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Von Friedemann von  Saucken

Bonn, 17.05.2013 – In diversen Organisationen und Vereinen der Verfolgten- und Opferverbände, die sich vor oder nach dem Zusammenbruch der DDR oder deren Selbstaufgabe gegründet hatten, tobt ein bizarrer Streit. Bizarr, weil man nicht vermuten möchte, dass sich in erster Linie aus politischen Vorgaben heraus gegründete Vereine tatsächlich mit christlichen Inhalten befassen oder sich gar über die Auslegung von Bibel-Texten in  die Haare geraten.

Protagonisten auf der einen  Seite sind Rainer Wagner, seines Zeichens Prediger und eigens als Prädikant von der Kirche in  der Pfalz eingesetzter Leiter der Stadtmission Neustadt und Carl-Wolfgang Holzapfel, einstiges Kirchenvorstandsmitglied in einer bayerischen Gemeinde und bis zu seiner Pensionierung Mitarbeiter in einer Kirchenverwaltung. Wagner, den das Internet-Lexikon WIKIPEDIA als „biblizistischen Pietisten und Kreationisten“ beschreibt, der „mit dieser Position konservativen evangelikalen Gruppen nahe steht“ und die 2006 auf der Frankfurter Buchmesse eingeführte Bibelübersetzung „Bibel in gerechter Sprache“ als „gotteslästerlich“ und vom „Satan aufgebrachte Irrlehre“ bezeichnet, ist nebenberuflich seit 2007 auch Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Holzapfel ist seit 2002 ehrenamtlicher Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin.

Was treibt nun Funktionäre derartiger Verbände, sich öffentlich über die Auslegung von Bibeltexten zu fetzen? Die Antwort ist für einen Außenstehenden nicht leicht. Zunächst einmal standen Äußerungen von Wagner im  Raum, die für sich betrachtet, vorsichtig ausgedrückt, grob missverständlich waren und sind und wohl darum  auch von dem streitbaren Holzapfel durchaus verständlich aufgegriffen wurden. Wagner schrieb bereits 2006 über den islamischen  Allah als einen  „heidnischen Götzen“ und davon, dass die Bibel zeige, wer nicht zu Jesus gehöre: „Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans.“ Holzapfel räumt freimütig ein, Wagner noch 2007 gegen Kritik und sogar Ausschlussbemühungen durch die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) vehement verteidigt zu haben. Warum aber dann 2012 erneut Attacken gegen Wagner wegen  dieser Äußerungen, diesmal aber durch Holzapfel selbst?

Holzapfel: Wiederholungstäter

Eigene Formulierungen mit Bibelstellen vernebelt?

Eigene Formulierungen mit Bibelstellen vernebelt?

Der engagierte Menschenrechtler sah und sieht sich durch Wagner getäuscht. Er habe ihm die seinerzeitige, wenn  auch eigenwillige Bibel-Exegese abgenommen. Und er sei auch davon ausgegangen, daß sich Wagner künftig von missverständlichen Äußerungen fernhalten würde. Im vorigen Jahr sei er, Holzapfel, auf einen Beitrag von  Wagner im  Stadtmissionsbrief von Neustadt (November 2011) gestoßen, der ihm die Sprache verschlagen habe und in dem er einen „Wiederholungstäter Wagner“ erkannt haben will. Der Stadtmissionsleiter hatte erneut provokativ formuliert, diesmal gegen Moslems, Buddhisten und Hindus: „Aber auch sonst ist unser Land von Aberglauben und Heidentum verseucht.“ Wagner schildert das „öffentlich erkennbare Erstarken des Heidentums auch in unserer Region“ und findet im benachbarten Ort Lambrecht „mittlerweile ein hinduistisches Heiligtum, in dem die indischen Dämonen – Götzen – verehrt werden.“ Auch die Buddhisten, „eine Religion, deren Merkmal Geisterkult ist“, kämen „in Rhodt und anderen Orten“ zusammen. Am Schlimmsten für Wagner: „In  Neustadt entsteht direkt am Ortseingang eine Moschee für den Götzen Allah und seinen falschen Propheten Mohammed.“

Holzapfel hielt und hält derartige Äußerungen für unvereinbar mit der selbstverständlichen Achtung anderer Glaubensüberzeugungen und Religionen, aber in erster Linie auch unvereinbar mit den Repräsentationspflichten des Chefs eines Dachverbandes der Opfer von Willkür und Verfolgung durch eine Diktatur. Er griff diese Äußerungen auf und an und stellte sie in einen Kontext mit den Äußerungen Rainer Wagners von 2006.

Wagner: Biblische Grundlagen

Wagner wiederum wies in seiner Replik auf die biblischen Grundlagen seiner Äußerungen hin, die im Übrigen  durch die Religionsfreiheit gedeckt seien. Auch hätte die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe 2007 und 2012 bereits geprüft und hätte alle Verfahren eingestellt. Wagner hatte besonders seinen Text von 2006 mit Angaben von Bibelstellen untermauert, die ihm eine hohe Glaubwürdigkeit und Toleranz vermittelten oder – wenigstens –  vermitteln sollten.

Eine akribische Überprüfung, ein Vergleich der Wagnerschen Äußerungen mit den angegebenen Bibelstellen fällt allerdings eindeutig und zweifelsfrei zu Ungunsten des Prädikanten aus. Hier muß sich der UOKG-Vorsitzende tatsächlich vorhalten lassen, seine Äußerungen sehr freizügig selbst formuliert und die Bibelstellen offensichtlich als Nebelkerzen eingesetzt zu haben. Wohl im Vertrauen darauf, daß in  einem von „Aberglauben und Heidentum“ verseuchten Land (Wagner) niemand auf die Idee käme, Textvergleiche anzustellen und sich in die Bibel zu versenken. Bisher hatte Wagner damit offenbar Glück. Der Segen  seines Gottes  darf aber angesichts dieser Verfälschungen bezweifelt werden. Nachstehend sollen hier einige Texte Wagners und die von ihm angegebene Bibelstellen gegenübergestellt werden:

Wagner (Stadtmissionsbrief, November 2006): „ … Wer die Aussagen des Korans über Allah mit dem Gott der Bibel vergleicht erkennt, dass Allah nicht mit unserem Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, identisch ist. Allah ist ein (arabisch) heidnischer Götze. Götzen aber sind nicht real, sondern Phantasieprodukte. Es gibt den Allah des Islam nicht wirklich

(1.Kor 8,4).“

1. Kor. 8,4: So wissen wir nun von der Speise des Götzenopfers, daß ein Götze nichts in der Welt sei und daß kein andrer Gott sei als der eine.

Wagner (ebda.): „Allerdings stehen hinter diesem Phantasiegebilde die Mächte der Finsternis (1 Kor.10,20).“

1. Kor. 10,20:  Aber ich sage: Was die Heiden opfern, das opfern sie den Teufeln, und nicht Gott. Nun will ich nicht, daß ihr in der Teufel Gemeinschaft sein sollt.

Wagner (ebda.): „Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans (Eph.2,2) und niemals heilig (2.Kor. 6,14).“

Eph. 2,2):in welchen ihr weiland gewandelt habt nach dem Lauf dieser Welt und nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens, 

2. Kor. 6,14: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?

Besonders die von den Kritikern angegangenen Formulierungskünste des dem Deutschen Bibelbund führend zugehörigen Neustädter Stadtmissionsleiters über die Knechte Satans  lassen sich nicht mit den angeführten Texten  der Bibel untermauern. Die mir übermittelte aktuelle Stellungnahme, um die der amtierenden Pfarrer Michael K. zu den Wagnerschen  Äußerungen gebeten worden war, spricht da eine deutliche Sprache:

Religion kann zur Ideologie verkommen

„Religion – auch die christliche – kann … zur Ideologie verkommen; nämlich dann, wenn sie Theologie über das Leben stellt, wenn sie Absolutheit postuliert, Widersprüche leugnet und zu klaren Feindbildern tendiert. Dann ist Religion nicht länger heilsam und lebensfördernd; im Gegenteil. Herrn Wagners Umgang mit der Heiligen Schrift ist – sagen wir es vorsichtig – ziemlich problematisch. Mit wissenschaftlicher Theologie und seriöser Textarbeit hat das alles nicht zu tun.  Er reißt biblische Stellen aus ihren Kontext und historischen Zusammenhang heraus und sammelt sich, wie in einem Steinbruch, die Dinge zusammen, die ihm passen.

Mauern überspringen - kein leichtes Unterfangen Foto: LyrAg

Mauern überspringen – kein leichtes Unterfangen
Foto: LyrAg

Hochproblematisch wird diese Arbeitsweise dann, wenn er seine subjektiven Interpretationen und Zusammenstellungen benutzt, um andere Menschen abzuwerten und – wie er es hemmungslos tut – gar zu dämonisieren. Bibelinterpretationen müssen sich letztlich immer am Kern der Botschaft messen lassen. Herrn Wagners Interpretationen sind nicht nur extrem subjektiv und tendenziell ideologisch, sondern geraten in Widerspruch zu so elementaren biblischen Aussagen wie der Nächstenliebe, der Feindesliebe, dem Gebot kein falsch Zeugnis zu geben und der Mahnung Jesu, andere Menschen nicht zu diffamieren.

Selbst Jesus würde konsequenterweise in Wagners Konzeption aus Gottes Heil fallen. „Heilig heißt abgesondert vom Sündigen, Vergänglichen und Falschen.“ – so Wagner. Jesus hat aber gerade das Gegenteil dessen gepredigt und gelebt. Er hatte keine Kontaktängste gegenüber Aussätzigen, Zöllnern, Prostituierten, Menschen anderen Glaubens (Samariter). Was als unrein damals galt – z.B. blutflüssige Frauen – davon hat er sich berühren lassen.  In Herrn Wagners Interpretationen kommen Lieblosigkeit, Selbstgerechtigkeit  und Überheblichkeit zum Ausdruck.“

Pfarrer K. räumt ein, dass dies sehr hart klinge, er sei aber um eine ehrliche Stellungnahme, die seine persönliche Meinung sei, gebeten worden. Michael K. fährt fort:

„Es entsteht der Eindruck, dass hier begründet werden soll, dass Christen „etwas besseres“ sind als die Anderen. Der Glaube besteht dann nicht mehr darin, in der Nachfolge Jesu für das Heil der Welt zu wirken, sondern vor allem sich selbst das Heil (in Abgrenzung zu den „Verlorenen“) zu sichern.

Theologisch unseriös und politisch brisant

Nun zu seiner Position zum Islam. Grundsätzlich ist zu sagen, dass jede Religion in einer freien Gesellschaft sich gefallen lassen muss, kritisiert zu werden. Auch Christentum, auch Islam. Doch ebenso ist jede Religion, sofern sie die rechtlichen Rahmen einhält, in einer freien Gesellschaft geschützt. In der Bibel können sich keine direkten Aussagen zum Islam finden, da diese Religion erst deutlich später nach Abschluss des biblischen Kanons entstand. Der Begriff „Allah“ wird in der westlichen Welt als Eigenname des monotheistischen Gottes im Islam verstanden. Korrekt ist, dass Allah die arabische Bezeichnung für Gott ist. Dieser Begriff Allah wird seinerseits auch von arabisch sprechenden Juden und Christen verwendet und findet sich wohl auch in arabischen Bibelübersetzungen.

Unbestritten existieren gravierende Unterschiede zwischen dem muslimischen und christlichen Verständnis von Glauben, auch von den jeweiligen Ansichten über Gott. Deswegen der jeweils anderen Seite „Götzendienst“ vorzuwerfen, ist eine billige und durchschaubare Provokation, die, nebenbei gesagt, ein respektvolles Gespräch miteinander unmöglich macht.“

Pfarrer K. weist in seiner Stellungnahme dann  darauf hin, das „Gespräche miteinander in einer freien, offenen Gesellschaft“ die Vorraussetzung dafür sei, „um  konstruktiv miteinander zu leben.“ Deshalb habe die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in ihrer Verfassung die Förderung des christlich-jüdischen Gesprächs aufgenommen und erinnere „an die „Mitschuld der Kirche an Ausgrenzung und Vernichtung jüdischen Lebens“ (Art.8). Die Kirche setze sich deshalb „für die Versöhnung mit dem jüdischen Volk ein und tritt jeder Form des Antisemitismus und Antijudaismus entgegen.“ In  Artikel 9 beschreibt sie die Suche nach dem Dialog mit anderen Religionen, um  in  Artikel 10 die „Wahrung der Menschenwürde, die Achtung der Menschenrechte“ und „ein von Gleichberechtigung bestimmtes Zusammenleben der Menschen“ zu postulieren. Sie, die Kirche, „wendet sich gegen alle Formen von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.“

Die neue Botschaft: Begegnung statt Ausgrenzung - Foto: LyrAg

Die neue Botschaft: Begegnung statt Ausgrenzung –
Foto: LyrAg

„Herrn Wagners Thesen sind natürlich seine Privatsache und von der Meinungsfreiheit unserer Verfassung geschützt,“ schreibt Pfarrer K. weiter, aber: „Sie sind theologisch unseriös und politisch durchaus brisant.“ Der Theologe begründet seine Meinung:
“Der Terror Stalins, Maos und Pol Pots hat auch Menschen getroffen, die sich zu ihrer Religion bekannt haben. Opfer des Terrors waren nicht allein Christen, sondern ebenso Juden, Buddhisten, Muslime, Schamanen. Und noch viele Angehörige anderer Religionen. Ob jemand, der Angehörige von Stalins Opfergruppen abwertet, geeignet ist, eine zentrale Rolle in der Gedenkkultur zu spielen, ist eine offene Frage.“ Verbandsintern ginge ihn das natürlich auch nichts an, weil das „die entsprechende Organisation für sich selbst klären“ müsse. Der an einer Kirche in  Sachsen tätige Pfarrer betont, daß die Religionsfreiheit ein  „sehr, sehr hohes Gut“ sei: „Ich darf mich zu einer Religion bekennen, diese Religion leben, wie es meinem Gewissen entspricht. Ich darf aber ebenso auch keiner Religion angehören. Und ich darf wegen meines Glaubens nicht abgewertet und diskriminiert werden. Das war jedenfalls eines meiner Ziele, die ich innerhalb der Menschenrechtsbewegung der DDR verfolgt habe. Und dieses Engagement in der Opposition war für mich auch immer mit und durch meinen christlichen Glauben geprägt.“

Wagner hat selbst formuliert

Eine klare und offene Sprache im Geiste Luthers (und nur auf diese Offenheit, nicht auf Luthers Antisemitismus wird hier Bezug genommen) möchte man konstatieren. Im Ergebnis bleibt die Frage im  Raum, wie der Stadtmissionsleiter und vor allem der hier geforderte Vorsitzende der UOKG nach dem Vergleich mit den von ihm selbst angeführten Bibelstellen seine eigentümliche um nicht zu sagen  skandalöse Interpretation, nach denen – als ein  Beispiel – auch die Juden Knechte Satans seien, der Öffentlichkeit erklären will. Die Bibel jedenfalls gibt diese drastische Formulierung nicht her. Auch die Thesen über die „Erfindung“ Allahs und dessen „falschen Propheten“ lassen sich nicht biblisch belegen, zumal, wie Pfarrer K. denn auch richtig schreibt, der Islam nach der Formulierung der Heiligen Schrift entstand.

Mir scheint, Rainer Wagner hat hier ein  echtes Problem. Und mit ihm der Verein, dem er vorsteht. Aber auch die Öffentlichkeit, die sich bisher wohl eher auf die Ehrlichkeit der angeführten Bibelstellen verlassen hat, statt diese nachzulesen und ihm deshalb, wohl eher im vorauseilenden Gehorsam, Absolution erteilt hat. Der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. hatte in seiner berühmten Islam-Rede in der Universität Regensburg aus einem Text zitiert und war darüber im Übermaß kritisiert worden. Wagner hat noch nicht einmal zitiert, er hat selbst formuliert und zur Verklärung biblische Stellen als Untermauerung angeführt, die einer Überprüfung nicht standhalten.

Holzapfel, konfrontiert mit den Ergebnissen der Auftragsarbeit, räumt denn auch zerknirscht ein, sich auf die von Wagner angegebenen Bibelstellen blauäugig verlassen und diese nicht hinterfragt geschweige denn verglichen zu haben. Bei aller Kritik habe er dem Gegenüber einfach nicht unterstellen wollen, dieser habe seinen eigenen Formulierungen mit Bibelstellen einen den Urheber verschleiernden Anstrich gegeben.

Das scheint nun keine Unterstellung mehr zu sein, sondern Fakt.

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*) Der Autor lebt im Raum Bonn, ist Historiker und engagierter Kirchenmann im  Ruhestand.

V.i.S.d.P.: Friedemann von Saucken, > Redaktion Hohenecker Bote, Tel.: 030-30207785

 

Berlin, 14.11.2012/cw – Die anhaltende Kritik an den Juden- und Religionsfeindlichen Bibel-Exegesen des Predigers Rainer Wagner werden vermutlich auf der bevorstehenden Mitgliederversammlung des Dachverbandes der SED-Opferverbände UOKG am Wochenende in Berlin debattiert werden. Das erfuhr unsere Redaktion aus Kreisen der Mitglieder.

Umstrittene Bibel-Exegesen des Predigers Rainer Wagner (Auszug)

Rainer Wagner hatte in Ausgaben des monatlich erscheinenden Missionsbriefes der von ihm geleiteten  Stadtmission in Neustadt an der Weinstraße unter Herbeiziehung entsprechender Bibelstellen verbreitet, der „Jude (u.a.) sei ein Knecht Satans“ (siehe auch WIKIPEDIA / Rainer Wagner), Allah sei ein Götze und „Mohammed sein falscher Prophet“, die Buddhisten (in der Umgebung von Neustadt) betrieben „Geisterkult“ und Hinduisten verehrten ihre „Dämonen“ als „Götzen“. Inzwischen zeigen diese Thesen im Umfeld von Neustadt zumindest indirekt Wirkung. Auf einer Internet-Plattform im Raum Neustadt wird unverhohlen gefordert, „Schweine durch die Moschee“ zu treiben. Wer das religiös-bestimmte Verhalten von Muslimen zu dieser Tierart kennt, weiß die brisante Beleidigung des Islam richtig einzustufen. Der Leiter der Stadtmission hatte mit seinen Thesen gegen die Errichtung der Moschee nahe Neustadt Stellung bezogen.

Die Kritik an den teilweise auch im Internet verbreiteten Äußerungen entzündet sich vornehmlich an Wagners Position als bundesweiter Chef des Dachverbandes der DDR-Opfer-Vereine, was die Kritiker für unvereinbar halten. Auch wird Wagner vorgeworfen, dass er seit Beginn der Vorwürfe zwar heftige Anklagen gegen seine Kritiker verbreite, bisher aber „mit keiner Silbe“ von seinen umstrittenen Äußerungen  Abstand genommen oder diese „glaubwürdig relativiert“ hätte. Damit stände die Frage im  Raum, ob Wagner seine religiösen Thesen durch beharrliches Schweigen verteidige bzw. sich weigere, Korrekturen vorzunehmen. Diese seien  aber für eine Fortführung seiner UOKG-Funktion unabdingbar, so die Kritiker.

Beleidigungen auf Neustädter Internet-Forum (Auszug)

In der Neustädter Stadtmission zeigen sich hingegen offenbar  erste Auswirkungen der laut gewordenen Kritik. In den Oktober- und Novemberausgaben des Missionsbriefes schrieb der Prediger entgegen den Gepflogenheiten nicht mehr das „Wort zum Monat“. Insofern müssen die Kritiker zumindest gegenwärtig keine neuerlichen aufwühlenden Exegesen befürchten.

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 9. November 2012/cw – Im September 2010 starteten wir mit unserer neuen Homepage auf wordpress.com. Wir haben bis heute 550 Artikel veröffentlicht, davon allein 318 seit September 2010 (Start unserer neuen Seite). Wir sind überrascht über die seitherigen Zugriffeauf unsere Seiten.

Die Spitzenposition nimmt bis heute ungeschlagen  unsere Berichterstattung zum Thema Joachim Gauck, unserem jetzigen  Bundespräsidenten, ein. Allein am 20. Februar 2012 konnten wir 2.798 Zugriffe vermerken, bisher unerreichter Rekord. Das zeigt aber auch, welche Aufmerksamkeit die kontroverse Diskussion um Joachim Gauck in der Öffentlichkeit fand, auch wenn das Ergebnis der Abstimmung in  der Bundesversammlung aufgrund der parteipolitischen Konstellationen im Ergebnis einen anderen Eindruck vermittelte.

Aber auch andere Themen konnten wir transportieren oder gar anstoßen: Wir erinnern an unsere Anzeige gegen den Stasi-IM und Verantwortlichen für den Tod von Benno Ohnesorg, Karl-Heinz Kurras; an unsere Initiative in Sachen  Zwangsarbeit (IKEA, 2011), die Bemühungen um die Umbenennung der Zimmerstraße in „Peter-Fechter-Straße“ (2012) oder auch unser Herzensanliegen (seit 2005) auf Benenenung eines „Platz des 17. Juni“ vor dem Bundesfinanzministerium, seinerzeitiger Ausgangspunkt des Aufstandes von 1953. Diese Themen wurde aufgegriffen und – natürlich auch – kopiert, um als „eigene Initiative“ vermarktet zu werden. Uns ficht das nicht an, weil es uns um die Sache geht. Natürlich würden wir uns freuen, wenn hin und wieder der Wahrheit die Ehre gegeben werden würde und wir wenigstens als Urheber hin und wieder Erwähnung fänden, wie wir auch immer auf Initiatoren oder Urheber hinweisen. Das gebietet der Anstand. Waren diese Initiativen oder geistigen  Anstöße im Ergebnis erfolgreich, so verschwinden andere Denkanstöße – für uns unbegreiflich – immer wieder mal im Orkus des Schweigens. So die skandalösen und aus unserer Sicht einfach nicht hinnehmbaren Äußerungen eines führenden Verbands-Funktionärs, der schon mal so nebenbei Juden als „Knechte Satans“ bezeichnet oder unverantwortliche Stimmungen gegen andere Religionen transportiert: „Allah ist eine Erfindung und Mohammed sein  falscher Prophet“.

Dessen ungeachtet bleiben  wir auch an diesem Thema, fassen weiter „heiße Eisen“ an und leisten somit unseren Beitrag für unsere bitter errungene Demokratie und gegen jede Form von Extremismen (die oft ihren Anfang im verbalen Extremismus nimmt).

Insgesamt konnten wir im genannten Zeitraum 118.743 Zugriffe verzeichnen, das waren im  Durchschnitt pro Monat 4.750 und pro Tag im Durchschnitt 158 Zugriffe. Auf die Kalender-Jahre bezogen konnten wir einen kontinuierlichen Anstieg der Interessenten vermerken:

Waren es 2010 > 8.915  (Tagesdurchschnitt 28), griffen bereits 2011 > 39.667 (109) und 2012 bisher 70.186 (229 / 10 Monate) Interessenten auf unsere Seiten  zu.

Bei dieser Gelegenheit möchten sich alle am Erfolg dieser Seite Beteiligten herzlich bei Ihnen, unseren interessierten Besuchern, bedanken. Immerhin kommen diese aus aller Welt (Schweiz, Russland, USA, Kanada, Australien, Österreich, Tschechien, Spanien, Israel, Schweden, Großbritannien, Irland, Niederlande, Brasilien etc.).

Wir möchten unsere Besucher, Leser, Interessenten ermuntern, sich weiterhin einzubringen, sich an kontroversen Diskussionen zu beteiligen (Kritik ist als Fundament der Demokratie immer willkommen) und – auch das ist möglich – eigene Beiträge zu den hier angeführten Themen einzureichen. Auch wenn wir sicherlich nicht jeden Beitrag veröffentlichen  können: Alle Meinungen, Beiträge und Stellungnahmen werden sorgfältig gelesen und fließen in unsere Arbeit ein.

DerVorstand                                                                                                                                                                                    Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.

 

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 24.09.2012/cw – Seit der Veröffentlichung über die Äußerungen des evangelikalen Predigers Rainer Wagner treffen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Wir geben nachfolgend zwei Meinungen als PRO und CONTRA zur Kenntnis. Wir wollten und wir wollen keine Reduzierung auf einen bestimmten Menschen. Wir wollen eine inhaltliche Diskussion befördern, an deren Ende sich dann im Ergebnis die eine oder andere Entscheidung und Konsequenz ergeben kann, sich für den einen oder anderen nicht unbedingt ergeben muß.

PRO

Rainer W. hat sich geäußert, als Prediger einer bestimmten kirchlichen  Ausrichtung in der weiten  und großen Evangelischen Kirche. Über die Inhalte muss sich die Kirche unterhalten, wenn sie es denn will. Solange Rainer W. als Prediger aus der Bibel zitiert, verlässt er nicht sein religiöses Tableau, kann er seinen Gläubigen  gegenüber Juden und Andere, die nicht auf der Seite Jesu stehen, als Knechte Satans bezeichnen. Satan spielt in den Überlieferungen sowohl des Alten wie des Neuen Testamentes eine wichtige Rolle, lässt seither Gläubige zwischen GUT und BÖSE unterscheiden. Auch die Bezeichnung Allahs als erfundenen Gott lässt folgerichtig seinen  Propheten  Mohammed als falsch erscheinen. Wo liegt hier das Problem?

Die Äußerungen  eines Predigers zu anderen Glaubensrichtungen, wie Buddhismus oder Hinduismus entspringen  der Konsequenz seiner religiösen Überzeugung; darf man die nicht mehr artikulieren? Auch seine Äußerungen zur Homosexualität bezieht Rainer W. auf Texte im Buch der Bücher, wie die Bibel auch bezeichnet wird. Rainer W. lebt seinem Glauben in einer Zeit, die zunehmend glaubenslos geworden ist. Ist diese Lebenseinstellung grundsätzlich schlecht, nur weil sie nicht in unsere reale Landschaft einzufügen ist (was auch noch zu beweisen wäre)?

Nun  ist Rainer W. auch Präsident oder Vorsitzender eines Dachverbandes von Opfern der Diktaturen. Darf er trotzdem seine religiöse Überzeugung von sich geben oder muß er sich einem Mainstream anpassen, einer political correctnis beugen? Werden hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen? Warum soll ein Prediger kein politisches Amt ausüben dürfen, ohne seine Überzeugungen über Bord werfen zu müssen? Solange der Dachverbandsvorsitzende oder Präsident nicht die Juden diskriminiert oder andere Religionen verächtlich macht, also unverantwortlich politisiert, kann er in seinem Kirchenzimmer seinen Überzeugungen nachkommen und meinethalben auch seine Exerzitien zu Papier bringen. Das geht uns, die wir außerhalb dieser religiösen Denkvorstellungen leben, rein  gar nichts an.

 Herbert Klein

 

CONTRA

Es geht uns sehr wohl etwas an, ob in  diesem Land anno 2012 ein  Prediger, Politiker oder auch Extremist Juden (und Andere) als Knechte Satans bezeichnen kann und darf. Über alle Freiheiten der Meinungen hinweg dürfen in unserem Land bestimmte Äußerungen nicht mehr formuliert werden, weil sie sich von selbst verbieten. Die Leugnung von NS-Verbrechen verbietet sich ebenso, wie jegliche Hetze gegen andere Rassen, Religionen oder Andersdenkende. Wir können nicht Hass-Prediger aus den Reihen radikaler Islamisten verurteilen und gleichzeitig Hass-Prediger aus unseren Reihen auf deren religiöse Überzeugungen reduzieren. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

Die Mehrheit der Geistlichen (in der Evangelischen Kirche) hat unveräußerliche Grundsätze nicht nur akzeptiert sondern verinnerlicht. Dazu gehört das Eingeständnis, durch exzessive Bibelauslegung den Boden für den verheerenden Antisemitismus vorbereitet, zumindest mitbereitet zu haben. In diesem Sinne verbreitete sich noch unsere geliebte Großmutter nach dem Desaster, also nach 1945, uns – ihren  Enkeln- gegenüber, das mit den Juden konnte nur geschehen, weil diese „unseren Herrn Jesus ermordet haben.“

Gott sei Dank sind diese Formen der Exegese aus den meisten Gottesdiensten verschwunden, bekennen sich Pfarrer und Bischöfe einhellig auch in ihren religiösen Verkündigungen zu den Grundwerten  unserer Verfassung: Die Würde des Menschen  ist unantastbar. In diesem Sinne verbreiten sie ökumenisch die notwendige Toleranz gegenüber anderen Religionen und Denkrichtungen.

Dagegen gibt es an den Kirchen-Rändern Widerstand, der sich wesentlich durch die wörtliche  Wiedergabe von Bibeltexten artikuliert und tolerante, der Zeit angemessene Auslegungen als Teufelswerk, weil von der vorgegebenen Linie des HERRN abweichend, verurteilt. Rainer W. hat sich dieser Linie angeschlossen.

Wenn  sich Rainer W. auf die Position zurückziehen  würde, ihm  wäre egal, was die RECHTE am Sonntag tut und die LINKE am weltlichen  Werktag, dann  stimmt entweder seine Überzeugung oder sein Weltbild nicht. Als verantwortlicher Sprecher eines Dachverbandes mit – nach eigenen Angaben – über zwei Millionen Mitgliedern kann er in unserem Land nicht mehr Juden (oder Andere) als Knechte Satans bezeichnen, kann er nicht Öl ins Feuer gießen und Allah als erfunden und Mohammed als dessen falschen Propheten bezeichnen. Weder als evangelikaler, sektirischer oder wie immer gearteter Christ noch als politischer Funktionär.

Das ist „Hetz-Predigt“, wie es der Jugendpfarrer aus Gera treffend bezeichnet. Mit seinem Amt, mit den Überzeugungen  des von ihm repräsentierten  Verbandes, ist das unvereinbar.

Wenn Rainer W. seinen Überzeugungen weiter leben  will, dann sollte er sich von seinem  politischen Amt zurückziehen. Und das unabhängig davon, wie die Evangelische Kirche oder deren Zusammenschlüsse innerkirchlich seine in diversen Gemeindebriefen und Publikationen  verbreiteten  Überzeugungen  werten.

Friedrich Muehlenhaupt

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohenecker Bote., Berlin, Tel.: 030-30207785

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

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Nr.010                            Förderverein – Info                   15. September 2012

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Frauen von Hoheneck beantragen außerordentliche Mitgliederversammlung

Hoheneck, 10.09.2012/ts – Nach letzten Informationen, die der Redaktion vorliegen, haben über zwanzig Prozent der Mitglieder des „Frauenkreises der ehem. Hoheneckerinnen e.V.“ eine nach § 9 der Satzung mögliche „außerordentliche Mitgliederversammlung“ beantragt. Nachdem die durch den Austritt von Inge Naumann  amtierende Vereinsvorsitzende Anita Goßler den Antrag trotz Konformität zur Satzung abgelehnt hatte, haben die Initiatorinnen beim zuständigen Amtsgericht in Darmstadt nach § 37 BGB die ersatzweise Anordnung beantragt. Mit einem Entscheid wird Mitte September gerechnet. Danach müssen die Antragsteller unter Verweis auf die gerichtliche Anordnung innerhalb von vierzehn Tagen nach Zustellung eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen.

Die Antragstellerinnen haben dem Antrag eine Tagesordnung beigefügt, die u.a. die Wahl eines kompletten Vorstandes vorsieht. Nach der letzten Wahl im Mai diesen Jahres war es zu erheblichen vereinsinternen Auseinandersetzungen gekommen und das Wahlergebnis angezweifelt worden. Im  Gefolge des Streites hatte die bisherige Vorsitzende den Verein verlassen. Durch diese Disharmonien kam die Vereinsarbeit nahezu zum  Erliegen, zumal der (neue) Vorstand nicht vollständig gewählt werden konnte.

Regina Labahn, die im Auftrag der Frauen den Antrag in Darmstadt eingereicht hatte, erklärt dazu: „Wir wollen in dieser wichtigen Phase der Diskussion um eine Begegnungs- und Gedenkstätte in  Hoheneck mit einem handlungsfähigen  Vorstand die notwendige Mitsprache des Frauenkreises sichern. Außerdem wollen wir dadurch so schnell wie möglich die überflüssigen und abträglichen Auseinandersetzungen im  Verein beenden und uns vereint wieder der notwendigen Arbeit zuwenden.“

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Spagat zwischen Himmel und Erde: Stolpert UOKG-Chef und Prediger über volksverhetzende religiöse Thesen?


Neustadt an der Weinstraße, 15.09.2012/cw – Rainer Wagner hat es wahrlich nicht leicht. Im Alltag steht er einem Dachverband mit über dreißig Vereinen vor und muß sich der von ihm als „sündhaft“ verstandenen Weltlichkeit widmen: Proteste für Diktatur-Opfer formulieren, Honneurs bei Politikern machen, die man eigentlich aus Überzeugung ablehnt und zwischen diversen (weltlichen) Ämtern jonglieren. Sonntags und – sofern nicht weltliche Termine dazwischen stehen – an manchen Wochentagen kommt er seinen beruflichen Pflichten als Prediger und Missionar nach. Und hier darf Rainer Wagner aus der Bibel zitieren, gegen Juden, Buddhisten und Moslems nach Herzenslust und  -überzeugung predigen oder wettern. Ob die PRO-Deutschland-Bewegung ihm wegen diesen „klaren und unmissverständlichen Predigten und Aufsätzen“ zum Beispiel gegen den Islam bereits einen Aufnahmeantrag zugesandt hat, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich würde der Prediger aus Rheinland-Pfalz diesen auch umgehend ablehnen. Denn der Prädikant der Stadtmission in Neustadt an der Weinstraße ist nebenberuflich auch Vorsitzender der „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)“, dem Dachverband der vormaligen Opfer der Kommunismus-Diktatur (dem auch der Frauenkreis ehem. Hoheneckerinnen angehört), durch die Mitgliedschaft des Bundes der Vertriebenen mit derzeit über zwei Millionen Mitgliedern. Und in diesem Amt weiß der Streiter Gottes, was er seinem weltlichen Amt schuldig ist: Er distanziert sich satzungskonform von radikalen und extremistischen Parteien und Gruppierungen, beteuert stets die Unvereinbarkeit derartiger Denk-, Äußerungs- und Handlungsweisen mit einer Mitgliedschaft in  der UOKG.

Jetzt taucht der nicht kleine Verdacht auf, der Missionar würde säuberlich unterscheiden zwischen seinem Wirken von Montag bis Samstag als Dachverbands-Vorsitzender und seinem religiösen Auftrag am Sonntag im  Gemeindesaal der Stadtmission. Dabei predigt er nicht nur Sonntags, sondern bringt auch seine Überzeugungen zu Papier, so im Stadt-Missions-Brief, der monatlich erscheint und auch im  Internet veröffentlicht wird.

Neujahrsempfang 2010: Ahnungslose Begrüßung des religiösen Eiferers und stv. OMV-Vorsitzenden der CDU Rheinland-Pfalz im Schloss Bellevue – Foto: OMV

Grundgesetz sichert die Freiheit der Religion

Unser Grundgesetz sichert die Freiheit der Religion. Und was ein  Priester, ein  Pfarrer, ein Bischof, Kardinal oder Papst im Rahmen seiner christlichen Funktionen äußert, findet im  Falle des Papstes sicherlich öffentliche Beachtung, wird aber grundsätzlich der religiösen Überzeugung zugeordnet. Doch selbst da gibt es Grenzen der tolerierten Wahrnehmung. Das hat schmerzlich der deutsche Papst anlässlich seines Besuches in  Deutschland erfahren  müssen, als seine Rede in Regensburg wegen der vorgetragenen Islam-Kritik für eisigen  Wirbel sorgte. Benedikt XVI. interpretierte nachträglich, eine äußerst seltene Vorgehensweise vatikanischer Präsenz.

Auch der Prediger Rainer Wagber kann die Bibel nach seinen Überzeugungen auslegen oder seinen anbefohlenen Schäfchen  nahe bringen, schlimmstenfalls oktroyieren. Das unterscheidet den politischen Einpeitscher vom religiös motivierten Pietisten. Anders sieht das aus, wenn ein  Religionsvertreter – gleich welcher Provenienz – auch sogen. weltliche Funktionen ausübt. Hier kann, hier muß er sich Äußerungen vorhalten lassen, die ansonsten Niemanden außerhalb seines Gemeindesaales interessieren würden. Im  jüngsten  Missionsbrief der Stadtmission Neustadt an der Weinstraße (Sept.2012) formuliert der Prediger erneut drastisch:

 „Finstere Kreaturen beherrschen die Welt. Die teuflische Dreieinigkeit aus Satan – als teuflischem Vater- dem Antichrist – als Sohn des Bösen – und dem falschen Propheten – als finsterem Geist – macht die Welt zu ihrem Hauptquartier. Die Menschheit läuft, vom falschen  Propheten beeinflusst, dem satanischen  Zeitgeist nach und verehrt mit Worten und Taten Satan und den Welttyrannen, den Antichrist.“

„Jude – ein  Knecht Satans“

Wer oder was unter dem Antichristen  zu verstehen ist, beschrieb der von der Evangelischen Kirche  in der Pfalz ordinierte Religionspädagoge bereits im Gemeindebrief  vom November 2006:

„… Wer die Aussagen  des Korans über Allah mit dem Gott der Bibel vergleicht erkennt, das Allah nicht mit unserem Gott … identisch ist. Allah ist ein (arabisch) heidnischer Götze. Götzen  aber sind nicht real, sondern Phantasieprodukte. Es gibt den Allah des Islam nicht wirklich. Allerdings stehen hinter diesem Phantasiegebilde die Mächte der Finsternis. Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans und niemals heilig…“.

Diese Ausführungen  hatten bereits vor Jahren internen Aufruhr im weltlichen Bereich verursacht; der größte Opferverband (VOS) hatte sogar auf Antrag seines jüdischen, inzwischen verstorbenen Mitgliedes Knut F. ein Ausschlussverfahren wegen „unerträglicher antisemitischer Äußerungen“ eingeleitet. Die seinerzeitige Berufung des religiösen Eiferers auf „rein  theologische, auf Bibelzitate gestützte Äußerungen“ bewahrten ihn  vor Schlimmerem, der Ausschluss scheiterte. Ein Gerichtsverfahren endete für den Prediger schmerzlich, seine Klage gegen ein SED-Opfer wegen dessen Prediger-Bezeichnung als „Ayatollah“ endete für den Missionar kostenpflichtig mit einem  Urteil. Viele getreue Mitstreiter teilten seinerzeit die Empörung über die „schlimmen und haltlosen Verdächtigungen“ gegen einen anerkannten „Pfarrer der Evangelischen Kirche“. Und der so über die Kritik zunächst obsiegende UOKG-Vorsitzende sonnte sich im Ansehen einer Funktion in der angesehenen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland, die ohne Zweifel außerhalb von Extremismen steht. Der Theologe aus Rheinland Pfalz wies bis heute in der UOKG nicht auf die „besondere Stellung und Funktion“ der Stadtmission in Neustadt mit ihrer pietistischen Ausrichtung hin. Erleichtert wurde und wird ihm dies durch den Umstand, dass es auch in Berlin eine bekannte „Stadtmission“ gibt, die tatsächlich ein Betrieb der Evangelischen Amtskirche (in Berlin) ist und sich vornehmlich mit deren Sozialprojekten befasst.

Wurden also die Äußerungen im  Gemeindebrief von 2006 noch gutwillig als „religiöse Ausrutscher“ eingeordnet, so sind die nachfolgenden Äußerungen nicht geeignet, die seinerzeitige Einordnung weiterhin als solche zu tolerieren. Rainer Wagner, ein  permanenter Wiederholungstäter?

„Götze Allah und sein  falscher Prophet Mohammed“

Im Gemeindebrief vom November 2011 äußerte sich der evangelikale Prediger gleich zu mehreren Weltreligionen, die sich zu seinem  Leidwesen in  dem von der Stadtmission Neustadt betreuten Umfeld ausbreiten:

„Die in der Bibel angekündigten Zeichen des Endes der Welt werden in  unseren Tagen immer deutlicher erkennbar. Klar ist aber auch, dass in  dieser (End-)Zeit die gottlose Gesinnung der Menschheit und der Einfluss dämonischer Kräfte wachsen wird. Ein Beispiel dafür ist in unseren Tagen das Aufkommen des altkeltischen  Geisterfestes Halloween Aber auch sonst ist unser Land von Aberglauben und Heidentum verseucht. Dazu kommt das öffentlich erkennbare Erstarken des Heidentums auch in unserer Region. In Lamprecht finden  wir mittlerweile ein hinduistisches Heiligtum, in dem die indischen Dämonen – Götzen – verehrt werden. In Rhodt und anderen Orten kommen die Buddhisten zusammen.

Eine Religion, deren Hauptmerkmal Geisterkult ist. In Neustadt entsteht direkt am Ortseingang eine Moschee für den Götzen  Allah und seinen falschen Propheten Mohammed. Dazu kommt die innere Gottlosigkeit in unserem Volk….Während das deutsche Volk langsam vergreist, werden Jahr für Jahr hunderttausende ungeborener Kinder in den Krankenhäusern getötet. Unzucht, Unehrlichkeit und Geldgier beherrschen nicht nur die Programme der Fernsehsender, sondern sind überall gegenwärtig. …“

Homosexuelle als Sünder zur Umkehr rufen

Zweideutig? Rainer Wagner mit Klaus Wowereit auf der UOKG-Festveranstaltung im Juni 2012 – Der Prediger aus Neustadt abwesend? Foto: Landesarchiv/Plato

Seit Jahren positioniert sich „der frühere Obmann der Ev. Notgemeinschaft und Stadtmissionsleiter“, wie Rainer Wagner in der Schrift „Erneuerung und Abwehr“ 2004 vorangekündigt wird, unzweideutig:

„Auf Bitten von Presbytern“ verfasste W. folgende Stellungnahme zum Thema: Homosexualität aus biblischer Sicht“ des Oberkirchenrates Schad:

„Wenn unsere Kirche homosexuelle Lebensweise akzeptiert, macht sie sich an ihrem Auftrag, Sünder zur Umkehr zu rufen, schuldig. Gleichzeitig versündigt sich eine solche Kirche an den homosexuellen Menschen selbst, da sie ihnen die Botschaft der Umkehr schuldig bleibt.

Wenn unsere Kirche homosexuelle Lebensweise akzeptiert, macht sie sich an der inneren Einheit der Weltchristenheit schuldig.  … Innerhalb der Evangelischen Kirche treiben die Befürworter der homosexuellen Lebensform ihre Kirche in die innere Spaltung.  … Innerhalb der EKD treiben die Kirchen, die eine gottesdienstliche Begleitung homosexueller Partnerschaften  befürworten, auch zum Bruch innerhalb der Evangelischen  Kirche Deutschlands. … In seinen Lasterkatalogen setzt das NT (Neue Testament) homosexuelle Lebensgestaltung mit anderen Sünden gleich… – Rainer Wagner.“ (Erneuerung und Abwehr, 1/2004, Zeitschr. der Evang. Notgemeinschaft Deutschland.)

Obskure Besegnung

Ob religiöse Wahnvorstellungen, pietistische Ausrutscher oder verkannte tiefe Frömmigkeit (die in diesem Zusammenhang fast schon einer Beleidigung frommer Menschen gleich kommen dürfte), der Prediger mag damit jene beglücken, die im  Gemeindesaal zu Neustadt dieser obskuren Besegnung bedürfen. Der Vorsitzende eines Dachverbandes von Opfer- und Verfolgten-Organisationen der SED-Diktatur beschädigt mit diesen Äußerungen die ernsthaften Anliegen der Mitgliedsverbände, so die Befürchtungen. Wer in  dieser Form anerkannte Weltreligionen diffamiert, Juden (neben anderen) in Deutschland wieder als „Knechte Satans“ antisemitiert und Homosexualität für seine religiösen Attitüden missbraucht, darf sich in unserem Land nach Meinung von SED-Opfern nicht auf seinen Beruf oder gar die Freiheit der Religion berufen. Auch der Verweis auf seine UOKG-Erklärung, in  der er sich gegen  Diffamierungen des einstigen Pfarrers und Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck wegen  dessen außerehelicher Freundin wandte, wird die Wort-Exzesse in  seinem  Hauptberuf kaum ausgleichen können, so die Kritiker. Diese Erklärung wirke unter dem Blickwinkel der jetzt diskutierten extremen Äußerungen doch zu sehr als Feigenblatt (des UOKG-Vorsitzenden) denn  als Äußerung innerer Überzeugung (des Predigers).

Freizeitkonto: Vorkasse für Reisen an die Orte der Verkündigung – Ein Nachweis für fehlende, biblisch begründete Juden- und Islam-Phobie?

Volksverhetzende und religionsfeindliche Thesen

Die geschickte Einfügung von Zitaten aus der Bibel, mit denen diese verheerenden, weil volksverhetzend wirkenden und religionsfeindlichen Thesen untermauert werden, erinnert Beobachter der Szene an die verwerfliche Praxis von Extremisten, die gerne historische Zitate verwenden und betonen: „Das ist nicht von uns, wir zitieren nur!“ Der Missbrauch der Bibel könne den hauptberuflichen Prediger kaum vor einem  Rücktritt als nebenberuflicher UOKG-Vorsitzender und den Rückzug auf die Kanzel in Neustadt schützen, meinen seine Kritiker.

Wie weit sich die Evangelische Kirche in Rheinland-Pfalz veranlasst sehen wird, eine deutliche Distanz zu erklären, wird man mit Interesse verfolgen. Auch die CDU des Landes, deren Landtagskandidat und führendes Mitglied (OMV) der rührige Prediger auch schon war bzw. ist, wird sich wohl erklären müssen. Ob sich im  Ergebnis des unausweichlichen Procedere auch die Stiftungen Gedenkstätte Hohenschönhausen und Berliner Mauer, deren institutionellen Gremien  Rainer Wagner ebenfalls angehört, von dem eifernden Endzeit-Prediger trennen werden, steht dahin, dürfte aber nach Meinung von Szene-Beobachtern nahezu unausweichlich sein, um  Schaden von diesen renommierten Erinnerungsstätten an den roten Terror zu wenden. Die VOS wird wohl ein  neuerliches Verfahren gegen den Extremisten prüfen müssen, falls dieser dem nicht durch seinen Austritt zuvor kommt.

Ob die zitierten „Verirrungen“ eines pietistischen Missionars den Bundespräsidenten veranlassen werden, das verliehene Bundesverdienstkreuz zurückzufordern, ist in diesem Zusammenhang mehr eine rhetorische Frage, die eher der Vollständigkeit möglicher Konsequenzen geschuldet ist.

Stellungnahme abgelehnt

Wir haben Rainer Wagner zwei Wochen vor der Veröffentlichung um eine Stellungnahme zu seinen religiösen Thesen, besonders gegenüber Juden und Muslimen  gebeten und nach evtl. Konsequenzen  befragt. Seine freundliche Antwort: Er sei zu keiner Stellungnahme bereit, verweise aber auf seine Reisen nach Israel und die erhaltenen „staatlichen Auszeichnungen.“ Der bibelfeste Reise-Organisator hatte durch das Tourismus-Ministerium und ein österreichisches Touristikunternehmen jeweils eine Urkunde für seine Verdienste um  die Organisation  von Reisen nach Israel bekommen.

Empörend, völlig indiskutabel

Der Verein „Gesicht zeigen – Für ein  weltoffenes Deutschland e.V.“ in Berlin zeigte sich in einer ersten Stellungnahme (27.08.) gegenüber der Redaktion „empört“. Die (dem Verein  vorgelegten) Zitate seien „völlig indiskutabel“.

Auch aus der Evangelischen Kirche kommen kritische Anmerkungen, so von Stadtjugendpfarrer Michael Kleim aus Gera (12.09): „Was da unter dem Deckmantel christlichen Glaubens verbreitet wird, ist nicht nur aggressiv und intolerant, sondern bereits Hasspredigt. Ich bin entsetzt!“

Anmerkung: Die von Rainer Wagner jeweils angegebenen Bibelstellen sind u.a. 1.Kor. 6,9.10 – 8,4 – 10,20; Eph.2,2; 2.Kor. 6,14; Mt 13,30; Joh. 8,44; Offb. 7,4 – 12,9 – 13 – 14 bis 15, 16 bis 18.

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Hoheneck Thema im Landtag

Dresden, 12.09.2012/cw – Der Landtag im Freistaat Sachsen hat am 12.September im zuständigen  Ausschuß den Gesetzentwurf zur Novellierung des Gedenkstätten-stiftungsgesetzes beraten. Die im  Landtag vertretenen Parteien hatten  den Entwurf fraktionsübergreifend beschlossen und eingebracht. Erstmals ist in dem Gesetz auch das ehemalige Frauenzuchthaus Hoheneck aufgeführt. Das Gesetz soll noch im  Herbst durch das Parlament verabschiedet werden.

Irritationen durch Siegfried Reiprich

Im Gegensatz zu dem Gesetzentwurf hatte der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten gegenüber der Leipziger Volkszeitung („Damals und heute ein  streitbarer Geist“, 17.08.2012) erläutert, dass die „Stiftung künftig um einige Einrichtungen  erweitert“ werden soll, „beispielsweise  um das ehemalige Gefängnis auf dem Kaßberg in Chemnitz.“ Hoheneck fand in Reiprichs Darstellungen  keine Erwähnung, obwohl das Frauenzuchthaus im Gegensatz zum „Ausreisegefängnis“ Kaßberg im Gesetzentwurf erstmals angeführt wird.

Nun  befürchten die Frauen  von Hoheneck, abermals „auf kaltem Weg“ ausgegrenzt zu werden. Beunruhigt habe man die Aktivitäten um das Chemnitzer Gefängnis bemerkt, während zum Thema Hoheneck „Beruhigungs-Bon-Bons“ verteilt würden. Tatjana Sterneberg, ehemalige Hoheneckerin und Organisatorin des Bundespräsidentenbesuches im Mai letzten Jahres: „Wir haben mit Bedacht in unserem Konzept-Entwurf angeregt, Kaßberg in  eine umfassende Lösung für Hoheneck einzubeziehen. Das Frauenzuchthaus hat die eindrucksvollere historische Vergangenheit und ist von der Anlage her geradezu  prädestiniert, in dieser Symbiose die Führungsrolle zu übernehmen. Eine umgekehrte Konstellation wäre schon vom Ansatz her nicht hinnehmbar.“

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             „Von Sprachlosigkeit befreien“ :                                                                                         

Wanderausstellung mit Bildern ehem. politischer Gefangener

Landkreis Prignitz, 14.09.2012/cw – Die Kreisverwaltung des Landkreises Prignitz lädt        zur Eröffnung der Wanderausstellung „Von Sprachlosigkeit befreien“ am 18. September, 14:00 Uhr in den Räumen der Kreisverwaltung in der Bergstraße 1 in Perleberg ein.

In der Ankündigung heißt es dazu: „Noch 20 Jahre nach der Friedlichen Revolution fällt es politisch Verfolgten der SED-Diktatur schwer, über ihre seelischen Verletzungen zu sprechen. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Betroffenen, die in einer therapeutischen Malgruppe der Berliner Beratungsstelle „Gegenwind“ entstanden sind. Die Arbeiten zeigen eine individuelle Bild-Sprache, in der bedrängende Erinnerungen und bis heute bestehende Ängste, aber auch Hoffnungen Ausdruck finden.“ Auch ehem. Frauen von Hoheneck haben sich in der Gruppe auf diesem künstlerischen  Weg geäußert.

Die Eröffnung wird durch satirische Lieder des einstigen  politischen  Häftlings Detlef Jablonski aus Berlin musikalisch begleitet: „Mit seinen Liedern gibt er seinen Erfahrungen Ausdruck und befreit sich von Sprachlosigkeit“, heißt es in der Mitteilung.

Die Ausstellung ist Bestandteil der Reihe LAkD vor Ort“,Veranstaltungswoche der Landesbehörde zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD) im Landkreis Prignitz.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie auch alle Redaktionen sind herzlich eingeladen!

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht auf der Homepage eingeräumt.
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Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen:
Unser Konto: 725004037 – BLZ: 870 540 00                                                                    Erzgebirgssparkasse
Fordern Sie einen  Aufnahmeantrag an – Wir bedanken uns herzlich im Voraus!

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© 2012 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.,

              verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

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