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Berlin, 17.07.2018/cw – Der Autor der Süddeutschen Zeitung, Holger Gertz, hat am 13.07.2018 (Seite 3) unter vorgenannter Titelung einen – wie wir finden – beachtenswerten Beitrag zur WM in Russland geschrieben (http://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-wm-wladimir-putin-1.4053699?reduced=true). Wir wollen unseren Lesern die wichtigsten Passagen nicht vorenthalten, zumal in Berlin der ehemalige politische DDR-Häftling Ronald Wendling (Mitglied der Vereinigung 17. Juni 1953) seit nahezu vier Jahren allwöchentlich vor der Russischen Botschaft in Berlin für die Freiheit eben jener politischen Gefangenen in Russland demonstriert , unter diesen Oleg Senzow, für die sich – dankenswerterweise – auch Holger Gertz in seinem Artikel engagiert:

„Vergesst das Finale, diese Fußball-Weltmeisterschaft hat nur einen Sieger: Wladimir Putin. Über das Turnier eines Autokraten und seiner infantilen Bewunderer.

… Putin hat an alles gedacht, und natürlich ist die Organisation eine Leistung. Glück kam dazu… Alles klar also? „Man wird nicht erleuchtet, indem man Lichtfiguren visualisiert, sondern indem man die Dunkelheit bewusst macht“, hat C.G. Jung geschrieben. Wo spielt der? Na ja, war ein Schweizer Psychoanalytiker, und wenn man sich noch mal kurz all das an Dunklem bewusst macht, was diese Weltmeisterschaft in der Autokratie eben auch umgibt, wird es doch ziemlich finster.

Die FIFA stellt Untersuchungen zu Doping im russischen Fußball schnell ein, ein wahrhaftiger Diktator in Tschetschenien darf die Mannschaft aus Ägypten beherbergen und deren besten Spieler Mohamed Salah zum Ehrenbürger ernennen. Dazu Debatten über Korruption und Zwangsarbeit beim Bau des Stadions in St. Petersburg; im Tiefenrausche immer mitgedacht die Annexion der Krim, der Krieg in der Ostukraine, der Krieg in Syrien. Was die innere Sicherheit im Land angeht: So behaglich sie sich anfühlt für diejenigen, die bei der WM zu Gast sind, so bedrohlich und luftabschnürend kann sie für Einheimische sein.

Ukrainischer Regisseur Oleg Senzow im Hungerstreik

Der Kreml-Kritiker Wladimir Kara-Mursa hat vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf gesagt, es gebe aktuell 156 politische Gefangene im Land. Der ukrainische Regisseur Oleg Senzow, 2014 durch russische Gerichte zu zwanzig Jahren verurteilt, wegen vermeintlicher terroristischer Anschläge, ist vor der WM in den Hungerstreik getreten, es scheint ihm ernst zu sein. Aber die Geschichte geht glatt unter während der WM. Um es mit Canettis Bild von Stadt und Stadion zu sagen: Wen interessiert ein krepierender Mann, solange der Videoschiedsrichter funktioniert? …

Aber Menschen, die gesellschaftliches Bewusstsein und so etwas wier die Kraft des Widerstandes wichtiger finden als besinnungslose Taumelei wegen eines Ballspiels, muß das Kotzen kommen angesichts der politischen Blindheit des Fußballbetriebs. Die ukrainische Autorin Tanja Maljartschuk hat gerade in einem kurzen, traurigen Stück in der Zeit eine historische Parallele gezogen. „Während der Hungersnot in der Ukraine kamen westliche Journalisten und Künstle rund bezeugten später, dass es in der UdSSR den mensche hervorragend ginge. Wie schmeckt eine solche Lüge und welche Folge hat sie? Ein e Lüge lebt länger als eine Wahrheit.“

Vor vier Jahren fanden in Russland die Olympischen Winterspiele statt, in Sotschi, auch damals gab es Debatten über Spiel und Sport vor autokratischer Kulisse. Damals wurde der Umweltschützer Jewgenij Witischko zu drei Jahren Lagerhaft verurteilt. Er sollte nichts mehr darüber erzählen, wie die Natur vergewaltigt wurde für die Spiele, da schloss man ihn halt weg. Und trotzdem – ein Unterschied zu heute – blieb Witischko ein Thema, Zeitungen berichteten, und in den Pressekonferenzen musste der Sprecher des Internationalen Olympische Komitees auch etwas zu Witischko sagen. Gegen Ende der Spiele setzte sich sogar eine Athletin bei CNN ins Studio, die Skispringerin Daniela Iraschko-Stolz aus der Steiermark: „Es ist mein Wunsch für die Zukunft, dass das IOC bei der Auswahl des Landes, in dem die Spiele stattfinden, sich mehr um die Menschenrechte und Gesetze sorgt.“ Das war 2014.

Scheiß doch auf Krieg und Inhaftierte

Vier Jahre später, WM 2018: Wer aus der sogenannten Fußballfamilie würde es wagen, etwas zu Oleg Senzow zu sagen? Wer äußerte sich zu den politische Gefangenen in Russland? …

Null, null und null. Es ist alles noch schlimmer geworden, die Störgeräusche werden bei dieser WM vom Apparat noch restloser und konsequenter geschluckt als früher. Dem staatlichen russische Auslandssender RT steht die kroatische Fußball-Legende Davor Suker während der WM gern als Interviewpartner zur Verfügung… Der große Herr Suker möge etwas zur Qualität der WM-Organisation erzählen … und er solle sich mit Kritik nicht zurückhalten. Aber dieses Hinweises bedarf es nicht, Suker schnurrt: „Exzellenter Weltcup. Exzellente Organisation.“ … Die beiden streifen auch das Thema Politik, aber Suker sagt: „Ich verstehe, dass Politik und Fußball sich manchmal nahe kommen, aber bitte: Die Grenze soll nicht überschritten werden.“

… Bei der WM 2010 in Südafrika hatten Künstler „Fuck Fifa“ auf T-Shirts gedruckt, sie wollten sagen, was sie von dem Laden halten… 2014 in Brasilien hingen „Fuck Fifa“-Plakate aus den Kippfenstern der Hochhäuser von Rio, der damalige Fifa-Chef Sepp Blatter sagte … (dazu): Philosophen haben gesagt: Glück für jedermann ist unmöglich.“

… Der neue Fifa-Chef Gianni Infantino hält das Image des Fußballs rein … Immer die gleichen Momentaufnahmen aus dem Stadion: Links Staatschef X, dann Infantino, dann Staatschef Y. Sobald ein Tor gefallen ist, reicht man sich wie batteriegetrieben die Hand.

Gianni Infantino kann sich auf seine Helferlein verlassen, ehemalige Spitzenfußballer, die mal sportliche Giganten waren aber sich, was Weisheit angeht, als Wichtel entpuppt haben, so federleicht, das Infantino sie wie Sternenstaub hinter sich herziehen kann. Bei Putin im Kreml waren nicht nur der plappernde Matthäus dabei … Man sah es in den Nachrichten: Infantino war angetreten, Vorgänger Blatter zu widerlegen. Glück für jedermann ist möglich, jedenfalls bei der WM in Russland. Scheiß doch auf Krieg und Inhaftierte.

… Die Bedeutung des schönen deutschen Begriffs „willfährig“ scheint er (Infantino) nicht zu kennen. Laut Duden: „Würdelos den Absichten anderer dienend.“ …

Zusammenfassung (Auszüge): Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785

Appell von Schriftstellern an Russland

Berlin, 6.12.2016/cw – Eine Gruppe von Schriftstellern ruft für Mittwoch, 7. Dezember 2016, 13:00 Uhr, zu einer Demonstration gegen den Massenmord im syrischen  Alleppo auf. Ort: Russische Botschaft, Unter den Linden 63-65 in 10017 Berlin.

Einer der Autoren, Peter Schneider, erklärt das Anliegen, das u.a. vom DER TAGESSPIEGEL im Internet verbreitet wurde:

„Die Vernichtung der Stadt Aleppo und ihrer Einwohner gehört zu den furchtbarsten Verbrechen, die seit Jahren unter unseren Augen begangen werden. Man muss keineswegs untaugliche Begriffe wie Holocaust oder Genozid bemühen, um die Ungeheuerlichkeit und den Skandal dieses Verbrechens zu benennen.  Die Welt schaut zu, wie die zweigrößte Stadt Syriens eingeebnet wird, wie ihre Schulen und Krankenhäuser mit finaler Entschlossenheit dem Erdboden gleichgemacht werden. Es gibt keine einzige Schule, kein einziges Krankenhaus mehr in Ost-Aleppo. Alle Bürger Aleppos, die sich dem Massenmörder Assad nicht ergeben wollen, sind mit Tod und Vertreibung bedroht.

Ich habe mir einmal eine halbe Nacht lang die von einem Nachrichtensender gesendeten Videos über die Folterungen angeschaut, die in den Kellern des von Assad beherrschten Stadtteils jeden Tag, jede Nacht an sogenannten „Regimegegnern“ und „Terroristen“ verübt werden. Ich konnte danach nicht schlafen und sagte mir am anderen Morgen: Glück gehabt, dass dies für mich der einzige erlittene Schaden war – dass ich nicht schlafen konnte.

Herr Putin, schlafen Sie eigentlich gut?

Aber wie kann es sein, dass wir diese Verbrechen mit all unseren „Nie wieder“-Schwüren geschehen lassen, ohne dass sich ein klarer Protest der Zivilgesellschaft gegen die Verantwortlichen regt? Wo sind die Friedensfreunde aller Fraktionen, die sonst bei jeder Gelegenheit – wenn Amerika, Israel oder die NATO involviert sind – zu Tausenden vor der US-Botschaft demonstrieren? Warum haben sie nie zu einer machtvollen Kundgebung gegen  das Verbrechen der russische Bombardementsin Aleppo zusammengefunden?

Kann es sein, dass ein Massenmord weniger abscheulich ist, wenn er von dem durch die NATO-Erweiterung ach so gedemütigten russischen Präsidenten befohlen wird? Oder handelt es sich einfach um schiere Angst vor einem zu Recht gefürchteten Nachbarn?

Es ist nicht wahr, was uns so viele um „Ausgewogenheit“ bemühte Kommentatoren sagen: Dass es sich beim Kampf um Aleppo um einen „Stellvertreterkrieg“ handele, in dem zwei Weltmächte um ihre jeweilige Einflusssphäre ringen.

In Aleppo stehen sich nur noch zwei Kriegsparteien gegenüber: Der russische Präsident Putin, der an der Seite des Diktators Assad den totalen Sieg herbeibomben will, und eine Assad-feindliche Zivilbevölkerung, unter der eine kleine Truppe von Rebellen ums Überleben kämpft.

Was sind Ihre Ziele?

Ich schließe nicht aus, dass sich einige der Rebellen, die einmal friedlich für Freiheit und Demokratie auf die Straße gingen, in ihrem Todeskampf inzwischen mit Isis-Kämpfern zusammenschließen. Es dürften kaum mehr als ein paar hundert sein.

Es ist aber genau diese Konstellation, auf die Putin und Assad hingearbeitet haben: Wir, Putin und Assad gegen den Islamischen Staat. Folglich gehören alle, die sich nicht ergeben – Kinder, Frauen, Alte, Kranke – zum Islamischen Staat und dürfen entsprechend behandelt werden.

Herr Putin, schlafen Sie eigentlich gut? Sind Ihre Träume von neuer imperialer Macht und Ihre Rachegefühle wegen Obamas dummer Beleidigung die Vernichtung so vieler unschuldiger Menschen wert? Was sind Ihre Ziele?

Wollen Sie durch die Vernichtung Aleppos wieder „die Augenhöhe“ zur Supermacht USA gewinnen? Wie gefällt es ihnen, an der Seite eines verhassten und ohne ihre Hilfe längst entmachteten Massenmörders Assad zu stehen? Mister Putin! Stellen Sie das Bombardement Aleppos ein. Jetzt!“

Zu den Unterzeichnern des Aufrufs zur Demonstration gehören u. a. Isabelle Azoulay, Marianne Birthler, Hans Christoph Buch, Daniel Cohn-Bendit, Friedrich Christian Delius, Ava Herterich, Ian McEwan, Elfriede Jelinek, Harry Merkle, Reinhard Mohr, Herta Müller, Isabell Serauky, Michael Naumann, Gerd Poppe, Eva Reich, Jens Reich, Volker Schlöndorff, Peter Schneider, Ulrich Schreiber.

Die VEREINIGUNG 17.JUNI 1953 in Berlin schloß sich heute in Berlin dem Aufruf an und forderte „alle Menschen guten Willens“ auf, sich an dieser „humanitären Demonstration“ zu beteiligen.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/appell-von-schriftstellern-an-russland-schluss-mit-dem-massenmord-in-aleppo/14937216.html

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – redaktion.hoheneck@gmail.com (1.189)

Von Gunter Weißgerber*

Endlich, endlich nach aufgezwungenen Schamjahren der sogenannten SED/MfS-Aufarbeitung ist es vollbracht. Endgültig vollbracht mit der Niederlage von Hillary Clinton. Endlich, endlich stimmen die Koordinaten wieder. Trump ist wie Reagan und der Feind ist dort, wo Reagan/Trump präsidieren: Auf unserem Wohlfühlkontinent Antiamerica.

Diese blöde CIA-initiierte Konterrevolution in der früheren DDR, die unserem Sozialismus so eklig und brutal den friedens- und fortschrittsbejahenden Mantel wegriss und auch unsere schöne westdeutsche Friedens- und Sowjetkooperationsbewegung für ein Vierteljahrhundert ans hässliche Tageslicht zerrte, ist jetzt vergraben. Vergraben unter SudelRotGrün und unserer rosigen Zukunft. Wir sind wieder voll da. Auch weil wir nicht aufgegeben haben. Wir geben niemals auf!

Amerika ist der kapitalistische Hauptfeind, Amerika stürzt die Welt ins Unglück und wir retten sie mit Anti-TTIP-, Anti-CETA, AntiTrump-Demos – natürlich auch mit Putin: Denn dieser Kapitalist ist ein guter Kapitalist. Er verzichtet zwar auf die ideologische Tarnung „Marxismus-Leninismus“, dafür beherrscht er das tschekistische Einmaleins der Zersetzung, der Informationsumkehr, und seine Feinde sind Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung in freien Wahlen in der Perfektion. Vor allem aber ist sein Feind unser Feind: Die USA.

Öffentliche Galgen sind Teil unseres Biotops

Was sind schon die Taten von Putin, Erdogan, Assad im Vergleich zu den Wahlkampfworten eines Trump? Nichts. Gar nichts. Überhaupt nichts! Über die Taten wächst Gras, da düngen wir fleißig mit. Trump aber kommt ab 20. Januar 2017: „Ami go home“ – und wenn dieses demokratische Europa darüber zusammenkracht. Endlich passt die Straße wieder richtig zu uns, so wie früher in den glorreichen 68ern und 80ern. Wir müssen nur unsere Reagan- und Uncle-Sam-Galgen wieder aufpolieren und jetzt Trump dran hängen. Denn wir dürfen das. Öffentliche Galgen sind Teil unseres Biotops. Jedenfalls solange die Richtigen dran baumeln. Was interessiert uns die Ukraine, was Aleppo (schon Väterchen Stalin wartete seinerseits genüsslich die Niederschlagung des Warschauer Aufstandes ab – welches Interesse sollte er an einem selbstbefreiten Polen gehabt haben?), was Georgien, was der homo sovieticus? Trump hat uns unser Feindbild wieder gegeben. Dagegen verblasst Putin zu menschlicher Wärme. Wer kann sich schon um alles kümmern? Wir nicht! Wir kümmern uns um Trump.

Ich habe einen anderen nicht krawalligen Tipp für die die immerwährend friedensbewegten Amerikahasser und Putinfreunde: Haltet es mit dem Historiker  Timothy Snyder. Der versucht gerade, das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten zu akzeptieren – was wären Wahlen, wenn die Ergebnisse nicht akzeptiert würden? Aber ich weiß schon: Ihr braucht den Krawall und sogar  die Vermummung um euer selbst willen. Den Mut, in einer Diktatur unvermummt und anständig für die Freiheit auf die Straße zu gehen, den würdet ihr niemals aufbringen. Weil ihr in dem Fall nämlich euer eigenes Leben und nicht das Unschuldiger riskieren würdet. Deshalb habt Ihr uns auch den Sozialismus gegönnt, ohne diesen selbst zu genießen. Ihr seid ja nicht rübergemacht in die Zone, in das Paradies. Habt uns lieber allein sozialistisch leben lassen. Und jetzt reißt ihr wieder den Mund auf, wie bis 1989.

* Gunter Weißgerber ist ehemaliger Bundestagsabgeordneter der SPD (1990 – 2009) und gehörte in der DDR zu den Leipziger Gründungsmitgliedern der Partei.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – redaktion.hoheneck@gmail.com (1.188)

Zur 100. Demo für Nadya Sawtschenko: Die Vereinig. 17. Juni überreichte eine Blumenschale in den Farben der Ukraine an Ronald Wendling - Foto: LyrAg

Zur 100. Demo für Nadya Sawtschenko: Die Vereinig. 17. Juni überreichte eine Blumenschale in den Farben der Ukraine an Ronald Wendling – Foto: LyrAg

Berlin, 10.04.2016/cw – Am kommenden Montag, 11.April, führt der Berliner Ronald Wendling die 100. Demonstration für die Freilassung der Ukrainischen Pilotin Nadya Sawtschenko durch. Der ehemalige politische Häftling (Cottbus) demonstriert sei 2014 jeden Donnerstag vor der Russischen Botschaft in Berlin gegen die unberechtigte Inhaftierung der Ukrainerin. Seit ihrer kürzlichen Verurteilung in Russland zu 22 Jahren Freiheitsentzug demonstriert der

Die Blumen wurden vor Ort ggüb. der russischen Botschaft eingepflanzt - Foto: LyrAg

Die Blumen wurden vor Ort ggüb. der russischen Botschaft eingepflanzt – Foto: LyrAg

Menschenrechtler täglich in der Zeit von 13:00 bis 19:00 Uhr, für jedes Jahr der verhängten Freiheitsstrafe einen Tag. Am Mittwoch steht Wendling über drei Wochen an seinem Platz auf dem Mittelstreifen nahe dem Brandenburger Tor. Der Demonstrant wird ab Donnerstag zu dem wöchentlichen Tournus (13:00 – 16:00 Uhr) zurückkehren und ist gewillt, bis zur Freilassung Sawtschenkos diese Demos fortzuführen.

Nicht nur Wendling, der die Inhaftierung und das Urteil als „politischen Terror“ bezeichnet und dessen beharrliche Aktionen nicht nur von der Russischen Botschaft sondern auch in der Ukraine aufmerksam registriert werden, hofft auf eine baldige Vereinbarung auf internationaler Ebene, um der durch zahlreiche Hungerstreiks geschwächten politischen  Inhaftierten zur Freilassung zu verhelfen. Unlängst hatte sich die Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident für Sawtschenko eingesetzt, ebenso  Außenminister Steinmeier bei seinem kürzlichen Besuch in Moskau. Wie verlautet, will der Russische Präsident Putin  Sawtschenko gegen zwei wegen krimineller Delikte Verurteilte in den USA austauschen. Die Schwester der Ukrainerin hatte dazu kürzlich auf einer Pressekonferenz in der Ukrainische Botschaft in Berlin erklärt, dass Sawtschenko eine solchen Austausch ablehne: „Man könne nicht Schuldige gegen Unschuldige austauschen.“ Nadya Sawtschenko befindet sich seit zwei Tagen erneut in einem sogen. „trockenen Streik“; sie verweigert die Aufnahme von lebensnotwendigen Flüssigkeiten. Es ist der gesundheitlich bedrohliche dritte Streik seit dem Beginn ihrer Inhaftierung, wie besorgte Mitglieder der Familie der Öffentlichkeit mitteilten.

Am Montag wollen Freunde dem bisher ziemlich einsamen Demonstranten in der Straße Unter den Linden einen Blumenstrauß überbringen und diesem aus Anlass der 100. Demo für dessen unermüdlichen Einsatz danken (gegen 17:00 Uhr).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.100)

Berlin/New York, 27.09.2015/cw – Am morgigen Montag beginnen in zahlreichen Städten der Welt Demonstrationen für die Freilassung der seit über 16 Monaten in russischer Gefangenschaft gehaltenen Ukrainerin Nadiya Sawtschenko: Inernational-Free-Sawtschenko-Day.

Menschenrechtsorganisationen und –gruppen haben angekündigt, zeitgleich zur Sitzung der UN-Vollversammlung in New York, Wien, Los Angeles, Berlin, London, Paris und zahlreichen anderen Metropolen zu demonstrieren. In Moskau wurde bereits heute demonstriert; nach letzten Meldungen soll es bereits zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen sein (unbestätigt).

Der Ukrainische Botschafter im Gespräch mit der Mutter von Nadha Sawschenko während einer Demo am 18.06.15 vor dem Brandenburger Tor- Fot: LyrAg

Der Ukrainische Botschafter im Gespräch mit der Mutter von Nadiya Sawtschenko während einer Demo am 18.06.2015 vor dem Brandenburger Tor – Foto: LyrAg

Gegenwärtig wird der Ukrainerin in Russland der Prozess gemacht. Es wird eine Freiheitsstrafe von 25 Jahren Arbeitslager befürchtet, was nach Ansicht von Beobachtern einem Rückfall in die finstersten Zeiten der Stalin-Ära entsprechen würde.

Die am 11. Mai 1981 in Kiew geborene Sawtschenko war Berufssoldatin im Range eines Oberleutnants der Ukrainischen Streitkräfte und aktuell die einzige ukrainische Frau, die ausgebildet wurde, als Pilotin einen Su-24-Bomber und einen Mi-24-Hubschrauber zu steuern. Auf bisher ungeklärte Ursache verschwand die Pilotin bei einem Einsatz in der Krisenregion der Ostukraine Mitte Juni 2014. Sie wurde danach zunächst bei den pro-russischen Milizen in der Ukraine und am 8.Juli in einer Haftanstalt im russischen Woronesch wieder gesehen.

Nach Angaben der russischen Justiz-Behörden wird gegen die Ukrainerin wegen des Verdachtes der Beteiligung am mehrfachen Mord ermittelt, da diese am 17. Juni einen Mörserangriff im Krisengebiet koordiniert haben soll, bei dem u.a. zwei russische Journalisten getötet worden sein sollen. Sawtschenko ihrerseits beteuert, zum angegebenen Zeitpunkt bereits „im Gewahrsam regierungsfeindlicher Kräfte“ gewesen zu sein.

Zwischenzeitlich ist die 34jährige zur „Heldin der Ukraine“ ernannt worden. Sie befindet sich nach Angaben ihrer Familie nach einem wochenlangen Hungerstreik von Dezember 2014 – Februar 2015 (rund 90 Tage) in einem gesundheitlich sehr labilem Zustand. In Berlin finden bereits seit dem letzen Jahr regelmäßige Demonstrationen vor der Russische Botschaft Unter den Linden statt (jeweils Donnerstags von 13:00 – 16:00 Uhr. Am internationalen Free-Sawtschenko-Day (28.09.) demonstrieren Menschenrechtler an dieser Stelle zwischen 15:00 und 19:00 Uhr. Für diesen Tag ist auch der Auftritt des russischen Präsidenten Putin vor der UN-Vollversammlung vorgesehen. (1.035).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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