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Moskau/Kiew/Berlin, 19.12.2017/cw – Sie werden international nahezu totgeschwiegen: Die aktuell mindestens 60 Ukrainer, die aus ausschließlich politischen Gründen in den Gefängnissen Russlands inhaftiert sind und entweder seit über drei Jahren auf ihre Prozesse warten oder nach entsprechenden Scheinprozessen die willkürlich verordnete Haft absitzen.

Während über die politischen Gefangenen in der Türkei fast täglich groß und breit berichtet wird – und diese permanente Berichterstattung zu ersten Erfolgen, nämlich der Freilassung Inhaftierter (wenn auch häufig unter Auflagen) geführt haben, werden die politischen Opfer russischer Justiz-Willkür kaum, wenn gar nicht erwähnt. Selbst die den Menschenrechten verpflichteten UN in New York üben sich aus politischer Rücksichtnahme in Schweigen.

Seit nun mehr drei Jahren hält Ronald Wendling (56) gegenüber der Russischen Botschaft Unter den Linden in Berlin eine wöchentliche Mahnwache für die Freilassung der ukrainischen politischen Gefangenen in Russland. Bei Regen und Kälte, in Sonne und Schnee steht der einstige politische Häftling im DDR-Zuchthaus Cottbus auf dem Mittelstreifen der historischen Straße hinter dem Brandenburger Tor im ehemaligen Ostteil der Stadt, stellt die ukrainische Fahne auf und nennt die Namen der aktuellen politischen Gefangenen, wie Oleg Sentsov oder Oleksandr Kolchenko auf mitgeführten Plakaten. Fotos neben diesen Namen geben den Gefangenen ein Gesicht.

Ein Stern aus Stacheldraht

Der Berliner erhält die Informationen direkt von Unterstützern aus Kiew, von dortigen Menschenrechtsorganisationen und Einzelpersonen, während die Unterstützung vor Ort eher „blass bleibt,“ wie der Menschenrechtsaktivist zurückhaltend formuliert. Während das Menschrechtszentrum in Cottbus den einstigen Mitgefangenen bei seiner Mahnwache so gut wie gar nicht unterstützt, bekommt Wendling logistische Hilfe durch die Vereinigung 17. Juni in Berlin, der er seit einigen Jahren als Mitglied angehört. Auch Privatpersonen unterstützen Wendling hin und wieder. In Berlin lebende Ukrainer kommen ebenfalls immer wieder zur Mahnwache und bekunden ihre Dankbarkeit und Solidarität. Sind seine Mahnwachen inmitten der vielfältigen Katastrophen auf unserer Erde nicht vergeblich? Wendling, mit dem langen Atem eines ehemaligen Gefangenen ausgestattet, sieht das nicht so. Immerhin habe ihm die Familie der einstigen prominenten Gefangenen Nadija Sawtschenko und diese selbst nach ihrer Freilassung im letzten Jahr bestätigt, dass ein unermüdlicher Kampf für deren Freilassung hilfreich war. Sawtschenko war ursprünglich zu 22 Jahren Haft verurteilt worden.

Mit dieser Überzeugung will Ronald Wendling zu Weihnachten unter Hinweis auf das bevorstehende Weihnachtsfest die in den Wintermonaten auf zwei Stunden beschränkte Mahnwache auf vier Stunden ausdehnen. Am kommenden Donnerstag, 21.Dezember, wird er mit Freunden die „Mahnwache zu Weihnachten“ von 12:00 bis 16:00 Uhr Unter den Linden durchführen. Aus diesem Anlass wird ein selbst hergestellter Holzkäfig aufgestellt. An einem Weihnachtsbaum werden Fotos und Namen der politisch Inhaftierten befestigt. Ein Stern aus Stacheldraht auf der Baumspitze soll die Dramatik der Eingesperrten symbolisieren.

Auch wenn der Zuspruch zur Mahnwache nicht überwältigend sein wird, da ist Wendling Kummer gewohnt, hofft er doch „inmitten des üblichen und verständlichen Weihnachtstrubels zumindest auf ein Innehalten vorbeihastender Passanten. Auch ein kurzes, stilles Verharren vor dem Käfig oder dem Weihnachtsbaum kann ein Akt der Solidarität sein,“ sagt der bescheidene und konsequente Mann nach drei Jahren heller und dunkler Erfahrungen vor der Russischen Botschaft in Berlin.

© 2017 Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 0176-4806 1953 (1.331).

Trauer jetzt auch vor der Schwedischen Botschaft in Berlin: No Terror – Foto: LyrAg

Berlin, 8.04.2017/cw – Wieder haben international gesteuerte Terroristen unschuldige Menschenleben auf dem Altar ihrer verbrecherischen Gesinnung geopfert. Erneut mussten Menschen, diesmal vier (jeder Einzelne zuviel) in Stockholm sterben,  wurden zahlreiche Menschen verletzt. Wie zuvor in Nizza und Berlin hat der Täter vergleichsweise einfach mittels eines für die Tat missbrauchten Lastwagens viel Leid über Unschuldige gebracht. Diese Taten geschehen, weil ein paar Irre glauben, ihrem Gott durch die Ausübung von Verbrechen zu dienen oder sich gar dadurch einen Platz im  Paradies zu verschaffen.

Vorstand, Mitglieder und Freunde der Vereinigung 17. Juni legten Rosen vor der Botschaft nieder – Foto: LyrAg

Derweilen versucht sich die Politik in Erklärungsmustern und warnt permanent vor einer Verketzerung von Religionen. Aber ist das nach den vielen Anschlägen, die zweifelsfrei islamistisch begründet wurden, noch ausreichend? Muss nicht die Politik endlich, weil überfällig, in die Offensive gehen? Reicht es noch aus, auf die vielen friedlichen Moslems „unter uns“ zu verweisen oder gar weiter „Der Islam gehört zu Deutschland“ zu propagieren? Unsere Antwort muss ein klares, ein unmißverständliches NEIN sein.

Es reicht nicht mehr aus, die ausgerufene Kriegsführung durch einige Irre zu bagattelisieren. So sehr es richtig ist, friedliche Moslems in unserem Land anzuerkennen, so wichtig wäre die klare Aufforderung an diese, sich deutlicher als bisher, also unmissverständlich gegen diesen Krieg der angeblichen Glaubensbrüder zu positionieren.

Wir haben es bereits erlebt, dass Tausende Moslems in unserem Staat für einen Diktator Erdogan auf die Straße gingen. Im Gegensatz zum ausgerufenen „Kampf gegen Rechts“ war dazu allenfalls aus der Politik zu hören, dies müsse unsere Demokratie aushalten. Das mag ja sein. Was unsere Demokratie nicht mehr auf Dauer aushält, ist das Schweigen der in diesem Land lebenden Moslems zu dem ausgeübten Terror in Frankreich, Belgien, Deutschland, Russland und Schweden. Jeder soll nach seiner Fasson selig werden, hat uns weiland der Alte Fritz hinterlassen. Soll er/sie. Aber bitte nicht länger auf dem Rücken unschuldiger Menschen. Wer als Doppelbürger glaubt, dem Diktator in der Türkei den Rücken stärken zu müssen, sollte schnellstens in sein Ursprungsland zurückkehren, die Deutsche Staatsbürgerschaft an der Garderobe wieder abgeben. Wer als überzeugter Moslem glaubt, seine Religion durch Schweigen zu den Terroranschlägen verraten zu müssen – und damit auch Verrat an seiner neuen, christlich geprägten zweiten Heimat übt – der sollte in das Land seiner Väter zurückkehren.

Aufgabe der Politik wäre es, dies klar und deutlich zu formulieren. Das hat nichts mit „Fremdenfeindlichkeit“ zu tun, eher mit einer klaren Linie gegen einen sich ausbreitenden Terrorismus und einem couragierten Bekenntnis zu den Leitlinien unseres Staates: Einigkeit und Recht und Freiheit. Frieden ist kein Geschenk des Himmels. Die Grundsätze unseres Staats müssen täglich erkämpft und verteidigt werden. Dazu braucht es keine Waffen und keine Gewalt. Es genügt das Wort. Es genügt ein entsprechendes Gesetz, das zum Beispiel die doppelte Staatsbürgerschaft an unveräußerliche Bedingungen knüpft.

V.i.S.d.P.: Der Autor und redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.239).

 

 

Kiew, 15.11.2016 – Der internationale Gerichtshof in Den Haag hat die Situation auf der Krim einem internationalen militärischen Konflikt zwischen der Ukraine und Russland gleichgesetzt.

So wird die russische Annexion der Krim 2014 im jährlichen vorläufigen Untersuchungsbericht der Chefanklägerin des Haager Gerichtshofs Fatou Bensouda bezeichnet, der am 14. November 2016 veröffentlicht wurde: icc-cli.int (leider bislang nur auf Russisch).

Im Bericht sind auch Informationen über die Verfolgung der Krimtataren auf der Halbinsel, Zwangsverlegung von 179 Gefangenen nach Russland und Zwangsmobilisierung von Einwohnern der Krim zum Militärdienst enthalten.

Erst am 10. November erreichte uns eine weitere „sensationelle“ Meldung über „ukrainische Diversanten“ auf der Krim. Der russische FSB veröffentlichte ein Video von der Festnahme der „ukrainischen Terroristen“, die Angriffe auf militärische und zivile Objekte auf der Krim vorbereitet haben sollen.

Unsere OSINT-Aufklärer haben daraufhin das Video analysiert und festgestellt, dass die im Video als Beweis präsentierten Waffen der „ukrainischen Diversanten“ keine Original-, sondern Airsoft-Waffen sind. Der ganze hype in den russischen Medien, der dieser Festnahme gewidmet war und auf Anordnung der russischen Staatsmacht aufgebauscht wurde, hielt weder Logik noch Fakten stand und war wohl für die 86% der Russen gedacht, denen jegliche Fähigkeit zum kritischen Denken abhanden gekommen ist. Näheres dazu hier: „Airsoft-Waffen der „ukrainischen Diversanten“, oder eine neue FSB-Show auf der Krim“.

Die holprige Inszenierung des russischen FSB ruft zwar Schmunzeln hervor, dahinter stehen aber reale menschliche Schicksale, denen Unrecht getan wird und die gerade gebrochen werden.

In russischem Gewahrsam befinden sich nun drei unschuldige Staatsbürger der Ukraine, die im Gefängnis gefoltert und misshandelt werden.

Wir veröffentlichen hiermit den Aufruf von Vertretern der ukrainischen Historiker-, Wissenschaftler- und Journalisten-Gemeinschaft zur Freilassung von Dmytro Styblikow, Oleksiy Bessarabow und Volodymyr Dudka – drei Menschen, die nichts verbrochen haben, außer dass sie auf der heimischen Krim und aber Ukrainer geblieben sind.

Wir bitten um die Verbreitung dieses Appells unter gesellschaftlichen Aktivisten, Politikern, Journalisten, Wissenschaftlern und erhoffen uns Unterstützung von den Entscheidungsträgern der internationalen Gemeinschaft.

Wir, Vertreter der Experten-, Wissenschaftler- und Journalistengemeinschaft, gesellschaftliche Aktivisten aus verschiedenen Ländern erheben unseren Protest gegen die Willkür russischer Machtbehörden, rechtswidrige Inhaftierung und den Versuch, “terroristische Tätigkeit” zu Last unserer Kollegen Dmytro Styblikow und Oleksiy Bessarabow zu legen. Für ebenso grundlos halten wir auch ähnliche Vorwürfe gegen den Militärrentner Volodymyr Dudka, der zusammen mit den obengenannten Experten vom Föderalen Sicherheitsdienst (FSB) Russlands festgenommen wurde.

Dmytro Styblikow, Oleksiy Bessarabow und Volodymyr Dudka haben einen festen Wohnsitz auf der Krim – sie lebten dort sowohl vor als auch nach der russischen Annexion im Frühling 2014. Drei Staatsbürger der Ukraine wurden vom russischen FSB am 9. November 2016 festgenommen. Sie werden in Gewahrsam gehalten und stehen unter Verdacht, Diversionen gegen militärische und zivile Infrastruktur in Sewastopol vorbereitet zu haben. Aus den in den russischen Medien veröffentlichten Materialien wird ersichtlich, dass die Gefangenen physischer Gewalt und Einschüchterung ausgesetzt werden.

Bis Frühling 2014 arbeitete Dmytro Styblikow als Leiter internationaler Forschungsprogramme beim Zentrum zur Förderung der Forschungen im Bereich geopolitischer Herausforderungen und euroatlantischer Kooperation in der Schwarzmeerregion „NOMOS“. „NOMOS“ ist eine Nichtregierungsorganisation, die 2003 in Sewastopol gegründet wurde. Das Nomos-Zentrum gab das sachbezogene Magazin „Schwarzmeersicherheit” («Чорноморська безпека») heraus, bei dem Oleksiy Bessarabow als stellvertretender Chefredakteur arbeitete. In diesem Magazin wurden Artikel sowohl von den ukrainischen als auch von ausländischen Experten aus Estland, Moldau, Georgien, Aserbaidschan, Armenien, Türkei, Frankreich, Großbritannien, Russland usw. veröffentlicht.

Fast 10 Jahre lang beschäftigten sich Styblikow und Bessarabow mit Forschungen im Bereich internationaler und regionaler Sicherheit. Während dieser Zeit haben sie eine große Menge an Sachartikeln vorbereitet, haben Vorträge in den Medien und auf verschiedenen Expertentreffen gehalten.

Das „Nomos“-Zentrum hat regelmäßig internationale Konferenzen und Rundtische in der Ukraine und im Ausland organisiert und an solchen teilgenommen und ist mehrmals als Partner von vielen internationalen Organisationen aufgetreten. Dmytro Styblikow und Oleksiy Bessarabow sind bekannte Persönlichkeiten im Experten- und Journalistenmilieu, das sich mit Herausforderungen in der Kaspischen und der Schwarzmeer-Region auseinandersetzt. Bis 2014 waren sie beide sowohl auf der Krim als auch außerhalb der Halbinsel herausragende öffentliche Persönlichkeiten.

Das Wesen der Tätigkeit von „Nomos“ bestand in der Bereitstellung einer Plattform für Fachdiskussionen und der Vorbereitung von unvoreingenommenen analytischen Materialien. An den von „Nomos“ organisierten Konferenzen und Rundtischen, darunter auch unter Mitwirkung von internationalen Organisationen, nahmen auch Experten und Wissenschaftler aus Russland teil. Ihnen wurde auch die Möglichkeit gewährt, auf den Seiten des „Schwarzmeersicherheit“-Magazins mit ihren Opponenten zu diskutieren. Die Arbeit des Analytikzentrums wurde wegen prinzipieller Bedenken und der Unmöglichkeit einer Neuregistrierung der Organisation entsprechend der Gesetzgebung der Besatzungsmacht Russland eingestellt. Die Krim ist kein Platz für freie Diskussionen über internationale Sicherheitsfragen mehr – sie wurde zu einer Gefahrenquelle und einem Ort der totalen Menschenrechtsverletzung.

Die Vorwürfe gegen die gut bekannten Experten, in sogenannte „diversiv-terroristische Tätigkeiten“ verwickelt zu sein, sind absurd und sinnlos. Das ist offensichtlich für alle ihre Kollegen, die mit ihnen je zusammengearbeitet und an den „Nomos“-Veranstaltungen teilgenommen haben.

Nach unserer Überzeugung ist die Inhaftierung von diesen Experten und die Anklageerhebung gegen sie, genauso wie im Fall der Krimtataren, ein politischer Auftrag der Besatzungsmacht und ein klarer Akt der Menschenrechtsverletzung. Die Atmosphäre des Terrors und Einschüchterung herrscht heute auf der Krimer Halbinsel. Sie muss permanent gefüttert werden. In einer seiner Publikationen 2009 schrieb Dmytro Styblikow: „Die Erschaffung einer angsterfüllten Umgebung ist der Ausdruck des Terrorismus, ist die Manifestation seines Wesens…“. Indem das Besatzungsregime nun zur Verfolgung von Vertretern der Expertengemeinschaft überging, hat es noch einmal seine Verachtung für Menschenrechte bekundet, sein Terrorwesen und seine Bereitschaft zur Diskriminierung von jenen gezeigt, die sich mit der Besatzung der Krim nicht einverstanden erklären.

Wir fordern die russische Seite auf, die Verfolgung der ukrainischen Staatsbürger auf dem Territorium der besetzten Krim einzustellen und politische Häftlinge zu entlassen, darunter auch unsere Kollegen Dmitry Styblikow und Olexiy Bessarabow.

Wir hoffen, dass die Ukraine sich alle Mühe gibt, die inhaftierten Experten sowie andere unschuldige Opfer der Repressionen in Schutz zu nehmen und dazu das Potential von internationalen Organisationen nutzt.

Wir rufen die Experten-, Wissenschaftler- und Journalistengemeinschaft, sowie gesellschaftliche Aktivisten zur professionellen Solidarität auf und bitten darum, diesen Appel zu unterstützen.

Vorschläge von Befürwortern des Appells schicken Sie bitte an folgende E-Mail-Adresse: stoppersecuting@gmail.com.

Quelle und V.i.S.d.P.: Inform Napalm – https://informnapalm.org/de/ein-appell-zur-freilassung-von-politischen-gefangenen-auf-der-krim/

Anmerkung Redaktion Hoheneck: Der ehem. politische Häftling und Bürgerrechtler Ronald Wendling setzt seine auch von der Vereinigung 17.Juni ideell unterstützte Mahnwache für die Freilassung der politischen Gefangenen am morgigen Dienstag, 22.11. von 13:00 – 16:00 Uhr und jeweils am Donnerstag, 24.11.2016 von 13:00 – 19:00 Uhr gegenüber der Russischen  Botschaft Unter den Linden in Berlin fort. Vor Ort können auch entsprechende Unterschriften unter den Appell geleistet werden (1.178).

VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 e.V.             

Presseerklärung

100. Mahnwache für politische Gefangene in Russland

Berlin, 27.10.2016/cw – Ronald Wendling (57) war selbst ehemaliger politischer Gefangener. Damals saß er im berüchtigten DDR-Gefängnis Cottbus (03. – 08.1984) ein. Heute engagiert er sich für politische Gefangene in Russland.

Unermüdlich: Ronald Wendling zur 100. Mahnwache für die politischen Gefangenen vor der Russischen Botschaft in Berlin  Foto: LyrAg

Unermüdlich: Ronald Wendling zur 100. Mahnwache für die politischen Gefangenen vor der Russischen Botschaft in Berlin Foto: LyrAg

Seit 2014 demonstriert er mit einer wöchentlichen Mahnwache vor der Russischen Botschaft, Unter den Linden in Berlin, nahe dem Brandenburger Tor. Und heute, am 27.10., begeht er die 100. Mahnwache, von 13:00 – 18:00 Uhr.

Auslöser war für ihn vor zwei Jahren die Inhaftierung der ukrainischen Pilotin Nadya Sawtschenko. Diese war unter ungeklärten Umständen im Rahmen der von Russland unterstützten Unruhen in der Ost-Ukraine nach Russland verschleppt und in diesem Jahr zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Durch die Befassung mit Sawtschenko, die inzwischen freigelassen wurde und jetzt ihr Mandat im Ukrainischen Parlament wahrnimmt, erfuhr Ronald Wendling von weiteren Schicksalen politischer Gefangener, die sich in russischem Gewahrsam befinden. Spontan beschloß der Berliner, seine Mahnwache fortzusetzen, um auch auf das Schicksal dieser Menschen aufmerksam zu machen. „Wir waren seinerzeit darauf angewiesen, dass Menschen im freien Teil Deutschlands aber auch

Gegen das Vergessen: Portraits von Politischen Gefangenen geben den Verfolgten ein Gesicht - Foto: LyrAg

Gegen das Vergessen: Portraits von Politischen Gefangenen geben den Verfolgten ein Gesicht – Foto: LyrAg

Amnesty International auf unser Schicksal hingewiesen haben.“ Heute möchte er etwas zurück geben, seine Stimme für diese aus politischen Gründen Verfolgten erheben.

Wendling wird von Ukrainern in Berlin aber u.a. auch von der Vereinigung 17. Juni 1953 unterstützt. Deren Vorsitzender Holzapfel (72) war 1966 selbst zu acht Jahren Zuchthaus in der DDR verurteilt worden, weil er sich für „14.ooo politische Gefangene in der DDR“ eingesetzt hatte und deswegen am 18. Oktober 1965 am Checkpoint Charlie verhaftet worden war. „Wir dürfen nicht nachlassen, die Inhaftierung von Menschen allein aus politisch motivierten Gründen anzuprangern. Es ist die einzige Möglichkeit, auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen, wo immer es praktiziert wird,“ so der Vereinsvorsitzende. Darum unterstütze er persönlich „aus tiefer Überzeugung“, aber auch der Verein diesen bewundernswerten Einsatz Wendlings: „Wir brauchen mehr Wendlings in unserer Welt.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.162)

 

Berlin, 26.05.2016/cw – Ronald Wendling, seit zwei Jahren Dauerdemonstrant für die Freilassung der Ukrainerin Nadiya Savchenko vor der Russischen Botschaft in Berlin, war „bewegt und überglücklich“, als er am gestrigen Mittwoch während der Vorbereitungen zur nächsten Demo am heutigen Donnerstag von der Freilassung der Pilotin erfuhr. Savchenko war am 17. Juni 2014 unter dem Vorwurf verhaftet worden, an der Tötung (Der Vorwurf lautete auf Mord.) von zwei russischen Journalisten durch logistische Vorarbeit beteiligt gewesen zu sein. Die Pilotin hatte auf Seiten der ukrainischen Armee gegen die sogen. Separatisten gekämpft, die unter massiver Unterstützung Russlands die Unabhängigkeit der Ost-Ukraine von der Zentralregierung in Kiew unter Einsatz militärischer Mittel anstrebten. Savchenko war in diesem Frühjahr in einem umstrittenen Prozess von einem russische Gericht zu insgesamt 22 Jahren Haft verurteilt worden. Wir sprachen mit dem Dauerdemonstranten über seine Reaktion auf die überraschende Freilassung Savchenkos.

Seit 2014 regelmäßiger Protest vor der Russischen Botschaft in Berlin: Ronald Wendling (re.) - Foto: LyrAg

Seit 2014 regelmäßiger Protest vor der Russischen Botschaft in Berlin: Ronald Wendling (re.) – Foto: LyrAg

Werden Sie nun auf die nächste Mahnwache am heutigen Donnerstag verzichten?

Ronald Wendling (RW): Das böte sich ja an. Aber es gibt noch weitere Gefangene, für deren Haft eindeutig politische Gründe ausschlaggebend sind. Aber die lang ersehnte Freilassung ist zumindest ein Grund, innezuhalten, den Kreislauf des Protestes zumindest zu unterbrechen und die Möglichkeit zu nutzen, einfach einmal Danke zu sagen, in Richtung Kreml, in Richtung Wladimir Putins.

Danke für eine Selbstverständlichkeit, wenn man das Urteil als Unrecht bezeichnet?

Begnadigung ist keine Selbsverständlichkeit

RW: Nun, selbstverständlich ist die formalrechtliche Begnadigung durch Putin keineswegs. Der russische Präsident befindet sich ja in einer komfortablen politischen Situation. Er hat mit seinem eher nationalistischen Kurs breiten Rückhalt in der Bevölkerung, die Besetzung der Krim stößt im Westen eher nur auf verbale denn auf politisch relevante Distanz, um Solidarität mit der Ukraine zu bekunden. Er hätte also durchaus die Möglichkeit gehabt, sich noch länger einer vorzeitigen Freilassung von Nadiya zu widersetzen.

Warum hat er gerade jetzt eingelenkt?

Zu den Mahnwachen wurde symbolisch ein Platz nach Nadya Savtschenko benannt Foto: LyrAg

Zu den Mahnwachen wurde symbolisch ein Platz nach Nadiya Savchenko benannt Foto: Archiv

RW: Zweifellos war der moralische Druck nicht nur durch die spektakulären Durst- und Hungerstreiks seiner prominenten Gefangenen gewaltig. Es gab ja daneben vielfache Bemühungen auf politischer Ebene, auch wenn diese Mühen eher hinter verschlossenen Türen erfolgten, wie das in solchen Fällen ja durchaus üblich ist. Daneben gab es aber auch zunehmend öffentliche Proteste in der ganzen Welt, u.a. auch in Berlin vor den jeweiligen russischen Botschaften. Das war für Russland durchaus ärgerlich, weil es das angestrebte Image als humanitär ausgerichtete Weltmacht ständig störte.

Aber Russland wird ja nun nicht durch diesen, wenn auch begrüßenswerten Akt zu einer humanitären Institution?

Wir sollten manchmal innehalten

RW: Natürlich nicht. Dennoch werde ich am Donnerstag vor der Russischen Botschaft in Berlin mein DANKE in den Vordergrund stellen und sehr deutlich sichtbar machen. Wir sollten manchmal auch in unseren berechtigten Protesten innehalten, um dem Empfänger unseres Protestes zu signalisieren, dass wir durchaus trotz permanenten Protestes differenzieren, also ein Einlenken und humanitäres Entgegenkommen mit einem deutlichen Dank beantworten können. Vielleicht hilft das ja auch, ein Umdenken zumindest anzuschieben. Wir als Menschenrechtler fördern ja nicht Hass, wir setzen uns für humanitäre Ziele, für Menschen in Not ein.

Wird Ihr Danke denn registriert?

RW: Das weiß ich nicht, das kann ich nur hoffen. Ob mein fast zweijähriger Protest oder die anderen Proteste in der Welt gegen die Inhaftierung von Savchenko registriert worden sind, kann ich ja auch nur vermuten. Die jetzige Freilassung spricht jedenfalls dafür, dass dieser Protest nicht vergeblich war.

Ronald Wendling wird am heutigen Donnerstag wieder von 13.00 – 16:00 Uhr gegenüber der Russischen Botschaft in Berlin (Unter den Linden, nahe dem Brandenburger Tor) Position beziehen (1.121).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

 

 

 

 

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