäre nicht eine Stiftung, z.B. „Opferhilfe – Gegen Terror und Gewalt“ eine Idee, um möglicherweise die Spenden breiter, d.h. auf mehrere Opfer und Betroffene verteilen zu können?

Margreet: Es läuft ganz gut an. So haben wir z.B. zwei Einzelspenden über jeweils 1.000 Euro erhalten. Aber wir sind erst am Anfang. Jede große und jede kleine Spende zählt. Nein, eine Stiftung soll und wird nicht von uns gegründet werden. Es gibt ja zum Beispiel schon den Opferhilfeverein Weißer Ring. Nochmals: Die Spendenaktion für Rami Elyakim ist eine Geste, ein einmaliger, ein beispielhafter Akt der Solidarität mit der Familie Elyakim in Israel. Vorrangig und grundsätzlich steht die Bundesrepublik Deutschland  in der Verantwortung und muss alle Opferfamilien und deren Angehörige entsprechend und langfristig entschädigen.

Wer ist denn bei Euch der „Antreiber“, der oder die Aktivistin? Oder macht Ihr generell alles gemeinsam?

Margreet: Bei solch großen Aktionen treiben wir uns gegenseitig an. Das kann man nur gemeinsam planen, organisieren und dann durchführen.

Am 19. Dezember soll ja an der Gedächtniskirche das Mahnmal eingeweiht werden. Trifft die Umsetzung Eure Erwartungen? Werdet Ihr – mit Euren Freunden – anwesend sein?

Pfarrer gegen Terror-Bezeichnung „islamistisch“

Stefan: Uns war es immer wichtig, dass die zwölf Namen der Ermordeten festgehalten werden, und so freuen wir uns, dass die Namen im neuen Denkmal eingraviert sein werden. Aber darüber hinaus hätten wir uns ein deutlich sichtbareres Denkmal gewünscht, etwa eine Stele. Unter dem zerstörten aber immer noch mächtigen Kirchturm der Gedächtniskirche werden die Namen auf den niedrigen Stufen kaum auffallen, so unsere Befürchtung. Weiterhin soll die Goldlegierung (der 14 Meter lange Riss) eine „Heilung der Gesellschaft“ symbolisieren. Das ist Unsinn. Die Opfer leiden lebenslänglich. Deren Wunden heilen kaum, sie bleiben dauerhaft in Körper und Seele eingraviert. Weiterhin wird im Ergänzungstext nicht „Ross und Reiter“ genannt. Das Adjektiv islamistisch wurde auf unserem Plakat, das seit dem 19. Januar 2017 an den Tathergang und an die 12 Todesopfer erinnert, mehrmals geschwärzt. Aus unseren vielfältigen Email-Austausch mit dem Pfarrer der Gedächtniskirche, Martin Germer, wissen wir, dass er vehement gegen die Bezeichnung „islamistisch“ ist: „Das Stichwort ‚islamistisch‘ würde ich, auch wenn es allem Anschein nach zutrifft, trotzdem an dieser Stelle vermeiden wollen, weil ich immer wieder die Beobachtung mache, dass Menschen „islamistisch“ mit „zum Islam gehörig“ gleichsetzen. Und ein solches Missverständnis möchte ich dezidiert nicht befördern.“ So der Pfarrer.

Nun fehlt also der Hinweis auf den ideologischen Antrieb, und in wenigen Jahren weiß kaum einer mehr genau, was dort am Breitscheidplatz geschehen ist. Wir finden das Denkmal zur Erinnerung an den Amoklauf vom 22. Juli 2016 am Olympia Einkaufszentrum in München mit neun Toten sehr gelungen. So ein Denkmal hätten wir uns für Berlin gewünscht.

Über das Mahnmal hinaus: Was sollte, was könnte besser gemacht werden, was ist aus Eurer Sicht versäumt worden?

Stefan: Hierzu verweisen wir gerne auf den Offenen Brief vom 1. Dezember 2017, der zuerst auf Spiegel-Online veröffentlicht wurde. Den Brief haben Angehörige der zwölf Ermordeten der Bundeskanzlerin geschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wir bedanken uns für das Gespräch.

Das Spendenkonto: IBAN: DE45 1008 0000 0105 7868 00 – BIC:DRESDEFF100  – Stichwort: RAMI ELYAKIM.

* Das Interview erfolgte aus zeitlichen Gründen auf dem Schriftweg. Die Fragen stellte C.W. Holzapfel.

© 2017 Redaktion Hoheneck, Berlin – (1.327).

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