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Berlin; 19. Juli 2012/cw – Wir haben am Vortag des 20. Juli, der Erinnerung an das Hitler-Attentat von 1944, die Gelegenheit genutzt, im  Internet zu surfen und zum hier angesprochenen Thema „DEUTSCHLAND VERRECKE“ Beiträge zu suchen. Die Hoffnung, keine nennenswerten LINKS und Beiträge zu finden, wurde bitter enttäuscht. Gleich dutzendweise wurden wir fündig, dafür nur drei Beispiele:

1. http://www.youtube.com/watch?v=YcmXKCb8CN8

Deutschland verrecke – und dann ?

2. http://www.youtube.com/watch?v=8nBzrjswHHM

Slime – deutschland muss sterben

3. http://www.youtube.com/watch?v=x9jPSLaz5Vk

    Kaltwetterfront – Deutschland verrecke

Natürlich fanden wir auch Widerspruch. So schrieb ein Leser drelux am 24.11.2010 im Leserforum von ZEIT ONLINE unter der Überschrift:

„Deutschland verrecke!!!“

„Er ist nicht zu übersehen, der Schriftzug „Deutschland verrecke!!!“, wenn man in Berlin (wo sonst?) die S-Bahn an der Warschauer Straße verlässt und sich umsieht: Mit weißer Farbe auf die Dächer einer Häuserzeile gesprüht.

Die erste Reaktion des damit erstmalig konfrontierten Berlinbesuchers ist eine ungläubige Verwunderung über diese Parole, dann eine gewisse Hochachtung über die artistisch-handwerkliche Leistung des Sprayers, gefolgt von einer – zumindest bei mir – abgrundtiefen Verachtung für einen Menschen, der sich zu einer solchen Tat hinreißen lässt.

Wie tief muss der Hass gegen Deutschland sein, das Land, dem er wahrscheinlich Erziehung, Ausbildung und den Lebensunterhalt verdankt, in welcher Form auch immer. Darüber hinaus genießt er den Schutz durch unser Gesundheits- und Sozialsystem. Millionen von Menschen wären froh und dankbar, wenn sie diese Privilegien hätten, mache riskieren dafür, z.B. als Bootflüchtling, ihr Leben, um in diesen Genuss zu kommen. …

… Ein anderer Aspekt, der mich nachdenklich gemacht hat, ist der Umstand, dass weder die Presse, schon gar nicht die Weltpresse und auch nicht unsere Gutmenschen sich mit der Forderung „Deutschland verrecke!!!“ kritisch auseinandergesetzt haben. Dies wäre sicherlich ganz anders, wenn das Wort „Deutschland“ durch „Juda“ ersetzt würde. Ein Aufschrei der Empörung wäre gewiss, weltweit, deutschlandweit und hier genau von jenen Gutmenschen, die zu der im Titel genannten Parole nachhaltig geschwiegen haben. Erinnerungen an unselige Zeiten würden beschworen und nach dem Eingreifen der Justiz gerufen. Hier aber, wo es „nur“ um Deutschland geht, wird geschwiegen und „Toleranz“ geübt.

Traurig auch, dass die Polit-Darsteller im Berliner Senat bislang untätig geblieben sind oder in ihren Bemühungen erfolglos waren, diese Schmiererei zu beseitigen. Und damit meine ich nicht nur diejenigen in Regierungsverantwortung, sondern auch die CDU-Opposition, die sich offensichtlich an dieser, von moralisch und sittlich verkommenen Menschen formulierten Parole nicht sonderlich stört.

Die Bundesrepublik Deutschland ist das freieste Deutschland, das es je gab. Niemand hindert die, die für diesen Staat nur Hass empfinden, ihr Glück woanders zu versuchen. Damit blieben den zurückgebliebenen Menschen solche unsäglichen Parolen erspart.“

Siehe: http://community.zeit.de/user/drelux/beitrag/2010/11/24/%E2%80%9Edeutschland-verrecke%E2%80%9C

Es bedurfte dieses Nachweises nicht, um aufzuzeigen, dass das von Klaus Hoffmann und uns aufgegriffene Thema tatsächlich schon einige Jahre alt ist. Mindert das die Brisanz?

Wir sind neugierig, mit welcher Gründlichkeit die Staatsanwaltschaft unsere Anzeige bearbeiten wird. Denn auch das haben wir im Internet gefunden: Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes (BVG) vom 3.11.2000 (- 1 BvR 581/00 -). In dieser Entscheidung wird „Deutschland verrecke“ als „künstlerisches Werk“ bewertet, das nach dem GG, Art. 5 Abs. 3 Satz 1, der Kunstfreiheit unterliege (http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20001103_1bvr058100.html).

Nun ja, im weitesten Sinn könnte man also die Akrobatik, mit der auf einem Schrägdach in luftiger Höhe die verunglimpfende Parole DEUTSCHLAND VERRECKE  aufgebracht wird, als KUNST einstufen, man muß sich nur verbal genügend verrenken.

Wir haben einen anderen Vorschlag: Schafft Gedenktage, wie den 20. Juli ab. Wir fordern: HEUCHELEI VERRECKE!!! Das wäre ehrlicher als die verlogen wirkende Ausstreuung salbungsvoller Worte in teuren, staatlich organisierten  Gedenkstunden, vielleicht sogar mit dem Zitat Stauffenbergs: „Es lebe das heilige Deutschland!“

Schafft den 17. Juni mit der Erinnerung an den Volksaufstand von 1953 ab, denn die damalige Forderung nach „Einigkeit und Recht und Freiheit für das Deutsche Vaterland“ passt nicht in  die Realität des 21. Jahrhunderts mit seiner widerwärtigen  Duldung von Vernichtungsparolen gegen  das eigene Land. „Deutschland – Einig Vaterland?“ Nein, auch der 9. November gehört als Erinnerungstag an den Fall der Mauer, den Freiheits-Demos in  Leipzig und anderswo abgeschafft. Zumindest sollten wir ihn wieder  beschränken auf die Erinnerung an die berüchtigte „Reichskristallnacht“.

Allmählich fange ich an zu begreifen, warum wir den 3. Oktober zum Nationalen Gedenktag bestimmt haben: Dieses Gedenken nach Aktenlage erspart uns jedwede Heuchelei und lässt sich beliebig für jedermanns Volksbelustigung verwenden.

Und noch etwas beginne ich zu verstehen, wenn  ich auch fast fünfzig Jahre dafür gebraucht habe: Als ich 1964 Heinrich Albertz an eine „flammende Rede“ vier Wochen  zuvor in Plötzensee zum 20. Juli erinnert habe und deren Umsetzung forderte, antwortete mir der einstige Pfarrer und nunmehrige Bürgermeister von Berlin regelrecht verstört ob dieser naiven Forderung: „Aber Herr Holzapfel, an so einem Tag wird doch manches gesagt!“ Eben.

Carl-Wolfgang Holzapfel

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Vereinigung 17. Juni: Strafanzeige gegen Unbekannt

Berlin, 16.07.2012/cw – Sie haben richtig gelesen: Extremisten  haben die Dachpfannen zweier Wohnhäuser mitten in Berlin mit unerträglichen Parolen beschmiert. Wer die Warschauer Brücke passiert oder auch mit der S- oder Fernbahn durch den dortigen Bahnhof fährt, kann die Schrift überdeutlich lesen. Erstaunlich, dass sich dieser Schriftzug nach Auskunft von Bewohnern seit Jahren auf dem Dach befindet, ohne dass sich ein Politiker, ein ansonsten  kritisches Medium oder gar die Polizei darum  kümmert. Es scheint, als würden Extremisten  hin  und wieder durch den Rost der sonst gewidmeten Aufmerksamkeit und Empörung fallen.

Verwunderlich hingegen scheint das nicht. Denn real stehen nicht, wie provokativ getitelt, meterhohe rechtsextreme oder gar neo-nationalsozialistische Parolen über nahezu hundert Metern Dachziegel gezogen zur Diskussion, sondern eine eher in linksextremen Kreisen beliebte Parole: „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“ Und das scheint in der Tat wirklich Niemanden auf die Barrikaden echter Empörung zu treiben.

„Deutschland verrecke“

Revaler Str.11-13: Auf den Dächern extreme Parolen – Foto: LyrAg

Bis auf den Berliner Klaus Hoffmann, Jahrgang 1942, politischer Widerständler in der einstigen  DDR und eloquenter Fluchthelfer für viele mittels Mauer eingesperrte Bürger des „Ersten sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden“, als den sich die DDR gerne im Zusatz bezeichnete. Hoffmann, Mitglied der Vereinigung 17. Juni, entdeckte den Schriftzug unlängst bei einer Autofahrt über die Warschauer Brücke und war empört. Umgehend verfasste er einen „Offenen Brief an die Bürger Berlins“  und forderte diese auf, gegen diese strafwürdige Herabsetzung ihres Staates zu protestieren und deren schnellste Beseitigung zu verlangen. Ein entsprechendes Schreiben wurde heute an die Medien mit der Bitte um Veröffentlichung gesandt.

Anzeige gegen Unbekannt

Die Vereinigung 17. Juni teilt die Empörung ihres Mitgliedes und hat heute Anzeige „gegen Unbekannt“ wegen Verunglimpfung des Staates und ihrer Bürger erstattet (§ 90a StGB). Nach dieser Strafvorschrift wird derjenige zu einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft, der „die Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ihre verfassungsmäßige Ordnung beschimpft oder böswillig verächtlich macht“.

Als beschämend und „krachenden Skandal“ bezeichnet der Vereins-Vorstand in einer Stellungnahme die Tatsache, dass derartige Parolen unwidersprochen öffentlich und in meterhohen Buchstaben zur Schau gestellt werden, ohne entsprechende Reaktionen der Bürger und dafür zuständiger Stellen auszulösen.

Wilde Plakate auf der Warschauer     Brücke: Geistige Brandstifter? –        Foto: LyrAg

„Es lebe das heilige Deutschland“

Überdies müsse am Vorabend des Gedenkens an das Hitler-Attentat vom 20.Juli 1944 die Frage gestellt werden, ob die hehren Bekundungen aus diesem Anlass nur den Rang von Lippenbekenntnissen haben. Immerhin sei der Attentäter, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, mit dem Bekenntnis auf den Lippen gestorben: „Es lebe das heilige Deutschland!“ Im Gegensatz zu den Verzerrungen der Nachkriegszeit habe dieses Bekenntnis dem rückhaltlosen Einsatz für das Vaterland gegolten, selbst um den Preis des Verrates gegenüber einem Oberkommandierenden, der selbst den größten Verrat an seinem Land und Volk durch die Anhäufung unermesslicher Verbrechen zu verantworten  hatte. Das „heilige Deutschland“ bezog sich eben auf den selbstlosen Einsatz, der alle anderen persönlichen Egoismen hinter den Opfertod zur Rettung des Vaterlandes zurückstellte.

Die perfide Vereinnahmung der Deutschland-Hymne durch die Nationalsozialisten, die das Bekenntnis „Deutschland, Deutschland über Alles“ für ihre Weltmachtsallüren missbrauchten und so in den  bis heute andauernden Misskredit brachten, haben auch das Stauffenbergsche Bekenntnis „Es lebe das heilige Deutschland“ in den Minuten seines Todes durch die standrechtliche Erschießung im Bendler-Block (ehemaliges Oberkommando der Wehrmacht) in  ein bedauerliches und historisch nicht haltbares Zwielicht gebracht.

Beseitigung vor dem 20. Juli

Szene vor Ort: Zwei Sprayer im Juli 2012 an der Revaler Str. – Foto: LyrAg

 „Wir verkennen nicht,“ so der in Berlin ansässige Verein in seiner Stellungnahme, „dass die Wegfindung zu einer vorurteilsfreien Beurteilung dieser Bekenntnisse aufgrund historischer Geschehnisse ein schwieriger Prozess ist und offensichtlich seine Zeit braucht. Das darf aber die Verantwortlichen in unserem Staat und auch die Bürger nicht daran hindern, sich gegen Diffamierungen des Staates mit allen gebotenen Mitteln und mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein zur Wehr zu setzen.“

Die Vereinigung fordert, durch ein entsprechendes Vorgehen und die sofortige Einleitung von Beseitigungsmaßnahmen  vor dem 20. Juli ein deutliches Signal zu setzen. Eine solche Handlungsweise sei „richtungsweisender und bedeutender, als die ansonsten leer wirkende Ehrung durch einen Berg von Kränzen an den Gedenkstätten des Deutschen Widerstandes“. Diese würden durch ein Nichthandeln „zu einem puren Kranzabwurf degenerieren, der dem Andenken an den Nationalhelden Stauffenberg und seinen  Weggefährten diametral widersprechen  würde“, sagte der Vorstandssprecher heute in Berlin.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

In einem „Offenen Brief“ an Andrea Ypsilanti vom 29.02.2008 appelliert die Vereinigung 17.Juni 1953 an die SPD-Chefin von Hessen, eine Kooperation mit der Partei DIE LINKE abzulehnen, da diese wegen ihrer Nähe zu DDR-Tätern für demokratische Parteien „inakzeptabel“ sei.

Der Brief – der bislang unbeantwortet blieb (8.03.2008), hat folgenden Wortlaut:

Partei DIE LINKE – Wolfgang Borchert: „Sag NEIN!“

Sehr geehrte Frau Ypsilanti,

Sie stehen vor keiner leichten Wahl. Wenn die Chance, Ministerpräsidentin zu werden, vielleicht nur einmal im Leben auf der persönlichen Agenda steht: Wie sollte man da widerstehen? Zumal Unwahrhaftigkeiten, Schallmaien-Klänge, Propaganda-Geschrei und Gut-Meiner einander ablösen. Wie soll man da entscheiden?

Ich kann Ihre Schwierigkeiten verstehen, möchte nicht in den Chor der Vor-Verurteiler einstimmen. Denn Tatsache ist: DIE LINKE ist in demokratischen Wahlen in die Parlamente gelangt. Zur Erinnerung: Als junger Mensch habe nicht nur ich den Widerstand gegen die SED-Herrschaft auch damit begründet, dass die SED nicht in demokratischen Wahlen an die Macht gelangt war oder bestätigt wurde. Mein Einsatz für politisch Verfolgte führte schließlich zu einer Verurteilung zu acht Jahren Zuchthaus. Das war 1966 und ist lange her. Aber es gibt Dinge, die lange her sind und heute noch schmerzen, als wären sie gestern geschehen.

Es geht also in der Debatte, ob Sie – oder Andere – mit der fraglichen Partei koalieren könnten oder gar sollten, nicht um eine übliche, durch demokratische Wahlen legitimierte Option. Es geht nicht darum, ob es links der SPD – oder rechts der CSU – eine Partei geben darf. Natürlich darf es diese nach demokratischem Verständnis geben, alles andere wäre reiner Kampf um Macht-Kartelle, den berüchtigten Kampf um den – politischen – Suppentopf.

Es geht nach meiner Überzeugung bei der Beurteilung einzig und allein darum, das DIE LINKE in den eigenen Reihen Menschen duldet, die für Verbrechen der DDR, der SED, der STASI am laufenden Band Entschuldigungen produzieren oder gar – wie im Wahl-Programm der KPD – eine Wiederauferstehung dieser Diktatur (des Proletariats) das Wort reden. Von den vielen Belasteten in den Mandatsreihen zu schweigen, die als Zuträger eines tschekistischen Geheimdienstes ihrer vermeintlichen „Pflicht“ nachkamen und damit Biografien zerstörten.

Auf der anderen (politischen) Seite geht es auch nicht um die NPD an sich als Partei, die ebenso demokratisch legitimiert worden ist. Es geht schlicht und einfach darum, dass diese Partei offen Geschichtsrevisionismus (siehe DIE LINKE) betreibt, die Verbrechen Adolf Hitlers leugnet, Stauffenberg als Verbrecher bezeichnet (siehe auch STASI-Veteranen in Odense) und das Dritte Reich am liebsten wieder errichten möchte.

Es geht also darum, dass für Sie eine Partei zur Wahl steht, die k e i n e Wahl sein kann, solange sie den gemeinsamen Konsens a l l e r demokratischen Parteien weder teilt noch bereit ist, diesen zu akzeptieren. Wer Verbrechen (der Vergangenheit) toleriert oder verteidigt, wer nicht die Kraft hat, seine eigenen Reihen auf die Grundwerte unseres aus Trümmern eines furchtbaren Krieges und einer holocaustschen Tyrannei gewachsenen Staates zu verpflichten, wer Mitglieder und Mandatsträger duldet (Kommunistische Plattform, KPD), die in einer (glücklich überwundenen) Diktatur mit unzähligen Toten und zerbrochenen Existenzen einen kuscheligen und sozialen Staat sehen, der kann nicht als stiller oder offener Partner einer Partei akzeptabel sein, die auf den Traditionen der Freiheit gewachsen ist und steht, wie die SPD.

Der junge Dichter Wolfgang Borchert, der einst an der Wirklichkeit zerbrach und sich dieser durch den Freitod entzog, schrieb einst zum Thema Moral und Ethik („Dann gibt es nur eins!“):

„Du. Mann an der Maschine und Mann an der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins:

Sag NEIN!“

Sicher hat Borchert einen anderen Zustand, eine andere Zeit markiert. Aber ist deswegen sein Appell weniger bedenkenswert? Sind nicht diese eindringlichen Worte eines Dichters und Denkers in ihrer Grundsätzlichkeit über die Zeit gültig? Wenn sie dir morgen befehlen, die Macht zu produzieren …?

Im Namen der unzähligen Opfer einer unbarmherzigen tschekistischen Diktatur, der zweiten Diktatur in Deutschland im 20. Jahrhundert, appelliere ich an Sie: Sagen Sie deutlich und unmissverständlich NEIN zu einer wie immer gearteten Zusammenarbeit mit einer Partei, die in ihrer ideologischen Zusammensetzung und organisierten Struktur noch weit von einem Bekenntnis zu den Grundwerten der Freiheit und damit unseres Staates entfernt ist. Denn auch das kann eine ehrenwerte Aufgabe sein: Die Kräfte in der Partei DIE LINKE zu unterstützen, die eine Trennung von dieser Vergangenheit anstreben. Ein Bündnis zur Unzeit fördert die Apologeten von gestern, konterkariert positive Ansätze von heute.

Für die Union stand eine Koalition mit der NPD oder DVU aus den genannten Gründen Gott sei Dank nie zur Diskussion. Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr. Verzichten Sie auf die verlockende (zeitweilige) Macht, beenden Sie die leidvolle Diskussion um eine mögliche Toleranz durch eine intolerante Partei. Seien Sie sich in Ihrer Entscheidung auch der Verpflichtung gegenüber den Opfern bewusst, die auch Ihre Partei einst im Kampf gegen beide Diktaturen in unserem Land erbracht hat.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Carl-Wolfgang Holzapfel

P.S.: Zur Information füge ich Ihnen eine Kurz-Biografie einer einst politisch Verfolgten aus der ehemaligen DDR bei, die stellvertretend für die Leiden der SED-Opfer steht.

* Diesen Brief werde ich gegen Ende der Woche den Opferverbänden der SED-Diktatur (und damit der Öffentlichkeit) zur Kenntnis geben.

Skandalöse Äußerungen ehemaliger DDR-Stasi-Offiziere

ash – Empörung riefen in der Widerstandsszene Äußerungen ehemaliger Offiziere der DDR-Staatssicherheit über die Erschießung von Graf Schenk von Stauffenberg am Abend des 20.Juli 1944 durch die Nationalsozialisten hervor. Die dänische Universität Odense hatte am vergangenen Wochenende zu einer Tagung zur Aufarbeitung der Geheimdienstarbeit im Kalten Krieg eingeladen. Die ursprünglich in Berlin ausgerechnet am Jahrestag des Volksaufstandes vom 17.Juni 1953 geplante Veranstaltung, zu der zahlreiche ehemalige Stasi-Offiziere offiziell eingeladen wurden, war am Protest und Widerstand von Opferorganisationen der SED-Diktatur gescheitert.

Als Jürgen Strahl auf der Tagung das Wort ergreift „kommt Stimmung auf,“ so die Berliner Zeitung vom 19.11.2007 in ihrem Bericht. Strahl, ein ehemaliger sogen. West-Agent, der es später zum Hauptmann im Ministerium für Staatssicherheit brachte, beantwortete eine Frage aus dem Publikum nach der Rechtfertigung der Hinrichtung von Werner Teske, einem West-Spion. Ohne zu zögern meinte der heutige Rechtsanwalt: „Seit Stauffenberg wissen wir: Verräter erschießen sich selbst oder werden erschossen.“

Eigentlich hätte man an diesem Punkt zumindest ein Murren oder sogar lauten Protest aus den Reihen der „Kundschafter des Friedens“, als die sich die Stasi-Agenten und ihre Führer gerne selbst verstanden, erwartet. War doch das Ministerium für Staatssicherheit ausgewiesen als „Schild und Schwert der Partei (SED)“, die sich ihrerseits als antifaschistische Speerspitze gegen die „Bonner Ultras und Neo-Nazis“ verstand.

Doch war dieser Antifaschismus offensichtlich mehr Schein als Sein, denn die Worte ihres Genossen Hauptmann wurden mehrheitlich ostentativ begrüßt. „Draußen vor dem Saal,“ so die Berliner Zeitung, gratulierten „ihm seine Genossen zu diesem historischen Vergleich“ und riefen: „Gut gemacht, dass musste ja mal einer sagen.“

Veteranen des Volksaufstandes vom 17.Juni 1953 sind über diese „skandalösen Äußerungen“ ehemaliger Stasi-Offiziere ebenso empört wie andere Opfer des SED-Staates. „Hier haben verantwortliche Träger des einstigen Unrechts-Staates dreist und frech ihre bisher aufgesetzte Maske des Antifaschismus fallen lassen und Nazi-Unrecht unverblümt mit ihren eigenen Unrechts-Handlungen gleichgesetzt!“ stellt Carl-Wolfgang Holzapfel (63), Vorsitzender der Vereinigung, in einer Erklärung fest. Wer jetzt noch behaupte, „SED-Unrecht sei mit dem Unrecht der Nazi-Diktatur nicht vergleichbar“ und dies auch noch mit der „angeblichen Anti-Nazi-Einstellung der DDR“ begründe, stelle sich nachhaltig ins politische Abseits.

Tatjana Sterneberg, stellvertretende Vorsitzende des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen (Hoheneck war ein berüchtigtes Frauen-Zuchthaus in der DDR), formuliert noch drastischer: „Wenn Justiz und Politik weiterhin das SED-Unrecht verharmlosen und den Tätern permanent Diffamierungs-Rechte gegenüber den SED-Opfern einräumen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Täter von Gestern immer dreister ihr Haupt erheben!“ So habe erst vor wenigen Tagen die Staatsanwaltschaft Berlin die Leugnung von Verbrechen im ehemaligen Stasi-Gefängnis von Hohenschönhausen als „Meinungsfreiheit“ tituliert und eine entsprechende Anzeige von betroffenen SED-Opfern abgewiesen. Die Politik hingegen sei noch immer nicht bereit, den § 130 des StGB auf die Leugnung kommunistischer Verbrechen auszudehnen. So könne die Justiz weiterhin verbreiten, der § 130 beziehe sich „ausschließlich auf die Leugnung nationalsozialistischer Verbrechen.“

Der jetzige Affront gegen Stauffenberg und den Widerstand gegen Hitler setze den bisherigen Angriffen gegen den Rechtsstaat und den Diffamierungen gegen Opfer der DDR-Diktatur „die Krone auf,“ so die Vereinigung 17.Juni in ihrer Erklärung. Während es „von links bis hin in konservative Kreise Konsens sei, dass der Einsatz Stauffenbergs und seiner Mitstreiter ehrenvoll für Deutschland gewesen sei“ würden sich nun Stasi-Offiziere „in eine Front mit neonazistischen Kreisen stellen. In deren Augen war und bleibt Stauffenberg ein Verräter!“ so Holzapfel. Er fordere nicht nur von der Fraktion der LINKEN, sondern erwarte von allen Fraktionen im Deutschen Bundestag ein einhelliges Urteil über diese unseligen und provokanten Äußerungen in Odense sowie eine „klare und unmissverständliche gesetzliche Regelung, die eine derartige Verhöhnung von Ethik und Moral ausschließt“ und eine längst überfällige gesetzliche Gleichstellung der Leugnung von Verbrechen „der braunen und der roten Diktaturen“ verabschiedet wird.

19./20.11.2007 / akbü sternholz

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