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Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

 

       Nr.020                      Förderverein – Info             15. August 2013           

Frauen von Hoheneck kämpfen um  ihren  Verein

Hoheneck/Stollberg, 15.08.2013/cw – Viele ehemalige Frauen von Hoheneck wollen  sich mit dem „ausgerufenen Grabgesang“ um ihren Verein nicht abfinden. Wie berichtet, hatte eine umstrittene „Außerordentliche Versammlung“ am 4. Mai nahe des einstigen berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses die Auflösung des einst von Maria Stein gegründeten und von Margot Jann bis 2009 geführten  Vereins beschlossen.

Uns allen rollen die Tränchen runter

Zuvor hatte sich Edda Schönherz unter ebenso fragwürdigen  rechtlichen Grundlagen noch zur neuen Vorsitzenden wählen lassen, nachdem der alte Vorstand nach Vorwürfen gegen die bisherige Vorsitzende seinen Rücktritt erklärt hatte. Zur Auflösung hatte Schönherz vor der Abstimmung laut schriftlicher Aufzeichnung erklärt: „ … uns allen rollen die Tränchen runter….“, was im  Nachhinein große Verbitterung unter den Mitgliedern ausgelöst hatte. Eine Hoheneckerin: „Wenn man schon den Willen hat, die Erinnerung an unsere Leiden an die Wand zu fahren, dann braucht man darüber nicht diesen völlig unangebrachten Spott zu verbreiten.

Vorstand „Testamentsvollstrecker“, Stiftung „Liquidator“

Auch Konstanze Helber verursachte mit ihrem im Stacheldraht, dem Mitteilungsorgan des Dachverbandes UOKG verbreiteten Äußerungen zum Treffen der ehemaligen Hoheneckerinnen Unmut und Empörung. Helber hatte u.a. berichtet, der „neue Vorstand setzt die laufende Arbeit kontinuierlich fort mit allen Kooperationspartnern und erledigt die Abwicklung des Auflösungsbeschlusses“ (Nr. 4, Seite 13). Wie die bisherige Arbeit des Vereins kontinuierlich unter der Erledigung der Abwicklung des Auflösungsbeschlusses fortgesetzt werden soll, bleibt Helbers Geheimnis.

Am Mahnmal für Horst Frank in  Berlin sprachen am 13. August auf ein er Gedenkveranstaltung der CDU die Hoheneckerinnen Birgit Krüger (2.v.r.) und Monika Schneider (1.v.r.) - Foto: LyrAg

Am Mahnmal für Horst Frank in Berlin sprachen am 13. August auf einer Gedenkveranstaltung der CDU die Hoheneckerinnen Birgit Krüger (2.v.r.) und Monika Schneider (1.v.r.) – Foto: LyrAg

Jetzt haben sich Vereinsmitglieder entschlossen, um  ihren Verein zu kämpfen und sich erneut an das Registergericht Darmstadt gewandt. Ziel ist die Existenz-Sicherung des Vereins und die Fortsetzung der „unverzichtbaren  Arbeit angesichts der positiven Entwicklung in Richtung einer immer angestrebten  Gedenkstätte in Hoheneck,“ erklärte Regina Labahn als Sprecherin der Initiative der Hoheneckerinnen. Und Tatjana Sterneberg, die sich zusammen mit Regina Labahn namens der Frauen an das Registergericht gewandt hat, ergänzt: „Wir dürfen unser Schicksal nicht in  die Hände von Menschen legen, die offenbar völlig andere Interessen vertreten, als der bisherige Verein.“ So hatte zur Überraschung vieler Frauen Mechthild Günther den  neuen Vorstand zu „Testamentsvollstreckern“ des Vereins und die Stiftung Aufarbeitung zum „Liquidator“ ausgerufen. Günther war seinerzeit aufgrund einer Amnestie nach ihrer Verurteilung wenige Tage im sogen. „Zugang“ in Hoheneck, bevor sie in die Bundesrepublik entlassen wurde. Günther leitet das Zeitzeugenarchiv in  der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin.

Auflöser votierten bereits gegen  die Eintragung ins Register

Sterneberg bezog sich bei ihrer Äußerung wohl auch auf die Akteneinsicht beim Registergericht Darmstadt. Zu ihrem Erstaunen hatte die einstige Hoheneckerin diverse Schreiben, u.a. auch von Helber an das Registergericht vorgefunden, in denen sich die Absender noch 2012 vehement gegen die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister ausgesprochen hatten. Sterneberg: „Es stimmt sehr nachdenklich, wenn ausgerechnet diese Gegner einer Eintragung, die Voraussetzung für diverse staatliche Förderungen ist, jetzt zu den Vorreitern einer Vereinsauflösung gehören.“ Labahn  und Sterneberg sind überzeugt, dass den Mitgliedern diese Zusammenhänge vorenthalten werden, um „ungestört die offensichtlich geplante Torpedierung  jahrzehntelanger Arbeit des Vereins zu verschleiern.“

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Bewegendes WORKUTANER-Treffen in Berlin

Berlin, August 2013/cw – Zu ihrem alljährlichen Treffen unter Leitung des Vorsitzenden Horst Schüler kamen rund dreißig ehemalige Workutaner Anfang August in Berlin  zusammen. Es kam zu bewegenden Begegnungen zwischen den immer weniger werdenden und ins hohe Alter gekommenen einstigen Strafgefangenen und Zeitzeugen der einstigen  „Hölle von Workuta“, einem Zentrum der berüchtigten Straflager in der einstigen UdSSR. Das Treffen wurde wesentlich von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert.            Aufsehen erregte ein  Antrag, aus dem Dachverband UOKG auszutreten, solange dieser einen Vorsitzenden toleriere, der u.a. Juden „als Knechte Satans“ bezeichne.

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Tag des Denkmals erstmals in Hoheneck

Hoheneck/Stollberg, 15.08.2013/cw – Erstmals werden im ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck aus Anlass des bundesweiten Tag des Denkmals am 8. September Führungen angeboten. Wie der (zweite) Förderverein „Gedenkstätte Hoheneck“ mitteilte, sind ab sofort Anmeldungen beim Bürgerservice im Rathaus Stollberg (Tel. 037296-940) möglich, da die Teilnehmerzahl an den jeweiligen  Führungen aus organisatorischen Gründen begrenzt ist.

Vor Ort sollen auch Zeitzeugen  zur Verfügung stehen. Führungen sind zu folgenden Zeiten vorgesehen: 11:00, 11:20, 11:40 Uhr – 14:30, 14:50, 15:10 Uhr – 17:00, 17:20, 17:40 Uhr (Dauer ca. 75 Minuten). Im Anschluss besteht Gelegenheit zu Gesprächen mit Vertretern der BStU-Außenstelle Chemnitz und zur Ansicht eines Dokumentarfilms.

Ausstellung in  Pforzheim

Ausstellung in Pforzheim

 Ausstellung „Der Dunke Ort“

Die Ausstellung „Der Dunkle Ort“ über Schicksale der Frauen von Hoheneck wird vom 25.09. bis 28.10. in Pforzheim (Lichthof, Altes Rathaus) gezeigt. Eröffnung 18:00 Uhr; Einführung: Mechthild Günther, Berlin.

Ab 21.10. (19:00 Uhr) ist die von der Heinrich-Böll-Stiftung geschaffene und von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderte Ausstellung in  Rastatt zu sehen. Einzelheiten lagen bei Redaktionsschluss für diese Ausgabe noch nicht vor.

Letzte Meldung:

Kritik an Sanierungsplan für Hoheneck

Hoheneck, 15.08.2013/ts – Kurz nach Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht über einen  Beitrag im MDR-Sachsenspiegel vom 13.08.2013, in  dem u.a. Siegfried Reiprich eine Finanzierung der Gedenkstätte seitens seiner Stiftung infrage stellt:

http://www.ardmediathek.de/mdr-sachsen/sachsenspiegel/kritik-an-sanierungsplan-fuer-hoheneck?documentId=16470818

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht auf der Homepage eingeräumt.

     Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen: 

Unser Konto: 725004037 – BLZ: 870 540 00

Erzgebirgssparkasse  

Fordern Sie einen Aufnahmeantrag an: c/o Vorsitzende T.Sterneberg, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Förderverein  BuG e.V., Tel.: 030-30207778

Stollberg/Erzgebirge, 22.07.2013/cw – Das einstige Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg ist erneut verkauft worden. Die Stadt Stollberg, in deren Gemeinde der Ortsteil Hoheneck liegt, hat bereits am 10. Juli den notariellen  Kaufvertrag unterschrieben. Dies teilte der (zweite) Förderverein  Hoheneck aktuell auf seiner Homepage mit

(http://gedenkstaette-hoheneck.com/index.php/aktuelles/28-kaufvertrag-unterschrieben).

Im Gespräch war seinerzeit ein Kaufpreis von 160.000 Euro. Allerdings hat sich die Stadt, deren Oberbürgermeister Marcel Schmidt den Kaufvertrag für die Kommune unterschrieb, eine Rücktrittsklausel für den Fall vorbehalten, das die Fördermittel für das Projekt ausbleiben oder nicht in der erforderlichen Höhe beschlossen werden. Gefordert ist hier zunächst der Freistaat Sachsen. Der Bund hatte bereits früher für diesen Fall eine fünfzigprozentige Förderung in Aussicht gestellt.

Einstiger trister Ausblick für die politischen Gefangenen von Hoheneck - Foto: LyrAg

Einstiger trister Ausblick für die politischen Gefangenen von Hoheneck – Foto: LyrAg

Die Artemis GmbH. in Chemnitz hatte das Gelände nach der Jahrtausendwende für einen  Symbolpreis von 5.000 Euro vom Freistaat Sachsen erworben. Der Eigentümer Bernhard Freiberger wollte seinerzeit u.a. „Erlebnistage im Frauenknast“ organisieren, was schließlich am heftigen Widerstand der ehemaligen Frauen von Hoheneck unter Führung der seinerzeitigen Vorsitzenden Margot Jann scheiterte.

Für Bernhard Freiberger beendet der Verkauf letztlich ein endloses und finanziell entgegen den ursprünglichen Erwartungen wenig lukratives Engagement. Noch vor wenigen Jahren wollte er das Areal für sage und schreibe 16 Millionen Euro veräußern, allerdings vergeblich.

Durch den Besuch des seinerzeitigen Bundespräsidenten Christian Wulff im Mai 2011 war Bewegung in das Projekt einer Gedenkstätte gekommen. Nachdem der Präsident sich klar für ein ehrenvolles Gedenken vor Ort ausgesprochen  hatte, wurde spontan noch im selben Jahr von ehemaligen Hoheneckerinnen ein  Förderverein „Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck (BuG)“ gegründet. Bereits im  Herbst hatte der Verein nach vielen Gesprächen, u.a. mit dem bisherigen Eigentümer  und der Stadt ein  vielbeachtetes erstes Konzept für die Zukunftsgestaltung vorgelegt, das bis hinein in den Sächsischen  Landtag Beachtung fand und Furore machte. Der Landtag beschloss im  Jahr darauf die Aufnahme von Hoheneck in die Förderung der Sächsischen Gedenkstätten, womit eine wichtige Voraussetzung, gleichsam eine erste Hürde für die Zukunftsgestaltung des einstigen „Weiberzuchthauses“ genommen  wurde.

Der Leidensweg begann mit den durch SMT verurteilten Frauen, die 1950 aus dem einstige  NS-KZ Sachsenhausen nach Hoheneck verlegt wurden. Foto: Archiv

Der Leidensweg begann mit den durch SMT verurteilten Frauen, die 1950 aus dem einstigen NS- und von den Sowjets fortgeführten KZ Sachsenhausen nach Hoheneck verlegt wurden. Foto: Archiv

Durch bedauernswerte Intrigen, die sich vornehmlich gegen  den Förderverein BuG richteten und später auch den Verein „Frauenkreis der ehemalige Hoheneckerinnen“ erfassten, der letztlich im  Mai diesen Jahres sogar seine allerdings umstrittene „Auflösung“ beschloss, gerieten die Gespräche und Verhandlungen zunächst ins Stocken. Ein mit entsprechender Unterstützung durch den Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten im  Herbst 2012 gegründeter weiterer Förderverein wurde schließlich vor Ort aktiv.

Die Vorsitzende des (ersten) Fördervereins BuG, Tatjana Sterneberg, selbst einstige Insassin des Frauenzuchthauses, lobte in einer ersten Stellungnahme das „unvergleichliche persönliche und politische Engagement“ des Stollberger Oberbürgermeisters Marcel Schmidt. Ohne ihn wäre „kaum  oder gar keine Bewegung“ in das Projekt gekommen. Dieses Beispiel zeige einmal mehr, wie sehr „Politiker vor Ort“ Einfluss in wichtigen Angelegenheiten einer Kommune nehmen könnten, wobei der Zukunftsgestaltung des Areals „fraglos eine überörtliche, wenn nicht gar gesamtstaatliche Bedeutung“ zukäme, sagte Sternberg.

Zum Thema siehe auch:

http://www.zeit.de/2011/42/S-Schloss-Hoheneck

V.i.S.d.P.: Förderverein BuG e.V. / Redaktion „Hohenecker Bote,  Tel.: 030-30207778

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

             Nr.019                          Förderverein – Info                15. Juli 2013

Aufruf Hohenecker Frauen:

Zukunft bedarf der Erinnerung – Rettet das Vermächtnis

Stollberg/Berlin, 15.07.2013/ts – Wie berichtet, wurde unter rechtlich fragwürdigen  Umständen auf einer umstrittenen „Außerordentlichen Versammlung“ des Vereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ am 4. Mai ein Beschluss über die Auflösung des Vereins gefasst, der noch 2011 zu seinem 20jährigen Bestehen den Bundespräsidenten auf Hoheneck begrüßen durfte. Während die Satzung im § 12 eindeutig eine Mehrheit von 75 Prozent für einen Auflösungsbeschluss vorschreibt, stimmten der Auflösung lediglich 17 der anwesenden 20 Mitglieder zu, davon allein 7 Mitglieder des zuvor gewählten neuen Vorstandes.

Die Wiege des Vereins - Ehem. Gaststätte "Hoheneck" von Maria Stein in Lützelbach - Foto: LyrAg

Die Wiege des Vereins – Ehem. Gaststätte „Hoheneck“ von Maria Stein in Lützelbach – Foto: LyrAg

Inzwischen sind sich die Initiatoren der Auflösung ihrer Sache wohl nicht mehr sicher, denn neun Wochen  nach den durchgeführten drei Versammlungen lagen dem zuständigen  Registergericht bis auf die Anmeldung der neuen Vorstandsvertretung weder Protokolle noch Beschlüsse der Versammlung vor. Der noch vom  alten Vorstand bemühte Rechtsanwalt übermittelte dem Gericht allerdings seine Bedenken, ob der Auflösungsbeschluss satzungskonform sei.

Nun haben zwölf Frauen aus dem Verein der ehemaligen  Hoheneckerinnen die Initiative ergriffen und sowohl gegen den Auflösungsbeschluss wie gegen die Wahl des neuen Vorstandes Rechtsmittel eingelegt. In einem Aufruf an ihre Haftkameradinnen heißt es u.a.: „Es geht hier nicht allein um  rechtliche Auseinandersetzungen. Es geht um  das Vermächtnis der 2002 verstorbenen Vereinsgründerin Maria Stein und ihrer verdienten Nachfolgerin Margot Jann, das vor dem Zugriff sachfremd agierender Personen gerettet werden“ müsse. Man empfinde es in diesem Sinn als „kontraproduktiv, wenn sich jetzt Frauen um die Auflösung bemühten, die bereits „aktiv gegen den Antrag auf Eintragung des Vereins beim Registergericht gegen den Willen des seinerzeitigen  Vorstandes“ votiert hätten. Das würden Schreiben u.a. von Constanze H., Sylvia O. und Ute St. in den Registerakten belegen. Mit der Eintragung sollte immerhin die Rechtsfähigkeit des Vereins hergestellt werden, um  an der sich abzeichnenden Gestaltung einer Gedenkstätte im ehem. Frauenzuchthaus mitwirken zu können.

Juli 2013: Das Grab von Maria Stein - Foto: LyrAg

Juli 2013: Das Grab von Maria Stein (Mitte)               Foto: LyrAg

Nicht jene, die gegen die Rechtsfähigkeit und jetzt für die Auflösung votiert haben, vertreten die Interessen des Vereins sondern „jene Frauen, die gegen das Vergessen antreten und das Vermächtnis der andauernden Erinnerung an die Leiden von nahezu 10.000 politisch verfolgter Frauen auf Hoheneck wach halten wollen,“ heißt es in dem Aufruf. „Die Zukunft bedarf der Erinnerung,“ schreiben die Frauen und appellieren an die einstigen Haftkameradinnen, sich der „gemeinsamen Verantwortung für unseren Verein“ zu stellen.

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Weiter Klärungsbedarf in Sachen der Anita G.

Berlin-Hohenschönhausen/Hoheneck, 15.07.2013/cw – In Sachen der vom Hohenecker Boten aufgedeckten „Unstimmigkeiten“ in der Vita der einstigen  Hoheneckerin Anita G. besteht weiter Klärungsbedarf. Die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen hatte auf Anfrage signalisiert, Einblick in die dortigen  Unterlagen zu gewähren, sofern „ein Einverständnis der Betroffenen (Anita G.)“ vorliege. Trotz mehrfacher Bitten wurde dieses Einverständnis nicht erteilt. Die Gedenkstätte war in den Fokus der Aufklärung über die fragliche Vita gekommen, weil die mit der Erfassung von Zeitzeugenberichten befasste Historikerin und vormalige Direktorin Mechthild Günther auf  der Mitgliederversammlung der ehemaligen  Hoheneckerinnen zu den Veröffentlichungen des HB  geäußert hatte, sie kenne die Unterlagen „seit zehn  Jahren.“ Damit hatte Günther missverständlich den Eindruck vermittelt, sie habe gegen die Darstellungen der Anita G. im Gegensatz zu den diskutierten Veröffentlichungen im HB  „keine Bedenken.“ Auf Nachfrage der Redaktion  stellte die Historikerin inzwischen klar:

 Mir sind in diesem Rahmen seit mehreren Jahren auch einige archivische Unterlagen zur Haftgeschichte von Frau G…  bekannt geworden. Allerdings handelt es sich dabei offensichtlich nicht um die unten angeführten  „fraglichen Unterlagen“, die wohl  eine Grundlage  für Ihre Veröffentlichung waren. Nach meiner Kenntnis wurden – unabhängig von der Sammlung der Gedenkstätte –  von mehreren Autoren bisher ausschließlich persönliche Erinnerungsberichte von Frau G…  publiziert.  

Anita G., die in Zwönitz mitsamt des ganzen bisherigen Vorstandes ihren Rücktritt erklärt hatte, schweigt sich allerdings weiter aus. Dabei wäre eine Mitwirkung an der Aufklärung über die tatsächlichen  Abläufe  um ihre damalige Verhaftung und Verurteilung für alle Beteiligten hilfreich. Weniger hilfreich erscheint die fragwürdige Schützenhilfe aus der UOKG, deren Vorstandsmitglied Anita G. nach wie vor ist. Der UOKG-Vorsitzende und in die Kritik geratene Prediger Rainer Wagner bedauerte die der Lüge Bezichtigte als „alte Kameradin Anita G.“, während er den Autor der Veröffentlichung wegen dessen „Verfehlungen“, die dieser „nicht bereue“ freimütig und in der „Pflicht seines kirchlichen Amtes“ als „Knecht Satans“ bezeichnete. Dieser sei „in menschlich unerträglicher Weise gegen andere“ vorgegangen. Zu den behaupteten Lügen und der teilweisen Veröffentlichung aus einer Hakenkreuz-Broschüre (,HB vom 15.06.2013) die in den Unterlagen der Anita G. gefunden wurde, äußerte sich Wagner hingegen  nicht; auch eine Hinterfragung erschien dem theokratisch ausgerichteten Vorsitzenden der UOKG nicht notwendig.

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Aus den Verbänden:

Der UOKG-Vorsitzende Rainer Wagner hat in einer Presseerklärung des Verbandes vom 7. Juli angekündigt, nur im Falle einer notwendigen Förderung des Verbandes erneut für das Amt des „Bundesvorsitzenden“ am 3. November anzutreten: „Wir benötigen die konkrete Aussicht auf institutionelle Förderung. Ansonsten wird die Stimme der Opfer bedeutungsloser werden.“ Es wäre „verantwortungslos, die Aufgaben des Bundesvorsitzenden in der bisherigen Form weiterzuführen.“                                                        <<<>>>

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Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung mussten wir an dieser Stelle einige Sätze aus dem Artikel herausnehmen. Wir haben gegen  die vom Landgericht Berlin erwirkte einstweilige Unterlassung Rechtsmittel eingelegt. Die Redaktion, 8.09.2013

und nachmalige Gründer eines „DDR-Opfer-Hilfe“-Vereins und eines „BSV- Landesverband Sachsen“ will am 16. Juli als „studentischer Aktivist in der Oppositionsbewegung von 1989/90“ auf einem Podium der ehrwürdigen Katholischen Universität Eichstätt bei Ingolstadt in Bayern auftreten.

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Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein und/oder > Hohenecker Bote) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt. Fotos/Dokumente dieser Ausgabe nur im Internet.             © 2013 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Absprache? Für einen  Förderverein der Frauen von Hoheneck zumindest befremdlich...

Absprache? Für einen Förderverein der Anliegen der Frauen von Hoheneck zumindest eine befremdliche Mitteilung…

Auflösung mit „erforderlicher Mehrheit“?

Stollberg, 11.05.2013/cw – In den Abendstunden des heutigen  Samstag stellte der „Förderverein Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck“ vorstehende Meldung auf seine Homepage http://gedenkstaette-hoheneck.com/index.php/aktuelles/19-das-frauenzuchthaus-gestern-heute-morgen

In der Meldung wird seltsamerweise eine „erforderliche Mehrheit“ behauptet, die  von zahlreichen Vereinsmitgliedern bestritten wird, die das Erbe von Maria Stein und Margot Jann fortführen wollen. Die Information über die behauptete „ausreichende Mehrheit“ könnte nach Insider-Kenntnissen ausschließlich aus den Kreisen gekommen sein, die mit Hilfe des zuvor gewählten neuen Vorstandes ( 7 ) mit 17  Stimmen von 104 derzeitigen Mitgliedern die Auflösung betreiben und den zitierten Beschluss durchgewunken haben.

Nachdenklich. Die Nachfolgerin Maria Steins und einstige SMT-Verurteilte Margot Jann enthielt sich der Stimme - Foto: LyrAg

Nachdenklich am Gedenkstein für die toten Frauen von Hoheneck: Die Nachfolgerin Maria Steins und einstige SMT-Verurteilte Margot Jann enthielt sich bei der Auflösungs-Abstimmung. Foto: LyrAg

Cui bono?

Da gibt es eine Stiftung, die maßgeblich auf die Gründung des (zweiten) Fördervereins Einfluss genommen hat, weil der spontan gegründete (erste) Förderverein (BuG Hoheneck) mit zwei ehem. Hoheneckerinnen im  Vorstand als Fürsprecher der ehemaligen Frauen von Hoheneck u.a. mit einem zeitig vorgestellten Konzept kein bequemer Gesprächspartner im Hinblick auf eine künftige Gedenkstätte zu sein schien. Aus Auseinandersetzungen mit anderen Vereinen in Sachsen ist der Stiftungs-Anspruch auf alleinige Direktiven für die „Gestaltung vor Ort“ hinlänglich bekannt.

An zweiter Stelle freut sich offenbar ein Förderverein vor Ort, der mit der Auflösung des Frauenkreises zumindest nach außen ein Alleinvertretungsanspruch in Fragen der Gedenkstättengestaltung hätte. In enger Verzahnung mit dem fördernden und fordernden Geschäftsführer der Stiftung ist dabei eine eigenständige Interessenvertretung kaum zu befürchten.

Können die „Förderer“ der Geschicke von Hoheneck in Gestalt der Stiftung und ihres Fördervereins vor Ort mit der jetzigen  Entwicklung wirklich zufrieden sein? Einzig der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen käme unter die Räder, bliebe bei dieser Konstallation außen vor. Einmal mehr blieben  damit  jene auf der Strecke, die zuvorderst an dieser Stelle unter einem unmenschlichen Regime leiden mussten. Die nicht Betroffenen, unter diesen der eine oder andere Mitläufer, reiben sich die Hände ob der ausstehenden Geschäfte mit der leidvollen Geschichte…

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohenecker Bote, Tel.: 030-30207785

Hoheneck/Berlin, 20.04.2013/cw – Schlägt die letzte Stunde für einen der historischen Vereine ehemaliger Verfolgter der SED-DDR-Diktatur? Für die Mitgliederversammlung Anfang Mai 2013 liegen dem Verein mehrere Anträge auf Auflösung des Vereins vor. Diese sollen in einer zusätzlich anberaumten Mitgliederversammlung am 4. Mai diskutiert und abgestimmt werden, teilte der Vorstand in Berlin den Mitgliedern mit.

Eine Auflösung käme allerdings zur Unzeit, da aktuell über die Errichtung einer Begegnungs- und Gedenkstätte in der Immobilie der einstigen DDR-Frauenhaftanstalt lebhaft diskutiert und zwischen den Beteiligten (Eigentümer, Stadt Stollberg, Land Sachsen) verhandelt wird.

Irritationen: Der tote Freund war nie in Bautzen und lebt ... (S.163)

Irritationen: Der tote Freund war nie in Bautzen und lebt … (S.163)

Der „Frauenkreis der ehemaligen  Hoheneckerinnen“, seit 2011 eingetragener Verein, war auf Initiative der ersten Vorsitzenden Maria Stein bereits Ende der fünfziger Jahre zunächst als regelmäßiger Treff ehemals aus politischen  Gründen Verurteilter gegründet worden. Die ersten Mitglieder bestanden ausschließlich aus ehemaligen  SMT- Verurteilten. Das waren Frauen, die in der Nachkriegszeit durch Sowjetische Militär-Tribunale aus politische Gründen zu meist hohen Freiheitsstrafen oder gar zunächst zum Tode verurteilt worden waren. Später öffnete sich der Kreis auch den durch DDR-Gerichte verurteilten Frauen, was besonders der Nachfolgerin Maria Steins, der ursprünglich durch ein SMT zum Tode verurteilten Margot Jann zu verdanken war. Heute besteht die Mitgliedschaft überwiegend aus einstigen DDR-Verurteilten, da die SMTler aus Altersgründen immer weniger wurden.

Die Schicksale der Hoheneckerinnen waren einer breiten Öffentlichkeit besonders durch den Besuch des Bundespräsidenten im  Mai 2011 und der damit verbundenen medialen Aufmerksamkeit bekannt geworden. Im selben Jahr wurde zur besten Sendezeit am 9. November in der ARD der Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling, Ulrich Noethen und Tobias Oertel mit einer anschließenden Dokumentation ausgestrahlt. Ein Monat später legte der erste Förderverein eine umfassende Konzeption zur Schaffung einer Gedenkstätte vor. Im Sommer 2012 beschloss der Sächsische Landtag die Aufnahme von Hoheneck als förderungswürdig in das Sächsische Gedenkstättenstiftungsgesetz.

Irritationen: "Dafür kam ich in die Wasserzelle... (S.40), die kannte ich schon aus der U-Haft." Wasserzelle im  Krankenhaus? Folter für "gute Führung" und angepasstes Verhalten?

Irritationen: „Dafür kam ich in die Wasserzelle. Die kannte ich schon aus der U-Haft.“ … (S.40).
Wasserzelle im Krankenhaus? Folter für „gute Führung“ und angepasstes Verhalten?

Die aktuellen Auseinandersetzungen im Verein entzündeten sich an der kritischen Bewertung der Vorstandswahlen vom Mai 2012, als Inge Naumann, die Nachfolgerin Margot Janns, überraschend  abgewählt und durch Anita Goßler ersetzt wurde. Zusätzliche Belastungen entstanden jüngst durch irritierende harsche Vorwürfe gegen die amtierende Vorsitzende bezüglich ihrer ausgewiesenen Biografien über deren politische Verfolgungs- und Haftzeit in den fünfziger Jahren.

Kommentar:

Turbulenzen in einem Verein sind das eine. Etwas anderes ist der Antrag auf Auflösung eines Vereins, wie er jetzt der Mitgliederversammlung des Frauenkreises vorgelegt wurde. Abgesehen von den hohen Hürden ist die Auflösung dieses wichtigen Vereins die schlechteste Antwort auf geführte  Auseinandersetzungen.

Die meisten Frauen sind einst wegen ihrer politischen Überzeugungen in dem „dunklen Ort“ im Erzgebirge eingesperrt worden. Jetzt sollen sie wegen demokratischer Diskussionen im Verein den Frauenkreis auflösen, dessen vornehmste Aufgabe es seit Jahrzehnten war, an die Unterdrückung von Meinung und Freiheit in der Diktatur zu erinnern?

Auseinandersetzungen gibt es in vielen Vereinen, so seit Jahren in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS). Deswegen löst man aber einen  so wichtigen Verein  nicht auf. Auch die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) mußte in den vergangenen Jahren schwere Zeiten durchstehen. Die UOKG hat ihre Probleme in heftigen, manchmal an die Substanz gehenden Diskussionen gelöst. Dabei stand hin  und wieder auch eine Auflösung im Raum, die aber niemals ernsthaft zum  Antrag erhoben wurde. Das war, das ist gut so.

Sacharbeit: Zum Beispiel die quälende Frage von Ellen  Thiemann beantworten: "Wo sind die Toten von Hoheneck?"

Sacharbeit: Zum Beispiel nach einer Antwort auf die quälende Frage von Ellen Thiemann suchen…

Der Frauenkreis wäre gut beraten, wenn  er sich auf seinen Ursprung besinnen und die anstehenden Probleme offen, ehrlich und fair diskutieren und einer Lösung zuführen würde. Eine Auflösung kurz vor dem Ziel der Schaffung einer würdigen Gedenkstätte wäre der GAU. Es blieben die vor der Tür, die finsterste Jahre ihres Lebens in diesem Gemäuer zugebracht haben. Ein zweites Mal würde über deren Köpfe hinweg entschieden werden. Daran kann keiner ein Interesse haben, am wenigsten  die Frauen von Hoheneck.

Carl-Wolfgang Holzapfel

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207785

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