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Berlin, 13.09.2013/cw – Seit Jahren ziehen dunkle Wolken über den einst weltberühmten ehemaligen Checkpoint Charlie in Berlin. Hier, wo sich einst US-Amerikanische und Sowjetische Panzer gegenüberstanden, wo fast ein Jahr später der achtzehnjährige Flüchtling Peter Fechter vor aller Welt ohne jeden Versuch einer Hilfe elend im Mauerschatten verblutete, hier hatte Rainer Hildebrandt seine zweite und dauerhafte Ausstellung „Es geschah an der Mauer“ mit zunächst bescheidenen Mitteln platziert.

Im Laufe der Jahre wurde die Ausstellung als Museum und „Haus am Checkpoint Charlie“ zum unbedingten Muss der Touristen aus aller Welt. Aus dem bescheidenen Eckladen wurde ein von der Kochstrasse bis zur Zimmerstraße über die gesamte Häuserfront verlaufendes Museum, das sich über mehrere Etagen erstreckt. Eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen, die dem einstige Gründer der KgU (Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit) die zuvor versagte Reputation sicherte.

Sprudelnde Euro-Quellen

Um die Jahrtausendwende entschied sich das Ehepaar Hildebrandt, das bis dato sichere Terrain der öffentlichen Förderung zu verlassen und das Museum selbständig zu machen. Zu diesem Zeitpunkt sprudelten die Quellen aus Eintritt und Verkauf von Mauer-Utensilien und einschlägiger Literatur immer Bilanzfreudiger, von jährlichen Einnahmen in mehrfacher Millionenhöhe war die Rede. Rainer Hildebrandt konnte diesen Erfolg nicht mehr auskosten. Schwer erkrankt überlebte er die Verselbständigung nur noch wenige Jahre.
Seiner rührigen und lernfähigen Frau aus der Ukraine gelang es, drei Tage vor seinem Tod in der Schweiz eine Stiftung auf den Namen ihres Mannes zu gründen. Seither fließen die Einnahmen in die Schweiz. Ob Rainer Hildebrandt die Stiftungsurkunde drei Tage vor seinem Tod noch selbst in den Schweizer Alpen unterzeichnen konnte, darüber gibt es seither unterschiedliche Sichtweisen.

Seine Witwe jedenfalls, die erst 1990 nach Berlin gekommen sein will, obwohl es Filmdokumente der BStU geben soll, die Alexandra Hildebrandt bereits vor dem Fall der Mauer 1989 im westlichen Teil von Berlin zeigen, zeigte sich äußerst agil und für eine einstige Raketentechnikerin aus dem Ostblock äußerst geschäftstüchtig. So wurden permanent neue Gebäudeteile erworben und die Ausstellung ebenso zügig erweitert. Als sie 2007 das Eckhaus zur Zimmerstraße für 15 Millionen Euro kaufen wollte, in dem sie bereits mehrere Etagen für die Ausstellung akquiriert hatte, kam die Museumschefin offenbar ins Trudeln. Jedenfalls bezahlte sie die vereinbarte Kaufsumme nicht. Nach einem Bericht der Berliner Zeitung vom vergangenen Donnerstag wurden der taffen Witwe sogar zwischenzeitlich die Konten gesperrt.

Rettet Vergleich das Erbe?

Doch das alles erscheint nun als „Schnee von Gestern“. Nach dem erwähnten Bericht soll sich die Chefin vom Checkpoint, wie Hildebrandt teils neidisch, teils respektvoll genannt wird, mit dem Eigentümer, der bundeseigenen Bank FMS Wertmanagement geeinigt haben, nachdem die FMS, die für den Bund als Bad-Bank fungiert, 2011 vom Kaufvertrag zurückgetreten war. Nachdem sich die quirlige Geschäftsfrau, die nebenher noch im letzten Jahr geborene Zwillinge zu versorgen hat, mit der FMS auf einen Vergleich und einen 25jährigen Mietvertrag geeinigt hatte, konnte die Bank das Gebäude endlich weiterverkaufen.

Ob mit diesem Kompromiss das Erbe Rainer Hildebrandts, dessen Asche seiner sterblichen Überreste auch über zehn Jahre nach seinem Tod einer Beisetzung harren, gerettet werden kann, wird die Zukunft zeigen. Das wird nicht zuletzt auch davon abhängen, ob seine Witwe die gegebene Möglichkeit nutzt, nun die vielfach von Fachleuten angemahnte Überarbeitung der Ausstellung anzugehen. Die Ausstellungschefin schweigt sich weiterhin über ihre Vorstellungen und Planungen aus. Dabei würde eine aktive Umgestaltung und Erneuerung des Museums auf übliche Standards vermutlich die bisher dominierende Funktion des Hauses am Checkpoint Charlie zementieren. Denn die Realisierung der von der öffentlichen Hand nach wie vor geplanten Ausstellung über den „Kalten Krieg“ am selben Ort dürfte noch einige Hürden zu überwinden haben. Eine Zeitbrücke, die Hildebrandt geschickt nutzen könnte.

Unvergessene Installation von Mauerkreuzen

Für Überraschungen war die Berliner Ukrainerin, die sich ob ihrer Eigenwilligkeiten mehr Skeptiker als Freunde geschaffen hat, immer gut. Unvergessen ihre Installation von Mauerkreuzen am ehemaligen Nabelpunkt der west-östlichen Auseinandersetzungen, die zwar beseitigt wurden aber immerhin für eine vorher ungeahnte Aktivität des Berliner Senats zur Schaffung einer würdigen Gedenkstätte an die Zeit der Berliner Mauer führte. Im Ergebnis ist die Stiftung gleichen Namens mit der beeindruckenden Gedenkmeile in der Bernauer Straße nicht mehr wegzudenken. Diesen Erfolg kann ihr wenigstens keiner mehr nehmen.(855)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

von Klaus Hoffmann*

Berlin, 13.08.2014 – Am 13. August wurde nicht nur die Mauer gebaut. Am 13. August 1966 gelang mir, Klaus Hoffmann, über den Übergang Checkpoint Charly die Flucht in die Freiheit. Grund genug, jedes Jahr an diesem Tag zu feiern und sich mit besonderen Menschen zu treffen. Diesmal, im Jahr 25 nach dem Mauerfall, traf ich mich mit Carl-Wolfgang Holzapfel im Herzen von Charlottenburg. Hier wuchs er auf, hier lebt er wieder, seit er 2008 nach 38 Jahren in Bayern zurückkehrte.

Der erste Hungerstreik 1962 am Mahnmal für Günter Litfin - Archiv Holzapfel

Der erste Hungerstreik 1962 am Mahnmal für Günter Litfin – Archiv Holzapfel

Man sieht dem rüstigen Rentner auf einer Bank im schönen Park am Lietzensee seine durchaus bemerkenswerte Vergangenheit nicht an. Von 1961 bis 1989 demonstrierte der gerade 70 Jahre alt gewordene Mann beharrlich gegen die Berliner Mauer. „Keiner hat so ausdauernd und permanent gegen die Mauer demonstriert, wie er,“ sagte 1990 der verstorbene Museumsgründer vom Checkpoint Charlie, Rainer Hildebrandt, über seinen Freund anlässlich der Verleihung der Sacharow-Medaille.

Warum hat er sich das angetan? Hätte er nicht wie viele Millionen sein Leben egoistischer genießen können?

Holzapfel, 1944 im schlesischen Bad Landeck geboren, denkt nach, wiegt mit dem Kopf. Eigentlich würde ein solches Leben in die Wiege gelegt. Durch die Scheidung der Eltern mussten er und seine zwei Geschwister viele Jahre in Heimen zubringen: „Wenn du mit vier Jahren eine ganze Nacht im Heizungskeller zubringen mußt, nur weil du mit deinem Bruder abends im Bett noch geschwatzt hast oder mit 15 Jahren in einer kirchlichen Einrichtung bis zu vierzehn Stunden am Tag in der Landwirtschaft malochen mußt, dann denkst Du sensibler über Recht und Unrecht nach,“ sagt er.

Von der Ausstellung in der Bernauer Straße blickte Holzapfel direkt auf das gegenüberliegende zugemauerte Haus - Archiv Holzapfel

Von der Ausstellung in der Bernauer Straße blickte Holzapfel direkt auf das gegenüberliegende zugemauerte Haus – Archiv Holzapfel

Aber was hat das mit seinem ausgeprägten politischen Engagement zu tun, frage ich den heutigen Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni 1953. Er gehört diesem Verein immerhin seit 1963 an.

In seiner Familie habe sich deutsche Geschichte wiedergespiegelt. Seine Großeltern väterlicherseits waren engagierte Nationalsozialisten, sein Großvater brachte es bis zum Reichsamtsleiter für Musik, er wurde 1945 von den Russen unter einem Vorwand abgeholt und gilt seither als verschollen. Seinem Vater hingegen wurde das Studium (Germanistik und Zeitungswissenschaften) aus politischen Gründen verboten, dessen Schwester, der verwitweten Frau des 1936 bei Jena aus dem Leben geschiedenen berühmten Expressionisten Reinhard Goering („Seeschlacht“, „Scapa Flow“, „Die Südpolexpedition des Kapitän Scott“ u.a.) wurde der  Lebensgefährte vor der beabsichtigten  Hochzeit (das Paar hatte bereits zwei Töchter) von der GESTAPO „auf der Flucht erschossen,“ sie selbst in zwölfmonatige GESTAPO-Haft genommen.

2013 zum ersten Mal in seinem Geburtsort Bad Landeck im heutigen  Polen - Foto: LyrAg

2013 zum ersten Mal in seinem Geburtsort Bad Landeck im heutigen Polen – Foto:
LyrAg

Der Großvater mütterlicherseits, ein Polizeioffizier in Berlin-Moabit, kam auf ungeklärte Weise ums Leben; ihm wurden Verbindungen zum Widerstand nachgesagt. Die Großmutter, dessen Frau hingegen war glühende Hitler-Verehrerin und vermittelte ihren Enkeln noch nach dem Krieg, Hitler habe die Juden umgebracht, weil diese „die Mörder unseres Herrn Jesu waren.“

Schließlich habe er, Holzapfel, schon früh darüber nachgedacht, daß „17 Millionen Deutsche quasi durch einen Willkürakt der Sieger zu den alleinigen Büßern der Geschichte bestimmt worden waren.“ Daraus entstand aus seiner Sicht die Verpflichtung, für diese 17 Millionen Landsleute zumindest solange einzutreten, wie diese daran gehindert waren, die eigene Stimme zu erheben.

Hatten die Bewohner der SbZ, der später anerkannten DDR, nicht am 17. Juni 1953 ihre Stimme erhoben?

Schrift zum 50. jahrestag des Volksaufstandes - Foto: LyrAg

Schrift zum 50. jahrestag des Volksaufstandes –
Foto: LyrAg

Das war ja unüberhörbar,“ meint Holzapfel, „aber unüberhörbar waren auch die Ketten  der sowjetischen Panzer, die diesen Aufschrei gegen die neuerliche Diktatur niedergewalzt haben.“ Er hatte an den 17.Juni zunächst nur die Warnung der Großmutter in Erinnerung: „Bleibt zuhause, Kinder, die Russenpanzer kommen.“ Seine Wahrnehmung begann erst drei Jahre später, als die Revolution in Ungarn tobte. „Wir haben das Geschehen vom ersten bis zum letzten Tag verfolgt, auf dem Schulhof debattiert, die Zeitungen verschlungen, am Radio geklebt.“ Der damals Zwölfjährige versuchte, das empfundene Trauma ein Jahr später durch ein Theaterstück („Diese Vorstellung hat nie stattgefunden“) zu verarbeiten. Mit 14 Jahren schrieb Holzapfel einen „Deutschlandplan“, der 60 Artikel umfasste und eine Lösung der „offenen deutschen Frage, mithin die Überwindung der Teilung unter internationaler Beteiligung“ zum Inhalt hatte. Eine bereits abgesprochene Veröffentlichung im sozialdemokratischen Telegraf in Berlin scheiterte an einer erneuten Heimunterbringung, diesmal in Niedersachsen.

Am 13. August 1961 wurde die Mauer in Berlin gebaut.

Bei -15 Grad Hungerstreik am Peter-Fechter-Mahnmal 1963 - Foto: LyrAg

Bei -15 Grad Hungerstreik am Peter-Fechter-Mahnmal 1963
– Foto: LyrAg

Holzapfel stellt richtig: „Am 13. August wurden erste Zäune gezogen, Sperranlagen errichtet, Straßen aufgerissen. Der Mauerbau begann erst drei Tage später.“  Nach seiner Ansicht Zeit genug für die West-Alliierten, auf die Absperrung zu reagieren. Dazu sei aber einzig General de Gaulle bereit gewesen. Gleichwohl sei er von den halbstündlichen Nachrichten am damaligen Sonntag, die er in einem Lehrlingsheim in Hamburg verfolgte, erschüttert worden. Ende des Monats habe er es nicht mehr ausgehalten, seinen Ausbildungssold für eine Fahrkarte nach Berlin benutzt. Am Bahnhof Zoo angekommen, habe er sich in ein Taxi gesetzt und nur „Bernauer Straße“ als Ziel angegeben. Diese war in den wenigen Tagen nach dem Mauerbau zur „Straße der Tränen“ mutiert, weil hier die ersten Toten zu beklagen waren.
Dann stand der 17jährige vor der zugemauerten Versöhnungskirche und weinte. Er kämpft noch heute mit den Tränen, wenn er von diesem emotionalen Moment berichtet. Holzapfel wollte nicht verstehen, dass nach der NS-Vergangenheit vor der Weltöffentlichkeit neues Unrecht praktiziert, Menschen erneut eingemauert wurden, ohne dass sich dagegen bemerkenswerter Widerstand erhob. Er wird feierlich: „Ich schwor vor dieser zugemauerten Kirche, von deren Turm ein überdimensional wirkender Christus seine segnenden Hände über den Todesstreifen ausbreitete, nicht eher zu ruhen, bis diese Mauer fallen oder ich das Zeitliche segnen würde.“

Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene - 14.11.1964 - Archiv Holzapfel

Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene – 14.11.1964
– Archiv Holzapfel

An diesem Schwur habe er sein Leben orientiert, habe zumindest versucht, sich daran zu halten. „Das war nicht einfach,“ sagt er rückblickend, denn auch sein familiäres Leben habe letztendlich unter dieser „Treue zum Eid“ gelitten. Zunächst aber habe er in endlosen Diskussionen seinen Weg zum Widerstand finden müssen. Konnte nicht nur Gewalt ein deutliches und unübersehbares Zeichen gegen Gewalt setzen? Belegten das nicht zuletzt die Ereignisse in Algerien, wo sich die Freiheitskämpfer mit Sprengstoff gegen die Franzosen durchzusetzen versuchten?

Im Sommer 1962 begegnete der 18jährige dem indischen Ingenieur T.N. Zutshi und war fasziniert. Zutshi war nach dem Ungarn-Aufstand nach Europa gekommen, um hier für den gewaltlosen Kampf nach den Methoden Mahatma Gandhis zu werben. 1960 hatte er auf dem Alexanderplatz im Osten Berlins mit einem Schild demonstriert: „Menschen hinter dem Eisernen Vorhang – der erste Weg zur Freiheit: Legt Eure Furcht ab und sprecht die Wahrheit.“ Holzapfel ist noch heute begeistert: „Das, was der mutige Inder dort aussprach, wurde 1989 tatsächlich umgesetzt. Er war ein Rufer in der Wüste der Nichtgläubigen und wurde im nachhinein zum Propheten.“

Für eine mögliche Flucht wurde nachts der Stacheldraht beseitigt - Foto: LyrAg

Für eine mögliche Flucht wurde nachts der Stacheldraht beseitigt – Foto: LyrAg

Der junge Mann entschied sich für den gewaltlosen Kampf gegen die Mauer. Als Zutshi im Oktober 1962 auf Anweisung der Alliierten eine gewaltlose Demonstration vor der Versöhnungskirche von Innensenator Heinrich Albertz verboten wurde, setzte sich Holzapfel spontan unter das gegenüberlegende Straßenschild „Hussitenstraße“ und verkündete einen 72stündigen Sitz- und Hungerstreik aus Protest gegen die Mauer. Da ihm das alsbald ebenfalls untersagt wurde, setzte er diesen Streik noch am selben Abend am Mahnmal für den ersten erschossenen Mauer-Toten Günter Litfin am Humboldthafen (heute Hauptbahnhof) fort.

Rainer Hildebrandt warb den zu diesem Zeitpunkt bei Bremen arbeitenden Holzapfel für die gerade in Vorbereitung befindliche Mauerausstellung „Es geschah an der Mauer“ in der Bernauer- Ecke Wolliner Straße an. Ab Dezember 1962 übernahm er die Leitung „für eine Mark pro Tag, für die ich mir alten Kuchen in der Bäckerei um die Ecke besorgte.“ Ab und an „kochten mir Nachbarn einen  warmen Eintopf,“ erinnert er sich. Hildebrandt erhielt erst ab März 1963 Zuwendungen von der Klassenlotterie, aus denen er dann auch Holzapfel ein kleines Salär zahlen konnte.

Prophetische Forderung: Zutshi 1960 auf dem Alexanderplatz in Ostberlin - Foto: Archiv

Prophetische Forderung:
Zutshi 1960 auf dem Alexanderplatz in Ostberlin – Foto: Archiv

Im Sommer des Jahres beteiligte sich Holzapfel an einem Tunnelbau vom Güterbahnhof an der Bernauer Straße aus. Sechs Meter tief und 60 Meter lang sei der Tunnel gewesen. Kurz vor Erreichen des Kellers im Zielhaus wurde das Unternehmen verraten, 21 Menschen wurden verhaftet und verurteilt, eine Frau starb in der Haft.

Der Mauerdemonstrant entwickelte immer neue Formen des Widerstandes. Meterhoch wurde auch die Mauer in der Bernauer Straße von ihm mit Texten versehen: „Trotz Mauer ein Volk – KZ“ und „Diese Schande muss weg – KZ“, Flugblätter wurden über die Mauer geworfen, Stacheldraht bei Nacht von der Mauerkrone entfernt, „damit dahinter patrouillierende Soldaten die Flucht ergreifen konnten.“ Nach der einvernehmlichen Einstellung des Lautsprecherkrieges zwischen Ost und West stellte Holzapfel eigene Sendungen zusammen, die er mit einem Megafon und einem transportablen Tonbandgerät an der Grenze abspielte: „Hier spricht Studio Freies Deutschland – Sender am Stacheldraht“ tönte es zu den Klängen aus AIDA in der Bernauer Straße oder von einem Balkon der Reichstags-Ruine, in die sich Holzapfel nachts geschlichen hatte. Nachrichten aus Ost-Europa und der Zone wurden ebenso ausgestrahlt wie der Appell, nicht auf Deutsche zu schießen.

Das Angebot von Heinrich Albertz, die Sendungen vor Ausstrahlung im Schöneberger Rathaus dem Pressesprecher Peter Hertz vorzulegen, lehnte Holzapfel allerdings „als Zensur“ ab. „Ein Fehler,“ wie er heute freimütig zugibt, „da hätte sich was Konstruktives entwickeln können.“

1963: Direkt vor der Mauer begann der Tunnel - Foto: LyrAg

1963: Direkt vor der Mauer begann der Tunnel – Foto: LyrAg

Man könnte sich ewig mit diesem Mann unterhalten, so vielfältig und interessant sind seine Geschichten um die Berliner Mauer. Nach weiteren Hungerstreiks, der letzte am von ihm errichteten Kreuz für Paul Schultz, einem Weihnachten 1963 an der Thomaskirche in Kreuzberg erschossenen 18jährigen Flüchtling, dauerte zehn Tage und brachte ihn für sechs Wochen in ein Krankenhaus, entwickelte Holzapfel auf Anraten der behandelnden Ärzte neue Formen der Demonstration. Am 14. November 1964, dem zweiten Jahrestag der Verhaftung von Harry Seidel, der als Fluchthelfer zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt worden war, ging Holzapfel erstmals über den weißen Strich, der die Grenze zwischen Ost und West markierte und demonstrierte am Übergang „Heinrich-Heine Straße“ (Moritzplatz) mit einem Schild: „Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene in der SbZ“.
Holzapfel: „Gandhi hatte gesagt, er habe kein Vertrauen in Appelle, wenn nicht hinter ihnen die Kraft der Bereitschaft steht, etwas für die Sache zu tun oder persönlich zu opfern.“ Es wäre also eine Sache der Glaubwürdigkeit gegenüber den Machthabern in Ost-Berlin gewesen, sich selbst einzubringen und damit die Ernsthaftigkeit des Anliegens zu unterstreichen.

Am 18. Oktober 1965, nach einer dritten derartigen Demonstration, wurde Holzapfel schließlich am Checkpoint Charlie verhaftet und am 7. April 1966 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach neun Monaten Einzelhaft in Hohenschönhausen, drei Monaten in Bautzen und drei Wochen in der Stasi-Zentrale in der Magdalenenstraße wurde Holzapfel freigekauft. Zuvor hatte auch   Bundeskanzler Erhard am 1. Mai die Forderung auf Freilassung unterschrieben.

18.10.1965: Verhaftung am Checkpoint Charlie - Foto: Archiv

18.10.1965: Verhaftung am Checkpoint Charlie –
Foto: Archiv

Doch der Mauerdemonstrant gab nicht auf, hatte sich durch die Haft nicht einschüchtern lassen. Neben weiteren Aktionen und Demonstrationen gegen die Mauer sind folgende besonders hervorzuheben:

Am 13. August 1989, dem 28. Jahrestag des Mauerbaus, legte sich der mittlerweile 45jährige diagonal über den weißen Strich am Checkpoint Charlie (Kopf und Herz im Osten, die Füße im Westen) und demonstrierte so über drei Stunden gegen die Mauer und für die Freizügigkeit seiner Landsleute. Eine weiße Binde in Höhe des Bauches ließ den weißen Strich optisch über seinen Körper laufen. „Man kann überall Linien ziehen und eine Teilung behaupten. Aber so wie ich für alle sichtbar ein Ganzes bin, so ist Berlin, so ist Deutschland ein Ganzes,“ erläuterte er seine Aktion. Und den aufmarschierten jungen DDR-Grenzern rief er zu: „Was strengt ihr euch so an, den 30.Jahrestag (des Mauerbaus) erlebt ihr doch sowieso nicht mehr.“ Nach über drei Stunden hatten sich Sowjets und US-Amerikaner über die Zuständigkeiten geeinigt. Der Demonstrant wurde von vier Westberliner Polizisten aufgehoben und in einem Polizeiauto abtransportiert. Nicht nur Klaus Kleber (ZDF) nannte ihn den „Mann vom Checkpoint Charlie„.

Lebendige Brücke am 13.08.1989: Den 30.Jahrestag erlebt ihr nicht mehr. - Foto: Burmeister

Lebendige Brücke am 13.08.1989: Den 30.Jahrestag erlebt ihr nicht mehr.
– Foto: Burmeister

Ab 8.November gegen Abend wurde in Fürstenfeldbruck das örtliche Wochenblatt Brucker Echo verkauft. Auf der ersten Seite stand die Meldung: „Holzapfel an Krenz: Reißen Sie die Mauer ein!“ Der Brucker Bankkaufmann hatte Ende Oktober in einem offenen Brief  den Nachfolger Honeckers  aufgefordert, die Mauer zu öffnen und angekündigt, ansonsten „im Dezember nach Berlin zu kommen, um diese symbolisch zum Einsturz zu bringen.“ Die Kollegen hielten ihn wieder einmal für verrückt. Am Abend des 9. November wurde die Mauer geöffnet, am 10. November stand eine Rose auf seinem Schreibtisch und eine Karte: „DANKE!“

Im August 1990, das Ende der DDR per 2. Oktober, 24:00 Uhr, war bereits beschlossene Sache, begann Holzapfel einen unbefristeten Hungerstreik vor dem Justiz-Ministerium in Ost-Berlin: „Terror-Minister Wünsche, treten sie zurück!“. Der von seiner Bank nach Eisenach zur Währungsunion entsandte Bankkaufmann hatte zuvor in der WELTamSONNTAG gelesen, dass der Justizminister der ersten frei gewählten DDR-Regierung dieses Amt bereits unter Ulbricht und Honecker ausgeübt hatte. Das konnte und wollte der einstige DDR-Gefangene nicht akzeptieren. „Dreimal ließ mich Kurt Wünsche in sein Ministerbüro bitten, um seine Unschuld zu beteuern. Beim dritten Mal – nach sechs Tagen Hungerstreik vor seiner ministerialen Haustür – gab er mir dann seinen Rücktritt bekannt. Er hatte sich gegen den Willen seines Ministerpräsidenten dem Rücktritt von drei weiteren Minister angeschlossen,“ erzählt der Rentner heute zufrieden und mit einem leichten Lächeln.

Nach sechs Tagen Hungerstreik trat Kurt Wünsche zurück - Foto: LyrAg

1990: Nach sechs Tagen Hungerstreik trat Kurt Wünsche zurück – Foto: LyrAg

Bereut er heute etwas?

Auch diese Antwort kommt nicht wie aus der Pistole geschossen. Holzapfel überlegt lange, dann: „Vielleicht hätte ich nach der Maueröffnung das Kapitel abschließen, mich den schönen Seite des Lebens widmen sollen. Aber,“ so fragt er und wirkt dabei nicht mehr nachdenklich, „hätte es dann einen vorzeitigen Rücktritt des Justizministers gegeben? Hätten wir heute, nach langem Kampf und neuntägigen Hungerstreik in 2005 vor dem heutigen Finanzministerium einen überfälligen „Platz des Volksaufstandes von 1953“ vor eben diesem Ministerium? Vor den Erfolg setzen die Götter den Schweiß des unbedinten Engagements. Das wusste ich und das weiß ich.“

Aber sein Familienleben, sein persönliches Glück?

Das wäre eine Sache der Gewichtung, räumt der nunmehrige Rentner ein. „Diese Frage stellt sich Jedem, der – aus welchen Gründen auch immer – keine Alternative zum Widerstand sieht.“ Und er nennt Namen seiner Vorbilder: Stauffenberg, die Geschwister Scholl, Bonhoeffer. Holzapfel sieht in dieser Infragestellung aber auch etwas Unanständiges:

2005: Neun Tage hungerte Holzapfel für einen Platz des 17. Juni - Foto: LyrAg

2005: Neun Tage hungerte Holzapfel für einen Platz des 17. Juni –
Foto: LyrAg

Der zeitweilige Verzicht auf Liebe, geboren aus höherer Not, weil aus Verantwortung gegenüber der Geschichte und der Pflicht, gegen Unrecht und Tyrannei Widerstand zu leisten, wo auch immer diese auftreten mögen, sei ein Wert an sich. Er lässt sich nicht gegen die Familie oder die Menschen ausspielen, denen selbstverständlich auch die Liebe gehört. Schließlich schöpft ein Widerständler gerade daraus die notwendige Kraft und innere Stabilität, ohne die jedweder Einsatz an der eigenen Unzulänglichkeit scheitern muss.

Nach zwei Stunden verabschieden wir uns. Mir scheint, dass der in die Jahre gekommene einstige Demonstrant nach dem Aufrühren seiner Erinnerungen bewegt ist. Auch ich spüre: Für mich wird der diesjährige 13. August ein ganz besonderer Tag.(838)

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* Der Autor (*1943) scheiterte zunächst mit einem Fluchtversuch und saß 1965/66 nach der Verhaftung in Untersuchungshaft, zunächst in České Budějovice (CSSR) dann in der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Hohenschönhausen. Am 13. August 1966 gelang einem Freund und ihm die Flucht über den Checkpoint Charlie nach West-Berlin. Einer seiner Fluchthelfer war der erste deutsche, 1995 verstorbene Astronaut Reinhard Furrer. Hoffmann selbst beteiligte sich in den folgenden Jahren als Fluchthelfer an zahlreichen Fluchtunternehmen; er studierte zu dieser Zeit an der FU. Die eigenen Erlebnisse veranlassten ihn, zum bevorstehenden Jahrestag der Mauererrichtung und seiner Freiheit den Mauerdemonstranten und persönlichen Freund um ein Gespräch über die damalige Zeit zu bitten.

 Klaus Hoffmann, Berlin, V.i.S.d.P., ist unter 030-24722844 erreichbar. © 2014

Todesanzeige 17.Juni_NEW

Berlin/Jüdenberg, 22.05.2014/cw – Mit Bestürzung hat die Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin den Tod ihres Mitgliedes Dr. Walter Schöbe zur Kenntnis genommen. Der einstige „Kämpfer für die Einheit und Freiheit Deutschlands“ starb am 17.05.2014. Zwei Monate zuvor, am 18.März, hatte er noch seinen 85. Geburtstag begehen können.

Die Vereinigung trauert um den „Nestor der einstigen und noch lebenden Teilnehmer des ersten Volksaufstandes im Nachkriegseuropa. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Ursula, die selbst im DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck Verfolgung, Verurteilung und folgender Haft geteilt und mitgetragen hat.

Walter Schöbe im Gespräch mit dem vorher. Innenminister Hans-Peter Friedrich 2011 auf dem Friedhof Seestraße - Foto: RGG

Walter Schöbe im Gespräch mit dem vorher. Innenminister Hans-Peter Friedrich 2011 auf dem Friedhof Seestraße –
Foto: RGG

Der am 18. März 1929 als Sohn eines Landwirtes bei Halle studierte zunächst Tiermedizin in Leipzig und später Humanmedizin in Tübingen. Bereits seit ihrer Gründung 1948 unterstützte er aktiv die von Rainer Hildebrandt gegründete Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) und wirkte folgerichtig am Volksaufstand in Leipzig mit. Schöbe wurde mit seiner Frau verhaftet und zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Sieben Jahre mußte er davon verbüßen.

In unzähligen Interviews, zuletzt 2013 für die Gedenkbibliothek
http://gedenkbibliothek.de/download/Walter_Sch_be_Zeitzeugeninterview_zum_17._Juni_1953.pdf schilderte Schöbe seine Motive. Nach den Grauen der NS-Diktatur habe er sich verpflichtet gefühlt, gegen die neuerliche Diktatur aufzustehen. Man habe den Menschen in der NS-Zeit immer vorgeworfen, dass sie dem Unrecht gegenüber geschwiegen hätten. Das sollte sich nicht wiederholen. Für ihn, Schöbe, seien die Vorbilder Graf Schenk von Stauffenberg, die Geschwister Scholl und all die anderen mutigen Widerständler aus dieser Zeit Motivation und Auftrag gewesen. Schöbe weigerte sich zeitlebens, von der „DDR“ zu sprechen. Für ihn blieb dieses geschichtliche Konstrukt immer die „Sowjetisch besetzte Zone,“ weil den Menschen in dieser Besatzungszone „konsequent und unter Anwendung brutalster Gewalt bis zum Ende die Selbstbestimmung und die Ausübung der Menschenrechte verweigert wurden.“

Auf einer Veranstaltung der AG 13.August auf dem jetzigen  "Platz des Volksaufstandes von 1953" vor dem BFM:

Auf einer Veranstaltung der AG 13.August auf dem jetzigen „Platz des Volksaufstandes von 1953“ vor dem BFM mit den zwztl. ebenfalls verstorbenen Kameraden Werner Herbig, Herbert Buley, Walter Schöbe (1.Reihe v.li). Foto: LyrAg

Der Hass der „Ewiggestrigen“ galt bis zuletzt besonders Walter Schöbe. Auf der Seite „mfs-insider“ sind bis heute diese Tiraden nachzulesen. Nicht zuletzt aus diesem Grund befürchtete Schöbe bis zuletzt „den langen Arm“ seiner lebenslangen Gegner und verhinderte daher, soweit es in seiner Macht stand, die Veröffentlichung aktueller Fotos. Den Eindruck eines permanent Getriebenen wies er dennoch zurück: „Mich treibt einzig der Wille zur Verteidigung der Freiheit. Und da diese Freiheit nach wie vor ihre unbelehrbaren Feinde hat, gilt es, vorsichtig zu sein und diesen keine Gelegenheit einzuräumen, ihr schmutziges Handwerk im Nachhinein doch noch zu vollenden.“

Der Verstorbene hielt sich dennoch weitgehendst im Hintergrund und fern von den von ihm stets bedauerten Auseinandersetzungen in der Szene der Verfolgtenverbände. Dagegen blieb er stets ansprechbar, wenn es um die finanzielle Unterstützung von ideellen Vorhaben ging, um die „herausragende Geschichte des Widerstandes“ nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Viele Gruppierungen und Verbände verdanken ihm so die punktuelle Unterstützung, wie zum Beispiel die Übernahme der Unkosten für die Demo der Verfolgtenverbände gegen die Ministerrente 2007 vor dem Bundesrat, die die Vereinigung 17. Juni vorbereitet hatte.

Am späteren "Tag der Deutsche Einheit", 3.10.1953, Bericht über Urteil gegen Schöbe u.a.

Historischer Zufall: Am späteren „Tag der Deutschen Einheit“, 3.10.1953, Bericht über Urteil gegen Schöbe u.a.

Sein großer Wunsch, auf dem Leipziger Platz ein Denkmal an den Volksaufstand in Form eines „unbehauenen Felsblocks“ stiften zu können, scheiterte zu Lebzeiten an den bürokratischen Vorbehalten der Verwaltungen.

Es wäre zu wünschen, diesem aufrechten Freiheitskämpfer und überzeugten Demokraten auf eben diesem Leipziger Platz ein würdiges Denkmal zu widmen.

Die Urnenbeisetzung findet auf ausdrücklichen Wunsch der Familie in deren Familiengrab in Sachsen-Anhalt statt.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17.Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030 -30207785

 

Berlin, 24.11.2013/cw – Im November 2011 wurde der Ehrenvorsitzende der UOKG mit der Goldenen Ehrennadel der UOKG ausgezeichnet. Ein später Dank an ein Urgestein des demokratischen Widerstandes in Deutschland gegen die rote Diktatur. Am 28. November 2013, 11:00 Uhr, zwei Tage vor der Herbstversammlung der UOKG in Berlin, wird der einstige Vorsitzende des Dachverbandes (1994-2002) und Mitte November verstorbene Gerhard Finn auf dem Friedhof Hennef-Rott (Marienkirchstraße) zur letzten Ruhe gleitet.

Gerhard Finn gehörte zu der Generation, denen die Jugend gestohlen wurde. In den wichtigsten  Jahren der Entwicklung durchlebten sie die Schrecken des Krieges, den Zusammenbruch der Geborgenheit. Im Dezember 1945 wurde der Fünfzehjährige von der Sowjetischen Besatzungsmacht unter dem Vorwurf, ein Wehrwolf zu sein, v erhaftet und im Mai 1946 in das einstige Nationalsozialistische Konzentrationslager Buchenwald verbracht.

Die Sowjets führten die KZ der Nazis ungebrochen  noch Jahre nach Kriegsende  zur Verfolgung ihrer vermeintlicher oder tatsächlicher Gegner fort. Nicht der einzige Berührungspunkt der totalitären Ideologien, die zuvor durch den Hitler-Stalin-Pakt gemeinsam den Überfall auf Polen ausgeheckt und Polen  unter sich aufgeteilt hatten.

Der achtzehnjährige Finn wurde 1948 aufgrund einer im Lager erlittenen Tbc entlassen. Der Aufenthalt im einstigen  braunen und nun roten KZ Buchenwald prägte den jungen Minderjährigen für sein Leben, „haben sein Denken und Wollen geprägt,“ wie Günther Rudolph, ein  Weg- und Leidensgefährte anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Finn im Jahre 2005 in seiner Laudatio feststellte. Wie kein anderer seiner Generation habe sich Finn dem Kampf gegen die kommunistische Diktatur in der DDR gestellt und unbeirrt am Ziel der demokratischen Wiedervereinigung Deutschlands festgehalten.

Zusammen mit Rainer Hildebrandt, dem späteren Begründer des weltberühmte Mauermuseums „Haus am Checkpoint Charlie“ gründete er die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ und beteiligte sich an der Organisation des Widerstandes in der seinerzeitigen  SbZ und späteren DDR. Finn arbeite publizistisch für die Flüchtlings- und Vertriebenenzeitung  „Deutsche Umschau“ in Hannover arbeitete. Im Laufe seines Lebens schreib er auch viel beachtete Bücher, so „Buchenwald“; „Die Frauen von Hoheneck“; „Die politischen Häftlinge der Sowjetzone 1945 – 1959“; „Mauern, Gitter, Stacheldraht“; „Nichtstun ist Mord“. Mit Karl Wilhelm Fricke publizierte Finn 1981 zwei Bände des Standardwerkes „Politischer Strafvollzug in der DDR“.

1965 wechselte Gerhard Finn in das Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen, dessen Pressesprecher er von 1970 – 1980 war. Finn beteiligte sich aktiv an dem vom CDU-Minister Rainer Barzel initiierten Freikauf politischer Gefangener und war in zahlreichen Ehrenämtern engagiert. Bis zu seiner Pensionierung wirkte er nach Auflösung des innerdeutschen Ministeriums von 1990 bis 1994 als Leiter des Referats „Deutschlandpolitische Bildung“ im Bundesinnenministerium.

Nicht nur die Opfer der Diktatur haben Anlass, sich in Dankbarkeit – zumindest in Gedanken –  am 28. November vor der letzten Ruhestätte eines deutschen Patrioten zu verneigen.

V.i.S.d.P.:Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Prag/Hamburg, 16.11.2013/cw – „Diese Grenze war blutiger als die innerdeutsche,“ sagt Stefan Karner, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgen-Forschung in Wien. Über die blutigen  Tragödien an der Grenze zu Österreich berichtete jetzt stern.de.

 

Allein 648 Soldaten der tschechischen Armee starben nach den jetzt vorgelegten Forschungsergebnissen durch Unfälle in den Grenzanlagen oder auch Selbstmorde.  Von  den rund 8.000 an der 453 km langen Grenze zu Österreich eingesetzten Soldaten „haben sich diese wegen des enormen psychischen Drucks gegenseitig erschossen,“ so Karner. 129 Menschen starben bei Fluchtversuchen; in „einigen Fällen hätten Grenzhunde Jugendliche zerfleischt“ oder Menschen seien am Stacheldrahtzaun verblutet.

Der fragliche Sperrgürtel war bis zu 12 km tief gewesen. Die Grenzsoldaten hätten ihre Opfer oft tagelang bis zum Zugriff oder deren Tod verfolgt, eine erschütternde Variante aus dem bisher bekannten blutigen  Alltag kommunistischer Grenzregime. Karner spricht davon, dass dieses Vorgehen viele Soldaten psychisch überlastet habe.

Die auf Anregung von tschechischer Seite durchgeführten  Untersuchungen über den Nachrichtendienst in der einstigen CSSR im Rahmen eines Projektes in Österreich liegen jetzt in Buchform vor und umfassen den Zeitraum von 1945 bis 1989.

Mit den jetzt präsentierten Ergebnissen aus diesem Teil des Eisernen Vorhangs bestätigen  sich nach Meinung von Beobachtern die bisher kritisch betrachteten Statistiken über die Toten am Eisernern Vorhang durch die „Arbeitsgemeinschaft 13.August“ in Berlin. Die im „Haus am Checkpoint Charlie“ beheimatete und von Rainer Hildebrandt begründete Organisation führt seit Jahren weit über 1.000 Todesopfer an „Mauer und Stacheldraht“ an und wurde deswegen wegen ihrer „unhistorischen Vorgehensweise“ heftig kritisiert. Auch mit der Erfassung von Todesopfern befasste deutsche Institutionen hatten der Institution an der Kreuzberger Friedrichstrasse einen „unseriösen Umgang mit den Toten der Teilung“ vorgeworfen. Die jetzt von Karner vorgelegten und von stern.de transportierten Ergebnisse zeigen zumindest, dass die Erforschung der blutigen Tragödien an der einstigen brutalen Grenze zwischen Ost und West noch lange nicht abgeschlossen ist.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

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