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Berlin, 8.11.2013/cw – Auseinandersetzungen zwischen Zeitungen oder deren Matadoren sind im Gegensatz zu früheren Zeiten äußerst selten geworden. Gestern, Donnerstag, 7. November, versuchte sich BZ-Kolumnist Schupelius auf der Meinungs-Seite 8 in der Anknüpfung an eine ehrenvolle Vergangenheit der schreibenden Zunft. Anlass zum Ärger bot kein  Geringerer als Tagesspiegel-Chef Lorenz Marold. Der hatte sich hart an der Grenz-Überschreitung tippend mehr als abwertig über FC-Bayern-Chef Uli Hoeneß geäußert. Was Gunnar Schupelius in Rage brachte.

Hoeneß „repräsentiert den Dreck, an dem unsere Gesellschaft erstickt“ und Hoeneß sei „ein kleines Würstchen“ zeilte frustriert der Chef der seriösen Berliner Tageszeitung. Dass sich darüber ausgerechnet eine Boulevard-Zeitung mokiert, die vom Geschäftskonzept her auch nicht gerade zimperlich schlagzeilt, verwundert zwar, gibt dadurch aber nicht unbedingt dem Blatt-Moralisten Schupelius in seiner Kritik automatisch Unrecht.

http://www.bz-berlin.de/thema/schupelius/tagesspiegel-beschimpft-hoeness-als-dreck-article1758912.html

Berlins "grösste Zeitung" im Meinungs-Kampf der Kolumnisten

Berlins „grösste Zeitung“
im Meinungs-Kampf der Kolumnisten

Verwundern tut etwas anderes. Schupelius regt sich über in der Tat verletzende Äußerungen seines Kollegen  bei der Konkurrenz auf, gut. Aber wann und wo regte sich Schupelius über Rainer W. auf? Rainer W. ist nicht irgendwer. Er ist zwar Provinzpolitiker der CDU im schönen Rheinland-Pfalz, nicht unbedingt Thema für ein Boulevardblatt an der Spree. Aber Rainer W. ist auch Vorsitzender des Dachverbandes der Diktatur-Opfer, besetzt verantwortliche Positionen in den Berliner Stiftungen „Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen“ und „Berliner Mauer“. Er ist also häufig in Berlin präsent, wo er u.a. immerhin auch Gast im  Schloss Bellevue ist.

Und dieser Rainer W. zieht  in seiner Auch-Eigenschaft als Theologe öffentlich über die Juden als „Knechte Satans“ her, hetzt über den Islam: „Allah ist eine Erfindung und Mohammed sein falscher Prophet“ und diffamiert in diesem Atemzug Buddhisten („deren Hauptmerkmal Geisterkult ist“) und ein „Hinduistisches Heiligtum“  in seiner pastoralen Umgebung, in dem „indische Dämonen und Götzen“ verehrt werden. Muss man da noch seine Ausfälle gegen den Bau einer Moschee in seiner Gemeinde erwähnen?

Finstere Kreaturen beherrschen die Welt. Die teuflische Dreieinigkeit aus Satan – als teuflischem Vater- dem Antichrist – als Sohn des Bösen – und dem falschen Propheten – als finsterem Geist – macht die Welt zu ihrem Hauptquartier. Die Menschheit läuft, vom falschen  Propheten beeinflusst, dem satanischen  Zeitgeist nach und verehrt mit Worten und Taten Satan und den Welttyrannen, den Antichrist,“ so Opfer-Funktionär Rainer W., der sich vorsorgend seine Absolution durch den zuständigen Staatsanwalt eingeholt hat, der ihm attestierte, seine „Religionsfreiheit“ auszuüben (was ja für einen Theologen gegeben sein mag, aber für einen in der Öffentlichkeit wirkenden Funktionär?).

 Jetzt frage ich Gunnar Schupelius: Wo liegt für ihn der Unterschied zwischen dem Hoeneß-„Dreck“ oder dem bayerischen „Würstchen“ einerseits und der Bezeichnung von Juden als „Knechte Satans“ oder den „Finsteren Kreaturen, die die Welt beherrschen“ andererseits? Geht das, sich aufregen über Steuersünder-Vokabeln eines Kollegen, die daneben liegen und dem Schweigen über Äußerungen eines politischen Repräsentanten, der Extreme bedient, die zwischen 1933 und 1945 in diesem Land als „normal“ empfunden wurden und heute nun wirklich mehr als „daneben liegen?“ An  dieser Stelle veröffentlichen wir gerne die Schupelius-Antwort.

V.i.S.d.P.:Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207778

Referenz an einen  Prediger, Politiker, Schriftsteller und Multifunktionär für die Vermittlung deutscher Realitäten

Berlin, 31.01.2013/cw – In den  vergangenen Monaten und Wochen gab es in Kreisen der Opferverbände einige Irritationen und Verwerfungen im Umgang miteinander. Auslöser waren Äußerungen eines Mannes namens Rainer W., von dem man das in dieser Schärfe und Unklugheit nicht erwartet hätte. Allerdings liegt die Äußerung von den „Knechten Satans“ und die Einbindung der Juden in diese Definition schon einige Jahre zurück (November 2006). Wiederholungen dieser krassen Äußerung nach den vor Jahren geführten  Auseinandersetzungen bis hin zu einem  Ausschlussantrag aus der VOS wegen „antisemitischer Äußerungen“ waren klugerweise nicht mehr zu erwarten.

Rainer hat sich auch daran gehalten, hat – soweit bekannt – seine zumindest missverständliche Replik über die Knechte Satans nicht wiederholt und wohl lieber, das muss eingeräumt werden, alttestamentarisch ausgerichtete Studienreisen nach Israel organisiert. Warum dann diese Debatte?

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Im November 2011 fabulierte Rainer erneut über außerchristliche Religionsgemeinschaften, bezeichnete Allah als eine Erfindung und Mohammed als dessen falschen Propheten. In einem Aufwasch attestierte er gleich noch Buddhisten und Hindus Geisterkult und Götzen-Verehrung. Das war dann für mich Anlass, Rainers funktionale Äußerungen  zu hinterfragen: War hier gar ein Wiederholungstäter am Werk?

Bibelübersetzung gotteslästerlich und vom Satan aufgebrachte Irrlehre

Diese Frage ist wohl mit JA zu beantworten. Wie die Recherche ergab, sind die vorgenannten „Knechte Satans“ über WIKIPEDIA allzeit abrufbar. Nach wie vor sind diese Äußerungen nicht kommentiert. Will Rainer mögliche Mißverständnisse bewußt nicht ausräumen, weil Rainer diese von ihm verfassten Texte nach wie vor richtig findet? Im gleichen Eintrag finden sich auch andere Erkenntnisse:

Wagner betrachtet die 2006 auf der Frankfurter Buchmesse eingeführte Bibelübersetzung „Bibel in gerechter Sprache“  als „gotteslästerlich“ und vom „Satan aufgebrachte Irrlehre“, da sie sich bezüglich Gottesbegriff nicht nur am Urtext orientiert, sondern bewusst weltanschauliche Motive einfließen lässt.  Allah sei ein „heidnischer Götze“ und hinter ihm ständen die „Mächte der Finsternis“. Juden, Heiden und Atheisten seien Knechte Satans. Die Bekehrung Israels zum Christentum sei unausweichlich.“

Aber warum  soll ein Kirchenmann nicht „Wiederholungstäter“ sein  dürfen? Wird nicht gerade von diesem mehr als von jedem anderen die aktive Verbreitung von Überzeugung verlangt? (Einmal ausgeklammert, dass andere Theologen diese Äußerungen  als „Hetzpredigt“ bezeichnen.) Jedenfalls habe ich tunlichst dem Prediger Rainer diese Äußerungen  nicht vorgehalten, soweit diese seinen engen Kirchenbereich tangieren. Kritisch merkte und merke ich die Unvereinbarkeit seiner Äußerungen  mit seinen Verpflichtungen in seinen Funktionen als Politiker und  ehrenamtlicher Vorsitzender eines Dachverbandes der Diktatur-Opfer an, die eine besondere Sensibilität erfordern.

Mein seinerzeitiges Engagement gegen Rainers Ausschluss aus der VOS war aus heutiger Sicht wohl verfrüht, ich hielt seine damalige Verknechtung von Nichtchristen durch Satan für einen einmaligen und verzeihlichen  Ausrutscher.

Ich gebe zu, ich habe mich geirrt – mea Culpa, meine Schuld.

Im Jahre 80 nach der Machtergreifung dürfen Juden wieder diffamiert werden 

Aber: Ich verdanke Rainer immerhin wichtige Erkenntnisse. Diese lassen sich an vielen Denkpunkten ablesen: Die Mitgliederversammlung des Dachverbandes hat im Wissen um die „Knechte Satans“ und der Einbeziehung der Juden in diese Diktion ihrem Vorsitzenden das Vertrauen ausgesprochen und damit ihre glasklaren Beschlüsse unter Rainers Vorgänger revidiert. Zu Zeiten des gradlinigen Horst Schüler gab es keine Atemlänge Akzeptanz für derartige Äußerungen. Die den Dachverband fördernden Institutionen sahen ebenfalls keinen  Spielraum für derartige Exzesse und drohten seinerzeit sogar die Sperrung von Mitteln an, wenn ein Vereinsvertreter wegen seiner Jahre zurückliegenden schädlichen Äußerungen nicht aus dem Verband verbannt werden würde. Heute sehen diese Instanzen offenbar keinen Grund, an solchen Formulierungen  Anstoß zu nehmen (Einzig die Landeskirche in Rheinland sah sich zu einer Ermahnung ihres Predigers veranlasst.). Vielleicht liegt ja der Unterschied zwischen einer offensichtlich im Suff gehaltenen unbedachten, wenngleich ebenso nicht akzeptablen Äußerung und der überlegten biblizistischen Auslegung der Heiligen  Schrift?

Die dritte Macht im  Staate, die Medien, die ansonsten viel Wert auf die unzweideutige Positionierung gegen jede Form von Extremismus und Verächtlichmachung anderer Gruppen und Religionen legen, sie schwiegen und sie schweigen sich aus. Man könnte das auch als „funktionierende Vernetzung“ bezeichnen. Daraus einen Vorwurf zu kreieren, wäre weinerlich. Daher habe ich die Botschaft zur Kenntnis genommen, dass es im Jahre 80 nach der sogen. Machtergreifung durch die braunen Horden wieder (oder weiterhin?) erlaubt ist, Juden in den finsteren Kreis der Knechte Satans einzubeziehen, eine andere Weltreligion zu verunglimpfen, deren Gott als Erfindung und deren Propheten als „falsch“ zu diagnostizieren und weiteren Glaubensrichtungen, wie Buddhismus und Hinduismus, die Ernsthaftigkeit durch die Klassifizierung als Geister- oder Götzenkult abzusprechen.

Statt notwendiger Diskussion Diffamierung von Kritikern

Im Rahmen dieser Auseinandersetzung habe ich gelernt, dass man sich sowohl als Kirchenmann wie als Vorsitzender eines Dachverbandes der Verfolgten und Opfer der SED-DDR-Diktatur einer Diskussion in der Sache entziehen und stattdessen Drohungen und Diffamierungen gegen Kritiker dieser Äußerungen verbreiten kann, ohne  – in welcher Form auch immer – Konsequenzen befürchten zu müssen. So kann  in diesem Kanon offenbar der einstige Stellvertreter im Vorsitz besagten Dachverbandes mit Schadenersatzforderungen  bis zu 100.000 Euro für mögliche Ausfälle bei der Organisierung von Reisen in das Gelobte Land (wegen der veröffentlichten  Kritik) bedroht oder für die Veröffentlichung von zwei oder drei Sätzen einer Mail Honorarforderungen in Höhe von 1.000 Euro gestellt werden  (die Multi-Funktionen haben ihren marktorientierten Preis).

Danke Rainer, für diese Lehrstunden in die Realitäten unseres Landes. Ob sich nun gewisse Gruppierungen, mit denen wir Beide nichts am Hut haben, diesem Dank anschließen (werden), weil diese aufgrund der biblizistischen Vorarbeit und mit Zustimmung auch des Dachverbandes offen und ungehindert über die Knechte Satans, den falschen Propheten und die Errichtung von Moscheen für ihren erfundenen Götzen Allah referieren dürfen, weiß ich nicht.

Ich weiß nur, dass ich  diese Interpretationen der Bibel durch einen Träger des Bundesverdienstkreuzes weiterhin nicht akzeptiere. Insoweit mag man mich weiter als „Extremisten“ oder „Nestbeschmutzer“ diffamieren. Irrtümlich hatte ich wirklich geglaubt, den  Äußerungen  des Predigers, Politikers, Schriftstellers und Multifunktionärs wirksam Paroli bieten zu können. Rainer hat mich gelehrt, wer und was einer in unserem Land ungestraft sagen darf.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

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