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Stollberg/Hoheneck, 22.05.2019/cw – An diesem Wochenende treffen sich ehemalige Hoheneckerinnen in Stollberg. Der einst weit über 100 Mitglieder zählende Verein „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ hat zur Mitgliederversammlung eingeladen, um u.a. satzungsgemäß einen neuen Vorstand zu wählen.

Zukunft ohne die „Ehemaligen“? Ein „neuer Blick“ auf die ehem. Haftanstalt. – Foto: LyrAg/RH

Doch ob es überhaupt zu Neuwahlen kommen wird, steht buchstäblich „in den Sternen“, da
nach Informationen unserer Redaktion nicht einmal ordnungsgemäß zu der Versammlung eingeladen wurde. Das verwundert Insider insoweit, als die amtierende Vorsitzende nach einem jahrelangen juristischen Streit um die Auslegung der Satzung und den Bestimmungen des Vereinsrechtes gegen den einstigen Vorstand obsiegt hatte und im Gefolge zur Vorsitzenden gewählt wurde. In dem Anschreiben an die Mitglieder vom 25. Januar d. J. wurde lediglich „zum Treffen“ vom 24. – 26. Mai „mit Aktionstagen“ eingeladen. Unter der zeitlichen Angabe „24.05.“ wurde zwar als vierter Veranstaltungspunkt für „17:30 Uhr“ eine „Mitgliederversammlung mit aktuellen Themen und Vorstandswahl“ angekündigt, die Beifügung einer vorgesehenen Tagesordnung unterblieb jedoch.

Muss sich der Vorstand selbst wählen?

Aus diesen rechtlich-formalen Gründen erscheint die Versammlung als nicht beschlußähig, geschweige denn in der Lage, rechtsgültig einen neuen Vorstand zu wählen. Zudem werden nur wenige Frauen des nach den jahrelangen Auseinandersetzungen stark gesunkenen Mitgliederbestandes zum Wochenende auf Hoheneck erwartet. Es könnte also durchaus sein, dass sich der zu wählende siebenköpfige Vorstand im Falle einer überhaupt durchgeführten Wahl selbst wählen müsste, was die Fragwürdigkeit einer rechtlichen Basis des Vereins ggf. unterstreichen würde.

Zahlreiche Frauen von Hoheneck waren noch 2015 zur Ehrung der Toten erschienen. – Foto: LyrAgRH

Nach der 2016 erfolgten Wahl waren von den sieben Mitgliedern allein vier „wegen unüberbrückbarer Meinungsunterschiede im Vorstand“ von ihrer Funktion zurück- und sogar aus dem Verein ausgetreten. Seither führte der verbliebene Rumpfvorstand unter der ehemaligen Hoheneckerin Regina Labahn die Geschäfte.

Abgesehen von diesen vereinsrechtlichen Kriterien werden zum Wochenende, präzise am 25.05. zum „Tag der offenen Zellentür“ neben dem sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, auch der Psychologe und Buchautor Dr. Karl-Heinz Bomberg und der Bundestagsabgeordnete Peter Beyer (CDU-Fraktion) wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin in der CDU-Fraktion des Bundestages, Melanie Meyer, erwartet. Bomberg wird um 12:00 Uhr sein Buch „Heilende Wunden“ mit „musikalischer Umrahmung und Signierstunde“ vorstellen.

Abschiedsvorstellung nach Austritt aus der UOKG?

Er mahnte 2011 in Hoheneck ein würdiges Gedenken an: Bundespräsident Christian Wulff –
Foto LyrAg/RH

Trotz der in der Einladung angeführten Unterstützung des Treffens durch die „Bundesstiftung Aufarbeitung Berlin“ könnte dieses Treffen das letzte in der Verantwortung des einst angesehenen Vereins sein. Ohnehin verlaufen die Planungen für die vom ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff bei seinem Besuch auf Hoheneck im Mai 2011 angeregte „Gedenkstätte Hoheneck“ ohne ersichtliche Einbindung des Vereins an den Frauen von Hoheneck vorbei. „Die Stadt kann in dem desolaten Zustand des Vereins, der einmal ein ernstzunehmender Gesprächspartner war, keine solchen mehr sehen,“ sagte der Redaktion gegenüber eine ehemalige Hoheneckerin, die namentlich nicht genannt werden möchte: „Kritikerinnen werden grundsätzlich nur noch mit Hass und Verleumdungen verfolgt, das möchte ich mir nicht mehr antun.“

Es sieht also so aus, dass der legendär gewordene Frauenkreis vor seinem endgültigen AUS steht. Mithin könnten die angekündigten „Aktionstage“ an diesem Wochenende die Abschiedsvorstellung des Vereins sein. Ohnehin hatte der Vorstand die Mitgliedschaft im Dachverband der Opferverbände – UOKG – bereits zum Jahresende 2018 gekündigt.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-85607953 (1.409).

Berlin-Köpenick, 08.06.2013/cw – Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) brachte es in seiner launigen  Ansprache auf den Punkt. Sein Bezirk sei immer schon ein  Beispiel für Renitenz und Widerstand gewesen.

Martin Gutzeit (li.) und Oliver Igel enthüllten den Gedenkstein, den zuvor die Vereinigung 17. Juni mit einem Eichenzweig geschmückt hatte. Foto: LyrAg

Martin Gutzeit (li.) und Oliver Igel enthüllten den Gedenkstein, den zuvor die Vereinigung 17. Juni mit einem Eichenzweig geschmückt hatte.
Foto: LyrAg

Das berühmteste Beispiel sei der legendäre Hauptmann  von Köpenick. So sei es für ihn gar nicht verwunderlich, dass der Volksaufstand seinen Ursprung nicht in  der Stalinallee, sondern hier „am 13. Juni 1953 in  Köpenick auf einer Dampferfahrt auf dem Müggelsee hatte, als sich Bauarbeiter von der Baustelle Krankenhaus Friedrichshain mit Kollegen aus Köpenick trafen und über Streikmaßnahmen berieten.“ Ein wenig stolz vermerkte Oliver Igel, dass sich von 20.000 Arbeitern in  Köpenick immerhin 17.000 am Streik vom 17. Juni 1953 beteiligten.

Der legendäre Dampfer startete damals vom Anlegesteg „Rübezahl“. Und nicht weit von der Anlegestelle weihte der Bezirk aus Anlass des 60. Jahrstages des Volksaufstandes einen Gedenkstein ein. Unweit entfernt hatten die Landesbeauftragten ihre dreitägige Tagung zum Thema „17. Juni 1953“ im Hotel am Müggelsee durchgeführt. So konnte der Bezirksbürgermeister rund 150 Gäste zu diesem Ereignis begrüßen, unter diesen neben Zeitzeugen wie Klaus Gronau aus Berlin auch die Landesbeauftragten Lutz Rathenow aus Sachsen, Hildigund Neubert aus Thüringen,

Erinnerung vor Ort an ein  historisches Ereignis. Foto: LyrAg

Erinnerung vor Ort an ein historisches Ereignis.
Foto: LyrAg

Ulrike Poppe aus Brandenburg und Martin Gutzeit aus Berlin. Für die Verfolgtenverbände waren u.a. die Vorsitzenden der VOS, der Vereinigung 17. Juni, dem Forum zur Aufklärung und Erneuerung, des Bautzen-Komitees und des UOKG-Vorstandes, zahlreiche Mitglieder und BürgerrechtlerInnen wie Vera Lengsfeld und Heidi Bohley, die Schwester der legendären Bärbel Bohley, erschienen, um die damaligen  Vordenker des Aufstandes zu ehren. Vom Abgeordnetenhaus in Berlin war Joachim Krüger (CDU) anwesend, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen ist.

Neben dem Berliner Landesbeauftragten sprach auch der Vorsitzende des Heimatvereins Köpenick, Stefan Förster, der die Anregung zu diesem Gedenkstein gegeben und  die Veranstaltung organisiert hatte. Förster dankte zunächst wie zuvor Oliver Igel den Unterstützern des Vorhabens, hier besonders dem THW, für den sachgerechten Transport des „nicht leichten“ Findlings und seinem Stellvertreter für die Idee. Der engagierte Vereinsvorsitzende, der mehrfach von regem Beifall unterbrochen  wurde, erinnerte an die Vorleistungen des Bezirkes Treptow-Köpenick, der die Aufarbeitung und Erinnerung an die SED-Diktatur konsequent und gegen  zahlreiche Widerstände durchführe.

Unter den Teilnehmern auch Hildigund Neubert (3.v.l.) und Vera Lengsfeld (5.v.l.). Im Vodergrund (re.) Reinhard Dobrinski. Foto: LyrAg

Unter den Teilnehmern auch Hildigund Neubert (5.v.l.) und Vera Lengsfeld (8.v.l.). Im Vodergrund (re.) Reinhard Dobrinski.
Foto: LyrAg

Straßenbenennungen nach Opfern des Systems, wie dem letzten Maueropfer Chris Gueffroy oder dem Aktivisten  des 17. Juni, Siegfried Berger,  seien für den Bezirk eine Selbstverständlichkeit und bleibende Verpflichtung. Auch sei dies die richtige Antwort auf den Skandal, dass noch immer zahlreiche Straßen und Plätze nach den Protagonisten  des Unrechtes benannt seien. Hier gelte es, „zumindest einen Gleichstand“ anzustreben und herzustellen, rief Förster aus.

Die Teilnehmer der Landesbeauftragtenkonferenz begaben sich im Anschluss an die würdige Feier, die von dem Trompeter Steve Horn eindrucksvoll mit dem Lied der Deutschen begleitet wurde, auf einen wenige Meter entfernt am Anlegesteg „Rübezahl“ wartenden Dampfer, um die historische Fahrt vor sechzig Jahren nachzuempfinden.

Ralf Drescher, neben oliver Igel stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins, stellte uns freundlicherweise sein Video über die Veranstaltung zur Verfügung:

http://www.youtube.com/watch?v=dP06aBjd7XY

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Termine in Berlin, Strausberg und anderswo zum 59. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953

Berlin, 27.05.2012/cw -Nachfolgend geben wir die uns bekannten, gemeldeten oder von der Vereinigung selbst geplanten Termine zum 59. Jahrestag bekannt.

14.06.2012,  15:00 Uhr: Kreuze am Reichstag: Enthüllung Gedenkkreuz                                            „Den Helden des 17. Juni 1953“ mit Kranzniederlegung (Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.)

Der Thüringer Landtag eröffnet die Wanderausstellung „Der Schrei nach Freiheit Der 17. Juni 1953 in Thüringen„. Bis zum 30 Juni können sich insbesondere auch Schulklassen die Mischung aus Text und Zeitdokumenten anschauen.

16.06.2012,  14:00 Uhr:  Strausberg, Tor zur Kaserne: Kranzniederlegung am Gedenkstein  (Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.)

                            14:00 Uhr:  Eisleben, Gedenktafel für die Opfer des Stalinismus, Sangerhäuser Straße, Erinnerung an Kurt Arndt, Opfer des 17. Juni 1953. Teilnehmer: Die Söhne von Arndt und Johannes Rink, Landesvorsitzender des Bundes der Stalinistisch Verfolgten (BSV), Magdeburg. (Quelle: mz-web.de  „Auf der Flucht erschossen“ 09.06.2012)

                       18:00 Uhr:   Holzkreuz in Zehlendorf (Einziges originäres Denkmal an den Volksaufstand in  Deutschland): Gedenkfeier, Kranzniederlegung (Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.)                

17.06.2012,  09:00 Uhr:   Gedenkstein am Steinplatz (Hardenbergstraße): Gedenkfeier , Kranzniederlegung (Vereinigung der Opfer des Stalinismus –VOS-, BezA. Charlottenburg-Wilmersdorf. Hinweis: Auf Initiative der Vereinigung 17. Juni werden seit einigen Jahren im  Anschluss auch die Opfer der NS-Diktatur am dortigen Gedenkstein geehrt.

                       10:00 Uhr:  Bundesfinanzministerium: Kranzniederlegung Regierender Bürgermeister von Berlin, Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.

10:00 Uhr:  Stadt Strausberg: Kranzniederlegung am Gedenkstein (Einfahrt Kaserne), Bürgermeisterin und Stadtverordnetenversammlung Strausberg

10:30 Uhr:  Stadt Selb: Kranzniederlegung auf dem Goldberg.

10:30 Uhr: Stadt Gera, Trinitatiskirche, Gedenkgottesdienst an den Volksaufstand

16:30 Uhr: Gera-Frankenthal, Gedenkgottesdienst

11:00 Uhr: CDU-Gemeindeverband Rothenburg/Hähnichen: Gedenkveranstaltung Gedenktafel Ecke Bahnhofstraße/Schmiedegasse in Rothenburg . Als Gäste werden CDU-Landtagsabgeordneten Lothar Bienst und die Rothenburger Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD) erwartet.

                       11:00 Uhr:  Staatsakt Friedhof Seestraße: Bundesregierung, Senat, Vereinigung (AK). 17. Juni 1953 e.V.

                       11:45 Uhr:  Friedhof Seestraße: Ehrung der verstorbenen Mitglieder  (10. Todestag Manfred Plöckinger, ehem. Vorsitzender Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)

13:00 Uhr:  20 Jahre Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG): Empfang im Roten Rathaus (Reg.Bürgermeister)

17:00 Uhr: Leipzig – Straße des 17. Juni 2, Gedenkfeier mit Kranzniederlegung. Es spricht der Sächsische Landesbeauftragte und Lyriker Lutz Rathenow. Veranstalter: Museum Runde Ecke, VOS Leipzig u.a. Opferverbände

Änderungen vorbehalten. Besucher der Seite werden gebeten, die Termine entsprechend in ihren Foren und Medien bekannt zu geben.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 – Fax: 86 oder 0176-48061953

Berlin, 22.07.2011/cw – Die Vereinigung 17. Juni  1953 begrüßte gestern den „mutigen Vorstoß“ des neuen Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen  in  Sachsen. „Ein solcher Schritt sei überfällig“, betonte der Vorstand in Berlin.

Es sei zweifellos richtig, dass Stasi-Mitarbeitern die Opfer-Rente „auch im  Nachhinein“ gestrichen werde, betonte Vorstandsmitglied Tatjana Sterneberg. Auch hier bestände volle Übereinstimmung mit Rathenow. Allerdings handele es sich hier möglicherweise um „Opfer, die gezwungener Weise  zu Tätern gemacht wurden.“  Es würden immer wieder nachträgliche Aberkennungen ausgesprochen und „teilweise horrende Rückforderungen“ erhoben, die bei einer Einzelfallprüfung „nicht immer zu halten, weil unbegründet“ wären. Auch der Vereinigung seien Grenzfälle bekannt, bei denen es im Rahmen einer rechtsstaatswidrigen politischen Haft in dieser zu erpressten Unterschriften gekommen sei, ohne dass es im Nachhinein, also nach der Haftentlassung, tatsächlich zu erwähnenswerten Handlungen zum Nachteil Dritter gekommen wäre. Hier würden die Behörden „knallhart auf Grundlage der bestehenden Gesetze“ handeln, weil die Festschreibung einer „Einzelfallprüfung durch den Gesetzgeber aus seinerzeit nachvollziehbaren Gründen versäumt wurde,“ sagte Sterneberg.

Inzwischen  habe die Wirklichkeit auch diesen besonderen Personenkreis der Diktatur-Opfer eingeholt; es käme daher, so die Vereinigung, zu „möglicherweise neuen Ungerechtigkeiten, die bei den Betroffenen durchaus überwundene Traumata zurückrufen könnten.“ Allerdings sei kritisch anzumerken, dass es trotz vorgeschriebener Prüfungen überhaupt zu generellen Zuweisungen von Opferrenten gekommen sei.

Keine nachträgliche Finanzierung von Stasi-Unrecht

Die Vereinigung stellt allerdings klar, dass mit dieser Forderung nach einer gerechtfertigten Einzelfallprüfung keine „nachträgliche Finanzierung von Stasi-Unrecht durch die Hintertür“ verbunden sei. Im Gegenteil habe der Verein gerade jüngst einen  schweren Fall aufgedeckt, in dem sich ein ehemaliger politischer Häftling nach über neun Jahren Haft „nachträglich der Stasi verpflichtet und für diese über 10 Jahre gearbeitet“ habe. „Wir haben diesen Menschen dazu bewegt, sein Unrecht einzusehen und seine Rente zurückzuzahlen,“ teilte die Vereinigung mit. Außerdem kämen erhebliche Rückforderungen  in einer Größenordnung von

nahezu 44.000 Euro auf den jetzt weit über Achtzigjährigen zu. Dies sei rechtens und würde auch von dem Betroffenen nicht infrage gestellt. Eine andere Frage sei die Bewertung der gesundheitlichen Haftfolgen, für die der einstige politische Häftling „zu Recht“ (Sterneberg) eine Versorgungsrente beziehe. Allerdings sehen auch hier die bestehenden Gesetze eine „automatisierte Streichung“ vor, die „nicht gerechtfertigt sei.“ Auch in diesen Fällen würde die Vereinigung, die sich nicht nur als historischen Verein der Erinnerung an den seinerzeitigen Volksaufstand von 1953 sondern auch als Institution für die Aufarbeitung von Diktatur-Unrecht verstehe, Handlungsbedarf des Gesetzgebers sehen.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Auch Lutz Rathenow auf Antrittsbesuch beim UOKG-Verbändtreffen

Berlin, 26./27.03.2011/cw – Auf dem Frühjahrstreffen der UOKG-Verbände in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, dem ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit, wurde der neu gewählte Bundesbeauftragte der BStU, Roland Jahn, mit herzlichem Beifall begrüßt. Jahn, der sich den einstigen politischen DDR-Verfolgten als „einer von Ihnen“ vorstellte, umriss noch einmal programmatisch seine Vorstellungen über die Fortführung der wichtigen  Arbeit seiner Behörde. Dabei bezeichnete er es als „unerträglich und nicht hinnehmbar“, dass nach wie vor ehemalige Stasi-Mitarbeiter in der BStU beschäftigt seien. Es müssten „alle rechtlichen Schritte und Varianten“ geprüft werden, um  hier aktiv das „Instrument der Versetzung innerhalb von Bundesbehörden“ anzuwenden.

Michael Schulz übergab Roland Jahn (rechts) eine Erinnerungstafel an den Besuch von Martin-Luther King in Berlin

Den einstige  Opfern der DDR-Staatssicherheit sei es nicht zuzumuten, erneut ihren einstigen Peinigern gegenüberzustehen und „das ausgerechnet in der BStU, die der Aufarbeitung dienen soll“, sagte Jahn.

In seinen weiteren Ausführungen bezeichnete der BStU-Chef die monatliche Entschädigungszahlung an Verfolgte und Opfer als „Bettelrente“. Die Aufarbeitung sei noch längst nicht da angekommen, wo sie ursprünglich ankommen wollte und sollte. Er, Jahn, wolle auch kritisch bisherige Aktionen und Aktivitäten unter dem Gesichtspunkt der Effizienz beleuchten. Es mache keinen  Sinn, die sehr teure Zusammensetzung von Papierschnitzeln fortzusetzen, wenn als dünnes Ergebnis ab und an ein unwesentlicher IM der Stasi entlarvt werden würde. Da stände das hier investierte Geld besser den Verfolgten und Opfern zu.

Allerdings ließ der einstige DDR-Oppositionelle und nachmalige SFB- und rbb-Redakteur keinen  Zweifel daran, dass er eine Kritik an der Arbeit seiner Vorgänger Joachim Gauck und Marianne Birthler „nicht für zielführend“ halte. Das werde es mit ihm nicht geben. Beide hätten nach ihren Möglichkeiten hervorragende Arbeit geleistet.

Zur Frage, ob der vom Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni seinerzeit erfolgreich in Brandenburg eingebrachte Vorschlag einer Neubenennung der Stasi-Behörde als Aufarbeitungsbehörde „für die Folgen der Diktatur“ auch für die BStU ein Denkmodell sein könne, um deren zukünftige Arbeit zu sichern, äußerte sich Jahn positiv: Eine solche Neu-Positionierung sei durchaus denkbar, da auf Dauer das Instrument einer Aufarbeitung der Stasi-Hinterlassenschaften zu kurz greife und irgendwann auch nicht mehr vermittelbar sei.

„Liebe Noch-nicht-Freunde“

Der gerade vom sächsischen  Landtag mit einer Stimme Mehrheit gewählte Nachfolger von Michael Beleites als neuer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, der Schriftsteller Lutz Rathenow, war spontan einer Einladung des UOKG-Vorsitzenden Rainer Wagner gefolgt, um sich ebenfalls in der UOKG seinen „Freunden und Noch-nicht-Freunden“ vorzustellen. Rathenow bezeichnete den Abschiedsbrief  seines Vorgängers als „Denkaufgabe und Vermächtnis“. Wie mit Beleites umgegangen  worden sei, wäre nicht richtig gewesen. Dieser hätte und habe einen anderen Abschied verdient. Der erst am 1. Mai offiziell in sein neues Amt eintretende Rathenow sprach sich unter dem Beifall der Verbände-Vertreter gegen jegliche „Nostalgie des DDRismus“ aus und bezeichnete die nach wie vor vorhandene Beschäftigung ehemaliger Stasi-Leute in der BStU, die Joachim Gauck zu verdanken sei, als einen Skandal. „Wir laufen nicht mehr gegen Mauern, sondern gegen die Watte der Gleichgültigkeit“.  Er habe sich der konsequenten  Aufarbeitung verschrieben und fühle sich fit gegenüber möglichen Bedenken des Datenschutzes. Allerdings verstehe er sich nicht nur auf der einen  Seite als Ankläger, sondern auf der anderen Seite auch „als Brückenbauer und Moderator“.

Kritik äußerte Lutz Rathenow am Zustand der Landesbehörde, diese sei „jämmerlich ausgestattet“. Ob das veränderbar sei, wisse er noch nicht. Auch gegenüber dem neuen BStU-Chef Jahn merkte er an, dass sich dessen anfänglicher „Euphorismus“ so nicht durchhalten lassen werde.

Zahlreiche Anfragen an den künftigen LStU-Chef schlossen sich dem „spontanen und unvorbereitetem Vortrag“, so Rathenow, an. Zum Problem der Beschäftigung alter Stasi-Seilschaften im MDR äußerte er, seines Wissens sei im hauptamtlichen Bereich das gesamte Personal überprüft. Das Problem seien freie Mitarbeiter im MDR. Hier sei wohl eine „Auferstehung der DDR-IM im Westformat“ vor sich gegangen. Das müsse ernsthaft angegangen werden. Auf der anderen Seite strebe er eine Kooperation mit dem Sender an, um die Sensibilität für einen  Ausbau der Aufarbeitung und Dokumentation über das DDR-Unrecht zu fördern.

Rainer Wagner bezeichnete den Besuch der beiden Behörden-Chefs als Ausdruck der Wertschätzung gegenüber dem Dachverband der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft. Die UOKG hoffe und setze auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit den Behörden, an deren Spitzen jetzt Roland Jahn und Lutz Rathenow amtierten.

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