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Berlin, 09.06.2018/cw – Nach Medien-Berichten, u.a. der Deutschen Welle haben sich Kreml- chef Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko über die Lage von Gefangenen aus ihren Ländern beraten. Aus dem Präsidialamt in Kiew hieß es, man habe über eine mögliche Freilassung von Ukrainern gesprochen, die in Russland und in den ostukrainischen Separatistengebieten in Haft seien. Am Montag wollen sich die Außenminister Russlands, der Ukraine, Frankreichs und Deutschlands in Berlin zu Gesprächen über die Lage im ostukrainischen Kriegsgebiet treffen.

Mahnwache in Berlin wird fortgesetzt

Unterdessen setzt der Menschenrechtler und ehemalige politische Häftling im DDR-Zuchthaus Cottbus, Ronald Wendling (59), seine Mahnwache für die politischen Gefangenen gegenüber der Russischen Botschaft Unter den Linden in Berlin fort, die in Russland auf ihre Verurteilung warten oder bereits zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Am 13. Juni steht der Berliner (seit 2014) zum 200. Mal auf dem Mittelstreifen nahe dem Brandenburger Tor. Wendling hat auf seinen selbstgefertigten Plakaten über 60 Gefangene im Portrait abgebildet: „Ich möchte diese Menschen aus der Anonymität reißen, ihnen ein Gesicht geben,“ sagt der unermüdliche Aktivist, der logistisch von einigen Freunden und der Vereinigung 17. Juni in Berlin unterstützt wird.

Hohe Auszeichnung von den Krimtataren

Jeden Donnerstag steht der einstige Cottbusser Häftling seither von 13:00 – 16:00 Uhr vor der Botschaft. Seit letzter Woche allerdings wird die Mahnwoche täglich von 13:00 – 18:00 Uhr durchgeführt. Grund: Ein weiterer Angeklagter wurde von der Russischen Justiz zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Aus diesem Anlass steht der Protestler für jedes Jahr verhängter Strafe trotz der gegenwärtigen großen Hitze jeweils einen Tag bis zum 16. Juni in der Straße Unter den Linden, danach wird die Mahnwache wieder im wöchentlichen Turnus durchgeführt.

Letzte Woche erhielt Ronald Wendling in den Räumen der Ukrainischen Botschaft in Berlin von einer Abordnung der Krimtataren eine hohe Auszeichnung überreicht. Drei Krimtataren, unter diesen ein gerade entlassener politischer Gefangener, konnten bei dieser Gelegenheit in bewegender Form gegenüber dem Berliner ihren persönlichen Dank für dessen unermüdliche Einsatz aussprechen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.393).

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Heute erreichte uns die erwartete Nachricht vom Tode eines großen Deutschen: Der einstige Wehrmachtsoffizier, Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg, Fraktionsvorsitzender der SPD im Deutschen Bundestag, Verteidigungsminister und Bundeskanzler starb im Alter von 96 Jahren.

Zwei Tage nach dem Gespräch im Sportpalast: Brief an Helmut Schmidt - Archiv

Zwei Tage nach dem Gespräch im Sportpalast: Brief an Helmut Schmidt – Archiv

Es gibt Berufenere, Nachrufe abzufassen, die Hinterlassenschaft dieses herausragenden politischen Realisten zu beleuchten. Ich möchte mich in diesen Stunden der Trauer an eine Begegnung erinnern, an seine Zusage und das eingehaltenen Wort, das er mir, einem jungen Mauerdemonstranten, damals im inzwischen abgerissenen legendären Sportpalast in Berlin gab.

2. April 1965: Wahlveranstaltung in Berlin (Bundestag). Die SPD hatte in den Sportpalast eingeladen. Einer der Redner: Helmut Schmidt, Innensenator von Hamburg.

Für den Sommer hatte ich eine Unterschriftsammlung in 14 Großstädten Westdeutschlands, wie wir damals die Bundesrepublik umgangssprachlich nannten,  für die Freilassung des zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilten Fluchthelfers Harry Seidel und „14.000 politische Gefangene in der SbZ“ geplant. Die Aktionsreise sollte am 14. August in Hamburg beginnen. Doch die Hansestadt machte formale Schwierigkeiten wegen der Bannmeile um das Hamburger Rathaus. Was lag da näher für den Aktivisten, als den zuständigen Innensenator direkt anzusprechen?

Helmut Schmidt nahm sich für mein Anliegen Zeit, so, als wäre der Vortrag des jungen Berliners in diesem Augenblick das Wichtigste im Sportpalast. Der Senator hörte sich mein Anliegen an und meinte, der Hamburger Bahnhof wäre doch eigentlich viel geeigneter für mein Vorhaben. Ich berichtete über meinen Wohnaufenthalt 1961 in Hamburg und dass ich mich sehr wohl in der Hansestadt auskannte. Aber wenn ich vor dem Rathaus diese wichtigen Unterschriften sammeln könnte, würde das in Ost-Berlin als stillschweigende Zustimmung des Senates gewertet werden, ohne dass sich dieser dazu öffentlich äußern müsste. Dies hätte also einen großen symbolischen Wert.

Wort gehalten: Drei Wochen später kam die zugesagte Antwort - Archiv

Wort gehalten: Drei Wochen später kam die zugesagte Antwort – Archiv

„Das leuchtet mir ein,“ erwiderte Schmidt und: „Schreiben Sie mir das Ganze und schicken Sie mir das. Sie bekommen von mir persönlich Antwort.“ Dann übergab er mir seine Visitenkarte und wünschte mir per Handschlag für mein Vorhaben alles Gute.

Helmut Schmidt hielt Wort. Am 28. April erhielt ich sein Schreiben: „Ich darf Ihnen sagen, daß ich Ihrer Unterschriftensammlung, mit der Sie für die Freiheit des Fluchthelfers Harry Seidel plädieren wollen, volles Verständnis entgegen bringe und mich deswegen bemühen werde, die erforderliche Genehmigung zu erreichen.“

Am 14. Juli 1965 wurde dann die offizielle Genehmigung erteilt. So konnte ich in Hamburg, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, Augsburg, Regensburg, Nürnberg, Würzburg und Kassel 6.000 Unterschriften von Menschen aus 27 Nationen für die Freilassung der politischen Gefangenen erreichen. Helmut Schmidt hatte an dem Erfolg einen wesentlichen Anteil, weil er mir durch seine engagierte Zusage das letzte Quentchen  Mut zum Start für die Aktionsreise vermittelte.

Ich durfte durch mein Engagement Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer, Willy Brandt, Franz Josef Strauß, Wilhelmine Lübke, Ernst Lemmer, Rainer Barzel und einigen anderen begegnen. Der Begegnung mit Helmut Schmidt im Sportpalast zu Berlin in jenem April 1965 kam seither ein besonderer Platz in meinen Erinnerungen zu. DANKE (1.059).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Von Klaus Hoffmann*

Berlin, 18.10.2015/kh – Er wollte sich von Beginn an nie mit dem Mauerbau abfinden, führte zahlreiche Hungerstreiks durch. Nachdem seine Gesundheit gefährdet war, verlegte sich der Zwanzigjährige auf Demonstrationen „für die Freiheit von (damals) 14.000 politischen Gefangenen in der SbZ.“

Am Jahrestag der Verurteilung des Fluchthelfers Harry Seidel, am 14. November 1964, demonstrierte der damalige Reklamearbeiter bei der BVG, Carl-Wolfgang Holzapfel, am Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße. Mutig ging er mit einem Plakat über den berühmten weißen Strich, der die Trennung des Westen der Stadt vom Ostteil markierte.

1964 von DDR-Grenzposten abgewiesen: "Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene - - Archiv Holzapfel

1964 von DDR-Grenzposten abgewiesen: „Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene –
– Archiv Holzapfel

Nachdem er am 17. Juni 1965 diese Demo trotz der Drohung, verhaftet zu werden, wiederholt hatte, sammelte der mittlerweile volljährig gewordene Menschenrechtler von Hamburg bis München in zwölf Großstädten Unterschriften für die Freilassung der politischen Gefangenen. Unterstützt wurde er dabei vom damaligen Senator in Hamburg, Helmut Schmidt, der Holzapfel bei der Genehmigung, vor dem Hamburger Rathaus Unterschriften sammeln zu dürfen, unterstützte. Ernst Lemmer, ehemaliger Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen und nach dem Mauerbau Beauftragter des Bundeskanzlers in Berlin, leistete die erste Unterschrift; Ex-Bundesjustizminister Ewald Bucher unterschrieb ebenso, wie zahlreiche Oberbürgermeister der besuchten Städte oder auch ein leibhaftiger ehemaliger Oberst der Ungarischen Armee oder die geflüchtete Altistin der Budapester Staatsoper.

Nach seiner Rückkehr stellte Holzapfel über 5.000 Unterschriften aus 27 Staaten der Erde fest, unter diesen Ungarn, Polen, DDR, Großbritannien, Frankreich und USA. Für den Gandhi-Jünger stand daher fest: Eine solche Domo war nur am sogen. Ausländerübergang Checkpoint Charlie möglich: „Menschen in aller Welt fordern: Freiheit für …“. Da die Alliierten ihm aber diesen Übergang für Demonstrationen eigens verboten hatten, durfte Holzapfel seine Demo nicht ankündigen, wie das sonst der Fall war. Er berief sich dabei ebenfalls auf sein Vorbild Mahatma Gandhi, der dafür plädiert hatte, dem Gegner immer die Möglichkeit zu geben, auf eine Forderung einzugehen, sein Gesicht zu wahren.

So plante der junge Arbeiter seine dritte Aktion geheim, informierte nur eine Handvoll zuverlässiger Freunde und als einzigen Journalisten den Chefreporter der BILD-Zeitung, Werner Kahl. Als Holzapfel über den zu Ostberlin gehörenden Bürgersteig in der Zimmerstraße in den alliierten Kontrollpunkt einlief, befand er sich bereits hinter der weißen Grenzlinie. Die Westpolizei, damals Erfüllungsgehilfe der Alliierten, konnte nicht mehr eingreifen.

18.10.1965: Vor 50 Jahren Verhaftung am Checkpoint Charlie - Holzapfel wirdf abgeführt Foto: Archiv

18.10.1965: Vor 50 Jahren Verhaftung am Checkpoint Charlie – Holzapfel wird abgeführt
Foto: Archiv

Der Demonstrant wurde verhaftet und nach einem dreitägigen Prozess am 7. April 1966 für seinen Einsatz gegen die Mauer und die politischen Gefangene zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Bundeskanzler Ludwig Ehrhardt trug sich persönlich am 1. Mai des Jahres vor der Siegessäule in die von Holzapfel begonnene Unterschriftensammlung ein, die von seinen Freunden nach seiner Verhaftung um die Forderung nach seiner Freilassung erweitert worden war.

Heute wissen wir, dass wir zu wenig Menschen hatten, die sich wie Carl-Wolfgang Holzapfel ohne Rücksicht auf ihr eigenes Schicksal für die Menschen in der ehemalige DDR eingesetzt haben. Auch nach fünfzig Jahren: DANKE! (1.044)

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  • Der Autor wurde erstmals 1965 wegen versuchter Republikflucht verhaftet und 1966 eingesperrt. Seit Beginn der 70er Jahre war der Nun-Student in West-Berlin Fluchthelfer (mit dem Astronauten R. Furrer).

V.i.S.d.P.: Klaus Hoffmann, Berlin, Tel.: Redaktion Hoheneck – 030-30207785

Berlin/Hohenschönhausen/Bautzen, 18. Oktober 2012/ts – Heute vor 47 Jahren wurde Carl-Wolfgang Holzapfel in den Mittagsstunden am Checkpoint Charlie von Grenzposten der DDR verhaftet. Holzapfel war wiederholt mit einem Schild „Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene in der SbZ“ über den berüchtigten „weißen Strich“ in Richtung Ost-Berlin aufgebrochen, um dort gewaltlos für die politischen Gefangenen zu demonstrieren.
Vor dem 18. Oktober 1965 hatte der seinerzeitige Reklamearbeiter bei der BVG in 12 Großstädten der (alten) Bundesrepublik fast 7.000 Unterschriften gesammelt; der Hamburger Innensenator Helmut Schmidt unterstützte die Aktion, Ernst Lemmer unterschrieb als Erster die Unterschriftenliste beim Start der Aktion in Berlin. Holzapfel sammelte Unterschriften  aus 27 Nationen, darunter Ungarn und Polen, eine Unterschrift war aus der SbZ. Aus diesem Grund hatte er seinen demonstrativen Slogan abgeändert: „Menschen in aller Welt fordern…“ und hatte daher den Ausländerübergang in der Friedrichstraße für seine Aktion bestimmt.
Am 7.April 1966 wurde Holzapfel nach dreitägiger Prozessdauer für sein Engagement vom Stadtgericht in Ost-Berlin (Littenstraße) zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und Ende 1966 freigekauft. Am 1. Mai 1966 unterschrieb auch Bundeskanzler Ludwig Ehrhardt in Berlin die Forderung nach Freilassung von „Holzapfel, Seidel und 14.000 politischen Gefangenen“.

Heute ist Holzapfel Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin (seit 2002). Dem Verein selbst gehört er seit 49 Jahren an.

V.i.S.d.P.: Tatjana Sterneberg, Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207778

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