You are currently browsing the tag archive for the ‘Mahatma Gandhi’ tag.

Berlin, 9.10.2017/cw – Das weltberühmte Museum „Haus am Checkpoint Charlie“ feiert am 19. Oktober sein 55jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass findet bereits am kommenden Donnerstag (12.Oktober) in den Räumen des Museums eine Feier mit eigens geladenen Gästen, unter diesen Roland Jahn, Leiter der BStU und Alexander Graf Lambsdorff, MdB und derzeit Vizepräsident des Europäischen Parlaments, statt.

Das Museum widmet seine Arbeit nach eigener Darstellung „nicht nur der einstigen Teilung Berlins, Deutschlands und Europas sondern auch dem internationalen gewaltfreien Kampf für Menschenrechte.“ Dieser Kampf wird durch die Hervorhebung   verdienter Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi und Martin Luther King dokumentiert. Besonderen Raum nimmt dabei die Dokumentation des Befreiungskampfes der Staaten Ost- und Mitteleuropas vom sowjetischen Imperialismus ein, insbesondere die Volksaufstände in der DDR vom 17. Juni 1953, in Ungarn im Herbst 1956, dem „Prager Frühling“ und seine blutige Niederschlagung 1968 und der erfolgreiche Kampf der freien Gewerkschaft Solidarnosc in Polen. Auch die Rehabilitierung mehrerer in der DDR hingerichteter Menschen erreichte die Arbeitsgemeinschaft 13. August. 2013 konnte die Arge schließlich die Freilassung des Pution-Gegners Michail Chodorkowskis wesentlich miterarbeiten. Die Darstellung des Kampfes für Freiheit und Unabhängigkeit in der Ukraine gibt einen Einblick in die aktuelle Menschenrechtsarbeit der ebenfalls von Rainer Hildebrandt gegründeten Arbeitsgemeinschaft 13. August.

Start in einer Wohnung im Wedding

Das von Rainer Hildebrandt begründete Mauermuseum war zunächst unter bescheidenen Verhältnissen im 1. Stock in einer Wohnung in der Wolliner-/Ecker Bernauer Straße eingerichtet und im Oktober 1962 eröffnet worden. Von einem Austritt konnte man direkt über die gegenüberliegende Mauer in den Osten Berlins schauen. Aber auch auf das Gedenkkreuz für den 22jährigen Bernd Lünser, der am 4.Oktober 1961 vom gegenüberliegenden Dach in den Tod sprang. Er hatte das von der Westberliner Feuerwehr aufgespannte Sprungtuch bei seinem Sprung in die Freiheit verfehlt.

Hildebrandt warb eigens den  jungen Maueraktivisten Carl-Wolfgang Holzapfel, der die Ausstellung ab 1.12.1961 leitete, unterstützt von der ehemaligen Hoheneckerin Anneliese Kirks. Kirks war zweimal in der DDR wegen staatsfeindlicher Tätigkeit verurteilt worden und verbüßte zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr insgesamt 10 Jahre in dem berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck im Erzgebirge. Ab Mai 1963 wurde das Museum von Michael Mara, einem geflüchteten ehem. DDR-Grenzer und späteren Redakteur beim Berliner TAGESSPIEGEL geleitet, da Holzapfel sich am Bau eines Fluchtstollens (Oderberger Straße) beteiligte.

„Im Westen nichts Neues“

Bereits im Frühjahr 1963 hatte Hildebrandt in Begleitung von Holzapfel nach Örtlichkeiten am Checkpoint Charlie Ausschau gehalten, um das Museum weiter ausbauen zu können, was in den beengten Verhältnissen einer Wohnung nicht möglich war. Das zunächst avisierte und stillgelegte Kino an der Ecke Friedrich-/Kochstraße (Die letzte Reklame prangte noch immer an der Fassade: „Im Westen nichts Neues“.) ließ sich nicht verwirklichen. Dafür fand der einstige Begründer der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU)“ schräg gegenüber einen kleinen Eckladen, in dem er seine Ideen einer weltweit einmaligen Dokumentation über das Mauer-Regime umsetzen konnte. Noch im selben Jahr wurde das Museum am Checkpoint Charlie in Anwesenheit des Förderers und Sonderbeauftragten des Bundeskanzlers, Ernst Lemmer, eingeweiht.

In den Folgejahren wurde das Museum permanent erweitert und erstreckt sich inzwischen auf die ganze Häuserfront zwischen der jetzigen Rudi-Dutschke- (einst Koch-)Straße und der Zimmerstraße. Nach dem Tod von Rainer Hildebrandt (9.01.2004) übernahm Alexandra Hildebrandt, seine Frau aus Kiew, die Führung des Hauses. Zusammen mit ihrem jetzigen Ehemann Daniel Dormann führt Alexandra Hildebrandt seither eines der besucherstärksten Museen der Stadt. Dormann war 1999 zusammen mit Alexandra Hildebrandt erstmals in den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft 13. August gewählt worden. Er leitet mit dieser die am 6. Januar 2004 gegründete Rainer-Hildebrandt-Stiftung mit Sitz in der Schweiz.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.295).

Berlin, 27.09.2012/cw – Sein Auftreten war unscheinbar, bescheiden. Trotzdem dominierte seine Persönlichkeit sein Umfeld: T.N. Zutshi, der Ingenieur aus dem fernen Indien. Er war 1956 nach Europa gekommen, tief beeindruckt von dem Aufstand in Ungarn, dem Freiheitskampf der Magyaren gegen die Unterdrückung durch die Sowjetunion. Der Inder hatte sich in den Kopf gesetzt, den Europäern das Vermächtnis von Mahatma Gandhi nahezubringen. Nur durch den gewaltlosen Kampf sah Zutshi die langfristig angelegte Chance, die rote Diktatur in Ost-Europa zu überwinden.

Zutshi-Schrift    von 1962 –           © 2012 LyrAg

Ich habe kein Vertrauen in  Appelle, wenn hinter ihnen weder eine moralische  noch eine materielle Macht steht. Die moralische Macht ist da, wenn diejenigen, die den Appell vorbringen, bereit sind, etwas zu tun, etwas für die Sache zu opfern.“ So zitierte Zutshi sein großes Vorbild Gandhi. In  diesem Sinne bemühte er sich permanent, die Menschen in Europa von der Kraft des gewaltlosen Widerstandes zu überzeugen.

Vor 50 Jahren: Ich reiße die Mauer ein

Am 2. Oktober 2012, dem 143. Geburtstag von Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma Gandhi († 30.01.1948)  auf den Tag vor 50 Jahren, wollte T.N. Zutshi in den Mittagsstunden vor der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße  „symbolisch“  die Mauer einreißen.

An jenem 2. Oktober 1962 waren an die zweitausend Menschen vor der zugemauerten Kirche erschienen, um  den mutigen  Akt des Inders zu verfolgen. Grenzsoldaten der „DDR“ hatten  auf dem Turm der Kirche sichtbar ein  Maschinengewehr installiert. Der militaristische Pseudo-Staat demonstrierte Gewalt gegen einen  gewaltlosen Kämpfer. Doch Zutshi mußte seine Anhänger und die vielen Beobachter enttäuschen. Der Innensenator und frühere Pfarrer Heinrich Albertz (SPD) hatte von den Alliierten die strikte Order erhalten, das Vorhaben zu verhindern. Und so drohte Albertz dem Demonstranten  Zutshi an, ihn nach einem Versuch gegen die Auflagen der Innenbehörde als „unerwünschten Ausländer“ auszuweisen.

Breite Unterstützung für die Mahnwache: Zutshi wird aus einem Haus in der Hussitenstr. ein Stuhl gereicht – © 2012 LyrAg

Zutshi fügte sich, auch wenn  er gegenüber der zahlreich erschienenen Presse seine tiefe Enttäuschung über diese Zwangslage nicht verschweigen mochte.

Der Kölner Ordinarius für Byzantinistik, Prof. Dr. Berthold Rubin, versuchte nach dieser Absage, selbst mit Hammer und Meißel gegen die Mauer vorzugehen, um zu signalisieren, daß „wir Deutsche das Anliegen  des Inders verstanden“ hätten. Rubin wollte Zutshi nicht „beschämend im Regen stehen lassen,“ wie er erklärte. Der in Berlin wohnende Kölner Professor wurde allerdings umgehend festgenommen, konnte sein Vorhaben ebenfalls nicht durchsetzen.

Zutshi bewirkte ersten Hungerstreik an der Mauer

Der damals achtzehnjährige Berliner Carl-Wolfgang Holzapfel zeigte sich von dem Mut Zutshis beeindruckt und gleichzeitig über dessen Fügung in das Verbot enttäuscht. „Ein gewaltloser Kämpfer dürfe sich den Optionen staatlicher Macht nicht beugen,“ so der seinerzeitige Landwirtschaftslehrling aus Wuhlsbüttel bei Bremen. „Hätte Gandhi sich den Auflagen der Britischen Kolonialmacht in Indien gebeugt, wäre Indien nie frei geworden.“

Fortsetzung des Hungerstreiks vom 2.10.1962 am Mahnmal für Günter Litfin – © 2012 LyrAg

Holzapfel wollte dennoch ein Signal an Zutshi geben, dass „wir Berliner ihn  verstanden“ hätten. Und so setzte sich der junge Mann unter das Straßenschild „Hussitenstraße“ gegenüber der Versöhnungskirche und verkündete, „drei Tage und drei Nächte“ einen  gewaltlosen Sitz- und Hungerstreik aus Protest gegen die Schandmauer durchführen zu wollen. Die Aktion wurde zwar kurze Zeit später durch das Eingreifen der Polizei unterbrochen, aber noch am selben Tag gegen 22:00 Uhr am Mahnmal für das erste durch Schusswaffengebrauch ums Leben gekommene Maueropfer Günter Litfin gegenüber dem Lehrter Bahnhof fortgesetzt (Siehe Archiv SFB, Lutz Lehmann, vom 3.10.1962).

Zutshi seinerseits kündigte noch am selben Tag an, künftig in der Hussitenstraße gegenüber der zugemauerten Kirche „jeden Sonntag zwischen 12:00 und 13:00 Uhr eine Gedenk- und Mahnwache durchzuführen. Er hielt sich bis zu seiner endgültigen Abreise im  Sommer 1964 an diese Demonstration, von einer kleinen, aber treuen Anhängerschaft begleitet.

Der junge Sitz- und Hungerstreiker kehrte im Dezember 1962 nach Berlin zurück und übernahm die Leitung der ersten Ausstellung von Rainer Hildebrandt „Es geschah an der Mauer“ in der Bernauer- /Ecke Wolliner Straße (ebenfalls vor 50 Jahren). Weitere Demonstrationen folgten, so Hungerstreiks 1963 bei 15 Minusgraden am Mahnmal für Peter Fechter oder über den Jahreswechsel 1963/1964 zehn Tage lang zusammen mit einem Freund am von Holzapfel errichteten Mahnmal für den an der Thomaskirche von Grenzsoldaten ermordeten achtzehnjährigen Paul Schulz. Seinen letzten Hungerstreik gegen das DDR-Unrecht führte er im  August 1990 vor dem Justizministerium in Ostberlin durch. Er zwang damit den Justizminister Prof. Kurt Wünsche zum  Rücktritt. Wünsche hatte bereits unter Ulbricht und Honecker in  diesem Amt gedient.

Nach der Eröffnung „Es geschah an der Mauer“ 1962 in der Wolliner Straße: Holzapfel, Hildebrandt, eine Freundin, Zutshi und Anneliese Kirks (von links) – © 2012 LyrAg

Erinnerung in der Bernauer Strasse

Holzapfel, der seit 49 Jahren der Vereinigung 17. Juni in Berlin angehört und seit zehn  Jahren  deren Vorsitzender ist, wird am 2. Oktober an der Bernauer-/ Ecke Hussitenstraße ab 14:00 Uhr an die Aktion T.N. Zutshis vor 50 Jahren erinnern und hat dazu einige Freunde eingeladen, um diesen vor Ort das damalige Geschehen  zu schildern. Er wolle damit einen Beitrag leisten, an diesen „nahezu vergessenen Kämpfer für die Freiheit“ zu erinnern, dem „wir Berliner viel zu verdanken“ hätten. Zutshi habe mit seinen Visionen vom gewaltlosen Kampf den Ereignissen von 1989 den Weg bereitet, diese vorausgesehen. „Wir wissen nicht,“ so Holzapfel, „ob Zutshi in seiner fernen Heimat Indien den 9. November, diesen großen Tag für Deutschland, Europa und die Welt miterleben konnte, da der Kontakt aufgrund von Sprachschwierigkeiten abgebrochen  war.“  Erst im  letzen Jahr  hatte eine Journalistin berichtet, T.N. Zutshi sei „vor Jahren“ in Indien unbeachtet verstorben.

 V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Alle Dokumente und Fotos: © 2012 LyrAg (über Verein. 17. Juni)

Gewaltloser Kämpfer gegen die Mauer vor drei Jahren verstorben

Berlin, 28.10.2011/cw – Trauer bei den Freunden des „kleinen mutigen  Inders“: Wie heute bekannt wurde, soll Tapeshwar Nath (T.N.) Zutshi bereits vor drei Jahren in Indien verstorben sein. Das teilte die Vereinigung 17. Juni in Berlin mit. Gegenwärtig bemüht sich eine Journalistin um  die Verifizierung der Todesumstände in Indien.

Zutshi in seinem Zimmer 1963 - Foto: LyrAg

Zutshi wurde einer breiten Öffentlichkeit durch seine zahlreichen gewaltlosen Aktionen an und gegen die Mauer bekannt. Er war nach dem Aufstand in Ungarn 1958 nach Europa gekommen, um  den Europäern den gewaltlosen Kampf Gandhis gegen die Diktaturen in Ost-Europa zu vermitteln. Bei unwirtlichem Wetter organisierte er im selben  Jahr einen Fußmarsch von Wien an die „Brücke von Andau“, einem kleinen  Steg über die Grenze zwischen  Österreich und Ungarn, die durch die Flucht zahlreicher Freiheitskämpfer nach der Niederwalzung des Aufstandes durch sowjetische Truppen weltberühmt wurde. Am 2. Oktober 1960 wiederholte er diesen „Pilgermarsch“ über 600 Kilometer, diesmal von München nach Andau.

1962 Wolliner Straße: C.W. Holzapfel, Rainer Hildebrandt mit Freundin, T.N. Zutshi, die ehem. Hoheneckerin Anneliese K. und ein Begleiter (von links nach rechts) - Foto: Lyrag

Im März 1960 demonstrierte Zutshi am Alexanderplatz im damaligen  Ost-Berlin für die Freiheit der Menschen „in der sowjetisch besetzten Zone“. Auf einem mitgeführten Plakat hieß es: „Menschen hinter dem Eisernen Vorhang, der erste Schritt zur Freiheit: Legt Eure Furcht ab und sprecht die Wahrheit!“ Zutshi wurde verhaftet und schon bald auf Anweisung der Sowjets in deren Gewahrsam überstellt. Der indische Premier Nehru forderte im  Indischen  Parlament seine  Freilassung, der seinerzeitige Vizepräsident im Deutschen  Bundestag, Prof. Carlo Schmidt (SPD) rühmte vor dem Plenum „den kleinen mutigen  Inder in Berlin“. Wohl aufgrund der sehr diffizilen Beziehungen  zwischen der UdSSR und Indien wurde Zutshi nach knapp zwei Wochen wieder entlassen. Zuvor hatte Zutshi im Oktober 1959 auf der Westseite des Brandenburger Tores einen dreiwöchigen Hungerstreik durchgeführt, um „für die Freiheit und moralische Stärke  der Menschen in West-Berlin“ zu fasten. 10.000 Berliner unterzeichneten das ausgelegte „Freiheitsgelöbnis“. Bevor T.N. Zutshi 1959 nach Berlin ging, hielt er sich nahezu zwei Wochen  in  Polen auf und zeigte sich tief bewegt über das Interesse der Polen an den Lehren Mahatma Gandhis.

1963: Zutshi vor der Versöhnungskirche, wo ihm ein Stuhl gereicht wird. Jeden Sonntag von 11:00 – 12:00 führte er eine Demo an – Foto: LyrAg

Nach dem Bau der Mauer in Berlin bemühte sich Zutshi viele Jahre um die Organisierung eines gewaltlosen Widerstandes. Spektakulär war seine Ankündigung, am Geburtstag Gandhis, dem 2. Oktober 1962, die Mauer vor der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße symbolisch einzureißen. Auf Druck der Alliierten und Anweisung des damaligen  Innensenators Heinrich Albertz wurde T.N. Zutshi diese Aktion  unter Androhung der Abschiebung als „unerwünschter Ausländer“ untersagt. Bis zu seiner Rückkehr nach Indien 1964 führte der mutige Inder noch zahlreiche Demonstrationen an oder gegen die Mauer durch, so für den zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilten Fluchthelfer und ehemaligen  Spitzenradsportler der DDR, Harry Seidel „und 14.000 politische Gefangene“.

Zutshi mit dem Sohn Harry Seidels, der wegen Fluchthilfe zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt worden war - Foto: LyrAg

Der enge Weggefährte Zutshis, Carl-Wolfgang Holzapfel, zeigte sich tief bestürzt über die Todesnachricht: „Wir hatten immer gehofft, wieder eine Lebensspur zu finden, um diesem tapferen Streiter für die Menschenrechte gerade zum 50. Jahrestag des Mauerbaus öffentlich danken zu können.“ Der heutige Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni in Berlin hatte viele Anregungen des Inders aufgenommen  und zahlreiche gewaltlose Aktionen durchgeführt. Holzapfel sieht in der damaligen, auf dem Alexanderplatz vorgetragenen Losung Zutshis vom ersten Schritt zur Freiheit eine „prophetische Handlungsanweisung für das, was 1989 in Leipzig und anderswo in der DDR geschah.“ Auch darum habe Zutshi „Respekt und Anerkennung in  Deutschland“ verdient.“

Holzapfel will bei der Stiftung „Berliner Mauer“ anregen, dem ersten Bau der Gedenkstätte nahe der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße „möglichst noch zum 9. November diesen Jahres“ den Namen T.N. Zutshis zu geben. Zutshi hatte in der benachbarten Hussitenstraße gegenüber der Versöhnungskirche über Jahre jeden Sonntag eine Demonstration für die Freiheit der Menschen  hinter dem Eisernen Vorhang organisiert.

Resigniert: 1964 verließ Zutshi Berlin - (von li. n. re.:) Frau Treichel (Zimmerwirtin), Annemarie Klein (Tante des Maueropfers Dieter Wohlfahrt), Wenzel Reiter, C.W.Holzapfel, T.N. Zutshi, Maria Reiter (mit Tasche und Hut) - Foto: LyrAg

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Carl-Wolfgang Holzapfel, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953 – Alle Fotos © 2011 by LyrAg-Holzapfel, Genehmigung zur Verwertung auf Anfrage

Gerüchte um „Zeugnisse der Geschichte“ nie verstummt

AMos – Die Gerüchte halten sich hartnäckig, ja wurden durch ehemalige Mitarbeiter des Museums „Haus am Checkpoint Charlie“ in den vergangenen Jahren regelmäßig genährt: Die im Museum mit großem Erfolg verkauften Unikate von Brocken der Berliner Mauer seien erst im Nachhinein für den Verkauf produziert worden. Das Museum hat dieser Darstellung stets energisch widersprochen. Die eine noch die andere Darststellung konnte nie bewiesen werden.

Neben dem Uniform-Mantel des ungarischen Aufstands-Helden von 1956, Pal Maleter, zeigte das Museum am weltberühmten ehemaligen Checkpoint Charlie unter anderem auch Rock und Sandalen des indischen Freiheitskämpfers Mahatma Gandhi. … Das Museum … zog … nun strittig gewordene historische Trophäen aus der Ausstellung zurück, sie verschwanden in den Asservaten. Ob sich das Museum nun von diesen …. Zeugnissen der Geschichte trennt, ist derzeit nicht bekannt.

Redaktionelle Anmerkung: Ursprüngliche Passagen bezüglich historischer Zeugnisse Gandhis
im Artikel vom 14.12.2008 sind auf Wunsch der Erben Gandhis einstweilen gelöscht worden
(….), da die rechtliche Auseinandersetzung n i c h t beendet ist. 23.12.2008/CWH

Doch weiteres Ungemach scheint am Horizont aufzuziehen. Nicht nur soll die Finanzbehörde mit der Museums-Erbin um erhebliche Millionensummen streiten – was bei den erzielten Einnahmen noch wegzustecken sein dürfte – schlimmer sind die Vorwürfe um die „Rainer-Hildebrandt-Stiftung“, die seit einiger Zeit in Insider-Kreisen kursieren und, wenn sie denn halbwegs wahr wären, das AUS für das weltberühmte Museum bedeuten könnten. Noch am 12.Dezember diesen Jahres verlieh die Hildebrandt-Witwe die nach ihrem Mann benannte Medaillie für Verdienste um die Menschenrechte an den DRK-Präsidenten Rudolf Seiters. Anstelle des zunächst verpflichteten Innenministers Dr. Wolfgang Schäuble hatte der ehemalige Umwelt-Kommissar der Vereinten Nationen Klaus Töpfer die Laudatio auf den vormaligen Minister-Kollegen gehalten. Wohl kaum einer in der im Museum versammelten Festgesellschaft ahnte von den unheilvollen Gerüchten um die Stiftung, die als Verleiher des Menschenrechtspreises seit einigen Jahren auftrat. Sollten sich diese Gerüchte als Wahrheit herausstellen, wäre auch dies wohl die letzte Preisverleihung in diesem Rahmen gewesen.

Denn nicht erst seit gestern flüstern die Auguren von seltsamen Begebenheiten um die seinerzeitige Stiftungs-Gründung in der Schweiz. So soll Rainer Hildebrandt die Gründungsurkunde in der Schweiz drei Tage vor seinem Tod selbst unterschrieben haben, während ihn der beauftragte Pflegedienst just in Berlin in seinem Haus versorgt haben soll. Wer die im Rollstuhl in das Schweizer Notariat hereingerollte Person indes gewesen ist, bleibt im Ungewissen. Vorgebliche Zeugen berichten lediglich, ein Hut sei so tief in das Gesicht des Rollstuhl-Geschobenen gezogen gewesen, dass man unmöglich eine bestimmte Person hätte bezeugen können.

Drei Tage nach der Unterschrift verstarb der Begründer des weltberühmten Museums in Berlin; nur wenige Tage später waren seine sterblichen Überreste verbrannt. Seitdem steht nicht nur eine Urne in einem Krematoriums-Regal, immerhin fünf Jahre nach dem Tod Rainer Hildebrandts. Es scheint, als würde sich auch die Witwe angesichts der dunklen Wolken über der Friedrichstraße und dem lauter werdenden Geraune über allerlei Begebenheiten um eines der meist besuchten Museen Berlins zunehmend nach Ruhe und Frieden sehnen.

Die nach wie vor zahlreichen Besucher bleiben derweil mehr oder weniger ehrfurchtsvoll vor dem Bildnis des einstigen Gründers in einer Museums-Ecke stehen, lesen die Bekundungen im seit fast fünf Jahren ausgelegten Beileidsbuch und fügen, ergriffen oder pflichtbewusst die eigene Unterschrift hinzu. Die neben dem Bildnis angezündete Kerze flackert ob der Bewegung einer schreibenden Hand, als fürchte sie, ihr Licht könne verlöschen.

* Dr. Rainer Hildebrandt wäre heute 94. Jahre alt geworden.

Der Autor dieses Artikels ist der Vereinigung 17.Juni bekannt.

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17.Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953, http://www.17juni1953.de , holzapfellyrag@aol.com

Juli 2021
M D M D F S S
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Blog Stats

  • 753.948 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 128 anderen Followern an