You are currently browsing the tag archive for the ‘Prediger’ tag.

Berlin, 24.09.2012/cw – Seit der Veröffentlichung über die Äußerungen des evangelikalen Predigers Rainer Wagner treffen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Wir geben nachfolgend zwei Meinungen als PRO und CONTRA zur Kenntnis. Wir wollten und wir wollen keine Reduzierung auf einen bestimmten Menschen. Wir wollen eine inhaltliche Diskussion befördern, an deren Ende sich dann im Ergebnis die eine oder andere Entscheidung und Konsequenz ergeben kann, sich für den einen oder anderen nicht unbedingt ergeben muß.

PRO

Rainer W. hat sich geäußert, als Prediger einer bestimmten kirchlichen  Ausrichtung in der weiten  und großen Evangelischen Kirche. Über die Inhalte muss sich die Kirche unterhalten, wenn sie es denn will. Solange Rainer W. als Prediger aus der Bibel zitiert, verlässt er nicht sein religiöses Tableau, kann er seinen Gläubigen  gegenüber Juden und Andere, die nicht auf der Seite Jesu stehen, als Knechte Satans bezeichnen. Satan spielt in den Überlieferungen sowohl des Alten wie des Neuen Testamentes eine wichtige Rolle, lässt seither Gläubige zwischen GUT und BÖSE unterscheiden. Auch die Bezeichnung Allahs als erfundenen Gott lässt folgerichtig seinen  Propheten  Mohammed als falsch erscheinen. Wo liegt hier das Problem?

Die Äußerungen  eines Predigers zu anderen Glaubensrichtungen, wie Buddhismus oder Hinduismus entspringen  der Konsequenz seiner religiösen Überzeugung; darf man die nicht mehr artikulieren? Auch seine Äußerungen zur Homosexualität bezieht Rainer W. auf Texte im Buch der Bücher, wie die Bibel auch bezeichnet wird. Rainer W. lebt seinem Glauben in einer Zeit, die zunehmend glaubenslos geworden ist. Ist diese Lebenseinstellung grundsätzlich schlecht, nur weil sie nicht in unsere reale Landschaft einzufügen ist (was auch noch zu beweisen wäre)?

Nun  ist Rainer W. auch Präsident oder Vorsitzender eines Dachverbandes von Opfern der Diktaturen. Darf er trotzdem seine religiöse Überzeugung von sich geben oder muß er sich einem Mainstream anpassen, einer political correctnis beugen? Werden hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen? Warum soll ein Prediger kein politisches Amt ausüben dürfen, ohne seine Überzeugungen über Bord werfen zu müssen? Solange der Dachverbandsvorsitzende oder Präsident nicht die Juden diskriminiert oder andere Religionen verächtlich macht, also unverantwortlich politisiert, kann er in seinem Kirchenzimmer seinen Überzeugungen nachkommen und meinethalben auch seine Exerzitien zu Papier bringen. Das geht uns, die wir außerhalb dieser religiösen Denkvorstellungen leben, rein  gar nichts an.

 Herbert Klein

 

CONTRA

Es geht uns sehr wohl etwas an, ob in  diesem Land anno 2012 ein  Prediger, Politiker oder auch Extremist Juden (und Andere) als Knechte Satans bezeichnen kann und darf. Über alle Freiheiten der Meinungen hinweg dürfen in unserem Land bestimmte Äußerungen nicht mehr formuliert werden, weil sie sich von selbst verbieten. Die Leugnung von NS-Verbrechen verbietet sich ebenso, wie jegliche Hetze gegen andere Rassen, Religionen oder Andersdenkende. Wir können nicht Hass-Prediger aus den Reihen radikaler Islamisten verurteilen und gleichzeitig Hass-Prediger aus unseren Reihen auf deren religiöse Überzeugungen reduzieren. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

Die Mehrheit der Geistlichen (in der Evangelischen Kirche) hat unveräußerliche Grundsätze nicht nur akzeptiert sondern verinnerlicht. Dazu gehört das Eingeständnis, durch exzessive Bibelauslegung den Boden für den verheerenden Antisemitismus vorbereitet, zumindest mitbereitet zu haben. In diesem Sinne verbreitete sich noch unsere geliebte Großmutter nach dem Desaster, also nach 1945, uns – ihren  Enkeln- gegenüber, das mit den Juden konnte nur geschehen, weil diese „unseren Herrn Jesus ermordet haben.“

Gott sei Dank sind diese Formen der Exegese aus den meisten Gottesdiensten verschwunden, bekennen sich Pfarrer und Bischöfe einhellig auch in ihren religiösen Verkündigungen zu den Grundwerten  unserer Verfassung: Die Würde des Menschen  ist unantastbar. In diesem Sinne verbreiten sie ökumenisch die notwendige Toleranz gegenüber anderen Religionen und Denkrichtungen.

Dagegen gibt es an den Kirchen-Rändern Widerstand, der sich wesentlich durch die wörtliche  Wiedergabe von Bibeltexten artikuliert und tolerante, der Zeit angemessene Auslegungen als Teufelswerk, weil von der vorgegebenen Linie des HERRN abweichend, verurteilt. Rainer W. hat sich dieser Linie angeschlossen.

Wenn  sich Rainer W. auf die Position zurückziehen  würde, ihm  wäre egal, was die RECHTE am Sonntag tut und die LINKE am weltlichen  Werktag, dann  stimmt entweder seine Überzeugung oder sein Weltbild nicht. Als verantwortlicher Sprecher eines Dachverbandes mit – nach eigenen Angaben – über zwei Millionen Mitgliedern kann er in unserem Land nicht mehr Juden (oder Andere) als Knechte Satans bezeichnen, kann er nicht Öl ins Feuer gießen und Allah als erfunden und Mohammed als dessen falschen Propheten bezeichnen. Weder als evangelikaler, sektirischer oder wie immer gearteter Christ noch als politischer Funktionär.

Das ist „Hetz-Predigt“, wie es der Jugendpfarrer aus Gera treffend bezeichnet. Mit seinem Amt, mit den Überzeugungen  des von ihm repräsentierten  Verbandes, ist das unvereinbar.

Wenn Rainer W. seinen Überzeugungen weiter leben  will, dann sollte er sich von seinem  politischen Amt zurückziehen. Und das unabhängig davon, wie die Evangelische Kirche oder deren Zusammenschlüsse innerkirchlich seine in diversen Gemeindebriefen und Publikationen  verbreiteten  Überzeugungen  werten.

Friedrich Muehlenhaupt

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohenecker Bote., Berlin, Tel.: 030-30207785

Unterschriften gegen Gewalt und Antisemitismus – Foto: LyrAg

Berlin, 2.09.2012/cw – Zu einer eindrucksvollen Demonstration fanden sich am heutigen Sonntag ca. 1.500 Menschen auf dem Grazer Platz in Berlin-Friedenau ein, um  ihrer Empörung über den brutalen Überfall auf Rabbi Alter Ausdruck zu verleihen. Der Überfall auf Daniel Alter und seine Tochter durch bisher nicht identifizierte, vermutlich Jugendliche „arabischen“ Ursprungs hatte nicht nur in Berlin und Deutschland, sondern weltweit Aufsehen erregt. Im Land der Urheber des Holocaust muss der feige Überfall auf einen jüdischen Mitbürger mit der Begründung „JUDE“ neuerlich Vorbehalte und Misstrauen provozieren.

Um so wichtiger erscheint der zeitnahe Protest durch Nachbarn, Freunde und Bürger aus dem Wohnumfeld von Rabbi Alter, um  das vielfach beschworene „Nie Wieder!“ mit aktuellen Inhalten zu füllen, der Gefahr geschürten Hasses zu begegnen und sich für Toleranz gegenüber anderen Religionen und Ethnie einzusetzen.

Betretene Gesichter: Schilderung des Überfalls auf Rabbi Alter – Foto: LyrAg

Befremden über abwesende CDU, GRÜNE, FDP und Piraten

Die SPD Friedenau hatte dankenswert zu dieser spontanen Kundgebung aufgerufen und zum Auftakt – unter Beifall – betont, dass es sich dabei um keine Parteiveranstaltung handele. Leider konnte sie diesen Eindruck anhand der Rednerliste nicht ganz verwischen, und so kam Unmut auf, als vor dem ebenfalls anwesenden Rabbi Alter – der demonstrativ unter nahezu tosendem Beifall begrüßt wurde – auch noch der Vorsitzende der Jusos als Redner angekündigt wurde.

MdB Mechthild Rawert (SPD): Null Toleranz für Antisemitismus – Foto: LyrAg

Warum die erfahrenen Polit-Strategen, unter ihnen Senatorin Dilek Kolat und die Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, sich nicht im Vorfeld um eine parteiüber-greifende Veranstaltung bemüht haben, bleibt leider ein Geheimnis. Kaum  anzunehmen, dass CDU, GRÜNE, Piraten oder die nicht mehr im Abgeordnetenhaus vertretene FDP den Überfall auf einen  Juden mitten in  Berlin im Jahre 2012 weniger dramatisch gesehen haben, als die SPD. Warum diese dennoch diesem Protest fernblieben, ließe sich nicht allein mit einer „drohenden Parteiveranstaltung“ der politischen Konkurrenz begründen.

Die anwesenden Bürger jedenfalls mochten wohl  dieser üblichen Polit-Auseinandersetzung nicht folgen, sie erschienen in der Mehrheit aus glaubwürdiger Solidarität mit dem Opfer. Das gab der Veranstaltung eine eindrucksvolle Dimension.

Von den Verfolgtenverbänden der SED-Diktatur war einzig die Vereinigung 17. Juni erschienen. Der Verein hatte im Internet ebenfalls für die Kundgebung geworben und begründete seine Teilnahme mit der „aus Verfolgung und Unrecht“ erwachsenen Pflicht, sich „jederzeit und überall gegen Diskriminierungen, Unrecht und Gewalt“ einzusetzen. Mit Plakaten erinnerte der Verein daran, dass „Hass auch Mord“  und als Vorstufe damit gleichzusetzen ist und zitierte Art.1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen  ist unantastbar, sie zu schützen ist Aufgabe staatlicher Gewalt.“ Tatjana Sterneberg vom Vorstand übergab im Anschluss an die Kundgebung eines der Plakate zur Erinnerung an Daniel Alter.

Tatjana Sterneberg (links) übergab ein Transparent an Rabbi Alter (rechts) – Foto: LyrAg

Evangelikaler Prediger: Jude ein Knecht Satans

Am Rande der Kundgebung wurde auch über einen evangelikalen Prediger diskutiert, der ehrenamtlich eine hohe Funktion in dem Dachverband der SED-Verfolgten besetzt und andererseits mit seinen Veröffentlichungen gegen  andere Religionen nach Meinung von Kundgebungsteilnehmern den „Tatbestand der Volksverhetzung“ erfüllt. In diversen Missionsschriften hatte dieser Prediger unter anderem vom Juden als „Knecht Satans“ geschrieben und gegen den Islam gehetzt: Allah sei „erfunden“ und sein „falscher Prophet sei Mohammed.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Juni 2021
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

Blog Stats

  • 749.741 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 128 anderen Followern an