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Gauting-Unterbrunn/Berlin, 30.11.2013/cw – Nachfolgend veröffentlichen wir gerne den Nachruf des BWV-Bayern auf Jürgen Maruhn. Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.

Jürgen Maruhn war zeit seines Lebens ein kämpferischer Demokrat, der sich – geprägt durch seine frühen Erfahrungen in und mit der DDR – auf verschiedenen Feldern kompromisslos für eine wehrhafte Demokratie, für Pluralismus und gegen den Totalitarismus jeglicher Couleur eingesetzt hat.

Als junger Student war ihm soziale Gerechtigkeit wichtig, deshalb schloss er sich der SPD an. Im SDS wehrte er sich Ende der 50er Jahre heftig gegen das Bestreben der Neo-Marxisten, dort ihr Meinungsmonopol durchzusetzen. Schließlich blieb ihm und den anderen Anhängern des Godesberger Programms nichts anderes übrig, als sich vom SDS zu trennen und einen neuen Studentenverband zu gründen, den Sozialdemokrati-schen Hochschulbund. Er wurde dessen erster Bundesvorsitzender.

In dieser Funktion und später während seines Studiums der Volkswirtschaft in München kam er mit Waldemar von Knoeringen in engen Kontakt. Knoeringen, der der Gerechtigkeit den ersten Rang zuerkannt und sich außerordentlich für eine intensive und realitätsbezogene politische Bildung eingesetzt hatte, hat Jürgen Maruhn beeindruckt und nachhaltig geprägt.

Zunächst arbeitete er einige Jahre in der Bundeszentrale für Politische Bildung in Bonn, dann ging er als Dozent an die Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Hier konnte er lange Jahre sein Wissen einbringen und durch seine engagierte Art sowie durch sein offenes Zugehen auf die Menschen unzählige Teilnehmer überzeugen. Neben seinem Fachgebiet, der Wirtschaft, widmete er sich aber auch anderen Themen, so der Aufarbeitung der Vergangenheit der DDR und der Auseinandersetzung mit der PDS. Eine seiner Zielgruppen waren dabei ehemalige politische Häftlinge.

Neben seiner Arbeit in Tutzing blieb Jürgen Maruhn, als die überwunden geglaubten ideologischen Konflikte in der SPD wieder aufbrachen, aber auch politisch aktiv: Er engagierte sich in München und auf Bundesebene für die Verteidigung des Godesberger Programms. In Zusammenarbeit mit Hans-Jochen Vogel verbreitete er jahrelang Informationen und aktuelle Kommentare über einen großen Verteiler, um den Sozialdemokraten im ganzen Bundesgebiet Argumente zu liefern und ihnen zu zeigen, dass sie in ihrem oft verzweifelten Kampf nicht allein waren.

Als auf Bundesebene der „Seeheimer Kreis“ gebildet wurde, der gegen den Strom des Vulgär-Marxismus den Charakter der SPD als Volkspartei verteidigen will, war Jürgen Maruhn von Anfang an dabei.

Anfang der 70er Jahre war er u.a. neben Hans-Jochen Vogel, Richard Löwenthal und  Heinz Ruhnau Mitverfasser der richtungweisenden Broschüre „Godesberg und die Gegenwart“ und deren Redakteur. Annemarie Renger vertraute ihm vor etlichen Jahren die Redaktion der Zeitschrift „Freiheit und Recht“ an. Dieses Amt übte er sehr kreativ und zuverlässig aus. Die letzte Ausgabe stellte er noch auf dem Krankenbett fertig.

Jürgen Maruhn war ein guter und zuverlässiger Freund. Er war einer, der sich auf die Menschen einließ, und bei dem man sofort wusste, woran man mit ihm war. Klartext war ihm wichtig. Seinen vielen Freunden und Mitstreitern wird er sehr fehlen.

Ernst Eichengrün

Gedenken und Würdigung durch den BWV Bayern

Nachdem die Beisetzung von Jürgen Maruhn im engsten Familienkreis stattfindet, wird der BWV Bayern ihn im Rahmen seiner Mitgliederversammlung am 15.März 2014 in München würdigen und seiner gedenken.

Siehe auch:

http://www.bwv-bayern.org/attachmen/010_BWVBayern%20Report%2068%20Nov%202013.pdf

www.bwv-bayern.org
http://www.seeheimer-oberbayern.de/

Nachtrag (4.12.2013):

Jürgen Maruhn wurde am 2. Dezember im Kreis seiner Familie auf dem Nordfriedhof in München beigesetzt.

Die Seeheimer Oberbayern führen am kommenden  Sonntag, 8. Dezember 2013, um 15 Uhr, eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung durch.

Treffpunkt ist  gegen 14:45 Uhr am Haupteingang des Nordfriedhof München, Ungererstraße 130 (zu erreichen z.B. über U6 Nordfriedhof;(5 min Fußweg). Parkmöglichkeiten sind längs der Ungererstraße und in der seitlichen Crailsheimstraße .

V.i.S.d.P.: Ernst Eichengrün, BWV Bayern

Berlin/Gauting, 19.11.2013/cw – Erst heute erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod des langjährige  Redakteurs der Zeitung „Freiheit und Recht“, dem Vereinsorgan des Bundes Widerstand und Verfolgung (BWV-Bayern) e.V., Jürgen Maruhn. Er starb im Alter von 76 Jahren und von seinen Freunden unerwartet am 11.November 2013 .

Jürgen  Maruhn war wichtiger Motor, ja Treiber des beachteten  Vereins in Bayern, dem namhafte Persönlichkeiten und Politiker angehörten und angehören. Der bekennende Sozialdemokrat war auch Vorsitzender der „Seeheimer Oberbayern“ in der SPD, einem bayerischen Teil des „Seeheimer Kreises“, dem über Jahrzehnte wichtigen  Flügel der Sozialdemokratie.

Die letzte Ausgabe in seiner Verantwortung...

Die letzte Ausgabe in seiner Verantwortung…

Jürgen Maruhn empfand die Verpflichtung: „Nie wieder Nationalsozialismus – Nie wieder Kommunismus“ als mahnende Verpflichtung seines steten Eintretens für die Freiheit. So verließ er 1957 die DDR, um der politische Enge und dem neuerlichen Unrecht im Namen des Volkes gegen  das Volk zu entfliehen. Im Gegensatz zu vielen Anderen blieb er zeitlebens seiner sozialdemokratischen Überzeugung treu, sah in dem Missbrauch sozialistischer Zielsetzungen durch die SED nie einen Grund, diesen abzuschwören. Für ihn war Freiheit und Sozialismus im besten  Sinn des Wortes untrennbar.

So engagierte er sich für das „Godesberger Programms“, durch das die SPD der Weg aus ihrer Isolation in die schließliche Regierungsverantwortung gelang. Er war Mitbegründer und Vorsitzender des Sozialistischen Hochschulbundes (SHB), war aber auch ein glühender Verfechter der deutschen Einheit. Ein Widerspruch für viele seiner Weggefährten, für ihn  aber Konsequenz aus tiefer Überzeugung und wachen Bekenntnisses zur deutschen Geschichte.

Sein  Einfluss und Engagement als Vorsitzender der bayerischen Seeheimer trug seinerzeit maßgeblich zum Sieg von Georg Kronawitter über den vormaligen  und bislang einzigen CSU-Bürgermeister in München bei. Man würde diesem Patrioten Unrecht tun, wenn  man ihm einzig seine Leidenschaft für die Sozialdemokratie anrechnen würde. Maruhn war mehr.

Anzeige i.d. SZ vom 23./24.11.2013

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Als Demokrat engagierte er sich ebenso leidenschaftlich für die Zusammenführung unterschiedlicher demokratischer Strömungen und Anschauungen in dem Verein „Widerstand und Verfolgung“. Nur im Zusammenwirken aller Demokraten gegen die braunen und roten Ungeister der Vergangenheit sah er die Chance, sein vertretenes Credo „Nie wieder!“ glaubhaft und tatsächlich umzusetzen. Behutsam redigierte er über Jahrzehnte das kleine, aber vielbeachtete Blatt „Freiheit und Recht“, gab Menschen unterschiedlichster politischer Prägung den Platz, sich für unsere Freiheit und gegen den Ungeist zu artikulieren.

Nicht nur die Sozialdemokratie, wir alle haben einen engagierten, ehrenwerten und aufrechten Freund verloren. Er wird allen, die ihm begegnen durften, unvergessen bleiben. Wir werden Jürgen Maruhn ein  dankbares und ehrenwertes Andenken bewahren.

Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

V.i.S.d.P.:Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Der Vorstand, Berlin – Tel.: 030-30207785

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