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von Bernd Stichler*

Berlin, 8.01.2018/cw – Im Jahre 2018 werden vermutlich zwei besondere Erinnerungen wach: Das Entstehen der 68er-Bewegung in Deutschland, die im Terror endete und die brutale Niederschlagung der tschechoslowakischen Reformbewegung durch sowjetische Panzer vor 50 Jahren.

Bei beiden Ereignissen war die Demokratie das Angriffsziel linksradikaler, linksfaschistischer und kommunistischer Kräfte. Während der Entstehung der linken Terrorbewegung in Deutschland keinerlei nachvollziehbare politische Gründe als Auslöser zugeordnet werden konnten und können (Der Mord an Benno Ohnesorg durch einen Stasi-IM und Polizisten war nicht Anlass sondern willkommene Möglichkeit, den „Widerstand“ gegen das verhasste West-System zu begründen.) sah es im Ostblock anders aus. Die Kommunisten in Moskau und Ostberlin hatten die Volksaufstände von 1953 in der DDR und 1956 in Polen (Posen) und Ungarn keinesfalls als erledigt betrachtet. Die Furcht vor Volkserhebungen war bei den Kommunisten in den Ostblockstaaten bis 1990 allgegenwärtig. Aus dieser Furcht heraus wurde jede noch so kleine Lockerungsbestrebung sogleich gewaltsam im Keim erstickt.

In der Tschechoslowakei des Jahre 1968 wollten die Menschen um den Reformer Alexander Dubcek keinen Volksaufstand und auch keinen Umsturz vom Zaune brechen, sondern lediglich dem realen Sozialismus etwas mehr Menschlichkeit verleihen. Aber bereits ein solcher Gedanke war für Moskau existenzbedrohend, weil man durch solche Bestrebungen, wenn sie denn von den Sowjets geduldet würden, eine Kettenreaktion in den übrigen Ostblockstaaten fürchtete und somit auch einen Verlust der absoluten sowjetischen Macht. Das durfte auf keinen Fall passieren. Würde doch die Duldung solcher Bestrebungen den Westmächten aus Sicht des Kreml offenbaren, dass auch die sowjetische Diktatur Schwachstellen aufzuweisen hatte. Die Machthaber in Moskau wussten ganz genau , dass im Ernstfall auf die Bevölkerung ihrer Satellitenstaaten kein Verlass war. Von daher wurde 1953 in der DDR, 1956 in Polen und Ungarn und auch 1968 in der Tschechoslowakei sofort mit Waffengewalt und verschärfter Unterdrückung reagiert. Das zarte Pflänzchen der Freiheit, aus dem sich zum Schrecken Moskaus vielleicht eine Demokratie entwickeln könnte, wurde in gewohnter Manier von sowjetischen Panzerketten zermalmt. Das war 1968 das herausragende Ereignis im Ostblock.

In der Bundesrepublik gab es 1968 keine grundsätzlichen existenziellen Probleme. Es ging spürbar aufwärts, die Menschen waren zufrieden und genossen das Leben in einer wirklichen Demokratie. Aber es gab auch Genossen , die genossen das friedliche Leben in der Demokratie bewusst nicht mit, weil es ihnen inzwischen offenbar zu langweilig geworden war. Sie hatten keine materiellen und kulturellen, höchstens politische Probleme, die ihren Ursprung in ideologischen Phantastereien hatten, die z.B. in Chinas Mao den Heilsbringer und in Vietnams Ho-Chi-Minh den Freiheitshelden der Menschheit sahen. Und weil sie keine wirklichen Probleme hatten, erfanden sie welche. Es wurde ein Popanz geschaffen, den man als junger, verwöhnter und unreifer Weltverbesserer unbedingt unschädlich machen musste. Dieser Popanz war die bis dato reibungslos funktionierende demokratische Ordnung, die zu diesem Zweck von diesen angeblichen Weltverbesserern in „Schweinesystem“ umbenannt wurde.

In der Bundesrepublik ging ab 1968 der Terror also keinesfalls von einer Besatzungsmacht aus, auch nicht von einer unterdrückten Bevölkerung, sondern von einer Horde gelangweilter „Wohlstandsidioten“. Dieser linken Terrorbewegung lag keinerlei politische Notwendigkeit zugrunde, es war eine Erscheinungsform wohlstands-bedingter Dekadenz. Im Jahre 1968 entstand aus den Phantasien einer wohlstands-gelangweilten studentischen Politclique eine verbrecherische Bewegung, die sich radikalisierte und zur Mord- und Terrorbewegung steigerte. Diese Gewaltverbrecher drückten dem Jahr 1968 ihren Gründungs-Stempel auf.

Bei beiden verhängnisvollen Geschehnissen in der Tschechoslowakei und in der Bundesrepublik Deutschland, zu der nach eigenem Selbstverständnis auch Berlin gehörte, spielte der Buchstabe D die entscheidende Rolle. In der Tschechoslowakei stand der Buchstabe D für Fortschritt und Demokratie, in der Bundesrepublik stand der Buchstabe D für Terror, Gewalt und Mord. Das gute „D“ für Dubcek, das böse „D“ für Dutschke & Co.

* Der Autor war ehemaliger politischer Häftling in der DDR und bis 2006 Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) in Berlin.

© 2017 Bernd Stichler, c/o Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.339).

 

 

Köln/München/Berlin, 18.03.2014/cw – Das Interview mit Verlegerin Brigitte Fleissner-Mikorey und Buchautorin Ellen Thiemann im Hohenecker Bote löste ein breites Echo aus. Die Autorin des mit einem Rechtsstreit belasteten  letzten  Buches „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ und die Redaktion  erreichten aus allen Teilen Deutschlands teils empörte Kommentare. Wir geben hier einen kleinen Ausschnitt zur Kenntnis:

Frau K., Bottrop: „Was für ein unglaublicher Affront! Ich bin erschüttert und vermute intensive Beeinflussung durch alte Seilschaften, die sich mit „Gehirnwäschen“ bestens auskennen. Ich wünsche dem neuen Buch baldiges Erscheinen, drücke alle Daumen und wünsche weiterhin viel Kraft…“

Familie S., München: „Entweder ist diese Person nicht ganz dicht im Kopf oder die ganze Geschichte wurde von Stasi-Leuten organisiert!“

Herr K., Starnberger See: „In dieser Situation so ein erstaunlich maßvolles und zurückhaltendes Interview zu geben, bewundere ich.“

Frau S., Leverkusen: „Es ist ein Hammer! Liebe Frau Thiemann, ich wünsche Ihnen viel Kraft, dass Sie über diesen Widrigkeiten den Mut nicht verlieren, Aufklärung vorantreiben – insbesondere für die jungen Menschen, die nichts davon kennengelernt haben.“

Herr Dr. H., Bochum: „Sie sehen mich sprachlos. Ich verstehe die Welt nicht mehr und dieses Gericht.“

Herr G., Darmstadt: „Du musst ja inzwischen Nerven wie Stahlseile haben. Ich habe solche Kämpfe längst aufgegeben und mich damit abgefunden, dass wir längst in der „gesamtdeutschen DDR“ leben (müssen). Alle guten Wünsche und viel Kraft für Deinen unermüdlichen Kampf.“

Herr S., Berlin: „Das muss man erst einmal alles verdauen. Diese Frau ist ja das pure Gift. Da schreiben Sie und recherchieren und opfern wertvolle Zeit und zum Schluss landen Sie noch vor Gericht. Es ist alles so unfassbar für mich.“

Herr F., Köln: „Ich komme nicht umhin festzustellen, dass sich das Ganze wie eine Zersetzungsmaßnahme der Stasi liest, die sich da abgespielt hat.“

Herr Alexander G., Schwalmstadt: „Für den Abdruck des Exklusiv-Interviews mit der Verlegerin Fleissner-Mikorey und der Autorin Ellen Thiemann … gebührt Ihnen Dank! … Erfreulich ist dabei, dass der nicht ganz einfache Sachverhalt luzid zur Darstellung kommt. Sowohl die Verlagsvertreterin als auch … Frau Thiemann konnten ihre Positionen nachvollziehbar entwickeln…“

Wir bitten  um Verständnis, das wir Spekulationen um  mögliche Hintergründe oder Motive an dieser Stelle aus nachvollziehbaren Gründen en Detail nicht veröffentlichen. Allgemein lässt sich aber konstatieren, dass immer wieder Vermutungen über einen Zusammenhang zwischen der Namensgleichheit zwischen der Klägerin und der einstigen Geliebten des Ex-Mannes von Thiemann geäußert werden. Die Autorin hatte in  ihrem Buch „Der Feind an meiner Seite“ (2005) über die IM-Tätigkeit  des einstigen  DDR-Sportjournalisten  berichtet.

Viele Zuschriften beinhalten die Befürchtung, dass Ellen Thiemann durch „diesen Prozessbetrug ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit aufgeben“ könnte. Auch wird Kritik an der Abhängigkeit von finanziellen Mitteln geübt, die darüber entscheiden, ob ein Recht mit den Mitteln der Berufung erstritten werden kann oder zwangsläufig verzichtet werden muß und „damit derartigen undurchsichtigen Winkelzügen Tor und Tür“ geöffnet wird, heißt es in einer der Zuschriften. Besonders auffällig sei hier die Abhängigkeit von Opfern der zweiten Diktatur, die „häufig an der vielfach durch ihre Verfolgung ausgelösten mangelhaften finanziellen Basis scheiterten, ihre Rechte und Interessen vertreten zu können.“

V.i.S.d.P.:Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 30.10.2012/cw – Während die BStU ihrem Mitarbeiter Helmut Müller-Enbergs den Rechtsschutz verweigert, weil die Behörde bereits einen  Prozess wegen  der Benennung einstiger Stasi-IMs, hier eines beschuldigten  Ehepaares, verloren und darum eine Unterlassung unterzeichnet hat, bekommt der Stasi-Forscher und Professor h.c. indirekte Unterstützung auf unterschiedlichen Ebenen.

So veröffentlichte die FAZ am vergangenen Sonntag die Klar-Namen der auch von Müller-Enbergs angeführten Eheleute und IMs „Bob“ und „Petra“ ohne jede Verschleierung oder Kürzung der in der SPD wohlbekannten Namen („Stasi-Agenten bei der SPD –   Für Verdienste um Volk und Vaterland“, FAZ 28.10.2012).

Heute veröffentlichte u.a. SPIEGEL-Online ein BGH-Urteil (Az.: VI ZR 4/129), nachdem die im Springer-Verlag erscheinende Tageszeitung DIE WELT den Namen eines ehemaligen  Stasi-Offiziers aus einem Artikel in ihrem ONLINE-Angebot nicht tilgen muß. Der Kläger war „Offizier im besonderen Einsatz“ und hatte dennoch  vor einem Landgericht eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, nach der er „niemals Angestellter oder sonst wie hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit“ gewesen sei. Ein Verfahren  wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Versicherung war nach Zahlung eines Geldbetrages eingestellt worden.

Der BGH urteilte über die weitere Zulassung des zuvor veröffentlichten Online-Textes, der weiter abrufbar sei und den heutigen Finanzdirektor der Gazprom Germania GmbH. namentlich nennt, aber laut BGH nicht gegen dessen allgemeines Persönlichkeitsrecht verstoße. Durch die Einstellung des Strafverfahrens habe die Meldung ihre Aktualität nicht verloren, begründete der BGH seine Entscheidung und betonte ein „gewichtiges Interesse“ der Öffentlichkeit daran, sich durch eine aktive Suche nach der Meldung über die darin dargestellten Vorgänge und Zusammenhänge zu informieren.

IM „Bob“ und „Petra“ hingegen haben  erneut gegen die Benennung ihrer Klarnamen geklagt, diesmal gegen den BStU-Forscher Müller-Enbergs, der in seinen Berichten Ross und Reiter, also auch das klagefreudige Ehepaar mit vollem Namen angeführt hatte. Auch das einst in der Bonner SPD-Parteizentrale beschäftigte Ehepaar hatte eine Mitarbeit für das MfS bestritten; ein  entsprechendes Verfahren war seinerzeit wegen der drohenden Verjährung gegen die Zahlung von insgesamt 15.000 Euro eingestellt worden.

Kritisch hinterfragte die FAZ die Unterlassungs-Entscheidung der BStU: „Ist das notwendiger Pragmatismus? Oder knickt hier eine Institution in einer Frage ein, die für ihre Tätigkeit von grundlegender Bedeutung ist?

Darf Müller-Enbergs nun mit vorsichtigem Optimismus der in das Frühjahr 2013 verlegten Gerichtsverhandlung entgegensehen oder verklagt nunmehr das Ehepaar Deuling die renommierte FAZ wegen der Klarnamen-Veröffentlichung in der Sonntagsausgabe vom vergangenen Sonntag? Gleichviel, das OLG Hamburg hat mit dem jetzt veröffentlichten Urteil des BGH eine weitere juristische Nuss zu knacken. Das die unzähligen Opfer der Stasi mental dem BStU-Professor zur Seite stehen und eine juristische Kehrtwende in der Beurteilung von Namhaftmachungen einstiger Täter erhoffen, dürfte dabei Außerfrage stehen.

V.i.S.d.P.: C.W. Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

Quellen:

http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/stasi-agenten-bei-der-spd-fuer-verdienste-um-volk-und-vaterland-11940566.html

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/bgh-welt-de-darf-den-namen-eines-ehemaligen-stasi-offiziers-nennen-a-864335.html

Siehe auch unseren Bericht auf dieser Seite: „Warum verweigert die BStU einem Mitarbeiter Rechtsschutz gegen DDR-Spione? – SED-Opfer zeigen sich irritiert“ vom 21.10.2012

 

 

Wenn die Vergangenheit zur Gegenwart wird

20.10.2008/cw/ts – „Naturheilpraxis“ stand gut lesbar auf dem Wohnzimmerfenster im Erdgeschoss einer unauffälligen Miet-Reihenhaus-Anlage an einer kleinen Straße in Chemnitz. Und darunter „Diplom-Psychologe“. Nichts besonderes, denkt sich der mehr oder wenig eilig vorbei laufende Passant, falls er überhaupt von der Fenster-Reklame Notiz nimmt.

Tatjana Sterneberg hingegen liest die Schrift mit gemischten Gefühlen. Sie weiß um das Geheimnis hinter den Fenstern. Zögernd drückt sie den Klingelknopf, öffnet die Haustür und steht nun der Frau gegenüber, der sie vor 30 Jahren erstmals begegnet war.

Das war im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg, nur wenige Kilometer von Chemnitz entfernt. Die heutige Praxis-Betreiberin war seinerzeit, 1975, nach ihrem Studium der Psychologie in die Strafanstalt gekommen, um die dort einsitzenden Frauen zu betreuen.

Heute weiß Tatjana Sterneberg, dass sich Gisela Glück, so hieß die Psychologin vor ihrer Heirat, ebenfalls freiwillig der Stasi als IM zur Verfügung stellte. Wie der seinerzeitige Leiter des medizinischen Dienstes, MUDr. Peter Janata, berichtete sie Erkenntnisse, die sie im Rahmen der Betreuungsarbeit über die verurteilten Frauen erfuhr, willfährig und freiwillig der Stasi.

Sterneberg, die sich der Aufklärung von Schicksalen aus dieser Zeit und den Verstrickungen der Akteure in die Dienste der Stasi verschrieben hat, möchte Gisela Glück zur Rede stellen, sie fragen, was sie bewegt hat, gegen ihr berufliches Ethos Patienten-Daten zu verraten.

Als sich die Praxistür öffnet, steht eine unscheinbare kleine Frau im Flur. Tatjana Sterneberg stellt ihre zwei Begleiter vor, erklärt ihr Anliegen, bittet um einen Gesprächstermin. Gisela Glück ist offensichtlich überrascht, gibt spontan zu, in Hoheneck beschäftigt gewesen zu sein. Sie holt einen Kalender herbei, blättert unschlüssig in den Seiten und nennt dann einen Termin ziemlich weit in der Zukunft. Erst nach einigem Hin und her und beruhigenden Worten, dass das Gespräch maximal eineinhalb Stunden (wenn überhaupt) dauern würde, nennt Gisela Glück den Mittwoch, also zwei Tage später.

Kurz nach 16.00 Uhr, am Mittwoch, steht die Gruppe, Tatjana Sterneberg und ihre Begleiter, wieder vor der Tür. Diesmal wirkt Gisela Glück gefasst, bemüht sich zumindest, Selbstsicherheit auszustrahlen. Sie erklärt, erst einmal mit „Frau Sterneberg“ alleine reden zu wollen und verschwindet mit ihr in der Praxis. Die Begleiter bleiben draußen vor der Tür.

Nach etwa 15 Minuten steht Tatjana Sterneberg wieder in der Tür, hinter ihr Gisela Glück. Sterneberg wiederholt ruhig, wenn auch mit leicht bebender Stimme das, was ihr Glück gesagt hatte. Gisela Glück habe ihr erklärt, für ein Gespräch nicht zur Verfügung zu stehen, da in solchen Fällen nur Dreck verbreitet werde. Sie hätte da ihre eigenen Erfahrungen und würde nur noch für Gespräche zur Verfügung stehen, wenn das Ergebnis vorher in ihrem Sinne feststände. Sterneberg habe dann spontan die Verpflichtungserklärung als Stasi-IM hervorgeholt und Glück gefragt, ob sie diese Erklärung geschrieben habe und für die Stasi tätig gewesen sei. Gisela Glück habe dies ohne Zögern bejaht, aber jedes weitere Gespräch erneut abgelehnt.

Die Begleiter nutzen die Möglichkeit, fragen bei Glück nach, ob das so richtig sei und ob sie nicht doch die Chance nutzen wolle, über diese Zeit zu sprechen. Gisela Glück bestätigt, dass Frau Sterneberg alles richtig wiedergeben habe, sie aber nach wie vor nicht zu weiteren Gesprächen bereit sei.

Stasi-IM? JA. Aufarbeitung? Fehlanzeige.

Die ehemalige Insassin von Hoheneck, seinerzeit wegen der Liebe zu einem Italiener zu fast vier Jahren Zuchthaus verurteilt, braucht einige Zeit, um die Erinnerungen zurückzudrängen. Aber Tatjana Sterneberg weiß auch, dass in diesen Minuten nicht nur für sie die Vergangenheit zur Gegenwart wird, sie eingeholt hat. Und sie hofft, dass die Diplom-Psychologin hinter der Fassade einer Naturheil-Praxis beginnt nachzudenken. Über die Schicksale unzähliger Frauen, die aus politischen Gründen mit Verbrechern und Mörderinnen eingesperrt waren. Und die sie verraten hat. An eine verbrecherische Institution, die sich als Schild und Schwert der Partei verstand und der im Namen einer eigenen politischen Wahrheit jedes Verbrechen recht war, um vorgebliche Feinde zu bekämpfen und zu vernichten.

Wenn Tatjana Sterneberg nicht von dieser Hoffnung getragen werden würde, würde sie in einem solchen Moment zusammenbrechen. So wischt sie sich verstohlen eine Träne aus dem Auge und fragt tapfer: „Gehen wir einen Latte Macciato trinken?“

© 2010 Alle Rechte: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin. Tel.: 030/30207785 holzapfellyrag@aol.com

© Foto bei: Peter Ullmann, Ehrenfriedersdorf, Tel.: 0373413585 (bitte ggf. anfordern)

-Foto 1 zeigt Tatjana Sterneberg mit Gisela Glück in Chemnitz-

-Foto 2 zeigt das beschriebene Fenster „Naturheilpraxis“-

Weitere Fotos auf Anfrage

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel, Vereinigung 17.Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785

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