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Stollberg, 17.09.2015/cw – Jetzt ist es amtlich: Nach einem Bericht in der heutigen Ausgabe der Stollberger Zeitung ( http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/STOLLBERG/Zoff-um-Foerderverein-Hoheneck-Gericht-ordnet-Neuwahlen-an-artikel9304836-2.php ) hat das Amtsgericht Chemnitz für den Förderverein Gedenkstätte Hoheneck Neuwahlen angeordnet und damit den Einsprüchen gegen die letzte Wahl entsprochen. Siehe auch unseren Bericht vom 15.09. im Hohenecker Bote(n).

Die Eintragung des erst im April gewählten neuen Vorstandes war vom Registergericht abgelehnt worden. „Es sei dem Gericht nicht nachgewiesen worden, dass die Einladung zur Mitgliederversammlung am 10. April 2015 rechtmäßig erfolgt ist,“ zitiert die Zeitung. Auf der „kontrovers“ verlaufenen Mitgliederversammlung war der ein Jahr zuvor „aus gesundheitlichen Gründen“ zurückgetretene Gründungsvorsitzende Dietrich Hamann mit 19 Stimmen erneut gewählt worden, sein Stellvertreter Jens Franz hatte 13 Stimmen erhalten.

Äußerst umstritten war auch ein Antrag zur Satzungsänderung diskutiert worden, nachdem zumindest gewählte Mitglieder im Vorstand dem Verein eine sogen. Unbedenklichkeitsbescheinigung vorlegen sollten. Während sich Dietrich Hamann nach eigenem Bekunden einer Beteiligung an dieser Diskussion enthielt, nahm die einstige Leiterin des Zeitzeugenbüros in der Berliner Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Mechthild Günther, zur Überraschung vieler Anwesender gegen eine solche Satzungsänderung Stellung.

In dem Film "Es ist nicht vorbeit" (ARD) durchlebten ehemalige Gefangene als Komparsen noch einmal den Alltag von Hoheneck - Foto: LyrAg

In dem Film „Es ist nicht vorbeit“ (ARD) durchlebten ehemalige Gefangene als Komparsen noch einmal den Alltag von Hoheneck – Foto: LyrAg

Im  der Versammlung nachfolgenden teils heftigen Debatten hatte Dietrich Hamann, der in DDR-Zeiten einige Zeit auch die gefangenen Frauen in der Haftanstalt in Hoheneck mit optischen Geräten versorgt hatte, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorgelegt. Kritiker fragten allerdings, warum der anerkannte Optikermeister i.R. diese Bescheinigung nicht schon früher vorgelegt habe, zumal es sich bereits um eine Wiederholungsbescheinigung handelte. Hamann, so seine Kritiker, hätte dem Verein mit einer frühzeitigen Erklärung „unsägliche Diskussionen“ ersparen können.

Die im April als Stellvertreterin Hamanns gewählte Uta Windisch, einstige MdL/CDU in Sachsen und Pressesprecherin des Fördervereins, lehnte ggüb. der Zeitung eine Stellungnahme zu der jüngsten Entwicklung ab. Jens Franz, laut Registergericht nach wie vor amtierender Vereinsvorsitzender, hat indes die Mitglieder in einem „zweiseitigen Schreiben“ aufgefordert, bis zum 5. Oktober Vorschläge für Kandidaturen zum Vorstand einzureichen. „Das Datum ist erforderlich, damit laut Satzung der Ladungstermin eingehalten wird, um Ende Oktober die Mitgliederversammlung durchführen zu können,“ wird Franz zitiert. (1.030)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Erinnerung an eine finstere Zeit: Der einst weltberühmte Grenzübergang Marienborn, hier 2015 - Foto: LyrAg

Erinnerung an eine finstere Zeit: Der einst weltberühmte Grenzübergang Marienborn, hier im Juni 2015 – Foto: LyrAg

Marienborn/Stollberg, 30.06.2015/cw – Deutschland im Jahr 25 nach dem Einigungsvertrag. In der Gedenkstätte „Deutsche Teilung“ im ehemaligen Grenzübergang Marienborn (Helmstedt) wurde kürzlich die Ausstellung „Der Dunkle Ort“ eröffnet, in Stollberg (Erzgebirge) diffamierte unterdessen der Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte Frauengefängnis Hoheneck einstige politische Gefangene der DDR-Diktatur.

In Marienborn wurde am 17. Juni die Wanderausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung „Der Dunkle Ort“ eröffnet (bis 31. Juli). Die von Dirk von Nayhauß und Maggie Riepl nach dem gleichnamigen Buch (bebra-Verlag Berlin) konzipierte Ausstellung, in der 25 Schicksale von Frauen gezeigt werden, die zwischen 1950 und 1989 in dem einstigen Frauenzuchthaus Hoheneck aus politischen Gründen ihrer Freiheit beraubt worden waren, wurde in Anwesenheit von sieben ehemaligen Hoheneckerinnen mit einer Diskussion im vollbesetzten Veranstaltungsraum der Gedenkstätte eröffnet.

Anne Gabel, einstige SMT-Verurteilte - Foto: LyrAg

Anne Gabel, einstige SMT-Verurteilte – Foto: LyrAg

SMT- und DDR-Verurteilte

Auf dem Podium schilderten Anne Gabel und Helga Müller, beide aus Berlin angereist, ihre dunklen Erlebnisse in den Gemäuern der einstigen Burg über der Großen Kreisstadt Stollberg im Erzgebirge.

Die im Dezember 1927 geborene Gabel war im März 1947 als vermeintliches Mitglied einer Untergrundorganisation verhaftet worden. Nach 16 Monaten Untersuchungshaft (Friedrichsfelde, Prenzlauer Berg und Hohenschönhausen) wurde die 21jährige von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) zu 25 Jahren Freiheitsentzug und „Besserungsarbeitslager“ verurteilt. Über Bautzen und das einstige NS-KZ Sachsenhausen, dass von den Sowjets bis 1950 ebenfalls für die Unterbringung politischer Gefangener genutzt wurde, kam Gabel mit über 1.100 Frauen nach Hoheneck. Erst 1955, acht Jahre nach ihrer Verhaftung, wurde Anne Gabel zusammen mit 23 anderen Frauen entlassen. Nach einem kurzen Zwischenspiel im Ost-Berliner Stadtteil Lichtenberg flüchtet sie „panikartig“ in den Westteil der Stadt, nachdem drei russische Soldaten den Laden betreten hatten, in dem die junge Frau als Hilfsverkäuferin tätig war. Die gerade überwunden geglaubte Vergangenheit hatte sie wieder eingeholt.

Helga Müller, DDR-Verurteilte - Foto: LyrAg

Helga Müller, DDR-Verurteilte – Foto: LyrAg

Helga Müller, im Februar 1934 geboren, wohnte ursprünglich in West-Berlin. Nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 blieb sie bei ihrem Freund in Ost-Berlin und heiratete diesen „spontan“. Der Bau der Mauer am 13.August 1961 war für die 27jährige „ein Schock.“ Sie fühlte sich schon länger eingeengt, ihr fehlte „die individuelle Entfaltungsmöglichkeit.“ Mehrere Fluchtversuche scheitern. Im Mai 1963 schlägt die Stasi zu, Zusammen mit ihren Freunden wird sie am „Tag der Befreiung“ inhaftiert, bleibt ein Jahr in U-Haft, meist in Einzelhaft. Ein Jahr später wird Müller wegen „gemeinschaftlicher fortgesetzter planmäßiger gefährdender Hetze, Verbindung zu verbrecherischen Organisationen, Verleitung zum illegalen Verlassen der DDR“ zu vier Jahren Haft verurteilt. Auch ihr Mann wurde verhaftet und verurteilt, gelangte aber 1966 durch Freikauf in den Westen, während Helga Müller nach zwei Jahren Haft, darunter in Hoheneck zunächst nach Ost-Berlin entlassen worden war. Nachdem ihr Mann einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt hatte, konnte Müller 1967 nach West-Berlin ausreisen.

Zur Eröffnung angereist: Die ehem. Hoheneckerinnen Catharina Mäge, Birgit Krüger, Tatjana Sterneberg, Edda Sperling (v.li.) - Foto: LyrAg

Zur Eröffnung angereist: Die ehem. Hoheneckerinnen Catharina Mäge, Birgit Krüger, Tatjana Sterneberg, Edda Sperling (v.li.) – Foto: LyrAg

Moderiert wurden die dramatischen, in eine atemlose Stille referierten Schilderungen der beiden Frauen von Dr. Sascha Möbius, dem Leiter der Gedenkstätte Marienborn, und Mechthild Günther, einstige Leiterin des Archivs in der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und selbst bis zu einer Amnestie kurzfristig in Hoheneck. Im Anschluß konnten sich die knapp 100 Besucher in der von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin finanzierten und ausgeliehenen Ausstellung über weitere Schicksale in dem berüchtigten Frauenzuchthaus der DDR informieren. Catharina Mäge, Tatjana Sterneberg, beide selbst in der Ausstellung vertreten,  Birgit Krüger und Edda Sperling konnten als ehemalige Hoheneckerinnen Fragen beantworten. Sie waren ebenfalls eigens aus Berlin zur Ausstellungseröffnung angereist.

Verbale Rundumschläge in Stollberg

Ganz anders stellt sich derzeit das Geschehen am einstigen Ort der vielfältige Leiden von acht- bis zehntausend aus politischen Gründen inhaftierter Frauen dar.

Weil sie sich verliebt hatte, landete sie in  Hoheneck: Tatjana Sterneberg - Foto. LyrAg

Weil sie sich verliebt hatte, landete sie in Hoheneck: Tatjana Sterneberg – Foto. LyrAg

Der dortige Förderverein einer Gedenkstätte in Hoheneck ist seit der letzten Vorstands-Wahl in heftige Turbulenzen geraten. Im Fokus der Auseinandersetzungen im Verein steht dabei offenbar der Vorsitzende des Vereins, der sich nach einem Rücktritt „aus gesundheitlichen Gründen“ vor Jahresfrist erneut zum Vorsitzenden hatte wählen lassen. Dem Optiker-Meister und einstigen Verbandsfunktionär der Optiker-Innung wird u.a. vorgehalten, er widersetze sich einer Überprüfung auf Unbedenklichkeit, was mit der Funktion als Vereinsvorsitzender des Förderereins einer Gedenkstätte Hoheneck nicht vereinbar wäre.

Nun schlägt der Vorsitzende verbal um sich, wobei sich seine umstrittenen Angriffe ausgerechnet gegen einstige aus politischen Gründen verurteilte Menschen richten. So greift der einst in die Versorgung der gefangenen Frauen in Hoheneck mit optischen Geräten einbezogene Optiker namentlich die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg an, der er in gestreuten Mails u.a. unterstellt, möglicherweise für die Stasi gearbeitet zu haben. Auch ihrem Lebensgefährten, der einst wegen seines Einsatzes für „14.000 politische Gefangene“ in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, unterstellte der eigentlich dem Gedächtnis an Unrecht und Gewalt verpflichtete Vorsitzende eine „Umdrehung zu Gunsten der Stasi.“

1976-1977 in Hoheneck: Catharina Mäge (Mitte) schildert aufmerksamen Zuhörern ihre dunklen Erlebnisse - Foto: LyrAg

1976-1977 in Hoheneck: Catharina Mäge (Mitte) schildert aufmerksamen Zuhörern ihre dunklen Erlebnisse – Foto: LyrAg

Beobachter vor Ort sind über diese „unnötigen, weil diffamierenden Ausfälle“ des Wiedergewählten entsetzt und empört. Statt einer sachlichen Auseinandersetzung um „berechtigte Kritikpunkte“, der sich im Grundsatz „jeder Verein stellen“ müsse, würde anstelle einer Deeskalation eine „unverantwortliche Zuspitzung“ betrieben, die nicht nur dem Verein schade, längerfristige Ziele wie die Schaffung einer Gedenkstätte gefährde sondern auch geeignet sei, den Ruf von Stollberg, in dessen Grenzen sich Hoheneck befinde, zu beschädigen. Das sei nach dem vielfach beachteten Besuch des seinerzeitigen Bundespräsidenten Christian Wulff, den Sterneberg im Mai 2011 maßgeblich initiiert und programmiert hatte und dem seitherigen großen Engagement der Stadtspitze unter Führung von Marcel Schmidt „nicht mehr nachvollziehbar.“

Tatjana Sterneberg, die seinerzeit eigens den Optikermeister zum Besuch des Bundespräsidenten eingeladen hatte: „Hier muß dringend ein Runder Tisch vor Ort her, die Konflikte ausdiskutiert werden.“ Jede Verlängerung dieser „die Grenzen des Anstandes überschrittenen Auseinandersetzung“ schade unserem gemeinsamen Anliegen der Schaffung einer würdevollen Gedenkstätte in Hoheneck, so die engagierte einstige Hoheneckerin (1974 –1976). Sterneberg hat inzwischen den Vereinsvorstand aufgefordert, sich für die „verbalen Entgleisungen“ zu entschuldigen. (1.005)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Von Tatjana Sterneberg*

Stollberg-Hoheneck/Berlin, 17.04.2015 – Als ehemalige politische Gefangene im DDR-Frauengefängnis Hoheneck / Stollberg verfolge ich die Entwicklung der zukünftigen Gedenkstätte.

Mit Befremden musste ich nun zur Kenntnis nehmen, dass der „Förderverein – Gedenkstätte Stollberg – Haftanstalt Hoheneck e.V.“ auf seiner jüngsten Mitgliederversammlung eine Überprüfung der Mitglieder auf eine mögliche Stasi-Mitarbeit abgelehnt hat.

In der Satzung des Vereins ist dazu in § 3 formuliert: „5. Der Verein kann eine persönliche Erklärung verlangen aus der hervorgeht, dass der Antragsteller nicht Mitglied einer nazistischen Organisation war und nicht stasibelastet ist. In Zweifelsfällen entscheidet der Vorstand. 6. Die Aufnahme kann verweigert werden, wenn diese den Interessen des Vereines entgegen steht. 7. Die Entscheidung über die Aufnahme erfolgt durch den Vorstand.“ (Unterstreichungen durch Autorin.)

Im Antragsformular zur Aufnahme in den Verein wird die „Freiwilligkeit“ entsprechender Angaben postuliert. Darin wird zwar nach einer früheren Tätigkeit * „als IM, Mitarbeiter oder ähnlich für die Stasi“ gefragt, aber hinzugefügt: „Alle mit *(Sternchen) gekennzeichneten Fragen sind keine Pflichtangaben und beruhen auf Freiwilligkeit“.

Während die Frauen, die als Zeitzeuginnen beispielsweise über das Koordinierende Zeitzeugenbüro der Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin tätig sein wollen oder tätig sind, sich einer Überprüfung durch die BSTU unterziehen müssen, können sich also ehemalige Täter im Förderverein Stollberg – Haftanstalt Hoheneck e.V. nach diesem Votum und lt. Aufnahmeantrag verbergen, bleiben zumindest über diesen Weg unerkannt. Ein Schlag ins Gesicht der einstigen Opfer und Toten von Hoheneck, wie er schlimmer nicht sein kann.

Warum setzte sich die ehemalige Leiterin des Zeitzeugenbüros in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Mechthild Günther, auf besagter Versammlung vehement gegen eine Überprüfung ein? War sie vielleicht emotional durch ihre Dankbarkeit für den kurzzeitigen Aufenthalt in Hoheneck wegen der damaligen Amnestie befangen?

Wer oder was veranlasste den Vorsitzenden, seinerzeit ein solches noch immer unverändertes Aufnahmeformular zu entwerfen? Waren oder sind seine einstigen vertraglichen Bindungen als Lieferant von optischen Hilfsmitteln an das ehemalige Frauenzuchthaus Hoheneck / Stollberg wohlmöglich emotional ausschlaggebend?

Man wird ja doch mal fragen dürfen, vielleicht sogar fragen müssen. (972)
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* Die Autorin wurde 1973 durch das MfS verhaftet, weil sie sich in einen in West-Berlin lebenden Italiener verliebt hatte. 1974 wurden die Verlobten zu hohen Haftstrafen verurteilt. Sterneberg verbüßte ihre Haft von 1974 bis 1976 in Hoheneck.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder Autorin:                    0176-5111 3680

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

 

       Nr.020                      Förderverein – Info             15. August 2013           

Frauen von Hoheneck kämpfen um  ihren  Verein

Hoheneck/Stollberg, 15.08.2013/cw – Viele ehemalige Frauen von Hoheneck wollen  sich mit dem „ausgerufenen Grabgesang“ um ihren Verein nicht abfinden. Wie berichtet, hatte eine umstrittene „Außerordentliche Versammlung“ am 4. Mai nahe des einstigen berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses die Auflösung des einst von Maria Stein gegründeten und von Margot Jann bis 2009 geführten  Vereins beschlossen.

Uns allen rollen die Tränchen runter

Zuvor hatte sich Edda Schönherz unter ebenso fragwürdigen  rechtlichen Grundlagen noch zur neuen Vorsitzenden wählen lassen, nachdem der alte Vorstand nach Vorwürfen gegen die bisherige Vorsitzende seinen Rücktritt erklärt hatte. Zur Auflösung hatte Schönherz vor der Abstimmung laut schriftlicher Aufzeichnung erklärt: „ … uns allen rollen die Tränchen runter….“, was im  Nachhinein große Verbitterung unter den Mitgliedern ausgelöst hatte. Eine Hoheneckerin: „Wenn man schon den Willen hat, die Erinnerung an unsere Leiden an die Wand zu fahren, dann braucht man darüber nicht diesen völlig unangebrachten Spott zu verbreiten.

Vorstand „Testamentsvollstrecker“, Stiftung „Liquidator“

Auch Konstanze Helber verursachte mit ihrem im Stacheldraht, dem Mitteilungsorgan des Dachverbandes UOKG verbreiteten Äußerungen zum Treffen der ehemaligen Hoheneckerinnen Unmut und Empörung. Helber hatte u.a. berichtet, der „neue Vorstand setzt die laufende Arbeit kontinuierlich fort mit allen Kooperationspartnern und erledigt die Abwicklung des Auflösungsbeschlusses“ (Nr. 4, Seite 13). Wie die bisherige Arbeit des Vereins kontinuierlich unter der Erledigung der Abwicklung des Auflösungsbeschlusses fortgesetzt werden soll, bleibt Helbers Geheimnis.

Am Mahnmal für Horst Frank in  Berlin sprachen am 13. August auf ein er Gedenkveranstaltung der CDU die Hoheneckerinnen Birgit Krüger (2.v.r.) und Monika Schneider (1.v.r.) - Foto: LyrAg

Am Mahnmal für Horst Frank in Berlin sprachen am 13. August auf einer Gedenkveranstaltung der CDU die Hoheneckerinnen Birgit Krüger (2.v.r.) und Monika Schneider (1.v.r.) – Foto: LyrAg

Jetzt haben sich Vereinsmitglieder entschlossen, um  ihren Verein zu kämpfen und sich erneut an das Registergericht Darmstadt gewandt. Ziel ist die Existenz-Sicherung des Vereins und die Fortsetzung der „unverzichtbaren  Arbeit angesichts der positiven Entwicklung in Richtung einer immer angestrebten  Gedenkstätte in Hoheneck,“ erklärte Regina Labahn als Sprecherin der Initiative der Hoheneckerinnen. Und Tatjana Sterneberg, die sich zusammen mit Regina Labahn namens der Frauen an das Registergericht gewandt hat, ergänzt: „Wir dürfen unser Schicksal nicht in  die Hände von Menschen legen, die offenbar völlig andere Interessen vertreten, als der bisherige Verein.“ So hatte zur Überraschung vieler Frauen Mechthild Günther den  neuen Vorstand zu „Testamentsvollstreckern“ des Vereins und die Stiftung Aufarbeitung zum „Liquidator“ ausgerufen. Günther war seinerzeit aufgrund einer Amnestie nach ihrer Verurteilung wenige Tage im sogen. „Zugang“ in Hoheneck, bevor sie in die Bundesrepublik entlassen wurde. Günther leitet das Zeitzeugenarchiv in  der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin.

Auflöser votierten bereits gegen  die Eintragung ins Register

Sterneberg bezog sich bei ihrer Äußerung wohl auch auf die Akteneinsicht beim Registergericht Darmstadt. Zu ihrem Erstaunen hatte die einstige Hoheneckerin diverse Schreiben, u.a. auch von Helber an das Registergericht vorgefunden, in denen sich die Absender noch 2012 vehement gegen die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister ausgesprochen hatten. Sterneberg: „Es stimmt sehr nachdenklich, wenn ausgerechnet diese Gegner einer Eintragung, die Voraussetzung für diverse staatliche Förderungen ist, jetzt zu den Vorreitern einer Vereinsauflösung gehören.“ Labahn  und Sterneberg sind überzeugt, dass den Mitgliedern diese Zusammenhänge vorenthalten werden, um „ungestört die offensichtlich geplante Torpedierung  jahrzehntelanger Arbeit des Vereins zu verschleiern.“

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Bewegendes WORKUTANER-Treffen in Berlin

Berlin, August 2013/cw – Zu ihrem alljährlichen Treffen unter Leitung des Vorsitzenden Horst Schüler kamen rund dreißig ehemalige Workutaner Anfang August in Berlin  zusammen. Es kam zu bewegenden Begegnungen zwischen den immer weniger werdenden und ins hohe Alter gekommenen einstigen Strafgefangenen und Zeitzeugen der einstigen  „Hölle von Workuta“, einem Zentrum der berüchtigten Straflager in der einstigen UdSSR. Das Treffen wurde wesentlich von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert.            Aufsehen erregte ein  Antrag, aus dem Dachverband UOKG auszutreten, solange dieser einen Vorsitzenden toleriere, der u.a. Juden „als Knechte Satans“ bezeichne.

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Tag des Denkmals erstmals in Hoheneck

Hoheneck/Stollberg, 15.08.2013/cw – Erstmals werden im ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck aus Anlass des bundesweiten Tag des Denkmals am 8. September Führungen angeboten. Wie der (zweite) Förderverein „Gedenkstätte Hoheneck“ mitteilte, sind ab sofort Anmeldungen beim Bürgerservice im Rathaus Stollberg (Tel. 037296-940) möglich, da die Teilnehmerzahl an den jeweiligen  Führungen aus organisatorischen Gründen begrenzt ist.

Vor Ort sollen auch Zeitzeugen  zur Verfügung stehen. Führungen sind zu folgenden Zeiten vorgesehen: 11:00, 11:20, 11:40 Uhr – 14:30, 14:50, 15:10 Uhr – 17:00, 17:20, 17:40 Uhr (Dauer ca. 75 Minuten). Im Anschluss besteht Gelegenheit zu Gesprächen mit Vertretern der BStU-Außenstelle Chemnitz und zur Ansicht eines Dokumentarfilms.

Ausstellung in  Pforzheim

Ausstellung in Pforzheim

 Ausstellung „Der Dunke Ort“

Die Ausstellung „Der Dunkle Ort“ über Schicksale der Frauen von Hoheneck wird vom 25.09. bis 28.10. in Pforzheim (Lichthof, Altes Rathaus) gezeigt. Eröffnung 18:00 Uhr; Einführung: Mechthild Günther, Berlin.

Ab 21.10. (19:00 Uhr) ist die von der Heinrich-Böll-Stiftung geschaffene und von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderte Ausstellung in  Rastatt zu sehen. Einzelheiten lagen bei Redaktionsschluss für diese Ausgabe noch nicht vor.

Letzte Meldung:

Kritik an Sanierungsplan für Hoheneck

Hoheneck, 15.08.2013/ts – Kurz nach Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht über einen  Beitrag im MDR-Sachsenspiegel vom 13.08.2013, in  dem u.a. Siegfried Reiprich eine Finanzierung der Gedenkstätte seitens seiner Stiftung infrage stellt:

http://www.ardmediathek.de/mdr-sachsen/sachsenspiegel/kritik-an-sanierungsplan-fuer-hoheneck?documentId=16470818

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht auf der Homepage eingeräumt.

     Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen: 

Unser Konto: 725004037 – BLZ: 870 540 00

Erzgebirgssparkasse  

Fordern Sie einen Aufnahmeantrag an: c/o Vorsitzende T.Sterneberg, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Förderverein  BuG e.V., Tel.: 030-30207778

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

             Nr.019                          Förderverein – Info                15. Juli 2013

Aufruf Hohenecker Frauen:

Zukunft bedarf der Erinnerung – Rettet das Vermächtnis

Stollberg/Berlin, 15.07.2013/ts – Wie berichtet, wurde unter rechtlich fragwürdigen  Umständen auf einer umstrittenen „Außerordentlichen Versammlung“ des Vereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ am 4. Mai ein Beschluss über die Auflösung des Vereins gefasst, der noch 2011 zu seinem 20jährigen Bestehen den Bundespräsidenten auf Hoheneck begrüßen durfte. Während die Satzung im § 12 eindeutig eine Mehrheit von 75 Prozent für einen Auflösungsbeschluss vorschreibt, stimmten der Auflösung lediglich 17 der anwesenden 20 Mitglieder zu, davon allein 7 Mitglieder des zuvor gewählten neuen Vorstandes.

Die Wiege des Vereins - Ehem. Gaststätte "Hoheneck" von Maria Stein in Lützelbach - Foto: LyrAg

Die Wiege des Vereins – Ehem. Gaststätte „Hoheneck“ von Maria Stein in Lützelbach – Foto: LyrAg

Inzwischen sind sich die Initiatoren der Auflösung ihrer Sache wohl nicht mehr sicher, denn neun Wochen  nach den durchgeführten drei Versammlungen lagen dem zuständigen  Registergericht bis auf die Anmeldung der neuen Vorstandsvertretung weder Protokolle noch Beschlüsse der Versammlung vor. Der noch vom  alten Vorstand bemühte Rechtsanwalt übermittelte dem Gericht allerdings seine Bedenken, ob der Auflösungsbeschluss satzungskonform sei.

Nun haben zwölf Frauen aus dem Verein der ehemaligen  Hoheneckerinnen die Initiative ergriffen und sowohl gegen den Auflösungsbeschluss wie gegen die Wahl des neuen Vorstandes Rechtsmittel eingelegt. In einem Aufruf an ihre Haftkameradinnen heißt es u.a.: „Es geht hier nicht allein um  rechtliche Auseinandersetzungen. Es geht um  das Vermächtnis der 2002 verstorbenen Vereinsgründerin Maria Stein und ihrer verdienten Nachfolgerin Margot Jann, das vor dem Zugriff sachfremd agierender Personen gerettet werden“ müsse. Man empfinde es in diesem Sinn als „kontraproduktiv, wenn sich jetzt Frauen um die Auflösung bemühten, die bereits „aktiv gegen den Antrag auf Eintragung des Vereins beim Registergericht gegen den Willen des seinerzeitigen  Vorstandes“ votiert hätten. Das würden Schreiben u.a. von Constanze H., Sylvia O. und Ute St. in den Registerakten belegen. Mit der Eintragung sollte immerhin die Rechtsfähigkeit des Vereins hergestellt werden, um  an der sich abzeichnenden Gestaltung einer Gedenkstätte im ehem. Frauenzuchthaus mitwirken zu können.

Juli 2013: Das Grab von Maria Stein - Foto: LyrAg

Juli 2013: Das Grab von Maria Stein (Mitte)               Foto: LyrAg

Nicht jene, die gegen die Rechtsfähigkeit und jetzt für die Auflösung votiert haben, vertreten die Interessen des Vereins sondern „jene Frauen, die gegen das Vergessen antreten und das Vermächtnis der andauernden Erinnerung an die Leiden von nahezu 10.000 politisch verfolgter Frauen auf Hoheneck wach halten wollen,“ heißt es in dem Aufruf. „Die Zukunft bedarf der Erinnerung,“ schreiben die Frauen und appellieren an die einstigen Haftkameradinnen, sich der „gemeinsamen Verantwortung für unseren Verein“ zu stellen.

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Weiter Klärungsbedarf in Sachen der Anita G.

Berlin-Hohenschönhausen/Hoheneck, 15.07.2013/cw – In Sachen der vom Hohenecker Boten aufgedeckten „Unstimmigkeiten“ in der Vita der einstigen  Hoheneckerin Anita G. besteht weiter Klärungsbedarf. Die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen hatte auf Anfrage signalisiert, Einblick in die dortigen  Unterlagen zu gewähren, sofern „ein Einverständnis der Betroffenen (Anita G.)“ vorliege. Trotz mehrfacher Bitten wurde dieses Einverständnis nicht erteilt. Die Gedenkstätte war in den Fokus der Aufklärung über die fragliche Vita gekommen, weil die mit der Erfassung von Zeitzeugenberichten befasste Historikerin und vormalige Direktorin Mechthild Günther auf  der Mitgliederversammlung der ehemaligen  Hoheneckerinnen zu den Veröffentlichungen des HB  geäußert hatte, sie kenne die Unterlagen „seit zehn  Jahren.“ Damit hatte Günther missverständlich den Eindruck vermittelt, sie habe gegen die Darstellungen der Anita G. im Gegensatz zu den diskutierten Veröffentlichungen im HB  „keine Bedenken.“ Auf Nachfrage der Redaktion  stellte die Historikerin inzwischen klar:

 Mir sind in diesem Rahmen seit mehreren Jahren auch einige archivische Unterlagen zur Haftgeschichte von Frau G…  bekannt geworden. Allerdings handelt es sich dabei offensichtlich nicht um die unten angeführten  „fraglichen Unterlagen“, die wohl  eine Grundlage  für Ihre Veröffentlichung waren. Nach meiner Kenntnis wurden – unabhängig von der Sammlung der Gedenkstätte –  von mehreren Autoren bisher ausschließlich persönliche Erinnerungsberichte von Frau G…  publiziert.  

Anita G., die in Zwönitz mitsamt des ganzen bisherigen Vorstandes ihren Rücktritt erklärt hatte, schweigt sich allerdings weiter aus. Dabei wäre eine Mitwirkung an der Aufklärung über die tatsächlichen  Abläufe  um ihre damalige Verhaftung und Verurteilung für alle Beteiligten hilfreich. Weniger hilfreich erscheint die fragwürdige Schützenhilfe aus der UOKG, deren Vorstandsmitglied Anita G. nach wie vor ist. Der UOKG-Vorsitzende und in die Kritik geratene Prediger Rainer Wagner bedauerte die der Lüge Bezichtigte als „alte Kameradin Anita G.“, während er den Autor der Veröffentlichung wegen dessen „Verfehlungen“, die dieser „nicht bereue“ freimütig und in der „Pflicht seines kirchlichen Amtes“ als „Knecht Satans“ bezeichnete. Dieser sei „in menschlich unerträglicher Weise gegen andere“ vorgegangen. Zu den behaupteten Lügen und der teilweisen Veröffentlichung aus einer Hakenkreuz-Broschüre (,HB vom 15.06.2013) die in den Unterlagen der Anita G. gefunden wurde, äußerte sich Wagner hingegen  nicht; auch eine Hinterfragung erschien dem theokratisch ausgerichteten Vorsitzenden der UOKG nicht notwendig.

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Aus den Verbänden:

Der UOKG-Vorsitzende Rainer Wagner hat in einer Presseerklärung des Verbandes vom 7. Juli angekündigt, nur im Falle einer notwendigen Förderung des Verbandes erneut für das Amt des „Bundesvorsitzenden“ am 3. November anzutreten: „Wir benötigen die konkrete Aussicht auf institutionelle Förderung. Ansonsten wird die Stimme der Opfer bedeutungsloser werden.“ Es wäre „verantwortungslos, die Aufgaben des Bundesvorsitzenden in der bisherigen Form weiterzuführen.“                                                        <<<>>>

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Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung mussten wir an dieser Stelle einige Sätze aus dem Artikel herausnehmen. Wir haben gegen  die vom Landgericht Berlin erwirkte einstweilige Unterlassung Rechtsmittel eingelegt. Die Redaktion, 8.09.2013

und nachmalige Gründer eines „DDR-Opfer-Hilfe“-Vereins und eines „BSV- Landesverband Sachsen“ will am 16. Juli als „studentischer Aktivist in der Oppositionsbewegung von 1989/90“ auf einem Podium der ehrwürdigen Katholischen Universität Eichstätt bei Ingolstadt in Bayern auftreten.

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Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein und/oder > Hohenecker Bote) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt. Fotos/Dokumente dieser Ausgabe nur im Internet.             © 2013 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

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