You are currently browsing the tag archive for the ‘Olaf Latzel’ tag.

Bremen/Bangkok, 8.02.2015/cw – Im Schatten der heftig geführten Auseinandersetzungen in Bremen um eine Predigt des evangelikalen Pastors Olaf Latzel haben jetzt seine Kritiker auf ein Dokument verwiesen, das am 28. Januar 2011 in Bangkok vom Ökumenischen Rat der Kirchen, dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog und der Weltweiten Evangelischen Allianz einmütig verabschiedet worden war. Sie sehen in den Äußerungen Latzels vom 18.Januar in der St.-Martini-Gemeinde einen klaren Verstoß gegen diese „gemeinsam beschlossenen Empfehlungen christlicher Konfessionen zum Verhalten gegenüber anderen Religionen und dem Umgang mit diesen.“

Nachfolgend führen wir auszugsweise die für die aktuelle Debatte wichtigsten Passagen an. Das gesamte Dokument kann unter
http://www.oikoumene.org/de/resources/documents/programmes/interreligious-dialogue-and-cooperation/christian-identity-in-pluralistic-societies/christian-witness-in-a-multi-religious-world?set_language=de
aufgerufen werden.

In der Präambel wird die Grundlage der christlichen Mission betont. Diese gehöre „zutiefst zum Wesen der Kirche.“ Es sei jedoch wichtig, dass dies in „uneingeschränktem Respekt vor und Liebe zu allen Menschen“ geschehe. Das vorliegende Dokument solle „keine theologische Erklärung zur Mission darstellen“, sondern verfolge vielmehr „die Absicht, sich mit praktischen Fragen auseinanderzusetzen, die sich für das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt ergeben.“
Zu den Grundlagen für das christliche Zeugnis wird u.a. ausgeführt, dass „christliches Zeugnis in einer pluralistischen Welt auch den Dialog mit Menschen, die anderen Religionen und Kulturen angehören“ umfasse (4.). Wenn Christen bei „der Ausübung ihrer Mission zu unangemessenen Methoden wie Täuschung und Zwangsmitteln greifen, verraten sie das Evangelium und können anderen Leid zufügen (6.). Christen wüssten, „dass der Geist weht, wo er will, auf eine Art du Weise, über die kein Mensch verfügen kann (7.)

Das Dokument von Bangkok - Beim Bibel-lesen übersehen?

Das Dokument von Bangkok – Beim Bibel-lesen übersehen?

In dem gemeinsamen Grundlagen-Papier werden die Christen „dazu aufgerufen, an folgenden Prinzipien festzuhalten“, vor allem in interreligiösen Begegnungen. Die Christlichen Tugenden (3.) beinhalteten die Berufung, „ihr Verhalten von Integrität, Nächstenliebe, Mitgefühl und Demut bestimmen zu lassen und alle Arroganz, Herablassung und Herabsetzung anderer abzulegen.“ Zur Ablehnung von Gewalt (6.) heißt es, Christen „sind aufgerufen, in ihrem Zeugnis alle Formen von Gewalt und Machtmissbrauch abzulehnen, auch deren psychologische und soziale Formen. Sie lehnen auch Gewalt, ungerechte Diskriminierung oder Unterdrückung durch religiöse oder säkulare Autoritäten“ ab.

Die Religions- und Glaubensfreiheit (7.) „beinhaltet das Recht, seien Religion öffentlich zu bekennen, auszuüben, zu verbreiten und zu wechseln.“ Diese Freiheit entspringe unmittelbar „der Würde des Menschen.“ Deswegen hätten alle Menschen „gleiche Rechte und Pflichten.“
Die Erklärung betont die Verpflichtung zu gegenseitigem Respekt und Solidarität (8.). Christen seien zur Verpflichtung aufgerufen, „mit allen Menschen in gegenseitigem Respekt zusammenzuarbeiten und mit ihnen gemeinsam Gerechtigkeit, Frieden und Gemeinwohl voranzutreiben. Interreligiöse Zusammenarbeit ist eine wesentliche Dimension einer solchen Verpflichtung.“

Der Respekt für alle Menschen (9) vermittle das Bewusstsein, „dass das Evangelium Kulturen sowohl hinterfragt als auch bereichert.“ Selbst wenn das Evangelium bestimmte Aspekte von Kulturen hinterfrage, seien Christen dazu berufen, „alle Menschen mit Respekt zu behandeln.“ Christen seien „außerdem dazu berufen, Elemente in ihrer eigenen Kultur zu erkennen, die durch das Evangelium hinterfragt werden, und sich davor in Acht zu nehmen, anderen ihre eigenen spezifischen kulturellen Ausdrucksformen aufzuzwingen.“

Unter 10. wird dazu ermahnt, kein falsches Zeugnis abzugeben. Christen müssten „aufrichtig und respektvoll reden; sie müssen zuhören, um den Glauben und die Glaubenspraxis anderer kennen zu lernen und zu verstehen, und sie werden dazu ermutigt, das anzuerkennen und wertzuschätzen, was darin gut und wahr ist. Alle Anmerkungen oder kritischen Anfragen sollten in einem Geist des gegenseitigen Respekts erfolgen. Dabei muss sichergestellt werden, dass kein falsches Zeugnis über andere Religionen abgelegt wird.“

Der Aufbau interreligiöser Beziehungen (12.) sollte „weiterhin von Respekt und Vertrauen geprägt“ sein. Diese Beziehungen mit Angehörigen anderer Religionen aufzubauen, diene der Aufgabe, „gegenseitiges Verständnis, Versöhnung und Zusammenarbeit für das Allgemeinwohl zu fördern. Deswegen sind Christen dazu aufgerufen, mit anderen auf eine gemeinsame Vision und Praxis interreligiöser Beziehungen hinzuarbeiten.

In den abschließenden Empfehlungen der Teilnehmer aus den größten christlichen Glaubensgemeinschaften (Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Evangelikale und Pfingstler) wird dazu aufgerufen, (2.) „von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen aller Religionen aufbauen, insbesondere auf institutioneller Ebene zwischen Kirchen und anderen religiösen Gemeinschaften, und sich als Teil ihres christlichen Engagements in anhaltenden interreligiösen Dialog einbringen. In bestimmten Kontexten, in denen Jahre der Spannungen und des Konflikts zu tief empfundenem Misstrauen und Vertrauensbrüchen zwischen und innerhalb von Gesellschaften geführt haben, kann interreligiöser Dialog neue Möglichkeiten eröffnen, um Konflikte zu bewältigen, Gerechtigkeit wiederherzustellen, Erinnerungen zu heilen, Versöhnung zu bringen und Frieden zu schaffen.“
Die Erklärung von Bangkok solle Christen ermutigen (3.) „ihre eigene religiöse Identität und ihren Glauben zu stärken und dabei gleichzeitig ihr Wissen über andere Religionen und deren Verständnis zu vertiefen, und zwar aus der Sicht von Angehörigen dieser Religionen. Um angemessen von Christus Zeugnis abzulegen, müssen Christen es vermeiden, die Glaubensüberzeugungen und Glaubenspraxis von Angehörigen anderer Religionen falsch darzustellen.“ Ebenso sollten Christen (4.) „mit anderen Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten, indem sie sich gemeinsam für Gerechtigkeit und das Gemeinwohl einsetzen und sich, wo irgend möglich, gemeinsam mit Menschen solidarisieren, die sich in Konfliktsituationen befinden.“

Nach den hier angeführten Inhalten erscheinen die verbreiteten Äußerungen evangelikaler Christen, wie Olaf Latzel und Rainer Wagner besonders unverständlich, zumal die Evangelikalen an der vorstehenden Erklärung ausweislich mitgewirkt haben. (943)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Bremen, 7.02.2015/cw – Auch Tage nach dem Protest von rund 70 Pfarrern vor dem St.-Petri-Dom gegen die als „Hass-Predigt“ klassifizierte Ansprache ihres Kollegen Olaf Latzel vom 18. Januar in St. Martini kommen die Protestanten in der als liberal geltenden Handelsstadt im Norden Deutschlands nicht zur Ruhe. Bundesweit berichten Medien über Latzels Philippika, die neben diversen Bezeichnungen auch als Pegida-Predigt tituliert wird.

Für den morgigen Sonntag steht die St.-Martini-Kirche während des Gottesdienstes praktisch unter Polizeischutz. Olaf Latzel hatte im Vorfeld eine Erklärung zu seiner umstrittene Predigt angekündigt. Die Sicherheitsbehörden rechnen mit „lebhaften Protesten.“
Wir geben nachfolgend einige Stimmen zu der lebhaften Diskussion wieder. Am Ende dieses Beitrag kann der LINK zum Wortlaut der umstrittenen Predigt angeklickt werden. (942)

Pastor Bernd Klingbeil-Jahr: „Das ist klassischer Fundamentalismus. Wer Bibeltexte als Schlagwaffe missbraucht, sollte sich nicht bibeltreu nennen. Es geht uns nicht nur um den Ton, sondern um eine Geisteshaltung, und die greifen wir an. Es ist sehr problematisch und kreuzgefährlich, wenn eine Minderheit in Bremer Gemeinden missionarisch meine, dass Menschen anderer Religionen zu Christen werden müssen, weil sie sonst nicht den allein selig machenden Weg zu Jesus Christus finden würden.“
Islambeauftragten Wolfgang Reinbold: „Niemand will die Religionen vermischen und eine Art Superreligion konstruieren. Die entscheidende Frage ist, ob wir den Dialog mit Muslimen suchen oder ihn ablehnen und statt dessen Polemiken von uns geben wollen.“

Jeanette Querfurt, Politik-Beauftragte der Kirche: „Hier wird Hass gepredigt.“
Renke Brahms, oberster Repräsentant der Kirche und Schriftführer: „Das ist geistige Brandstiftung“. Das sei geeignet, „Gewalt gegen Fremde, Andersgläubige oder Asylbewerber Vorschub zu leisten.“

Pastor Bernd Kuschnerus, Stellvertreter von Brahms: „Ich bin sehr erschüttert und traurig, dass sich jemand so im Ton vergreift.“
Jens Böhrnsen, Bremens Bürgermeister (SPD): „Damit (in der Predigt) wird zum Religionskampf aufgerufen und nicht zu dem, was wir brauchen für den sozialen Frieden in unserer Stadt, nämlich den Dialog der Religionen und der Kulturen.“

Jochen Grabler, leitende Redakteur von Radio Bremen: „Das erfordert einen Aufstand gegen Hassprediger wie Latzel, die keinen Platz mehr in der Bremischen Evangelischen Kirche haben.“

Matthias Güldner, Grünen-Fraktionsvorsitzender: „Latzel ist einer, der mit dem Zündholz am Pulverfass hantiert.“

Pastor Johannes Müller, BEK-Vertreter: „Das ist eine gemeindeinterne Angelegenheit, in die ich mich nicht einmischen kann. Latzels Predigt habe ich mir angehört. Ich hätte sie nicht gehalten.“

Pastor Ulrich Rüß, Vorsitzender der „Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen“: „Wir brauchen heute mehr eindeutige Christuspredigten, auch auf die Gefahr hin, beschimpft, abgestempelt und verleumdet zu werden, zu allen Zeiten ist das Zeugnis Christi auf Ablehnung und Widerspruch gestoßen. Aber ohne dieses gäbe es weder die hiesige Kultur noch Rechtsprechung. Niemand braucht jene Heuchler und Verräter am eigenen Glauben, die da buntblöd grinsend auf der Treppe des Bremers Domes standen, bereit einen der ihren zu opfern, für die Lüge vom friedlichen Zusammenleben mit dem Islam, am aller wenigsten die vom Islam und seinen Mörderbanden weltweit vertriebenen, verfolgten, gefolterten und abgeschlachteten Christen. Aber sie brauchen mutige, tapfere Kirchenvertreter wie Pastor Olaf Latzel.“

Olaf Latzel: „Ich werde mich auch in der Zukunft nicht wegducken. Ich habe eine Aufgabe gegenüber meinem Herrn und Heiland Jesus Christus. Vor ihm muss ich mich rechtfertigen. Wenn du als Christ keine Angriffe bekommst, stimmt etwas mit deinem Christsein nicht.“

taz, Berlin: „Seither tobt die Debatte, und auf evangelikalen Diskussionsforen wie idea.de ist Latzel jetzt der King. Erste Jesus-Vergleiche wurden schon gepostet.“

Peter Voith, Weser-Kurier: „Gespräch mit Pastor Latzel, Presseerklärung mit der Vokabel Entschuldigung schreiben – und Ruhe ist? Womöglich haben die obersten Vertreter der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) das gehofft. Doch weder der fundamentalistische St.-Martini-Pastor auf der einen, noch die auf Dialog und Toleranz bedachten Pastoren auf der anderen Seite werden Ruhe geben. Kompromisse finden? In diesem Grundsatz-Streit ist das ein Ding der Unmöglichkeit.
Was also tun? Egal was – aber bitte nicht herumeiern mit halbgaren bis geheuchelten Entschuldigungen. Entweder die BEK steht zu ihrer Verfassung, die den jeweiligen Gemeinden eine Selbstbestimmung in Glaubens-, Gewissens- und Lehrfragen einräumt, wie sie im Verbund der evangelischen Kirchen deutschlandweit einmalig ist.
Dann muss sie – abgesehen von strafrechtlich relevanten Positionen – auch die Ansichten eines Olaf Latzel in Fragen zur Stellung der Frau in der Kirche, in Fragen der nicht vorhandenen Toleranz gegenüber Andersgläubigen oder auch Homosexuellen ertragen. Oder aber: Die BEK erkennt an, dass die St.-Martini-Gemeinde mit ihrem Verständnis von Christentum nichts zu tun hat. Dann muss sie bereit sein, ihre Verfassung infrage zu stellen und die Autonomie der einzelnen Gemeinden zu opfern. Und mit ihr die von St.-Martini. (Kommentar „Klare Ansage, 4.02.2015).

http://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-Klare-Ansage-_arid,1049638.html

Die Predigt: http://www.nwzonline.de/bremen/an-gideon-die-reinigung-von-den-fremden-goettern-lernen_a_23,0,1652672252.html

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin/Bremen/Neustadt, 6.02.2015/cw – Man stelle sich vor, der Bundespräsident würde von einer Kanzel aus gegen Juden, Buddhisten, Moslems, Hindus und andere verächtliche oder diffamierende Äußerungen von sich geben. Würde man das dem ehemaligen Pfarrer durchgehen lassen? Wohl nicht. Sein Rücktritt wäre wohl unvermeidlich.

Denn in seinem zweifellos politischen Amt wäre der Präsident gehalten, seine Äußerungen zu wägen und den Kontext in seiner Vertretung vieler unterschiedlicher Menschen zu wahren.

Olaf Latzel in Bremen ist Prediger. Und wen er da in seiner Kirche von oben herab abkanzelt, dürfte im Kern nur seine Gemeinde interessieren, die sich diesen religiösen Tiraden freiwillig aussetzt. Allenfalls wäre dies ein Fall für innerkirchliche Debatten. Würde Latzel seine Überzeugungen lauthals auf dem Domplatz oder anderswo in Bremen verkündigen, wäre das nicht mehr nur seine Angelegenheit.

Rainer Wagner, Latzels Pendant aus Neustadt an der Weinstraße, verkündigt seine Weisheiten nicht nur in den Kirchen seiner evangelikalen Gemeinde vor Ort. Er verbreitet sich über einen „Stadtmissionsbrief“, der allmonatlich gedruckt die Öffentlichkeit auch über das Internet traktiert. In seinen Worten zum Monat gibt er fast wortgleich jene Verurteilungen Andersdenkender wieder, wie sein Bremer Prediger-Kollege. Das ist nicht nur ärgerlich.

Denn Rainer Wagner ist nicht nur Prediger wie Latzel, sondern Repräsentant des Dachverbandes der Verfolgten des Kommunismus (UOKG), Vorsitzender eines Verfolgtenverbandes (VOS), Funktionsträger in renommierten Stiftungen in Berlin (Hohenschönhausen und Berliner Mauer), die sich mit der Aufarbeitung der zweiten deutschen Diktatur befassen, und in CDU-Organisationen. In diesen Multi-Funktionen steht Wagner eben nicht in einer abgeschlossenen Kirche, in der er seinen religiösen Eingebungen leben kann. Dass er diese Trennung selbst nicht sieht, belegen seine Äußerungen auf einer UOKG-Veranstaltung, als der Verfolgten-Repräsentant zwei ehemaligen politischen Gefangenen der DDR-Diktatur vorwarf, auch diese seien „Knechte Satans.“

Wagner steht, wie als angeführtes Beispiel sein zeitweiliger Gastgeber im Schloss Bellevue, in der Öffentlichkeit. Er kann seine öffentlich verbreiteten Verlautbarungen nicht nach Sonntag und Alltag trennen, er muß diese für oder gegen sich gelten lassen. Anders gesagt: Er sollte, er muß sich entscheiden zwischen seinen weltlichen Funktionen und seiner offenbar verspürten Verkündungsfunktion in seiner Kirche. Beides lässt sich nicht vereinbaren oder, was Wagner und Latzel wohl besser gefallen würde: „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen!“ (941)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 020-30207785

Bremen, 6.02.2015/cw – In Bremen haben am vergangenen Mittwoch 70 Pfarrer eine Resolution gegen ihren evangelikalen Kollegen Olaf Latzel (47) unterzeichnet. Auf den Treppen des St.-Petri-Doms protestierten bis zu 100 Kirchenbeschäftigte gegen eine Predigt von Latzel. Dieser hatte nach Medienberichten in einer halbstündigen Predigt in St. Martini am 18. Januar unter Berufung auf die Bibel andere Glaubensrichtungen als Götzendienst abgewertet, das islamische Zuckerfest als „Blödsinn“, Buddha als „dicken, fetten Herrn“ und die Lehre in der katholischen Kirche als „ganz großen Mist“ bezeichnet. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Reliquien der katholischen Kirche beschimpfte er als „Dreck“. Zu Götzen und anderen Göttern sage der Pfarrer: Gott „umhauen, verbrennen, hacken, Schnitte ziehen“. Zwar entschuldigte sich der Pastor nach Protesten für „die beiden Ausdrücke“ (Blödsinn und Reliquiendreck), wies Kritik aber mit den Worten zurück, er sei ausschließlich gegen eine Vermischung der Religionen. Die Kritik allerdings war deutlich:

St.-Petri-Dom-Gemeinde: „Es ist uns unerträglich, wenn wie zuletzt in der St. Martini-Gemeinde Jahrtausende alte biblische Texte mutwillig aus ihrem historischen Zusammenhang herausgerissen werden. Wer Bibeltexte als Schlagwaffe missbraucht, sollte sich nicht „bibeltreu“ nennen. Uns geht es dagegen um einen sorgsamen Umgang mit der biblischen Überlieferung im Dienst an Menschen heute.“

Pfarrkonferenz Bremen-Mitte: „Wir distanzieren uns entschieden von Fundamentalismus jedweder Art – und von allen Versuchen, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Antisemitismus oder rassistisches Gedankengut mit vorgeblich biblischem Glauben zu bemänteln.“

Der Bremer Religionswissenschaftler Christoph Auffarth verglich Latzels Predigt mit dem religiös-fundamentalistischen Denken radikaler Muslime.

Frank Crüsemann, Bielefelder Theologieprofessor: Wer sich einen harten Text auswähle und behaupte, das sei unmittelbar Gottes Wort für uns heute, „kann mit der Bibel alles machen. Wer Menschen im Namen des Koran enthauptet, geht – methodisch gesehen – nicht viel anders vor.“ Gott als eine einzige Größe sei eine Kernbotschaft des Alten Testamentes, die aber auch bedeute, dass Gott nicht ausschließlich den Rechtgläubigen gehöre.

Gemeinde St. Martini: Gemeinde und Pastor stünden für eine weltoffene und freie Gesellschaft, in der alle Menschen gleich welcher Hautfarbe, Ethnie oder Religion in Frieden miteinander leben könnten. „Wir wenden uns als Gemeinde und Pastor gegen jede Form der Verfolgung, der Verunglimpfung oder Einschränkung des Glaubens gleich welcher Religion“, heißt es. Gemeinde und Pastor lehnten jede Form der Vermischung der Religion ab, „bei der uns als Christen ein anderer Gott präsentiert wird, als der in der Bibel bezeugte dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist“.

Regelmäßige Einladungen durch den Bundespräsidenten

Der aktuelle Vorgang in Bremen wirft allerdings Fragen auf. Während im hohen Norden ein Pfarrer wegen seiner inakzeptablen und eigenwilligen Bibelauslegung durchaus begründet buchstäblich an den Pranger gestellt wird, schweigen andernorts Kircheninstanzen zu vergleichbaren Äußerungen eines anderen evangelikalen Predigers, der schon mal Juden als Knechte Satans, den Islam als erfundene Religion und Mohammed als falschen Propheten verunglimpft hatte. Auch Ausfälle gegen den Buddhismus (Götzendienst), Hinduismus (Geisterkult) Homophile und der Verrat am Glauben durch die EKD gehören zu dessen verbreiteten Vokabular. Das hindert zum Beispiel aber den einstigen Pfarrer und jetzigen Bundespräsidenten nicht, diesen Prediger regelmäßig in seinen Amtssitz einzuladen.

Erstaunlich auch das Schweigen jener Medien, die jetzt – dankenswert – dem Protest von Bremen ihre Aufmerksamkeit widmen. Unter diesen zum Beispiel DER TAGESSPIEGEL in Berlin. Auch dessen Redaktion ist seit langer Zeit über die schlimmen und vergleichbaren Ausfälle des Predigers und Berliner Multifunktionärs (CDU) informiert ohne bisher auch nur andeutungsweise auf den Parallelfall des vielfach in Berlin politisch tätigen Predigers aus Neustadt an der Weinstraße einzugehen.

Die Bremer Kirchenleitung bedauert, kein „Lehrzuchtverfahren“ gegen den Pastor einleiten zu können, weil „in den einzelnen Gemeinden der BEK Glaubensfreiheit“ herrsche. Sie veröffentlichte aber nach einem Treffen mit Latzel eine eigene Entschuldigung, die sich „an alle Andersgläubigen, die durch Latzel diskriminiert und in ihren religiösen Gefühlen und Wertvorstellungen oder liturgischen Traditionen beleidigt wurden“. richtete.

Staatsanwaltschaft prüft Volksverhetzung

Die Staatsanwaltschaft hingegen prüft nach einer Meldung des epd, ob die Predigt Latzels den Anfangsverdacht einer Straftat wie Volksverhetzung oder Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft erfüllt. Im Fall des angeführten Predigers aus Neustadt hatte allerdings die für diesen Fall zuständige Staatsanwaltschaft in Frankenthal das Verfahren nach einer Anzeige mit der Begründung der „Religionsfreiheit“ eingestellt. Man darf auf das Ergebnis der Bremer Strafverfolgungsbehörde gespannt sein. (940)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Siehe auch weiterführende LINKs:

http://www.taz.de/!153794/

http://www.nwzonline.de/politik/niedersachsen/bremer-pastoren-gehen-auf-distanz-zum-kollegen_a_23,0,1196938847.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/evangelikaler-in-bremen-pastoren-protestieren-gegen-fundamentalistischen-amtsbruder/11327228.html

http://www.stpetridom.de/index.php?id=183&tx_cal_controller%5Bview%5D=event&tx_cal_controller%5Btype%5D=tx_cal_phpicalendar&tx_cal_controller%5Buid%5D=1260&tx_cal_controller%5Blastview%5D=view-list|page_id-8&tx_cal_controller%5Byear%5D=2015&tx_cal_controller%5Bmonth%5D=02&tx_cal_controller%5Bday%5D=04&cHash=3478abef3814586b8d335a13e650fdbc

http://www.pi-news.net/2015/02/bunte-hetze-gegen-mutigen-pastor/

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Pastoren-stellen-sich-gegen-Predigt-von-Olaf-Latzel-_arid,1049247.html

Mai 2021
M D M D F S S
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Blog Stats

  • 745.538 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 128 anderen Followern an