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Interview mit Rainer Kunz, dem Verwaltungsleiter der Großen Kreisstadt Stollberg

Berlin/Stollberg, 28.03.2017/cw – Im Zusammenhang mit unserer Berichterstattung über und um die Gedenkstätte in Hoheneck/Stollberg erreichen uns immer wieder Kommentare und Anfragen. Wir haben die angesprochenen Probleme in Fragen gefasst und dem Verwaltungsleiter der Großen Kreisstadt Stollberg, Rainer Kunz, vorgelegt. Die Stadt ist Eigentümer des Areals des ehemaligen DDR-Frauenzuchthauses in Hoheneck. Gegenwärtig, d.h. seit rund zwei Jahren, wird die einstige Burg für bisher rund 10 Mio. Euro umgebaut. Wichtiger Bestandteil dieser Maßnahmen ist die Schaffung einer Gedenkstätte, die an die Leiden der rund 10.000 überwiegend politischen Gefangenen zwischen 1945 und 1989 erinnert. Der vormalige Bundespräsident Christian Wulff hatte sich bei seinem Besuch in Hoheneck im Mai 2011 energisch für eine Gedenkstätte ausgesprochen. Das nachfolgende Telefon-Interview führte Carl-Wolfgang Holzapfel.

Die Arbeiten für eine Gedenkstätte gehen zügig voran: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird Schritt um Schritt saniert. –
Foto: LyrAg

Hohenecker Bote (HB): „Seit Jahren ist eine “ Gedenkstätte “ gefordert und geplant?“ fragt zum Beispiel unsere Leserin Edith Fiedler, eine ehemalige Hoheneckerin. Steht das denn überhaupt infrage?

Rainer Kunz (RK): Natürlich nicht. Die Gedenkstätte war und ist fester Bestandteil unserer Planungen, stand und steht darum auch nicht infrage. Darüber haben wir auch immer fortlaufend informiert. Dass die Umsetzungen, von der Planung bis hin zur Beschaffung notwendiger Finanzen, seine Zeit in Anspruch nimmt, ist einsichtig. Die Stadt Sollberg hat jedenfalls alles ihr Mögliche getan, um das nicht gerade kleine Projekt zu fördern.

HB: Vielen ist nicht bekannt wo die „Gedenkstätte“ eingerichtet werden soll. Und wo wurden die bereits ausgekehrten Gelder für die Gedenkstätte verbaut? Nicht nur Edith Fiedler hinterfragt offensichtlich den genauen örtlichen Standpunkt der Gedenkstätte. Die örtliche Stollberger Zeitung hat sicherlich schon ausführlicher berichtet, aber viele Hoheneckerinnen und damit Interessierte leben ja oft weit entfernt von Stollberg.

RK: Die Gedenkstätte entsteht im 2. OG des Westflügels unterhalb des ehem. Kirchensaales und in einem ein Teil des Südflügels. Der Südflügel selbst bleibt als Zellenhaus erhalten und wird somit in den Aktionsbereich der Gedenkstätte einbezogen, zum Beispiel für Führungen. Das Dach des Südflügels ist bereits (mit 850.000 Euro vom Denkmalsschutz gefördert) saniert worden. Nach dem Fördermittelbescheid stehen also allein für die Gedenkstätte rund 1 Million Euro an Mitteln für Baumaßnahmen und Planung zur Verfügung. Konkret ist derzeit die Entkernung realisiert, das heißt, alte und nicht mehr verwertbare Materialien und Konstruktionen (verwitterte Türen, alte Bodendielen, Fenster etc.) wurden entfernt und/oder entsprechend ersetzt.

HB: Nun verzögert sich ja die für den Sommer angestrebte Eröffnung der Gedenkstätte wegen statischer Probleme. War das nicht mit diesem Theaterprojekt voraus zu sehen, dass erhebliche bauliche Aufwendungen entstehen werden? Waren die Deckenverstärkung für die Bühne und den Saal bei der Konzeption des Theaterprojektes nicht vorhersehbar?

Theater braucht eine andere Statik

RK: Die jetzt notwendigen Änderungen in der Statik waren so nicht vorhersehbar. Das Theaterprojekt kam ja erst während der bereits in Gang gesetzten Umbaumaßnahmen ins Gespräch, war also in die bisherige Planung gar nicht einbezogen. Der bisherige Standtort des Theaters in der Stadt ist baufällig und wird ohnehin vom Landkreis für eine medizinisches Versorgungszentrum benötigt, weil es direkt neben dem Kreiskrankenhaus liegt. Daher kam der Landkreis auf uns zu, weil sich noch nicht genutzte Kapazitäten im Bereich des Projektes „Burg Hoheneck“ anboten. Natürlich braucht ein Theater eine andere Statik, allein schon für die notwendigen Bühnen-Erfordernisse.

Christian Wulff, hier 2011 vor der Wasserzelle in Hoheneck, hatte sich energisch für eine Gedenkstätte ausgesprochen –
Foto: LyrAg

HB: Werden noch weitere Probleme auftauchen und wird das nicht die letzte Verzögerung für die „Gedenkstätte“ sein? Oder gibt es für die Eröffnung bereits einen Planungstermin?

RK: Probleme tauchen bei einem so großen Projekt immer auf. So wird es allein durch die angesprochenen Umbaumaßnahmen in der Statik zwangsläufig zu Verzögerungen bis zur Eröffnung der Gedenkstätte kommen. Wir haben derzeit dafür das Frühjahr 2019 in der Absicht, ohne uns dabei jetzt schon verbindlich festlegen zu können. Das liegt eben nicht nur in unserer Hand.

HB: Es wird auch kritisiert, dass der Theaterbau „auf Kosten der Gedenkstätte“ erfolgt. Aber stand nicht von den ersten Konzeptionen an fest, dass eine Gedenkstätte nur unter der Maßgabe einer vielfältigen Nutzung des Areals möglich sein wird?

RK: Der angesprochene Theaterbau erfolgt natürlich nicht zu Lasten der Gedenkstätte. Die jetzt eingetretenen Verzögerungen stellen ja das Projekt Gedenkstätte keinesfalls infrage. Auch wird diese ja nicht durch das Theater reduziert oder eingeschränkt. In der Tat stand am Beginn unserer Überlegungen, dass ein solches umfangreiches Vorhaben nur breit gefächert umzusetzen sein wird, also durch eine mögliche Vielfalt von Angeboten. Sie selbst haben ja Teile dieser Gedanken in Ihr 2011 vorgelegtes Konzept richtigerweise eingearbeitet.

Bisher stehen rund 10 Mio. Euro für Investitionen zur Verfügung

Rainer Kunz (Mi.) bei der Ehrung der Toten von Hoheneck im Feb.2013  (mit Landrat Frank Vogel (re.) und Jens Franz  – Foto: LyrAg

HB: Welche öffentlichen Gelder sind für die „Gedenkstätte“ eingeplant, wie hoch sind diese aktuell und welche Mittel stehen dafür noch zur Verfügung, welche Mittel fehlen? Können Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwas über die finanziellen Relationen der einzelnen Projekte zueinander sagen? Und wie viele Projekte werden derzeit umgesetzt?

RK: Für erste Baumaßnahmen standen ja bereits eine Million Euro zur Verfügung. Die Ergebnisse sind ja zum Teil bereits sichtbar: Abriss und Sanierung des vorgelagerten Bereiches, Dachsanierung etc. Gegenwärtig sieht es also so aus:

Für die Phänomenia stehen 4,7 Mio., für die Gedenkstätte 1 Mio. und für das Theater 3 Mio. Euro zur Verfügung. Wobei die Mittel unter der Rubrik „Theater“ ja nicht nur den Theatersaal, sondern auch Nebenräume und Büros einschließen. Der Saal selbst kann ja auch für Veranstaltungen der Gedenkstätte genutzt werden, weil das Theater diesen ja nicht über 365 Tage im Jahr durchgängig nutzt. Da sind also auch Vorträge, Buchlesungen und dgl. möglich. Wir haben es hier also immerhin mit einer bisherigen Gesamtsumme in Höhe von fast 10 Mio. Euro zu tun. Angesichts der jahrelangen Untätigkeit auf diesem Areal, das nicht nur für die Stadt Stollberg eine hohe historische Priorität genießt, eine nicht unerhebliche Investition.

HB: Gibt es nach den erheblichen Umbauten des einstigen Frauenzuchthauses der DDR noch planungsfreie Räumlichkeiten und Flächen? Wenn ja, wie und wo sollen diese künftig einbezogen werden?

RK: Ja, es gibt noch freibleibende Möglichkeiten der Gestaltung im Erdgeschoss des Westflügels. Noch ohne Nutzungskonzept ist derzeit auch der gesamte Ostflügel, den ja die Stasi eigens im ehemaligen Zuchthaus genutzt hat. Hier stehen noch diverse Ideen im Raum, zum Beispiel die Nutzung als Übernachtungsmöglichkeit für Besucher von Veranstaltungen oder Seminarteilnehmer. Die Umsetzung braucht sicherlich noch Zeit, zumal in Thalheim, ca. 3 Kilometer entfernt, eine Jugendherberge für etwa 120 Personen existiert, die zumindest gegenwärtig ja auch in eine Frequentierung von Hoheneck einbezogen werden könnte.

HB: Wir danken Ihnen für die offenen Antworten.

© 2017 Hohenecker Bote

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Stollberg/Hoheneck, 11.11.2016/cw – In der nächsten Woche entscheidet sich das Schicksal des mit Furore gestarteten Fördervereins für eine Gedenkstätte Hoheneck. Zum 18. November hat der vom Amtsgericht eingesetzte Notvorstand unter der Führung von Susanne Ebert zu einer Mitgliederversammlung eingeladen. Bisher haben sich zwei Mitglieder bereit erklärt, für den Vorstand zu kandidieren. Sollten sich keine weiteren Kandidaten finden oder die Wahl an fehlenden Mehrheiten scheitern, dürfte sich der Verein wohl in der Konsequenz auflösen.

Am 10. April letzten Jahres hatte der Verein nach langen Querelen einen neuen Vorstand unter dem ehemaligen, weil zurückgetretenen Vorsitzenden Dietrich Hamann gewählt. Nach Protesten hatte das Amtsgericht den Beschwerden stattgegeben und die Wahlen wegen Rechtsfehlerhaftigkeit für ungültig erklärt.

Er hatte die Gedenkstätte bei senem Besuch im Mai 2011 in Hoheneck angemahnt: Bundespräsident Christian Wulff  (re.) neben Ellen Thiemann (li.)    -       Foto: LyrAg

Er hatte die Gedenkstätte bei senem Besuch im Mai 2011 in Hoheneck angemahnt: Bundespräsident Christian Wulff (re.) neben Buchautorin Ellen Thiemann (li.) – Foto: LyrAg

Christian Wulff forderte eine Gedenkstätte

Die zeitweilig zwei Fördervereine in Stollberg haben inzwischen eine eigene Geschichte. Nach dem Besuch des Bundespräsidenten Christian Wulff im Mai 2011 in Hoheneck, den die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg mit ihrem Lebensgefährten initiiert und für den Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen vorbereitet und organisiert hatte, nahm das Projekt einer Gedenkstätte Fahrt auf. Wulff hatte in seiner eindringlichen Ansprache im ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus nachdrücklich eine Gedenkstätte gefordert.

Nachdem sich Sterneberg in einem Gespräch mit Siegfried Reiprich, dem Direktor der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, dessen Zustimmung für die Gründung eines Fördervereins gesichert hatte, schritt die Hoheneckerin zur Tat. Hintergrund war die Tatsache, dass der bereits seit Jahrzehnten bestehende Verein des Frauenkreises wegen seiner fehlenden Eintragung in das Vereinsregister keine Förderung für ein derartiges Projekt erhalten würde (Reiprich). Zusammen mit ihrem Lebensgefährten suchte Sterneberg Bürger in Stollberg auf, die an der Begründung einer Gedenkstätte mitwirken wollten. Da Dietrich Hamann einen Vorsitz aus persönlichen Gründen ablehnte wurde beschlossen, zunächst einen Gründungsvorstand zu wählen, der nach erfolgreicher Einarbeitung den Verein in Stollberger Hände übergeben sollte.

Aufnahme in den Förderungskatalog

Nach der Bündelung von Ideen für eine Gedenkstätte u.a. im Rathaus unter Einbeziehung des seinerzeitigen Eigentümers von Hoheneck, Bernhard Freiberger und seines Geschäftsführers Jens Franz legte der gerade eingetragene Verein im November 2011 der Öffentlichkeit ein erstes Konzept für eine „Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck (BuG Hoheneck)“ vor. Dieses Konzept wurde auch den Fraktionen im Sächsischen Landtag übermittelt. Im Gefolge wurde das ehemalige DDR-Frauenzuchthaus in den Förderungskatalog des Gedenkstättengesetzes aufgenommen.

Leider wurden diese ersten erfolgreichen Ansätze erstickt. Inge Naumann, damals noch Vorsitzende des Frauenkreises, torpedierte mit allen Mitteln den Förderverein und das Konzept. Siegfried Reiprich „erreichte“ durch entsprechende Gespräche und die Androhung mangelnder Förderung, dass sich Dietrich Hamann zur Gründung eines eigenen Fördervereins überreden ließ – mit dem jetzt bekannten misslichen Verlauf. Auch Inge Naumann wurde in 2012 als Vorsitzende des Frauenkreises, wenn auch aus weiteren Gründen, nicht mehr wiedergewählt (was den Frauenkreis ebenfalls in bis heute andauernde Existenz-bedrohende Auseinandersetzungen trieb).

Die Zeit drängt, weil uns Zeitzeugen für immer verlassen. Eine Rose und Trauerflor für die 2013 verstorbene Petra Koch - Foto: LyrAg

Die Zeit drängt, weil uns Zeitzeugen für immer verlassen. Eine Rose und Trauerflor für die 2013 verstorbene Petra Koch – Foto: LyrAg

Nachdem auch Versuche gescheitert waren, den ersten Förderverein vorzeitig „ohne jede Bedingung“ in Stollberger Hände zu legen, löste sich der unter der Führung zweier Hoheneckerinnen spontan etablierte Verein auf, um nicht durch eine „unerwünschte Konkurrenzsituation das fokussierte Ziel einer Gedenkstätte zu gefährden“, so Tatjana Sterneberg.

Begleitendes Engagement durch Vereine enorm wichtig

Heute ist die engagierte Hoheneckerin froh, dass sich die Stadt unter Führung des Oberbürgermeisters Marcel Schmidt und des „beeindruckenden Engagements des Verwaltungsleiters Rainer Kunz“ an die Spitze der Befürworter gesetzt und „seither den Ausbau der einst finsteren Burg zu einer multilateralen Begegnungs- und Gedenkstätte“ verfolgt haben. Jeder könne sich von den „bereits sichtbaren und erfreulichen Maßnahmen um und auf Hoheneck selbst“ überzeugen, so Sterneberg. Für die kämpferische einstige Hoheneckerin wäre es dennoch wichtig, wenn sich „begleitend sowohl der Frauenkreis wie ein aktiver Förderverein wieder an die Seite der Stadt stellen könnten, da das Engagement von Bürgern für jede administrative Bemühung enorm wichtig sei.“

Eine erste Ausstellung soll die Eröffnung einer Gedenkstätte „bis zum Sommer 2017“ ermöglichen. Durch aktuell aufgekommene statische Probleme in dem Jahrhunderte alten Bauwerk könnte sich allerdings die derzeitige Planung „bis in den Herbst hinein“ verschieben.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.175)

¹Stollberg/Hoheneck, 23.10.2016/tst – Bereits am 7. Juli d.J. hatte die Große Kreisstadt Stollberg „Personen mit unterschiedlichen Erfahrungen“ zu einem Workshop in den Bürgergarten mit dem Ziel eingeladen, Ideen und Vorstellungen für eine künftige Gedenkstätte aufzunehmen, „um ein möglichst breites Meinungs- und Erfahrungsspektrum zur Verfügung zu haben.“ Die Firma KOCMOC aus Leipzig – nach eigenen Angaben inzwischen größte Designagentur Mitteldeutschlands – war beauftragt worden, durch den Workshop zu führen und aus den vielfältigen Vorschlägen ein erstes Konzept zu entwickeln. Die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg konnte auf das von ihrem seinerzeitigen Verein vorgelegte Konzept für eine „Europäische Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck“ verweisen, das bereits nach ersten Gesprächen zwischen der Stadt, dem ehemaligen Eigentümer und dem Verein Ende 2011 vorgelegt worden war.

Vom Bürgergarten gut zu sehen: Das ehem. Frauenzuchthaus Hoheneck

Vom Bürgergarten gut zu sehen: Das ehem. Frauenzuchthaus Hoheneck

Am vergangenen Donnerstag, 20.10., stellte nun Jan Wünsche von KOCMOC dem von der Stadt Stollberg eingeladenen Personenkreis in Zusammenfassung der diversen Vorschläge und Ideen ein Vorkonzept vor. Leider konnten nicht alle der Einladung folgen, wie Verwaltungschef Rainer Kunz in seiner Begrüßung bedauerte. Dies habe nicht an einem mangelnden Interesse sondern vielmehr an wirklichen, zum Teil gesundheitlichen Hinderungsgründen gelegen. Am Workshop im Juli hatten rund 20 Beteiligte teilgenommen, jetzt waren zur Ergebnis-Präsentation zwölf Teilnehmer, unter diesen die Hoheneckerinnen Helga Müller, Lenchen Köhler und Tatjana Sterneberg sowie für den Frauenkreis die amtierende Vorsitzende Regina Labahn und deren Kassenführerin Inge Naumann der Einladung gefolgt. Neben Rainer Kunz waren für die Stadt Eva Werner vom Büro „Gedenkstätte“, Kathleen Roskosch (Bibliothek) und Wolfgang Uhmann (Führungsreferent in Hoheneck) vertreten. Außerdem nahm Raymond Plache vom Sächsischen Staatsarchiv Chemnitz teil.

Jan Wünsche referierte zu Vorüberlegungen, Workshop-Ergebnissen, Ausstellungskonzept und Projektmanagement. Das erarbeitete und hier vorgeschlagene

Aufmerksame Zuhörer: Rainer Kunz (li.), Helga Müller (Mitte) und Jan Wünsche (re.).

Aufmerksame Zuhörer: Rainer Kunz (li.), Helga Müller (Mitte) und Jan Wünsche (re.).

Konzept biete „gestalterische Leitplanken für die Realisierung einer Gedenkstätte.“ Zusammen mit Zeitzeugen wurden Zielgruppen definiert und die wichtigsten Themen für eine Ausstellung benannt. Die „Gedenkstätte soll daran erinnern, was politische Häftlinge im größten Frauengefängnis der DDR (Alleinstellungsmerkmal) erleben mussten.“ Dabei müssten die in den Jahrzehnten veränderten Situationen dargestellt werden. Die Ausstellung richte sich in erster Linie an die nachgewachsene und nachwachsende Generation und sollte „der Vermittlung des Unrechts der SED-Diktatur mit dem Nachdenken über unsere heutige Demokratie verbinden.“

Die Ausgangssituation sei nach zwanzigjährigen Bemühungen von Zeitzeugen und Vereinen und der „Belebung des Areals , das ohne die historische Einordnung des SED-Unrechts und die Würdigung der Opfer“ nicht denkbar wäre, nach der aktiven Unterstützung der „Realisierung einer Gedenkstätte“ durch die Stadt Stollberg positiv. An den Beispielen der Gedenkstätten „Andreasstraße“ in Erfurt, des „Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau“ und des „Roten Ochsen“ in Halle stellte Wünsche bereits umgesetzte Konzepte vor, die entsprechend gut aufgenommen wurden.

Hoheneckerinnen im Gespräch: Regina Labahn (re.) und Lenchen Köhler

Hoheneckerinnen im Gespräch: Regina Labahn (re.) und Lenchen Köhler

Die den Teilnehmern vorgelegten und eindrucksvollen 50 Seiten des Konzeptentwurfes, von Jan Wünsche ausführlich erläutert, können an dieser Stelle allein aus Platzgründen nicht in allen Einzelheiten wiedergegeben werden. Festzuhalten bleibt, dass damit erstmals ein „Fahrplan“ für eine Gedenkstätte vorliegt, der es den Akteuren ermöglicht, entsprechende Planungen und die notwendige Einholung von Fördermitteln anzugehen. Die „Alleinstellungsmerkmale“ einer Gedenkstätte Hoheneck, die „Themensammlung“ (Was nicht fehlen darf: z.B. Klärung der Begriffe „Politische Haft“, Unterschiedliche Sichtweisen der Betroffenen, Persönliches Erleben, Zwangsarbeit, Haftbedingungen, Repressionen und Sippenhaft etc.) und die Erfassung und zielgerichtete Erarbeitung von Bedürfnissen der Zielgruppen und das Ausstellungskonzept selbst bieten eine breite Diskussions- und letztlich Entscheidungsgrundlage, um den langgehegten Wunsch nach einer würdigen Gedenkstätte in naher Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen.

Siehe auch: http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/STOLLBERG/Vom-weiblichen-Pink-zum-Zuchthaus-Grau-artikel9666461.php  vom 26.10.2016

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* Die Autorin war am 7.11.1973 verhaftet worden, weil sie zu ihrem Verlobten nach West-Berlin fliehen wollte. Sie saß von 1974 – 1976 in Hoheneck ein. Ihre Erfahrungen mit dem Anstaltsarzt flossen u.a. in den Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling ein, in dem sie auch als Komparsin zu sehen ist. Sterneberg bereitete mit ihrem Lebensgefährten maßgeblich den Besuch des seinerzeitigen Bundespräsidenten in Hoheneck im Mai 2011 vor.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.161)

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