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TitelNr.062- Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 02. 2017

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Standortbestimmung:   25 Jahre UOKG

Berlin, 15.02.2017/cw – Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) feiert am heutigen Tag in den Räumen der Stiftung Aufarbeitung in der Kronenstraße 5, Berlin, ihr 25jähriges Bestehen (Beginn 18:00 Uhr). Der Vizepräsident des Bundestages, Johannes Singhammer (CSU) wird die Laudatio halten. Aber: Gibt es wirklich einen Grund zum Feiern?

Vor 25 Jahren fanden sich im Frühjahr in Berlin-Zehlendorf zahlreiche Initiativgruppen und Opfervereine zu einer Gründungskonferenz zusammen. Am Ende unterzeichneten elf nunmehrige Mitglieder den Gründungsaufruf. Andere, u.a. HELP e.V., standen der Gründung kritisch gegenüber. Die Kritiker monierten die offensichtliche Veranlassung durch das Bundesministerium des Innern (BMI). Sie befürchteten eine Gängelung und letztendlich einen Maulkorb für die Opfer der SED-Diktatur. Im Ergebnis kam es dann zu einer weiteren Gründung eines Mitgliedsverbandes, dem Zentralrat der Opferverbände. Erst zehn Jahre später kam es nach langwierigen Verhandlungen zu einem Zusammenschluss, wurden im Gefolge die Mitglieder des Zentralrates aufgefordert, der UOKG beizutreten.

Geburtshilfe: Protest von halle 1992 - Archiv: CWH

Geburtshilfe: Protest von Halle 1992 – Archiv: CWH

Am Anfang stand der „Protest von Halle“

Auch aus diesem Grunde tat sich die UOKG schwer, Tritt zu fassen. So wurde der „Protest von Halle“ vom 19. März 1992 noch vornehmlich von dem vergleichsweise kleinen Verein HELP e.V. logistisch organisiert und vorbereitet. 18 (!) Vereine, Verbände und Initiativgruppen beteiligten sich an diesem Protest gegen den seinerzeitigen Entwurf eines „Unrechtsbereinigungsgesetzes“, das an diesem Tag von dem zuständigen Bundestagsausschuss in Halle beraten werden sollte.

Aber auch nach der Vereinigung mit dem „Zentralrat“ tat sich die UOKG schwer, ihrem postulierten Anspruch nachzukommen, die Interessen der Diktatur-Opfer nachhaltig und offensiv zu vertreten. Über gelegentliche Pamphlete kam die Dachorganisation nicht hinaus, eine Kampagnefähigkeit wurde trotz immer wieder vorgetragener Reformvorschläge Einzelner nicht entwickelt. Stattdessen verwickelte man sich zunehmend in interne Grabenkämpfe, die schließlich zu Austritten der ältesten, immerhin historischer Vereine 2007 und 2008 führten: Bautzen-Komitee, VOS und Vereinigung 17. Juni 1953. (Die VOS, inzwischen durch diverse Auseinandersetzungen nur noch ein Abbild früherer Tage, ist vor zwei Jahren unter Führung des Kurzzeit-Doppel-Vorsitzenden Rainer Wagner wieder dem Dachverband beigetreten).

1992 noch ungebrochene  solidarische Zusammenarbeit: Unterschriften unter dem Protest von Halle - Archiv: CWH

1992 noch ungebrochene solidarische Zusammenarbeit: Unterschriften unter dem Protest von Halle – Archiv: CWH

Auch nach den Austritten der namhaften Vereine erfolgte keine verbindliche Standortbestimmung. Zwar war die allgemeine Floskel von der Unvereinbarkeit mit extremistischen Bewegungen etc. in die Satzung aufgenommen worden, in der Praxis aber nach Gutdünken angewandt. So distanzierte man sich von entsprechenden, tatsächlich unhaltbaren Äußerungen des damaligen VOS-Bundesvorsitzenden, arbeitete aber weiterhin mit Mitgliedern zusammen, die z.B. einer ehemaligen KZ-Aufseherin zu einer Anerkennung (Rehabilitierung) als „politischer Häftling“ verholfen hatten (Der Vorgang ist bis auf den heutigen Tag in Schaukästen des ehem. KZ Ravensbrück dokumentiert). Auch das Verhalten des Verbandes ggüb. seinem Vorsitzenden warf Fragen auf. Der Nachfolger des durch einen „Putsch von Salzgitter“ abgelösten allseits anerkannten Vorsitzenden Horst Schüler (93) konnte öffentlich – vom Verband unkritisiert – von Juden, die auch „Knechte Satans“ seien, fabulieren. Auch andere Religionen wurden verteufelt (Allah ist eine Erfindung, Mohammed ist ein Mörder und Betrüger etc.) ohne dass der Hass-Prediger in der UOKG zur Rede gestellt wurde. Erst die heftige Kritik von Außen zwang den religiösen Fanatiker im Frühjahr 2015 zum Rücktritt „aus gesundheitlichen Gründen“.

Der „Bundesvorsitzende“ und die „Millionen Mitglieder“

Überhaupt war der Vorgänger des jetzigen Vorsitzenden Dieter Dombrowski davon geprägt, die UOKG in eine überdimensioniertes Bedeutung zu stellen. So wurde in seiner Ägide aus dem „Vorsitzenden“ ein „Bundesvorsitzender“, sprach er schon mal von dem „größten Opferverband“ mit „Millionen Mitgliedern“. Dabei stilisierte er ziemlich dreist eine relativ kleine Organsation aus dem Bereich des Bundes der Vertriebenen in der UOKG zu einer Mitgliedschaft des BdV selbst. Statt eigene Initiativen zu entwickeln oder gar umzusetzen, eignete er sich zum Beispiel die Initiative eines Vereins außerhalb der UOKG an (IKEA), um finanzielle Förderungen für den Dachverband zu generieren. Im Fall IKEA waren das immerhin über 100.000 Euro, die aber nicht ehemaligen Opfern der Haftzwangsarbeit zugute kamen. Vielmehr wurde dadurch der UOKG ermöglicht, zusätzliches Personal für Forschungsarbeiten zu finanzieren. Auch die Bundesbahn sollte sich vordergründig nicht „ihrer Verantwortung“ an der Mitwirkung von Haftzwangsarbeit etwa durch Entschädigungszahlungen an Betroffene stellen, sondern ebenfalls „Forschungsarbeiten der UOKG“ finanzieren.

Klartext zum 25jährigen Jubiläum: CDU-Politiker: Dieter Dombrowski (CDU) - Foto: LyrAg

Klartext zum 25jährigen Jubiläum: CDU-Politiker: Dieter Dombrowski (CDU) –  Foto:  LyrAg

UOKG – Ein zahnloser Tiger?

Kontroversen löste nun ein Editorial von Dieter Dombrowski im Verbandsorgan Stacheldraht (1/2017) aus: „Ist die UOKG ein zahnloser Tiger?“ In ungewohnter Offenheit stellt hier der aktuelle Vorsitzende die bisherige Legende der UOKG und ihre bisherigen postulierten Ansprüche infrage. Die Opfer erwarteten 26 Jahre nach der Deutschen Einheit, „daß uns angetanes Unrecht nicht nur anerkannt, sondern wieder gutgemacht wird“. Dombrowski: „Wer soll das eigentlich tun?“ Und weiter: „Erwarten wir von den Politikern oder von den Parteien, die bis zum Fall der Mauer die Augen verschlossen haben und die DDR anerkennen wollten, daß sie jetzt an unserer Seite sind?“ Der UOKG-Chef: „Dies zu glauben, wäre naiv.“

Der (Auch-)Vizepräsident des Landtages von Brandenburg und Chef des Menschenrechtszentrums in Cottbus geht dann im Klartext seinen Verband selbst an. Denen, die „eine Veränderung im Ingenieursgesetz fordern, sei oftmals das Schicksal der Zwangsadoptierten nur nachrangig wichtig, wenn überhaupt. Und denen, die Vermögen verloren haben, ist das Thema Entschädigung von Zwangsarbeit vielleicht weniger wichtig, wenn überhaupt.“ Dombrowski stellt ohne die bisher gewohnte Schönfärberei fest, „daß jeder seine persönliche Betroffenheit unbewusst in den Vordergrund stellt und von der UOKG verlangt, genau dieses Thema voranzubringen“.

Kein Dachverband der deutschen Autoindustrie

Der CDU-Politiker und ehemalige Cottbus-Häftling schreibt seinen Verbands-Mitgliedern am Vorabend der 25-Jahr-Feier ins Stammbuch: „Das wird so nicht gehen, dazu sind wir in der Tat zu schwach. Wenn einzelne Betroffene dann auf ihren Fall bezogen sagen: Die UOKG ist ein zahnloser Tiger!, dann haben sie für ihren Fall recht“.

SPD: In der Opposition auf Seiten der SED-Opfer. PE vom 16.06.1992 - Archiv: Verein.17.Juni 1953

SPD: In der Opposition auf Seiten der SED-Opfer. PE vom 16.06.1992 – Archiv: Verein.17.Juni 1953

Allerdings relativiert der Autor dieser Philippika die Bestandsaufnahme, indem er folgend die Zusammenarbeit des Verbandes mit der Deutschen Bahn und IKEA lobend erwähnt, ohne die bisher ausbleibenden Wiedergutmachungszahlungen auch nur anzusprechen. Allerdings: „Ich möchte dafür werben, daß von der kleinen UOKG nicht erwartet wird, Wunder zu vollbringen“, so Dombrowski. Der Dachverband sei „kein Bundesverband der deutschen Autoindustrie, sondern eine kleine Gruppe o h n e wirkliche Macht“. Die Opfer hätten „vor allem aus moralischen Gründen Ansprüche zu stellen“, aber diese seien „kein ausreichendes Druckinstrument“.

Nachdenklich stimmt, wenn 26 Jahre nach dem Ende des zweiten Diktatur-Traumas ein resignierend wirkender UOKG-Vorsitzender an seine Kameraden appellieren muß, sich auch über die Erfolge „für jene Diktatur-Opfer zu freuen, denen etwas geholfen werden konnte“.

Kritik von der SED-Opfer-Hilfe

Natürlich ist der so beschriebene „zahnlose Tiger“ auch auf heftige Kritik gestoßen. So wendet sich Bruni Grabow, die rührige Vorsitzende der „SED-Opfer-Hilfe“ gegen die Auslassungen Dombrowskis (www.sed-opfer-hilfe.de). Für Grabow vermittelt „Ihre Botschaft auf den ersten Blick eine Niederlage der UOKG“. Ob ein Verband die Leistung, die er erbringen sollte, nicht leisten kann, liege wohl nicht an der Geschichte zum Fall der Mauer, sondern daran, dass beim Führen des Verbandes zum größten Teil die Aufarbeitung der DDR und die Versöhnung mit den Tätern im Vordergrund stand, formuliert Grabow ihre Kritik.

SPD-PE vom 16.06.1992, Seite 2

SPD-PE vom 16.06.1992, Seite 2

Die UOKG lasse ihren Kritikern keinen Raum und sei sehr unnahbar geworden. Das seien Eigenschaften, „die der Satzung der UOKG widersprechen“. Grabow hält Dombrowski vor, selbst auf der letzten UOKG-Versammlung den Kampf eines SED-Opfers vor Gericht gegen die Aberkennung bzw. Verrechung der Opferrente mit einem gewährten Berufsschadensausgleich als Problem bezeichnet zu haben, dass „Einzelpersonen betreffe und auch deren Sache ist“. Das sei so nicht richtig, weil so ein Fall exemplarisch viele SED-Opfer betreffe, die eine sogenannte Opferrente erhalten. Die Sprecherin der SED-Opfer-Hilfe empfinde es als peinlich gegenüber allen Betroffenen, dass sich die UOKG um den Bereich „Entschädigung“ nicht konsequent kümmern will. Sie erinnert Dombrowski daran, daß er selbst Vorsitzender der Enquete-Kommission in Brandenburg war und es „nur an der Umsetzung und entsprechenden Rechtsauffassung“ fehle.

Abschließend führt Grabow die aktuellen Initiativen im Bundesrat an: Die Aufgabe zur Hilfe für die Tausenden von Heimkindern stände demnächst im Fokus. Diese würden sich voraussichtlich auch in großer Anzahl an die UOKG wenden. „Wollen Sie zukünftig denen das gleiche wie in ihrem Vorwort der letzten Verbandszeitung sagen?“

Auch der langjährige stellvertretende Vorsitzende der UOKG, Lothar Scholz, sagte zu den Äußerungen Dombrowskis: „Ohne Zweifel: Der  UOKGsind die Themen abhanden gekommen.“ Anders als beim letzten Vorsitzenden Horst Schüler um die Jahrtausendwende, als es gelang, die Opferpension für die Opfer der DDR-Diktatur durchzuboxen (2007), gäbe es nach Meinung ihres Vorsitzenden wohl keine Aufgaben mehr für den Dachverband. Dem widerspricht Scholz vehement: „Das Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewalt, die nach wie vor unzureichende Versorgung der Diktatur-Opfer und deren angemessene Würdigung in der Öffentlichkeit bieten genug Betätigungsfelder für einen Dachverband, der diesen Namen beansprucht.“

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Doppelmoral? Der Umgang mit der Causa Andrej Holm

Andrej Holm trat als Staatssekretär zurück, bevor er entlassen wurde. Die Präsidentin der Humboldt-Universität wandelte jetzt eine ausgesprochene Kündigung des in die Kritik geratenen Wissenschaftlers in eine Abmahnung. Holm hatte seine einstige Verpflichtung und (kurzzeitige) Tätigkeit für das DDR-MfS vor seiner Berufung in den Berliner Senat nicht nur verschwiegen, sondern zuvor gegenüber der Universität geleugnet. Jetzt gab die Universität den Protesten linker Studenten nach, die mehrere Universitätsräume für ihren Protest besetzt hatten. Holm stürzt danach nicht ins Bodenlose, er darf weiterhin junge Menschen unterrichten.

Zahlreiche Organisationen aus der Szene der Diktatur-Opfer beteiligten sich an den Protesten gegen die Berufung des Stasi-belasteten Sozial-Wissenschaftlers zum Staatssekretär in die Rot-ROT-Grüne Berliner Regierung. Im Vordergrund der öffentlichen Kritik stand letztlich nicht die kurze Tätigkeit für das MfS, sondern die Tatsache, dass Holm seine Verpflichtung zunächst verschwiegen und dann bagatellisiert hatte.

Nun geraten die Kritiker seitens der Diktatur- und MfS-Opfer selbst in die Kritik. In einem großen Verband bestimmt seit einem Jahrzehnt ein Funktionär die Geschicke, gegen den wegen der Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen ermittelt und Strafgelder verhängt wurden. Darüber hinaus hatte er in einer Verhandlung vor dem Sozialgericht gelogen und als gelernter Bank-, Diplomkaufmann (FH) und Finanzmakler jegliche Kenntnis über eine Abgabepflicht als „Laie und ehrenamtlich tätiger Verbandsfunktionär“ bestritten. Zusätzlich steht das Vorstandsmitglied im Dunst einer MfS-Verstrickung. Nach eigener Aussage war er zu DDR-Zeiten als „Filialleiter einer Sparkasse“ tätig. Weil er den Eintritt in die SED wegen einer beabsichtigten Beförderung zum „Gebietsleiter der Sparkasse“ abgelehnt habe, wäre er entlassen worden. Im Ergebnis wurde er dann nach der Wiedervereinigung „wegen seiner Tätigkeit bis zu seinem Fluchtversuch“ als „gewerblicher Buchalter“ (laut beruflicher Rehabilitierung) eingestuft.

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Sitz der Stasi-Sparkasse neben der Ruschestraße – Foto: LyrAg

Verbandsfunktionär war Filialleiter der Stasi-Sparkasse

Nur im kleinen Kreis räumte der Funktionär vor rund zwei Jahren auf Vorhalt ein, die Filiale der Stasi-Sparkasse in der Gotlindestraße (nahe der Stasi-Zentrale) geleitet zu haben. Allerdings habe er „nur gewusst, daß die angestellten Frauen ausschließlich mit hauptamtlichen Stasi-Mitarbeitern verheiratet gewesen“ seien. Ansonsten habe er selbst „nichts mit der Stasi zu tun“ gehabt. Die Stasi-Sparkasse war vom MfS eingerichtet worden, um Mitarbeitern des Ministeriums eine Bank zu bieten, auf die ihre Gehälter überwiesen wurden. So sollte Dritten Einblicke in die Vergütungen oder die tatsächlichen Tätigkeiten der (besonderen) Sparkassenkunden versperrt werden.

Recherchen der Redaktion ergaben: Eine Tätigkeit als Filialleiter in der eigenen Stasi-Sparkasse war ohne vorherige „Überprüfung“ durch das MfS nicht möglich. Der Filialleiter war bereits durch die erhaltenen Kenntnisse Geheimnisträger.

Auf die mögliche MfS-Verwicklung des Verbandsfunktionärs angesprochen, gaben „Kameraden“ die beeindruckende Auskunft, man dürfe nicht „in die Vergangenheit schauen, man müsse die Zukunft gestalten.“ Es bringe Niemandem etwas, wenn man die „alten Kamellen“ aus der Kiste holen würde. Ist das so? Warum dann die Proteste gegen Holm (und andere)? Der einst renommierte Verband der verfolgten Kommunismus-Opfer hat wohl nicht nur seinen Mitgliedern, sondern auch der Öffentlichkeit einiges zu erklären.

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Statt Mahnmal des Kommunismus Museum in Äthiopien?

Seit 2007 müht sich der Dachverband UOKG mittels eines eigens geschaffenen Arbeitskreises um ein würdiges „Mahnmal an die Opfer des Kommunismus“. Und obwohl die Stiftung Aufarbeitung nach den erfolglosen Bemühungen des Opferverbandes vor wenigen Jahren die Initiative an sich zog und immerhin eine Ausschreibung finanzierte, sind zehn Jahre ohne Ergebnis vergangen (siehe unter „Zahnloser Tiger“). Jetzt soll nach Informationen im Stacheldraht (1/2017, S.12) in Addis Abeba/Äthiopien mit Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung ein Museum des „Roten Terrors“ entstehen. Das Projekt soll ab Mai 2017 gestartet werden.

Warum Bundesmittel zur Aufarbeitung der SED-Diktatur jetzt (auch) in Afrika eingesetzt werden sollen, während zahlreiche Anträge von Aufarbeitungsinitiativen an die Stiftung in Deutschland abgelehnt werden, erscheint Beobachtern aufklärungsbedürftig.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder (1.221).

Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

 

 

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

 Nr.022                          Förderverein – Info         15. Oktober 2013           

    Hoheneck:                                                                                                                                                                             Amtsgericht befasst OLG Frankfurt/Main mit Auseinandersetzung

Stollberg/Hoheneck, 15.09.2013/cw – In der Auseinandersetzung um den Verein „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“, der nach den Wahlen im Mai 2012 eskalierte, hat sich das Registergericht am Amtsgericht Darmstadt nunmehr an das OLG Frankfurt/Main gewandt. In  einem Beschluss vom 23.09.2013 begründet die zuständige Rechtspflegerin die Vorlage an das OLG u.a.: „Es bestehen hier weiterhin  Bedenken bezüglich der Wirksamkeit des Beschlusses über die Vorstandswahl in der Versammlung am 3./4.05.2013 und bezüglich der Auflösung, beschlossen in der Mitgliederversammlung am 4.05.2013.“ Das Registergericht sehe sich andererseits nicht in der Lage, den beantragten  Notvorstand einzusetzen, da nicht abschließend über den Vorhalt der bestrittenen Gültigkeit der erfolgten  Vorstandswahlen entschieden werden könne.

Eine Initiative Hohenecker Frauen hatte unter der Federführung der Hoheneckerin Regina Labahn und ihres in den Wahlen von 2012 als Wahlleiter agierenden Mannes aufgrund schwerer Mängel in der Vorbereitung und Durchführung der Vorstandswahlen gegen das Ergebnis Einspruch eingelegt. Nachdem der seinerzeit gewählte Vorstand eine Berichtigung durch geforderte Neuwahlen abgelehnt hatte, hatten  sich die Frauen an das Registergericht gewandt.

Dieses hatte für eine außerordentliche Mitgliederversammlung im Oktober 2012 als Auflage die Aufnahme der „kompletten Wahl“ des Vorstandes in die Tagesordnung bestätigt und hernach alle Beschlüsse aus dieser Versammlung wegen  schwerer Formfehler für rechtsungültig erklärt. Im Mai 2013 trat der kritisierte Vorstand geschlossen zurück. Die Nachfolger ließen sich zwar – in einem  erneut angegriffenen Prozedere – wählen, um unmittelbar danach die Auflösung des Vereins zu betreiben.

Die Auseinandersetzungen kommen zur Unzeit. Nach schwierigen Verhandlungen hatte die Große Kreisstadt Stollberg das einstige DDR-Frauenzuchthaus in  Hoheneck erworben, um dort u.a. neben einer wissenschaftlich orientierten Ausstellung auch eine Gedenkstätte an die Leiden der Gefangenen von Hoheneck zu installieren. Ein Insider: „Gerade in dieser Phase ist die Mitsprache der einstigen  Insassinnen unerlässlich,  eine selbstverursachte Isolierung eine Tragödie.“

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 Ehemaligen-Treffen in Leipzig

Leipzig, 11.10.2013/ts – Zu einem informellen Treffen kamen in  der Innenstadt von Leipzig  ehemalige Insassinnen des Frauenzuchthauses Hoheneck, die aus politischen Gründen zwischen 1964 und 1989 durch die DDR zu drakonischen Strafen verurteilt worden waren, in einem Cafe  zusammen.

Geburtagskinder: Regina Labahn und Inge Naumann (v.li.) - Foto: LyrAg

Geburtstagskinder: Regina Labahn und Inge Naumann (v.li.) – Foto: LyrAg

Anlass war der 60. Geburtstag der ehem. Vereinsvorsitzenden (2009-2012) Inge Naumann und der Geburtstag von Initiative-Sprecherin „Rettet den Frauenkreis“ Regina Labahn. Neben dem obligatorischen Sekt, den Glückwünschen für die Geburtstagskinder, üppigen Torten  und Kaffee wurde die Gelegenheit genutzt, lebhaft über die Zukunft von Hoheneck und des Frauenkreises zu diskutieren. Es bestand letztlich große Einigkeit, alle Frauen von Hoheneck in die Zukunftsplanungen einzubeziehen und sich von bisher leider geübten Ausgrenzungen gegenüber bestimmten Haftgruppen zu distanzieren. Nach der anstehenden Entscheidung durch das OLG Frankfurt/Main werde man über die weiteren Schritte entscheiden, die in groben  Zügen bereits beschlossen wurden.

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Bestürzung in Bautzen: Prof. Günter Brendel

Hamburg/Bautzen, 15.10.2013/cw – Kurz vor Redaktionsschluss erhielten wir die traurige Nachricht vom Tod Günter Brendels. Der in Eisleben gebürtige Prof. Dr. Brendel war einen  Tag nach einer notwendigen  Operation überraschend gestorben. Brendel war von 1947 – 1955 in  Bautzen inhaftiert.

Unter einem Vorwand war der Schüler im April 1946 aus dem Haus der Eltern gelockt worden und nach einer drei Tage währenden Fahrt im Gefängnis seiner Heimatstadt abgeliefert worden. Nach 27 Tagen  Dunkelhaft und einer Nahrungsaufnahme nach jeweils drei Tagen wachte er in  einer Einzelzelle auf: „Mein  rechter Hoden war zerquetscht.“  Im Juli wurde Brendel „in einem Viehwagen“ in den „Roten Ochsen“ nach Halle verbracht und dort in eine Gemeinschaftszelle gesteckt. Im März 1947 wurde er von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) wegen  „antisowjetischer Propaganda und Gruppenbildung“ mit der Höchststrafe belegt, später zu 25 Jahren Haft begnadigt. Sein  Lehrer wurde hingerichtet. Im  April 1947 wurde Brendel nach Bautzen verbracht, wo er fürchterliche Jahre durchleben mußte. Nach seiner Entlassung konnte Brendel angewandte Biologie und Medizin studieren.

Brendel gehörte dem erweiterten Vorstand des Bautzen-Komitees an und wollte sich nach überstandener Krankheit engagiert um das Komitee bekümmern, das nach den Wahlen Ende Mai 2013 in Turbulenzen geraten  ist. Der Beisetzungstermin stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

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Zeitzeugengespräch im  Jugendtreff Stollberg

Stollberg, 15.10.,2013/cw – Zu einem Zeitzeugengespräch mit Tatjana Sterneberg am 18.10. um 17:00 Uhr laden die „Pink Panther Stollberg“ im Jugendtreff „Am Pionierpark“ ein. Im Veranstaltungshinweis heißt es: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Talk im Club“  wird Frau PinkPantherStollberg_NEWSterneberg „sehr Spannendes über ihre Zeit im Frauenzuchthaus Schloss Hoheneck berichten. Zudem können in lockerer Runde gerne auch Fragen an sie gestellt werden…. Alle Interessierten sind dazu ganz herzlich eingeladen.  Der Eintritt ist frei. Bei eventuellen Fragen bitte anrufen: Telefon 037296 877 43.“

Sterneberg war 1973 wegen  ihres Ausreisantrages verhaftet worden und verbüßte ihre Haft von 1974 – 1976 in Hoheneck. Sie war stv. Vorsitzende im „Frauenkreis der ehem. Hoheneckerinnen“ und ist seit 2011 Vorsitzende des „Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte –BuG- Hoheneck e.V.“. Bekannt wurde Sterneberg durch ihre Forschungsarbeiten über die Verstrickungen der Stasi, hier insbesondere durch die Aufdeckung der Stasi-Verpflichtung des einstigen medizinischen Leiters in Hoheneck, Peter Janata, als IM „Pit“

Ehemalige Hoheneckerin Susanne H.: „Für immer Rebellin“

Chemnitz/München, 15.10.2013/cw – Als älteste Tochter von vier weiteren Geschwistern wuchs Susanne Heiße im Elternhaus eines Diakons und einer Krankenschwester im  Erzgebirge (Marienberg) auf. Mit sechzehn Jahren verliess sie Marienberg, zog nach Naumburg/Saale um. Als Tochter eines Diakons durfte sie kein Abitur machen, entschloß sich für eine Buchbinder-Ausbildung. Dort entwickelte sich eine enge Freundschaft zu Andreas M.

Später wird sie erfahren, dass ihre Eltern lückenlos von der Stasi überwacht wurden. Nach der Verhaftung ihres Bruders Stefan entschloß sich Susanne („Sissi“) zur Flucht. Ein letzter Besuch beim Bruder in der Haft wird zum bewegenden Abschied.

1981 scheiterte die Flucht an der ungarischen Grenze. Zurück in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) wurde sie wegen versuchter Republikflucht zu zwei Jahren Haft verurteilt, kam  nach Hoheneck, in das berüchtigte Frauenzuchthaus („Die schlimmste Zeit meines Lebens“.).  Sie verweigerte schließlich die Zwangsarbeit, galt als Rebellin, wird in die Dunkelhaft und Wasserzelle verbannt. Nach achtzehn Monaten wird Susanne Heiße freigekauft und in die BRD entlassen. Doch die Alpträume über Hoheneck verlassen Susanne bis heute nicht.

Schließlich verwirklichte sie einen Kindheitstraum, siedelte nach Guatemala über, wo sie heute lebt. Im Rahmen der Sendereihe „Lebenslinien“ berichtete das Bayerische Fernsehen (BR) am 7.10.2013 über ihr Leben. Im Begleittext des Senders heißt es u.a.: „Wie Indianer zu leben – Susannes Traum scheint wahr zu werden, als sie nach einem gescheiterten Fluchtversuch zwei Jahre im DDR-Frauengefängnis überstanden hat. Doch in ihrer Wahlheimat Guatemala drohen Naturkatastrophen und Übermüllung ihr Idyll zu zerstören. Sie entwickelt eine Strategie, das Erbe der Maya zu bewahren.

Für immer Rebellin“, ein sehenswerter und einfühlsamer Film über eine Hoheneckerin, die einen eigenen Weg zurück ins Leben gesucht und gefunden hat. Hier der Link:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/lebenslinien/lebenslinien-102.html

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Kritik:  Mahnmal-Politik der UOKG

Berlin, 15.10.2013/cw –  Der langjährige stv. Vorsitzende des Dachverbandes UOKG, Lothar Scholz, übt deutliche Kritik an der „seit Jahren  andauernden Findungssuche“ für ein Mahnmal, das in Berlin an die Kommunismus-Opfer erinnern soll. Anlass war ein neuerlicher Aufruf des UOKG-Vorsitzenden Rainer Wagner im Vereinsorgan „Stacheldraht“, das Projekt aktiv zu unterstützen. Scholz kritisierte insbesondere, dass diese Suche „bereits seit sechs Jahren ohne Ergebnis“ andauere: „Von einem Dachverband kann man andere Ergebnisse erwarten.“ Und: „Ein Mahnmal lässt sich nicht aus einem  gemütlichen Ohrensessel heraus schaffen.“ Der Kritiker und einstige Workutaner ist nach wie vor Mitglied der UOKG.

Kritik: Stiftung Aufarbeitung beantragt Zulassung der Berufung 

Berlin, 15.10.2013/cw – Die Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur hat gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtes Berlin vom 7.08.2013 (Az.: 2 K 273/12) die Zulassung der Berufung beantragt. In dem Verfahren hatte das VWG der Klage von Dirk Lahrmann entsprochen und die Bundesstiftung nach dem sogen. Informationsfreiheitsgesetz (IFG) zur Auskunft an Dirk Lahrmann (Akteneinsicht) über die Entscheidungskriterien zu einem  von diesem gestellten Förderantrag verurteilt.

Die Geschäftsführerin Dr. Anna Kaminsky beauftragte jetzt die international tätige Anwaltssozietät Raue LLP. (http://www.raue.com/) mit der angestrebten  Berufung.  In Kreisen der Opferverbände löst dieses neuerliche Vorgehen Befremden aus, setze die Stiftung doch hier Steuergelder ein, um einem Opfer der SED-Diktatur ein gesetzlich verbrieftes Informationsrecht nach dem IFG zu verweigern. Dies sei im Schatten  der Beauftragung zur Aufarbeitung einer Diktatur nur schwer nachzuvollziehen.

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UOKG-Kongress: Rehabilitierung und Entschädigung

Berlin, 15.10.2013/cw – UOKG-Chef Rainer Wagner eröffnet am Samstag, 26. Oktober 2013, um 11:00 Uhr mit einem Grußwort den diesjährigen UOKG-Kongress, der diesmal die Rehabilitierung und Entschädigung von Opfern der zweiten deutsche Diktatur in den Mittelpunkt stellt. In einer Pressemitteilung zur Veranstaltung heißt es dazu:

Zwar beinhaltete das 2010 verabschiedete 4. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz einige Verbesserungen bezüglich der Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer aus SBZ und DDR, jedoch existieren auch weiterhin noch zahlreiche Defizite: „Wie können sie beseitigt werden?“. Mögliche Lösungen sollen im Rahmen des Kongresses benannt werden, gleichzeitig sollen Wege zu einer künftigen Entschädigung vergessener Opfergruppen und der Beseitigung von Barrieren in Anerkennungsverfahren gewiesen werden.“

In diesem Kontext sind Vorträge von Rechtsanwälten, Wissenschaftlern, Vertretern von Opferverbänden und der LStU vorgesehen: „Intendiert wird, mit dem Kongress einen produktiven, zukunftsweisenden Beitrag zu einer Diskussion zu erbringen, wie eine Verringerung der noch bestehenden Defizite bei Rehabilitierung und Entschädigung ehemals politisch Verfolgter zu realisieren wäre.

Der Kongress dauert bis ca. 19:00 Uhr und beinhaltet Vorträge und Diskussionsrunden zum Thema. Tagungsgebühren: 10 €, ermäßig 5 €. Die Veranstaltung wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Str. 119, 13355 Berlin.

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Cottbus:  Baustart für Dauerausstellung  

Cottbus, 15.10.2013/cw – Nach der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen bekommt nun  auch die Gedenkstätte  des einstigen Zuchthauses Cottbus eine neue Dauerausstellung. In einer Pressemitteilung  des Vereins wird der Baubeginn „nach drei Jahren intensiver Vorarbeit“ begrüßt.  Die Ausstellung „Karierte Wolken – politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933 – 1989“ soll am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, offiziell eröffnet werden. Die Menschenrechte bilden den Kern der Cottbuser Dauerausstellung. „Über das Schicksal von politischen sowie aus politischen Gründen kriminalisierten Häftlingen hinaus können sich die Besucher hier mit dem Streben nach Verwirklichung von Menschenrechten, deren Unterdrückung, aber auch Respektierung auseinandersetzen. Die Dauerausstellung zeigt typische Beispiele politischen Unrechts aus der Zeit der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur.“ Auf einer Fläche von 450 qm werden 28 Häftlingsbiografien sowie Berichte politischer Gefangener vorgestellt.

Ermittlungen gegen VOS dauern an

Berlin, 15.10.2013/cw – Die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen jetzige und einstige Vorstände der „Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS)“ dauern an. Dem jetzigen Vorstand unter Führung von Hugo Diederich wird die Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt im Sinne des § 266a StGB (Sozialbeiträge) vorgeworfen. Auch gegen Vorstandsmitglieder aus den vergangenen Jahren wird entsprechend ermittelt. Bereits im Sommer d.J. waren die Geschäftsräume des Verbandes durchsucht worden.*

*Durch einen bedauerlichen Übertragungsfehler aus handschriftlichen Notizen kam es zu einer falschen Darstellung. Die Geschäftsräume der VOS sind nicht durchsucht worden. Im angegebenen Zeitraum wurde in den Geschäftsräumen eine Außenprüfung von der Rentenversicherung durchgeführt. Wir bedauern unseren Fehler und bitten um  Entschuldigung. 25.10.2013/Redaktion.

Vorsitzender der „DDR-Opferhilfe“ und „BSV LV Sachsen“ bestätigt Tätigkeit in einem AHB-Betrieb

Berlin, 15.10.2013/cw – Ronald Lässig bemüht erneut die Justiz. In einem gegen vier Adressaten erwirkten Beschluss durch das Landgericht Berlin untersagt er u.a. dem „Hohenecker Boten“ die Verbreitung der Behauptung, Lässig sei „in einem von der Ko-Ko (kommerzielle Koordinierung) kontrollierten Betrieb tätig gewesen.“ Die Ko-Ko selbst stand unter der maßgeblichen Kontrolle und Führung der Staatssicherheit und ihres Generalobersten Schalck-Golodkowski. In einer eidesstattlichen Versicherung, die dem Antrag auf einstweilige Unterlassung beigefügt war, bestätigt Lässig seine Tätigkeit für den „AHB (Außenhandelsbetrieb) Elektrotechnik Export/Import“. Schalck war weisungsbefugter stv. Minister und später, als Chef der Ko-Ko, Staatssekretär im Ministerium für Außenhandel, dem die AHBs unterstanden.

Gegen die Unterlassungs-Verfügung wurde Widerspruch eingelegt.

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht auf der Homepage eingeräumt.

V.i.S.d.P.:Redaktion “Hohenecker Bote”, Förderverein  BuG e.V., Tel.: 030-30207778 © 2013

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Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

             Nr.016                          Förderverein – Info                15. April 2013

Totgesagte leben länger

Ein „Toter“ von Bautzen lebt und wie die Aufarbeitungsindustrie reagiert

Von Tatjana Sterneberg und Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 15.04.2013 – Nach dem Fall der Mauer, verstärkt nach der offiziellen Wiedervereinigung der deutschen Teilstaaten im  Jahre 1990 wurden nicht nur diverse Vereine gegründet, die sich der Aufarbeitung der vorausgegangenen Diktatur und ihrer Opfer widmen wollten. Neben einem Dachverband dieser Vereine entstand schließlich sogar eine eigene Stiftung, die sich neben den bestehenden, meist parteinahen  Institutionen der Förderung von Aufarbeitungsprojekten verschrieb. Dieses Konglomerat unterschiedlichster Institutionen führte in den nachfolgenden Jahren zu meist lukrativen, zumindest aber sicheren Plattformen, um Bücher, Filme, Ausstellungen und anderes zu produzieren, ohne dass sich  z.B. Interessenten oder Mitarbeiter durch Lektorate quälen mussten. Kritische Zeitgenossen, meist einstige Opfer der Diktatur, sprechen heute sarkastisch von einer Aufarbeitungsindustrie.

Sie verkennen die Situation, wir sind für Sie da

Geht man zu den Wurzeln der Entstehungsgeschichte zurück, trifft man allerdings auf interessante Details. So hörte sich die Vorstellung der Arbeit einer wichtigen  Stütze dieser Industrie um die Jahrtausendwende durchaus interessant an. Auf die Frage von Opfervertretern, ob man dieses oder jenes Projekt zur Aufarbeitung umsetzen könne, hieß es: „Sie verkennen die Situation. Sie sind nicht für uns, sondern wir sind für Sie da. Sie äußern Ihre Wünsche, wir bemühen  uns um  die Umsetzung.“

Wenige Jahre später hörte sich dies (übrigens aus dem gleichen Mund) so an: „So geht das nicht, das ist nicht umsetzbar. Da müssen Sie sich etwas anderes einfallen lassen. Das geben unsere Förderungsbedingungen nicht her.“ etc. etc.

Natürlich führte diese Änderung ursprünglicher Ausrichtung längerfristig auch zu Verschiebungen in den Verhaltensweisen bei den Opfer-Vereinen, um die potentiellen Förderer günstig zu stimmen. Die Spielregeln der Aufarbeitungsindustrie funktionieren inzwischen nahezu reibungslos – auf nahezu allen Ebenen. So wird kritikwürdiges  Verhalten zunehmend nicht nach Inhalten, sondern danach beurteilt, ob diese Haltung von unbotmäßigen Opfervertretern oder angepassten Empfängern von Fördermitteln transportiert wird. Entsprechend wird „Empörung“ vorgetragen  oder einfach geschwiegen.

Um in der nun festgefügten Liga der AufarbeitungsIndustrie (AI) ebenfalls mitspielen zu können, verschoben sich auch bei manchen Zeitzeugen die Koordinaten der eigenen Vita. Stand bisher das tatsächliche Erleben  im Vordergrund, das für sich nicht nur schrecklich erschien, sondern vielfach grausam war, veränderte sich die Darstellung dieses Erlebens kontinuierlich in Richtung AI-Vermarktung.

Politisch Verfolgte verweigern sich

Da die AI inzwischen die Vermarktung zum Schwerpunkt machte, wurde zunehmend auf die Hinterfragung von Zeitzeugenberichten verzichtet. Je „eindrucksvoller“ diese waren, umso interessanter. Ließen sich diese „Erzähler“ doch wesentlich besser vermarkten, als pure „Wahrheitsfanatiker“, die nach wie vor glauben, die reale Wiedergaben ihrer Erlebnisse seien ausreichend. So ist es beispielsweise im 60. Jahr nach dem Volksaufstand vom 17. Juni nicht mehr vorrangig, die wenigen noch lebenden und tatsächlichen Teilnehmer am Aufstand zu befragen und einzubinden. Man beschränkt sich auf „Zeitzeugen“, für die bis vor wenigen Jahren der Aufstand keine Rolle spielte, weil sie einst neugierig waren und eher ängstlich am Straßenrand standen. In der von der AI vermittelten aktuellen Darstellung mutierte z.B. ein so „Geförderter“ zum staatsfeindlichen Steinewerfer auf Fahrzeuge der Sowjets, aus der jugendlichen Straßenrandfigur wurde so der aktive „Kämpfer vom 17. Juni.“

Dankenswerterweise  verweigert sich der Großteil der einst politisch Verfolgten diesem unseriösen Treiben. Sie ziehen sich allerdings zunehmend frustriert und enttäuscht zurück, treten sogar aus ihren angestammten Vereinen aus. So verbleiben auf der Bühne öffentlicher Wahrnehmung die „spannenden Geschichtenerzähler“,  die damit die AI am Leben halten. Um aber „im Geschäft“ bleiben zu können, vermeiden diese Spannungsdarsteller jegliche Kritik an ihren potentiellen Förderern und Geldgebern. So haben beide Seiten etwas von dieser freilich fragwürdigen Geschichtsvermittlung.

Hier alle Ungereimtheiten und nachweisbaren „Storys“ anzuführen, würde den Rahmen ebenso sprengen, wie – als Beispiel – die folgende Legende von Angelika Delitz* (*Name geändert) den Rahmen bisheriger „spannender Geschichten“ sprengt. Sie ist nichtsdestoweniger ein belegtes Beispiel für den mehr als sorglosen Umgang der in der AI wirkenden Kräfte mit den Berichten von „Zeitzeugen“.

Ein „in Bautzen Verstorbener“ lebt

Erst im letzten Jahr erschien ein Buch, in dem auch Angelika Delitz* in den Leser berührender Weise von ihrem schweren Schicksal erzählte. „Endlich wieder leben“ nach den Jahren der Demütigungen in Haftanstalten, die zu Recht auch als „der dunkle Ort“ bezeichnet wurden. Delitz* war zusammen mit ihrem Verlobten und dessen Freund 1953 in der DDR zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. Nachdem sie im  Haftkrankenhaus unter „fürchterlichen Bedingungen“ das gemeinsame Kind geboren hatte, will sie 1954 im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck durch eine  Haftkameradin vom „Tod“ ihres Verlobten im Zuchthaus Bautzen II erfahren haben. Später, nach ihrer Entlassung aus der Haft, habe sie erforscht, dass der Verlobte noch „in Bautzen eingeäschert“ und die Urne an die Eltern „an der Ostsee“ versandt und dort beigesetzt worden sei.

Ein erschütterndes Schicksal, das uns schließlich veranlasste, uns auf die Spur ungeklärter Todesfälle in der politisch bedingten Haft in den einstigen Zuchthäusern der DDR zu begeben. Das Schicksal des Verlobten der Angelika Delitz* schien uns dafür prädestiniert.

Allerdings belegen jetzt aufgefundene Unterlagen, dass der „Verlobte“ niemals in Bautzen war und als zur höchsten Strafe Verurteilter (14 Jahre Haft) 1958, also vier Jahre nach seinem behaupteten Tod, begnadigt und aus der Strafanstalt Rummelsburg entlassen wurde. Totgesagte leben  länger, sagt man. Auch die Angabe, nie gewusst zu haben, wo ihr Verlobter seine Haft verbüßte, wird durch die Akten-Funde infrage gestellt. In einem Schreiben von 1954 an Angelika Delitz* wurde dieser offiziell auf Nachfrage mitgeteilt, ihr Verlobter sitze in der Haftanstalt Torgau ein.

Wer Angelika Delitz* am Radio zuhört, sie im Fernsehen sieht oder bewegt ihren  Ausführungen bei zahlreichen Auftritten der AI folgt, ist auch über deren „verzweifelte Suche“ nach ihrem Kind über das Rote Kreuz erschüttert. Erst nach „weiteren zehn  Jahren“ will sie endlich ihr Kind gefunden haben. Auch hier belegt die Forschung einen anderen Sachverhalt. In  einem DDR-Akten-Vermerk von 1957 ist zu lesen, das die Staats-Anwaltschaft Düsseldorf* (*Name der Stadt geändert) Angelika Delitz* „wegen Unterhaltsentzug“ suche. Ermittlungen wegen Unterhaltsentzug ohne Kenntnis über den Aufenthalt des minderjährigen Kindes?

Wasserzelle und Dunkelhaft für positives Verhalten?

Nach Angelika Delitz* wurde diese 1954 nach der Entbindung in die Frauenstrafanstalt Hoheneck überführt; dort habe sie nicht nur vom Tod ihres Verlobten  erfahren, sondern sei auch zur Strafe für ihre Weigerung, eine Adoption  für ihr Kind zu unterschreiben, in die dortige Wasserzelle und in Dunkelhaft gesperrt worden (Hier divergieren die Angaben in zwei Büchern durch Delitz* selbst). Auf die Zitierung des Berichtes über den unmenschlichen Wasserzellen-Aufenthalt wird hier verzichtet. Nicht verzichtet werden soll hier auf die Frage, wie Angelika Delitz 1954 nach Hoheneck und dort in die Wasserzelle und/oder anschließende Dunkelhaft gelangte, wenn  sie nach dem Haftkrankenhaus in Meusdorf (Entbindung) zunächst in die Haftanstalt nach Altenburg und von dort bis August 1955 in die StVA Görlitz verbracht worden war? Die angeführten Haftanstalten tauchen in keinem ihrer Berichte auf.

Und folterte man Gefangene durch Wasserzelle und Dunkelhaft, wenn gleichzeitig in den Akten die positive Haltung der Strafgefangenen Angelika Delitz* vermerkt und ihr täglicher Bezug des Zentralorgans der SED „Neues Deutschland“ und einer weiteren Zeitung lobend erwähnt wurde?

Auch die Erzählung über die Folter in der Stasi-U-Haft in Leipzig muss nach jetziger Aktenlage neu bewertet werden. Es findet sich kein  einziger Beleg über die Befassung der Stasi (amtlich: des Ministeriums für Staatssicherheit –MfS-) mit der Erzählerin oder ihren Mitangeklagten. Nach Leipzig gelangte sie erstmals vor dem angesetzten Verhandlungstermin, als die Verlegung aus einem Krankenhaus nach Leipzig Ende April 1953 (von der Justiz, nicht von der Stasi) angeordnet wurde. Und warum sollte man Angelika Delitz* mittels Wasserzelle und Dunkelhaft zu einem Geständnis bewegen, wenn  sie bereits in der ersten Vernehmung in der U-Haft (in ihrer Geburtstadt) geständig im Sinne der erhobenen Vorwürfe war? Jedenfalls lag vor der Verlegung nach Leipzig bereits die Anklageschrift vor, die Ermittlungen (der Staatsanwaltschaft) waren  also abgeschlossen.

Die Akten geben noch einiges mehr her, was mit den „Erzählungen“ der einstigen politischen Gefangenen nicht übereinstimmt.  Die Wiedergaben weiterer Details, die der Redaktion sämtlich vorliegen, würden auch hier den gegebenen Rahmen sprengen.

Konfrontation mit der Wahrheit abgewiesen

Was haben diese Erzählungen mit der AI, mit deren Aufgaben zu tun? Leider Einiges. Nachdem bereits im  letzten Jahr erste „Unwahrheiten“ bekannt geworden waren, publiziert in einem von der AI geförderten Buch, und andere Autorinnen eine Berichtigung verlangt hatten, verweigerte die fördernde Institution dafür die Zustimmung. Begründung: Delitz* erzähle seit Jahren unverändert die selbe Geschichte, daher müssen diese stimmen. Geht’s noch? Im Gegenteil. Nach Bekanntwerden der „Unrichtigkeiten“ wird Angelika Delitz* von AI-Einrichtungen in einem zuvor nie gekannten Ausmaß zu Vorträgen und Repräsentationen eingeladen. Es lässt sich konstatieren: Delitz* ist gut im  Geschäft. Auch für die unterschiedlichen, weil abweichenden Darstellungen über sie in verschiedenen Zeitzeugenportalen hat sich bis heute ebenfalls keine Einrichtung interessiert. Die Konfrontation mit der Wahrheit wird abgewiesen oder schlicht ignoriert. Weil sie den Vermarktungsintentionen der AI widerspricht?

So kann Angelika Delitz* als ehemalige BGL-Vorsitzende (BGL – Betriebsgewerkschaftsleitung) der „Bahnsicherheit“ und Mitglied in diversen politischen DDR-Verbänden weiterhin offiziell einen Opferverein  führen, im Vorstand eines Dachverbandes wirken und nach wie vor mit Unterstützung der AI mit leiser, fast zerbrechender Stimme von ihrem Schicksal erzählen. Schlimm wird dies erst durch die dramatisch erscheinenden Zufügungen, die man anderswo als Lügen  zu bezeichnen  pflegt.  Wäre sie nach ihrem erstenAufenthalt in der (alten) Bundesrepublik zwischen  1950 und 1951 (Tätigkeit in der Landwirtschaft und einem Haushalt) im Westen  geblieben, wären ihr nicht nur Urteil und Haft sondern auch die aktuellen Vorhalte erspart geblieben.

Wenigstens den Bundespräsidenten wagte sie nicht, doppelt zu belügen. Beim Besuch von  Christian Wulff in  Hoheneck im  Mai 2011 führte sie diesen in  die dortige einstige Wasserzelle, betonte aber, dort sei sie „im  Gegensatz zur U-Haft in  Leipzig“ nicht gewesen. Immerhin.

Welche Konsequenzen die beiden Buchverlage aus der Tatsache ziehen wollen, offensichtlich falsche Angaben verbreitet zu haben, war bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen. Auch eine AI-Institution steht wohl unausweichlich vor der Überprüfung der von ihr geförderten DVD-Dokumentation „Ein Tag zählt wie ein  Jahr“. Eingeweihte sprechen von einem publizistischen Desaster und verheerenden Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit von Zeitzeugen. Angelika Delitz* wollte trotz mehrerer Anfragen zu den jüngsten Forschungsergebnissen keine Stellungnahme abgeben.

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Neuwahlen: Jahrestreffen der ehemaligen Hoheneckerinnen Anfang Mai in Stollberg

Hoheneck, 15.04.2013/cw –  Zu ihrem jährlichen Treffen kommen die Frauen von Hoheneck Anfang Mai in Stollberg und Zwönitz (Erzgebirge) zusammen. Auf der Mitgliederversammlung des Vereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen e.V.“ wird u.a. ein neuer Vorstand gewählt und u.a. der aktuelle Stand in Sachen Gründung einer „Begegnungs- und Gedenkstätte in Hoheneck“ diskutiert. Laut Tagesordnung werden zu diesem Thema auch der Vorsitzende des (zweiten) Fördervereins Dietrich Hamann und der Vorsitzende der geplanten  Gedenkstätte „Kaßberg“ in Chemnitz und Leiter der dortigen  BStU-Außenstelle Dr. Clemens Heitmann referieren. Letzteres Referat ist nicht ohne Pikanterie, da sich die Gedenkstätte „Kaßberg“ aus Sicht von Beobachtern der Szenerie in eine bedauerliche Konkurrenzsituation zu Hoheneck manövriert hat. Eine erste, im Dezember 2011 vorgelegte Konzeption hatte noch eine Einbindung der jetzt auf den Weg gebrachten Chemnitzer Gedenkstätte in ein Gesamtkonzept für die ehemalige Frauenhaftanstalt vorgesehen.

Der amtierende Vorstand hatte dem zuständigen Registergericht Anfang des Monats mitgeteilt, den Rücktritt des Vorstandes und anschließende Neuwahlen in die Tagesordnung aufzunehmen. Damit wird nunmehr auf die anhaltende Kritik aus den Reihen  der Mitglieder reagiert, die sich letztlich sogar veranlasst sahen, einen Rechtsanwalt zu bemühen.

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Lesung „Wo sind die Toten von  Hoheneck?“ mit Autorin  Ellen Thiemann

Stollberg, 15.04.2013/cw – Zusätzlich zu dem jährlich wiederkehrenden Angebot von Zeitzeugengesprächen in einer örtlichen Schule durch den Verein wird die einstige Hoheneckerin und Buchautorin Ellen Thiemann am 4. Mai ihr neuestes Buch „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ in den Veranstaltungsräumen der Stadt Stollberg „im dürer“ um  15:30 Uhr in einer Lesung vorstellen. Veranstalter: Frauenunion Erzgebirge und die Buchhandlung Lindner aus Stollberg.

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VOS: Vera Lengsfeld strebt demokratische Wahlen an

Berlin, 15.04.2013/cw – Die einstige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, jüngst durch den VOS-Bundesvorstand bestätigte Landesvorsitzende von Berlin-Brandenburg, strebt für den Sommer 2013 demokratische Wahlen an. Danach sollen alle Mitglieder des Landesverbandes einen neuen Landesvorstand wählen. Bisher hatten ausschließlich fünf Delegierte den Vorstand „gewählt“, was zu Irritationen geführt und auf zunehmende Kritik unter den Mitgliedern gestoßen war.

Strafbefehl für einstigen UOKG-Vize und Workutaner

Berlin, 15.04.2013/cw – Kurz nach seinem 84. Geburtstag erhielt der ehemalige Workutaner und langjährige UOKG-Vize Lothar Scholz per Einschreiben einen Strafbefehl über 900,00 Euro zugestellt. Vorwurf: Er soll die Leiterin der Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam Ines Reich bedroht haben. Der rüstige Veteran dazu: „Bereits zu meinem 19.Geburtstag war mir die Verurteilung eines Moskauer Gerichtes zu 15 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien „per Post“ übermittelt worden. An dieser Praxis der ´postalischen Verurteilung´ hat sich wohl nichts verändert.“

 

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein und/oder > Hohenecker Bote) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt. Fotos/Dokumente dieser Ausgabe nur im Internet.

Spenden: Sparkasse Erzgebirge, Konto: 725004037, BLZ: 870 540 00

© 2013 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Berlin, 15.09.2012/cw – Der ehemalige langjährige stellvertretende Bundesvorsitzende der UOKG, Lothar Scholz, hat den amtierenden Vorsitzenden des Dachverbandes der Union der Opfer Kommunistischer Gewaltherrschaft in einem Schreiben zum Rücktritt aufgefordert. Rainer Wagner solle „um Schaden von sich und der UOKG abzuwenden“ seinen Hut nehmen. Scholz sieht durch die „Entgleisungen“ Wagners die langfristige Unterstützung durch die Stiftung Aufarbeitung gefährdet. Er könne sich auch nicht vorstellen, wie Klaus Wowereit (der Regierende Bürgermeister) reagiere, „wenn er erfährt, was Sie über Homosexualität predigen.“ Damit sei die Schirmherrschaft für so genannte Kongresse der UOKG  durch Wowereit, wie der geplante am 6. Oktober, ernsthaft gefährdet. Auch seien durch diese Beleidigungen „von Menschen anderer Religionen“ die Arbeitsplätze in der UOKG ernsthaft gefährdet. Scholz fordert den UOKG-Chef auf, auch an seine Familie zu denken, soweit diese nicht auch „Knechte des Satans sind,“ wie der Prediger Wagner postuliere.

Mit Lothar Scholz schließt sich erstmals ein führender Vertreter der UOKG der Kritik an den öffentlich gewordenen Äußerungen des amtierenden Vorsitzenden an. Der „Hohenecker Bote“ hatte gestern über den hauptberuflichen Prediger berichtet. Aus dem Vorstand selbst liegen bisher trotz Aufforderung (vor der Publizierung) keine Stellungnahmen vor. Lediglich ein Vorstandsmitglied, das „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ nicht genannt werden wollte, äußerte sich in einem vertraulichen Gespräch „schockiert“ und meinte, „die Äußerungen sind auch aus religiöser Sicht“ inakzeptabel.

Kommentar:

Unser Leser Stefan K. meinte in einer ersten Stellungnahme, auch Rainer Wagner genieße das Recht auf Religionsfreiheit. Richtig, dieses Recht bestreitet niemand. Aber auch unser Grundgesetz sieht die Meinungsfreiheit durch die Rechte Dritter beschränkt. Religionsfreiheit bedeutet nicht Narrenfreiheit. Immerhin musste sich selbst einer der vier Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X, Richard Nelson Williamson, einer Verurteilung wegen Volksverhetzung stellen.

Richtig, uns geht das religiöse Leben Einzelner nichts an. Anders ist das, wenn diese, noch dazu abstrusen Äußerungen öffentlich kolportiert werden und der sich so Äußernde ein nicht unwichtiges öffentliches Amt bekleidet. Dann muss sich auch ein Prediger an seinen  Äußerungen messen lassen und, wie Lothar Scholz mutig fordert, bisher einzig aus der UOKG, Konsequenzen ziehen. Es könnte ja auch sein, dass sich der Staatsanwalt, der einen  gewissen Williamson anklagte, für diese Äußerungen interessiert.

Dem sollte ein Rücktritt zuvorkommen. Wir brauchen keine Hass-Predigten, wie Pfarrer Peter Kleim aus Gera treffend formulierte. Und wir brauchen keine geistlichen Unterstützer der primitiven Hass-Tiraden der NPD. Wohin das letztlich führt, haben die NSU-Morde, aber auch die jüngsten antisemitischen Vorfälle in Berlin gezeigt.

Carl-Wolfgang Holzapfel

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohenecker Bote, Tel.: 030-30207785

Berlin, 17.02.2012/cw – Jetzt scheint die Auseinandersetzung um das Amt des Bundespräsidenten auch die Opfer der zweiten Diktatur einzuholen. Grund: Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hatte heute nach dem Rücktritt von Christian Wulff über ihren Vorsitzenden eine Sympathie-Erklärung zugunsten  von Joachim Gauck verbreiten  lassen. In der Stellungnahme von Rainer Wagner heißt es: „Opfer der SED-Diktatur schlagen Joachim Gauck als Kandidaten … vor.“

Cover für Drogeriekette "dm": Harte Kohle oder Freundschaftsdienst?

An dieser Formulierung stoßen sich nun zahlreiche Opfer-Vertreter, wenn auch noch meist unter vorgehaltener Hand. Offen hingegen äußern ihre Empörung die Vereinigung 17. Juni 1953, der Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck, aber auch der ehemalige Workutianer und vormaliges Vorstandsmitglied der UOKG, Lothar Scholz, Berlin.

Umstritten: Wagner-Erklärung für Gauck

Tatjana Sterneberg, Vorsitzende des Fördervereins BuG Hoheneck sieht unter diesen Umständen den Aufnahmeantrag in den Verband gefährdet, über den die nächste UOKG-Mitgliederversammlung beraten soll: „Unter diesen Umständen sehen wir eine Mitarbeit äußerst kritisch. Es kann nicht sein, dass hier für die SED-Opfer Erklärungen abgegeben werden, die laut telefonischer Rücksprache mit Pfarrer Wagner von heute mit keinem der Mitgliedsverbände zuvor abgesprochen wurden. Wir können uns nicht vorstellen, dass sich der UOKG-Vorstand in der Position eines Politbüros sieht, dessen Entscheidungen allenfalls abzunicken sind.“

Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni hingegen sieht in der Unterstützung Joachim Gaucks nach dessen letzten „skandalösen Äußerungen“ einen Skandal der UOKG. Holzapfel: „Erst kürzlich erklärte Gauck unter den Pfiffen und Buhrufen von Opfern im Mielke-Haus in der Ruschestraße, er könne auf die Befindlichkeiten der Opfer keine Rücksichten nehmen und verteidigte damit die Einstellung ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in die damalige Gauck-Behörde, gegen die sein Nach-Nach-folger Roland Jahn jetzt erfolgreich vorgeangen ist. Ein solcher Mann sollte seinen  Ruhestand und seine Tantiemen genießen, aber nicht als Kandidat für dieses wichtige Amt benannt werden, schon gar nicht von einem Dachverband der Diktatur-Opfer.“  Wenn der UOKG-Vorsitzende in einer so wichtigen Frage „derart an den Opfern vorbei argumentiere, stelle sich ernsthaft die Frage nach Konsequenzen,“ betonte Holzapfel.

Lothar Scholz erinnert in diesem Zusammenhang neben seiner Empörung über die UOKG-Erklärung auch an die „weit überzogenen Honorarforderungen des Pfarrers im Ruhestand. Wer für einen Auftritt bis zu 10.000 Euro verlange, sollte Privatmann bleiben, aber nicht ein moralisch-ethisches Amt besetzen,“ erklärte Scholz heute in Berlin.

Vorstehende Erklärung wird vollinhaltlich von der Vereinigung der Opfer des Kommunismus – Deutschland e.V., (VOK, Sitz Wolfenbüttel, Niedersachsen) , Vorsitzender Jörg Moll, unterstützt. Die VOK ist Mitglied der UOKG.

Nachtrag 17.02.2012: Dem Protest gegen die UOKG-Erklärung schlossen sich zwztl. u.a. an: FORUM ZUR AUFKLAERUNG UND ERNEUERUNG e.V., Reinhard Dobrinski; FVZ e.V., Helmut Ebel (ehemals Vorstandsmitglied der UOKG), und Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V., Dr. F.Weinberger (siehe auch „Kommentare“) sowie weitere Einzelpersonen aus dem Bereich der Diktatur-Verfolgten.

Nachtrag vom 18.02.2012: Pro Universitätskirche e. V. war am Votum für Gauck nicht beteiligt. Dr. Dietrich Koch (Forum „Flucht und Ausreise“ – http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r=threadview&t=3898311&pg=4

V.i.S.d.P.:  Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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