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Von Wieland Zumpe*

Leipzig, 3.10.2016 – Polarisierung und Radikalisierung in Deutschland waren die Ausgangsbegriffe einer Öffentlichen Podiumsdiskussion von Sozialpsychologen zum 50. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie am 20. September 2016 in Leipzig.

Es ging aber in der Hauptsache um die Besprechung von Lösungen. Denn Polarisierung und Radikalisierung entstehen durch Bedrohung, Verängstigung, Abwertung, Stimmlosigkeit, Zustände der Hemmung und fehlende u.a. politische Steuerung.

In einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat sind daher dessen Strukturen gefordert, aus sich selbst heraus dieses freie selbstbestimmte Handeln im Sinne des Grundgesetzes zu entwickeln, was unsere Kultur geprägt hat und diese ausmacht. Das bedeutet die Einhaltung von Grundwerten und Normen in ihrer gesamten Palettenbreite, die im Podium auch benannt wurden.

Auseinandersetzungen bedürfen des Dialogs

Dazu gehört die ständige Gewährleistung der Handlungsfähigkeit und das Bieten von Handlungsoptionen für soziale Integration und gegen sozialen Demokratieabbau. Sorgen der Menschen müssen ernstgenommen werden. Sie müssen sich zugehörig fühlen und engagieren. Teilhabe muß im Sinne des Grundgesetzes ermöglicht werden.

Stellungsmäßig vermeintlich geschlossene Absonderungen, die sich als „Eliten“ sehen, müssen entzaubert und Gleichheit wieder sichergestellt werden. Die Auseinandersetzungen bedürfen des Dialogs.

Dazu müssen inhaltliche Klärungen stattfinden. Man muß diskursfähig sein und sondieren, was möglich ist und was nicht. Hierzu wurden Beispiele und Problemlagen erläutert und Untersuchungsergebnisse zitiert.

Letztlich – und nur letztlich – wurde das Vertrauen in Verfassungsorganisationen benannt.

* Der Autor ist diplomierter Kulturwissenschaftler, hat in Psychologie u.a. ein Rigorosum erfolgreich abgeschlossen und Praktika in der Neurobiologie.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.158)

TitelNr.054 –Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 06. 2016

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Erich Loest zum 17. Juni 1953: „Geheimdienstler aus Westberlin schickten Kriminelle und Rowdys über die Grenze“

Berlin, 16./17.Juni 2016/cw – „Das war an diesem Vormittag nur zu ahnen: Da und dort in Westberlin hatten stimm- und zahlungskräftige Geheimdienstler um sich geschart, wer immer auf sie hören wollte. Arbeitslose und Kriminelle. Sie hatten jedem, der ihnen folgen wollte, nach der Rückkehr fünfzig Mark auf die Hand versprochen, und dann waren die Trupps über die Grenze gegangen zum freiheitlich motivierten Brennen und Plündern…“ (SZ, Nr.132, 11./12.06.1983).

Diese Beschreibung des 17. Juni 1953 stammte aus der Feder des am 12. September 2013 in Leipzig verstorbenen berühmten Schriftstellers Erich Loest. Zum 30.Jahrestag des Volksaufstandes verbreitete sich Loest in der renommierten Süddeutschen Zeitung im Stil des einstigen SED-Anhängers. Da lagen die vielen Jahre der Haft in Bautzen (Entlassung 1964) bereits hinter ihm, seit 1981 lebte das einstige Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, aus dem er 1979 austrat, in der einst gehassten Bundesrepublik, konnte sich also über tatsächliche Gegebenheiten um die Ereignisse im Juni 1953 umfassend informieren. Loest weiter:

Demonstrierende am Brandenburger Tor

Der spätere Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni, Manfred Plöckinger, als Demonstrant unter dem Brandenburger Tor (zweite Säule v. li. Mitte) – Foto. Archiv

Seitdem haben beide Seiten im geteilten Land ihr Bild vom 17. Juni festgeschrieben. Das da Panzerkanonen in die Menge gefeuert haben, wird nicht auszurotten sein, auch Biermanns Zeile, Panzer machten aus Menschen Menschenfleisch, klingt mir zu schrill… Es gab Tote an diesem Tag, und jeder war zuviel, aber Blutrunst sollte keiner in sein Bild malen. Dieter Borkowski hat beschrieben, wie ein Panzer in Berlin Unter den Linden einen Demonstranten zerquetschte, und Borkowski sah, wie sich das Turmluk hob, ein Kopf schob sich heraus, und Borkowski erkannte: Der da, der Mörder, war der spätere Marschall Gretschko…“

Der Westberliner Wolfgang Helle stand vor dem Kreuz

Einer der nicht nur von Loest beschriebenen Rowdys aus Westberlin war Wolfgang Helle. Der damals Neunzehnjährige hatte im Rundfunk von den Unruhen im Ostteil der Stadt gehört und war schon am 16. Juni über die Sektorengrenze nach Ostberlin geradelt, um sich zu informieren. „Beteiligt habe ich mich an keinen Aktionen, dafür hatte ich viel zu viel Angst. Aber als engagiertes Mitglied der „Jungen Europäischen Föderalisten“ (JEF) interessierte mich, was da in der geteilten Stadt vor sich ging,“ sagt der in die Jahre gekommene Zeitzeuge, der heute in Staaken lebt.

Wolfgang Helle 1953/1954 - Foto: Privat

Wolfgang Helle 1953/1954 – Foto: Privat

Unvergessen bleibt dem heute 82jährigen der 17. Juni, als er erschrocken und ratlos vor einem provisorisch errichteten Kreuz stand. Hier war zuvor ein Arbeiter von den Ketten eines russischen Panzers überrollt und getötet worden. Dieses Bild, Helle steht mit seinem Fahrrad vor dem Kreuz, von Guido Knopp in seinem Buch „DER AUFSTAND – 17. JUNI 1953“ auf Seite 164 veröffentlicht, wird Helle zeitlebens nicht vergessen. Es war für ihn „die blutige Seite des Aufstandes“. Von den „Westberliner Rowdys in Jeans und Lederjacken“ hat er später zwar gehört, kann aber darüber nur den Kopf schütteln: „Ich habe weder 50 Mark oder ein sonstiges Geld bekommen, noch habe ich blutrünstige Halbstarke bemerkt, die dazu noch im Westauftrag Unruhen geschürt oder sich daran beteiligt haben.“ Für den überzeugten Europäer ein „klares Produkt der Ost-Propaganda, die das Trauma des 17. Juni nie verwunden hat,“ sagt Helle heute.

Mit Wolfgang Helle hat einer der durch die Agenda des 17. Juni 1953 geisternden Westberliner Jugendlichen 63 Jahre nach dem Aufstand ein Gesicht bekommen. Ein Diskurs mit Erich Loest wäre höchst interessant gewesen. Dieser hat allerdings auf die Vorhaltungen der Vereinigung 17. Juni, die seinen eigentlich skandalösen Artikel aus der SZ in ihrer Festschrift zum 50.Jahrestag auszugsweise veröffentlicht hatte („Spurensuche – Helden der Menschlichkeit“, 2003) nicht reagiert. Er war vor der Veröffentlichung um eine Stellungnahme „aus heutiger Sicht“ gebeten worden. Loest hat die aufgeworfenen Fragen nie beantwortet…

Wolfgang Helle hat sein Fahrrad von 1953 noch. Er will es einem Museum für Zeitgeschichte zur Verfügung stellen. Natürlich mit dem Foto des Halbstarken aus Westberlin, der rat- und fassungslos vor dem spontan errichteten Denkkreuz eines Opfers des Aufstandes steht.

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Die -werktätigen- Volksmassen machen die Geschichte!

Berlin, 15.06.2016/cw – Reinhold Schramm, einstiger Mitarbeiter des MfS, gehört zu den Nachdenklichen seiner Zunft. Schön früher war er einstigen Opfern seiner einstigen Auftraggeber durch abweichende Thesen aufgefallen, die er zunächst aber lieber unter vier Augen präsentierte. Jetzt hat er sich öffentlich mit dem Thema 17. Juni 1953 auseinandergesetzt 😦http://www.scharf-links.de/52.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=56401&cHash=4d1789ed9d).

In einem Beitrag für die Kommunisten-Seite im Internet „scharf links“ nimmt der einstige MfS-Offizier zu einem Artikel Stellung, der im kommunistisch orientierten „RotFuchs“ erschienen ist: Warum in der Alt-BRD der 17. Juni gefeiert wurde und warum Bodo Ramelow daran anknüpft«, vgl. RF-Extra, Juni 2016“:

Wir Kommunisten lügen uns doch nichts in die eigene ideologische und weltanschauliche Tasche!“ schreibt Schramm und bezeichnet es als Fakt, dass seinerzeit „auch das werktätige Fußvolk mitgelaufen“ sei, „selbst wenn die Anführer 1953 alte und deren neue und junge Faschisten waren.“

Als Beweis, „das es der Minderheit von Kommunisten und Antifaschisten nach 1949, bis zum Ende der Existenz der DDR, nicht gelungen war, die alte Arbeiterklasse und die werktätige Jugend (-in ihrer großen Mehrheit-) zu gewinnen“ führt Schramm akribisch die Ergebnisse der Volkskammerwahl vom 18. März 1990 an. Der Autor schreibt bemerkenswert offen vom „- vorgeblichen- antifaschistischen und antiimperialistischen Kampf“ und das es „schon weit aus mehr, als einen historischen Verweis auf den 17. Juni 1953, und auf revisionistische „Chruschtschowianer“, so wie Enver Hoxha zu Lebzeiten“ bedarf, als der Thematisierung von Kurt Gossweiler „Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR“.

Es folgt die, wenn auch späte Einsicht: „Es gilt doch immer noch die historische Wahrheit: Nicht die einzelnen Persönlichkeiten, sondern die -werktätigen- Volksmassen machen die Geschichte!“ Dem ist unsererseits nichts hinzuzufügen.

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Manfred Schumann: Als Held gefeiert, als Provokateur entlassen

Leipzig/Berlin, 15. Juni 2016/cw – Am 26.06.1953 wurde er – wohl wegen seines jugendlichen Alters – aus der U-Haft entlassen

Verstoß ggeen Grundsätze der antifaschistisch demokratischen Ordnung - Foto: Archiv

Verstoß ggeen Grundsätze der antifaschistisch demokratischen Ordnung – Foto: Archiv

und von der Belegschaft des VEB Bodenbearbeitungsgeräte in Leipzig zunächst als Held gefeiert: Manfred Schumann, geb. 9.06.1938, verstorben in Berlin † 27.03.2011. Eine Woche nach seinem 15. Geburtstag wurde der Lehrling Zeuge und Akteur des Aufstandes in Leipzig. Manfred Schumann beteiligte sich spontan an den Demonstrationen. Noch am 17. Juni war er verhaftet worden.

Am 22. August folgte der Euphorie die Ernüchterung: Manfred Schumann wurde fristlos entlassen. In der Begründung hieß es kurz und lapidar: „In der am 21.8.53 durchgeführten Belegschaftsversammlung beschloß diese einstimmig ihre fristlose Entlassung, da Sie durch Ihr Verhalten gegen die Grundsätze der antifaschistischen demokratischen Ordnung verstoßen haben, wie sie in der Verordnung über das Kündigungsrecht vom 7.6.1951 Paragraph 9a festgelegt ist.“ Unterzeichnet war das historische Dokument von der Betriebsgewerkschaftsleitung und der Kaderabteilung (1.125).

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Rita Süssmuth: Opfer erwarten Anerkennung und Würdigung

Berlin, 17.Juni 1992/cw – Rita Süssmuth, seinerzeitige Präsidentin des Bundestages, erinnerte am 17. Juni 1992 im Deutschen Bundestag an einen „Tag der Trauer über die vielen Menschen, die ihre Forderungen nach gerechten Arbeits- und Lebensbedingungen, ihr Verlangen nach Freiheit und Demokratie mit dem Leben oder mit langjähriger Haft bezahlt haben. … Den 17. Juni aus unserer Erinnerung schwinden zu lassen, hieße, die Opfer der kommunistische Zwangsherrschaft aus unserem Gedächtnis zu tilgen, die lange Reihe derer nämlich, die wegen ihrer Gesinnung und wegen ihres mutigen Eintretens für Recht und Freiheit verfolgt wurden. Sie erwarten von uns zu Recht, daß dieser Einsatz anerkannt und gewürdigt wird.“

Nachdem der Rechtsausschuss übereingekommen war, eine Ehrenerklärung für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft auszusprechen, verlas Süssmuth im Namen aller Fraktionen diese Erklärung (Die Abgeordneten erhoben sich von ihren Plätzen):

„Der Deutsche Bundestag würdigt das schwere Schicksal der Opfer und ihrer Angehörigen, denen durch die kommunistische Gewaltherrschaft Unrecht zugefügt wurde.“ Diese Menschen „wurden ihrer Freiheit beraubt und unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. … Sie wurden gefoltert, gequält und getötet. Sie wurden in ihrem beruflichen Fortkommen behindert, schikaniert und diskriminiert. Sie wurden verschleppt. Sie wurden unter Missachtung elementarer Grundsätze der Menschlichkeit aus ihrer Heimat, von Haus und Hof und aus ihren Wohnungen vertrieben. Sie wurden an Eigentum und Vermögen geschädigt.

Der Deutsche Bundestag verneigt sich vor allen Opfern kommunistischer Unrechtsmaßnahmen. Er bezeugt all jenen tiefen Respekt und Dank, die durch ihr persönliches Opfer dazu beigetragen haben, nach über 40 Jahren das geteilte Deutschland in Freiheit wieder zu einen.“

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Wir gedenken unserer 2015/2016 Verstorbenen:

Uwe Holzapfel, *8.03.1942  24.08.2015

Karl-Heinz Gebhardt * 08.1929  1.04.2016

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder (1.125).
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

 

 

 

 

                       

 

 

 

 

 

Berlin/Leipzig, 24.10.2015/cw – Einst wurden die Teilnehmer an dem von Hans Werner Richter zwischen 1947 und 1967 initiierten deutschsprachigen Schriftstellertreffen als „Gruppe 47“ bezeichnet. Jetzt kann sich möglicherweise eine neue Gruppierung, wenn sie sich denn als solche versteht, mit dem vakant gewordenen Namen schmücken.

Nach einem Bericht der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG von heute haben jedenfalls 47 einstige DDR-Bürgerrechtler, unter diesen allein 12 Leipziger, in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin deren Kurs in der Asylpolitik nachdrücklich unterstützt: „Wir unterstützen Ihre Politik der offenen Grenzen.“ 70 Jahre nach dem Holocaust öffne Deutschland seine Grenzen und rette Menschen aus Not und Tod. „Das ist das Land, in dem wir leben wollen, von dem wir geträumt haben“, schreiben die Bürgerrechtler, unter diesen so bekannte Namen wie Werner Schulz (Berlin/Bündnis 90/GRÜNE), Ulrike Poppe (Potsdam, amtierende Landesbeauftragte zur Aufarbeitung von DDR-Unrecht), Heiko Lietz (Güstrow, zeitweiliger theologischer Weggefährte von Joachim Gauck), Lothar Rochau (Halle), Erhart Neubert (Limlingerode), Katrin Hattenhauer (ehemals Leipzig) und Christoph Wonneberger (Leipzig).

Katrin Hattenhauer, Malerin und für den Brief „verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes“, die sich Ende der achtziger Jahre der Bürgerrechtsbewegung in Leipzig angeschlossen hatte, sagte in einem Gespräch mit der DEUTSCHEN WELLE: „Die Bürgerbewegung hat vor mehr als 25 Jahren eindrücklich gezeigt, wie man mit Mut und Ausdauer ein ganzes Land verändern kann. Mit dieser Erfahrung wollen wir unsere Stimme erheben für den Schutz asylsuchender Flüchtlinge und gegen Vorurteile und Gewalt. Wir sollten diese Herausforderung nun mit gleichem Mut, mit Hilfsbereitschaft, Kreativität und Ausdauer annehmen.“

Der Brief an Angela Merkel im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
wir unterstützen Ihre Politik der offenen Grenzen. Wir unterstützen Ihre Flüchtlingspolitik und Ihren Einsatz um der Menschen willen. Mit größtem Respekt sehen wir Ihre feste Haltung zur Aufnahme asylsuchender Flüchtlinge bei uns in Deutschland.

Ein Volk, wie das unsere, das in die Geschichte der Welt eingeschrieben ist als Land von Vertreibung und Ermordung eines Teils seiner Bevölkerung und von Teilen der Bevölkerung seiner Nachbarländer öffnet 70 Jahre nach dem Holocaust seine Grenzen und rettet Menschen aus Not und Tod. Bürgerinnen und Bürger helfen Flüchtlingen. Das ist das Land, in dem wir leben wollen, von dem wir geträumt haben.

Erst 25 Jahre liegt es zurück, dass wir selbst hinter Zäunen, Stacheldraht und Mauern eingesperrt waren. Wir gehörten damals zur Oppositions- und Bürgerrechtsbewegung in der DDR und Osteuropa. Wir haben damals viel diskutiert über die Frage „Ausreisen oder Bleiben“. Die Flucht zu versuchen, das war damals eine verzweifelte Option für viele hinter dem Eisernen Vorhang eingesperrter Menschen. Die großen Demonstrationen in Leipzig haben im September 1989 begonnen mit der Forderung nach einem offenen Land mit freien Menschen. Wir können und wollen heute Menschen, die ihre Freiheit suchen, die ihr Leben und das ihrer Familien retten wollen, nicht an unseren Grenzen ertrinken lassen. Wir wollen keine Zäune errichten, die wir für uns selbst vor mehr als 25 Jahren niedergerissen haben.

Wir merken jetzt, dass wir Menschen auf der Welt nicht mehr ganz so einfach wie bisher nach Nationen, in Deutsche/EU-Bürgerinnen und in Fremde unterteilen können. Denn die Welt ist in den letzten 25 Jahren zusammengewachsen, die Menschen sind sich über nationale Grenzen hinweg näher gekommen.

Es ist unlauter, die Globalisierung von Waren, Kapital und Dienstleistungen zum Vorteil der Exportstarken zu nutzen und gleichzeitig Menschen zu reglementieren. Die Welt ist keine Einbahnstraße mit unterschiedlichen Rechten für unterschiedliche Menschen.

Es ist kein Verdienst in Deutschland geboren worden zu sein. Es ist ein zufälliges Privileg, das wir nicht unter uns aufteilen, sondern mit anderen teilen sollten. Wir werden in Zukunft mehr, viel mehr aufwenden müssen, um die Fluchtursachen von Menschen – Krieg, Unterdrückung, Hunger, Zerstörung der Lebensvoraussetzungen durch Dürre oder Flut – gemeinsam zu bekämpfen und unseren eigenen Anteil daran auf den Prüfstand stellen.

Allen Menschen, die sich sorgen, weil mit den Flüchtlingen andere Lebensstile und Religionen in unser Land kommen, wollen wir sagen, dass es wichtig ist, miteinander zu sprechen statt Angst zu schüren. Es kommt auch auf uns an, ob Vielfalt ein Zugewinn wird, der unser starkes Land schöner machen wird und der uns tagtäglich helfen wird, besser zu verstehen, dass Nächstenliebe in unserer globalisierten Welt nicht mehr an nationale Grenzen gebunden ist.

Wir damalige Bürgerrechtler haben unterschiedliche politische Meinungen. Wir appellieren aber gemeinsam an unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen, an Politik, an die Wirtschaft und an die Medien, dass die noch offenen Fragen der Organisation und Integration der bei uns Schutz suchenden Flüchtlinge nicht, wie das jetzt leider geschieht, zu einem Grund für Abgrenzung werden.

Wir verkennen nicht, dass manche Kommunen bei der Unterbringung der Flüchtlinge an Grenzen stoßen. Wir verkennen nicht, dass auch in Deutschland Menschen mehr Zuwendung und Hilfe brauchen und sie Ängste äußern. Wir wenden uns allerdings entschieden gegen jede Form von verbaler oder physischer Gewalt und gegen Hasstiraden.

Wir setzen auf die unzähligen Zeichen von Hilfsbereitschaft und Solidarität. Wir appellieren an Politik, Wirtschaft, Medien, die Zivilgesellschaft – an alle Menschen guten Willens – die derzeitigen Herausforderungen als gesamtgesellschaftliches Anliegen anzunehmen.

Europa soll keine Insel werden. Das ist unsere gemeinsame Herausforderung und Verantwortung: „Für ein offenes Land mit freien Menschen.“

V.i.S.d.P.: Katrin Hattenhauer (Berlin, ehemals Leipzig)
und 46 Erstunterzeichner:
Prof. Dr. Susan Arndt, Bayreuth, Agnes Berkemeier, Leipzig, Stephan Bickardt, Leipzig, Dr. Martin Böttcher, Zwickau, Till Böttcher, Berlin, Frank Eigenfeld, Halle, Tim Eisenlohr, Amrum, Renate Ellmenreich, Joachimsthal, Anke Hansmann, Braunschweig, Michael Heinisch, Berlin, Martin Hartkopp, Berlin, Axel Holicki, Leipzig, Almut Isen, Berlin, Gisela Kallenbach, Leipzig, Ines-Maria Köllner, Leipzig, Oliver Kloss, Leipzig, Dr. Ilko Kowalczuk, Berlin, Rainer Kühn, Berlin, Uwe Lehmann, Berlin, Katharina Lenski, Jena, Christoph Leucht, Berlin, Heiko Lietz, Güstrow, Antje Meurers, Dresden, Barbara Morgenroth, Themar, Arnd Morgenroth, Themar, Rainer Müller, Leipzig, Wolfgang Musigmann, Erfurt, Hildigund Neubert, Limlingerode, Dr. Erhart Neubert, Limlingerode, Bernd Oehler, Meißen, Gisela Pohler, Leipzig, Georg Pohler, Leipzig, Ulrike Poppe, Potsdam, Grit Poppe, Potsdam, Lothar Rochau, Halle, Peter Rösch, Berlin, Wolfgang Rüddenklau, Berlin, Corinna Schmid, Erfurt, Werner Schulz, Berlin, Dr. Rita Sélitrenny, Leipzig, Barbara Sengewald, Erfurt, Matthias Sengewald, Erfurt, Matthias Voigt, Berlin, Kathrin Walter-Mahler, Berlin, Reinhard Weißhuhn, Berlin, Christoph Wonneberger, Leipzig.“ (1.049)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 20.08.2015/cw – Am vergangenen Dienstag referierte in der Gedenkbibliothek für die Opfer des Kommunismus in Berlin der ehemalige Grenzsoldat der DDR-Grenztruppen und spätere Fluchthelfer Rudi Thurow über seine Geschichte und wichtige Hintergründe aus der Zeit des Kalten Krieges wie der Nach-Wende-Zeit. Christine Meyer berichtete im Forum FLUCHT UND AUSREISE über den interessanten Abend. Die Zwischenüberschriften wurden durch die Redaktion eingefügt; eine Auslassung  (aus rechtlichen Gründen) gekennzeichnet (…).

Fluchttunnel mit Hilfe der Amerikaner

Von Christine Meyer

Wir waren gestern in der Gedenkbibliothek, wo Rudi THUROW erzählte, wie er vom DDR-Grenzpolizisten zum Fluchthelfer wurde.

Auf seiner Flucht nahm er Dokumente über die innerdeutsche Grenze mit und übergab diese den Amerikanern. Die Ami’s leiteten die Unterlagen nicht an den Berliner Senat weiter, weil sie die deutschen Behörden für nicht vertrauenswürdig hielten. Der Grund hierfür ist, dass Westberlin mit DDR-hauptamtlichen IM’s durchzogen war. …

Mit Hilfe der Amerikaner baute Rudi THUROW Fluchttunnel. Generalmajor Karl KLEINJUNG plante die Ermordung Thurows. Zwei Attentate scheiterten, weil THUROW durch die Amerikaner gewarnt wurde, beim dritten hatte er Glück und entkam.

Belege über Mordanschläge wurden unter Gauck vernichtet

Nach der Wende beantragte er Akteneinsicht und erhielt die bereinigte Akte durch die Gauck-Behörde. Focus-Journalisten informierten THUROW, dass sie weiteres Material über ihn hätten, welche den Auftragsmord des Generalmajor KLEINJUNG belegten – nachdem der Titel der Veranstaltung „Fluchthelfer Thurow ist zu erschlagen“ gewählt wurde. Es ist eine große Ausnahme, dass Journalisten diese Belege in die Hände fielen. Laut THUROW ist Joachim GAUCK (als BStU /wm) eine Nachlässigkeit passiert.

Sämtliche Belege über Mordanschläge wurden, noch unter GAUCK, vernichtet. Geschadet hat es Herrn KLEINJUNG trotzdem nicht. Er lebte gut situiert bis zum natürlichen Ende. Ebenso wie die Verräter am Tunnelbau. Ein Grieche hatte den Tunnelbau verraten, wodurch Flüchtlinge erschossen und verhaftet wurden. Der Verräter ist bekannt und wird vom deutschen Staat gedeckt.

Die Helfer beim Tunnelbau waren international: Dänen, Belgier… etc. Rudi THUROW erhielt das Bundesverdienstkreuz; seine Kameraden von damals wurden zur Feier nicht eingeladen. Ausländische Staatsbürger haben ihr Leben für die Freiheit der DDR-Flüchtlinge riskiert – ohne die kleinste Aufmerksamkeit durch den deutschen Staat. Rudi THUROW überlegt, ob er das Verdienstkreuz zurückgeben sollte.

Maulwurf“ für den RIAS wurde hingerichtet

Ein leitender Historiker unter den Zuhörern erforscht die Anzahl der Mauertoten. Staatlich hoch bezahlte Historiker rechnen die Opferzahlen herunter, indem die eine oder andere Gruppe nicht dazu gezählt wird. Die wahren Aufklärer sind die Ehrenamtlichen. Wahre Zahlen gibt es bei Alexandra HILDEBRANDT, Museum Checkpoint Charlie; geschönte Zahlen gibt’s in der Bernauer Straße und im „Tränenpalast“.

Ein Beispiel: Maueropfer gibt es erst seit dem 13.8.1961. Die 200 Toten davor werden nicht gezählt usw. usf. Die Grenze wurde bereits vor dem Mauerbau überwacht, bspw. Zufahrtswege nach Berlin. Am Abend davor wurden im kleinen Kreis die Züge, welche kontrolliert werden sollten, als Befehl für den nächsten Tag festgelegt. Darunter war ein Maulwurf, der die geplanten Aktionen dem RIAS zukommen ließ. Und der RIAS warnte seine Zuhörer vor diesen Zügen. Der Maulwurf flog auf und wurde in Leipzig hingerichtet und seine Leiche an einer bekannten Stelle verscharrt. Nach der Wende verhinderte die DDR-Opposition ein würdiges Begräbnis aller Hingerichteten. Aufgrund von Baumaßnahmen mussten diese dann doch umgebettet werden und sie ruhen jetzt auf dem Südfriedhof Nähe abseitsgelegenen Komposthaufen ohne jeglichen Hinweis, wer sie einmal waren.

Meine Schilderung ist ein bisschen lang geworden. Da kann sich jeder selbst einen Reim darauf machen, wo wir im 26. Jahr nach dem Mauerfall stehen.

Quelle: Flucht und Ausreise –
http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r=threadview&t=3864164&pg=1

Von Eduard Pröls

Leipzig, 9.08.2015/ep – Bereits das Demonstrationsverbot in Dresden am 19. Januar 2015 hatte in Deutschland für Diskussionen und Sorgen um das Grundrecht auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit geführt. Begründung waren Hinweise, es könnte einen terroristischen Anschlag auf einen der Veranstalter und Redner geben.
Keine drei Wochen später gibt es nun das nächste Versammlungsverbot: Diesmal in Leipzig für den 9. Februar. Die Begründung: Polizeinotstand!

Jeder kann (sollte) diesen offenen Brief unter dem angegebenen LINK unterzeichnen.

Jeder kann (sollte) diesen offenen Brief unter dem angegebenen LINK unterzeichnen:

http://citizengo.org/de/18571-versammlungsfreiheit-sicherstellen

„Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass in Sachsen offenbar Polizeinotstand herrscht und es nicht möglich ist, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten“, sagte der Leipziger Oberbürgermeister Jung am Samstag, 07.02.2015.
Interessant ist, dass sowohl das sächsische Innenministerium, als auch z.B. der CDU-Innenpolitiker Christian Hartmann erklären, von einem „Polizeinotstand“ könne keine Rede sein. Die Demonstrationen könnten mit 1000 Beamten hinreichend abgesichert werden.

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sieht in dem Demo-Verbot einen „Offenbarungseid der Politik“ und eine Kapitulation des Rechtsstaates. Er wies die Verantwortung dafür klar dem Dresdner Innenministerium zu. „Die Sparpolitik der vergangenen Jahre, die zu massiven Personalbestandskürzungen bei der Polizei geführt hat, fällt der politischen Führung jetzt auf die Füße und beschädigt unseren Rechtsstaat.“ Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, forderte Konsequenzen.

Pikant ist, dass anscheinend das Demonstrationsverbot auch aus politischem Kalkül erfolgt, denn „der Streit zwischen der Stadt Leipzig und der Staatsregierung in Dresden über die Polizeistärke in der Stadt ist nicht neu. Seit Jahresbeginn war es zu mehreren Anschlägen auf Polizeistationen in Leipzig gekommen, die vermutlich von Linksextremen verübt worden waren. Die linksextreme Szene in Leipzig ist neben Hamburg und Berlin eine der größten in Deutschland, über rund 750 Mitglieder soll sie laut Verfassungsschutz verfügen. Oberbürgermeister Jung hatte denn auch vor einer Woche in einem Brief an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) beklagt, dass zu wenig Polizei in der Stadt sei und generell mehr Polizisten für Leipzig angemahnt. Dies lehnte Tillich jedoch ab“ (Die Welt, 07.02.2015).

Ein weiteres Indiz für politisches Kalkül könnte die Tatsache sein, dass zwar die eine Demonstration wegen Polizeinotstandes verboten, die diversen Gegendemonstrationen aber erlaubt wurden.
Die Versammlungsfreiheit und das Demonstrationsrecht sind ein hohes Rechtsgut. Hier geht es darum, dass der Staat diese Grundrechte gewährleisten muss und sie nicht zur Verfügungsmasse egal welcher Überlegungen politischer Instanzen machen darf!

Mit der Unterzeichnung der Petition äußern Sie gegenüber dem sächsischen Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) Ihren Protest gegen staatliche Willkür und einen Mißbrauch von Grundrechten durch politische Interessen.

V.i.S.d.P.: Eduard Pröls – petitionen@citizengo.org

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