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Medien aus dem In- und Ausland brachten sich in Position, um über die IKEA-Studie zu berichten – Foto: LyrAg

Berlin, 17.11.2012/cw – Am gestrigen Freitag stellte IKEA im Bildungszentrum der BStU nahe dem weltberühmten Checkpoint Charlie vor Medienvertretern aus dem In- und Ausland seine lang erwartete Studie über die Beteiligung des Möbelhaus-Konzerns an der Ausbeutung politischer Gefangener in der einstigen DDR vor. Zwar brachte der Chef von IKEA-Deutschland, Peter Betzel, mehrfach seine „tiefe Betroffenheit“ über die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young bestätigte Beteiligung IKEAs an der DDR-Zwangsarbeit zum Ausdruck, blieb aber im Kern eher vage und umging mehrfach Antworten auf konkrete Fragen. So wurde durch die Vereinigung 17. Juni nach den Auswirkungen für die Opfer dieser Zwangsarbeit gefragt, die „ja nicht jünger würden und jetzt Hilfe benötigten.“ Angelika Barbe von der UOKG fragte nach der heutigen (vermutlichen) Zwangsarbeit in  China.

Angelika Barbe von der UOKG hinterfragte kritisch das China-Engagement von IKEA – Foto: LyrAg

Während Betzel zur Hilfe für Betroffene mehrfach erklärte, zunächst würde IKEA die Ergebnisse der in Aussicht gestellten finanzierten Forschung abwarten müssen, versicherte er zum Thema China, dort wären „jederzeit Kontrollen möglich, die auch ausgeübt werden würden.“ Zum angesprochenen Thema von Geschäftsbeziehungen mit einer (kommunistischen) Diktatur (Die Vereinigung 17. Juni hatte die hinter Mauer und Stacheldraht verbunkerte DDR-Diktatur angesprochen und gefragt, warum man „statt zu prüfen nicht die Geschäftsbeziehungen  abgebrochen hätte“.) wollte er sich hingegen nicht äußern.

IKEA-Opfer Dieter Ott (Mitte) berichtete über die Produktion im DDR- Gefängnis Naumburg
– Foto: LyrAg

Dem Möbelhaus wäre eine glücklichere Präsentation durchaus möglich gewesen, denn  immerhin kann unterstellt werden, dass auch in diesem Konzern Werbe- bzw. PR-Profis tätig sind. So aber verlegte man sich auf die zerknirschte Rolle des Chefs und vermied dabei, in die Offensive zu gehen. So ging Betzel mit keinem Wort auf die Abwehr von Vorwürfen ein, mit denen zunächst noch im Herbst vergangenen Jahres eine Beteiligung IKEAs an der Zwangsarbeit in  der DDR bezweifelt worden war. Auch hatte der Konzern zunächst auf  den TV-Bericht des NDR im September vergangenen Jahres nicht reagiert und war erst durch entsprechende Anschreiben der Vereinigung 17. Juni, die offensiv auch die BStU um Unterstützung gebeten hatte, zu Aktivitäten bereit. Allerdings wurde  die Wirtschafts-prüfungsgesellschaft erst acht Monate später beauftragt, externe Untersuchungen vorzunehmen, die Ernst & Young bereits nach drei Monaten vorlegte.

Für den Konzern ein Klacks, für die Opfer ein wichtiges Signal

Nach dem vielbeachteten  Beitrag des schwedischen  TV-Senders (SVT) im  Mai 2012 nahm sich nun eine breite Öffentlichkeit, voran die UOKG, des Themas an. Experten landauf, landab kritisierten IKEA und dessen zaghaften Einstieg in  eine Aufklärung. Bereits hier wurden Stimmen laut, die eine „unabhängige und historisch fundierte“ Erforschung forderten. Trotzdem beauftragte der Konzern die besagte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Dass die UOKG und auch die BStU die Gunst der Stunde nutzten, um IKEA die Finanzierung einer umfassenden Erforschung der Zwangsarbeit abzutrotzen, war aufgrund der Zurückhaltung des deutschen Staates, dafür Steuergelder zur Verfügung zu stellen, fast schon  logisch. Dennoch wurde diese Haltung der UOKG teils heftig kritisiert, weil hier „die Schaffung neuer Arbeitsplätze, so wichtig diese Arbeit sei, vor die Notwendigkeit gestellt wird, den vor dem Sterben stehenden Opfern Hilfe angedeihen“ zu lassen (Vereinigung 17. Juni). Auch Anna Kaminsky von der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur regte zu Recht einen  Fonds an, der den Opfern zugute kommen sollte. Hier hätte IKEA einen  mutigen  Sprung machen können und neben der zugesagten längerfristigen  Erforschung eine Sofort-Hilfe konkretisieren sollen. Für den Möbelhaus-Konzern ein Klacks, für die Opfer ein wichtiges Signal.

Anna Kaminsky (Mitte) von der Stiftung Aufarbeitung forderte einen Fonds zugunsten der Zwangsarbeit-Opfer (links: VA-Moderator Roland Jahn/BStU) –    Foto: LyrAg

Auch das den „Aufarbeitern“ hinlänglich bekannte Spiel des Versteckens hinter den Datenschutz wäre unter einer geschickteren Regie vermeidbar gewesen. So wurde der Öffentlichkeit nur eine allgemeine Presseerklärung präsentiert, während der „vollständige Ergebnisbericht“ von Ernst & Young lediglich dem Vorsitzenden der UOKG und dem BStU-Chef im Vorfeld vorgelegt worden war. Offensive und unvernebelte Arbeit sieht anders aus. So wäre es ein leichtes gewesen, relevante dem Datenschutz unterliegende Daten entsprechend zu schwärzen und der Öffentlichkeit den gesamten Bericht zu offerieren. Stattdessen regte BStU-Chef Roland Jahn an, den Bericht entsprechend zu bearbeiten und dann  nachzureichen. Peter Betzel von IKEA äußerte sich zu diesem Vorschlag nicht.

Nicht nur IKEA hat so seine Schwierigkeiten mit ordentlichen Recherchen. So wurde in  einigen Medien bis hin zum ZDF (heute, 19:00 Uhr) ausgerechnet der Verein eines ehemaligen AHB-Mitarbeiters für die SED-Opfer zitiert bzw. sogar der AHB-Mitarbeiter selbst interviewt (heute, ZDF). Zuvor hatte der Geschäftsführer von IKEA-Deutschland, Peter Betzel, öffentlich auf Befragen beklagt, dass die „AHB (Außenhandelsbetriebe) der DDR eine Kontrolle der Produktionsstätten verhindert hätte.“

Auch die ehem. Frauen von Hoheneck waren zahlreich erschienen. Im Bild: Eva A. im Gespräch mit Dr. Andreas Apelt von der Deutschen Gesellschaft – Foto: LyrAg

Hier ein Zitat (Deutschlandfunk):  „Zweifel an der Validität der Studienergebnisse – Kritik an der Ikea-Studie wurde bereits vor der Präsentation laut. Er bezweifele, dass die Ergebnisse valide sind, erklärte Roland Schulz, Vize-Vorsitzender der DDR-Opfer-Hilfe, am Morgen in Berlin. Ikea habe die Ermittlungen nicht unabhängigen Stellen überlassen.“ http://www.dradio.de/aktuell/1923672/

Jüngste Blüte im  Strauß der Opfer-Vereinigungen

In der Tat hat der zitierte Verein  „DDR-Opfer-Hilfe“ eine besondere Kompetenz in  Sachen  Zwangsarbeit.

 

Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung haben wir an dieser Stelle vorsorglich einige Sätze aus dem Artikel herausgenommen, obwohl dieser Artikel  nicht Gegenstand des Antrages auf Unterlassung vom 29.08.2013 war. Wir haben gegen  die vom Landgericht Berlin erwirkte einstweilige Unterlassung (Az.: 27 0 481/13) Rechtsmittel eingelegt. Die Redaktion, 8.10.2013

Nachdem diese Kenntnis bis in die VOS (Vereinigung der Opfer des Stalinismus) vorgedrungen war und der VOS-Vorstand von seinem Vize-Vorsitzenden und Pressesprecher die Vorlage eines entsprechenden Lebenslaufes verlangt hatte, legte der einstige AHB-Mitarbeiter im Oktober 2011 seine Ämter nieder und gründete fast ein  Jahr später einen eigenen Verein: DDR-Opfer-Hilfe. Eine mittelbare Kompetenz könnte sich möglicherweise im Hinblick auf die Verstrickungen des schwedischen Möbelhauskonzerns ergeben. Nach Recherchen soll der Vater des Vereinsgründers mehrere Jahre für die DDR im Auslandseinsatz in Schweden tätig gewesen sein. Wohl auf Proteste ehemaliger politischer Gefangener verzichtete das heute-Journal (ZDF, 22:00 Uhr) auf die Wiederholung des Beitrages mit dem Vorsitzenden „des sehr kleinen Vereins“ (Rainer Wagner, ARD24). Hier wurde offensichtlich der Bock zum Gärtner gemacht.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Dieser Artikel wurde aufgerufen aus:   Germany, Switzerland, Italy, France, Sweden, Russian Federation, Spain, Romania, Poland, Austria, Hong Kong, United States, Luxembourg (Stand: 18.11.2012, 24:00 Uhr).

Einige weiterführende LINKS:

http://www.sueddeutsche.de/panorama/ddr-haeftlinge-produzierten-fuer-ikea-1.1525905

http://www.youtube.com/watch?v=2rC1N563pa

http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2012_11/studie__ddr_haeftlinge.html

http://www.stern.de/panorama/zwangsarbeit-ddr-haeftlinge-arbeiteten-fuer-ikea-1927753.html

http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Einstige-DDR-Haeftlinge-berichten-wie-sie-fuer-Ikea-schufteten-531352182

http://www.tagesschau.de/inland/ikeazwangsarbeitddr102.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/tatjana-sterneberg-in-der-haft-mit-psychopharmaka-vollgestopft/6589608-2.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/ddr-zwangsarbeiter-klagt-ikea-an-ikea-sollte-das-kapitel-ehrlich-aufarbeiten/6588566-2.html

Berlin/Hofheim-Wallau, 01.05.2012/cw – Bereits Anfang September 2011 wandte sich die Vereinigung 17. Juni in Berlin an IKEA-Deutschland und forderte den Möbelhaus-Konzern auf, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen und die Mitwirkung an der Ausbeutung von Zwangsarbeitern in den Zuchthäusern der einstigen DDR aufzuarbeiten (Siehe unseren Bericht vom 3.04.2012).

„Bisher ist die Ausbeutung politisch Verfolgter in der DDR insbesondere auch durch Firmen aus dem kapitalistischen Westen leider weder thematisiert noch angemessen durch entsprechende Wiedergutmachungsleistungen anerkannt worden“, hieß es in dem Schreiben der Vereinigung vom 6.09.2011. Und weiter: „Wir halten die Auswirkungen der jüngsten  Berichte über die Beteiligung Ihres Hauses an dieser Ausbeutung für verheerend“.

Klare Antwort von IKEA Deutschland

Am 10. Oktober letzten Jahres lag der Verfolgtenorganisation eine Antwort des Geschäftsführers von IKEA-Deutschland, Peter Betzel, vor. Klar und unmissverständlich formulierte Betzel: „IKEA verurteilt die Beschäftigung von politischen Gefangenen in der Produktion aufs Schärfste … Wir nehmen die Behauptungen sehr ernst, dass politische Gefangene für die IKEA-Produktion eingesetzt wurden“, um dann allerdings relativierend anzufügen: „Es gab keine Anzeichen dafür, dass politische Gefangene für die Produktion (in der DDR) herangezogen wurden“. Betzel sagte dann zu „diesen Sachverhalt lückenlos aufzuklären“. Allerdings habe man nur eine zehnjährige Archivierungspflicht für Dokumente, daher „wird dies voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen“.

Im Zusammenhang von Recherchen durch den schwedischen  TV-Sender SVT, der am morgigen Mittwoch, 2.05.,  im Rahmen seiner Sendung „“Uppdrag Granskning“ über das Engagement von  IKEA in der DDR berichten wird, bestätigte die BStU dem Sender, dass IKEA zwischenzeitlich Dokumente angefordert bzw. Akteneinsicht beantragt und getätigt habe.

In  einer ersten Stellungnahme begrüßte die Vereinigung 17. Juni diese „Sachstandsmeldungen“, die „die seinerzeitigen Opfer dieser Ausbeutung hoffen lassen, wenigstens ein Eingeständnis der Mitverantwortung für die seinerzeitige Ausbeutung“ zu erhalten. Wieweit sich der Möbel-Konzern einer Wiedergutmachung stellt oder sich an einem Projekt der Aufarbeitung „angemessen beteiligen“ wird, wie es die Vereinigung in ihrem Schreiben gefordert hatte, bleibe abzuwarten. „Im Gegensatz zu Beteiligungen deutscher Unternehmen, wie KARSTADT, QUELLE oder NECKERMANN zeige der schwedische Möbel-Gigant aber eine begrüßenswerte Aktivität, seinen  erwachsenen historischen Verpflichtungen wenigstens im Bereich der Aufklärung nachzukommen“, sagte der Vorstandssprecher der Vereinigung heute in Berlin.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48051953

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