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Berlin, 8.02.2018/cw – Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hat in einer Presseerklärung von heute die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen begrüßt. Dieter Dombrowski (CDU) erklärte: „Eine unserer wichtigsten Forderungen, also die Entfristung der Rehabilitierungsgesetze, wäre damit endlich unter Dach und Fach.“ Natürlich hätten sich der Dachverband „mehr konkrete Zugeständnisse gewünscht, wie z.B. die Festlegung auf ein zentrales Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft.“ Dennoch werden aus der Sicht des Vorsitzenden „einige gute Ansatzpunkte festgelegt.“ Die UOKG werde „alles uns mögliche tun, damit diese Versprechungen auch eingehalten werden.“ Darüber hinaus wird die UOKG „unsere Forderungen weiter verfolgen,“ sagte Dombrowski laut der vom Pressesprecher Benjamin Baumgart heute in Berlin verbreiteten Erklärung (http://www.uokg.de/2018/02/koalitionsvertrag/).

Andere Vereine kritisierten hingegen die bekannt gewordene Vereinbarung als unzureichend. So erklärte die Vereinigung 17. Juni in Berlin in einer ersten Stellungnahme, dass die Anliegen der Diktatur-Betroffenen nahezu ausgeklammert worden seien. So wären für das Thema lediglich 33 von über 8.300 Zeilen aufgewandt worden, was den Stellenwert, den die Koalition diesem Bereich zuordne, verdeutliche. Es würde der Eindruck eines „Sammelsuriums von Absichtserklärungen“ vermittelt. „Das Thema DDR-Diktatur ist für die Koalitions-Parteien eher eine Frage der Abwicklung als ein Problem noch immer offener und notwendiger Aufarbeitung.“

© 2018 Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.357).

Titel HB 2014Nr.039 Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 03. 2015

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„DER DUNKLE ORT“ nach Neuauflage erneut im Scheinwerferlicht: Korrekturen unerwünscht?

Berlin/cw – Der bebra-Verlag in Berlin hat vor wenigen Tagen die zweite erweiterte Auflage der aufwühlenden Edition DER DUNKLE ORT von 2012 vorgestellt. Der mit eindrucksvollen Portrait-Fotos des bekannten Fotografen Dirk von Nayhauß und Texten von Maggie Riepl versehene Bildband stellt 25 Frauen vor, die neben weiteren acht- bis zehntausend Frauen zu Zeiten der DDR aus politischen Gründen auf der einstigen Burg Hoheneck, dem berüchtigten Frauenzuchthaus im Erzgebirge inhaftiert waren. Das Buch entstand als Dokumentation zur gleichnamigen Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung, die seit 2012 in ganz Deutschland ausgestellt wird und so nachgefragt ist, das eine lange Warteliste für Vormerkungen bei der Böll-Stiftung geführt wird. https://17juni1953.wordpress.com/2012/03/01/der-dunkle-ort-eindrucksvolle-portraits-hohenecker-frauen/

Auch nach der 2. Auflage Irritationen: "Dafür kam ich in die Wasserzelle... (S.42),

Auch nach der 2. Auflage Irritationen: „Dafür kam ich in die Wasserzelle… (S.42),

Nicht verschwiegen werden sollten die zahlreichen Proteste, die den Verlag besonders von Protagonistinnen nach dem Erscheinen des Bandes erreicht haben. Die Empörung richtete sich gegen Darstellungen einer mittlerweile umstrittenen ehemaligen Hoheneckerin, die neben anderen Behauptungen auch den Aufenthalt in der seinerzeitigen Wasserzelle in Hoheneck beschreibt, obwohl sie dies wenige Monate zuvor gegenüber dem in Hoheneck zu Besuch weilenden Bundespräsidenten nachdrücklich bestritten hatte.
Die Proteste an den Verlag sind nicht ganz ohne Wirkung geblieben. So hat der Verlag für ein Nachwort den renommierten Psychologieprofessor und führenden Psychotraumatologen Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker gewinnen können. Maercker beschreibt eindrucksvoll und durchaus nachvollziehbar die Gründe für sogen. Erinnerungslücken oder auch Erinnerungs-Verschiebungen im Gedächtnis von Zeitzeugen und deren Ursachen. Allerdings wäre es für den unbefangenen Leser hilfreich gewesen, zumindest an einem konkreten Beispiel wie dem vorgenannten die Thesen des Professors zu verdeutlichen.

Ein Buch „voller Geschichten“?

Auch ein dem (bisherigen) Vorwort vorangestellter eigener Absatz: „Zur Entstehung dieses Buches“ bleibt leider ohne Bezug zu den vorgetragenen Bedenken durch immerhin fast der Hälfte der in dem Band portraitierten 25 Frauen. In dem Beitrag heißt es u.a., das die vorliegende Dokumentation keinen “Anspruch eines Geschichtsbuches erhebt, sondern ein Buch voller Geschichten, wie sie von Frauen erinnert werden, die die Schrecken der Haft in Hoheneck zu unterschiedlichen Zeiten durchleiden mussten.“ Der Autor dieser Anmerkung – oder der Verlag – stellt hier auf die unterschiedlichen Wahrnehmung der Frauen, nicht aber auf die konkreten Vorhalte ab. Dies kommt bedauerlicherweise eher einer Verharmlosung offensichtlicher Lügen gleich. Das ist weder wissenschaftlich noch korrekt. Hier wurde eine Chance vertan, den wissenschaftlichen Anspruch eines Verlages durch eine offensive Auseinandersetzung mit ernstzunehmenden, weil dokumentarisch untermauerten Vorwürfen zu belegen, die freilich erst nach der ersten Auflage bekannt wurden.

Die zehn ehemaligen Hoheneckerinnen hatten dem Verlag gegenüber vorsorglich ihr Einverständnis zur weiteren Verbreitung ihrer Schicksale untersagt, falls man in einer weiteren Auflage deren Kritik nicht berücksichtigen würde. Durch den fehlenden Bezug zu dieser Kritik gelangen die durchaus lesenswerten Einfügungen in der jetzt vorliegenden zweiten Auflage etwas deplaziert an den Leser. Schlimmstenfalls werden alle Beiträge durch den mangelnden und schließlich auslösenden Bezug zu den Einwendungen in ein fatal wirkendendes diffuses Licht gestellt: Vorsicht, die hier vorgestellten Berichte sind subjektiv und müssen nicht mit den geschichtlichen Wahrheiten übereinstimmen. Eine wenn auch sicherlich nicht beabsichtigte Verallgemeinerung, die den übrigen eindrucksvollen 24 Berichten ehemaliger Hoheneckerinnen nicht gerecht wird.

Bis auf diese Einschränkungen ist der Band Jedwedem empfohlen, der sich mit der jüngsten Vergangenheit im einst geteilten Deutschland ernsthaft auseinandersetzen möchte.

Dirk von Nayhauß, Maggie Riepl, DER DUNKLE ORT (2., akt. Auflage)25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck – Mit einem Nachwort von Andreas Maercker – 148 S., 110 z. T. farb. Abb., Pb. – ISBN 978-3-95410-049-1 – März 2015 – sofort lieferbar – 19,95 €
http://www.bebraverlag.de/verzeichnis/titel/655–der-dunkle-ort-2-akt-auflage.html

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Israel versagt Evangelikalen staatliche Anerkennung

Vancouver/Wetzlar/Berlin/cw – Unter vorgenannter Überschrift verbreitete die Evangelische Nachrichtenagentur idea am 7. März eine Äußerung des ehemaligen Generalsekretärs der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), des Kanadiers Geoff Tunnicliffe in Vancouver.
Tunnicliffe beklagte, daß die Evangelikalen zwar „die beste Freunde Israels“ seien, aber diese „Freundschaft einseitig ist.“ Danach kritisierte der Generalsekretär a.D. in der Internetzeitung „Christian Post“, dass die Evangelikalen in Israel zwar Religionsfreiheit genössen, diesen „aber manche Rechte immer noch versagt werden“, ihre Gemeinden seien immer noch nicht staatlich anerkannt. Die Evangelikalen würden wie „drittklassige Bürger“ behandelt.
Tunnicliffe, der sein Amt als Generalsekretär zum 31.12.2014 beendet hatte und jetzt als strategischer Berater der Christlichen Medien-Korporation International tätig ist, betonte, dass sich Evangelikale „für das Wohlergehen des Staates Israel“ einsetzen sollten. Dies werde aber durch den Staat Israel durch seine drittklassige Behandlung der Evangelikalen konterkariert.
Quelle: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/89893.html

Vielleicht liegen die Ursachen für diese Konflikte aber nicht nur in der religiösen Ausrichtung des Staates Israel, sondern auch in den oft eigenwilligen um nicht zu sagen provozierenden Bekenntnissen der Evangelikalen. Kann man die Freundschaft zu Israel postulieren und gleichzeitig (auch) Juden als Knechte Satans bezeichnen, wie dies z.B. der Orts-Vorsitzende der Evangelikalen Allianz in Neustadt a.d. Weinstraße tut?

"Bist du auch ein  Knecht Satans?" Imam Ferid Heider und Rabbi Daniel Alter (v.li.). - Satirischer Kommentar: LyrAg

„Bist du auch ein Knecht Satans?“
Imam Ferid Heider und Rabbi Daniel Alter
(v.li.). – Satirische Einfügung: LyrAg

Zwar hat Michael Diener, Präses des den Evangelikalen zugerechneten Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, in einer Mail die durch diese Äußerungen entstandenen Verletzungen ausdrücklich bedauert und sein Bemühen betont, „auf Ebene der Verbände und Dachverbände durch Schulungen und Dienstgespräche derartige eventuelle Fehlentwicklungen zu korrigieren“, tatsächlich aber haben sich die Evangelikalen bis heute nicht öffentlich zu den umstrittenen Verlautbarungen aus Neustadt geäußert.

BILD: Die Akte Judenhass

In Deutschland selbst tut man sich ebenfalls schwer im Umgang mit zwiespältigen Äußerungen. Mit einer Ausnahme: Können Äußerungen einer rechtsextremen Seite zugeordnet werden, heult die Republik unisono auf. Sind Äußerungen antisemitisch oder Hass-durchtränkt, kommen diese aber aus einer „demokratischen“ Ecke, werden diese zwar nicht zwangsläufig toleriert, aber nach Gusto übergangen oder totgeschwiegen. Dies ist – beispielsweise – an zwei Vorgängen festzumachen: Die BILD (Berlin) hatte am 6.März geschlagzeilt: „Die Akte Judenhass – 192 antisemitische Übergriffe im Jahr 2014“, sich dabei aber ausschließlich auf die Zitierung tätlicher Übergriffe beschränkt. Das verbale antisemitische Äußerungen geeignet sind, diese tätlichen Übergriffe zu befördern oder erst gar in Gang setzen (Weimar lässt grüßen), konnte oder wollte Deutschlands größtes Boulevardblatt nicht thematisieren. Dabei v verdienten die Hass-verbreitenden Ergüsse eines nicht unbedeutenden Verbandsfunktionärs in diesem Zusammenhang durchaus Beachtung.

Verbale Attacken ausgespart: BILD-Statistik über antisemitische Gewalttaten.

Verbale Attacken ausgespart: BILD-Statistik über antisemitische Gewalttaten.

Vielleicht aber lässt sich auch BILD (hin und wieder) von öffentlichen Vorgaben beeinflussen? Jedenfalls hat der DEUTSCHE BUNDESTAG offensichtlich keine Schwierigkeiten damit, auf seiner Internetseite unter dem amtlichen Bundesadler die Personalie des Ayatollah aus Neustadt zu veröffentlichen, der nicht nur Juden als Knechte Satans bezeichnet, sondern rundum auch den Islam als Religion verleumdet (Der erfundene Götze Allah ist ein Lügner und Mörder) und in diesem Atemzug auch gleich gegen andere Religionen oder religiösen Überzeugungen (Buddhisten und Hindus) die Keule schwingt. Wie wäre es mit dieser Schlagzeile:

SKANDAL: DEUTSCHER BUNDESTAG STELLT RELIGÖSEN FANATIKER AUF INTERNETSEITE
Quelle: http://www.bundestag.de/bundestag/gremien18/bstu/lebenslauf_wagner/356500

Hass-Prediger auf Seite des Deutschen Bundestages - Ein falsches Signal.

Hass-Prediger auf Seite des Deutschen Bundestages – Ein falsches Signal.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Vielfach und leider auch durch die Justiz werden derartige Ausfälle immer noch mit der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit bemäntelt, daher könne man dagegen nicht vorgehen. Wer aber die Verfassung gegen ihren eigenen Geist (Art.1: Die Würde des Menschen ist unantastbar) ins Feld führt, muß sich nicht wundern, wenn diese Republik eines Tages wieder im Ungeist und im permanenten Verfassungsverstoß aufwacht. Solange tatsächliche oder auch selbsternannte Theologen ihre Thesen in religiösen Räumlichkeiten von sich geben, mag der Artikel von der Religionsfreiheit greifen – auch wenn er diverse Aussagen dadurch nicht richtiger oder unangreifbarer macht. Wenn aber ein solcher Theologe auch als öffentlich tätiger Polit-Repräsentant und in dieser Funktion mit Orden ausgezeichnet als Gast des Staatsoberhauptes auftritt, in staatlichen Stiftungen Ämter bekleidet und – auch das noch – jetzt auf der Internetseite des Deutschen Bundestages aufgeführt wird, sollten die Grenzen der Zumutbarkeit erreicht sein. Das ist nicht mehr Tolerierung der Religionsfreiheit, das ist staatlich subventionierte Hetze gegen Juden, den Islam und andere Religionen. Siebzig Jahre nach dem 8. Mai 1945 eine nicht zu verantwortende negative Symbolik. In Neustadt wurde im Internet dazu aufgerufen „Schweine durch die (örtliche) Moschee zu treiben.“ Der Ayatollah, der den Bau dieser Moschee „in nächster Umgebung von Neustadt“ zuvor kritisierte, hat auch diesen Aufrufen bisher nicht widersprochen.

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Tragödie Heimkind oder Versöhnung im Tod

Berlin/cw – Käthe B. hat eigentlich ein Drehbuch-Reifes Leben geführt, auch wenn sie dies naturgemäß anders empfunden haben dürfte. Als sie im Juli 1943 geboren wurde, lagen noch fast zwei Jahre Krieg vor dem jungen Leben. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozia-listischen Staates geriet das junge Mädchen in das Getriebe des nunmehr zerrissenen Vaterlandes. Ihre Mutter, im Ostteil von Berlin wohnend, schloss sich der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) an. Der attraktiven Frau soll es gelungen sein, den aufstrebenden und späteren Geheimdienstchef Markus Wolf zeitweise an sich zu binden. Jedenfalls erkannte Käthe B. später – nach der Wiedervereinigung – auf diversen Fotos Markus Wolf als den smarten Mann wieder, der häufig bei ihrer Mutter zu Gast war. Als die Mutter schwanger wurde, wurde diese Bindung offenbar problematisch. Bei der Entbindung 1957 in Buch verstarb die siebenunddreißigjährige Mutter und das Baby überraschend und auf bis heute ungeklärte Weise.

Die zehnjährige Käthe B. mit ihrer Mutter - Archiv LyrAg

Die elfjährige Käthe B. mit ihrer Mutter – Archiv LyrAg

Wolf: „Ach sie schon wieder!“

Käthe B. nahm nach der Wiedervereinigung Kontakt zu Markus Wolf auf, der sie aber regelmäßig abwimmelte: „Ach, sie schon wieder!“ Die beim Tod ihrer Mutter dreizehnjährige Halbweise wohnte zunächst bei Bekannten der Mutter, kam schließlich bis zu ihrer Volljährigkeit in ein Heim. Der Vater war in den Westen geflohen, nach dem Bau der Mauer brachen auch diese immer losen Verbindungen ab.
Käthe B. versuchte sich in einigen beruflichen Stationen, scheiterte aber letztlich immer wieder an ihrer gebrochenen Lebenslinie. Bereits im Ostteil der Stadt mußte sich die junge Frau juristisch mit uneinbringlichen Forderungen aus Geschäften oder Mietverhältnissen auseinandersetzen. Auch der mehrmalige Versuch, eine Familie zu gründen, scheiterte. Ihr blieben aus zwei Verbindungen zwar zwei Söhne, diese mußte sie aber letztendlich allein aufziehen und dabei permanent um die Zahlungsverpflichtungen der Väter kämpfen.

Nach der sogen. Wende verließ Käthe B. den Ostteil der Stadt, zog nach Zehlendorf. Aufmerksam und hoch motiviert verfolgte sie die Auseinandersetzungen um die Nachwehen der Ereignisse um den Mauerfall. Sie wurde zum Beispiel Dauergast in der Gedenkbibliothek des Kommunismus im Nicolaiviertel und beteiligte sich mit einer für ihre Gesprächspartner oft verblüffenden Sachkenntnis an den Diskursen um die Lehren aus dem Debakel des Kommunismus. Ihre Anstrengungen, Licht in das Dunkel um den Tod ihrer Mutter zu bringen, der sie nie losgelassen hatte, waren aber ebenso vergeblich wie das Aufspüren möglicher Konten, die von einem amerikanischen Geheimdienst für ihre Mutter angelegt worden waren.

Heimkinderfonds übernimmt die Bestattungskosten

Um 1954 gemeinsame Dampferfahrt mit Markus Wolf? Käthe B. mit ihrer Mutter (vorn re.)- Ausschnitt - Archiv LyrAg

Um 1954 gemeinsame Dampferfahrt mit Markus Wolf? Käthe B. mit ihrer Mutter (vorn re.)- Ausschnitt – Archiv LyrAg

Zuletzt war dieses Stöbern in der Vergangenheit wohl psychisch zu belastend. Das gelegentliche Glas Rotwein wurde irgendwann zur Flasche, zu vielen Flaschen. 2011 wurde Käthe B. hilflos aufgefunden und in ein Seniorenheim eingewiesen. Das erwies sich letztlich als Glücksfall.
Freunde machten sie dort ausfindig, kümmerten sich um sie. Die regelmäßigen Besuche von Außen, die zunehmenden Kontakte im Seniorenheim selbst ließen Käthe B. aufleben, auch wenn die tiefe, in Jahren der Einsamkeit entstandene Traurigkeit nicht mehr aus ihrem Gesicht wich. Am Morgen des 24.02. wurde Käthe B. tot in ihrem Bett aufgefunden.

Die Bemühungen um die Auffindung der Söhne, die sie so gerne noch einmal gesehen hätte, waren vergeblich. Ihre zaghafte Freude auf beantragte Mittel aus dem Heimkinder-Fonds war vergeblich. Aber wenigstens übernimmt der Fonds die Beerdigungskosten. So bleibt Käthe B. die letzte Demütigung am Ende ihres Lebens erspart. Ihre Urne wird nach einer von Freunden und ehemaligen Heimkindern organisierten Trauerfeier in einem Urnen-Wahlgrab in Berlin-Wannsee beigesetzt. Ein schlichter Grabstein wird zumindest eine Zeit lang die Erinnerung an ein bewegtes Leben wach halten. Letztlich eine Versöhnung im Tod.

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Deutsche Einheit: Bundesländer legen Förderprogramme auf

Wiesbaden/Dresen/cw – Zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit haben einige Bundesländer spezifische Förderprogramme aufgelegt. So fördert Hessen  seit Beginn diesen Jahres ein besonderes Zeitzeugenprogramm für die Schulen im Land. Ehemalige politische Häftlinge aus der DDR können im Rahmen dieses Programms von den Schulen zu Referaten eingeladen werden. Auch ehemalige Hoheneckerinnen wie Tatjana Sterneberg haben bereits an diversen Schulen in Hessen beachtete Vorträge gehalten oder werden im Laufe des Jahres dort auftreten. Die entstehenden Kosten werden ausnahmslos durch die Hessische Staatskanzlei getragen und belasten so die einzelnen Schuletats nicht. Anfragen sind ausschließlich zu richten an die Hessische Staatskanzlei, Herrn Dr. Jehn, Alexander.Jehn@stk.hessen.de .

Auch der Freistaat Sachsen hat für das Jubiläumsjahr Mittel in Höhe von 800.000 Euro im Haushaltsentwurf für 2015 bereitgestellt. Vorbehaltlich der ausstehenden Genehmigung durch den Landtag können von „Vereinen, Verbänden, Kommunen, Religionsgemeinschaften und Privatpersonen, die sich mit dem Demokratisierungs- und Einigungsprozess in Sachsen vor 25 Jahren auseinandersetzen“ bis zum 31. März 2015 Fördermittel beantragt werden.
Nach der Ausschreibung soll es Ziel der Förderung sein, „besonders die Menschen, die die Ereignisse im Jahr 1990 nicht erlebten, zu erreichen. Es sollen Projekte unterstützt werden, die politische Beteiligung und bürgerschaftliche Aktivitäten hervorrufen oder verstärken.“ Bereits 2014 konnte der Freistaat 51 verschiedene Projekte zum Thema „25 Jahre friedliche Revolution“ fördern.

Anträge: http://amt24.sachsen.de/ZFinder/verfahren.do?action=showdetail&islandesimpressum=false&modul=VB&id=835869!0

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Neuwahlen im Förderverein Gedenkstätte Stollberg

Stollberg/ts – Der im Nachgang zum 2011 gegründeten Förderverein „Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck“ auf Betreiben von Siegfried Reiprich gegründete „Förderverein Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck e.V.“ hat für den kommenden Monat Neuwahlen zum Vorstand angesetzt. Der bisherige Vorsitzende Dietrich Hamann hatte im letzten Jahr überraschend sein Amt „aus gesundheitlichen Gründen“ zur Verfügung gestellt. Seither wurden die Vereinsgeschäfte kommissarisch durch den Stellvertreter Jens Franz geführt.

Beobachter sehen den Neuwahlen interessiert entgegen, da aus Stollberger gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, dass Dietrich Hamann erneut seinen Hut in den Ring werfen will. Ob Jens Franz seinerseits für den Vorsitz kandidiert, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Franz´ ausgleichende und ruhige Führung war allgemein auf Anerkennung und Zustimmung gestoßen. Im Schatten der angelaufenen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, die letztendlich auch einer geplanten und im Prinzip bereits genehmigten Gedenkstätte zugute kommen sollen, sind die Entscheidungen im Förderverein von Bedeutung, da der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen als Vertretung der einst aus politischen Gründen inhaftierten Frauen seit geraumer Zeit keine eigenen Vorstellungen einbringen kann. Der Verein soll nach dem Willen des bisherigen Vorstandes aufgelöst werden. Gegen die Auflösung haben Mitglieder Klage eingereicht, über die frühestens am 11. Mai vor dem AG Michelstadt entschieden werden soll.

Eingerüstet: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um  u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten - Foto: LyrAg

Eingerüstet: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten –
Foto: LyrAg

Der mögliche künftige und bis zu seinem Rücktritt Vorsitzende des Fördervereins hatte als Optiker über Jahre die Gefangenen auf der einstigen Burg über der Kreisstadt mit Lesehilfen versorgt. Hamann hatte diese Tätigkeit nach eigenen Angaben zusehends als Belastung angesehen, weil hin und wieder Gefangene direkt in seinen Laden transportiert worden waren und daher einen Kollegen gebeten, diese Arbeit zu übernehmen. In welcher Form die auch auf der Burg präsente Staatssicherheit diesen Wechsel tolerierte, ist bisher nicht bekannt. Der Optiker brachte es nach der Wende bis zum Vizepräsidenten des Zentralverbandes der Augenoptiker (bis 2002).

Anlässlich der Wahlen muß sich die Mitgliederversammlung womöglich mit der Satzung und den Aufnahmebestimmungen befassen. In der Satzung ist zweifelsfrei unter § 3, Abs.5 bestimmt: „Der Verein kann eine persönliche Erklärung verlangen aus der hervorgeht, dass der Antragsteller nicht Mitglied einer nazistischen Organisation war und nicht stasibelastet ist.“
Im Aufnahmeantrag heißt es hingegen: „Alle mit * gekennzeichneten Fragen sind keine Pflichtangaben und beruhen auf Freiwilligkeit.“ Allerdings ist nur ein Passus mit dem * gekennzeichnet: „ Früher tätig als IM, Mitarbeiter oder ähnlich für die Stasi JA / NEIN; Zuträger oder Aktiver des NS-Regimes JA / NEIN“. Abgesehen davon, dass ein Zuträger des NS-Regimes heute verantwortlich mindestens neunzig Jahre sein müsste, um diese Frage bejahen zu können, ist die ausgewiesene Freiwilligkeit für die Angabe einer wie immer gearteten Stasi-Tätigkeit den einstigen Opfern politischer Verfolgung wie der Öffentlichkeit kaum vermittelbar. Mitglieder einstiger verbrecherischer Organisationen haben in einem Förderverein für eine Gedenkstätte an die Verbrechen der DDR nun gar nichts zu suchen. Eine Freiwilligkeit, nach Gusto eine solche Betätigung zu verschweigen oder anzugeben, scheidet in diesem Fall auch satzungsgemäß eindeutig aus.

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Entwürfe: Zentrales Mahnmal für Opfer des Kommunismus

Berlin/cw – In der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Berlin werden ab 25. März Entwürfe von Studenten der TU Darmstadt für ein zentrales Mahnmal für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt (25.03. – 14.04.2015, KAS, Tiergartenstr.35, 10785 Berlin). Zur Eröffnung findet eine Diskussion um die Entwürfe und das Vorhaben statt, Begrüßung durch Stephan Hilsberg. Die Moderation übernimmt Robert Ide, DER TAGESSPIEGEL.
Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hatte bereits 2008 eine Initiative Mahnmal mit dem Ziel gegründet, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls (2009) oder der Wiedervereinigung (2010) ein derartiges Mahnmal zu errichten. Nachdem die Bemühungen nicht voran kamen, nahm sich die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur des Anliegens an und finanzierte entsprechende Projekte.
Die Veranstaltung ist öffentlich, um Anmeldung an die KAS bis zum 22.März wird gebeten:
Tel. 030-55779620 – Fax: 55779340 – Mail: michels@uokg.de

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Wir gratulieren zum Geburtstag :

Uwe Holzapfel, 8. März, Berlin.
Tatjana Sterneberg, 14. März, Berlin
Günter Schulz, 20. März, Weil der Stadt
Prof. h.c. Horst R. Übelacker 26. März Linz/Austria

Geburtstage, die an dieser Stelle veröffentlicht werden sollen, bitte jeweils bis zum 10. eines Monats  an redaktion.hoheneck@gmail.com melden.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Ausgenommen davon sind wirtschaftlich ausgerichtete Institutionen oder Unternehmen. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786. Anzeigen auf Anfrage.

Verein 17. Juni kritisiert Teilnahme Wagners an Podiumsdiskussion

Bereits 1969 Berichte über gefordertes Mahnmal in der örtlichen Presse

Bereits 1969 Berichte über gefordertes Mahnmal in der örtlichen Presse

Berlin, 10.03.2013/cw (606) – Nach mehr als vierjährigem vergeblichen Bemühen des Dachverbandes der UOKG, verarbeitungsfähige Vorschläge für ein Mahnmal der Opfer des Kommunismus zu erstellen, hat sich nun dankenswerterweise die Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur dieses wichtigen  Themas angenommen. Eine wichtige Voraussetzung für ein mögliches Gelingen, da diese Einrichtung über die notwendigen  Ressourcen (und Verbindungen) verfügt.

Im  vorauseilenden Gehorsam wollte die UOKG bereits 2010 der geplanten Entfernung der Gedenkkreuze für die Mauertoten am Reichstag im Jahre 2011 zustimmen, weil man von höchster Stelle dem 2008 dafür geschaffenen Arbeitskreis  in der UOKG Zustimmung für ein geplantes Mahnmal signalisiert hatte. Erst der heftige Widerstand aus der Mitgliederversammlung führte dann zu dem Diktum, einer Entfernung erst im Falle der Einweihung eines Denkmals für die Opfer des Kommunismus zuzustimmen.

1969: Die Mauer durchtrennt ein Herz - Vorschlag 1 der Vereinigung 17. Juni

1969: Die Mauer durchtrennt ein Herz – Vorschlag 1 der Vereinigung 17. Juni

Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „60. Jahrestag des Volksaufstands vom 17. Juni 1953“ will die Stiftung das Mahnmal-Thema erstmals öffentlich diskutieren und hat zu einer Podiumsdiskussion am 11. März, 18:00 Uhr, an ihren Sitz in der Berliner Kronenstraße 5 eingeladen. Durch die Diskussion führt der renommierte Redakteur aus dem Axel-Springer-Verlag, Sven-Felix Kellerhoff.

Im Inneren Gedenken an Daten Deutscher Geschichte

Im Inneren Gedenken an Daten Deutscher Geschichte

Kritik äußerte die Vereinigung 17. Juni allerdings an der geplanten Podiums-Teilnahme von Rainer Wagner, Vorsitzender der UOKG. In einer Erklärung des Vorstandes von heute begründet der Vorstand des Vereins seinen  Protest und seine Distanzierung von der Veranstaltung:

„Die Teilnahme eines Funktionärs an der Diskussion um die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des Kommunismus, der bis heute nicht bereit ist, seine vorgeblich biblisch begründete Formulierung von den „Juden“ u.a. als „Knechte Satans“ zurückzunehmen oder glaubhaft zu relativieren, ist für die Vereinigung 17. Juni nicht tolerabel. Auch die diskriminierenden Äußerungen zum Islam („Allah ist ein heidnischer Götze. Götzen aber sind nicht real, sondern Phantasieprodukte“ und „In Neustadt entsteht direkt am Ortseingang eine Moschee für den Götzen  Allah und seinen falschen Propheten Mohammed“) und gegenüber anderen Glaubensrichtungen (Buddhismus/Geisterkult; Hinduismus/Verehrung indischer Götzen) stehen nach wie

1969: Einigkeit, Recht, Freiheit; Vorschlag 2 der Vereinig. 17. Juni

1969: Einigkeit, Recht, Freiheit; Vorschlag 2 der Vereinig. 17. Juni

vor vergiftend im Raum und konterkarieren den Anspruch auf ein würdiges Gedenken an die Opfer kommunistischer Intoleranz und Gewalt. Solange Rainer Wagner sich weigert, diese Äußerungen,  die auch unter WIKIPEDIA „Rainer Wagner“ abrufbar sind, zu korrigieren, verbietet sich für uns die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen. Einzig der Respekt vor dem Veranstalter und der berechtigten Mahnmal-Forderung wie den weiteren Diskutanten hindert uns daran, mit plakatierten Äußerungen  Rainer Wagners vor dem Sitz der Stiftung am Montag  gegen dessen Teilnahme zu protestieren. Das wird uns allerdings nicht daran hindern, auch zu diesem Mittel demokratischer Kritik zu greifen, wenn sich Wagner weiterhin weigern sollte, die ungeheuerlichen Äußerungen zu revidieren.“

In den sechziger Jahren noch drei-geteilt - Vorderseite Vorschlag 2

In den sechziger Jahren noch drei-geteilt – Vorschlag 2, Vorderseite

In der einstimmig vom  Vorstand verabschiedeten Erklärung wird allerdings auch das Befremden gegenüber der veranstaltenden Stiftung geäußert, die über die kritisierten Äußerungen informiert ist und mit der Einladung Wagners die weiteren Diskutanten einer möglicherweise peinlichen, weil vermeidbaren Situation aussetzen.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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