You are currently browsing the tag archive for the ‘Maggie Riepl’ tag.

Titel HB 2014Nr.044 Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 08. 2015

________________________________________________________________________

Lübeck-Schlutup, 15.08.2015/cw – Die von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin finanzierte und seither vermittelte Ausstellung DER DUNKLE ORT hat seit 2012 eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Die bereits in ganz Deutschland gezeigte Darstellung der Schicksale von 25 Frauen, die Teile ihre Lebens aus politischen Gründen in dem berüchtigten DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck (Stollberg/Erzgebirge) zubringen mussten, wird gegenwärtig bis zum 30. August in der Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup gezeigt.

 25 Schicksale wurden portraitiert: Die Frauen von Hoheneck. Fotos: Nayhauß

25 Schicksale wurden portraitiert: Die Frauen von Hoheneck.
Fotos: Nayhauß

„Wir erinnern auf authentische Weise an das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck, seinen Stellenwert in der ehemaligen DDR und an die Situation der ehemaligen Gefangenen,“ erklärte aus diesem Anlass Heino Schomaker, Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein. Schomaker verwies auf das besondere öffentliche und Medien-Interesse in Lübeck. Mit 50 TeilnehmerInnen sei die Ausstellungseröffnung „außergewöhnlich gut besucht“ gewesen: „Die positiven Reaktionen, die wir als Veranstalter bekommen haben zeigen uns, dass sowohl unsere Referentinnen als auch die inhaltliche Fokussierung genau richtig waren,“ erklärte Schomaker. Der Geschäftsführer wies die besonders von der ehem. Hoheneckerin Tatjana Sterneberg geübte Kritik im Vorfeld der Ausstellung zurück. „Mit der Ausstellung machen wir politische Bildungsarbeit, keine „Ausgrenzung“. Und von einem angeblichen „Eklat“, wie auf der Internetseite der „Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.“ geschrieben wird, hat hier niemand etwas gemerkt.“
Sterneberg hatte die Nicht-Information und Nicht-Einladung der in der Ausstellung gezeigten Protagonistinnen kritisiert und dieses Vorgehen „im 25. Jahrestag der Einheit als unsensibel“ bezeichnet.

Die Ausstellung selbst geht auf das im bebra-Verlag Berlin verlegte gleichnamige Buch zurück, das von Dirk von Nayhauß (Fotos) und Maggie Riepl (Texte) konzipiert wurde. Auf der Eröffnungsveranstaltung referierten die ehemaligen Hoheneckerinnen Angelika Rosenberg und Manuela Polasczyk über ihre Schicksale und führten die interessierten Besucher zusammen mit Ingrid Schatz, einer Zeitzeugin vom 17.Juni 1953 und Initiatorin der Grenzdokumentations-Stätte zu den 25 Schautafeln.

Unvergessen: Ehemalige Hoheneckerinnen vor der Austellungseröffnung 2013 in Schwerin im Gespräch mit dem Nobelpreisträger Günter Grass - Foto: LyrAg

Unvergessen: Ehemalige Hoheneckerinnen vor der Ausstellungseröffnung 2013 in Schwerin im Gespräch mit dem Nobelpreisträger Günter Grass – Foto: LyrAg

Rosenberg, deren Schicksal in der Ausstellung nicht vertreten ist, war mit 22 Jahren bereits Chefsekretärin im Baukombinat Leipzig. Nachdem sie sich auf der Messe mit westdeutschen Besuchern angefreundet hatte, wurde die junge Frau strafversetzt. Weil sie sich in der Folge in einen Mann aus dem Westteil Deutschlands verliebte, stellte Rosenberg 1976 einen ersten Ausreiseantrag. Auch mehrere Folgeanträge wurden abgelehnt. In ihrer Verzweiflung wandte sich Rosenberg schließlich direkt an Erich Honecker. In dem Brief prangerte Rosenberg die fehlende Freiheit in der DDR an, was kurz darauf zu ihrer Verhaftung und die Verbringung nach Hoheneck führte. Kurzzeitig wurden in Hoheneck zu dieser Zeit auch Untersuchungsgefangene untergebracht, da die einschlägigen Einrichtungen überfüllt waren. Wenig später wurde Rosenberg wegen „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilt.

Manuela Polasczyk, einstige Leistungsschwimmerin, wurde wegen „versuchter Republikflucht“ (über die Ostsee) 1984 verhaftet und zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Sie erinnert sich an die unzumutbaren Zustände in Hoheneck: Bis zu 36 Frauen wurden in eine Zelle „gepfercht,“ sagte die ehemalige Hoheneckerin, deren Schicksal ebenfalls in der Ausstellung nicht gezeigt wird. Was auch nicht verwundert, waren doch in der Zeit von 1950 bis 1989 zwischen acht- und zehntausend Frauen allein aus politischen Gründen auf der Burg über der Großen Kreisstadt Stollberg eingesperrt.

<<<>>>

Entscheidung noch in diesem Jahr: Kann Hohenecker Frauenkreis weiter existieren?

Michelstadt/Darmstadt, 15.08.2015/ts – Noch in diesem Jahr wird eine rechtskräftige Entscheidung über die Fortführung des seit 1991 existenten Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen erwartet. Wie berichtet, hatte eine satzungskonforme Minderheit gegen die vom seinerzeit neugewählten Vorstand unter Edda Schönherz und Konstanze Helber betriebene Auflösung des Traditionsvereins geklagt. In erster Instanz hatten die Klägerinnen obsiegt, war die Auflösung und die letzte Wahl zum Vorstand für ungültig erklärt worden. Entgegen den allgemeinen Erwartungen ging der ungültig gewählte Vorstand in die Berufung, will den Auflösungsbeschluss unter allen Umständen bestätigt bekommen. Wer bei einem weiteren durchaus möglichen negativen Berufungsentscheid die Gerichtskosten übernehmen soll, steht ebenso in den Sternen wie die Motivation der Auflösungsbetreiber, die nach Ansicht der Klägerinnen das „unverzichtbare Erbe der Frauenkreis-Gründerin Maria Stein“ leichtfertig verspielen.

Christian Wulff 2011 vor der Wasserzelle in Hoheneck - Foto LyrAg

Bundespräsident Christian Wulff 2011 vor der Wasserzelle in Hoheneck – Foto LyrAg

Regina Labahn, Sprecherin der Klägerinnen, erwartet in nächster Zeit „zumindest die Anberaumung eines Termins beim Landgericht.“ Die Hoffnung auf eine Verwerfung der Berufung hat sie dennoch nicht aufgegeben, zu klar seien die Feststellungen des erstinstanzlichen Amtsgerichtes, das an der „katastrophalen Durchführung der diversen Versammlungen vor zwei Jahren“ kein gutes Haar gelassen habe. Allerdings dränge nicht nur aus ihrer Sicht die Zeit. In Hoheneck werden zukunftsträchtige Entscheidungen über die Umwandlung des einstigen DDR-Frauenzuchthauses in Hoheneck gegenwärtig ohne die Mitwirkung des Frauenkreises gefällt, dies sei ein „unhaltbarer und nicht zu verantwortender Zustand.“ Daher habe die Frauen-Initiative nach dem erstinstanzlichen Urteil die Einsetzung eines Notvorstandes beantragt, um „so schnell als möglich den Frauenkreis wieder handlungsfähig zu machen,“ so Labahn. Allerdings hat der derzeitige und nach erster Instanz nicht ordentlich gewählte Vorstand unter Schönherz und Helber auch dagegen Widerspruch eingelegt.

Aktiv unterstützt wird die Auflösung des Vereins auch von Mechthild Günter, einstige Leiterin des Zeitzeugenbüros in Berlin Hohenschönhausen. Günter, einst selbst nur kurze Zeit im sogen. „Durchgang“ von Hoheneck, ehe ihr eine Amnestie die vorzeitige Ausreise ermöglichte, schweigt sich allerdings ebenfalls zu den Motiven aus. Auf der nicht satzungsgemäßen Auflösungs-Versammlung hatte sie die Stiftung Aufarbeitung in Berlin noch als „Liquidator“ bezeichnet, wohl nicht zuletzt, um die vorgebliche Seriosität der Vereinsauflösung zu unterstreichen. In Berlin hingegen will man auf Nachfrage von einer Einbeziehung der Stiftung, gar als Liquidator, keine Kenntnis haben.

<<<>>>

Mahnmal 17. Juni: Wird das Gedenken zur lästigen Pflicht?

Berlin, 15.08.2015/cw – Die „17er“, wie sich die alten Kämpen vom 17. Juni seit 1953 nennen, als sie in West-Berlin das Komitee 17. Juni gründeten , der am 3. Oktober 1957 als „Vereinigung 17. Juni 1953“ in das Vereinsregister eingetragen wurde, sie staunten nicht schlecht, als sie ein Jahr nach dem Gedenktag von 2014 das historische Holzkreuz in Berlin-Zehlendorf inspizierten. Es gehörte zur Routine der Vorbereitung des alljährlichen Gedenkens nahe dem Autobahn-Kleeblatt, sich einige Tage vorher über den ordnungsgemäßen Zustand der Gedenkstätte zu informieren. Über Jahrzehnte hatte das Bezirksamt den Gedenkort gepflegt, die Sträucher geschnitten, wucherndes Unkraut beseitigt und zum 17. Juni an den zwei Masten links und rechts vom Holzkreuz die Flaggen Deutschlands und Berlins aufgezogen.

Sollen die vertrockneten Kränze wieder ein Jahr - bis 2016 - vor Ort bleiben? Stand: 13.08.2015 - Foto: LyrAg

Sollen die vertrockneten Kränze wieder ein Jahr – bis 2016 – vor Ort bleiben?
Stand: 13.08.2015 – Foto: LyrAg

Nun entdeckten die 17er nicht nur eine ungepflegte Fläche. Vor dem Holzkreuz lagen noch die vermoderten Kränze des Vorjahres. Freundlich im Ton aber doch die Enttäuschung nicht verbergend wandte sich der Verein an den zuständigen Bezirksbürgermeister. Dieser ließ die „Weiterleitung an das Grünflächenamt“ ausrichten. Und das Amt teilte kurz vor dem diesjährigen Feiertag sein Bedauern mit. Man habe kein Geld mehr, „um alle Pflichten so zu erledigen, wie man das gerne wolle.“ Jedenfalls werde bis zum Gedenktag die Stätte entsprechend in die Aktivitäten einbezogen.

Acht Wochen nach dem diesjährigen Gedenktag suchte der Vereinsvorstand die Gedenkstätte auf: Wieder waren die Kränze nicht beseitigt, lagen verwelkt und angesichts der Hitze verdorrt vor dem ebenfalls ruinös wirkenden Holzkreuz, dessen Zustand die Vereinigung wie die Meldung des ausgefallenen Scheinwerfers, der im Dunkeln das Gedenkkreuz auf dem Mittelstreifen der Ausfallstraße nach Potsdam beleuchtet, seit mindestens zwei Jahren reklamiert. Der Bezirksbürgermeister selbst hatte 2011 in einem Gespräch darum gebeten, auf Missstände oder auch eine notwendige Erneuerung rechtzeitig hinzuweisen.

Bewußte Verwahrlosung oder mangelnder Umgang mit der Geschichte? Die Gedenkstätte an den Volksaufstand in Berlin-Zehlendorf. Foto: LyrAg

Bewusste Verwahrlosung oder mangelnder Umgang mit der Geschichte? Die Gedenkstätte an den Volksaufstand in Berlin-Zehlendorf. Foto: LyrAg

Der Vereinsvorsitzende, selbst als Kind und Jugendlicher Zehlendorfer, erinnert sich: Früher hätten sich auch die Schulen regelmäßig des Mahnmals angenommen, war das 1953 gegenüber dem dort stationierten russischen Panzer errichtete Holzkreuz alljährlicher Zielpunkt von Schulklassen aus dem Bezirk. Die Pflege war über Jahrzehnte eine ungeschriebene Selbstverpflichtung des zuständigen Bezirksamtes. Jetzt stelle sich angesichts der stiefmütterlichen Behandlung des Gedenkortes die Frage: Wird das Gedenken an den 17. Juni für den Bezirk Zehlendorf zur lästigen und darum vergessenen Pflicht?

Wie ernst die örtlichen Politiker den Umgang mit der Geschichte nehmen, lässt sich auch daran ablesen: Von allen gleichlautend angeschriebenen Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung antwortete nur die Fraktion der örtlichen SPD und bot ein Gespräch „nach den Ferien“ an.

<<<>>>

UOKG: Spendensammlung für Speziallager-Kongress

Berlin, 15.08.2015/cw – Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) geht offenbar neue Wege, um ihre finanzielle Situation zu verbessern. Bekanntlich leidet der bisherige Hauptsponsor, die Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, durch die negative Zinsentwicklung unter der massiven Verminderung einsatzfähiger Mittel. So können zahlreiche Projekte nur noch vermindert oder auch gar nicht mehr finanziert werden.

Für den Oktober plant die UOKG einen von der Stiftung Aufarbeitung gesponserten Kongress „Verdrängter Terror: Sowjetische Spezial- und Internierungslager. 70 Jahre danach“, der im Besucherzentrum der Stiftung Berliner Mauer in der Bernauer Straße durchgeführt werden soll. Nach einer Mitteilung des Dachverbandes vom 12. August sollen mit dem Spendenaufruf 500 Euro eingeworben werden, um den 50 erwarteten Besuchern das Eintrittsgeld von 10 Euro ersparen zu können.

Kritische Beobachter merken allerdings an, dass die UOKG das jetzt eingeworbene Geld vermutlich in ihrer Kasse hätte, wenn die einstige Mitarbeiterin Kerstin K. alle von dieser vereinnahmten Spenden pflichtgemäß an ihren Arbeitgeber abgeführt hätte. Von einer Ersatzklage gegen die einnahmefreudige Mitarbeiterin ist hingegen nichts bekannt. Möglich aber auch, daß die UOKG Kosten für gerichtliche Auseinandersetzungen zu Lasten der knappen Kasse vermeiden möchte, was die ausgewiesenen 36 Mitgliedsvereine, die immerhin mindestens mit jeweils 100 Euro p.a. zum Jahreshaushalt beitragen, sicherlich goutieren.

<<<>>>

Horst Schüler: Ein Veteran feiert Geburtstag

Hamburg, 16.08.2015/cw – Der langjährige Vorsitzende der UOKG und ehemaliger Lagerinsasse in Workuta/UdSSR, Horst Schüler, feiert heute seinen 91. Geburtstag.

Horst Schüler (2014) - Foto: LyrAg

Horst Schüler (2014) – Foto: LyrAg

Von dieser Stelle aus herzliche Glückwünsche nach Hamburg verbunden mit dem Dank für sein jahrzehntelanges Engagement für die Sache der Verfolgten  und Opfer der kommunistischen Diktatur.

Besonders tragisch: Der nachmalige Redakteur des Hamburger Abendblatt mußte unter den Kommunisten nach dem Krieg an gleicher Stelle im nunmehrigen KGB- und späteren Stasi-Gefängnis Lindenstraße in Potsdam einsitzen, wie zuvor sein Vater unter den Nationalsozialisten. (1.023)

__________________________________________________________________________

Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion genutzt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

__________________________________________________________________________

ANZEIGE

Erinnerung bewahren – Ideen umsetzen – Aktiv mitgestalten
Dann sind Sie hier richtig:

VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V. Berlin

(Ehem. „Komitee 17.Juni“ von 1953)

Mitglied werden – Aufnahmeantrag anfordern:

Vereinigung.17.juni.1953@gmail.com
Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Im Vorfeld Eklat um Ausgrenzung der Protagonistinnen

Lübeck, 7.08.2015/cw – Die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin fungierte als Finanzier: Vor einigen Jahren initiierte sie die eindrucksvolle Ausstellung DER DUNKLE ORT nach dem gleichnamigen Buch von Dirk von Nayhauß (Fotos) und Maggie Riepl (Text) – bebra-Verlag, Berlin. Die Schau zeigt das Schicksal von 25 ehemaligen Insassinnen des berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses in Hoheneck. Am 8. August wird die Ausstellung um 17:00 Uhr in der Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup eröffnet (Bus-Linie 11 ab Lübeck, ZOB-Hbf., Richtung „Zarnewenzweg“ bis Haltestelle „Schlutup-Markt“, von dort 500 m Fußweg. Bus fährt alle 30 Minuten).

Die Ausstellung ist bis zum 30.August Di., Do. Fr. und Sa. von 14:00 – 17:00, So. von 11:00 – 17:00 Uhr geöffnet; Eintritt Erwachsene 3,00 €, Kinder/Jugendliche 2,00 €.

Im Vorfeld der bereits in diversen Orten Deutschlands gezeigten informativen Dokumentation kam es zu einem Eklat. Die Aussteller hatten keine einzige der 25 Protagonistinnen von der Ausstellung informiert geschweige denn als Zeitzeuginnen eingeladen. Zwar war schon vor zwei Jahren Petra Koch unerwartet verstorben. Und von den 24 verbliebenen Frauen stehen nicht alle naturgemäß als Zeitzeuginnen zu jedem Termin zur Verfügung. Dennoch sind immer wieder einige der Protagonistinnen bereit, um den oft bewegten Besuchern die vielfältigen Schicksale zu erläutern.

Das Buch zur Ausstellung. Von links: T.Sterneberg, R.Labahn, U.Bonstedt, E.Thiemann, C.Mäge

Das Buch zur Ausstellung. Von links: T.Sterneberg, R.Labahn, U.Bonstedt, E.Thiemann, C.Mäge

Eine ehemalige Hoheneckerin hat sich nun in einem Protestschreiben an die Verantwortlichen gewandt: „Auf Ihre Veranstaltung wurde ich nicht durch Sie, sondern durch Dritte aufmerksam gemacht“, schreibt Tatjana Sterneberg. Nicht nur sie fände es allerdings „irritierend, dass von den 25 portraitierten Frauen nicht eine zur Ausstellung und/oder zum Zeitzeugengespräch eingeladen wurden.“ Die gezeigten Zeitzeuginnen „haben an der Vorlage zur Ausstellung – dem Buch „DER DUNKLE ORT“ – persönlich mitgewirkt, Texte verfasst und ihre historischen Materialien wie Dokumente und Fotos zur Verfügung gestellt.“ Kritisch merkt Sterneberg an, daß das Verhalten der Aussteller so einzuordnen wäre, „als würde ein Buch vorgestellt werden – nur der Autor ( oder die Autoren) selbst würde /-n weder eingeladen, noch zu Wort kommen dürfen“ Dies sei „heute, besonders im Jahr 25 der Deutschen Einheit“ nach der umfänglichen Zuarbeit und dem Engagement gegen das Vergessen, dass alle diese Zeitzeuginnen seit Jahren einbrächten, besonders „schmerzlich.“ Hier werde der „sensible Umgang und eine angezeigte Rücksprache / Koordination vermisst.“ Es hätte lediglich eines Telefonates mit dem Ausleiher der Ausstellung, der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, gebraucht, um „eine solche von den Betroffenen als Ausgrenzung empfundene Situation zu verhindern,“ vermerkt Sterneberg abschließend. Gerne hätte sie wie auch weitere der portraitierten Frauen den Weg nach Lübeck gefunden, wenn man sie zumindest rechtzeitig über den Termin informiert hätte.

Die tatsächliche Einladung von zwei Hoheneckerinnen als Zeitzeuginnen, die nicht Bestandteil der Ausstellung sind und der angesetzte Vortrag von Mechthild Günter könnten nicht über dieses offensichtliche Versäumnis hinwegtäuschen, zumal sich besonders die benannte Referentin für eine Auflösung des historischen Erinnerungsvereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ engagiert  und sich damit maßgeblich an den gegenwärtige Unruhen in „unserem Verein“ beteiligt hätte, resümierte Sterneberg auf Anfrage gegenüber unserer Redaktion. (1.021)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Erinnerung an eine finstere Zeit: Der einst weltberühmte Grenzübergang Marienborn, hier 2015 - Foto: LyrAg

Erinnerung an eine finstere Zeit: Der einst weltberühmte Grenzübergang Marienborn, hier im Juni 2015 – Foto: LyrAg

Marienborn/Stollberg, 30.06.2015/cw – Deutschland im Jahr 25 nach dem Einigungsvertrag. In der Gedenkstätte „Deutsche Teilung“ im ehemaligen Grenzübergang Marienborn (Helmstedt) wurde kürzlich die Ausstellung „Der Dunkle Ort“ eröffnet, in Stollberg (Erzgebirge) diffamierte unterdessen der Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte Frauengefängnis Hoheneck einstige politische Gefangene der DDR-Diktatur.

In Marienborn wurde am 17. Juni die Wanderausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung „Der Dunkle Ort“ eröffnet (bis 31. Juli). Die von Dirk von Nayhauß und Maggie Riepl nach dem gleichnamigen Buch (bebra-Verlag Berlin) konzipierte Ausstellung, in der 25 Schicksale von Frauen gezeigt werden, die zwischen 1950 und 1989 in dem einstigen Frauenzuchthaus Hoheneck aus politischen Gründen ihrer Freiheit beraubt worden waren, wurde in Anwesenheit von sieben ehemaligen Hoheneckerinnen mit einer Diskussion im vollbesetzten Veranstaltungsraum der Gedenkstätte eröffnet.

Anne Gabel, einstige SMT-Verurteilte - Foto: LyrAg

Anne Gabel, einstige SMT-Verurteilte – Foto: LyrAg

SMT- und DDR-Verurteilte

Auf dem Podium schilderten Anne Gabel und Helga Müller, beide aus Berlin angereist, ihre dunklen Erlebnisse in den Gemäuern der einstigen Burg über der Großen Kreisstadt Stollberg im Erzgebirge.

Die im Dezember 1927 geborene Gabel war im März 1947 als vermeintliches Mitglied einer Untergrundorganisation verhaftet worden. Nach 16 Monaten Untersuchungshaft (Friedrichsfelde, Prenzlauer Berg und Hohenschönhausen) wurde die 21jährige von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) zu 25 Jahren Freiheitsentzug und „Besserungsarbeitslager“ verurteilt. Über Bautzen und das einstige NS-KZ Sachsenhausen, dass von den Sowjets bis 1950 ebenfalls für die Unterbringung politischer Gefangener genutzt wurde, kam Gabel mit über 1.100 Frauen nach Hoheneck. Erst 1955, acht Jahre nach ihrer Verhaftung, wurde Anne Gabel zusammen mit 23 anderen Frauen entlassen. Nach einem kurzen Zwischenspiel im Ost-Berliner Stadtteil Lichtenberg flüchtet sie „panikartig“ in den Westteil der Stadt, nachdem drei russische Soldaten den Laden betreten hatten, in dem die junge Frau als Hilfsverkäuferin tätig war. Die gerade überwunden geglaubte Vergangenheit hatte sie wieder eingeholt.

Helga Müller, DDR-Verurteilte - Foto: LyrAg

Helga Müller, DDR-Verurteilte – Foto: LyrAg

Helga Müller, im Februar 1934 geboren, wohnte ursprünglich in West-Berlin. Nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 blieb sie bei ihrem Freund in Ost-Berlin und heiratete diesen „spontan“. Der Bau der Mauer am 13.August 1961 war für die 27jährige „ein Schock.“ Sie fühlte sich schon länger eingeengt, ihr fehlte „die individuelle Entfaltungsmöglichkeit.“ Mehrere Fluchtversuche scheitern. Im Mai 1963 schlägt die Stasi zu, Zusammen mit ihren Freunden wird sie am „Tag der Befreiung“ inhaftiert, bleibt ein Jahr in U-Haft, meist in Einzelhaft. Ein Jahr später wird Müller wegen „gemeinschaftlicher fortgesetzter planmäßiger gefährdender Hetze, Verbindung zu verbrecherischen Organisationen, Verleitung zum illegalen Verlassen der DDR“ zu vier Jahren Haft verurteilt. Auch ihr Mann wurde verhaftet und verurteilt, gelangte aber 1966 durch Freikauf in den Westen, während Helga Müller nach zwei Jahren Haft, darunter in Hoheneck zunächst nach Ost-Berlin entlassen worden war. Nachdem ihr Mann einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt hatte, konnte Müller 1967 nach West-Berlin ausreisen.

Zur Eröffnung angereist: Die ehem. Hoheneckerinnen Catharina Mäge, Birgit Krüger, Tatjana Sterneberg, Edda Sperling (v.li.) - Foto: LyrAg

Zur Eröffnung angereist: Die ehem. Hoheneckerinnen Catharina Mäge, Birgit Krüger, Tatjana Sterneberg, Edda Sperling (v.li.) – Foto: LyrAg

Moderiert wurden die dramatischen, in eine atemlose Stille referierten Schilderungen der beiden Frauen von Dr. Sascha Möbius, dem Leiter der Gedenkstätte Marienborn, und Mechthild Günther, einstige Leiterin des Archivs in der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und selbst bis zu einer Amnestie kurzfristig in Hoheneck. Im Anschluß konnten sich die knapp 100 Besucher in der von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin finanzierten und ausgeliehenen Ausstellung über weitere Schicksale in dem berüchtigten Frauenzuchthaus der DDR informieren. Catharina Mäge, Tatjana Sterneberg, beide selbst in der Ausstellung vertreten,  Birgit Krüger und Edda Sperling konnten als ehemalige Hoheneckerinnen Fragen beantworten. Sie waren ebenfalls eigens aus Berlin zur Ausstellungseröffnung angereist.

Verbale Rundumschläge in Stollberg

Ganz anders stellt sich derzeit das Geschehen am einstigen Ort der vielfältige Leiden von acht- bis zehntausend aus politischen Gründen inhaftierter Frauen dar.

Weil sie sich verliebt hatte, landete sie in  Hoheneck: Tatjana Sterneberg - Foto. LyrAg

Weil sie sich verliebt hatte, landete sie in Hoheneck: Tatjana Sterneberg – Foto. LyrAg

Der dortige Förderverein einer Gedenkstätte in Hoheneck ist seit der letzten Vorstands-Wahl in heftige Turbulenzen geraten. Im Fokus der Auseinandersetzungen im Verein steht dabei offenbar der Vorsitzende des Vereins, der sich nach einem Rücktritt „aus gesundheitlichen Gründen“ vor Jahresfrist erneut zum Vorsitzenden hatte wählen lassen. Dem Optiker-Meister und einstigen Verbandsfunktionär der Optiker-Innung wird u.a. vorgehalten, er widersetze sich einer Überprüfung auf Unbedenklichkeit, was mit der Funktion als Vereinsvorsitzender des Förderereins einer Gedenkstätte Hoheneck nicht vereinbar wäre.

Nun schlägt der Vorsitzende verbal um sich, wobei sich seine umstrittenen Angriffe ausgerechnet gegen einstige aus politischen Gründen verurteilte Menschen richten. So greift der einst in die Versorgung der gefangenen Frauen in Hoheneck mit optischen Geräten einbezogene Optiker namentlich die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg an, der er in gestreuten Mails u.a. unterstellt, möglicherweise für die Stasi gearbeitet zu haben. Auch ihrem Lebensgefährten, der einst wegen seines Einsatzes für „14.000 politische Gefangene“ in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, unterstellte der eigentlich dem Gedächtnis an Unrecht und Gewalt verpflichtete Vorsitzende eine „Umdrehung zu Gunsten der Stasi.“

1976-1977 in Hoheneck: Catharina Mäge (Mitte) schildert aufmerksamen Zuhörern ihre dunklen Erlebnisse - Foto: LyrAg

1976-1977 in Hoheneck: Catharina Mäge (Mitte) schildert aufmerksamen Zuhörern ihre dunklen Erlebnisse – Foto: LyrAg

Beobachter vor Ort sind über diese „unnötigen, weil diffamierenden Ausfälle“ des Wiedergewählten entsetzt und empört. Statt einer sachlichen Auseinandersetzung um „berechtigte Kritikpunkte“, der sich im Grundsatz „jeder Verein stellen“ müsse, würde anstelle einer Deeskalation eine „unverantwortliche Zuspitzung“ betrieben, die nicht nur dem Verein schade, längerfristige Ziele wie die Schaffung einer Gedenkstätte gefährde sondern auch geeignet sei, den Ruf von Stollberg, in dessen Grenzen sich Hoheneck befinde, zu beschädigen. Das sei nach dem vielfach beachteten Besuch des seinerzeitigen Bundespräsidenten Christian Wulff, den Sterneberg im Mai 2011 maßgeblich initiiert und programmiert hatte und dem seitherigen großen Engagement der Stadtspitze unter Führung von Marcel Schmidt „nicht mehr nachvollziehbar.“

Tatjana Sterneberg, die seinerzeit eigens den Optikermeister zum Besuch des Bundespräsidenten eingeladen hatte: „Hier muß dringend ein Runder Tisch vor Ort her, die Konflikte ausdiskutiert werden.“ Jede Verlängerung dieser „die Grenzen des Anstandes überschrittenen Auseinandersetzung“ schade unserem gemeinsamen Anliegen der Schaffung einer würdevollen Gedenkstätte in Hoheneck, so die engagierte einstige Hoheneckerin (1974 –1976). Sterneberg hat inzwischen den Vereinsvorstand aufgefordert, sich für die „verbalen Entgleisungen“ zu entschuldigen. (1.005)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Schwerin04.2013-PlakatSchwerin, 9.04.2013/cw – Am Rande einer Podiumsdiskussion in Schwerin kann es zu einer denkwürdigen Begegnung Hohenecker Frauen mit Nobelpreisträger Günter Grass. Die ehemaligen Hoheneckerinnen, einst Insassinnen des berüchtigten  DDR-Frauenzuchthauses in Stollberg/Erzgebirge, waren in die Mecklenburgische Landeshauptstadt gereist, um anlässlich der Ausstellungseröffnung über die Frauen von Hoheneck die Veranstaltung der BStU-Außenstelle zu besuchen. Überraschend kamen trotz der parallel stattfindenden Lesung mit Günter Grass im benachbarten Staatstheater so viele Interessenten, dass zusätzliche Stühle in den überfüllten Veranstaltungssaal im Schweriner „Schleswig-Holstein-Haus“ herbeigeschafft werden mussten.

Günter Grass im Gespräch mit vier ehemaligen Frauen von  Hoheneck - Foto: LyrAg

Günter Grass im Gespräch mit vier ehemaligen Frauen von Hoheneck – Foto: LyrAg

Vor Beginn der angesetzten Podiumsdiskussion nutzten vier ehemalige Frauen von Hoheneck die Gelegenheit, sich dem im  Haus anwesenden Schriftsteller vorzustellen und an ihr Schicksal zu erinnern. Grass zeigte sich tief bewegt, hörte den Ausführungen aufmerksam zu und wünschte den Frauen für die Zukunft alles Gute.

In der anschließenden fast zweistündigen Podiumsdiskussion berichteten zwei Frauen dem atemlos zuhörenden Publikum über die erlittene DDR-Haft. Regina Labahn war von 1984 – 1986 inhaftiert. Man hatte den Eltern zuvor ihre drei Kinder weggenommen und diese in Heimen untergebracht. Labahn erzählte von den Qualen, die Eltern und Kinder zusätzlich durch die Zwangstrennung durchleiden mussten. Erst nach dem Mauerfall gelang es, die Familie wieder zusammenzuführen.  Die bewegten

Noch heute Schikanen alter Kader beim kampf um  ihr Grundstück auf Usedom ausgesetzt: Das Ehepaar Labahn nutzte die Gelegenheit, ihr Anliegen  im Ministerium vorzutragen. - Foto: LyrAg

Noch heute Schikanen alter Kader beim Kampf um ihr Grundstück auf Usedom ausgesetzt: Das Ehepaar Labahn nutzte die Gelegenheit, ihr Anliegen im Ministerium vorzutragen. – Foto: LyrAg

Schilderungen wurden trotz der Dramatik durch den unverkennbaren norddeutschen Dialekt der aus Usedom stammenden Frau und ihrem auch heute noch unüberhörbaren Humor für die Zuhörer erträglich vermittelt.

Tatjana Sterneberg, von 1974 – 1976 in Hoheneck, sprach von ihren  vergeblichen Bemühungen, zu ihrem Verlobten Antonio nach Westberlin zu ziehen. Sie hatte den bei Kempinski arbeitenden Italiener während ihrer Tätigkeit im Hotel Stadt Berlin (heute ParkInn am Alexanderplatz) kennengelernt und sich in  ihn verliebt. Als ihre Ausreiseanträge abgelehnt wurden, sann  sie auf Flucht, wurde von einem Kollegen verraten und schließlich ebenso wie Antonio verhaftet. Auf fast vier Jahre Haft für sie und fünf Jahre für Antonio lautete das folgende Urteil. Antonio starb 2006 an den mittelbaren  Folgen  der Haft. Sterneberg engagiert sich seither in der Beratung von Verfolgten und Forschungsprojekten in der Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin der BStU Berlin, verstand es geschickt, das Gespräch durch eine sachorientierte und sehr menschliche Moderation durch die naheliegenden emotionalen Klippen zu steuern.

Auf dem Podium in Schwerin: Regina Labahn, Dagmar Hovestädt u. Tatjana Sterneberg (von li.). - Foto: LyrAg

Auf dem Podium in Schwerin: Regina Labahn, Dagmar Hovestädt u. Tatjana Sterneberg (von li.). – Foto: LyrAg

Unter den Zuhörern waren neben  Mitgliedern der örtlichen Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) und dem Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen auch die UOKG vertreten.

Die von Dirk von Nayhauss (Fotos) und Maggie Riepl (Texte) gestaltete Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin „Das Frauengefängnis Hoheneck – 25 Portraits ehemaliger politischer Häftlinge“ ist bis einschließlich 27. Mai in der BStU-Außenstelle in Görslow bei Schwerin während der üblichen Öffnungszeiten und an den Wochenenden zu sehen.

Auch Pfarrer un d Bürgerrechtler Heiko Lietz, hier im Gespräch mit T. Sterneberg, war unter den interessierten Zuhörern. - Foto: LyrAg

Auch Pfarrer und Bürgerrechtler Heiko Lietz, hier im Gespräch mit T. Sterneberg, war unter den interessierten Zuhörern. – Foto: LyrAg

V.i.S.d.P.:Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207785

Berlin/Schwerin, 5.04.2013/cw – Die von der Heinrich-Böll-Stiftung geförderte Austellung „Die Frauen von Hoheneck“ (Fotos: Dirk von Nayhauss, Texte: Maggie Riepl) nach dem Buch „Der dunkle Ort“ wird nach Berlin, Wiesbaden und Rostock (u.a.) nun auch in Schwerin zu sehen sein.

Die Eröffnung findet am kommenden Dienstag, 9.o4.2013 um 19:30 Uhr statt; der Eintritt ist frei.

Ort:

Schleswig-Holstein-Haus, Puschkinstraße 12, 19055 Schwerin.

Zur Eröffnung moderiert die Pressesprecherin der BStU Dagmar Hovestädt ein Zeitzeugengespräch mit den ehemaligen  Hoheneckerinnen Regina Labahn und Tatjana Sterneberg. Weitere Frauen von Hoheneck haben ihre Teilnahme zugesagt.

Auch Hoheneck wurde  zum Synonym für die Schrecken und das menschliche Leid, das durch die politisch motivierte Verfolgung von Bürgern in der einstigen SED-DDR-Diktatur ausgelöst wurde. Während der Existenz der DDR war Hoheneck das zentrale und größte Frauengefängnis. Die Strafen für unbotmäßiges Verhalten waren drakonisch, Arrest in der Dunkelzelle mit Wasser und Brot oder in der dort befindlichen Wasserzelle waren keine Ausnahme; ebenso die gezielte Verabreichung von Psychopharmaka an Gefangene ohne deren Wissen.

Die Frauen mußten in drei Schichten Zwangsarbeit für DDR-Firmen leisten, die die Produktion vornehmlich an westdeutsche Kaufhauskonzerne zum Verkauf auf deren Wühltischen lieferten. Die Haft in Hoheneck forderte auch diverse Tote. Aktuell wurde zu diesem Thema das Buch von Ellen Thiemann „Wo sind die Toten von Hoheneck“ (Verlagsgruppe Langen-Müller-Herbig, München) auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Die Autorin war in den siebziger Jahren selbst in Hoheneck inhaftiert und hat über das Frauenzuchthaus in den vergangenen Jahrzehnten ausführlich publiziert.

Tatjana Sterneberg  war von 1974-76, Regina Labahn von 1984-86 in Hoheneck als politische Gefangene inhaftiert. Sie werden über den Horror, den Sie dort erlebt haben, berichten.

Interessierte Teilnehmer an einer organisierten Fahrt nach Schwerin melden sich bitte unter der Ruf-Nr.: 030-30207778 (Tatjana Sterneberg) bis Sonntag, 7. April, an. Die Abfahrt nach Schwerin erfolgt ca. 11:00 Uhr, die Rückreise nach dem Ende der Veranstaltung.

V.i.S.d.P.: Verein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck, Tel.:030-30207778
Juni 2021
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

Blog Stats

  • 749.619 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 128 anderen Followern an