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Gegen unsere Veröffentlichungen vom 20.03. bzw. 3.04.2012 über die Inhalte des angeführten Buches  von Dietmar Linke „Theologie-Studenten der Humboldt-Universität“ (1994) und den darin enthaltenen Berichten  über Dr. Weißes Verhalten während seiner DDR-Haft  hat der Vereinsfunktionär über seinen  Rechtsanwalt Gürtler-Liersch ein  Unterlassungs- und Löschungsbegehren übermittelt. Wir haben den Autor gebeten, als Betroffener die Vorgänge aus seiner Sicht zu schildern.  Der Beitrag wurde redaktionell leicht gekürzt, die Zwischenüberschriften sind redaktionell eingefügt.

VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI  1953 e.V.

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von Olaf Schütze

Borgholzhausen, 6.05.2012/OS – Zu der Unterlassungs- und Löschungsforderung der Anmerkungen auf dieser Internet-Seite zu dem Buch: Theologie-Studenten der Humboldt-Universität von Dietmar Linke durch Dr. Frieder Weiße möchte ich vorbemerken: Ich bin kein Rechtsanwalt, kein Kenner der rechtlich relevanten Vorgänge und will es auch nicht werden. Insofern dürften  meine folgenden Ausführungen nicht ausgereift sein, sondern müssten und sollten als weiter zu entwickelndes Pflänzchen präziser formuliert werden. Hier sind es , im Zusammenhang mit Dr. Frieder Weiße und seinem Auftreten, Verhalten und Selbstdarstellungen erst einmal allgemeine Erinnerungen. Dann lässt sich aus zeitlicher und sonstiger Entfernung etwas Präziseres sagen und festhalten.

Mitarbeit, Hilfe und Zusammenarbeit mit der Stasi

Im vorliegenden Fall geht es offenbar im Zusammenhang mit Funktionstätigkeiten des Dr. Frieder Weiße um  Dinge etc., die als moralisch, politisch, menschlich verwerflich gelten, die aber in  der untergegangenen DDR erwünscht waren – um Mitarbeit, Hilfe und Zusammenarbeit mit der Stasi (dem MfS), um Aufklärung von DDR-feindlichen Handlungen, um die Unterbindung von gegen die DDR gerichteten Absichten und Tatbeständen, um  Fakten über Personen und mögliche Täter zusammenzutragen. Um diese Anliegen, Aufgaben und Aufträge verfolgen, erledigen und aufklären zu können, waren dem MfS/der Stasi viele (nicht alle) Mittel recht, rechtens und – nach DDR-Maßstäben – legal.

Im  Allgemeinen ist zu beobachten, dass in  solchen Fällen, bei denen unter neuen Bedingungen alte Regeln und alte Normalität, einst gültige Gesetze und Belohnungssysteme nicht mehr gelten, dass Anhänger, Verfechter, Vertreter, Helfer, Gefolgsleute oder Aktivisten der alten Ordnung zu ihrem früheren temporären Tun und Lassen Abstand suchen – durch Berufung auf Befehlsnotstand, Verirrung, Unkenntnis, Ahnungslosigkeit, Verführung, Verharmlosung, Ablenkung (machten doch alle so; alle machten doch mit), durch Beschuldigung anderer oder indem die zuständigen Beurteiler/Gerichte etc. als nicht zuständig erklärt werden. Erfahrungsgemäß verfahren ca. 90% aller davon Betroffnen in diesem Sinn.

Ich war es nicht, ich kann nichts dafür

Egal, ob es ein Unfall mit Fahrerflucht betrifft oder einstige Mitarbeit beim MfS/Stasi – ich war es nicht, ich kann nichts dafür, da muss eine Verwechslung vorliegen, dann  war es unwissentlich, dann  habe ich keinem geschadet usw. usf.  Es wird von Beschuldigten gegen alle bewiesenen Tatsachen und Zeugen abgestritten, gelogen, phantasiert, verharmlost, getäuscht, getrickst, Unwissenheit vorgegeben und Ahnungslosigkeit dazu, usw. usf.

Ich schätze, dass Dr. Frieder Weiße ein für 90% aller Beschuldigten übliches und bei 90% aller Beschuldigten zu findendes Verhalten an den Tag legt: Ahnungslosigkeit vorgeben, Verleugnen, Verdrehen, Verharmlosen, in  eine Opferrolle schlüpfen, andere beschuldigen…

Dabei übersieht Herr Dr. Frieder Weiße, dass

a)   seine davor liegende Fluchthelfertätigkeit in keiner Weise in Zweifel gezogen wird,

b) auch seine damaligen Motive – politische, finanzielle o.a. – weder hier noch sonst zur Diskussion stehen und

c)  interessieren mich mit einer Ausnahme auch keine Dinge (mehr), die nach Frieder Weißes (damals noch ohne Titel) vorzeitiger Haftentlassung folgten.

Dr. Frieder Weiße: Wiedergabe von Schütze-Zitaten sollen gelöscht werden

Plauderei führte zu fünf Jahren Haft

Die Ausnahme betraf (und was die Gegenwart angeht: betrifft) die von Dr. Frieder Weiße gelebte Unfähigkeit, zu dem zu stehen, was er einst – temporär in den Fängen der Stasi, unter Druck oder gegen Versprechungen von z.B. Hafterleichterungen, oder in berechtigter Sorge um seine Zukunft oder in Angst um Leib und Leben – mitbewirkt hat(te).

  1. Es geht nach meiner Meinung nicht – wie RA Gürtler – Liersch schreibt – um eine Informationslieferung gegenüber dem MfS, sondern mengenmäßig um einen ganzen Haufen davon. Eine betraf Olaf Schütze.
  2. Nach Einlassung von Dr. Frieder Weiße hat er am 4. Juli 1969 gegenüber dem MfS eine Kurierfahrt von Olaf Schütze nach Potsdam bestätigt.
  3. Auch aufgrund dieser (und früher geäußerter) Aussagen wurde ich vier Wochen später verhaftet und im Dezember 1969 wegen Fluchthilfe zu 3 Jahren Haft verurteilt. Sinngemäß aus der Urteilsbegründung: Auch wenn  der Angeklagte subjektiv angeblich nichts von möglicher Fluchthilfe gewusst haben sollte, liegt der objektive Tatbestand der Fluchthilfetätigkeit vor….
  4. Nach bisheriger und einst auch vom Betroffenen – in Cottbus – bestätigter Kenntnis wurde auch der damalige Theologiestudent (an der Humboldt – Uni ) Peter Krug aufgrund zurückliegender früherer Einlassungen, Plaudereien, Aussagen o.ä. von Frieder Weiße (damals noch ohne Titel) verhaftet und nach entsprechender U-Haft zu 5 Jahren Haft verurteilt… ( Peter Krug wurden irgendwelche Dinge mit Verbindungs- aufnahme und Spionage, keine Fluchthilfe angehängt.) Wobei ich nichts dazu sagen kann, ob die beiden nach Haftentlassungen wieder – wie zuvor – Freunde wurden.
  5. Im Herbst 1970 wurde eine Gegenüberstellung Schütze – Weiße arrangiert, zu der ich  aus Cottbus nach Berlin überstellt und mit neueren Beschuldigungen konfrontiert wurde. Diese Gegenüberstellung verlief nach meiner Erinnerung für die Arbeit des MfS unbefriedigend, weil Frieder Weiße einige frühere Aussagen ins Ungewisse, Ungefähre und Unsichere abschwächte oder abschwächen konnte.

Im Unterlassungsbegehren des Weiße-Rechtsanwaltes wird – wohl auch wegen Unkenntnis – die Fantasie arg strapaziert.

a) Gegenstand der genannten Gegenüberstellung waren neuere Beschuldigungen gegen oder an mich, aber keine Plaudereien über Fluchtwege. Wenn Dr. Frieder Weiße sagen lässt, Schütze (hat) einige hochbrisante Details ausgeplaudert, insbesondere solche über einen Fluchtweg….,  bleibt vorerst meinerseits dazu nur zu sagen:

Wer in den Fängen der damaligen Stasi / des MfS seine Sinne noch beisammen hatte, der hat sich gehütet, irgendetwas zu wissen, zu vermuten, ohne Not zuzugeben, auszuplaudern, zu gestehen oder sich um Kopf und Kragen zu reden. Das betrifft auch die schöne Behauptung des Dr. Frieder Weiße. Jedes Vermuten, Wissen oder Ausplaudern konnte zu neuen, zusätzlichen Haftstrafen führen.

b)  Dr. Frieder Weiße unterschätzte, verdrängt, hat es vergessen oder es nicht gewusst, dass einige – oder alle – jener westberliner Gruppen, Vereine oder Vereinigungen, mit denen er Kontakt hielt oder pflegte, von der Stasi / dem MfS beobachtet bzw. unterwandert waren und von dort mit brauchbaren Informationen beliefert wurden….

c) In diesem Zusammenhang kommt für mich auch der im Schreiben des Rechtsanwaltes erwähnte Walter M. in den Blick. Von Walter M. erhielt ich ca. im Frühsommer 1968 den eigentlich überflüssigen Hinweis, aus genau diesem Grund Vorsicht im Umgang mit Frieder Weiße walten zu lassen: Die von ihm frequentierten Gruppen, Vereine und Personen könnten vom MfS / Stasi unterwandert sein….

d) Die Behauptung des Dr. Frieder Weiße, ich hätte von Walter M. Details über, von oder zu Fluchthilfeunternehmungen erfahren, entbehrt jeglichen Wahrheitsgehaltes und entspringt der blühenden Fantasie des Dr. Weiße. Auch hierzu gilt bereits Erwähntes: Schon mögliches Wissen zuzugeben, einzugestehen oder darüber zu plaudern könnte zu höheren Strafmaßen (als 3 Jahre) führen.

Üblicher Weg des Leugnens und der Umdeutung

Nach meiner vorzeitigen Haftentlassung suchte ich Frieder Weiße auf, nach dem ich von seiner Haftentlassung erfuhr, um wenigsten Andeutungen darüber zu erfahren, warum er denn bei der Stasi / MfS so viel geredet, gesungen und geschwätzt hätte. Ich erfuhr in diesem Zusammenhang von ihm, dass er in Stasi-Haft entweder (irgendwelchen) Strahlen ausgesetzt worden wäre oder er wäre mit (irgendwelchen) Stoffen, Drogen o. ä. in der Luft, im Essen und Trinken behandelt und beeinflusst worden.

Mit anderen Worten: Frieder Weiße wäre nach eigener Aussage in Stasi – Haft subjektiv nicht mehr Herr seiner Sinne und damit nicht mehr zurechnungsfähig gewesen. Mit diesem Erklärungsversuch für seine Schwatzhaftigkeit war er für mich auf dem üblichen, normalen Weg des Leugnens, Abschiebens, Umdeutens u.s.w. von Mitverantwortung schon ein gutes Stück vorangekommen und er würde, war voraus zu sehen, ohne Hilfe diesen Weg weitergehen wollen….

Dabei wäre es für Frieder Weiße – ohne und mit Dr. – einfach gewesen, zu seinem zeitweisen Blackout, Frontwechsel etc. zu stehen:

Unter Schock, Druck, düsteren Zukunftsaussichten, in Sorge und Angst um Leib und Leben, begabt auch noch mit einer kräftigen Portion Ahnungslosigkeit, wäre es evt.. auch für Außenstehende verständlich gewesen, wenn sich jemand unter solchen Umständen zeitweise von der Stasi / MfS in Gebrauch hätte nehmen lassen.

* Der Autor ist Evangelischer Pfarrer.

 V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 20.02.2012/cw – Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), der älteste Verband der Kommunismus-Opfer nach 1945, kommt offenbar nicht aus seiner Krise. Nachdem im letzten Herbst der bisherige VOS-Vize Ronald Lässig wegen ungeklärter Vorwürfe seine Funktionen als Pressesprecher und stv. Bundesvorsitzender niedergelegt hatte, gerät nun ein weiteres Vorstandsmitglied in den Fokus der Kritik. Frieder Weiße, als Beisitzer Vorstandsmitglied und vor wenigen  Tagen als Bezirksvorsitzender Berlin-Brandenburg im Amt bestätigt, muß sich heftiger Vorwürfe erwehren, die zum Teil bereits auf der Mitgliederversammlung angesprochen wurden (wir berichteten). Jetzt sind diese Vorwürfe in einem Internet-Forum erweitert und präzisiert worden. Unter Stasi-Opfer-Info und der Rubrik:

Hier spricht die außerparlamentarische Opposition der VOS“ und dem LINK http://www.sed.stasiopferinfo.com/phpBB2/viewtopic.php?t=1747&postdays=0&postorder=asc&start=360

veröffentlicht ein Blogger „Reiniger“ brisant wirkende Zitate aus Veröffentlichungen des VOS-Funktionärs, die dringend einer Stellungnahme durch den Bundesvorstand, aber auch durch den mit den Vorwürfen konfrontierten Frieder Weiße bedürfen.

Wir haben uns entschlossen, den Text auszugsweise, d.h. in den wesentlichen Passagen aus dem gen. Forum zu übernehmen. Den vollständigen Text bitten wir der angegebenen Seite (LINK) zu entnehmen.  Selbstverständlich werden wir eine Stellungnahme der VOS und/oder von Frieder Weiße, falls uns diese zugehen, ebenfalls veröffentlichen.

„ …
FOLTER ist das Zauberwort!

Im allgemeinen sprechen die Kameraden/innen nicht von physischer, sondern von psychologischer Folter. Von DROGEN-FOLTER durch das MfS habe ich bisher aus dem Kameradenkreis noch nie etwas gehört, aber mein Wissen über den Katalog der Foltermethoden in der „DDR“ muß nicht der Weisheit letzter Schluß sein.

In einem unveröffentlichten Manuskript aus dem Jahr 1998,  PHOENIX, Selbsthilfeverein von Folterbetroffenen e.V., Phychische Folter beim MfS und Erfahrungsbericht von Frieder WEISSE, Berlin 1998-2005, verfaßt von Frieder WEISSE, … 88 Seiten, beschreibt er dezidiert Foltermethoden durch Drogen, denen er glaubt, beim MfS ausgesetzt gewesen zu sein.

Der Inhalt dieser unveröffentlichten Darstellung befaßt sich pseudowissenschaftlich ca. zu 2/3 mit der Folter einschließlich der Folter mit Drogen im Allgemeinen. … Dieses unveröffentlichte Manuskript stammt aus dem Jahr 1998.

1994 war das hier auszugsweise eingestellte Buch „Historisch-Theologische Studien zum 19. und 20. Jahrhundert“, Band 3, Dietmar Linke u.a. „Theologiestudenten der Humboldt-Universität, Zwischen Hörsaal und Anklagebank“, S. 264 ff., 1994, Heidelberg, erschienen, in welchem die Aussage von dem Verratsopfer O.SCHÜTZE in Verbindung mit Frieder Weisse nachzulesen ist…

Ob es sich bei dem Manuskript aus 1998, PHOENIX, Selbsthilfeverein von Folterbetroffenen e.V., … um den Versuch einer Rechtfertigung bzw. einer Ablenkung von Frieder WEISSE für den Verrat an O. SCHÜTZE u.a. handelt, kann ebenso wenig ausgeschlossen werden, wie die Annahme, daß Frieder WEISSE, so wie von ihm beschrieben, gefoltert worden ist.

In dem Manuskript des Frieder WEISSE von 1998 finden sich klare Zeitangaben zu der beschriebenen DROGEN-FOLTER beim MfS. Diese liegen mehr als ein Jahr später (!), als die Verratsangaben, denen zufolge z.B. O. SCHÜTZE verhaftet worden ist.

Zitate aus dem Manuskript:

In der Einleitung Seite 4 (heißt es):
„ …. während sieben Wochen im Herbst 1970 in der Untersuchungshaftanstalt (UHA) Hohenschönhausen durch Vertreter des MfS gefoltert worden zu sein…“

„…. Nach meiner Verurteilung zu 15 Jahren Haft war ich noch ca. 1 Jahr in der UHA Hohenschönhausen inhaftiert…… hierbei kam es nach meiner Ansicht zu phychischen Mißhandlungen. Insbesondere wurden dabei Psychopharmaka oder andere Drogen, Hypnose und Geräusche auf meiner Zelle angewendet.“

Seite 23:
„ ….erstmals am 3. September 1970 abends auf meiner Zelle meldete sich eine „Stimme“ die vorgab, mein Vernehmer zu sein…..“

Seite 47
„…. Für die Folter, der ich im Herbst 1970 unterworfen wurde kann ich ein genaues Datum für den Beginn und das Ende nennen.“
„Der Beginn war am 3. September 1970……“
„Das Ende kann ich mit 20. Oktober 1970 angeben…..“

Seite 75
„….Wenn ich nach meiner Haftentlassung gefragt wurde, ob ich während der Haft gefoltert worden sei, so habe ich dies mit einem klaren „NEIN“ beantwortet. Natürlich hatte ich die Erlebnisse vom September und Oktober 1970 und die anschließende Psychose als „Hölle“ in Erinnerung, aber Folter konnte das nach meiner Vorstellung nicht gewesen sein, weil einerseits die Erpressung von Aussagen dabei eine ausgesprochen marginale Rolle hatte. Andererseits war keine der bekannten Methoden physischer Folter bei mir angewendet worden.“

Zusammenfassung:

So gruselig sich die Drogen-Foltervorwürfe von Frieder WEISSE lesen, sie können auch nicht ansatzweise als Entlastung zu den in der Veröffentlichung „Historisch-Theologische Studien zum 19. und 20. Jahrhundert“ …  nachzulesenden Verratsvorwürfen herangezogen werden!

Die Zeitfenster VERRAT und DROGEN-FOLTER passen nicht zusammen!  Die Verratsvorwürfe des Opfers O. SCHÜTZE sind aus dem Frühjahr 1969. Die Verurteilung von O. SCHÜTZE war im Dezember 1969!

Die beschriebene Folter beim MfS des Frieda WEISSE mit dem „marginalen Anteil der Erpressung von Aussagen unter Drogen“ fand nach seinen Angaben 1970, also mehr als ein Jahr später statt!
…“

 V.i.S.d.P.: Einleitung (kursiv): C.W. Holzapfel – Für den übernommenen Text „-„: Hier spricht die außerparlamentarische Opposition der VOSbzw. der angeführte Blogger, LINK siehe oben.

Berlin, 12.03.2012/cw – Jetzt erreicht die Debatte um Verstrickungen mit der DDR-Stasi auch den ältesten Veteranen-Verband der Diktatur-Opfer. Auslöser diesmal: Die „Vorwahlen“ zu der in diesem  April stattfindenden Generalversammlung. Satzungs- und traditionsgemäß wählen die Mitglieder in den einzelnen Gliederungen (Bezirksgruppen) ihre(n) Delegierte(n) zur anstehenden Generalversammlung, die alle zwei Jahre tagt und nicht nur einen neuen Bundesvorstand wählt, sondern auch Satzungsänderungen beschließt.

Während in den einzelnen Bezirksgruppen entsprechende Versammlungen seit geraumer Zeit ohne große Aufregung abliefen, gab es auf der am vergangenen Freitag durchgeführten Bezirksversammlung Berlin bemerkenswerte Wortmeldungen, die allerdings erst im  Nachklang Aufregung und Unmut auszulösen scheinen. Dem Berliner Verband wird in der VOS stets eine besondere Aufmerksamkeit zuteil, weil der VOS-Bundesvorstand in Berlin nicht nur seinen Sitz hat sondern der Bezirksgruppe bis zum Ausscheiden von Ronald Lässig zwei Stellvertreter und mit dem Bezirksgruppenvorsitzenden ein Beisitzer des Bundesvorstandes angehören.

Johannes Rink tritt nicht mehr für den Vorsitz an

Der langjährige Bundesvorsitzende Johannes Rink (Magdeburg) war denn auch eigens angereist, um der Bezirksversammlung seinen Abschied als Bundesvorsitzender zu übermitteln. Rink bedauerte die Querelen innerhalb des Verbandes: „Dafür stehe ich nicht mehr zur Verfügung.“

Während die Ausführungen des Vorsitzenden ohne große Debatten zur Kenntnis genommen wurden, entzündete sich ein Wortgefecht aus Zitaten, die ein VOS-Mitglied aus Anlass der erneuten Kandidatur von Dr. Frieder Weiße als Bezirksvorsitzender der Versammlung zur Kenntnis gab. In dem 1994 verlegten Buch „Theologiestudenten der Humboldt-Universität – Zwischen Hörsaal und Anklagebank“ von Dietmar Linke wird über den wiedergewählten Berliner VOS-Bezirksvorsitzenden zitiert:

Das Buch sei eine Erfindung, wird jetzt behauptet. Äußerungen über F.W. unterstrichen.

Am 5. August ´69 erfolgte also meine Festnahme.  F.W. hatte in der Haft immer wieder schön erzählt. Wir sind gegenübergestellt worden. Er blieb bei seiner Aussage, ich bei meiner. … (siehe Faksimile im Kasten).

Und an anderer Stelle berichtet Olaf Schütze unter „Die Stasi hat zugeschlagen“:

Diese Fahrt habe ich 1967 gemacht. Das war´s  eigentlich auch. Zwei Jahre später wurde ich deswegen verhaftet. Der Grund war, daß F.W. bei seinen Vernehmungen durch das MfS in Ost-Berlin geschwatzt hat, über alles mögliche, was er wusste, bis ins Detail. Das muß im  Frühjahr 1969 gewesen sein…“ (siehe Faksimile im Kasten).

„Es gibt wohl kaum jemanden, der der Stasi nichts erzählt hat“

Auf den Vortrag erwiderte VOS-Vorstandsmitglied Dr. Weiße: „Ich glaube kaum, dass es hier im Raum jemanden gibt, der nicht das eine oder andere der Stasi erzählt hat.“ Die Empörung über diese „pauschale Diffamierung aller Opfer“ dämpfte die Stellvertreterin von Weiße: „Wenn Frieder das getan hätte, was ihm hier vorgeworfen wird, würde er keine Opferrente bekommen.“

Da die Versammlung trotz dieses teils hitzigen Wortgefechtes nach zwei Stunden und erfolgreich durchgeführten Wahlen (an denen sich Mitglieder aus einer anderen Bezirksgruppe beteiligten) beendet wurde, hätte auch der Berliner Verband zur Tagesordnung übergehen können, wäre da nicht das vertrackte Internet, in dem die begonnene Diskussion um mögliche Verstrickungen des VOS-Funktionärs ihre Fortsetzung fanden.

Im Gästebuch der Vereinigung 17. Juni (http://www.brainstorm-books.com/gaestebuch_von_17juni1953.html)  hatte sich ein Versammlungsteilnehmer mit Fragen an den Administrator und den Buch-Zitierer mit der Bitte um Einzelheiten zu den vorgetragenen Vorwürfen gewandt. Auch in zumindest einem anderen Forum (http://www.sed.stasiopferinfo.com/phpBB2/viewtopic.php?t=1747&postdays=0&postorder=asc&start=360) erschienen zwischenzeitlich (heute) entsprechende Berichte.

Einzelheiten auf den Seiten 266-267 - Erfindungen?

Foren –Betreiber anonym telefonisch bedroht

Konnte man die bisher geführte Diskussion unter der notwendigen  Klärung seinerzeitiger Vorgänge einordnen, scheint der Vorgang jetzt eine eigene Dynamik zu entwickeln. So wurde ein Forenbetreiber telefonisch, natürlich anonym, bedroht. Man forderte diesen ultimativ auf, die ID-Nummern seiner Foren-Gäste „umgehend mitzuteilen“ und „Verleumdungen übelster Art“ zu unterlassen. So gäbe es „zum Beispiel das behauptete Buch gar nicht, folglich könnten darin  auch nicht die verbreiteten Zitate des Dr. Frieder Weiße stehen“.

Mitglieder der Vereinigung der Opfer des Stalinismus sind entsetzt und tragen sich ernsthaft mit dem Gedanken, die altehrwürdige Vereinigung endgültig zu verlassen. Es könne nicht angehen, dass jede Diskussion mit fragwürdigen Mitteln unterbunden werde und nur noch von OBEN bestimmt werde, was in „unserem Verband“ geschehen oder diskutiert werden dürfe. So eine der zahlreichen Stellungnahmen. Auch die Kandidatin der LINKE-Partei, Beate Klarsfeld, wurde bereits ironisch ins Feld geführt. Diese wäre unter den obwaltenden Zuständen eine „repräsentative Vorzeigefrau“. Allerdings brauche man keinen Verband der Oligarchen  des Stalinismus, auch wenn man dann  das bekannte, bisher werbewirksame Kürzel beibehalten könnte. Eher brauchten wir wieder einen Verband, der sich auf seine Herkunft besinne und sich den Aufgaben der Gegenwart und Zukunft widme, so die Zusammenfassung diverser Stellungnahmen.

Indessen hat sich die Mitgliederzahl der VOS von 2009 (12.000) bis 2012 deutlich verringert. Nach Mitteilung des VOS-Bundesvize und Geschäftsführers auf der Berliner Versammlung beträgt die aktuelle Mitgliederzahl 1.903 Mitglieder.

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

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