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Berlin, 23.05.2016/cw – Am 18. Mai 1944 begann die gewaltsame Umsiedlung der Krim-tataren durch Stalin. Innerhalb von zwei Tagen wurden etwa 189.000 Krimtataren unter fürchterlichen Bedingungen in den asiatischen Teil der Sowjetunion deportiert. Die Schätzungen über die verursachten Todesopfer durch Krankheiten, Verdursten oder Verhungern werden auf über 45% geschätzt.

Ca. 60 Gäste sahen die beeindruckende Dokumentation über die Deportation vor 72 Jahren - Foto.LyrAg

Ca. 60 Gäste sahen in der Ukrainischen Botschaft die beeindruckende Dokumentation über die Deportation vor 72 Jahren – Foto.LyrAg

Gedenken an die Deportation

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit gedachten letzte Woche (18. Mai) vor dem Brandenburger Tor in Berlin Exil-Tataren, unter diesen Kinder und Enkel der einst Deportierten, Ukrainer und Menschenrechtler (Gesellschaft für bedrohte Völker) des Verbrechens an ethnischen Minderheiten durch den sowjetischen Diktator. Bevor sie am historischen Ort mit Kerzen in Umrissen die Krim darstellten, inmitten die Zahl 1944, hatten sich die ca. 60 Demonstranten als Gäste in der Ukrainischen Botschaft eingefunden, um sich mittels Vorträgen und einem Film, der die Deportation im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges dokumentierte, über das damalige Geschehen zu informieren.

Mit Beginn des stalinistischen Terrors ab 1927 wurden bereits kulturelle Einrichtungen der Krimtataren verboten. An die Stelle der traditionellen arabischen Schreibweise wurde das Krimtatarische durch die kyrillische Schreibweise ersetzt. Die erste Ausgabe der Großen Sowjetischen Enzyklopädie verzeichnete 1936 unter der „Bevölkerung der Krim“ 43,5% Russen, 10% Ukrainer, 7,4% Juden, 5,7% Deutsche und 23,1% Tataren, was 202.000 der Gesamtbevölkerung von 875.100 auf der Krim entsprach.

Vor dem Brandenburger Tor Erinnerung an den Terror Stalins - Foto: LyrAg

Vor dem Brandenburger Tor Erinnerung an den Terror Stalins – Foto: LyrAg

Der zunächst freundliche Empfang der deutschen Besatzungstruppen. durch die Krimtataren war wohl diesen Unterdrückungsmaßnahmen durch Stalin zuzurechnen. Auf ca. 20.000 werden die Tataren geschätzt, die sich der deutschen Wehrmacht zur Verfügung stellten, was der doppelten Anzahl der zur Roten Armee eingezogene Krimtataren entsprach. Diese mit den deutschen kämpfenden Einheiten wurden vorwiegend in der Partisanenbekämpfung eingesetzt. Erst durch die Brutalität der Besatzungsmacht änderte sich die Haltung. An der sowjetischen Partisanenbewegung waren auch Krimtataren beteiligt. Allein acht Krimtataren wurden mit dem Titel „Held der Sowjetunion“ ausgezeichnet.

Freispruch vom „kollektiven Verrat“

Nachdem die Wehrmacht am 9. April 1944 Odessa verloren hatte, gelang der Roten Armee bis zum 12. Mai die vollständige Rückeroberung der bis in die heutigen Tage zwischen Russland und der Ukraine umstrittenen seinerzeit zur Sowjetunion gehörenden Halbinsel. In der Folge begannen die bereits zitierten Deportationen, die lange Zeit auch im Westen eher als eine „berechtigte Reaktion“ Stalins auf die Kollaboration der Krimtataren gewertet wurde. Erst 1967 wurden die Krimtataren vom Obersten Sowjet per Dekret vom Vorwurf „des kollektiven Verrats“ freigesprochen.

Berührender Patriotismus: Eine Urenkelin der Krimtataren am Brandenburger Tor - Foto: LyrAg

Berührender Patriotismus: Eine Urenkelin der Krimtataren am Brandenburger Tor – Foto: LyrAg

In dem fraglichen Zeitraum wurden durch Stalin mehrere Völker aus den südlichen Regionen in den asiatischen Teil der Sowjetunion deportiert, weil diese den Zweiten Weltkrieg zur Durchsetzung ihrer Unabhängigkeitsbestrebungen nutzen wollten. Die bis dahin weithin autonomen Republiken der Kalmücken, Tschetschenen und Inguschen wurden ebenso aufgelöst wie die „Autonome Sowjetrepublik Krim“.

Erst am 19. Februar 1954 wurde unter Nikita Chruschtschow durch Beschluss des Obersten Sowjets die Krim per 26. April d.J. an die „Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik zurück übertragen. Die Krimtataren setzten sich verstärkt ab etwa 1960 für die Rückkehr in ihre Heimat und die Wiedererrichtung ihrer Republik ein. Unter den politischen Häftlingen der 1970er Jahre waren sie daher weit überproportional vertreten. Erst 1989 durften sie unter Gorbatschow wieder auf die Krim, wenn auch nicht in ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete zurückkehren. Sie stießen dabei allerdings auf die Gegnerschaft der dort inzwischen heimischen Bevölkerung.

Bis in die beginnende Nacht harrten zahlreiche Demonstranten aus - Foto: LyrAg

Bis in die beginnende Nacht harrten zahlreiche Demonstranten aus – Foto: LyrAg

Rat der Krimtataren

Seit Ende der 1980er-Jahre sind etwa 266.000 Tataren aus der Deportation zurückgekehrt, 1992 wurde Krimtatarisch zur dritten regionalen offiziellen Sprache der Halbinsel erklärt (heute ca. 12% der Bevölkerung). Inzwischen haben die Krimtataren zwar ihre politische, nicht jedoch die rechtliche Anerkennung erreicht. Im Zuge des Zerfalls der einstigen Sowjetunion erklärten am 25. September 1991 die Ukraine und Weißrussland ihre Unabhängigkeit. Die Krim wurde in der föderativen Struktur der Ukraine zur „Autonomen Republik Krim“. Der im Juni 1991 organisierte Rat der Krimtataren sieht sich seither als nationale Vertretung. Ihre vorrangigen Ziele sind eine angemessene Vertretung in den Behörden sowie die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage.

Seit dem Anschluss der Krim an die Russländische Födreation im Frühjahr 2014 leben die Krimtataren derzeit wieder unter russischer Herrschaft (1.120).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Aus Anlass des 70. Jahrestages des Überfalles auf die damalige Sowejetunion geben wir stellvertretend einen Artikel aus der Ukraine wieder, den wir im Internet gefunden haben.                                                                                                                                                                                    Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.

22.06.2011 – Vor genau 70 Jahren überfielen deutsche Nazi-Truppen und deren Verbündete die Sowjetunion, wobei die Ukraine mehrmals Schlachfeld zwischen beiden Weltmächten war.

Die Ukraine, der durch den Zweiten Weltkrieges ungeheures Leid widerfuhr, gedenkt am heutigen Mittwoch ihrer sowie aller anderen Opfer des II. Weltkrieges. Gläubige verschiedener Glaubensrichtungen, und zwar Orthodoxe, Katholiken, griechisch-katholische Gläubige, Muslime, Anhänger des Judaismus, Angehörige der Armenischen Apostelkirche sowie Vertreter einiger Evangelistengemeinden nahmen am ökumenischen Gebet für die Kriegsopfer teil, das am Michaelplatz unweit der St. Michaelskathedrale in Kiew am heutigen Mittwochmorgen stattfand. Geistige Hirten der Ukraine, die sich am Platz versammelten, warnten vor politischem Fanatismus, der zu derartigen Gräueltaten leicht führen könnte, die während des II. WK zu beobachten waren, und Millionen von Menschen das Leben kosteten. Nach Angaben der offiziellen Webseite ukrainischer Katholiken nahmen am Gebet einige Tausende mitfühlende Bürger teil. Es gab keine politische oder Parteisymbolik: Nur Staatsfahnen der Ukraine mit Trauerbändern. Im langen Gebet wurden Millionen von unschuldigen Opfern des Zweiten Weltkrieges erwähnt.

Genau am 22. Juni 1941 begann der Deutsch-Sowjetische Krieg oder Ostfeldzug, der in der Sowjetunion sowie in ihrer Nachfolgestaaten (Russland, Ukraine, Weißrussland) als Großer Vaterländischer Krieg bezeichnet wird, mit dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion, wobei die Ukraine schon vor Kriegsbeginn zum Ziel vernichtender militärischer Handlungen wurde. Kiew, Sewastopol, Zhytomyr und eine Anzahl anderer ukrainischen Städte waren unter den ersten sowjetischen Städten, die in der Nacht vom 21. auf 22. Juni 1941 von Görings Luftwaffe gebombt wurden. Der Krieg hatte gewaltige verheerende Auswirkungen sowohl für die Bevölkerung als auch für die Volkswirtschaft der Ukraine: Laut Ergebnissen der Volkszählung von 1940 lebten in der Ukraine 41,7 Millionen Bewohner, nach dem Krieg, im Jahr 1945, lediglich 27,4 Millionen. Nach dem Krieg waren ukrainisch Städte, Dörfer und Siedlungen fast allesamt, entweder völlig oder größtenteils zerstört oder beschädigt. Natürlich lagen die erschreckend niedrigen Zahlen des Zensus von 1945 nicht nur am hohen Anteil der Kriegsgefallenen, sondern auch an Evakuierungen und Zwangsdeportationen, die mit dem Rückzug der Roten Armee eng verbunden waren. Im Verlauf von Evakuierung wurden über 10 Millionen Bürger in die östlichen Regionen der Sowjetunion deportiertt. Mehrere Hunderttausende Ukrainer und Ukrainerinnen folgten auch der Wehrmacht bei ihrem Rückzug vom 1943 bis 1944, indem sie auf solche Weise das Vaterland des Weltproletariats verließen, einige, wie beispielsweise berühmte ukrainische Schriftsteller, Iwan Bahrjanyj und Dokia Hummena, die nach dem Krieg als führende Vertreter der ukrainischen Diaspora in Europa und Nordamerika galten, nahmen damit Abschied von wunderbaren Aussichten für schöpferisches Wachstums im sowjetischem Schriftstellerverein. Die aus der Ukraine stammende Sowjetbürger machten ebenso den Großteil (2,4 Millionen) des 2,8-millionenstarken Heers der zwangsdeportierten Ostarbeiter in Deutschland und Österreich aus, einige von ihnen beschlossen nach dem Krieg, bei ideologischen Feinden zu verbleiben und ins Paradies der Arbeiter und Bauern nicht zurückzukehren. Trotz all dieser Umstände, war die Zahl der Opfer, die die Ukraine im II. WK erlitt, enorm hoch. Manche Historiker gehen sogar davon aus, dass diese noch höher als die Verluste Deutschlands im Krieg waren.

Nach alter sowjetischen Tradition zählt man alle Gefallenen und Kriegsopfer nur ab dem 22. Juni 1941, obwohl der II. Weltkrieg am 1. September 1939 begann. Da das Stalin-Regime am Ausbruch des Krieges genauso schuldig wie Hitler-Regime war, weil der Krieg nur dank der Unterzeichnung des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes sowie geheimen Protokolls über Zerteilung Osteuropas auf Einflusszonen möglich war, versuchte die offizielle sowjetische Propaganda die Wichtigkeit des Begriffs „Der Zweite Weltkrieg“ immer herunterzuspielen. Es kam sogar dazu, dass in den offiziellen Nachschlagewerken und Büchern dieser Begriff allen Ernstes kleingeschrieben war. Stattdessen lenkte man immer die Aufmerksamkeit auf das Datum 22. Juni 1941, als die Sowjetunion zum Opfer des deutschen Angriffs wurde. Dies war umsomehr erstaunlich, weil sich die Sowjetunion ab dem 17. September 1939 direkt am II. WK  beteiligte, als Rotarmisten die polnisch-sowjetische Grenze überquerten und der östliche Teil Polens, in dem vorwiegend Ukrainer und Weißrussen lebten, auf diese Weise in die Sowjetrepubliken „integriert“ wurde.

Aus sowjetischer Sicht, gelten polnische Soldaten und Zivilisten, die unter Nazi-Bomben und Geschossen im September 1939 umkamen, als Opfer des II. Weltkrieges, diejenigen polnischen Soldaten, die ab dem 17. September unter sowjetischen Bomben und Geschossen (der sogenannte „Befreiungsfeldzug“ war wesentlich weniger gewaltsam wie der deutsche Angriff, gab es jedoch Städte und Dörfer, insbesondere diejenigen, die von Polen besiedelt wurden, die sowjetische „Befreier“ mit Maschinengewehrsalven „begrüßten“) starben, gelten hingegen gar nicht als Opfer des II. WK. Dasselbe bezog sich auch auf Winterkrieg oder Sowjetisch-Finnischer Krieg, der vom 29. November 1939 bis 15. März 1940 dauerte, und der trotz großer Verluste in den Reihen der Rotarmee (über 700.000), als ein Teil des II. WK ignoriert wird. Die Zigtausenden von Westukrainern, Westweißrussen, Polen, Rumänen sowie Litauern, Letten und Estländern, die sofort nach ihrem Anschluss zur Sowjetunion (1939-1940) massiven politischen Säuberungen und danach erfolgten Erschießungen, sowie allen Schrecken des GULAG-Systems und brutalen Zwangsdeportationen zum Opfer fielen, werden ebenso als Opfer des II. WK geleugnet. Das Terrorregime Stalins, mit dem die Westukrainer vom September 1939 bis Juni-Juli 1941 auf äußerst unangenehme Weise Bekanntschaft machten, führte dazu, dass in nicht wenigen Ortschaften und Städten, die dortige Bevölkerung Wehrmachtstruppen als Befreier mit Blumensträußen begrüßte. Diejenigen UkrainerInnen, die als Mitglieder von OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) oder UPA (Ukrainische Befreiungsarmee) in Gefechten gegen Wehrmacht, Armija Krajowa oder gegen Rotarmee fürs Entstehen des unabhängigen ukrainischen Staates ums Leben kamen, waren aus der Sicht der Sowjetpropaganda auch keine Kriegsopfer. Es gilt hier ausdrücklich zu erwühnen, dass ein bedeutender Teil der Holocaust-Opfer auf ukrainischen Territorium erschossen wurde.

Die wichtigste Tatsache bleibt trotz verschiedener Geschichtsinterpretationen bestehen, nämlich dass die jetzigen und kommenden Generationen weiterhin des unsagbaren Leids und der Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieges gedenken, um auf diese Weise, einschließlich umfassender Aufklärungskampagnen ohne Vertuschungen oder Propaganda-Tricks, zur echten Völkerverständigung beizutragen. Die Ukraine nimmt ihre große Chance wahr.

 

http://www.nrcu.gov.ua/index.php?id=475&listid=147043

 

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