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Titel

Nr.070 – Einigkeit und Recht und Freiheit 17. 10. 2017

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Abschied von Dr. Wolfgang Mayer

Greiz, 14.10.2017/cw – Die Abschiedskapelle auf dem Friedhof in Greiz konnte die Trauergemeinde kaum fassen: Aus allen Teilen Deutschlands, wie Coburg, Regensburg, Landsberg am Lech, Erfurt und Berlin waren Freunde, Weggefährten, Kameraden und natürlich die Familie erschienen, um von Wolfgang Mayer, der am 2.Oktober nach langem Leiden an seinem neuen Domizil in Speyer verstorben war, Abschied zu nehmen. Die Deutsche Soziale Union (DSU), zu deren Mitbegründern Mayer nach dem Mauerfall gehörte, hatte einen großen Kranz gesandt. Kameraden der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), so Fritz Schaarschmidt aus Landsberg am Lech und Peter Kämpfe aus Beratzhausen bei Regensburg nahmen ebenso Abschied, wie der Vorstand der Vereinigung 17. Juni, Berlin, die Hoheneckerin Eva Aust und der bekannte Publizist Dr. Jörg Bilke aus Coburg.

In vielen Gesprächen am Rande wurde der schwere Verlust durch den Tod des unermüdlichen Aktivisten betrauert. Bis zuletzt hatte der Verstorbene die Proteste gegen den Rentenbetrug an ehemaligen DDR-Flüchtlingen organisiert und begleitet. Die Teilnahme am letzten Protest vor vier Wochen in Berlin verhinderte seine Krankheit. Dennoch war er an der Vorbereitung aktiv beteiligt. Auch Wolfgang Graetz, Wegbegleiter der ersten Stunde gegen den Rentenbetrug, gehörte zu den Trauergästen. Die Vereinigung 17. Juni hatte ein T-Shirt von den Protestkundgebungen mit dem Aufdruck: „Wir fordern keine Sonderrechte, wir fordern unser Recht“ am Sarg niedergelegt. Mayer hatte in einem seiner letzten Telefonate darum gebeten, ihm eines dieser T-Shirts zu reservieren.

Erschütternd und bewegend für alle war der Aufschrei der 92jährigen Mutter Mayers, die mehrfach mit klagendem „Warum?“ und brechender Stimme am Sarg ihres Sohnes ihrem unendlichen Schmerz Ausdruck verlieh. Am Ende der eindrucksvollen Feier konnten die Trauernden mittels Blütenblättern und Blumenköpfen einen letzten Gruß auf den nunmehr abgesenkten Sarg werfen. Die Urnenbeisetzung wird im engsten Kreis der Familie Ende des Monats stattfinden.

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Ausstehende Ehrung von Gisela Gneist

Sachsenhausen/cw – Die Lagergemeinschaft Sachsenhausen 1945-1959 hat auf ihrer letzten Mitgliederversammlung ihren Willen bekräftigt, eine Ehrung ihrer langjährigen und vor zehn Jahren verstorbenen Vorsitzenden Gisela Gneist anzustreben. Der Vorstand hatte aus bisher ungeklärten Umständen ein vor Jahren einstimmig gefasstes Votum der Mitglieder nicht verfolgt und war dadurch in die Kritik geraten. Peinlich für die Arbeitsgemeinschaft: Erst durch eine Nachfrage bei der Stadt Oranienburg wurde das Versäumnis aufgedeckt. Jetzt versicherte Vorsitzender Joachim Krüger (CDU), dass sich der Vorstand aktiv für eine Straßenbenennung im Umfeld der Gedenkstätte einsetzen wolle.

Unser Staat tut sich mit Straßenbenennungen nach Opfern der SED-Diktatur ohnehin schwer. Während für den am 17. August 1962 an der Berliner Mauer ermordeten 17jährigen Peter Fechter auch 55 Jahre nach seinem weltweit beachtetem Sterben trotz langjähriger Bemühungen noch keine Straße benannt wurde, soll jetzt ein linker Barde eine Würdigung erhalten: „Der Mariannenplatz war blau, so viele Bullen waren da“, textete einst der Rock-Musiker und Hausbesetzer-Fan Rio Reiser, dem nun auf Antrag der Partei Die Linke ein Teil des besungenen Mariannenplatzes gewidmet werden soll (http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-kreuzberg-teil-des-mariannenplatzes-soll-nach-rio-reiser-benannt-werden/20413612.html). Zwar steht hier – wie auch im Fall Peter Fechter immer wieder stereotyp angeführt wird – die Frauenquote des Straßenbenennungsgesetzes dagegen. Die dort festgeschriebene Ausnahmeregelung ermöglicht es allerdings einer Meinungsmafia, sich letztlich – wie bei Rudi Dutschke – durchzusetzen. So wird auch Rio Reiser letztlich seinen Winkel am Mariannenplatz bekommen, während das für den am 25.Dezember 1963 an eben diesem Platz errichtete Gedenkkreuz für den ermordeten Flüchtling Paul Schulz ohne Aufschrei geschändet wurde und es bei Peter Fechter nach wie vor heißt, dass eine Benennung wegen der Frauenquote …, na, sie wissen schon.

Früher gab es in dieser Stadt einen großen Verlag, der sich dieser skandalösen Vorgänge annahm und so wenigstens einen kontroversen Dialog anstieß. Früher …

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Abschied vom „Hohenecker Boten“ – Letzte Ausgabe

Berlin/Hoheneck, 15.10.2017/cw – Mit dieser Ausgabe stellt die Redaktion Hoheneck die seit November 2011 im Internet erschienenen monatlichen Ausgaben des HB ein. Die Vereinigung 17. Juni, die dem HB auf ihrer Homepage Gastrecht eingeräumt hatte, hat diese Möglichkeit jetzt gekündigt. Initiator Carl-Wolfgang Holzapfel erklärte, dass die „ursprünglich gut gemeinte Absicht, mit einer eigenen Stimme die nach dem Bundespräsidentenbesuch in Hoheneck verspürte Aufbruchstimmung zu begleiten“ auch aus Sicht der Redaktion gescheitert sei. So wäre die Vorlage eines Konzeptes für eine Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck zwar durchaus erfolgreich gewesen, der begleitende Aufbau eines Fördervereins aber durch die zerstörerische „Begleitung“ durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten blamabel gescheitert. Selbst der als „Ersatz“ vorgesehene und von der Stiftung zunächst geförderte Zweitverein scheiterte letztlich an internen Querelen.

Im Sog dieser Entwicklung verloren die bisher verbindenden Frauen nach der Abwahl der unglücklich agierenden Vorsitzenden Inge N. im bis dahin weit geachteten „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ an Einfluss. N. gelang es zunächst, ihre Abwahl über eine gutgläubig gestartete Initiative engagierter Hohenecker Frauen gerichtlich erfolgreich anzufechten. Im Ergebnis erschien diese Auseinandersetzung jedoch eher als persönlicher Rachefeldzug der Abgewählten denn als ein wirklicher Neubeginn. So konnte sich zwar eine neue Vorsitzende unter der verborgenen Führung von N. etablieren, mittlerweile ist der „neugewählte“ Vorstand von sieben auf drei Mitglieder geschrumpft, nachdem drei gewählte Beisitzerinnen das Handtuch geworfen und – wie verlautet – auch die zweite Vorsitzende ihr Amt zur Verfügung gestellt hatte. Seither befinden sich die Mitgliederzahlen im freien Fall.

Zumindest zeigt sich der augenscheinlich desolate Zustand des Vereins objektiv am Verlauf der letzten „Mitgliederversammlung“ in Stollberg im Sommer diesen Jahres, an der insgesamt vier Vorstandsmitglieder und ein Mitglied teilnahmen. Drei weitere von der „Mitgliederversammlung“ neu aufgenommene Mitglieder durften selbst nach deren Aufnahme nicht an der MV teilnehmen. Frühere Mitgliederversammlungen unter der mittlerweile legendären Führung von Margot Jann wiesen zwischen 40 und 60 teilnehmende Frauen aus.

Der derzeitige Vorstand erscheint unter diesem Gesichtspunkt als wenig professionell und beratungsresistent. Unter diesen Gesichtspunkten erscheint eine „gezielte publizistische Begleitung konstruktiver Arbeit, die derzeit und absehbar nicht zu erkennen sei, als überdimensioniert und dem Ist-Zustand nicht entsprechend,“ stellte die Redaktion aktuell fest. Gleichwohl werde man die journalistische Arbeit „in Begleitung der nach wie vor notwendigen Aufarbeitung der Hinterlassenschaften der Zweiten Deutschen Diktatur“ weiterhin – wenn auch sporadisch – unter dem Label „Redaktion Hoheneck“ fortsetzen.

Die Redaktion verweist in Übereinstimmung mit der Vereinigung 17. Juni auf ihre Verantwortung gegenüber einem inzwischen festen Leserstamm, der sich erfreulicherweise über alle fünf Kontinente erstrecke und im Mittel mehrere hundert Zugriffe täglich generiere. Allerdings habe man die über 2.800 Zugriffen an nur einem Tag nach 2014 nicht mehr erreicht.

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 Überdenken und Neujustierung notwendig

 Kommentar von cwh

Die Malaise der Hoheneckerinnen ist keinesfalls spezifisch, also nur auf diesen Verein beschränkt. Ein kritischer Blick auf die Mitgliedsverbände des Dachverbandes UOKG, die mit einigem Stolz zuletzt mit 40 Mitgliedern angegeben wurden, würde das Dilemma offenbar werden lassen. Die UOKG kontrolliert nicht die Substanz etwaiger Aufnahmeanträge von Vereinen, da offenbar die permanente Erhöhung der Mitgliedszahlen im Vordergrund steht.

So nimmt die UOKG zum Beispiel auch Vereine auf, die sich in Konkurrenz zu bestehenden Vereinen bzw. Mitgliedern des Dachverbandes gründeten. Das führt dazu, dass sich bereits zwei Vertretungen der einstigen Frauen von Hoheneck als Mitglieder des Dachverbandes bezeichnen dürfen. Eine kritische Hinterfragung wird mit der Floskel der „Nichteinmischung in innere Angelegenheiten von Mitgliedsverbänden“ abgelehnt.

Ein anderer Verein, einst unter Druck des Dachverbandes ausgetreten, darf sich wieder als Mitglied bezeichnen, obwohl dieser seine Hausaufgaben offensichtlich noch nicht erledigt hat. So wird bei dem Rückkehrer-Verein nach wie vor ein ehemaliger leitender Mitarbeiter aus der Stasi-Sphäre ignoriert, der (noch immer) die Geschicke des einst größten Diktatur-Opfer-Verbandes bestimmt.

Mitglieder der CDU haben sich in den wichtigsten Positionen der Verfolgten-Szene etabliert und sorgen dafür, dass die Anliegen der Diktatur-Opfer „angemessen“, also nicht zu kritisch gegenüber der Bundesregierung und der Staatspartei CDU vorgetragen werden (siehe Rentenbetrug). Im Laufe der fast drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Zweiten Deutschen Diktatur haben sich die Koordinaten wesentlich verschoben, werden die Interessen der Lastenträger der Diktatur nicht mehr vordergründig durch einstige Vertrauensleute wahrgenommen. Vielmehr haben sich in den Funktionärsebenen der Vereine berufliche, also sehr egomane Interessen durchgesetzt.

Was Marion Gräfin Dönhoff einst so trefflich in ihren „Erinnerungen an die Freunde vom 20.Juli“ schrieb („Um der Ehre willen“, 1994 Jobst-Siedler-Verlag) könnte einst auch den selbstlosen Vorkämpfern für die Opfer-Anliegen auf den Leib geschrieben worden sein: „Nie wieder ist bei uns so existenziell gelebt worden wie damals. … Politik war zu jener Zeit stets mit dem Einsatz der ganzen Person verbunden.

Heute werkelt eine installierte Aufarbeitungsindustrie an der Bewältigung der Vergangenheit und achtet akribisch darauf, dass man unter sich bleibt. Geschickt werden die inzwischen reichlich fließenden Gelder an und auf angepasste Institutionen verteilt, Kritiker an diesem System – zum Beispiel durch die gezielte Verweigerung von Fördergeldern – kalt gestellt.

Immerhin werden Kritiker nicht mehr eingesperrt. Das allerdings verleitet die Gefolgschaft in den Vereinen zu der Annahme, ihre Interessen würden nach wie vor glaubwürdig vertreten. Ein Irrtum, der allerdings nicht zuletzt Dank geschickter politischer Regie durch etablierte Funktionäre bisher nur vereinzelt wahrgenommen wird. Ein Überdenken dieses Zustandes und eine Neujustierung der berechtigten Anliegen wäre dringend notwendig, ist aber nicht in Sicht.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder (1.297).
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953. Anzeigen auf Anfrage.

 

Nr.067 – Einigkeit und Recht und Freiheit – 15. 07. 2017

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Kein Ehrengrab, keine Straße: Vor 55 Jahren verblutete Peter Fechter

Berlin, 15.07.2017/cw – Am 17. August 1962, vor 55 Jahren, verblutete der achtzehnjährige Peter Fechter vor den Augen der Weltöffentlichkeit an der Berliner Mauer. Unweit des Checkpoint Charlie hatte er versucht, zusammen mit seinem Freund die Mauer zu überwinden. Während seinem Freund Helmut Kulbeik die Flucht gelang, wurde Fechter unmittelbar vor der letzten Mauer von Kugeln der DDR-Grenzposten getroffen. Seine Hilfeschreie über die Mauer hinweg wurden immer leiser. Erst nach 50 Minuten schleppten herbeigeorderte Uniformierte den Sterbenden durch die Zimmerstraße über Stacheldrahtsperren hinweg in das Hinterland.

Der Abtransport von Peter Fechter am 17.08.1962 – (Plakat: Vereinigung 17. Juni anl. d. Unterschr-Sammlung für eine Peter-Fechter-Straße 2012) – Foto. LyrAg

Fechter war nicht der erste Tote, der durch Kugeln des verbrecherischen DDR-Systems an der Mauer starb. Bereits am 24. August 1961 war Günter Litfin (24) beim Durchschwimmen des Humboldt-Hafens nahe dem S-Haltepunkt Lehrter Bahnhof durch Beschuss ermordet worden. Am 9. Dezember des selben Jahres wurde der Fluchthelfer und Student Dieter Wohlfahrt (20) an der Zonengrenze in Staaken (Nördliche Bergstraße) bei einem Fluchthilfeversuch ermordet. Er war, wie man später erfuhr, in eine vorbereite Falle der Stasi gelaufen. Auch Wohlfahrt verblutete jämmerlich im Grenzstreifen, ehe sein Leichnam durch den Stacheldraht in die DDR gezogen wurde. Sebastian Haffner (+1999) schrieb aus diesem Anlass in „Christ und Welt“ die bislang erschütternste Anklage gegen den „Mord an der Mauer“.

Peter Fechters Tod wurde gleichwohl zum Synonym für die gnadenlose und blutige Jagd auf Flüchtlinge mitten in der geteilten Hauptstadt Deutschlands. Dafür verantwortlich waren nicht zuletzt die filmischen Sequenzen des Westberliner Kameramannes Herbert Ernst (*1939), der mit seiner 16-Millimeter-Arriflex-Kamera den Abtransport des sterbenden Ostberliners gefilmt hatte. Seine Bilder bewegten zusammen mit den Bildern des Fotografen Wolfgang Bera jahrzehntelang die Menschen in aller Welt.

Einzig diverse Senate in Berlin ignorierten immer wieder erhobene Forderungen, nach Peter Fechter eine Straße zu benennen. Zuletzt hatte die Vereinigung 17. Juni zum 50. Todestag am Checkpoint Charlie eine Unterschriftensammlung gestartet und als Kompromiss die Umbenennung der historischen Zimmerstraße zwischen Checkpoint und dem Springer-Verlag vorgeschlagen, auch dies vergeblich. Der seinerzeitige rot-rote Senat lehnte im Dezember 2005 und erneut 2012 selbst eine Widmung der Ruhestätte Fechters auf dem Friedhof der Auferstehungsgemeinde in Berlin-Weißensee als Ehrengrab ab.

Während Rudi Dutschke trotz bereits vorhandener Straßen-Widmung in Berlin-Dahlem ohne große Schwierigkeiten trotz an anderer Stelle immer wieder abgelehnter „Doppelbenennungen“ einen Teil der legendären Kochstraße zugedacht bekam, hat die Stadt für das traurig-prominenteste Opfer der Berliner Mauer bisher kein angemessenes Gedenken übrig.

Einzig Eberhard Diepgen (CDU), der am längsten amtierende Nachkriegs-Regierende von Berlin, erkannte wohl dieses Versäumnis, als er sich 2012 in der Berliner Morgenpost den Forderungen nach einer Straßenbenennung anschloss und eine entsprechende Namensgebung als „lebendigen Geschichtsunterricht“ bezeichnete.

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Der Hohenecker Bote verzichtet aus Anlass des bevorstehenden 55. Jahrestages des Todes von Peter Fechter in der vorliegenden Ausgabe auf weitere Beiträge, um die Erinnerung an den Fechter-Tod zu gewichten. Wir verbinden damit die Hoffnung auf ein Umdenken im aktuellen Senat in dieser für die Geschichte der Stadt bedeutsamen Angelegenheit.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder (1.263).
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

Berlin, 5.02.2016/cw – Er war das letzte Opfer des Grenzregimes, das an der Mauer zu Tode kam: Heute vor 27 Jahren versuchte der damals zwanzigjährige Chris Gueffroy zusammen mit einem Freund die Berliner Mauer zu überwinden. Am 5. Februar 1989 wollten die beiden Freunde über den Britzer Verbindungskanal nach Neukölln schwimmen. Bereits im sogen. Sperrgebiet wurden die Flüchtenden gestellt und beschossen. Während der Freund schwerverletzt verhaftet wurde, war Chris Gueffroy durch einen Herzschuss sofort tot.

Erinnerungsstele am einstige Tatort - Foto. LyrAg

Erinnerungsstele am einstige Tatort – Foto. LyrAg

Dieser Mord erregte weltweit Aufsehen, nachdem sich der Eindruck eines restriktiven Schusswaffengebrauchs durch DDR-Grenzorgane verbreitet hatte. Der Freund Gueffroys wurde im Oktober 1989, vier Wochen vor dem Fall der Mauer, von der Bundesrepublik freigekauft.

Rosen für den letzten Mauer-Toten: 5.02.2016 - Foto: LyrAg

Rosen für den letzten Mauer-Toten: 5.02.2016 –
Foto: LyrAg

Die vier Schützen wurden für ihr Engagement an der „Staatsgrenze“ belobigt und erhielten je 150,00 DDR-Mark als Kopfgeld. Lediglich ein Todesschütze wurde später vom Berliner Landgericht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt; die Strafe wurde später vom Bundesgerichtshof auf eine zweijährige Bewährungsfrist reduziert. Die übrigen der an der Stellung der Flüchtenden beteiligten Soldaten wurden freigesprochen. Die (west-)deutsche Justiz machte für den Tod an der Mauer im Wesentlichen die DDR-Führung verantwortlich, während die Grenzsoldaten lediglich „ausführende Organe“ gewesen seien. In zahlreichen sogen. NS-Prozessen wurden hingegen Angeklagte bereits bei einer Tätigkeit im Umfeld der Mordmaschinerie wegen einer verantwortlichen Mitwirkung an den Morden verurteilt.

Rudi Dutschke und Peter Fechter

Vor Zwei Jahren, 25 Jahre nach seiner Ermordung, war in Anwesenheit von Fluchthelfern und zahlreicher ehemaliger politischer Gefangener der DDR im Berliner Bezirk Neukölln ein Straßenzug zur Erinnerung an den letzten Mauer-Toten in Chris-Gueffroy-Allee umbenannt worden. Dagegen weigert sich der Bezirk Mitte bis heute, einen Teil der Zimmerstraße zwischen Checkpoint Charly und Axel-Springer-Verlag zu Ehren des am 17.08.1962 an der Mauer elend verbluteten Bauarbeiters Peter Fechter in Peter-Fechter-Straße umzuwidmen. Die Alt-68er haben offenbar auch 27 Jahre nach dem Mauerfall Probleme im Umgang mit der DDR-Geschichte. Anders der Umgang mit dem APO-Heros Rudi Dutschke. Er erhielt trotz heftiger Proteste nach relativ kurzer Auseinandersetzung einen Teil der weltberühmten Kochstraße als Namensgeber.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.072)

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

Nr.025                    Förderverein – Info         15. Januar 2014

Die Redaktion meint:

Im letzten Jahr haben wir wenig erfreuliche Meldungen gehabt. Da gab es Kritik an der Einstufung von Juden als „Knechte Satans“; die Selbstauflösung des Frauenkreises ehemaliger Hoheneckerinnen bedrückte uns. Der größte und älteste Opferverband VOS trudelte von einer Krise in die andere… und, und, und…  Nach längerer Diskussion haben wir uns entschlossen, wenigstens die erste Ausgabe im neuen Jahr, immerhin das dritte Jahr für den HB, mit erfreulichen Meldungen und Ausblicken zu beginnen. Wir alle, Autoren und Leser, sollten Optimisten  sein und darauf setzen, daß sich dieser Vorsatz möglichst häufig in unseren Beiträgen über das Jahr durchsetzen lässt. In diesem Sinne allen Interessenten, Kritikern und Mitstreitern ein gutes Jahr 2014!

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Hoheneck auf dem Weg zur Gedenkstätte

 Stollberg/Erzgebirge, 15.01.2014/ts – Das neue Jahr begann für die ehemalige Frauen von Hoheneck mit einem Paukenschlag. Der sächsische Innenminister unterzeichnete in der erste Januar-Woche mit dem Stollberger OB ein  Abkommen, nachdem der Freistaat weitere Mittel von fast 700.000 Euro für den Ausbau des einstigen DDR-Frauenzuchthauses zur künftigen Nutzung als Gedenkstätte zur Verfügung stellt. Damit wurden bereits fast 3.000.000 Euro für Renovierungs- und Ausbauten zur Verfügung gestellt.

Da konnte auch nicht ein etwas missglücktes Interview des Direktors der Stiftung Sächsische Gedenkstätten im mdr-figaro die Stimmung bei den Beteiligten trüben. Siegfried Reiprich hatte ausgerechnet Gabriele Stötzer und Edda Schönherz als leuchtende Beispiele für das Engagement um Hoheneck herausgestellt (http://www.mdr.de/mdr-figaro/ausstellungen/audio746498.html). Dabei hatte Stötzer über wundersame Obst- und Liebesgaben im einstigen Knast publiziert und Edda Schönherz sich gerade erst im vergangenen Jahr um die Auflösung des Vereins der ehemaligen Hoheneckerinnen bemüht.

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Initiative: Verein Frauenkreis ehem. Hoheneckerinnen bleibt bestehen

 

Hoheneck/Darmstadt/cw – Optimistisch blickt die Initiative „Frauenkreis“ in das neue Jahr. Sprecherin Regina Labahn: „Wir glauben an den Erfolg unserer Feststellungsklage vor dem Amtsgericht Darmstadt, weil die überzeugenderen Argumente auf unserer Seite sind.“ Eine qualifizierte Minderheit des Vereins hatte sich gegen  den Auflösungsbeschluss, den der letzte zuvor gewählte Vorstand unter Federführung von Edda Schönherz und Konstanze Helber unter dubiosen Umständen durchgesetzt hatte, gewehrt und den Rechtsweg beschritten. Labahn: „Wir glauben, dass der Verein unter den jetzigen Umständen eine neue Blüte erleben wird und wir als Verein aktiv in Stollberg an der Umsetzung einer Gedenkstätte mitwirken werden.“

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Report Mainz: Hoheneckerin Inge Naumann zur Zwangsarbeit

Mainz/cw – Das ARD-Magazin REPORT Mainz berichtet am kommenden Dienstag, 14.01., um 21:45 Uhr u.a. zum Thema Zwangsarbeit in der DDR. Dazu äußert sich die vormalige Vorsitzende des Vereines „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“, Inge Naumann. Naumann berichtet über die Arbeit als Gefangene im ehemaligen  Frauenzuchthaus. In Hoheneck wurden Waren im Wert von Millionen  DDR-Mark produziert. Die dort durch Zwangsarbeit produzierten Strümpfe und Bettwäsche waren über Kataloge und auf den Ramschtischen der Kaufhäuser Neckermann  und Quelle verkauft worden.

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Koalitions-Vertrag sieht Verbesserungen bei Opfer-Entschädigung vor

Berlin/cw – Für die Opfer politischer Verfolgung durch die zweite Diktatur in Deutschland sieht der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD Verbesserungen in den Entschädigungs-Leistungen vor. Kenner der Szene erinnern an das Zustandekommen der Rentenzahlungen für erlittene Haft aus politische Gründen im Jahre 2007, die ebenfalls durch eine große Koalition erfolgt waren. Zuvor hatten sich beide Lager im Wettstreit um die Stimmen der Opfer gegenseitig jeweils Blockadehal-tungen vorgeworfen, ja nach Standort in der Regierung oder Opposition. Durch die Große Koalition sei diese Haltung nicht mehr glaubwürdig gewesen und hatte so die Koalitionspartner zum Handeln veranlasst. Aufgrund dieser Konstellation erhoffen sich die Opferverbände erneut einen Durchbruch in den jahrelange Bemühungen um Verbesserungen.

Auch in Sachen  DDR-Renten stände jetzt die SPD im Wort, erinnerte jetzt die Vereinigung 17. Juni in Berlin. Die Bundestagsfraktion hatte gegenüber einer Abordnung von Opfervereinen 2012 im  Deutschen Bundestag eine Reform im Falle einer Regierungsübernahme verbindlich zugesagt (wir berichteten).

https://17juni1953.wordpress.com/2013/04/08/danke-ottmar-schreiner/ https://17juni1953.wordpress.com/2012/01/29/frg-heise-debatte-zu-nachtlicher-stunde-im-bundestag/

https://17juni1953.wordpress.com/2012/01/26/bundestag-fortsetzung-gesamtdeutscher-kapriolen/

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UOKG zeigt sich menschlich: Wird junge Mutter ausgezahlt?

 

Berlin/ts – Nach unserem Bericht über die Vertragskalamitäten einer jungen Mutter mit der UOKG (Nr.024/15.12.2013) hofft die junge Mutter auf Bewegung. Die Redaktion hat sich schriftlich an den Finanzchef des Dachverbandes gewandt und diesen um  eine einvernehmliche Lösung in dem Konflikt gebeten. Jetzt hoffen wir gemeinsam mit der vorübergehenden Aushilfskraft auf ein gutes Ende. Die junge Mutter hatte für den stark frequentierten Bereich „Beratung für ehemalige Heimkinder“ einen kurzfristigen Aushilfsvertrag erhalten, war aber nach Eintritt in die Mutterschaft nicht mehr bezahlt worden.

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VOS rettet sich in das neue Jahr – Insolvenz bisher abgewehrt

Berlin/cw – Für den 27. November letzten Jahres drohte die Zwangsvollstreckung: Die Rentenversicherung hatte von der VOS per Bescheid über 100.000 Euros aus vorenthaltenen Sozialabgaben nachgefordert. Der amtierende VOS-Chef Hugo Diederich legte Einspruch ein. Nun entscheidet das Sozialgericht. Zumindest solange wird der älteste und größte DDR-Opferverband seine Existenz fortführen können. In mehreren neuenLändern hatten sich bereits vorsorglich eigene Vereine unter dem bisherigen Namen gegründet.

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Zentralrat: Evangelische Kirche soll auf Distanz gehen

Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in  Deutschland, hat jetzt die Evangelische Kirche aufgefordert, sich „stärker von bestimmten evangelikalen Kreisen zu distanzieren“, die Judenmission betreiben. Kramer: „Wer Juden die Heilsfähigkeit abspricht, spricht dem Judentum letztendlich ebenfalls die Daseinsberechtigung ab.“ Das sei beleidigend. Der jetzige Präses der EKD, Nikolaus Schneider, hatte bereits 2009 die Judenmission als „theologischen Irrweg“ bezeichnet, was Kramer ausdrücklich lobte. Der Generalsekretär des Zentralrats forderte in seiner Erklärung auch eine stärkere Distanz der Evangelischen Kirche zu Martin Luther, der unumstritten ein Antisemit gewesen sei. Beobachter erwarten nun, dass auch das Bundespräsidialamt aus dem Appell Konsequenzen  zieht und Vertretern dieser Evangelikalen Thesen künftig Einladungen verweigert.

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BGH entscheidet über Bildrechte am Todesfilm über Peter Fechter

Karlsruhe/cw – Der BGH entscheidet voraussichtlich am 22.01.2014 über die anhängige Revision zweier Journalisten  aus Berlin. Diese hatte  sich gegen  einen Entscheid des Kammergerichtes Berlin an Karlsruhe gewandt, das eine Klage auf die Geltendmachung von Rechten an dem weltberühmt gewordenen Filmstreifen über den Tod von Peter Fechter abgewiesen hatte. Der achtzehnjährige Fechter war am 17. August 1962 jämmerlich unmittelbar hinter der Mauer nach einem durch gezielte Schüsse vereitelten Fluchtversuch verblutet. Der seinerzeitige Filmautor Herbert Ernst hatte die Rechte durch Notar-Vertrag vor wenigen Jahren an die zwei Journalisten abgetreten und sieht der Entscheidung „sehr optimistisch“ entgegen.

Ebenfalls optimistisch erwartet die Vereinigung 17. Juni zum 25. Jahrestag des Mauerfalls eine positive Entscheidung der zuständigen Gremien über die angeregte Umbenennung eines Teils der Zimmerstraße in Kreuzberg in „Peter-Fechter-Straße“. Die unmittelbare Nachbarschaft zu der seinerzeit umkämpften „Rudi-Dutschke-Straße“ würde einen wesentlichen Teil der Berliner Nachkriegsgeschichte dokumentieren, erklärte dazu der Vereinsvorstand. Am 14. Januar wird  die Berliner Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU AG in der Behaimstr. 11 in Berlin-Weissensee, dem ehemaligen Wohnhaus Peter Fechters, eine Gedenkplakette  aus Anlass seines 70. Geburtstages  (14:00 Uhr) enthüllen.

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Zum 70. Jahrestag des Hitler-Attentates: Schafott der Sophie Scholl entdeckt 

Heuer begeht Deutschland neben einigen anderen Gedenktagen auch den 70sten Jahrestag des Attentates auf Adolf Hitler vom 20.Juli 1944. Jetzt wurde in einem Münchner Museum die Guillotine entdeckt, mit der u.a. die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Mitglieder des Widerstandskreises „Weiße Rose“ in München, zwei Jahre vor Kriegsende hingerichtet wurden. Entdeckt hat das Mordinstrument nach einem Bericht der Süddeutsche Zeitung der Kunsthistoriker Sybe Wartena, der als Referent für Volkskunde im Bayerische Nationalmuseum tätig ist. Wartena ist sich aufgrund untersuchter Indizien „zu 95 Prozent sicher“, daß das Fallbeil aus Stadelheim, unter dem zwischen  1933 und 1945 1.000 Delinquenten gestorben seien, jenes gewesen sei, unter dem neben den Scholls auch Christoph Probst, Alexander Schmorell, Kurt Huber und Willi Graf sterben mussten.

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Paul Schultz: Appell an Kreuzberg und Stiftung Berliner Mauer

Berlin/cw – Die Vereinigung 17. Juni hat sich jetzt in gleichlautenden Schreiben an die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Kreuzberg, Monika Herrmann (GRÜNE) und die Stiftung Berliner Mauer, Prof. Dr. Axel Klausmeier, gewandt. Beide Institutionen werden gebeten, eine angemessene Erinnerung an den vor 50 Jahren am ersten Weihnachtsfeiertag bei einem  Fluchtversuch ermordeten  achtzehnjährigen  Paul Schultz an der Kreuzberger St.-Thomas-Kirche sicherzustellen. Die Vereinigung hatte auf Anregung ihres Vorsitzenden zum Todestag erneut, wie vor 50 Jahren, ein Holzkreuz aufgestellt. In dem Schreiben heißt es: „Das jetzt erstellte Holzkreuz betrachten  wir schon von der witterungsabhängigen Zerfallzeit her als eine provisorische Erinnerung, die zu einem dauerhaften Gedenken anregen sollte.“

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Termine im Jubiläumsjahr der Erinnerungen 

München/cw – Der Historische Verein von Oberbayern und das Stadtarchiv München laden zu folgenden Veranstaltungen ein:
Montag, 13. Januar 2014, 18:30 Uhr – Vortrag von Dr. Veronika Diem, München: Die Freiheitsaktion Bayern. EinAufstand in der Endphase des NS-Regimes – Ort: Vortragssaal des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Schönfeldstraße 5, 80539 München, Eintritt frei; keine Voranmeldung notwendig.
Donnerstag, 30. Januar 2014, 19 Uhr – Buchvorstellung: Ilse Macek und Friedbert Mühldorfer (Hrsg.), Alfred Koppel, „Dies ist mein letzter Brief…“. Eine Münchner Familie vor der Deportation im November 1941, München (Volk Verlag) 2014 – Ort: Rotunde des Stadtarchivs München, Winzererstr. 68, 80797 München – Achtung:  Anmeldung erbeten unter: stadtarchiv@muenchen.de

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Berlin, 31.10.2012/cw – Am Reformationstag keine Reform in Berlin: Der Senat lehnte es jetzt erneut ab, dem Antrag des Bezirkes Berlin-Pankow zu entsprechen und das Grab Peter Fechters in ein Ehrengrab der Stadt Berlin umzuwidmen. Peter Fechter war am 17. August 1962 nach dem Beschuss durch Grenzposten unter den Augen einer entsetzten Weltöffentlichkeit direkt hinter der Mauer nahe dem Checkpoint Charlie verblutet und war damit zum Synonym für die Grausamkeit des „Friedenswalles“ der DDR und den Mord an der Mauer geworden.

Der Senat begründet seine Ablehnung damit, daß die Ehrengrabstätten des Landes Berlin verstorbenen Persönlichkeiten vorbehalten sind, „die hervorragende Leistungen mit engem Bezug zu Berlin vollbracht oder die sich durch ihr überragendes Lebenswerk um Berlin verdient gemacht haben“. Zur Erinnerung: Vor Jahren mußte der Berliner Senat nach heftigen  Protesten der Vereinigung 17. Juni das Ehrengrab für William Borm aufheben, nachdem dieser über Jahrzehnte für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit Informationen geliefert hatte. Überragende Leistungen?

13.August 2012: Unterschriftensammlung für „Peter-Fechter-Straße“ am Checkpoint Charlie – Foto: LyrAg

Peter Fechter wird seit nun mehr fünf Jahrzehnten am eigenen Mahnmal mit Kranzniederlegungen und ehrenden Worten bedacht, die Tragödie seines dramatischen Todes und dessen Bedeutung für die Sichtbarmachung der verbrecherischen Folgen der Teilung Berlins beteuert. Man fühlt sich an Goethes Faust erinnert: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Dabei zeigen sich die Berliner Institutionen an anderer Stelle durchaus flexibel. Während seit Jahren die Benennung des Platzes vor dem Bundesfinanzministerium in „Platz des 17. Juni“ unter Hinweis auf das Straßenbenennungsgesetz, das Doppelbenennungen von Straßen und Plätzen untersagt, bedauernd abgelehnt wird, war es ziemlich schnell möglich, die bekannte Kochstraße in Kreuzberg zum Teil in „Rudi-Dutschke-Straße“ umzubenennen. Dass es in Dahlem bereits einen „Rudi-Dutschke-Weg“ gab, wurde großzügig übersehen.

Auch der Fluchthelfer Dr. Burkhart Veigel votierte für die „Peter-Fechter-Straße“ – Foto: LyrAg

Wenigstens der Umbenennung eines Teiles der Zimmerstraße in „Peter-Fechter-Straße“ steht der Berliner Senat nicht im Wege, wenn  man seinen Beteuerungen glauben will. „Bei einer Umsetzung unseres Vorschlages nehmen wir gerne inkauf, daß sich der Generalsekretär der Berliner CDU als Ideengeber vermarktet,“ sagte dazu ein Sprecher der Vereinigung 17. Juni  in Berlin. Wichtig sei die Erinnerung an eine Zeit, an die Peter Fechter immerwährend erinnern wird. Da die Straßenwidmung eine Entscheidung des Bezirkes Mitte sei, ist der Senat jedoch in seiner Verantwortung für die ganze Stadt gefordert. Die Vereinigung fordert die Stadtregierung auf, die Entscheidung gegen ein Ehrengrab für den Mauer-Toten Fechter „spätestens bis zu dessen 51. Todestag“ zu überdenken. Auch die in der Ehrengrabanlage der Stadt bestatteten Toten des Volksaufstandes vom 17. Juni erfüllen im  Einzelfall die beschriebenen Kriterien für Ehrengräber nicht. Sie sind dennoch zu Recht in dieser Form geehrt worden, weil „sie untrennbarer Teil eines historischen Geschehens wurden, der weit über Berlin hinaus seine unauslöschliche Bedeutung gehabt hat,“ so der Verein.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

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