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Verdienstorden des Landes NRW für Ellen Thiemann

Berlin/Düsseldorf/Hoheneck, 5.11.2011/cw – Vor der Ausstrahlung des Spielfilmes Es ist nicht vorbei in der ARD am kommenden Mittwoch, 9. November um 20:15 Uhr, erhält die ehemalige politische Gefangene des einstigen DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck, Ellen Thiemann, eine hohe Auszeichnung. Der Spielfilm mit Anja Kling, Tobias Oertel und Ulrich Noethen ist den Frauen von Hoheneck gewidmet und schildert ein aus vielen Tatsachen zusammengefügtes fiktives Schicksal einer Frau, die viele Jahre nach dem schrecklichen  Erlebnis mit der Vergangenheit konfrontiert wird.

Neben Thiemann werden u.a. die Mitglieder der Frauen-Nationalmannschaft des DFB aus Nordrhein-Westfalen, Richard Oetker und weitere Persönlichkeiten mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übereicht die Auszeichnungen am Montag, 7.11., ab 15:00 Uhr in der Staatskanzlei in Düsseldorf (11. Etage West). Siehe presse@stk.nrw.de.

Thiemann war viele Jahre nach ihrer Entlassung aus der DDR-Haft Ressort-Leiterin und Redakteurin des Kölner Express, wo sie u.a. viel beachtete Reportagen und politische Serien (oft über Tage und Wochen) um die Wiedervereinigung Deutschlands und deren Protagonisten im Vorder- und Hintergrund schrieb.

Thronte drohend über der Stadt Stollberg: Das Frauenzuchthaus Hoheneck - Foto: LyrAg

Weit über die Domstadt hinaus wurde Thiemann auch bekannt durch ihre Buchveröffentlichungen, so Stell dich mit den Schergen gut, Herbig, München 1984, eine Erweiterung Stell dich mit den Schergen gut – Meine Wiederbegegnung mit dem Zuchthaus Hoheneck, 1990 ebda., Der Feind an meiner Seite – Die Spitzelkarriere eines Fußballers, Herbig, München 2005, (Geleitwort  Joachim Gauck) / Neuauflage 2011 ebda. und Der Lange Arm der Stasi, MM-Verlag Aachen 2009, mit Beiträgen von Karl-Wilhelm Fricke und Chaim Noll.

In dem Dokumentarstreifen, der unmittelbar im Anschluss an den Spielfilm (21.45 Uhr) ebenfalls in der ARD gezeigt wird, werden neben dem Schicksal zweier anderer Frauen auch das von Thiemann gezeigt, das sie schließlich nach ihrer Verurteilung (versuchte Republikflucht) in die Haft nach Hoheneck führte.

von rechts: Bundespräsident Chr. Wulff, Ellen Thiemann, Margot Jann im Mai 2011 auf Hoheneck – Foto: privat

Im  Frauenkreis der ehemaligen  Hoheneckerinnen, deren Mitglied „aus Überzeugung“ die Autorin ist, wird die Auszeichnung lebhaft begrüßt und als ein weiterer Schritt aus dem Vergessen der vielfach gepeinigten  Frauen im einzigen DDR-Frauenzuchthaus gesehen. Die Verleihung sei ein wichtiges Signal in die richtige Richtung. Seit dem Besuch des Bundespräsidenten im Mai stehe verstärkt das Bemühen um die Errichtung einer Begegnungs- und Gedenkstätte in Hoheneck im Vordergrund. Der bevorstehende Filmabend wie die jetzt bekannt gewordene Auszeichnung an eine engagierte Frau sei geeignet, dieses Anliegen auch in die Öffentlichkeit zu transportieren.

In der Vergangenheit hatten bereits mehrere Frauen, unter ihnen die langjährige Vorsitzende des Frauenkreises, Margot Jann (im Bild links), ebenfalls hohe staatliche Auszeichnungen  erhalten.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Kommunismus-Opfer empört über Gedenkstätten-Dogmatismus

Plakat der UOKG: "SIE IST morSCH + MUSS HIER RAUS!"

Potsdam, 5.02.2011/cw – Rund 25 Personen waren dem Aufruf des Gedenkstättenvereins und der  Zeitzeugen-Initiative gefolgt, vor dem ehem. KGB-Gefängnis in der Potsdamer Leistikowstraße gegen die Gedenkstätten-Politik der Leiterin Dr. Ines Reich mit einer Mahnwache zu protestieren.

Grund der berechtigten Empörung: Die Gedenk- und Begegnungsstätte hatte unlängst angekündigt, das Haus ab September für mindestens sechs Monate schließen zu wollen, um eine (immerhin seit 2009 geplante) Ausstellung zu installieren. Die Eröffnung der Ausstellung sei für Mai 2012 geplant.

Verein und Zeitzeugen bringen diese Pläne buchstäblich „auf die Palme“, so Initiativen-Sprecher Dirk Jungnickel. Und Vereins-Vorsitzender Buchner kritisiert die „mangelnde Einbeziehung des Vereins in die Planungen“ und den „eklatanten  Widerspruch zu bisherigen Ankündigungen  und Zusagen“.

Empört: Regisseur und zweiter Sprecher der Zeitzeugen-Initiative Dirk Jungnickel

In der Tat hatte die Leitung der Gedenkstätte bereits im Juli 2009, so ein Bericht u.a. in den Potsdamer Nachrichten, den Aufbau einer Ausstellung angekündigt. Die seinerzeitige Ministerin in Brandenburg, Prof. Johanna Wanka (CDU), hatte das Projekt „Leistikowstraße“ maßgeblich gefördert und war eigens aus Hannover, wo sie seit 2010 dem Niedersächsischen  Kabinett angehört, angereist, um den Protest durch ihre wenn auch terminlich bedingte kurze Anwesenheit zu unterstützen. Ebenfalls zum Protest vor Ort: Margot Jann, Ehrenvorsitzende des Frauenkreises ehemaliger Hoheneckerinnen und Anita Goßler, stv. Vorsitzende im Frauenkreis und der UOKG. Carl-Wolfgang Holzapfel vertrat die Vereinigung 17. Juni und repräsentierte – als einfaches Mitglied – die VOS, die mit einer Presseerklärung den Protest unterstützt hatte.

Dem lautstarken Protest vor dem Ausstellungs-Bungalow schloss sich ein heftiges Gespräch mit dem Staatssekretär im Kultusministerium Martin Gorholt (SPD) im Bungalow an. Gorholt, einst Bundesgeschäftsführer der SPD, hatte eine bewegte parteipolitische Vergangenheit. So arbeitete er eng mit seinem Genossen Kajo Wasserhövel zusammen, der der traditionell-marxistischen Minderheitsströmung der Juso-Hochschulgruppen angehörte.

Protestanten: T.Sterneberg, Anita Goßler, Wolfgang und Margot Jann (von links)

Der SPD-Politiker hörte sich geduldig die teilweise heftig und an Wut-Ausbrüche erinnernde Kritik an, lehnte aber den geforderten Rücktritt oder gar die Abberufung von Ines Reich („Es reicht – Frau Reich!!!“) kategorisch ab: Das stände nicht zur Debatte. So wurde denn auch die „mangelnde Sensibilität“ im Umgang mit den Verfolgten der kommunistischen Diktatur angemahnt, was vergleichbar „Gott sei Dank“ im Umgang mit den Opfern der NS-Diktatur längst der Vergangenheit angehöre. Die anwesende Vertreterin von „Memorial Deutschland“ kritisierte wie andere Teilnehmer die „Beseitigung der bereits vorhandenen Ausstellung“ von Memorial und die mangelnde Bereitschaft, diese in das Ausstellungskonzept zu integrieren.

Wortmeldung: T. Sterneberg (darüber im Bild: Gisela Kurze, Vertreterin von MEMORIAL Deutschland

Auch könne diese Ausstellung „bis zur Fertigstellung der geplanten“ den Besuchern präsentiert werden, forderte Vereinsvorsitzender Buchner. Der Geschäftsführer der Gedenkbibliothek im Nikolai-Viertel Berlin, Thomas Dahnert, wurde neben anderen Anwesenden deutlicher und warf dem Staatssekretär unter Beifall vor, dieser „sei ein Lügner“.  Dahnert erinnerte an die Zusage, bis Mai 2010 die Ausstellung zu installieren. „Wir schreiben das Jahr 2011 und sehen uns neuen Ankündigungen für 2012 ausgesetzt. Wer glaubt Ihnen denn noch?“

Tatjana Sterneberg vom Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen erinnerte an die fatale Äußerung von Prof. Morsch am gleichen  Ort vor einem Jahr, als dieser die Zeitzeugen als „die schlimmsten Feinde des Historikers“ bezeichnet hatte und mahnte ebenfalls einen anderen Umgang mit den „immer weniger werdenden Zeitzeugen“ an. In  diesem Zusammenhang erinnerte Pfarrer Christian Albroscheit, der sich in den vergangenen Jahren aktiv an der Durchsetzung der Gedenkstätte beteiligt hatte, an die vorhandenen „jüngsten Zeitzeugen, die bereits alle 80 Jahre alt“ seien: „Wenn wir mit diesen Zeitzeugen noch arbeiten wollen, dann haben wir keine Zeit für weitere Verzögerungen!“  Und Lothar Scholz, ehemaliger Workutianer, zeigte sich empört über den gezeigten „Gedenkstätten-Dogmatismus der Gedenkstätten-Verteter“.

von links: Staatssekretär Martin Gorholt, Pressesprecher Severens, Beiratsvor. (Pfarrer) Vogel

Warum Ines Reich sich nicht selbst dem Protest stellte, diese Frage blieb unbeantwortet. Die umstrittene Leiterin, die nicht zum  ersten Mal durch ihre „unversöhnliche Haltung  gegenüber den Protagonisten und Zeitzeugen“ der Einrichtung aufgefallen sei, wende ihre Zeit „zu vielen anderen Aufgaben zu, statt sich um das Anliegen Leistikowstraße zu bekümmern“, wie Teilnehmer kritisierten.

So sei es fraglich, ob zum Beispiel die Präsentation einer Online-Ausstellung über „Die Geschichte der Brandenburgischen Frauenhilfe“ unter dem Signum der Gedenk- und Begegnungsstätte vorrangiger sei als die Umsetzung der Anliegen einstiger politischer Insassen des KGB-Gefängnisses.

Während Staatssekretär Gorholt weitere Gespräche „in nächster Zeit“ und die Überprüfung des beabsichtigten Schließungszeitraumes „in Richtung einer möglichen Verkürzung“ ankündigte, waren sich die meisten Teilnehmer auch nach dem heftigen Gedankenaustausch in Anwesenheit des Pressesprechers der Gedenkstätte, Seferens, einig: Ines Reich habe das Vertrauen der Zeitzeugen verspielt:  „Die Spitze muss ausgetauscht werden!“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Fotos: © 2011 LyrAg / Vereinigung 17. Juni

Vorsitzende der ehemaligen Hoheneckerinnen erhielt Bundesverdienstkreuz

19./23.11.2008/cw – Wie vorab berichtet, erhielt die Vorsitzende des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen, Margot Jann (82), gestern in Teltow das Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Landrat Lothar Koch würdigte in Anwesenheit zahlreicher ehemaliger politischer Häftlinge des berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck die „sozialen Verdienste“ der Geehrten um die „Integration und notwendige Hilfe“ für ihre Kameradinnen, die diese nach einer schweren Zeit hinter Zuchthausmauern „dringend benötigten.“

Die in Großröhrsdorf geborene Margot Senf, verheiratete Jann, wurde gleich vielen Schicksalsgenossen bereits 1945 von den Sowjets verhaftet und wegen einer angeblichen Beteiligung und Mitarbeit in einer „geheimen Jugendorganisation“ von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) zum Tode verurteilt. Es ist kaum nachvollziehbar, welche psychische Tortur eine 19jährige allein durch ein solches Urteil durchleiden musste. Aber der Leidensweg war keineswegs mit diesem Urteil beendet. Zwar wurde Jann kurz darauf zu 10 Jahren Zwangsarbeit „begnadigt“, der Weg durch die Haftanstalten Bautzen, Sachsenhausen und schließlich Hoheneck blieb der jungen Frau nicht erspart. Zum 1. Jahrestag der DDR wurde sie zusammen mit anderen Inhaftierten endlich 1950 vorzeitig aus dem Martyrium entlassen. Die Sowjets wie später auch die DDR benötigten für ihre oft nicht nachvollziehbaren Ad-hoc-Entscheidungen eine Begründung mehr für die eigene Administration als für den Betroffenen.

In der DDR hatte Margot Jann keine Möglichkeiten, Kontakte zu ehemaligen Haft-Kameradinnen zu pflegen geschweige denn, sich für diese sozial zu engagieren. Das holte die zwischenzeitlich 64 Jahre alt Gewordene nach der Wiedervereinigung mit um so mehr Elan nach. Während andere sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückzogen, nahm Margot Jann Verbindung zu Maria Stein auf, die bereits zahlreiche Kontakte zwischen ehemaligen Hoheneckerinnen angebahnt hatte. So wurde im April 1991 der besagte Frauenkreis gegründet. Nach dem Tod von Maria Stein übernahm Jann 2002 den Vorsitz.

Neben den von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderten Jahrestreffen am „Fuße der Burg“, wie das ehemalige Zuchthaus noch heute genannt wird, förderte die Geehrte die Arbeit der Gedenkstätte Sachsenhausen, wurde u.a. Mitglied im Beirat der Brandenburgischen Gedenkstätten, initiierte eine viel beachtete Dauer-Ausstellung über die „Frauen von Hoheneck“ in Stollberg und eine Wander-Ausstellung über die „Kinder von Hoheneck“, die unter anderem in der Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin zu sehen ist.

Der Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Sachsen, Michael Beleites, gratulierte der ob der Auszeichnung sichtlich bewegten Margot Jann ebenso wie der stellvertretende Bundesvorsitzende der VOS, Carl-Wolfgang Holzapfel, Frau Gleinig von der Stiftung „Aufarbeitung SED-Unrecht“, Frau Röhr von der Friedrich-Ebert-Stiftung und weitere zahlreich erschienene Verbandsvertreter, so der stellvertretende Vorsitzende der UOKG (Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft) Lothar Scholz. (Siehe auch Fotos in der Anlage).

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 – 017648061953

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