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Munster/Stade/Berlin, 14.09.2018/cw – Am Montag, 24. September, beginnt knapp sieben Jahre nach der Insolvenz der in Munster ansässigen Unternehmensgruppe Curanis-Holding das Verfahren gegen den Chef der von der Insolvenz nicht betroffenen operativen Curanis-Gesellschaften Dr. Rafael K. Um 9:15 Uhr erfolgt die Eröffnung mit der Verlesung der Anklage. Derzeit hat die 5. große Strafkammer (Wirtschaftsstrafkammer) des Landgerichts Stade 20 Verhandlungstage (bis zum 20. Dezember) terminiert. Vor der Strafkammer müssen sich neben K. ein Sohn  und eine ehemalige Holding-Geschäftsführerin  u.a. gegen die Vorwürfe „wegen Bankrotts“ (500 KLs 131 Js 4771/11 (37/15)< verteidigen.

Angela W. hatte 2010 für die Curanis Holding beim Amtsgericht Lüneburg Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Nach einem Bericht der IMMOBILIENZEITUNG vom 18.08.2010 hatte K. sen. vor Mitarbeitern erklärt, dass Holding-Geschäftsführerin Angela W. den Insolvenzantrag habe stellen müssen. Unbeschadet davon gehe „das Geschäft des Gebäudeverwalters unverändert und mit konstanter Beschäftigtenzahl weiter.“ Curanis hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 550 Beschäftigte und verwaltete einen Bestand von mehr als 50.000 Einheiten (darunter gemessen in Fläche rund 70% Wohnungen) und etwa 40.000 Stellplätzen. „Die erst am 23. April 2010 eingesetzte Holding-Chefin sei für die Gründe, die zur Insolvenz führten, jedoch nicht verantwortlich,“ hatte K. seinerzeit betont.

Insolvenz statt führender Immobiliendienstleister

Für die Insolvenz wurden seinerzeit offenkundige „hohe Außenstände gegenüber Gläubigerbanken und Leasinggesellschaften“ verantwortlich gemacht. Zudem hätten Kunden Haftungsansprüche in Millionenhöhe vorgetragen. Dennoch kündigte K. sen. an, Curanis zu einem der führenden Immobiliendienstleister in Europa machen zu wollen. Er habe das Ziel, die Zahl der verwalteten Einheiten schon im nächsten Jahr (also 2011) auf 100.000 zu erhöhen. Spätestens 2013 sollen 200.000 Einheiten verwaltet werden – darunter zunehmend auch Gewerbeflächen.

Seit Jahren Baugerüst am Kaiserdamm: Vortäuschung von Arbeiten? – Foto:LyrAg

Auch diese Pläne gingen wohl „in die Hose.“ Jedenfalls berichtete die Böhme-Zeitung (28.02.2017), dass das Unternehmen Curanis Wohnimmobilien (sechs Jahre zuvor) „mit mehr als 300 Beschäftigten – hinter der Bundeswehr zweitgrößter Arbeitgeber in Munster – ins Wanken geraten sei und betriebsbedingte Kündigungen“ vorgenommen habe. Das Unternehmen habe seine Zahlungen weitgehend eingestellt. Arbeitnehmer mussten ihre Löhne und Gehälter einklagen.

Ende 2009 galt die Curanis als florierende Unternehmensgruppe und spielte „in der ersten Liga der Wohnimmobilien-Verwalter mit“ (Böhme-Zeitung), „wurde 2008 sogar als zweitgrößter in der Branche gehandelt, der für Jahrsüberschüsse von zwei bis drei Millionen Euro gut war.“ Nach dem zitierten Bericht hatte K. Ende 2009 mit seiner Consus Property Group die 80%-Beteiligung der in Köln ansässigen Vivacon AG an Curanis übernommen. Allerdings war die Vivacon bereits wirtschaftlich angeschlagen und hatte den Verkauf offensichtlich getätigt, um eigene Gläubiger bedienen zu können. Nur acht Monate danach war die Muttergesellschaft Curanis Holding insolvent. Dem Insolvenzantrag folgten weitere Pleiten, das „ganze Curanis-Firmengeflecht fiel in sich zusammen.“ Schließlich wurde auch die Wohnimmobiliengesellschaft abgewickelt.

Aktivitäten nach Berlin verlegt?

Aus Berliner Sicht ist in diesem Zusammenhang interessant, dass K., der auch als Herausgeber einer Zeitung firmiert, nach seiner Pleite in Munster offensichtlich seine Aktivitäten auf die Hauptstadt konzentriert. Hier ist seine Familie an mehreren Immobilien-Objekten „beteiligt“, wie Recherchen unserer Redaktion ergaben. Ein Firmenkonglomerat von diversen GmbHs ist in mehreren Etagen eines Charlottenburger Wohnhauses untergebracht, weitere Immobilien unterhält der Clan u.a. in Charlottenburg am Kaiserdamm oder in der Schönhauser Alle im Prenzlauer Berg. Beiden gen. Immobilien eigen sind unübersehbare Baugerüste (Stand Sept.2018), die seit Jahren die Fassaden verdecken, ohne dass dort irgendwelche Bauarbeiter gesichtet werden. Auch stehen seit Jahren Wohnungen leer, ohne dass sich die zuständigen Bauverwaltungen der Bezirke veranlasst sehen, hier „nach dem Rechten“ zu sehen.

     Auch in der Schönhauser Alle:   Baugerüste – Foto: LyrAg

In Charlottenburg gab der zuständige Baustadtrat auf Nachfrage die Auskunft, dass „der Wohnungsleerstand bis zum 31.07.2018“ wegen Renovierungsarbeiten bewilligt worden sei. Seither ist von einem etwaigen Nachhaken des Bezirkes ebenso wenig bekannt wie die Tatsache, dass der zitierte Leerstand zumindest für einige Wohnungen bereits seit zehn Jahren vorliegt. Ob die Berliner Volksbank wegen des Dauergerüstes vor ihrem Eingang ihre Filiale am Kaiserdamm aufgegeben hat, ist nicht bekannt. Tatsächlich fühlen sich Geschäftsinhaber an der Schönhauser Allee durch das dortige seit Jahren stehende Gerüst in ihrem Geschäftsbetrieb geschädigt, zumal eine Ende der „dekorierten Bauarbeiten“ nicht abzusehen ist, wie ein Betroffener, der seinen Namen „wegen möglicher Folgen nicht im Internet sehen will“ uns gegenüber erklärte.

Die einschlägigen bzw. verantwortlichen Behörden sollten den nun anstehenden Prozess in Stade zumindest zum Anlass nehmen, die Aktivitäten und offensichtlichen Ungereimtheiten des nunmehrigen Berliner Immobilien-Moguls unter die Lupe zu nehmen.

Nachtrag:

Stade, 26.09.2018/cw – Auftakt im Curanis-Prozess – Vorwürfe bestritten

Heute begann nach jahrelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Stade der Curanis-Prozess. Curanis galt in der Immobilien-Branche lange als einer der größten Verwalter – bis vor acht Jahren überraschend die Insolvenz kam. Sollte die Anklage Erfolg haben, drohen dem ehem. Geschäftsführer  bis zu 10 Jahren Haft. Der Angeklagte und sein Sohn haben über ihre Anwälte die Vorwürfe bestritten. Das Verfahren gegen die ehem. Geschäftsführerin Angela W. war vor Beginn der Verhandlung abgetrennt worden.

Quelle: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/niedersachsen_1800/Auftakt-im-Curanis-Prozess,ndsmag26996.html

Weiterer Nachtrag vom 3.08.2019:

Nach unserer Redaktion vorliegenden neuesten Informationen ist das Verfahren gegen den Sohn  des Hauptangeklagten vor dem Landgericht Stade (Wirtschaftsstrafkammer) gegen Zahlung einer monetären Auflage eingestellt worden. Über die Fortführung des Verfahrens in der Hauptsache können zur Zeit keine Angaben gemacht werden, da dem Gericht ein ärztliches Attest über die Verhandlungsunfähigkeit des Hauptangeklagten vorgelegt wurde.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.425).

Ein mögliches Weihnachtsgeschenk: "Der Prenzlauer Berg"

Ein mögliches Weihnachtsgeschenk: „Der Prenzlauer Berg“

Berlin, 28.12.2016/cw – Sie veröffentlichte bereits zahlreiche sogen. Mitmachbücher, so am 8. Mai vorigen Jahres: „Allgäu – zum Mitmachen und Entdecken“, mit dem Kinder durch Interaktion Wissenswertes über das Allgäu spielerisch erfahren und erlernen konnten. Jetzt hat Susanne Scheffels, Architektin, Buchautorin und Mutter von zwei Söhnen mit dem kleinen Band „Prenzlauer Berg“ ein Mitmachbuch für neugierige Kinder aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg rechtzeitig zu Weihnachten vorgelegt.

Auf vielen Seiten kann nach Herzenslust gespielt, gebastelt, gemalt und gerätselt werden. Das Würfelspiel „Mein Kiez“, der Bastelbogen für den Wasserturm „Dicker Herrmann“ oder spannende Experimente lassen bei aktiven Kids keine Langeweile aufkommen. Was der WILLEGOOS-Verlag in seiner Werbung beschreibt, kann ohne Einschränkungen unterstrichen werden. Die Idee des Verlages: Willegoos ist Plattdeutsch und bedeutet Wilde Gans oder eben Graugans. Und die „flattert durchs Logo und wuselt durch alle Bücher“ des Verlages. Mit Willegoos „können Kinder wie ein Zugvogel die Welt entdecken“.

Viele Möglichkeiten der Beschäftigung - Die Rückseite des Mitmachbuches

Viele Möglichkeiten der Beschäftigung – Die Rückseite des Mitmachbuches

Neben den vielfachen Einblicken in den Kiez durch klug ausgewählte Sachinformationen und den ausgewiesenen Beschäftigungs-möglichkeiten gibt das Mitmachbuch Antworten auf viele Fragen: Wo ist hier ein (Prenzlauer) Berg? Wie funktionierte die Wasserversorgung? Und, und, und… Aber es werden auch ernste Frage gestellt, ohne die vorhandene kindliche Neugier zu überfordern: Warum war hier eine Mauer? Sogar die Erstellung eines Fluchttunnels zwischen Ost und West wird kurz und einsichtig auf kindlichem Niveau geschildert und begründet, ohne mögliche Angstträume zu provozieren: Geschichte life für Kinder. Hinweise auf Ausstellungen und Spielplätze runden das hier vorgelegte Mitmachbuch gelungen ab. Eine gute, weil einmal bewußt andere Geschenkidee zu Weihnachten, nicht nur für ein schmales Budget (z.B. von Oma und/oder Opa) geeignet. So macht Auseinandersetzung mit dem eigenen Wohnumfeld durchaus Spaß. Urteil: Sehr empfehlenswert.

Spiel- und Mitmachbuch, 52 Seiten | Paperback fadengeheftet | ab 7 J – ISBN: 978-3-944445-22-9, 10,95 €.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.183)

Berlin, 23.08.2014/cw – Wenn sie sich zurückerinnert, kämpft sie jedes Mal mit den Tränen:
„Was wir erlebt und durchlebt haben, verliert sich nicht mehr, das bleibt,“ sagt sie und schluckt. In aller Bescheidenheit bezieht sie das nicht allein auf sich. Mit „Wir“ meint die heute neunundsechzigjährige schlanke Frau alle Kameradinnen und Kameraden, die für das „Urrecht auf Freiheit“ Verfolgung und Haft inkauf nehmen mussten.

Birgit K. (Mitte) 2014 bei einem Treffen mit Leidensgenossinnen - Foto LyrAg

Birgit K. (Mitte) 2014 bei
einem Treffen mit Leidensgenossinnen
– Foto LyrAg

Birgit Krüger erinnert sich 37 Jahre später an ihren ersten Besuch in der „Ständigen Vertretung der BRD“ in Ost-Berlin, der einstigen >Hauptstadt der DDR<: “Insgesamt waren wir drei mal dort. An das erste mal erinnere ich mich gut. Im Dezember 1976 war das.“ Rückblickend wundert sich Birgit K., dass sie jedes Mal ungehindert in das Gebäude an der Hannoverschen Straße kam. Andere berichten ja von den Schikanen, den Versuchen, diese an einem Betreten der bei den Machthabern verhassten Vertretung zu hindern. „Wir wurden erst nach dem Verlassen erfasst. Man verlangte unsere Ausweise, und wir mussten unsere Personalien trotzdem noch einmal in ein Mikrofon sprechen, das einem der Wachhabenden um den Hals hing.“

Meine erste Begegnung mit einem Cola-Automaten

Das Ehepaar wollte ausreisen, endlich die zur Qual gewordenen DDR verlassen dürfen. Einen Monat zuvor, im November, hatten sie ihren ersten Ausreiseantrag gestellt. „Nachdem uns sehr schnell klar war, wir würden das ohne Hilfe von außen nicht schaffen, entschlossen wir uns, die Ständige Vertretung aufzusuchen. Für Viele, auch für uns, war die Vertretung der letzte Anker in unserer Hoffnung auf Freiheit,“ erinnert sich Birgit K. und wischt eine Träne aus ihrem Auge.
„Wir wurden sehr herzlich empfangen, so, als wären wir schon lange bekannt und gern gesehene Gäste sein. Es war meine erste Begegnung mit einem Cola-Automaten und einem wunderbaren und unvergesslichen Jacobs-Kaffee,“ schwärmt sie. Man habe der Familie geduldig zugehört und versprochen, ihre Anliegen zu verfolgen. „Der Unterschied bestand darin, daß mit dieser „Verfolgung“ die Weiterreichung an die damit befassten Hilfestellen im Westen gemeint waren, während die Staatssicherheit unter Verfolgung die Kriminalisierung berechtigter Anliegen verstand.“

Noch zwei Mal waren die Krügers in der Hannoverschen Straße, erneuerten unermüdlich ihren Antrag auf Ausreise nach jeder Ablehnung. Dann schlug die Staatsmacht in Gestalt der Stasi zu. Am 21.10.1977 wurde der Operative Vorgang (OV) „Schlosser“ durch die Bezirksverwaltung Berlin des MfS angelegt. Grund: Weil „die wegen eines rechtswidrigen Ersuchens auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR und Übersiedlung nach der BRD seit November 1976 bereits mehrfach operativ relevant in Erscheinung getretenen waren und deswegen in der KK erfassten Personen am 7.10.1977 ein weiteres rechtswidriges Ersuchen an den Minister des Innern, Gen. Dickel, richteten, in dem sie für den Fall einer weiteren Ablehnung ihres Ersuchens androhten, sich an die Öffentlichkeit zu wenden.“

Verhaftung am 24.10.1977

Am 23.10.1977 wurde die Festnahme für den folgenden Tag angeordnet: In der Vorlage für den beantragten Haftbefehl hieß es u.a.: Das Ehepaar Krüger sei „seit November 1976 mindestens einmal im Monat durch das Versenden von rechtswidrigen Ersuchen … an den Rat des Stadtbezirkes Berlin Prenzlauer Berg, Abt. Innere Angelegenheiten und als Eingaben deklarierten darauf Bezug nehmenden Hetzschreiben an den Magistrat von Berlin, das Ministerium des Innern und den Staatsrat der DDR in Erscheinung getreten. In den rechtswidrigen Ersuchen wie auch in den vorgenannten Schriften diskriminieren sie die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung, indem sie behaupten, in der DDR sei eine ständige Verletzung der Menschenrechte zu verzeichnen und es herrsche Gesinnungsterror gegen Andersdenkende vor.“

Ausschnitt aus Abschlussbericht des MfS - Quelle: BStU

Ausschnitt aus Abschlussbericht des MfS
– Quelle: BStU

Akribisch verzeichnete die Stasi auch die Briefe an die „Gesellschaft für Menschenrechte“ in Frankfurt/Main vom Januar 1977, von deren „staatsfeindlicher gegen die DDR gerichteter Tätigkeit“ die Beschuldigten „durch Sendungen des BRD-Fernsehens Kenntnis erlangt“ hätten, ebenso wie einen Brief an den Generalsekretär der Uno und das Ministerium für Innerdeutsche Angelegenheiten der BRD.

„Danke! – Und jetzt lächelt sie

Im März 1978 wurde das Ehepaar schließlich verurteilt. Birgit K. erhielt 2 Jahre und 3 Monate, ihr Ehemann 2 Jahre und 6 Monate. Birgit wurde umgehend in das berüchtigte Frauenzuchthaus Hoheneck verbracht und gehört nicht zuletzt aus diesem Grund dem Verein „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ an.
Die Krügers hatten Glück: Bereits am 5.07.1978 „wurde das Ehepaar Krüger aus der Strafhaft in die BRD entlassen,“ wie es im Abschlussbericht über den OV „Schlosser“ heißt. Zuvor war am 29. Juni „eine ständige Einreisesperre eingeleitet“ worden.

„Ohne die Besuche in der Ständigen Vertretung und deren versprochenes und eingehaltenes Wirken wären wir nicht so schnell in die Freiheit entlassen worden,“ sagt Birgit Krüger bestimmt, „Danke!“. Und jetzt lächelt sie.

Podiumsdiskussion: „Das Versprechen der Freiheit“

In der ehemaligen Ständigen Vertretung findet am 29. August ab 18:30 Uhr im ersten OG des Gartenhauses aus Anlass des 25. Jahrestages der Maueröffnung eine Podiumsdiskussion statt (U6 bis „Oranienburger Tor“, von dort ca. 350 m Fußweg). Teilnahme (leider) nur gegen Voranmeldung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, 11055 Berlin.(841)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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