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Unterschriften gegen Gewalt und Antisemitismus – Foto: LyrAg

Berlin, 2.09.2012/cw – Zu einer eindrucksvollen Demonstration fanden sich am heutigen Sonntag ca. 1.500 Menschen auf dem Grazer Platz in Berlin-Friedenau ein, um  ihrer Empörung über den brutalen Überfall auf Rabbi Alter Ausdruck zu verleihen. Der Überfall auf Daniel Alter und seine Tochter durch bisher nicht identifizierte, vermutlich Jugendliche „arabischen“ Ursprungs hatte nicht nur in Berlin und Deutschland, sondern weltweit Aufsehen erregt. Im Land der Urheber des Holocaust muss der feige Überfall auf einen jüdischen Mitbürger mit der Begründung „JUDE“ neuerlich Vorbehalte und Misstrauen provozieren.

Um so wichtiger erscheint der zeitnahe Protest durch Nachbarn, Freunde und Bürger aus dem Wohnumfeld von Rabbi Alter, um  das vielfach beschworene „Nie Wieder!“ mit aktuellen Inhalten zu füllen, der Gefahr geschürten Hasses zu begegnen und sich für Toleranz gegenüber anderen Religionen und Ethnie einzusetzen.

Betretene Gesichter: Schilderung des Überfalls auf Rabbi Alter – Foto: LyrAg

Befremden über abwesende CDU, GRÜNE, FDP und Piraten

Die SPD Friedenau hatte dankenswert zu dieser spontanen Kundgebung aufgerufen und zum Auftakt – unter Beifall – betont, dass es sich dabei um keine Parteiveranstaltung handele. Leider konnte sie diesen Eindruck anhand der Rednerliste nicht ganz verwischen, und so kam Unmut auf, als vor dem ebenfalls anwesenden Rabbi Alter – der demonstrativ unter nahezu tosendem Beifall begrüßt wurde – auch noch der Vorsitzende der Jusos als Redner angekündigt wurde.

MdB Mechthild Rawert (SPD): Null Toleranz für Antisemitismus – Foto: LyrAg

Warum die erfahrenen Polit-Strategen, unter ihnen Senatorin Dilek Kolat und die Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, sich nicht im Vorfeld um eine parteiüber-greifende Veranstaltung bemüht haben, bleibt leider ein Geheimnis. Kaum  anzunehmen, dass CDU, GRÜNE, Piraten oder die nicht mehr im Abgeordnetenhaus vertretene FDP den Überfall auf einen  Juden mitten in  Berlin im Jahre 2012 weniger dramatisch gesehen haben, als die SPD. Warum diese dennoch diesem Protest fernblieben, ließe sich nicht allein mit einer „drohenden Parteiveranstaltung“ der politischen Konkurrenz begründen.

Die anwesenden Bürger jedenfalls mochten wohl  dieser üblichen Polit-Auseinandersetzung nicht folgen, sie erschienen in der Mehrheit aus glaubwürdiger Solidarität mit dem Opfer. Das gab der Veranstaltung eine eindrucksvolle Dimension.

Von den Verfolgtenverbänden der SED-Diktatur war einzig die Vereinigung 17. Juni erschienen. Der Verein hatte im Internet ebenfalls für die Kundgebung geworben und begründete seine Teilnahme mit der „aus Verfolgung und Unrecht“ erwachsenen Pflicht, sich „jederzeit und überall gegen Diskriminierungen, Unrecht und Gewalt“ einzusetzen. Mit Plakaten erinnerte der Verein daran, dass „Hass auch Mord“  und als Vorstufe damit gleichzusetzen ist und zitierte Art.1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen  ist unantastbar, sie zu schützen ist Aufgabe staatlicher Gewalt.“ Tatjana Sterneberg vom Vorstand übergab im Anschluss an die Kundgebung eines der Plakate zur Erinnerung an Daniel Alter.

Tatjana Sterneberg (links) übergab ein Transparent an Rabbi Alter (rechts) – Foto: LyrAg

Evangelikaler Prediger: Jude ein Knecht Satans

Am Rande der Kundgebung wurde auch über einen evangelikalen Prediger diskutiert, der ehrenamtlich eine hohe Funktion in dem Dachverband der SED-Verfolgten besetzt und andererseits mit seinen Veröffentlichungen gegen  andere Religionen nach Meinung von Kundgebungsteilnehmern den „Tatbestand der Volksverhetzung“ erfüllt. In diversen Missionsschriften hatte dieser Prediger unter anderem vom Juden als „Knecht Satans“ geschrieben und gegen den Islam gehetzt: Allah sei „erfunden“ und sein „falscher Prophet sei Mohammed.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 31.08.2012/cw – Nach dem brutalen Überfall auf einen  Rabbiner in  Berlin wollen mehrere Organisationen am Sonntag um 12 Uhr in Friedenau ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen.  Mit einer Kundgebung nahe des Tatortes solle  für ein friedliches Miteinander geworben werden.

Unter anderem soll bei der Veranstaltung ein großes Banner aufgestellt werden, auf dem die Teilnehmer unterschreiben und damit ihre Solidarität mit den Opfern antijüdischer Ausschreitungen bekunden können.

Organisiert wird die Kundgebung auf dem Grazer Platz von der SPD Friedenau und der Evangelischen Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde. Auch Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) hat nach einer Mitteilung der Veranstalter ihr Kommen zugesagt.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin

Berlin, 31.08.2012/cw – Die Vereinigung 17. Juni in Berlin zeigte sich in einer Erklärung „bestürzt über die offen praktizierte Gewalt“, wie sich dies in dem „scharf zu verurteilenden“ Angriff auf einen Rabbi zeigte. Besonders alarmierend sei dies in unserem Land, „wenn sich diese Gewalt erneut gegen Juden“ richtet. Medien hatten über den Überfall auf einen Rabbi am vergangenen Dienstag in Berlin  berichtet.

Der Sprecher sagte, man sei „ auch sehr besorgt über die schleichende, also verdeckte Juden-Feindlichkeit durch religiöse Fanatiker, die oft im staatsbürgerlichen Gewand auftreten und daher schwerer auszumachen  sind, als offen operierende neonazistische Gruppierungen.“

Die Vereinigung stützt sich in ihrer Besorgnis auf Recherchen der Redaktion eines Vereinsblattes, das in seiner nächsten  Ausgabe (September 2012) über einen führenden Funktionär eines SED-Opferverbandes berichtet. Dieser Funktionär „übe sich neben seinem bundesweiten Ehrenamt in beruflicher Funktion offenbar als religiöser Fanatiker und veröffentlicht neben Angriffen auf Homosexuelle („Wenn unsere Kirche homosexuelle Lebensweise akzeptiert, macht sie sich an ihrem Auftrag, Sünder zur Umkehr zu rufen, schuldig.“) ungeschminkt Parolen wie „…Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans und niemals heilig…“.

Die Vereinigung dazu: „Schlimmer als greifbarer Extremismus sind aus dieser Sicht die unerkannten Scharfmacher, die Biedermänner. Sie schlüpfen in zwei Rollen und verbreiten unter missbräuchlicher Zitierung von Bibelstellen  in der einen Rolle schlimmste antisemitische und volksverhetzende Parolen, in der anderen Rolle geben sie sich staatstragend und lassen sich auch mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen.“

 In dem vorab bekannt gewordenen Beitrag betone zwar die Redaktion das grundgesetzlich garantierte Recht auf Religionsfreiheit.

Allerdings werde die Berufung auf dieses Recht missbraucht, „wenn unter diesem Mantel in unserem Land erneut Hetze gegen Juden und andere Religionen oder Glaubensrichtungen verbreitet wird,“ stellt dazu die Vereinigung fest. Noch unerträglicher seien diese über Kirchenblätter offiziell verbreiteten Thesen, wenn deren Schöpfer neben seinem  evangelikalen Amt eine herausragende Position in einem bundesweit bekannten Dachverband von Diktatur-Geschädigten wahrnehme. Hier sei dringend „nicht nur eine verbale Trennung zwischen beiden Ämtern geboten“, fordert die Berliner Vereinigung in  Kenntnis der nach ihrer Ansicht „schwerwiegenden Vorwürfe und deren bevorstehenden Veröffentlichung.“

Ein Vorabdruck ist erhältlich unter hohenecker.bote@gmail.com (nur für Redaktionen).

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

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